Autor Thema: Abenteuer verweigern? Spielverderber!  (Gelesen 1744 mal)

shaozhul, Ainor und 11 Gäste betrachten dieses Thema.

Offline gunware

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Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« am: Gestern um 09:00 »
In dem Thread https://www.tanelorn.net/index.php/topic,133462.msg135359266.html#msg135359266  kam es zur Sprache, dass manche Abenteuer seltsame Einstiege haben.
Falls dieser Einstieg nicht angenommen wird, sind dann die Spieler die Spielverderber? Oder ist die SL auf Railroadertripp, weil das Abenteuer es so vorsieht?
Klar, die Gruppe hat sich zusammen gefunden, um Rollenspiel zu spielen und sowohl SL als auch Spieler haben Interesse daran, dass die Spielzeit für alle schön ist.

Hat überhaupt jemand die Bringschuld? Falls ja, wessen wiegt sie "schwerer"?
Ich bin der letzte Schrei der Evolution, als sie mich erschaffen hatte, schrie sie: "Oh Gott, was habe ich denn gemacht?!"

Offline gilborn

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #1 am: Gestern um 09:10 »
Ich würde sagen, ja, der Spieler hat eine Bringschuld, da der SL mit seinen Vorbereitungen in Vorleistung gegangen ist; er hat quasi in dem Moment an dem man sich am Tisch trifft, schon "gebracht".

Der Spieler sollte sich folglich wohlwollend auf das einlassen, was der Spielleiter vorbereitet hat.
Wenn ihm partout überhaupt nicht zusagt was vorbereitet wurde -kann ja passieren- dann sollte er das nicht ingame über seinen Charakter durch Verweigerung ausdrücken, sondern dann ist ein klärendes Gespräch auf der Metaebene angesagt.

Offline Holothuroid

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #2 am: Gestern um 09:13 »
Und die gleiche Scheindebatte wie immer.

  • Es gibt ein Gefühl gerailroadet zu werden. Das basiert auf dem Eindruck, dass eigene Wünsche und Beiträge nicht gewürdigt werden.
  • Es gibt schlechte Kommunikation. Die kann bei einer Seite das Gefühl bestärken gerailroadet zu werden.
  • Menschen sind manchmal unsicher. Das kann dazu führen, dass sie ungünstig kommunzieren.
  • Menschen sind auch manchmal müde, unausgeglichen und viele andere Dinge, die im Ergebnis ähnlich wirken.


Es gibt kein Railroading. Es gibt nur schlechte Kommunikation. Kommunikation hat immer mindestens zwei Seiten.
Let's Go To Magic School - Wenn man einen Zauberschulroman liest (und davon gibt's viele), lernt man mit den Charakteren über die Welt und die Magie. In diesem PbtA-Spiel, spielt ihr um herauszufinden, wie es mit Welt und Magie steht.

Offline Weltengeist

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #3 am: Gestern um 09:21 »
Notorisch schwieriges Thema.

Einerseits gehöre ich zu den Leuten, die sich vom Start weg genau deshalb für das Hobby "Rollenspiel" entschieden haben, damit sie nicht (wie in Romane, Filmen etc.) ertragen müssen, dass die Hauptfigur Dinge tut, die ich selbst als doof empfinde.

Andererseits habe ich im Laufe vieler Jahre des Spielens gelernt, dass manchmal aus einer seltsamen Prämisse ein echt cooles Abenteuer entstehen kann.

Meine Tendenz heutzutage geht in die Richtung, wie gilborn es schreibt: Redet miteinander. Wenn die Spieler etwas partout nicht machen wollen und es aber irgendwie essentiell für das Abenteuer ist, ist Metazeit angesagt. Nicht perfekt, aber besser als dass irgendwer türenknallend den Raum (oder die Gruppe) verlässt.

Es gibt kein Railroading.

Oh doch, gibt es. Der Begriff wird zwar viel zu häufig für Dinge verwendet, die kein echtes Railroading sind und bei denen dein Lösungsvorschlag greifen würde. Aber es gibt sie - die Spielleiter, die in jeder einzelnen Szene genau EINE Handlung akzeptieren und alles andere blocken. Und das hat mit "Kommunikationsproblem" nichts zu tun, sondern damit, dass jemand die Essenz des gemeinschaftlichen Geschichtenerzählens nicht verstanden hat.
Aktive Tischrunden (als SpL): Agenten von Nomikos (Eana - Savage Worlds)
Aktive Onlinerunden (als Spieler): Das Windkammtal (Barsaive - Earthdawn), Die Grauen (Shadow World - Rolemaster), The Price of Arrogance (Théah - 7te See)
Solo (in Planung): Mythic Suns (Fading Suns - M-Space)

Offline Sir Markfest

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #4 am: Gestern um 09:31 »
Aber es gibt sie - die Spielleiter, die in jeder einzelnen Szene genau EINE Handlung akzeptieren und alles andere blocken. Und das hat mit "Kommunikationsproblem" nichts zu tun, sondern damit, dass jemand die Essenz des gemeinschaftlichen Geschichtenerzählens nicht verstanden hat.

Gibt es die tatsächlich noch? Nach so vielen Jahren (oder gar Jahrzehnten) und den diversen Kreuzzügen gegen RR sollte doch der letzte Spielleiter dies begriffen haben....
IMHO habe ich länger schon keine solchen SL getroffen.

Offline Tudor the Traveller

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #5 am: Gestern um 09:32 »
Das kommt auf meine Erfahrung mit der SL an. Wenn ich als Spieler davon ausgehen kann, dass die Ideen der SL mir Spaß machen, gehe ich auf so ziemlich alles ein, auch wenn es nicht plausibel ist.

Der große Rahmen mit Thema, Ton usw. muss aber im Vorfeld in der Gruppe abgestimmt werden. Dazu gehört auch bei fertigen Abenteuern, dass sich die Gruppe genau darauf geeinigt hat, das zu spielen. Dann gehört natürlich auch der Einstieg geschluckt.

Ein Problem ist  immer, wenn die SL Optionen kommuniziert, die es gar nicht gibt, weil sie effektiv das Spiel abbrechen.
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Offline Zanji123

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #6 am: Gestern um 09:39 »
Gibt es die tatsächlich noch? Nach so vielen Jahren (oder gar Jahrzehnten) und den diversen Kreuzzügen gegen RR sollte doch der letzte Spielleiter dies begriffen haben....
IMHO habe ich länger schon keine solchen SL getroffen.

doch ... die gibt's natürlich.

Aber es ist halt auch eine Stolperfalle für neue Spielleiter. Stell dir vor du bist neuer SL, hast erst dein drittes Abenteuer geleitet und kaufst dir ein neues und dann hast du sowas... dir fehlt evtl. da das können wie es da jetzt logisch weitergehen kann (viele Abenteuer haben dann auch keine Alternative)
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Offline unicum

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #7 am: Gestern um 09:42 »
Hat überhaupt jemand die Bringschuld? Falls ja, wessen wiegt sie "schwerer"?

Vor langen Jahren im Vereinsheim meines lokalen Rollenspielvereines. Ich war oben und habe mit anderen Leuten gequatscht, unten hat sich eine Rollenspielrunde versammelt, der SL kahm als letzter ging runter, kahm nach einiger Zeit hoch und sagte laut und vernehmlich (klang vorwurfsvoll) "Jetzt sind sie am Abenteuer vorbeigelaufen".

Tja,...

Dann vor einigen jahren ein Cuthulu One Shot auf einem Con. Vorgefertigte Spielfiguren. Teaser: "Ihr seid ins Krankenhaus gerufen worden, euer FREUND liegt im sterben und hat eine Bitte" - einer der Spieler "warum sollte ich dem helfen?" - "Er ist dein freund" - "Nö, mach ich nicht" Der hat dann ein Soloabenteuer bekommen die Spielleiterin hat immer wieder versucht ihn ins aktive Spiel zu bringen, er hat sich notorisch geweigert. Am Ende des Abenteuers war die Spielleiterin so fertig das sie meinte "Ich leite nie wieder auf Cons". Im gegenzug ärgere ich mich über mich selbst das ich den Typen nicht schon vorher aus der Gruppe rausgeworfen habe, denn er hat dann an anderer Stelle damit geprahlt wie toll er sein Ding durchgezogen hat.

Also ICH mache Rollenspiel - unter anderem - aus dem Grund das es ein spiel ist das man zusammen spielt und nicht gegeneinander - auch nicht "alle Spieler gegen den SL" (diese Denke sehe ich auch immer wieder mal).

Nochmal Con, wieder bin ich "nur" spieler: Dieses mal konnte man selbst Spielfiguren mitbringen. Tja, das System ist Midgard und eigentlich Bodenständig,... also damit: Bodenständig nur für zwei Leute am Spieltisch: Die SL und ich. Die anderen spielten wohl Spielfiguren die sie, samt gegenstandsliste, aus D&D übertragen hatten,... "Rute der Wiederbelebung,... Gürtel der Sturmriesenstärke,... schwert +5/+5,... oh my god!"

An der Stelle mal eine Lanze fürs Railroading: ich hab nichts gegen Railroading wenn mich die Schienen schnell in ein Abneteuer bringen dann aber aufhören.

Ja ich hab auch so meinen Sack an schlechten Erfarhungen gemacht mit Spielern und SLs aber im großen Ganzen ist Rollenspiel eben trozdem eine coole Sache, auch wenn ich mich mit einigen Leuten nicht mehr an einen Tisch setzen würde. Nicht für Geld und Zwetscheküchle und net für viel geld und viel zwetcheküchle.

Offline Runenstahl

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #8 am: Gestern um 09:48 »
Ich bin bei dem Thema auch eher gespalten.

Meine Meinung: Ja, wir wollen alle Spaß haben und man soll natürlich Leute spielen die Abenteuerlustig sind. Da ist es bisweilen auch meine Pflicht als Spieler mir einen Grund einfallen zu lassen aus dem mein Charakter nun auf ein Abenteuer zieht das eigentlich nicht zu seinem Charakter paßt (und sei es "jemand muss ja die anderen Mörderhobos der Gruppe unter Kontrolle halten").

Aber es gibt auch Situationen in denen das Abenteuer derart gegen den Charakter geht das ich einsehe wenn das nicht möglich ist. Wie Holothuroid schrieb ist das sicherlich ein Kommunikationsproblem. Entweder passen die Charaktere nicht zusammen oder der SL hat die Ziele der Gruppe völlig falsch eingeschätzt. In solch extremen Fällen ist es mMn durchaus möglich das Spiel erstmal zu pausieren und das Gespräch zu suchen. In der Regel sollte man gemeinsam erarbeiten können was nicht paßt und wie man es lösen kann. Dann wird entweder der Abenteueraufhänger verändert oder jemand ändert seinen Charakter ab oder erstellt einen neuen.
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Offline unicum

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #9 am: Gestern um 09:55 »
Gibt es die tatsächlich noch? Nach so vielen Jahren (oder gar Jahrzehnten) und den diversen Kreuzzügen gegen RR sollte doch der letzte Spielleiter dies begriffen haben....

Woher denn?

Geh mal davon aus du hast Rollenspielen nur aus "Büchern" gelernt, also meinetwegen hast du eine Version D&D dir zugelegt und leitest das mit deinen Freunden. Du gehts nicht in irgendwelche a/Sozialen Medien sondern kochst eben langsam dein eigenes Süppchen. Die Gruppe der Spielleiter/Spieler welche sich näher mit Rollenspiel beschäftigen ist dann vieleicht doch nicht gar so groß.


IMHO habe ich länger schon keine solchen SL getroffen.

Gepriesen seist du oh seliger, wenn dieser Kelch an dir vorbei gegangen ist.

ps: Ja so wirklich viele sind es nicht, aber das es keine gibt oder keine mehr gibt, da würde ich nicht meine Hand ins Feuer legen wollen.
Ich hatte vor Jahren einen Jung-SL zu dem ich am Ende des Abenteuers sagte "du wirst mal ein guter SL werden" (ich glaub ich hatte recht damit, zumindest hab ich ihn am lezten Wochenende wieder getroffen und wir haben lange gequatscht)

Offline unicum

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #10 am: Gestern um 10:02 »
Aber es gibt auch Situationen in denen das Abenteuer derart gegen den Charakter geht das ich einsehe wenn das nicht möglich ist.

Ja, das mag es geben. Da bin ich auch völlig dabei das kommunikation alles ist. Aber als Spielleitung ist es auch eine Sache die Spielfiguren zu kennen.

Ich hab auf Cons auf die ich gehe eine kleine Kampange, Teil 3 ist ein Heist, das war aber nicht ganz klar als ich noch an Teil 2 gearbeitet habe und sich dann rausstellte ich brauch einen Heist. Daraufhin haben Spieler, welche "Gutewichte" spielten gesagt das sie einen heist so nicht mitspielen wollen. Daraufhin hab ich gesagt "ich glaub schon das du das in der speziellen Situation machen kannst". Aber ja wenn jemand einen Paladin spielt kann das ein Problemchen geben, muss man komunidingenskirchen. Kann man aber eine Lösung finden, dessen bin ich mir recht sicher.

Bei einer Con-Abenteuerabsprache hab ich letztens gelesen: "Sorry, aber dort sind Vorgehensweisen erforderlich, bei denen ich weiss, dass du damit ein Problem hast."

Offline Sphinx

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #11 am: Gestern um 10:13 »
Ich bin mittlerweile kein Freund mehr von GM Heimlichtuerei und Charakteren die im nichts erschaffen werden.
Wenn ich so eine Kampagne Spiele gebe ich vor wie der einstieg sein wird und wie die Charaktere ticken müssen damit die Kampagne funktionieren kann.
Wenn diese Setzung für alle OK war, sind definitiv die Spieler in der Bringschuld passende Charaktere zu liefern. Und den Hook auch anzunehmen.
Soren Johnson: Given the opportunity, players will optimize the fun out of a game |"Haben die Spieler die Möglichkeit, Optimieren sie den Spaß aus dem Spiel."

Offline Saffron

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #12 am: Gestern um 10:13 »
Meiner Meinung nach ist ein bisschen guter Wille von beiden Seiten erforderlich:

Wenn ich Abenteuer vorbereite (egal ob gekauft oder selbst erstellt), versuche ich, einen Aufhänger zu finden, der für die Gruppe plausibel ist und sie dazu motiviert, sich in das Abenteuer zu begeben. Bin ich Spielerin, erwarte ich, dass die SL zumindest einen Aufhänger bringt, den ich als solchen erkenne, so dass ich darauf einsteigen kann.

Allerdings sollten die Spieler auch eine gewisse Bereitschaft mitbringen, sich darauf einzulassen, selbst wenn es mir vielleicht nicht so gut gelingt, sie ganz persönlich einzubinden. Wenn ein Spieler dann meint "Meinem Charakter ist schnurz, wenn im Dorf schon mehrere Leute unter mysteriösen Umständen verschwunden sind", finde ich das wenig hilfreich.

Ich spiele eigentlich nur mit Leuten, die genauso Lust darauf haben, das Abenteuer zu erleben wie ich, und die dafür auch den einen oder anderen Kompromiss eingehen, selbst wenn der Plot gerade mal etwas holpert oder die SL z.B. ein Logikloch übersehen hat.
Ich leide nicht an Realitätsverlust. Ich genieße ihn.

Offline nobody@home

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #13 am: Gestern um 10:15 »
Bei allem auch schon ewig eingebrannten Schimpfen über die "Metaebene" -- das gehört für mich mit zu dem, was man am besten Out-of-Character bespricht. Generell werde ich mich als Spieler mit meinem SC Abenteuern als solchen erst mal nicht verweigern (wir haben ja einen Namen für Figuren, die das tun -- "Nichtspielercharaktere" >;D), aber es kann natürlich theoretisch immer mal sein, daß mich der Aufhänger für ein bestimmtes Abenteuer nicht wirklich motiviert oder ich ihn nicht mal erkenne, weil er zu "subtil" angelegt ist oder ich einfach an dem Abend selber auf dem Schlauch stehe. Das sind dann Dinge, die über den Spieler-zu-SL-Direktkanal wesentlich leichter zu beheben sind als bloß durch widerspenstiges Charakterspiel.

Daß es umgekehrt gerade im Kampagnenspielmodus sicher sinnvoll ist, wenn auch die SL mit zunehmender Vertrautheit ihre Abenteuer und deren Einstiege mehr auf ihre Pappenheimer am Tisch zuschneidet, statt anonymes Kaufmaterial, dessen Verfasser weder Spielern noch Spielercharakteren jemals persönlich begegnet sind, einfach nur genau 1:1 out of the box herunterzuleiern, bleibt davon unberührt. Da hat einfach das Produktformat selbst seine praktischen Grenzen, die ggf. nach etwas Nachschleifen verlangen.

Offline Quillbound

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #14 am: Gestern um 10:22 »
Ich würde sagen, ja, der Spieler hat eine Bringschuld, da der SL mit seinen Vorbereitungen in Vorleistung gegangen ist; er hat quasi in dem Moment an dem man sich am Tisch trifft, schon "gebracht".

Der Spieler sollte sich folglich wohlwollend auf das einlassen, was der Spielleiter vorbereitet hat.
Wenn ihm partout überhaupt nicht zusagt was vorbereitet wurde -kann ja passieren- dann sollte er das nicht ingame über seinen Charakter durch Verweigerung ausdrücken, sondern dann ist ein klärendes Gespräch auf der Metaebene angesagt.

Das entspricht ziemlich genau meiner Meinung.

Ich habe das auch schon häufig erlebt, dass manche Spieler sich von Gefahren partout komplett fernhalten. In meiner aktuellen Daggerheart-Gruppe gibts so jemanden. Wenn die Gruppe sich immer nach ihr richtete, würden wir vermutlich "Gemüse anbauen - das Rollenspiel" spielen ;) Und das finde ich sehr schade.

Also ja ... man spielt Rollenspiele natürlich für eine gewisse Freiheit, die man haben möchte. Andererseits muss man sich einfach klar sein, wenn ich mich entscheide ein heroisches Fantasy-Rollenspiel zu spielen, dann sollte mein Charakter auch gewisse heroische Tendenzen mitbringen.

Und wenn ein Abenteuer einen blöden Aufhänger mitbringt, dann muss ich meinem Spielleiter einfach vertrauen, dass das ganze schon irgendeinen Sinn ergeben wird. Es bringt jedenfalls niemandem etwas, weder den Mitspielern noch mir selbst, wenn ich mich einem Abenteuer verweigere. Weil ... dann wird schlicht nicht gespielt :D
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Offline felixs

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #15 am: Gestern um 10:23 »
Finde auch, dass es Aufgabe der Spieler ist, den Einstieg in das Szenario mitzutragen und das Szenario dann auch entlang der gesteckten Marken zu spielen.

Argumentiere ja auch regelmäßig dafür, dass der SL sehr viel "dürfen" sollte, damit das Spielleiten einfacher wird. Bis hin zu Dingen, die andere als "Railroading" bezeichnen würden. (Warum schreibe ich das: Damit meine Position zwecks Kontextgebung für den Teil unten klar ist).

Hier klingt in einigen Beiträgen an, dass es zwei mögliche Probleme gibt:

1) Der Spieler meint, dass die Spielfigur "sowas nicht machen würde". Das kann manchmal so sein, dürfte in vielen Fällen aber (aus meiner Sicht) eher "Gezicke" sein.

2) Das Szenario beinhaltet Inhalte, welche ein Spieler aus ethischen oder ästhetischen Gründen nicht bespielen will. Das muss man ernst nehmen. Wir haben hier im Forum häufig festgestellt, dass die Ansicht bezüglich (ethisch-ästhetisch) spielbarer Inhalte weit auseinander geht. Auch hier ist natürlich wieder etwas Raum für "Gezicke", aber ich würde dieses Problem viel ernster nehmen.

Ich finde, dass es einen Unterschied macht, ob man "mal keinen Spaß hat", oder - ganz anderer Fall - man Schwierigkeiten hat, zu ertragen, was da gerade passiert. (Gleichzeitig ist es natürlich auch OK, aus einem Szenario auszusteigen, nachdem man eine gewisse Höflichkeitsspanne gewartet hat und dann festgestellt hat, dass einem das wirklich keinen Spaß macht).

Beispiele: Der grummelige DSA-Druide kommt halt mit auf das Stadtabenteuer; meinetwegen grummelt er dort besonders viel, aber er beteiligt sich am Spiel. Das ist dem Spieler zuzumuten und der Figur ist es egal. Andererseits finde ich es völlig akzeptabel, wenn Spieler ein Szenario nicht mitspielen wollen, bei dem sie sich an irgendwelchen Grausamkeiten beteiligen sollen. Oder wenn solche eine sehr große Rolle spielen oder sehr plastisch dargestellt werden.

Kurz: Auf die Befindlichkeiten der Spieler muss man Rücksicht nehmen. Auf die der Figuren weniger.
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Offline Holothuroid

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #16 am: Gestern um 10:24 »
Der Begriff wird zwar viel zu häufig für Dinge verwendet, die kein echtes Railroading sind und bei denen dein Lösungsvorschlag greifen würde. Aber es gibt sie - die Spielleiter, die in jeder einzelnen Szene genau EINE Handlung akzeptieren und alles andere blocken.

Solange alle anderen damit fein sind, ist ja in Ordnung. Wenn wir die Shab-al-Hiri-Schabe spielen, wissen wir im Voraus welche fünf Szenen gespielt werden werden. Bzw. wir wissen das, wenn wir das Regelwerk gelesen haben. Wer darüber in Unkenntnis ist und was Anderes erwartet, könnte davon überrascht werden. Ich glaube, ich hab mich mit Shinobigami fürs Treffen für ein ähnliches Spiel angemeldet.

Es gibt aber keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen dem, was in einem Buch steht, und dem, was Leute im Gespräch vereinbaren. Wir müssen nur irgendwie dafür sorgen, dass alle hinreichend informiert und sich einig sind, was gespielt werden wird. Wenn wir alle das selbe Buch gelesen haben, ist das genau ein Mittel um das zu erreichen. Genauso wie informativer Rundenaushang oder eine gute Erklärung vorab.

Explizite Open-Door-Politik kann auch helfen. Also explizit anzusagen, dass alle jederzeit ohne Angabe nährerer Gründe gehen dürfen. Es gibt Leute, die aus falsch verstandendener Höflichkeit sitzen bleiben, wenn sie keinen Spaß haben.

Es macht aber keinen Sinn zu sagen, das in jeder Szene "genau eine Aktion" akzeptiert wird, weil nicht klar ist, was eine "Aktion" ist. Also wenn wir "Stoke - Birmingham 0-0" spielen, ist alles, was in z.B. D&D eine sinnvolle Aktion darstellt, verboten. Die Figuren haben an dem Kneipentisch sitzen zu bleiben und sich zu langweilen. Das ist das Spiel. Beim ersten Mal wusste ich nicht genau, was ich da tun soll, denn ich kannte das Spiel nicht näher. Aber in vollem Zutrauen habe ich mir das erklären lassen. Und die Erklärung war hinreichend gut, dass ich das einigermaßen hinbekommen habe.
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Offline Ninkasi

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #17 am: Gestern um 11:43 »
Also wenn wir "Stoke - Birmingham 0-0" spielen, ist alles, was in z.B. D&D eine sinnvolle Aktion darstellt, verboten. Die Figuren haben an dem Kneipentisch sitzen zu bleiben und sich zu langweilen. Das ist das Spiel.

Abgefahren, dachte in unserem Hobby könnte mich fast kein Setting mehr wirklich überraschen, aber absichtliche Langeweile... :o
Eigentlich ist das nur ein fiktives Gesprächsthema zum Bier.  >;D

@Thema: Die Bringschuld haben alle am Tisch. Kommunikation und Wille, miteinander spielen, nicht gegeneinander.

Offline bolverk

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #18 am: Gestern um 12:12 »
@Thema: Die Bringschuld haben alle am Tisch. Kommunikation und Wille, miteinander spielen, nicht gegeneinander.
So nämlich. Gegenseitiges Vertrauen. Vertrauen darauf, dass der Spielleiter schon was passendes aussuchen wird, und dass die Spieler dabei mitmachen wollen, selbst wenn das von beiden Seiten hin und wieder ein gewisses Maß an Suspension of Disbelief erfordert. Andernfalls kommt kein Spiel zustande.

Ich habe das einmal gehabt, da war ich als Spielleiter noch ziemlich unerfahren. Die Spieler hatten sich abgesprochen, quasi "als Scherz" am Abenteuer vorbeizulaufen. Ich habe händeringend versucht, den Abend damit rumzubekommen, das Abenteuer doch noch irgendwie zu beginnen – erfolglos. Heute würde ich so einen Quatsch einfach nicht mehr mitmachen.
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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #19 am: Gestern um 12:23 »
Ich war mal auf einer Convention mit einem Abenteuer konfrontiert, das mir komplett unsinnig vorkam, und da habe ich meinen Charakter den Auftrag nicht annehmen lassen und mich aus der Runde entfernt. Später erfuhr ich von einem anderen Mitspieler, dass das Ding in der Tat ganz gewaltig schief gelaufen war. Man spielt ja letzten Endes, um dabei Spaß zu haben, und wenn man keinen Spaß dabei hat, lässt man es bleiben ;)
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Offline felixs

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #20 am: Gestern um 12:31 »
Ich habe das einmal gehabt, da war ich als Spielleiter noch ziemlich unerfahren. Die Spieler hatten sich abgesprochen, quasi "als Scherz" am Abenteuer vorbeizulaufen. Ich habe händeringend versucht, den Abend damit rumzubekommen, das Abenteuer doch noch irgendwie zu beginnen – erfolglos. Heute würde ich so einen Quatsch einfach nicht mehr mitmachen.

Scheint so ein Ding zu sein, was in der Pubertätsphase vieler Rollenspielgruppen (oft hängt das ja auch mit der biologischen Pubertät zusammen) passiert - ziemlich genau so. Und ja, ich würde das heute auch nicht mehr mitmachen, auf keiner Seite des SL-Schirms (und auch nicht, wenn ohne SL-Schirm gespielt wird).
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Offline Dreamdealer

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #21 am: Gestern um 12:32 »
An der Stelle mal eine Lanze fürs Railroading: ich hab nichts gegen Railroading wenn mich die Schienen schnell in ein Abneteuer bringen dann aber aufhören.

Ich finde dafür sollte es einen besseren Begriff geben  - ich definiere, das jetzt als watersliding - kurz, gut, macht Spaß und am Ende ist man im kühlen Nass und kann kann sich austoben.
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Offline KhornedBeef

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #22 am: Gestern um 12:35 »
In dem Thread https://www.tanelorn.net/index.php/topic,133462.msg135359266.html#msg135359266  kam es zur Sprache, dass manche Abenteuer seltsame Einstiege haben.
Falls dieser Einstieg nicht angenommen wird, sind dann die Spieler die Spielverderber? Oder ist die SL auf Railroadertripp, weil das Abenteuer es so vorsieht?
Klar, die Gruppe hat sich zusammen gefunden, um Rollenspiel zu spielen und sowohl SL als auch Spieler haben Interesse daran, dass die Spielzeit für alle schön ist.

Hat überhaupt jemand die Bringschuld? Falls ja, wessen wiegt sie "schwerer"?
Ich würde das auch ohne Bringschuld regeln wollen, das ist doch belastend. Accept the premise! Die Prämisse muss natürlich vorher kommuniziert werden. Wenn dann ein Abenteuer stark von dieser abweicht, überraschend, dann kann man immer noch sagen "können wir etwas anderes spielen?"
Es läuft darauf hinaus, dass in Runden, in denen die SL weiß, das die Spieler erstmal ehrlich alles mitgehen, auch jedes Abenteuer aus dem Hut gezogen werden kann. In den anderen sollte die SL sich das OK zur konkreten Abenteuerprämisse holen, bevor sie etwas vorbereitet.
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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #23 am: Gestern um 12:49 »
Ich finde dafür sollte es einen besseren Begriff geben  - ich definiere, das jetzt als watersliding - kurz, gut, macht Spaß und am Ende ist man im kühlen Nass und kann kann sich austoben.

hm, das letzte Abenteuer das ich so gestartet habe auf einem Con hiess schiffbruch und es fing an nachdem die Piraten das Schiff der SC verlassen haben. Alle sind verlezt erschöpft und es gibt obendrei noch sturm, kapitän ist tod, etc pp.
"Watersliding" war dann später ;) denn keine figur hatte die Expertise das Schiff zu retten.

Offline Feuersänger

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Re: Abenteuer verweigern? Spielverderber!
« Antwort #24 am: Gestern um 12:53 »
Wir machen das ja immer so:
Wir besprechen VOR Spielbeginn, wer was zu leiten bereit ist, und worauf die Spieler Bock haben. Dabei sollte sich der SL natürlich auch schon im Vorhinein über etwaige logische Stolpersteine oder schwarze Logiklöcher etc im Klaren sein und diese kommunizieren.

Etwa: "Der AP 'Unter Piraten' geht damit los, dass ihr geshanghait und laufend gepiesackt werdet. Aber ihr werdet euch aus dieser Situation befreien können. Am Ende des 1. Bandes werdet ihr entweder tot oder frei sein. Um die ganze Kampagne zu spielen, solltet ihr also Charaktere bauen, die auch wirklich BOCK auf eine Piratenkarriere haben und sich nicht bei der erstbesten Situation wieder an Land absetzen wollen."

Aber es kann ja auch passieren, dass erst mittendrin ein Pferdefuß auftaucht der dem SL vorher nicht bewusst war. Dann sprechen wir da halt auch offen darüber. Entweder man arbeitet darum herum, oder man zieht halt die Konsequenzen und bricht das Abenteuer ab.
Der :T:-Sprachführer: Rollenspieler-Jargon

Zitat von: ErikErikson
Thor lootet nicht.

"I blame WotC for brainwashing us into thinking that +2 damage per attack is acceptable for a fighter, while wizards can get away with stopping time and gating in solars."

Kleine Rechtschreibhilfe: Galerie, Standard, tolerant, "seit bei Zeit", tot/Tod, Stegreif, Rückgrat, die Nutella