Akt I
- Zeit des Zorns -
Das Abendmahl
Die Halle der Hagtorns ist sicherlich nicht zu vergleichen mit dem Anwesen von Oktar Grimme in Storhavn aber für die Grenzlande ist sie ausreichen ansehnlich und noch viel wichtiger warm.
Drinnen nehmen Sklaven euch eure Mäntel ab und geleiten euch an die Tafel. Tomus sitzt auf seinem Stuhl, über ihm hängt die Herrscherklinge. Die Lange Tafel davor ist gut gefüllt nur an ihrem Ende direkt bei Tomus ist noch Platz. Rechts von ihm sitzt Huld, doch er wirkt wie ein Schatten seiner selbst. Er ist blass, hat abgenommen und die schwere Verletzung scheint noch nachzuwirken. Seine Bewegungen wirken abgehackt, schwach. Seine Augen irren unstet umher, er kann euch nicht ansehen.
Neben Tomus steht eine Frau mit strengen Gesichtszügen aber freundlichen von Lachfalten umgebenen Augen. Sie kann als schön beschrieben werden, mit wildem dunklen Haar, dass nur durch einen Zopf gebändigt wird.
„Die sehen ja schlimmer aus als ihr sie mir beschrieben habt!“ lacht die Frau auf und Tomus verdreht etwas die Augen. Wenn Frauen in Wretguard auch nicht viel zu sagen haben, so scheint Tomus Frau die Ausnahme von der Regeln zu sein. „Ihr sagtet was von lange Reise mein Gemahl und Anstrengungen, die zwei hier sehen aus als wären sie kurz vor dem verhungern!“ Sie lacht auf.
„Aber das bekommen wir schon wieder hin!“
Tomus richtet sich in seinem Stuhl auf und deutet auf die Frau an seiner Seite. „Was meine erste Frau Rilja euch sagen will und was eigentlich mir zugestanden hätte, ihr seid willkommene Gäste des Hauses Hagtorn und als solche werden wir euch für heute Abend bewirten damit ihr euch von den Strapazen der Reise erholen könnt!“
Tomus bittet euch Platz zu nehmen ohne nach Hirngar zu fragen.
„Ich möchte euch die Anwesenden vorstellen und euch bitten, euch danach selbst kurz vorzustellen!“
Mit einer Geste deutet er auf zwei Frauen die an der Seite der Halle stehen. „Dies sind die Schwestern von Rilja, Rennja und Rindalinn, sie sind meine Zweit- und Drittfrau.“ Die beiden Frauen halten die Köpfe gesenkt. Sie müssen ein paar Jahre jünger als Rilja sein, welche ihr auf 35 Winter schätzt. Es sind Zwillinge welche sich auch ähnlich Kleiden und für Außenstehende kaum auseinanderzuhalten sein werden. Beide lassen das Charisma und die Präsenz vermissen welches Rilja ausstrahlt.
„Meinen Sohn habt ihr ja bereits kennen gelernt und dies sind meine Brüder, Froe Hagtorn…“ ein breitschultriger Mann den ihr als den Wächter erkennt, nur jetzt ohne Rüstung aber mit dem gleichen Misstrauen im Blick „…meine rechte Hand, seine Stimme ist meine Stimme. Dann sind da Urber, Bjark und Dager!“ Die drei Männer nicken euch zu alle sehen wie jüngere Abbilder von Tomus aus, auch wenn Kleidung, Haarpracht und Bart sich unterscheiden erkennt man in ihren Zügen die Herkunft der Hagtorns.
„Zu guter letzt noch Tor und Bodvar!“ Auch diese beiden nicken euch nur stumm zu, hier könntet ihr nicht sagen ob sie wirklich Hagtorns sind, das Bluterbe scheint in ihnen schwächer zu sein.
Insgesamt scheinen Tomus Brüder unangenehme Gesellen und harte Grenzländer zu sein und ihr erinnert euch an Sotes Worte.
Huld hat es nicht leicht, Tomus Brüder, seine Onkel haben es auf ihn abgesehen. Mehr als eine Nacht hat er sich unter ihren Schlägen in den Schlaf geweint.„Den Rest der Familie werdet ihr sicherlich in den nächsten Tagen kennen lernen. Daher lasst mich euch die Anwesenden vorstellen…“ fährt Tomus fort „…das ist Haldur Ouvar.“
Ein Mann erhebt sich kurz von seinem Platz, kahlgeschorener Schädel, fein gestutzter Bart.
Anders als ihr ihn euch vielleicht vorgestellt habt wirkt er wenig imposant oder gar schrecklich, doch er hat etwas an sich das euch vorsichtig werden lässt. Vielleicht ist es die Art wie er sich erhebt oder etwas in seinen Augen, er ist ein Mann der nicht hinterfragt wird, der keinen Widerspruch duldet oder zulässt und hier die Macht hat diesen Anspruch auch durchzusetzen. Er ist jemand der auch zu Friedenszeiten die Axt erhebt und Schädel vom Körper trennt. Im Gegensatz zu vielen anderen ist er sich nicht zu fein sein eigenes Urteil auch umzusetzen.
„Haldur ist, in der langen Tradition seiner Familie, der Richter und Henker dieses Ortes, er war es der meinen Sohn gefunden und dank Sturmi nach Wretguard zurückgebracht hat.“
Dann wendet sich Tomus zur anderen Tischseite.
„Hier haben wir gute und liebgewonnene Freunde der Hagtorns. Nicht nur sind wir Nachbarn sondern uns verbinden viele Jahre der Eintracht und Zusammenarbeit weswegen sie heute Abend an diesem Mahl teilhaben werden!“
„Turulf Hjelm und seine erste Frau Siris“
Turulf ist ein rothaariger Gigant von einem Mann mit Händen die fast so groß sind wie die Teller vor euch, aber er ist alt und viele weiße Strähnen durchziehen seine Mähne, er muss über 70 Winter alte sein.
Seine erste Frau ist eine stämmige Mittfünfzigerin mit Pausbacken und hoher Stirn. „Ich kann zu Recht sagen das Siris die gute Seele von Wretguard ist, sie ist so etwas wie die Mutter aller und kümmert sich um die Belange der Kinder!“
Irgendwie will Tomus Beschreibung nicht ganz zu Siris passen. Die Mutter eines Dorfes habt ihr euch anders vorgestellt, vielleicht etwas wärmer aber ihre Ausstrahlung ist irgendwie abweisend. Vielleicht liegt das aber auch nur an euch, oder an dem Anlass.
Turulf lächelt euch freundlich mit breitem Grinsen an. „Es ist schön wieder Fremde in Wretguard zu sehen. Ich sage es ja immer…“ er erhebt seine Hand „…die Zeiten werden besser und der alte Glanz kommt zurück!“
Tomus beschwichtigt ihn kurz mit einer Geste und fährt dann mit der Vorstellung der restlichen Gäste fort.
„Das sind Olof, Ragner, Roar, Asbjorn und Olver Hjelm! Die Brüder von Turulf!“ Alle haben rote Haare und knubbelige Nasen, ihr Alter ist schwer zu schätzen, aber es muss von mindestens 70 bis 50 Winter reichen.
Damit endet die Vorstellungsrunde und ihr stellt fest das die Heilerin nicht teil der Gesellschaft ist.
Vor euch auf dem Tisch stehen Platten mit gebratenem Rind und Huhn, Töften, Brot, Sahne, Honig und gekochten Karotten. Krüge mit starkem dunklem Bier werden gereicht. Fackeln an den Wänden und Kerzen erhellen die Szene, auch wenn vieles im Dunklen bleibt.
Nachdem Tomus alle vorgestellt hat nickt er euch aufmunternd zu.
"Bitte erhebt euch und stellt euch vor!"
Die Augen aller Anwesenden sind auf euch gerichtet, die freundlichen wie die misstrauischen.