Ich finde, dass Wort Bringschuld hier nichts zu suchen hat. (Ich habe hier zwar mit dem Begriff angefangen, aber nur um die Grenzen zu setzen, auf welche Achse wir uns gerade bewegen.)
Aus meiner persönlichen Sicht ist nämlich "Bringschuld" die andere Seite der Münze, auf der Railroading steht. Vielleicht auf den ersten Blick ein seltsamer Gedanke, aber die Münze ist der Preis der "Erwartungshaltung wie das Abenteuer zu laufen hat".
Und nicht jeder ist käuflich (wenn der Preis nicht stimmt).
Vielleicht habe ich nur zu fest meine Brille als SL aufgesetzt und dementsprechend versuche ich mehr die Spieler zu schützen, damit se sich nicht unter Preis anbieten müssen. Ich finde, wenn die SL davon ausgeht, dass die Spieler sich auf fast alles einlassen müssen, nur weil ich als SL etwas vorbereitet habe, dann grenze ich mich von den Spielern ab - und bin nicht mehr einer von ihnen. Ob ich den Verlauf des Abenteuers durch erwartbare Bring
schuld oder praktizierendes Railroading zu erreichen versuche, ist kein großer Unterschied. Bei der Bringschuld versuche ich den Spielern den schwarzen Peter zuzuschieben, dass wenn sie das Abenteuer nicht schlucken, sind sie schuld. Wenn ich sie railroade, dann versuche ich sie mit der Illusion der Entschedungsfreiheit ruhig zu halten.
Was mache ich aber in beiden Fällen nicht? Ich erspiele keine gemeinsame Geschichte mit meiner Gruppe. Ich präsentiere
meine Geschichte. Will ich das? Will das die Gruppe? Falls bei jemanden beide Fragen mit Ja beantwortet werden, dann ist alles in Ordnung. Wenn.nicht, so wie bei mir, dann ist es eindeutig, dass meine Spieler auf gar keinen Fall eine Bringschuld mir gegenüber haben und dass ich zu verhindern versuchen würde, sie in die Gefahr von Railroading zu bringen. Mit der Münze werde ich
meine Spielrunden nicht bezahlen.