Autor Thema: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI  (Gelesen 8364 mal)

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Offline unicum

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #175 am: Heute um 15:15 »
Pro und Kontra war ja eigentlich auch gar nicht gefragt, da sind die Fronten eh benannt und verfestigt denke ich. Gefragt war wie sich die Szene vermutlich entwickeln wird, wenn jetzt nicht noch eine unerwartete juristische Wende der Sache von anderer Seite den Stecker zieht.

Prinzipiell ist es für mich schon eine Pro und Contra diskussion. Ich schrieb oben #162 meine Sicht auf die Zuklunft. Das kann man eigentlich nur abschätzen wenn man meint ob Pro oder Contra irgendwann mal überwiegen.

Eine Juristische Wende? Kann ich mir kaum vorstellen, wie soll das ausschauen? die großen Player sind die USA und China, und da sehe ich Nicht das sich etwas tut, nicht unter den jeweiligen derzeitigen Administrationen.

Dieses Label KI Frei,... ich glaube das geht schon heute nicht wirklich. Gib in eine Suchmaschiene etwas ein und da sucht die KI für dich schon mit, übersetzungen - klar ich kann Leo nehmen aber das bringt auch nicht immer alles. Ich glaube das ist schon so wie in der Lebensmittelindustrie "kann spuren von Nüssen enthalten",... wenn ich daran denke das jeder von uns (im Schnitt) Plastik  in der Menge einer Kredit/Debit Karte (5gramm) zu uns nehmen (in der Woche) kann ich über "spuren von Nüssen" nur schmunzeln.

Anderst Formuliert: Ich glaub das Kind ist in den Brunnen gefallen, oder der Dschinn ist aus der Flasche, Die Büchse der Pandora ist offen,...
Oder auch einfach gesagt: Ich hab für mich den Punkt erreicht das es eine vergebliche Mühe ist sich gegen die neue Technik zu stellen und dann einfach die Seite gewechselt und versucht das beste daraus zu machen. Alles andere ist schlecht für meinen Blutdruck.

Vieleicht auch ein Punkt: "Wir" sind was Rollenspielkrahm betrifft doch sicherlich nicht das Hauptziel der KI-Entwicklung. Das meiste Geld wird man mit KI sicherlich an anderen Stellen machen, für "uns" bleiben eh nur Brosamen.

Offline Raven Nash

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #176 am: Heute um 15:38 »
Vieleicht auch ein Punkt: "Wir" sind was Rollenspielkrahm betrifft doch sicherlich nicht das Hauptziel der KI-Entwicklung. Das meiste Geld wird man mit KI sicherlich an anderen Stellen machen, für "uns" bleiben eh nur Brosamen.
Das ist korrekt.

Man muss sich auch vor Augen halten, dass LLMs bereits weit länger existieren, als wir uns vorstellen. Die ersten funktionierenden Modelle sind seit den 2010er Jahren vorhanden, kleine Modelle gibt es schon viel früher, insbesondere bei Übersetzungen. Was im militärischen Bereich so ging... man weiß es nicht.

Der KI-Boom (zumindest im Business-Bereich) scheint vorbei zu sein. Langsam kommt man dahinter, dass so ein LLM doch nicht die Lösung aller Probleme darstellt, und man wiederum Leute braucht, die mit dem Ding umgehen können. Im Moment geht's wohl eher den Programmierern an den Kragen, vor allem Junior Developer ersetzt man durch LLMs.

Was bedeutet das für den RPG-Sektor? Grundsätzlich mal nicht viel. AI-Slop wird es auch hier geben - einfach, weil es ihn überall gibt. Schaut mal auf Insta, TikTok & Co. Grindigster AI-Mist überall. Allerdings geht das auch schon vielen Leuten auf den Keks. Ich gehe mal davon aus, dass auch dieser Trend vergeht, wie alle anderen bisher (Ice-Bucket Challenge anyone?).

Es wird sich also wieder beruhigen. Wird einiges an verbrannter Erde geben, aber da machen mir andere Dinge auf der Welt größere Sorgen.
Ich hoffe, dass am Ende ein ruhiger, sachlicher Umgang mit dieser Technologie möglich ist.
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Offline unicum

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #177 am: Heute um 16:12 »
Das ist korrekt.Man muss sich auch vor Augen halten, dass LLMs bereits weit länger existieren, als wir uns vorstellen.

https://de.wikipedia.org/wiki/ELIZA ??? Die Idee dahinter ist sogar noch älter.

Offline Rackhir

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #178 am: Heute um 16:31 »

Ich möchte zum Thema Labelling etwas zu bedenken geben: Die EU-Kommission hat eine Leitlinie veröffentlicht, wie KI-Systeme und ihr Output den Transparenzverpflichtungen der KI-Verordnung nachkommen sollen.
https://www.golem.de/news/ai-act-eu-kommission-veroeffentlicht-verhaltenskodex-fuer-ki-inhalte-2606-209690.html

Für viele von uns der wahrscheinlich interessanteste Punkt: "Für kreative, künstlerische, satirische oder fiktionale Werke gelten flexiblere Vorgaben. Auch dort muss der KI-Einsatz offengelegt werden, der Hinweis darf die Wahrnehmung des Werks aber nicht unangemessen stören. Er kann deshalb etwa in Begleitinformationen, Beschreibungen oder im Vor- und Abspann stehen."

Letzte Fußnote: für rein private Nutzung gelten die Transparenzverpflichtungen nicht.

Offline Maarzan

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #179 am: Heute um 16:36 »
Hört sich aufs erste Lesen überraschenderweise gar nicht so unsinnig an. Bliebe die Frage der Überprüfbarkeit bei weiterverarbeitetem Material.
Storytellertraumatisiert und auf der Suche nach einer kuscheligen Selbsthilferunde ...

Offline unicum

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #180 am: Heute um 16:55 »
Die Botschaft hör ich schon, allein mir fehlt der Glaube.

Offline sma

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #181 am: Heute um 16:56 »
https://de.wikipedia.org/wiki/ELIZA ??? Die Idee dahinter ist sogar noch älter.
Eliza ist kein LLM sondern ein Pattern-Matcher mit Substitution (hier ist eine lesbare Version des Programms mit ein paar Erklärungen) und zählt IMHO nicht.

Was wir jetzt als KI oder LLMs kennen, ist das Ergebnis des Generative Pre-trained Transformer-Algorithmus, 2018 bei OpenAI erfunden (dafür haben die sich gegründet), auf der Basis der 2017 von Google veröffentlichten Forschungsarbeit "Attention Is All You Need".

So unwahrscheinlich alt ist das noch nicht.

Die Idee der neuronalen Netze geht auf eine Arbeit von 1943 zurück und 1956 trafen sich einige Wissenschaftler (u.a. McCarthy und Minsky) in Dartmouth (wo 8 Jahre später BASIC erfunden wurde) zur weltweit ersten Konferenz zum Thema AI, aber vor 2017 hat niemand kommen sehen, dass neuronale Netze ein emergentes Verhalten haben, wenn man sie über alle Maßen skaliert. Im ersten KI-Winter von 1969 kam die Ernüchterung, dass Perzeptronen doch nicht so funktionierten wie man sich erhoffte, weil die damaligen Rechner nicht leistungsfähig genug waren. Seymour Papert konzentriere sich daher lieber darauf, Kindern das Programmieren beizubringen und erfand LOGO. Der zweite KI-Winter brach 1987 aus, als klar wurde, dass LISP-Maschinen gescheitert und Expertensysteme mit ihren Vorwärts- und Rückwärtsinferenzern (also Regelbasierte-KI) nicht skalierte, weil es nahezu unmöglich war, alles Wissen in Regeln zu gießen. Und so starb nicht nur LISP sondern auch PROLOG. Der KI-Winter Begriff verdanken wir übrigens Gabriel, der durch sein Essay Worse is Better bekannt wurde, in dem er das Scheitern seiner Firma Symbolics (die mit den LISP-Maschinen) verarbeitet hat. Jedenfalls war danach das Thema KI lange Zeit tot.

Offline Raven Nash

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #182 am: Heute um 17:15 »
Ich möchte zum Thema Labelling etwas zu bedenken geben: Die EU-Kommission hat eine Leitlinie veröffentlicht, wie KI-Systeme und ihr Output den Transparenzverpflichtungen der KI-Verordnung nachkommen sollen.
https://www.golem.de/news/ai-act-eu-kommission-veroeffentlicht-verhaltenskodex-fuer-ki-inhalte-2606-209690.html

Tjo, nur ist das mal wieder von einer Seite her angegangen, die am Ende auch nicht taugt:

Zitat
Audio, Bilder, Videos und Texte sollen maschinenlesbar markiert werden, damit sie später als künstlich erzeugt oder verändert erkannt werden können.
Wird man zum einen entfernen können, zum anderen wird eine Überprüfung von dieser Seite her extrem mühsam.
Und warum sollten sich Betreiber außerhalb der EU an solche Richtlinien halten?
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Offline Rackhir

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #183 am: Heute um 17:31 »
Tjo, nur ist das mal wieder von einer Seite her angegangen, die am Ende auch nicht taugt:
Wird man zum einen entfernen können, zum anderen wird eine Überprüfung von dieser Seite her extrem mühsam.
Und warum sollten sich Betreiber außerhalb der EU an solche Richtlinien halten?
Das tun sie durchaus, siehe z.B. https://openai.com/de-DE/index/advancing-content-provenance/ oder https://blog.google/innovation-and-ai/products/identifying-ai-generated-media-online/.

Offline sma

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #184 am: Heute um 17:56 »
Falls sich noch wer an die Aufregung wegen DRM vor 20+ Jahren erinnern kann: Das hier wird extremer und technologisch anspruchsvoller.

Jeder, der irgendwo in der Kette zwischen Bilderstellung und Bildanzeige beteiligt ist, muss mitspielen und es ehrlich meinen. Das geht nur mit Verträgen und großen Unternehmen, die was zu verlieren haben und je nachdem, ob man "human made" oder "AI made" labelt, wird der Mensch von der Straße fälschlich beim Fehlen des Labels das Gegenteil vermuten.

Es wird kaum möglich sein, den Menschen klar zu machen, dass die ihnen zugeordneten Cryto-Keys extrem wertvoll sind, weil z.B. dadurch, dass sich ein Journalist mit seiner Kamera als Mensch hat registrieren lassen, jeder in "seinem Namen" Fotos machen kann, wenn er an den Schlüssel kommt. Oder anders herum, wenn ich einen Schlüssel habe, mit dem ich Bilder als AI labeln kann, kann ich dadurch diesen die Legitimität absprechen.

Und wir trauen doch alle den ganzen chinesischen Herstellern von Kameras und anderen Geräten, dass deren Crypto-Chips nur das machen, was auch die Spezifikation vorschreibt, oder? Und ihr könnt in dieser Frage gerne chinesisch mit us-amerikanisch tauschen.

Offline Ainor

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #185 am: Heute um 18:28 »
Eliza ist kein LLM sondern ein Pattern-Matcher mit Substitution

Strenggenommen ist Chatbot der Antworten mit dem Pattern-Matcher generiert während ChatGPT&Co Chatbots sind die Antworten mit einem LLM generieren. Aber ja, technisch haben beide systeme fast nichts gemein.

Was wir jetzt als KI oder LLMs kennen, ist das Ergebnis des Generative Pre-trained Transformer-Algorithmus, 2018 bei OpenAI erfunden (dafür haben die sich gegründet), auf der Basis der 2017 von Google veröffentlichten Forschungsarbeit "Attention Is All You Need".

So unwahrscheinlich alt ist das noch nicht.

Die Idee der neuronalen Netze geht auf eine Arbeit von 1943 zurück und 1956 trafen sich einige Wissenschaftler (u.a. McCarthy und Minsky) in Dartmouth (wo 8 Jahre später BASIC erfunden wurde) zur weltweit ersten Konferenz zum Thema AI, aber vor 2017 hat niemand kommen sehen, dass neuronale Netze ein emergentes Verhalten haben, wenn man sie über alle Maßen skaliert.

Was genau worauf beruht ist immer ein wenig diskutabel. Und viele haben vor 2017 kommen sehen dass riesige neuronale Netze sehr viel können (im Prinzip seit 1990 bewiesen). Nur damit dass man tatsächlich in Kürze dahin kommt haben viele nicht gerechnet, denn das beruht im wesentlichen auf gigantischen privaten Investitionen. 


Was den Einfluss auf Rollenspiele angeht: es gibt ja jetzt schon viel mehr Material als man je auch nur anschauen könnte.
Wenn es jetzt 10 mal soviel gibt ändert sich quasi nichts. Ohne Hinweise von Aussen wird fast nichts gefunden.

Wichtiger wäre erstmal die Frage ob man im Rollenspiel vom buchbasierten Material wegkommt und zu computerbasiertem als primäre Quelle übergeht. Das ermöglicht z.B. viel detailierte Settingbeschreibungen, interaktive Karten, dynamische Welten, etc.
« Letzte Änderung: Heute um 18:33 von Ainor »
Es wird zu viel darüber geredet wie gewürfelt werden soll, und zu wenig darüber wie oft.
Im Rollenspiel ist auch hinreichend fortschrittliche Technologie von Magie zu unterscheiden.
Meine 5E Birthright Kampagne: https://www.tanelorn.net/index.php/topic,122998.0.html

Offline sma

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #186 am: Heute um 19:04 »
Wichtiger wäre erstmal die Frage ob man im Rollenspiel vom buchbasierten Material wegkommt und zu computerbasiertem als primäre Quelle übergeht. Das ermöglicht z.B. viel detailierte Settingbeschreibungen, interaktive Karten, dynamische Welten, etc.
Das ist IMHO schon keine Frage mehr, sondern klar erklärte Strategie von WotC. Digital (via D&D Beyond) first und Bücher später für Sammler. Bereits aktuell verdienen sie deutlich mehr mit D&D Beyond (die Summe aus direkten Subscriptions, eigenen digitalen Verkäufen und Umsatzbeteiligung beim digitalen Marktplatz) als mit Druckerzeugnissen.