Unabhängig von KI wird sich die Entwicklung (noch mehr) ins Digitale verschieben. Schon jetzt schreibt glaube ich niemand mehr ohne Computer, zeichnet ohne digitale Unterstützung oder layouted noch mit Schere und Klebestift. Ich würde auch annehmen, dass mindestens mal Excel oder auch dedizierte Programme genutzt werden, um Würfelalgorithmen zu simulieren – falls das dann überhaupt passiert. Durch KI könnte aber auch denen geholfen werden, die Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Schule nicht verstanden haben.
Gespielt wird, egal ob allein oder in der Gruppe, entweder direkt online oder aber unterstützt durch mobile Geräte. Man schlägt Regeln nach, erstellt und verwaltet den Charakter, führt Kampagnen-Notizen, lässt sich als SL inspirieren. Ein paar Grognards werden vielleicht auch noch Laptops oder Desktop-Computer benutzen, aber nur Pen & Paper und vielleicht noch ein kunstledergebundenes Notizbuch wird eine Ausnahme sein.
Genau wie gedruckte Bücher. Das werden (teure) Sammlerstücke. Genau wie Würfel es schon sind. Wer echten Zufall will, nimmt eh besser eine App. Nur wenn die Haptik wichtiger ist, sind Würfel ungeschlagen.
Vielleicht schmöckert man in Büchern zum Spaß im Ohrensessel bei einem Glass Wein, aber sie sind nicht das primäre Mittel, um ein System zu lernen. Das erfolgt durch Videos, Podcasts, Mitspielen und dann erst Lesen und das in erster Linie digital.
Wie kommt KI ins Spiel?
Für eine Nische, die 100% Human Content bevorzugt, gar nicht.
Ansonsten erwarte ich, dass ich zukünftig bald jedes Regelwerk in jeder Sprache bekommen werde. Entweder über eine Plattform wie das an Roll20 angeschlossene DriveThruRPG oder direkt vom Hersteller. KI wird die Grundübersetzung übernehmen und schnell so gut sein, dass man das nicht vom begeisterten Fan unterscheiden kann. Damit das klappt, muss das Layout nur noch grob beschrieben werden, so wie es auch bei HTML-Seiten oder EPUBs passiert. Oder KI kann Texte "intelligent" einkürzen oder verlängern, damit ein ästhetisches Gesamtbild entsteht, bei dem alle Seiten gleichmäßig gefüllt und ausgewogen bebildert sind.
Ich kann dann außerdem Aspekte des Regelwerks bzw. des Settings für mich automatisiert und konsistent per KI umschreiben lassen. Ich kann somit das persönliche System erschaffen, inklusive aller Hausregeln. Und das mit der Gruppe teilen. Oder vielleicht auch über eine Plattform wie DTRPG teilen.
Ich kann mich als SL auf der Basis von Zufallstabellen, die dann per KI ausgeschmückt werden, zu Abenteuern inspirieren lassen. Das geht jetzt schon privat, aber ich erwarte, dass diese Form von persönlich zugeschnittenen "Instant Adventures" zukünftigt ein fester Bestandteil von D&D Beyond und ähnlichen Hubs werden.
Und noch ein Punkt: Für's Online-Spiel wird es dank KI normal werden, dass man als sein Charakter zu sehen und zu hören ist. Ein ganzer Markt wird entstehen, wo man ge-rigg-te 2D oder 3D Modelle konfigurieren und kaufen können wird, um exakt so wie der edgy Tiefling der eigenen Vorstellung auszusehen. Und als SL kann man in ein Dutzend verschiedene NSCs schlüpfen.
Und ja, es wird auch den Versuch geben, ohne Mühe an das Geld anderer zu kommen (also den gefürchteten AI-Slop). Dem gegenüber wird es (gegen Geld) kurratierte geschlossene Hubs geben, die sich den Ruf erwerben, hochqualitativen Content anzubieten. Das werden die neuen Verlage werden.
Edit: Um es noch mal mit einem Satz zu sagen, was ich durch Auslassung ausdrücken wollte: Den kreativen Schöpfungsprozess an sich wird das alles nicht betreffen. Ob ich eine Idee habe, die ich per KI bearbeite, ob mir die KI eine Idee präsentiert, die ich dann bearbeite, der Prozess ist der selbe und mein Aufwand ist, was zählt. Die Produktion wird wahrscheinlich einfacher bzw. man kann mit dem jetzigen Aufwand einen größeren Markt erreichen. Ich halte das unter'm Strich für positiv.