Autor Thema: Die PbtA-Familie im weiteren Sinne  (Gelesen 439 mal)

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Online Holothuroid

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Die PbtA-Familie im weiteren Sinne
« am: Gestern um 12:02 »
Swanosaurus bemerkte in Bezug auf das neue Tribe8, das auf Blades in the Dark basiert:

Wundert mich ein bisschen, dass Forged oft mit unter pbtA läuft, mir kommen die beiden Systeme schon extrem unterschiedlich vor, die Hauptgemeinsamkeit scheint mir zu sein, dass die Charaktererschaffungshilfe in beiden Systemen Playbook heißt.

Ja, tatsächlich bemerkenswert. Die Sache ist, dass die Bakers, die Apocalypse World gemacht haben, den weitest möglichen Ansatz verfolgen, was PbtA sei: Was immer der oder die Autor*in möchte. Du machst PbtA, wenn du sagst, dass du PbtA machst.

Das ist politisch durchaus naheliegend und der Kreativität sicherlich förderlich. Es ist nicht immer so richtig nützlich, wenn man wissen will, worüber man redet. Deshalb hier eine kleine Typologie von PbtA-Spielen im weiteren Sinne.

Dungeonworld und seine Kinder: Dungeon World (1) als frühes PbtA-Spiel hat relativ viel D&D-DNA. Und da es unter CC-Lizenz steht, war es direkt sehr einflussreich. Es gibt enorm viel Material zu Dungeon World, sowohl neue Klassen, als auch Hacks, welche die Basic Moves überarbeiten und Sammlungen von solchen Modifikationen, sowie Derivate mit eigenem Fokus. Die Klassen in diesen Spielen folgen praktisch immer typischen Fantasy-Archetypen. Und Charaktere bekommen relativ viel mechanisches Zeug nach und nach.

Minimale PbtAs: Simple World oder World of Dungeons bestehen quasi nur aus dem dreistufigen Ergebnis. Playbooks gibts nicht. Dezidierte Basicmoves gibts nicht. In Vincents Taxonomie bewegen sich diese Spiele praktisch nur auf Kreis 1.

Forged in the Dark: Spiele basierend auf Blades in the Dark. Ich habe mich mit diesem Zweig noch nicht tiefer beschäftigt. Andere hier sind bestimmt informierter.

Carved from Brindlewood: Diese Spiele stehen in der Tradition von Brindlewood Bay. Innovationen dieser Linie umfassen besonders die retroaktive Feststellung des Tathergangs: Die Ermittlerinnen würfeln, wenn sie genug Hinweise gesammelt haben, und schauen ob ihre Theorie stimmt, sowie die Sammlung von Dingen im Cozy Home, das andere Formen annehmen kann. Playbooks gibt es in Brindlewood Bay nicht, sondern eine einzige Liste von Sondermoves, zuerst gesehen bei The Warren.

Firebrands-Spiele: Start dieses Zweigs ist Firebrands: Mobile Frame Zero von den Bakers. Diese Spiele sind schon weit von Apocalypse World weg. Sie sind SL-frei, haben keine szenen-internen Moves, sondern Minispiele. D.h. dezidierte Szenentypen, die je ganz eigene Mechaniken haben können. Der Fokus liegt regelmäßig auf Beziehung und Selbstbild der Charaktere. Aus dem deutschen Raum gibts z.B. Fräulein Bernburgs Pensionat für junge Damen.

Mist Engine: City of Mist und Legend in the Mist sind hier die bekannten Namen. Die Spiele haben deutliche Fate-Einflüsse. Sie verwenden frei wählbare Tags, statt Attribute. Gruppen dieser Tags können im Spiel weiterentwickelt werden.

Belonging Outside Belonging: Ursprünglich aus Dream Apart und Dream Askew und natürlich inzwischen weit verbreitet. In diesen Spielen wird nicht gewürfelt. Statt dessen gibt es Tokens, die man bekommt, wenn man einen Nachteil in Kauf nimmt und für besonders gute Aktionen wieder ausgibt. Playbooks sind optional.

Andere PbtA-Spiele, die deutlich ihren eigenen Weg gegangen sind:
  • Undying - Eins der frühen PbtAs. Man spielt alte Vampire und würfelt nicht.
  • Girl Underground - Das Spiel für Alice im Wunderland oder Wizard of Oz. Das Mädchen wird reih um von allen Spielys gespielt, die auch alle einen Companion haben.
  • Gibt bestimmt noch mehr Exoten, die mir nur gerade nicht einfallen.

PbtAs archaische Cousins: Der Redbox Hack und Ableger: Die Idee von Playbooks stammt nicht aus PbtA, sondern - soweit ich das ermitteln kann - erstmals aus dem Red Box Hack (Orginallink nicht mehr verfügbar). Der einzige mir bekannte Ableger ist der Old School Hack, der dank Tanelorn zumindest teilweis auch in deutscher Übersetzung verfügbar ist.

Horizontaler Movetransfer: Beacon Die Idee von Moves wird nicht von allen Spielen der weiteren PbtA-Familie durchgezogen, findet sich aber auch woanders. Beacon ist genetisch eher ein Lancer-like, also ein Spiel in der Tradition von D&D 4e. Beacon empfiehlt aber explizit sich für Nicht-Kampf-Situationen Moves aus PbtA-Spielen zu klauen.

Also wenn ihr noch was zu spielen sucht, hier habt ihr.
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Online schneeland

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Re: Die PbtA-Familie im weiteren Sinne
« Antwort #1 am: Gestern um 12:28 »
Schöne Zusammenstellung!  :d
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Offline Smoothie

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Re: Die PbtA-Familie im weiteren Sinne
« Antwort #2 am: Heute um 01:54 »
sehr schöne Zusammenstellung! Vielen Dank.
Ein paar Anmerkungen noch:
- Blades in the Dark. Unterscheidet sich erstmal von klassischen PBTA durch die Würfelmechanik. Während PBTA meist 2W6 +Modifier würfelt  oder 3W6 mit Vorteil/Nachteil (bei Vorteil die beiden höheren, bei Nachteil die beiden niedrigeren) hat BitD ein W6 Poolsystem, wobei der höchste Würfel zählt. Beiden gemeinsam ist aber, dass das häufigste Ergebnis ein Teilerfolg ist, komplette Erfolge und Fehlschläge eher selten.
Playbooks hat BitD auch. BitD ist ausserdem für die häufige Verwendung von fortschreitenden Clocks bekannt.
- Zu Carved from Brindlewood. Bei The Between finden wir noch stark ausgeprägte Playbooks. Spannend fand ich, dass der große Erfolg Brindlewood ja eigentlich nur ein Playtest für The Between war, um die  Clue Mechanik zur retroaktive Feststellung des Tathergangs zu testen.
Als weiteres charakteristisches Merkmal dieser Reihe würde ich die Kronenfragen anführen. Man kann Charaktertode durch das Beantworten von Fragen aus der Vergangenheit der Charaktere verhindern. Was bei Brindlewood eher so zufällig/belanglos wirkt enthüllt beim Ursprungsspiel The Between dann die spannenden Geheimnisse aus der Vergangenheit der Charaktere.
Inzwischen bin ich geneigt zu glauben, dass an der DnD Satanic Panic in den 80ern was dran war. Allein, es waren nicht die Inhalte. Es waren die Regeln, die aus der Hölle kommen...

Offline Jiba

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Re: Die PbtA-Familie im weiteren Sinne
« Antwort #3 am: Heute um 07:09 »
Noch was zu „Girl Underground“… ich weiß nicht, wie viele Games es braucht, damit es eine eigene Familie wird, aber mit „Bluebeard‘s Bride“ gibt es zumindest noch ein weiteres, sogar älteres Spiel, bei dem alle gemeinsam einen Charakter neben ihren eigenen Playbooks spielen.

Was noch fehlt, ist eventuell die ganze Ironsworn-Familie: Keine Playbooks, dafür eine Auswahlmiste an.  Charaktermerkmalen. 1W6+Stat gegen eine zufällige Schwierigkeit, die per 2W10 miterwürfelt wird. Überhaupt großer Fokus auf den Zufall durch die Orakel (= Zufallstabellen). Wir können argumentieren, ob das noch PbtA ist. Aber ich finde, es ist eigentlich noch im Scope der Systemfamilie.

Und: Bräuchten wir nicht noch einen Eintrag für den originalen Powered by the Apocalypse-Zweig. Die Liste enthält ja nur die Derivate.
« Letzte Änderung: Heute um 07:18 von Jiba »
Engel – ein neues Kapitel enthüllt sich.

“Es ist wichtig zu beachten, dass es viele verschiedene Arten von Rollenspielern gibt, die unterschiedliche Vorlieben und Perspektiven haben. Es ist wichtig, dass alle Spieler respektvoll miteinander umgehen und dass keine Gruppe von Spielern das Recht hat, andere auszuschließen oder ihnen vorzuschreiben, wie sie spielen sollen.“ – Hofrat Settembrini

Online Holothuroid

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Re: Die PbtA-Familie im weiteren Sinne
« Antwort #4 am: Heute um 12:08 »
Total gute Hinweise, Smoothie, Jiba.

Bluebird's hab ich nie gelesen/gespielt. Haben die Spiele noch mehr gemeinsam?

Und ja, Ironsworn, Starsworn etc. hab ich einfach vergessen. Schlummert bei mir auch noch auf dem Stapel. Wenn die anderen Kandidaten oben zählen, dann das ganz sicher auch.

Das mit dem "originalen" ist halt ein bisschen schwierig. Das ist ja eher ein breites Netz als ein Baum. Bzw. kommt genau deine Frage wieder auf: Ab wann ist es nicht mehr der Hauptzweig? Ich kann ein "typisches" PbtA-Spiel beschreiben. Aber kein Spiel alle Punkte erfüllen.
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Offline Jiba

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Re: Die PbtA-Familie im weiteren Sinne
« Antwort #5 am: Heute um 12:19 »
Bluebird's hab ich nie gelesen/gespielt. Haben die Spiele noch mehr gemeinsam?

Ja. Beides One-Shot Games. Es gibt einen definitiven Endpunkt: Bei einem betritt die Braut den letzten Raum, bei einem kommt das Mädchen zurück nach Hause. Das wäre wahrscheinlich noch eine Gemeinsamkeit.
Engel – ein neues Kapitel enthüllt sich.

“Es ist wichtig zu beachten, dass es viele verschiedene Arten von Rollenspielern gibt, die unterschiedliche Vorlieben und Perspektiven haben. Es ist wichtig, dass alle Spieler respektvoll miteinander umgehen und dass keine Gruppe von Spielern das Recht hat, andere auszuschließen oder ihnen vorzuschreiben, wie sie spielen sollen.“ – Hofrat Settembrini

Offline Haukrinn

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Re: Die PbtA-Familie im weiteren Sinne
« Antwort #6 am: Heute um 12:27 »
Das mit dem "originalen" ist halt ein bisschen schwierig. Das ist ja eher ein breites Netz als ein Baum. Bzw. kommt genau deine Frage wieder auf: Ab wann ist es nicht mehr der Hauptzweig? Ich kann ein "typisches" PbtA-Spiel beschreiben. Aber kein Spiel alle Punkte erfüllen.

Ich finde, Apocalypse World, Monster of the Week und Monsterhearts haben schon eine sehr große Schnittmenge in Aufbau und Mechanik.
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Offline Sphinx

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Re: Die PbtA-Familie im weiteren Sinne
« Antwort #7 am: Heute um 15:20 »
Schöne zusammenfassung  :d
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