Man kann das als Lernerfahung angehen und seine skills erstmal in kleiner, vertrauter Runde testen. Selbstbewusstsein aufbauen, reden und etwas Sicherheit finden.
Man kann etwas spielen, was gegen die eigene Natur ist, also den rücksichtsvollen und unterstützenden Heiler, anstelle das x-te Mal den natürlichen Anführer zu mimen nur weil man das auch im RL kann.
Oder auch moralische Grenzen antesten und den Schurken spielen, wo man im RL niemals diese Grenze überschreiten würde. Diebstahl, Intrige oder Auftragsmord.
Rollenspiel bietet das Spielfeld dafür.
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Gut gesagt. Idealerweise ist es ein Kreislauf: Aussuchen - Ausprobieren - An Grenzen stoßen - Spielweise anpassen - An Grenzen stoßen.. und so weiter. Mit etwas Selbstreflexion (und in vertrauter Runde sich auch mal fremden Beurteilungen stellen) kommt man dann irgendwann in einen Wohlfühlbereich, wo man mal ein stückweit sich mit einem Fuß herausbewegen mag, aber weiß dass es außerhalb dessen nur stressig und frustig wird, für einen selbst, die Gruppe oder Beides.
Damit das klappt, müssen ein paar Randbedingungen passen. Je weniger davon da sind, desto schwieriger wird es. Zunächst: Selbstreflexion und die Fähigkeit und Motivation, das eigene Spiel kritisch zu hinterfragen. Aber auch: Die Möglichkeit, Fehler zu machen - Ja, auch den Face zu spielen wenn man im sozialen Bereich in RL ziemlich suckt.
Aber auch: die Stärke damit umzugehen wenn man von außen das Signal bekommt, DASS das gerade ein Fehler war. Zum Beispiel den Conan zu geben für jemand, die im Grunde ihres Herzens Pazifistin ist. Oder so.
Ich habe durch den Willen und die Möglichkeit, Charakterkonzepte abseits meines Wohlfühlbereichs zu spielen, durchaus soziale Skills erlernt, die ich im realen Leben anwenden konnte - und das wirkt dann auch ins Spiel zurück.
Ich will aber auch so spielen und ich möchte andererseits aber auch, dass die Charaktere im Spiel auch stimmig wirken - das muss nicht heißen, dass die Femme Fatale die SL in einer Szene durch echten Charme um den Finger wickelt... aber es sollte in der Erzählung etwas stattfinden, was mir eine Idee davon gibt, warum die Aktion "Ich wickle den Boss der Gang um den Finger um ihm eine Information einzuflüstern" gelungen ist. Da ist ein Widerspruch und ich glaube, das ist so ein Teil des Kerns dieser Diskussion. Einerseits wollen wir alle viele manche - die Einen mehr, die Anderen weniger - am Ende doch eine sich gut anfühlende Erzählung und ein Teil dieser Erzählung kann sein, dass die nicht existierenden Figuren unserer Köpfe irgendwie durch ihre Aktionen geglänzt haben.. nicht nur durchs Ergebnis, sondern auch durch die Aktionen selbst.
Ich meine, es gibt eine Menge Hacks mit denen man das erreichen kann - ohne das man explizit etwas verbieten muss. Aber man sollte sich den Möglichkeiten bewusst sein und sie nutzen, wenn sie nötig werden.
Das Folgende sollen ein paar Werkzeuge sein, die in unterschiedlichen Situationen wo das das Ausspielen per direkter Darstellung an Grenzen stößt. Ich gehe von einer Runde aus, die einen gewissen Wert auf Darstellung legt und größtenteils in erster Person spielt.
Erzählen statt ausspielen
Gerade wer Probleme hat, in heiklen Situationen in direkter Rede die richtigen Worte zu finden, kann trotzdem jederzeit auf die dritte Person ausweichen. Statt "Ich verstehe, du tust hier nur deine Pflicht und wir haben keine Einladung, also sollten wir abdampfen. Anstrengender Job, die ganze Zeit stehen - auch wenn du ja ziemlich standfest aussiehst *zwinkerwzinker* Nach so einem anstrendenden Tag sollte man sich unbedingt massieren lassen.. und rate mal, wer das SEHR gut kann..?"
... ging es auch so:
"X deutet an, dass so ein Job ja sehr anstrengend ist und umschmeichelt die Wache mit der Aussicht auf ein Date wenn sie uns reinlässt"
Die Not zur Tugend machen
Der glänzende Anführer wird gar nicht so entschlussfreudig gespielt, weil der Spiely immer auf Nummer sicher gehen will? Vielleicht gibt es einen Grund, dass er zaudert.. vielleicht hat er einen Fehler gemacht in der Vergangenheit und seitdem bestimmte Entscheidungen schwer? Manchmal kann man den Teil, den man nicht gut darstellen kann auch zu einer gezielten Schwäche der Figur machen, ohne das Charakterkonzept komplett zu brechen.
Frag die Anderen
Blackout in einer Szene? Man sagt die Aktion, würfelt, die SL sagt "Beschreib mal!" und dir fällt...NIX ein? Egal, es spielen ja Andere mit. Vielleicht hat ja jemand eine Idee?
Auch wenn es dann das gefürchtete METASPIEL wird - manchmal reicht nur ein Impuls und dann kommt doch noch eine eigene Idee. Im schlimmsten Fall redet man 1 Minute kurz und erzählt eine coole Aktion, an die man sich erinnert wo sonst nur "gewürfelt - gelingt" passiert wäre.
Kopiere
Vielleicht gibt es ja vergleichbare Szenen in Büchern, Filmen, Serien? Wenn nicht zu häufig eingesetzt kann man sich daran orientieren und ein Zitat abwandeln, eine Kampaktion aus einem coolen Actionfilm nacherzählen.. entweder man erkennt die Anspielung oder kein anderer hat die Szene so in Erinnerung. Auch hier: besser als nix.
Vielleicht gibts ja noch ein paar andere konstruktive Ideen, damit wir mal von "Das braucht kein Mensch!" und so komischen Strohmännern á la "Sollen wir alle zur Schauspielschule oder was?" wegkommen...