Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
Solarpunk - what do the Characters do?
Torsten (Donnerhaus):
Bezüglich dessen, was Charaktere tun können, kommt mir zu allererst die Frage warum man überhaupt Solarpunk spielt. Nämlich ob man es spielt, um in einem Solarpunk-Setting eine Geschichte zu spielen, oder ob man es spielt, um sich an der Solarpunkigkeit der Spielwelt zu ergötzen. Wenn nämlich ersteres der Fall ist, kann man die Spielwelt auch einfach auf den Kopf stellen, um für jede Menge Spannung und Chaos zu sorgen.
Was passiert denn, wenn eine Solarpunk-Kultur so vor sich hin utopiat und auf einmal Kontakt mit einer aggressiven, invasiven Kultur macht? Ob das jetzt Dämonen, Morlocks, Supervillains oder Aliens sind, spielt dafür erstmal keine Rolle. Denn auf einmal ist das, was die Welt zu dem Utopia macht, ein Problem. Wenn regenerative Energiequellen nämlich eines nicht können, dann RAPIDE zu skalieren. Deshalb verwenden wir ja auch nach wie vor Schusswaffen mit chemischen Treibladungen und keine Railguns oder Laser. Die Energiemenge, die man in das Volumen und Gewicht einer Patrone konzentrieren kann, ist elektrisch kaum zu erreichen. Umweltfreundliche Elektroflugzeuge können nie die Leistung von kerosingetriebenen Düsenjägern erreichen. Und auf einmal hat man ein bedrohtes Utopia, das in ein kaskadierendes Rennen gerät, den Weg zurück zu destruktiveren Energiequellen zu finden. Daraus können so einige Abenteuer entstehen und die Spanne dazu passender Figuren ist auch sehr breit. Salvager, Archäologen, Ingenieure, Special Forces, Geheimagenten, Magnaten,…
Skyrock:
Habe einen BBC-Artikel gelesen, der mich an diesen Thread hat denken lassen: https://www.bbc.com/future/article/20260331-a-1960s-green-utopia-tried-to-reinvent-the-world
Gaviotas ist eine Alternativenkommune in Kolumbien, die der Savanne Lebensraum abgetrotzt hat und auf ziemlich solarpunkige DIY-Technologie zurückgreift. Ein paar Jahrzehnte in die Zukunft gedacht und dramatisiert wäre das ein guter Abenteuerschauplatz - zumal es bereits IRL Probleme mit Drogenmafia und militanten politischen Bewegungen gibt.
WeepingElf:
Ich habe das jetzt erstmal überflogen, und ein Lesezeichen gesetzt, um es später in Ruhe zu lesen. Sieht interessant aus. Danke, Skyrock!
JohnLackland:
Solarpunk, eine Prise demokratischer Sozialismus und als Gegner Personen, die beginnen, das System von innen zu sabotieren, um Macht und Einfluss anzuhäufen – also dem Kapital zu frönen. Ich fände einen kapitalismuskritischen Ansatz wirklich spannend. Es ist geschafft, die Versorgungssicherheit ist hergestellt, Energie ist soweit sichergestellt, dass alle gut leben können und die Blaumeise und die Hufeisenfledermaus flattern vergnügt. Aber das passt nicht allen. Denn wie doof ist das denn, wenn alle etwas haben, aber jemand hat mehr als die anderen? Ist es nicht Teil der menschlichen Natur, Besitz und Einfluss anzuhäufen? Und schon hat man Konflikte. Es braucht keinen König oder fremde Spezies, es braucht im Grunde nur andere Menschen, Elfen oder was auch immer, die unzufrieden sind innerhalb ihrer eigenen Gesellschaft, die aber im Großen und Ganzen funktioniert. Die meisten Rollenspiele spielen in Mangelwelten bzw. Ausbeutungssystemen, häufig Feudalismus oder neoliberalen Kapitalismus auf Speed. Aber eine Utopie, in der es allen gut geht, als Ausgangslage zu haben, ohne sich darüber lustig zu machen oder sie von vorneherein zu demontieren, wäre spannend.
WeepingElf:
Zweifellos wird es die perfekte Gesellschaft nie geben. Menschen sind unvollkommen, und haben widerstreitende Interessen. Also wird es auch in einer Gesellschaft, in der Solarpunk-Visionen in Erfüllung gegangen sind, soziale Probleme und Konflikte, und damit Anlässe für Abenteuer, geben. Das haben wir doch hier längst herausgefunden ;)
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