Ich glaube, hier haben wir eine unterschiedliche Vorstellung. Ich verstehe dich so, dass du davon ausgehst, dass ein Pazifist grundsätzlich ein guter Mensch ist. Das ist eben das, was ich nicht voraussetze.
Muss dann doch nochmal:
Setze ich auch nicht vorraus; schon weil mir die Definition von "gut" noch schwerer fällt als die von "böse". Ich sehe aber nicht, wie sich halbwegs konsequenter Pazifismus mit der Bereitschaft verträgt, anderen (Unschuldigen) zu schaden - diese aber wiederum ist ja Voraussetzung für "böses" Handeln.
Ähnlich schwierig fällt mir die halbwegs konsequente Ausgestaltung eines "bösen Altruisten" - der könnte vielleicht ein Tierquäler sein (der böse Pazifist übrigens auch). Mit einem "bösen Vegetarier" habe ich viel weniger Probleme, weil sich das ja von Anfang an stark einschränkt und große Bereiche offen lässt, in denen Böses getan werden kann.
Beim Pazifismus haben wir eben weiterhin das Problem, dass nicht leicht klar zu definieren ist, was das bedeuten soll; sowohl real als auch in der Spielwelt. Jemand, der "nur" gegen Krieg zwischen Staaten ist aber ansonsten mit Gewalt kein Problem hat? Jemand, der gegen alle körperliche Gewalt ist, aber keine Probleme mit psychischer Gewalt hat? Jemand, der gegen unlegitimierte Gewalt ist? (ergo "rechtschaffen"). Jemand, der dann für Frieden ist, wenn er ihm nutzt, aber sonst kein Problem mit Krieg hat? (ergo "böse").
Hilfreich mag auch sein, sich nach historischen Vertretern umzuschauen, die für bestimmte Ismen stehen. Pazifismus ist klar: Gandhi, K. Tucholsky, C. v. Ossietzky. Vertreter eines "bösen" Pazifismus finde ich nicht.
Vermutlich ist das aber schlichtweg ein unglücklich gewähltes Beispiel, welches man für das eigentliche Thema leicht durch etwas anderes ersetzen kann, was den gleichen Zweck erfüllt, aber weniger Folgeprobleme aufwirft. Liegt vermutlich auch an der Frage, ob Gewalt/Krieg/Frieden mit Kategorien wie "gut" und "böse" in Verbindung gebracht werden sollte.
Teilweise gewiss auch ein allgemeines Problem des "gut"/"böse"-Paradigma, welches die Komplexität von Persönlichkeiten nicht abbildet.
Nur, ethisch-moralisch besonders höherstehend sind sie bei genauerem Hinschauen allein ihrer "Gewaltlosigkeit" wegen eben auch nicht.
Der Punkt dürfte auch sein, dass sie der Beschreibung nach eben nicht gewaltlos sind.
Johan Galtungs Konzept des "positiven Friedens" ist vermutlich eine ganz gute Zusammenfassung dessen, wohin Pazifismus letztlich konsequent tendieren muss.
Anders sieht es freilich aus, wenn man "Pazifismus" als "Ablehung zwischenstaatlicher Gewaltanwendung" definiert.
...So, jetzt langt's aber wirklich. Bitte um Pardon für den langen Exkurs.