Autor Thema: Con One Shot: sollte sich die SC Gruppe schon kennen oder nicht?  (Gelesen 551 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Trisman

  • Bloody Beginner
  • *
  • Beiträge: 37
  • Username: Trisman
Ich werde in drei Wochen auf einer Con einen selber geschriebenen DnD 5e One Shot leiten. Nachdem ich jetzt ca. 1,5 Jahre für verschiedene private Gruppen leite, ist das das erste Mal auf einer Con für einen random Table. Und ich habe auch erst ein Mal auf einer Con überhaupt als Spieler teilgenommen. Bei der Planung ist jetzt eine Frage bei mir aufgekommen:

Am Anfang bekommt die Gruppe einen Auftrag von einem reichen Handelsmagnaten. Der Einstieg ist vor dem Tor zu seinem Anwesen. Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten:
1. Die Gruppe kennt sich, weil sie schon zusammen Aufträge erledigt haben.
2. Die Charaktere haben sich unabhängig von einander aufgrund eines Aushangs dort eingefunden und kennen sich noch nicht.

Ich habe das Abenteuer im letzten Jahr schon einmal für alte Schulfreunde von mir geleitet, die sich dementsprechend natürlich kannten. Ich habe sie dort als schon bestehende Gruppe antreten lassen. Nur einer der vier hatte bis dahin überhaupt Pen and Paper Erfahrung. Durch die lange Freundschaft in realen Leben hatten sie kein Problem auch in character miteinander zu kommunizieren, auch weil bei den Neulingen doch sehr stark der wirkliche eigene Charakter und die real life Beziehungen zwischen den Leuten rausgekommen ist.

Auf einer Con werden sich die Leute untereinander ja nicht kennen und da ich die Runde ausdrücklich auch als Anfänger geeignet anbieten werde, muss ich davon aus gehen auch sehr unerfahrene Spieler dabei zu haben. Mein Gedanke ist, dass eine in Game Vorstellungsrunde da vielleicht ganz hilfreich ist und sie sich daher noch nicht als Gruppe kennen sollten. Ich habe für die Leute, die sehr unerfahren und unsicher sind auch kurze optional zu nutzende Charaktereigenschaften (leicht aufbrausend, harmoniebedürftig usw.) auf die Bögen geschrieben, die grob dabei helfen können von Anfang an den "richtigen Ton" des Charakters zu treffen.
Ich denke allerdings auch in die Richtung, dass sehr unerfahrene Spieler, die auch im echten Leben eher schüchtern sind, es im Spiel eventuell leichter hätten in ein aktives Spiel mit den anderen SCs zu kommen, wenn diese schon befreundet sind.

Die extrovertierten Smalltalkkönig*innen werden ja egal wie rein finden, bei denen mache ich mir keine großen Gedanken.

Wie handhabt ihr das auf Cons bzw. was sind eure Erfahrungen?

Online Galatea

  • Hero
  • *****
  • Beiträge: 1.535
  • Username: Galatea
Kommt darauf an, ob eine Ladykillers-Plotentwicklung eine Option sein soll.
We should respect all forms of consciousness. The body is just a vessel, a mere hull.

Online Holothuroid

  • Richtiges Mädchen!
  • Titan
  • *********
  • Proactive Scavenger
  • Beiträge: 19.962
  • Username: 1of3
    • Sea Cucumbers and RPGs
Bei dem Szenario, das du beschreibst, würde ich das mit dem Plakat machen.

Generell bin ich Fan von fertigen Charakteren, die schon gemeinsame Geschichte haben.
Let's Go To Magic School - Wenn man einen Zauberschulroman liest (und davon gibt's viele), lernt man mit den Charakteren über die Welt und die Magie. In diesem PbtA-Spiel, spielt ihr um herauszufinden, wie es mit Welt und Magie steht.

Offline Miles

  • Experienced
  • ***
  • Beiträge: 214
  • Username: Miles
Die Zeitslots auf Cons sind meistens relativ kurz, da versuche ich möglichst viel Ballast
zu entfernen. Eines dieser Dinge ist für mich, das Kennenlernen der Figuren.
Deswegen sage ich gerne "ihr kennt euch".

Das Kennenlernen kann Spaß machen, braucht aber viel freies Rollenspiel. Genau das ist
aber oft so eine Sache bei Leuten die gerade das Hobby ausprobieren. Viele wissen nicht
genau was von ihnen erwartet wird, oder haben noch scheu aus sich heraus zu gehen.

Da finde ich es einfacher am Anfang noch relativ mechanisch zu sein.
Falls die Gruppe leicht ins Rollenspiel findet dann ergeben sich auch so schnell Momente
mit freiem Spiel.

Abgesehen von dieser "Anfänger" Geschichte, finde ich es auch praktisch bei Cons
schnell ans eingemachte zu gehen. Kein Kennenlernen, Anwerbung kurz halten oder
gleich komplett streichen. Ich weiß nicht wieviel Zeit wir in den einzelnen Stationen
brauchen werden. Und ich will genügend Zeit für das Finale haben.

Nichts ist ärgerlicher wenn man mitten im Finale einen Con-Tisch räumen muss.
(Da kann das kennenlernen noch so gut gewesen sein ;) )

Offline Wonko

  • Experienced
  • ***
  • Beiträge: 430
  • Username: Wonko
Für unerfahrene Spieler sind ein paar Hinweise auf Interaktion definitiv eine Hilfe und auch ein Hinweis, dass Interaktion gewünscht ist. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, wenn die Spielenden sich diese zum Teil selbst ausdenken können. Ich denke, das verbessert ihre Motivation.

SL: "Ihr seid steht vor dem Tor zu Mister X Anwesen. Beschreibt euch kurz!" - Spieler beschreiben ihre Figuren.
SL: "Mister X hat euch zu sich gerufen, um einen Fall zu übernehmen. Wer hat eine Idee, was könnte euer letzter Fall gewesen sein?" - Spielerin A: "Wir haben die Kronjuwelen wiedergefunden". SL: "Die Kronjuwelen von ...?" B: "..."
SL: "Ausgezeichnet. Spieler B, während des letzten Falles bist du in arge Schwierigkeiten geraten. Wie hat Figur A dir aus der Patsche geholfen?" B: "...."
SL: "Spieler C und D, welche Eigenschaft von Figur C kann Figur D überhaupt nicht leiden oder wahlweise: Für welche Eigenschaft von C beneidet ihn D?" ...

Für Anregungen können zum Beispiel auch die Dungeon World Playbooks dienen.

Offline Zanji123

  • Famous Hero
  • ******
  • Beiträge: 3.191
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Zanji123
kommt auch auf's Abenteuer an.

Wenn ich "https://schwalbentertainment.com/2017/07/03/dead-by-dawn/ Dead by Dawn leite was nur "ihr seit in ner Taverne und dann greifen Zombies in wellen an während ihr versucht rauszufinden wtf is da passiert", da mach ich das meist so das sich die Spieler nicht kennen. Teilweise gebe ich den SCs auf dem Char Bogen zusätzliche Infos welche nur sie kennen (was für etwas mehr Panik / Verunsicherung sorgen kann).

bei anderen sage ich "ihr kennt euch" oder ich frage wie sie das gerne haben möchten.
9 von 10 Stimmen in meinem Kopf sagen ich bin nicht verrückt.... die zehnte sitzt in der Ecke und summt die Pokécenter Melodie

Offline heja

  • Survivor
  • **
  • Beiträge: 85
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: heja
    • herbert-janssen.de
Wichtig ist m.E. das Eis zu brechen und die Spieler aus der Reserve zu locken. Dazu sind Fragen sehr gut, wie auch @Wonko beschrieben hat.

Warum ist dein Charakter hier und will sich auf diesen Auftrag bewerben? Kennst du schon einen oder mehrere der anderen Bewerber? Was hast du zuletzt hier in der Stadt gemacht?

Das ist relevanter fürs Spiel als bei seinen Figuren nur Namen oder Aussehen zu beschreiben.
Neben den innerweltlichen Anknüpfungspunkten die sich daraus ergeben, finde ich es sogar noch wichtiger, dass man schonmal den Stil und ein Stück weit die Vorstellungen der Spieler kennenlernt. Will der Schurke eher hinterhältiger Killer, abgerissener Gelegenheitsdieb oder ein Robin Hood sein.

Will man das erweitern kann man vorschlagen, dass Spieler paarweise Beziehungen definieren, so wie viele RPGs es mittlerweile vorschlagen. Oder gleich festlegen, dass alle aus einem Dorf stammen und fragen, als was sie im Dorf denn bekannt sind (Beyond the Wall).
Ja, mach nur einen Plan! Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch ’nen zweiten Plan, gehn tun sie beide nicht.
[DCC, DSA, Traveller, Ars Magica, Verbotene Lande, Mythras, Vaesen und fast alles andere]

Offline Saffron

  • Die Seherin von Hessenstein
  • Famous Hero
  • ******
  • Change it, love it or leave it
  • Beiträge: 3.028
  • Geschlecht: Weiblich
  • Username: Saffron
Meine Erfahrung mit dem Leiten von Con-Abenteuern: spar dir vom Vorgeplänkel so viel wie es geht und steig sofort ins Abenteuer ein.

In der Regel hast du einen 4-Stunden-Slot, wo du ggf. anfangs noch Regeln erklaren und die Verteilung oder Generierung der Charaktere  klären musst. Dann auch noch Zeit für Gruppenzusammenführung, Feilschen über die Bezahlung und vielleicht noch Kauf von Ausrüstungen zu investieren, finde ich persönlich nicht nur langweilig, sondern für einen Oneshot überflüssig.

Meine Empfehlung wäre:

- Charaktere entweder fertig mitbringen oder von dir vorgefertigte benutzen

- die Gruppe kennt sich

- die Gruppe hat den Auftrag schon angenommen und ist bereits auf halbem Weg zum Ort des Geschehens.

Manche Con-Abenteuer habe ich sogar mit einer kleinen Actionszene begonnen, z.B. ein Überfall auf die Gruppe, als sie zum Ort des Abenteuers unterwegs ist.
Ich leide nicht an Realitätsverlust. Ich genieße ihn.

Offline hexe

  • Experienced
  • ***
  • SL suchend
  • Beiträge: 487
  • Geschlecht: Weiblich
  • Username: hexe
Leite seit einigen Jahren immer wieder einen One-Shot auf Cons und das Kennenlernen unter den Charakteren ist ein fester Bestandteil davon. Die erste halbe Stunde, 45 Minuten oder nach Menge an Spielenden auch länger, sind nur dafür da, dass man sich kennenlernt. Die Spielenden kennen sich nicht, also ist es nur einfacher, wenn die SCs sind ebenso nicht kennen. Das Vorspiel hilft dabei unter einander warm zu werden, in die Szene, Welt, Geschichte, etc zu finden und bietet auch Platz, dass die SCs sich beschreiben können, ihren Namen sagen, schon ein paar Marotten preisgeben, etc. Schlicht OT wie IT ein wenig beschnuppern.

Schlechte Erfahrungen hab ich damit noch keine gemacht, die meisten freuen sich über die Bühne und nehmen andere weniger aktive schnell mit.


Die Aktion startet dann allerdings auch sehr schnell. Mit einem BUMM alla das Nebenhaus explodiert. Plötzlich ist man mitten im Plot und kann loslegen. Man ist schon im Spiel, hat sich gefunden und los geht's.

Das hat sich gerade für One-Shot Con sehr bewährt.

Offline flaschengeist

  • Famous Hero
  • ******
  • Systembastler
  • Beiträge: 2.671
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: flaschengeist
    • Duo Decem
Ich habe bislang dreimal auf Cons das DuoDecem Einführungsabenteuer geleitet. Dabei hat sich bislang sehr bewährt vorgefertigte Charaktere zu verwenden, die sich zudem kennen (das gegenseitige Kennen ist im Abenteuer gesetzt). Außerdem geht das Abenteuer schnell "in medias res": Die Charaktere plauschen in ihrer "Stammkneipe" (hier ist der Raum für erstes Roleplay) als die Tür auffliegt und "Drama" hereinkommt (was passiert, sobald das Roleplay versandet oder einige Mitspieler auf mich gelangweilt wirken).
Wie bereits gesagt sind die Zeitslots auf Cons begrenzt und die will ich nutzen, um meine Spieler mit den Herausforderungen des Abenteuers zu erfreuen.
Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann (frei nach Antoine de Saint-Exupéry). Ein Satz, der auch für Rollenspielentwickler hilfreich ist :).
Hier findet ihr mein mittel-crunchiges Rollenspiel-Baby, das nach dieser Philosophie entstanden ist, zum kostenfreien Download: https://duodecem.de/download

Offline unicum

  • Legend
  • *******
  • Beiträge: 4.364
  • Username: unicum
Wie eng ist der zeitslot? (Ich find diese 4 Stunden Zeitslots einfach graussam)

Warum bietest du es an?
 Also sollen die Leute dich kennelernen, willst du leute kennenlernen (ich nutze das auch um neue Spieler zu bekommen oder ggf eine 
 neue Kampange anzufangen).
Willst du einfach nur eine gute RSP Zeit haben?
 komplett Neulinge an das Rollenspiel heranführen?
 Das System jemanden näherbringen?

Generell finde ich auf einem Con sollte es nur bei extrem Regelleichten Systemen eine Charactererschaffung am Spieltisch geben.

Eine "Vorstellungsrunde" ist nie schlecht, selbst wenn du gesezt hast das die Spielfiguren sich schon kennen so kennen sich die Spieler und nicht und ebenso auch nicht die Spielfiguren der anderen. Jeder Soll sich vorstellen "Ich bin der Klaus und meine Figur ist ein Zwerg mit Streitaxt"

Du kannst auch etwas Hintergrundgeschichte auf den Charbogen schreiben, geht meistens gut. (Zugestanden ich hatte auch schon mal die Sache das es nicht gut ging, wegen einem Querulanten am Tisch.) Etwaige Animositäten zwischen den Spielfiguren würde ich aber tunlichst weglassen.


Offline Trisman

  • Bloody Beginner
  • *
  • Beiträge: 37
  • Username: Trisman
Vielen Dank für die vielen hilfreichen Antworten!

Die Meinungen teilen sich, aber das war zu erwarten. Ich werde mir alle angesprochenen Vor- und Nachteile der beiden Varianten noch mal ganz in Ruhe durch den Kopf gehen lassen und dann schauen was ich für mich daraus mache.

Der Vorteil an der sehr kleinen Con ist, dass es keine festgelegten Slots gibt. Ich werde für meine Runde 6 Stunden angeben, das kommt dann recht nah an die 5 1/2 Stunden ran, die ich beim letzten Mal mit meinen Freunden gebraucht habe. Ich habe aber im letzten Teil ein paar kleine Sollbruchstellen, wo ohne Probleme 1-2 Encounter übersprungen werden können ohne, dass es irgendwem auffällt. Falls es also erkennbar zu lange dauern wird spare ich da noch mal ca 30-45 Minuten.


Um noch auf einige der gestellten Fragen zu antworten:

Ich biete die Runde vor allem an, weil ich selber Spaß am leiten habe und wegen Terminen in meiner Stammgruppe nur im Schnitt alle 6-8 Wochen gespielt wird. Wenn es dann noch ein paar Neulinge gibt, die ich an das Hobby heranführen kann, oder Leuten das Spielen ermöglichen, die gar keine fest Gruppe haben ist das natürlich noch ein super Pluspunkt!

Und ich habe die Charaktere schon komplett fertig und bringe sie mit. Alles was die Spieler machen müssen ist das Geschlecht aussuchen und dem Charakter einen Namen geben. Dafür habe ich aber auch Namensvorschläge passend zu den Völkern auf die Bögen notiert, falls jemandem nichts einfällt. Und wie ob schon geschrieben habe ich auch jeweils in 5-6 Stichpunkten Charaterzüge aufgeschrieben, die optional genutzt werden können um das Rollenspiel zu erleichtern, wenn die Erfahrung noch fehlt. Ich habe die Gruppengröße auf 5 Spieler begrenzt bringe aber 7 Charaktere verschiedener Klassen mit, so dass auch eine Auswahl besteht.