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[Tag 2] Raumstation Bazaar

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Bazaar:
Der Sprung von der Rampe hatte sie zwar aus der vorwärts drängenden Herde befreit, aber durch die Absperrungen der Zollbehörde mussten sie sich trotzdem noch fädeln. Das Gedränge war fast beängstigend. Es mussten zwei oder drei Schiffe gleichzeitig angelegt haben. Eine flackernde Leuchttafel über ihren Köpfen bestätigte es; die letzten Linienflüge des heutigen Tages.
Die Halle war erfüllt von hundertstimmigen Stimmengewirr, das immer wieder von Lautsprecheransagen durchschnitten wurde.

Die Schlange vor Denize und Monn bewegte sich zäh, Schritt um Schritt, vorwärts. Bleichgesichtige Pilger hatten sich neben ihnen vor einem weiteren Schalter eingereiht, und Denize entgingen nicht die skeptischen und teilweise unverhohlen angsterfüllten Blicke, die man dem Ukar an ihrer Seite zuwarf. Eine ältere Frau machte gar das Zeichen des Sprungtores und wandte sich hastig ab.

Der Zollbeamte, der sich ihnen zuwandte, verzog hingegen keine Miene. Vermutlich hätte ihn nicht einmal die Ankunft eines Vau-Botschafters aus seiner Lethargie geholt. Er hatte ein schmales, kantiges Gesicht mit tiefliegenden kleinen Augen und langen Zähnen, die an ein Frettchen erinnerten.

"Guten Tag. Willkommen auf Bazaar", wiederholte er, wie hunderte, tausende Male zuvor. "Zollkontrolle. Diese Station unterliegt imperialem Recht. Woher kommen Sie, zu welchem Zweck sind sie hier, führen sie zollpflichtige Waren mit sich, unterliegen Sie einem kirchlichen Bann." Die Spitze des Datenstifts verharrte kurz über dem Pad, als er den Ukar erblickte.
"Gehört der zu Ihnen?" fragte er mit einem deutenden Nicken in Monns Richtung. "Sie brauchen eine Sondergenehmigung, wenn Sie einen Ukar einführen. Und einen Schrieb von der Krankenstation. Sonst muss er in Quarantäne."

(posting by Enkidi Li Halan)

Azzu:
Seine Arme und Schultern brannten wie Feuer. Das schwere Zweihandschwert entglitt nur deshalb nicht seinen Fingern, weil seine Hände sich schmerzhaft um das Griffstück verkrampft hatten. Schwerfällig hob er die Waffe, schwang sie wie eine Keule, zerschmetterte eine weitere Gestalt in schwarz-grüner Uniform.

Es waren Tausende. Heute morgen noch hätte niemand geglaubt, dass die Mantis so schnell eine Armee dieser Größe auf Kish landen könnte. Aber die Decados hatten nicht gewartet, bis sie genug Soldaten beisammen hatten. Einfache Bauern stecken in den Uniformen, ohne jede Ausbildung und Kampferfahrung. Er hatte beim Feind Hautfarben und Gesichtszüge von Kish und Malignatius ausgemacht, und auch andere, die er nicht zuordnen konnte. Für manche hatten nicht einmal die Waffen gereicht, sie waren mit Holzknüppeln oder mit bloßen Händen auf das Schlachtfeld gerannt.

Ein weiter Zweihandschlag, ein weiter Schritt Bodengewinn für die Siebte Kompanie. Ein roter Schleier lag über seinen Augen, durch den er keine Menschen vor sich sah, sondern Hindernisse. Keine angsterfüllten Blicke, sondern unmenschliche Fratzen. Kugeln prallten von seiner Rüstung ab; er bemerkte sie kaum.

Die Bauern erfüllten ihren Zweck: Sie starben. Erkauften dadurch der anrückenden Artillerie wertvolle Zeit, jedes Leben einige weitere Sekunden. Der Angriff hatte das IV. Regiment in seinem Feldlager bei St. Kaori-Schild-des-Westens völlig überrascht, die einzelnen Kompanien überspült von schwarz-grünen Wogen. Er hörte eine verzerrte Stimme in seinem Ohr - sein Squawker - aber er konnte sie nicht verstehen. Für eine Strategie war es ohnehin schon zu spät. Die IV. musste bis zu den Artilleriepanzern durchbrechen, oder die Kathedrale und die Stadt waren verloren.

Blut spritze auf seine Rüstung, färbte die braun-grau gemusterte Oberfläche glänzend schwarz. Links und rechts konnte er die fragenden Blicke seiner Männer sehen. Eingekreist. "Weiter! Weiter!" Sein heiserer Befehl hallte über das Schlachtfeld. Fast geschafft! Durch die schwarz-grünen Leiber der Mantis-Soldaten konnte er bereits freies Feld sehen. Ein paar Feinde warfen die Waffen weg und rannten, als sie ihn heranstürmen sahen. Andere erstarrten, standen im Weg, wurden Opfer seiner Klinge.

Ein Lichtblitz, dann ein ohrenbetäubender Knall. Die Druckwelle riss ihn fast zu Boden. Die Artillerie der Mantis feuerte auf das Schlachtfeld, zerfetzte Angreifer wie Verteidiger. "Vorwärts!" Die Zeit wurde knapp. Ein weiteres Rauschen in seinem Ohr. Diesmal konnte er sehen, was gemeldet wurde: Die 2. Gruppe war durchgebrochen, rannte die Hügel hinauf, auf die Artilleriestellungen zu. Die anderen fassten neuen Mut, kämpften sich entschlossen durch die letzen Meter. Er spuckte einen Batzen zähflüssigen Speichel aus, hob dann erneut sein Schwert zum letzen Schlag.

Schrilles Pfeifen. Licht. Dann ein Donnerhall. Er Hörte sich selbst schreien, spürte die Hitze der Explosion seine Haut verbrennen, fühlte, wie ihm das Fleisch von den Knochen gerissen wurde. Dann, nichts mehr.


Keitaro riss die Augen auf, sein Körper in kaltem Schweiß gebadet. Er versuchte, sich aufzurichten, aber sein Körper gehorchte nicht. Die Deckenbemalung tanzte verschwommen vor seinen Augen. Was ist... wo... Sein Kopf war schwer, so schwer...


Er erwachte.

Stille. Nur sein Herzschlag.

Ein Aufwallen von Panik. Ich bin gestorben! Er konnte seinen Körper nicht fühlen.

Doch.

Da war ein Körper. Arme. Beine. Taub, aber er konnte sie spüren.

Wo bin ich?

Er tastete mit seinen Fingern. Narben überall. Aber nichts fehlte. Seine Bewegungen waren schwer, wie... unter Wasser! Erneut Panik. Er versuchte zu atmen, aber er fühlte seine Lungen nicht.

Seine Hände stießen auf Widerstand. Glatt. Wie Glas. Auf allen Seiten. Gefangen!

Er öffnete die Augen. Doch er hatte keine. Ich bin blind!

Entsetzen ergriff von ihm Besitz. Verzweifelt stemmte er sich gegen sein Gefängnis.

Plötzlich war der Druck verschwunden. Bersten von Glas. Rauschen von Wasser. Kälte umfing ihn. Er fiel, landete unsanft.

Schmerzen. Sein ganzer Körper war eine einzige Wunde. Er krümmte sich zusammen, schrie. Um sich herum hörte er aufgeregte Stimmen. Hände packten ihn, versuchten, ihn hoch zu zerren. Panik! Er schlug um sich. Schmerzensschreie, diesmal nicht seine.

Ruhig bleiben. Diese Menschen wollen uns heilen... Er erstarrte. Wer ist da?

Erneut fühlte er Berührungen. Nadeln durchdrangen seine Haut. Er fühlte, wie sich Taubheit in seinem Körper ausbreitete.

Fürchte dich nicht. Die Schmerzen werden sich bald legen... schlaf jetzt... wenn du aufwachst, werden wir eins sein.


Keitaro wälzte sich herum, versuchte erneut, aufzustehen. Noch nie hatte er sich so schwach gefühlt. Ihm gelang ein Schritt aus dem Bett, aber sofort wurde er von einem Schwindelgefühl erfasst. Er erinnerte sich nicht, sich schlafen gelegt zu haben. Gift! Aber wer... Er taumelte. Der Boden schien auf einmal so nah zu sein... Das Old India! Sie hat uns vergiftet! Mit einem dumpfen Schlag prallte er auf, blieb regungslos liegen.


Von ferne schien ihn eine Stimme zu rufen. Er konnte die Sprache nicht verstehen, wurde aber wie durch Zauberhand zu der Quelle des Singsangs hingezogen. Kalte, nicht menschliche Worte, wie aus einer anderen Welt. Seine Umgebung war seltsam verschwommen, wie mit grauen Schlieren durchzogen. Ein Turmzimmer. Draußen tobte der Schneesturm. Feuer prasselte im Kamin, aber er fühlte die Wärme nicht. "Komm zu mir, Evandi Li Halan. Ich rufe dich!" Die Worte rissen an ihm, zwangen ihn mit eiskalten Ketten auf den Turmbewohner zu. "Komm zu mir... ich habe viele Fragen." Ein Paar schwarzer Augen tauchte vor ihm auf, schien sich um ihn zu drehen. Er versuchte, zu entkommen, aber die Blicke durchbohrten ihn, griffen nach seiner Seele...


Keitaro schrie, starr vor Entsetzen. Und erwachte.

Denize Noy:
Meine Güte, wie ich die Typen hasse.

"Madoc. Durchreise. Nichts zu verzollen," leierte Denize herunter.
"Nein. Ja." Mit dem Daumen deutete sie auf den Ukar. "Das is Genin Monn... von der Gilde der Scraver. Wir sind in gemeinsamem Auftrag unterwegs. Hier haben Sie die Dokumente. "

Lässig schob sie dem Zollbeamten zwei abgegriffene Zettel zu. Der Dreck, den viele Finger darauf hinterlassen hatten, ließ das Wasserzeichen der Gilde deutlich hervortreten. Sie feixte, als sie die Enttäuschung wahrnahm, die das Gesicht des Mannes überzog. Verschleudern müssen wir unser Geld nicht, mein Freund.
Monns Miene blieb völlig ausdruckslos.

Denize vermutete, den Frettchen-Kerl von früher zu kennen. Obwohl er doppelt so alt aussah, war er nur ein Jahr älter als sie. Traurige Figur. Charles oder so. Uninteressant.

Bazaar:
Der Zollbeamte überflog ihre Papiere, nickte dann und füllte ein Dokument auf dem Datenpad aus.
"In Ordnung. Willkommen auf Bazaar. Die Zollgebühr wird Ihnen entsprechend des allgemeinen Imperialen Katalogs in Rechnung gestellt." Er übergab Denize einen Passierschein und winkte sie durch.


(posting by Enkidi Li Halan)

Denize Noy:
Im Frozen Sunset

Zu guter letzt waren Monn und Denize doch noch dem Getümmel der Andockbucht entkomnen und steuerten nun in den vergleichsweise ruhigen Gefilden des Vergnügunsviertels auf die beste Cocktailbar der ganzen Station zu, um zur Feier des Tages ihr frisch verdientes Geld dem Alkohol zu opfern. Zweifelnd blickte die braunhaarige Frau auf das Schild über ihren Köpfen.

Frozen Sunset heißt der Laden jetzt? Hoffentlich steht da noch Harry hinter der Theke... Ja. Dem Herrn sei Dank.  "Hi Harold. Lang nicht mehr gesehen."

Der Barkeeper, ein hagerer Schwarzer - auffällige rote Brille, schwarzer Anzug, offener Hemdkragen, Kette aus winzigen Sprungtorgliedern eng um den Hals liegend - drehte sich erstaunt um, als er eine bekannte Stimme vernahm, die er nicht sofort einordnen konnte. Schneeweiße Zähne kamen in seinem breiten Lächeln zum Vorschein, als er die Tochter seines früheren Chefs erkannte.

"Denize! Isch meine, Miss Noy! Oh Maaann, was für ne Freude, disch, äh, Sie mal wieder zu sehen!"
Auch der Ukar erntete ein warmes Lächeln. "Mister...Maaann, Miss Noy! Wie geht's Ihnen? Was treibt Sie in die alte Heimat? Was wollen Sie trinken?"

"Hey, du hast dich kein Stück verändert, Harold. Ich freu mich auch. Das is mein Kumpel Monn. Und bleib um Himmels Willen beim Du. Bin doch keine Fremde. Kannst du uns was empfehlen?"

Unter heftigem Nicken griff der Barmann nach Handschuhen und mehreren Flaschen und mixte in haarsträubender Geschwindigkeit zwei grellgrüne Cocktails. Erst als er die schlanken Gläser vor seinen Gästen abgestellt hatte, zog er die Handschuhe wieder aus. Kalter Dampf kräuselte sich über den Getränken und in der Flüssigkeit bildeten sich rosa Schlieren.   
"Uuuuuh," kommentierte Denize Harrys Tätigkeit, als sie in dem Cocktail seine berüchtigte Kreation >Kossack Slayer< erkannte. Man musste warten, bis es fest wie ein Pudding war, damit es seine volle Wirkung entfaltete.  Als Monn nach dem ersten Löffel scharf die Luft einzog, nickte sie Harold anerkennend zu und kostete sehr vorsichtig. Trotzdem traten ihr die Tränen in die Augen.

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