Was sind Eure Filme?
Okay, ich will deinen Eröffnungspost mal wirklich wörtlich nehmen. Es geht um Filme "in Bezug auf unser Hobby", die zugleich "Fantasy" sein müssen. Das ist schon eine ziemliche Einschränkung. Es gibt einen Haufen Filme, die meinen Blick auf "mein" Fantasyrollenspiel nachträglich geprägt haben. Trotzdem lege ich jetzt (für mich) mal ein paar weitere Kriterien fest, sonst listen wir ja doch einfach nur unsere Lieblingsfantasyfilme auf.
Kriterium 1: EnsembleDas wichtigste Kriterium für meine Liste. Rollenspiel spielt man in der "Party". Da ist nicht der einzelne Protagonist, der eine One-Man-Heldenreise durchzieht, entscheidend, sondern eine Gruppe aus Charakteren, die gemeinsam ein Abenteuer bestreitet. Damit ein Film also auf meine Liste passt, muss es zumindest ein Duo aus Charakteren sein, besser noch eine Gruppe und die müssen auch einigermaßen proaktiv sein und zumindest über Teile des Films zusammenarbeiten. Jeder sollte etwas beitragen können.
Sorry,
"The Green Knight", du bist raus.
Kriterium 2: Filme, keine SerienIch meine, obviously gibt es drölfzigtausend gute Fantasyserien, die als Inspo für Rollenspiel dienen könnten. Ich glaube sogar, dass sie eben aufgrund ihrer Serialität und meist auch größerer Cast aktiver Charaktere besser als Inspiration für Rollenspiele geeignet sind. Aber hier wird nach Filmen gefragt, also halte ich mich daran.
Sorry,
"Record of Lodoss War" und
"Game of Thrones"... ihr seid raus.
Kriterium 3: Fantasy FantasyGut, okay, ich weiß nicht wie eng oder weit wir das auslegen wollen. Ich gehe jetzt für meine Liste von einer engeren Definition aus, die Urban Fantasy oder Superhelden jetzt nicht beinhaltet. Urban Fantasy kratzt für mich zu stark an der Moderne, Superhelden ist sogar fast schon Science-Fiction. Es sollte schon alles vage mittelalterlich, antik oder frühneuzeitlich sein... MIT zumindest einem Schuss Fantastik. Historienfilm allein doesn't cut it.
Sorry,
"Harry Potter" und
"The Avengers"... ihr seid raus. Und "Chihiros Reise" leider auch.
Kriterium 4: ActionSeien wir ehrlich: Im Fantasyrollenspiel wird gekämpft. Oder es wird sich zumindest gestritten. Oder es gibt zumindest eine gewaltsame Bedrohung. Die Filme, die ich hier aufführe, sollten daher schon beinhalten, dass jemand mal ein Schwert zieht oder sowas. Selbst wenn es dann nicht benutzt wird.
Gut, mir fällt hier auch jetzt kein Fantasy-Film ein, den ich rausschmeißen müsste. Also irgendwie auch das schwächste Kriterium.
Meine Liste: Top 5 – Die Ritter der Kokosnuss (Terry Gilliam und Terry Jones, 1975)
Geht gleich mal los mit einer Verhohnepiepelung. Haarscharf hätte hier stattdessen "Shrek 2" gestanden. Aber der Film erfüllt nicht nur meine Kriterien, er hat sich auch ins allgemeine Rollenspieler-Gedächtnis eingebrannt. Man konnte immerhin ein Rollenspiel dazu rausbringen und das haben tatsächlich Leute gekauft! Ansonsten wirkt der ganze Film wie ein zusammenimprovisierter Spielabend einer unerfahrenen SL, die die Spieler durch die Szenen railroaded. Es steht reichlich Bier auf dem Tisch. Und am Ende sind alle müde, also bringt die SL das noch irgendwie schnell zum Abschluss und alle denken sich "okaaaaaaaay, was war jetzt das?" Die allermeisten von uns saßen schon einmal in so einer Runde, oder?
Top 4 – Dungeons & Dragons: Honor Among Thieves (Jonathan Goldstein und John Francis Daley, 2023)
Ich meine, es geht hier um Rollenspielfilme, oder? Da ist der ja wohl der Musterschüler. Spielt in einer Welt des bekanntesten Rollenspiels der Erde, mit einer fantasyvölkisch diversen Cast und einer Plotstruktur, wie man sie auch in einem 3rd Edition-Modul finden könnte. Klar, ist schon ein anderer Vibe als so 80er-Jahre-D&D, wo man sich den Stufenaufstieg noch vom Munde abgespart hat; "Honor Among Thieves" ist schon so ein wenig der MCU-Film unter den Fantasyfilmen mit seinen lockeren Sprüchen und effektgeladenen Kämpfen. Besonderes Plus für mich, der fast schon eine Liebeserklärung ans LARP ist: Die ganzen Tiermenschencharaktere sind Leute in Kostümen – CGI gab's nur in der Nachbearbeitung. Friss das, James Cameron!
Top 3 – Pirates of the Caribbean – Dead Man's Chest und
Pirates of the Caribbean – Far Side of the World (Gore Verbinski, 2006/2007)
Ja, ja, ich weiß, was ihr sagen wollt. "Fluch der Karibik 1" ist der beste Film der Reihe. Stimme ich auch völlig zu. Aber: Die Kombination aus "Fluch der Karibik" 2 und 3 ist der beste
Rollenspielfilm der Reihe. Schauen wir nur mal, was passiert: Wir haben ein Ensemble aus Charakteren, die über die Laufzeit zusammen Dinge tun und Feinde bekämpfen. Wir haben ausgeprägte MacGuffin-Jagden und Über
landseereisen. Wir haben sogar eine Wiederbelebung und neue "Powers", die freigespielt werden. Ich habe jetzt beide Filme als einen Film gezählt, weil die nur zusammen funktionieren. Wenn ihr mich festnageln wollen würdet, würde ich sogar sagen: "Fluch der Karibik 3" ist der beste Rollenspielfilm. Ich meine, die pointcrawlen sich zum Ende der Welt, also come on.
Top 2 – Das Letzte Einhorn (Jules Bass und Arthur Rankin, 1982)
Was soll ich sagen: Diesen liebe ich. Und passt auch gut in die Kriterien. Mein persönliches Bild von klassischer Fantasy hat der schon wahnsinnig geprägt und drückt die Knöpfe, die mir auch heute noch dabei wichtig sind: Einfache Leute als Helden, Fokus auf Beziehungen in der Gruppe, "Lived-in" Setting, Zauberhaftigkeit statt "wissenschaftlich" aufgelöster Magie. Ich kenne leider keine Rollenspiele, die den absolut einzigartigen Look und das Gefühl dieses Films wirklich aufgenommen hätten. Gut, "Legend of the Mist" ist fast da, aber nicht vollständig. Das ist übrigens einer der Filme, wo die deutsche Synchro der englischen überlegen ist – schon weil Christopher Lee als König Haggart sich selbst spricht (für die ganz Harten ist auch noch eine Schweizerdeutsche Tonspur auf der DVD

). Und dann noch der Soundtrack, hach dieser Soundtrack. Okay, ich sollte weitermachen, sonst komme ich aus dem Schwärmen nicht mehr raus...
Top 1 – Der Herr der Ringe (Peter Jackson, 2001-2003)
Weil obviously. Den allerersten Film der Reihe an einem verschneiten Winterabend auf der großen Leinwand zu sehen, war DAS Kinoereignis meines Lebens! Und sowas hat man nur einmal im Leben. Reichte nie wieder etwas ran. Fun Fact: Ich habe diesen Film im Rahmen einer Jugendwochenendfreizeit gesehen. Danach wurde in eine Jugendherberge auf einer Burg gefahren... und Rollenspiel gespielt!
Honorable Mentions:- Shrek 2 (Andrew Adamson, Kelly Asbury und Conrad Vernon, 2004. Muss nicht erklären, warum, oder?)
- Dragonheart (Rob Cohen, 1996. Passt in die Kriterien, wenn wir den Drachen als Spielercharakter ansehen

)
- Die Drei Musketiere (Ich wüsste einfach nicht, welche Verfilmung genau... wahrscheinlich aber die von 1993 von Stephen Herek, anstelle der 70er-Verfilmung. Der 70er-Film hat die besseren Kämpfe (diese ganzen Set-Pieces!), aber Tim Curry ist einfach ein wesentlich präsenterer Schurke als Charlton Heston. Und sowas braucht man im Rollenspiel. Aber abgesehen davon war die Nummer ohnehin nicht fantastisch genug.)
- Der Hobbit (Peter Jackson und Andy Serkis, 2012-2014... aber die Fan-Cuts! Es ist kein Geheimnis, dass ich die Trilogie as is für nicht wirklich gelungen halte, schlechtes Pacing, unnötiger Storyballast, fragwürdige Cameos. Das Gute ist, dass ich nicht alleine bin. Es gibt im Netz einen Haufen neu geschnittene Versionen von Fans, die den Film nochmal ganz neu interpretieren – von einem einzelnen 3-Stunden-Film, bis zu einem behutsam zusammengestellten Double-Feature. Macht Spaß, sich da ein wenig reinzunerden.)
- Der Glöckner von Notre-Dame (Gary Trousdale und Kirk Wise, 1996. Ganz recht, die Disney-Verfilmung! Über die Werktreue braucht man da nicht streiten, schon klar. Über mein Ensemble-Kriterium kann man streiten. Worüber man nicht streiten kann ist, dass der einfach vibt (und dank sprechender Steinstatuen, intelligenter Tiere und einem griechischen Chor direkt aus der Hölle auch fantastisch genug ist). Hätte man ein paar Entscheidungen getroffen, um den Fokus mehr auf Quasimodo und Esmeralda zu legen (genauer: Die Steinstatuen rausgeworfen und eine Romanze zwischen den beiden aufgezogen anstatt mit diesem doofen NPC), würde der heute als DER perfekte Disney-Zeichentrickfilm genannt, anstatt ein vergessenes Kleinod der Animationskunst zu sein. Er hat auf jeden Fall schon mal die beste Musical-Nummer eines Disney-Schurken ever. Und eine Opening-Szene wie sie in dieser Ära finde ich, unerreicht ist. Wie die Kathedrale da über den Wolken auftaucht. Heute noch der Wahnsinn! Ich weiß, der Film ist ein bisschen weit hergeholt hier im Thread, aber es redet kaum jemand drüber, also dachte ich, ich empfehle ihn mal all den 90s-Kids da draußen. Auch explizit den Frauen: Esmeralda ist definitiv eine der stärksten Frauenfiguren, die man in den alten Disneyfilmen finden kann.)