Wir hatten gestern unsere zweite Runde – und diesmal ist auch meine zwölfjährige Tochter dazugestoßen. Damit saßen drei Kinder zwischen elf und fünfzehn Jahren sowie drei erwachsene Spieler am Tisch, plus Spielleiter. Eine klassische Anfängerrunde also, zumindest für die Kinder und einen der Erwachsenen. Wir anderen haben schon mehr Rollenspielerfahrung, wobei auch der Spielleiter und ein weiterer Mitspieler erst seit drei/vier Jahren dabei sind.
Also ging es weiter ins Todeshaus. Der arme Spielleiter hatte zeitweise gleich drei Gruppen vor sich, die alle unterschiedliche Räume erkunden wollten. Das musste er erst einmal koordinieren. Dabei war aber deutlich zu merken, dass die beiden Kinder, die schon beim ersten Mal dabei gewesen waren, viel besser im Spiel angekommen waren. Sie waren konzentrierter und deutlich sicherer.
Insgesamt haben wir – inklusive Pizza-Pause – rund vier Stunden zusammen verbracht. Ich fand es schon auffällig, wie gut sich die Kinder konzentrieren konnten, wie sehr sie bei der Sache waren und wie viel Spaß sie ganz offensichtlich hatten.
Das galt auch für meine Tochter. Sie war vorher ziemlich aufgeregt, weil sie so etwas noch nie gemacht hatte und vor mehreren Leuten „sprechen“ musste. Anfangs war sie entsprechend schüchtern, ist dann aber erstaunlich schnell aufgetaut und hat ein paar Sprüche gebracht, bei denen ich fast vom Stuhl vor lachen gefallen wäre. So sind wir inzwischen eine herrlich chaotisch/schräge Truppe von Charakteren, die sich durch ein Horrorszenario kämpft – das in unserer Spielweise allerdings überhaupt nicht gruselig wirkt, sondern einfach unglaublich unterhaltsam ist.
Wieder einmal war ich beeindruckt, wie der Spielleiter das Ganze gehandhabt hat. Sicher, nicht jede Regel saß perfekt, aber das war völlig egal. Der Spielfluss stand immer im Vordergrund, und an vielen Stellen wurde einfach mal Fünfe gerade sein gelassen. Genau das fand ich gut. Niemanden hat interessiert, ob nun Regel A oder Regel B hundertprozentig korrekt angewendet wurde. Entscheidend war der Spielspaß – und gerade mit Kindern am Tisch war das für mich genau die richtige Herangehensweise.
Inzwischen sind wir alle auf Stufe 2 aufgestiegen. Es ist schon extrem, wie stark man diesen Stufenaufstieg bei Dungeons & Dragons spürt. Mein vorgefertigter Hexenmeister fühlte sich von Stufe 1 auf Stufe 2 bereits deutlich stärker an. Gleichzeitig standen aber auch zwei Charaktere kurz vor dem Tod, weil Gegner und Fallen ordentlich Schaden verteilt haben. Langweilig wurde es also trotzdem nicht.
Ich muss wirklich sagen: Als Bier-und-Brezel-System gefällt mir Dungeons & Dragons ausgesprochen gut. Vielleicht gerade deshalb, weil ich es genau als das betrachte. Dadurch spiele ich selbst auch anders, als ich es sonst wohl tun würde. Mir sind Optimierung und perfekte Taktik hier nicht so wichtig. Ich spiele einfach meinen Charakter aus, führe zwischendurch Ingame-Gespräche und genieße das Abenteuer. Dabei bestand der Abend im Grunde nur aus einem klassischen Dungeon Crawl. Es gab ein kurzes Gespräch mit zwei Geistern, ansonsten wurde erkundet und gekämpft. Und trotzdem hat es einfach Spaß gemacht.
Interessanterweise merke ich diesen Effekt inzwischen sogar in meiner eigenen Runde als SL. Ich bereite manche Dinge nicht mehr bis ins kleinste Detail vor, sondern denke mir häufiger: „Komm, lass einfach laufen.“ Das finde ich selbst an mir eine spannende Entwicklung. Jetzt freuen wir uns auf den dritten Spielabend in einem Monat. Dann werden wir das Abenteuer hoffentlich endlich abschließen. Meine Tochter war auch komplett begeistert von der Runde und hat auf der gesamten Heimfahrt nur davon gesprochen.
Und ich merke tatsächlich, wie ich langsam immer tiefer in die Welt von Dungeons & Dragons hineingezogen werde. Ich habe inzwischen angefangen, mehr im Spielerhandbuch zu lesen und mich intensiver mit den Klassen und Regeln zu beschäftigen – auch, weil meine Tochter eine Bardin spielt und dabei natürlich etwas Unterstützung braucht. So öffnet sich das Spielsystem für mich immer weiter. Und irgendwie ist es einfach richtig schön, mal wieder Spieler zu sein. So, wie ich es nach dem ersten Abend schon geschrieben hatte: Einfach ins Auto setzen, hinfahren, spielen, wieder nach Hause fahren – ohne selbst etwas vorbereiten zu müssen. Einfach ein paar Stunden gemeinsam Spaß haben.
Nach dem ersten Abend, habe ich auch gleich mal ein Bild der Gruppe generiert: die Guardians of Barovia

