Man kann es vielleicht anders formulieren: "Charaktere, die es schwerer machen, Herausforderungen für sie zu entwerfen, machen weniger Spaß."
Ob das Fähigkeiten sind oder charakterliche Angreifbarkeiten oder irgend etwas anderes, ist doch egal.
Der Tefloncharakter, an dem alles andere abprallt, so daß man ihn emotional nicht packen kann, ist in einer dramatischen Geschichte genauso öde wie Supermann, der eine Kryptonit-immunität entwickelt hat. Das ist offensichtlich.
Genauso werden Charaktere mit wenigen Angreifpunkten schnell eindimensional, weil die "wie kriegt man die so, dass der Spieler merkt, dass es jetzt ums Ganze geht" Frage sich immer wieder um die gleiche Story dreht.
Und die Arbeit des Spielleiters wird dadurch immer schwerer. Das ist mein persönlicher Grund, warum ich aus D&D (ab 3.x) [und Pathfinder] mit seiner exponentiellen Kompetenzzuwachsspirale emotional ausgestiegen bin. Alles über Level 9 ist mir zu blöd, zu viel Aufwand und in meinen Augen Ressourcenverschwendung.
Ressourcenverschwendung?
Ja! Die Ressourcenverschwendung findet bei der Spielleitung statt, denn auf der Seite muss immer mehr in eigentlich überflüssige Vorbereitung investiert werden, die man besser nutzen kann. Wenn ich mich in irgendwelche Monster über eine Stunde lang einlesen muss, nur um das Vieh adäquat spielen zu können, damit meine Helden was zu tun bekommen, dann ist das verschwendete Zeit, weil ich in der gleichen Zeit viel besser etwas investieren kann, dass die Abenteuersitzung noch unterhaltsamer macht.
Auf der anderen Seite wird Bauerngaming (also das Spielen von Charakteren, die nichts auf die Kette kriegen) auch sehr schnell langweilig.
Wie Zouan schreibt, darf es ein Grundmaß an Kompetenz ruhig sein.
Ich möchte dazu ergänzen: Die sich bei jedem neuen Charakter immer wieder wiederholende Heldenreise ist auch irgendwann fade. Besonders wenn man häufig neue Charaktere macht, die wegen Kampagnen-Instabilität vielleicht gar nicht so lange gespielt werden, ist das "Zero to Hero" Erlebnis irgendwann abgenutzt.
Ich möchte inzwischen keinen Erstlevel Charakter erschaffen und den durch die Instanzen spielen um dann zu merken, dass die Luft aus dem Spiel raus ist und ich ihn in der Klarsichtfolie verschimmeln lassen kann, weil der Spielleiter nicht mehr kann oder will oder die Gruppe sich auseinanderdividierte...
Gebt mir halbwegs kompetente Charaktere und lasst diese etwas in diesem Kompetenzgrad bleibend wachsen. Als Dank dafür schenke ich dem Spielleiter genug Hebel-Ansatzmöglichkeiten, um den Charakter in die Situationen zu bekommen, die er/sie sich im Abenteuer vorgestellt hat. Und gemeinsam spielen wir ihn dann da wieder raus.
Deal?