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[Tag 2] Raumstation Bazaar
Azzu:
Er sprach ein kurzes Gebet, erhob sich dann wieder, seinen graues Haupt irritiert schüttelnd. Sein Blick glitt noch einmal über die rußgeschwärzten Gesichter der Heiligen, die rissigen Malereien, die verblichenen Intarsien. Dieser Ort, ob nun dem Eskaton geweiht, oder nicht, war einer Kapelle der Universellen Kirche nicht würdig! Ein Problem, das sich lösen ließ. Ein schelmisches Lächeln wanderte kurz über seine Lippen, dann trat Arion auf eine der Gebetsbänke zu; er benötigte eine Schreibunterlage. Aus einer der unzähligen Falten seiner Gewänder zog er einen Füllfederhalter, in einer anderen fand er nach kurzem Suchen die Gildenwechsel. Die kunstvolle Unterschrift eines geübten Kalligraphen, Bischof Quints Bhaskar, zierte jedes Schreiben. Darunter das Namenszeichen von Keitaro Evandi Li Halan, weniger aufwändig, doch ebenso Präzise, die Schrift eines Schwertkämpfers. Seine Exzellenz wäre sicherlich in Ohnmacht gefallen, hätte Bhaskar geahnt, dass Taurus seinem Diener die Blankowechsel unterschrieben anvertraut hatte. Leise lachend setzte Arion den Betrag und als Empfänger die Kirchengemeinde auf Bazaar ein. Es war kaum eine echte Veruntreuung, die er da beging - die mächtige Diözese des Bischofs konnte durchaus einen Beitrag zum Wohle der Gläubigen hier draußen in der Dunkelheit leisten.
Er stand auf, grüßte die Dame des Hauses Hawkwood mit einer tiefen Verbeugung, ging dann schnellen Schrittes in Richtung Ausgang. Als er den Eskatonier und den jungen Li Halan passierte, drückte er dem verdutzten Priester den Wechsel in die Hand, ohne stehen zu bleiben. Er wollte dem armen Kerl den Grund für die Spende nicht auch noch erläutern müssen. Kurz bevor er die Kapelle verließ, drehte er sich noch einmal um und verneigte sich vor den beiden Männern. Nur Augenblicke später befand er sich schon zurück auf dem Korridor, auf dem Weg zu den Quartieren seines Herrn.
Elisabeth Hawkwood:
Nachdem sie Bruder Erland dankend entlassen hatte, schritt sie auf den Altar zu, um noch ein paar Gebete allein und in der Stille zu beten. Ihre Vorbereitungen fuer das Duell waren fast alle getroffen, sie wuerde sich dort in jedem Falle rechtzeitig einfinden. wichtiger war ihr nun erst einmal der Abschied, noch einmal persönlich und in der Stille. Sie versuchte beiden Mänenrn gleichermassen in ihren Gebeten gerecht zu werden, doch Lieutenant Rahmhorst hatte ihr als rechte Hand nun einmal näher gestanden als Waters, sie kannte ihn länger und besser, auch wenn ihr Waters durch seine Art als Ruhepol in der Mannschaft immer wichtig gewesen war. Es war doch eine andere Beziehung gewesen.
Nach einiger Zeit des stillen Betens und Gedenkens erhob sie sich wieder. Ein wenig verwundert blickte sie dem davoneilenden LiHalan Dienstboten nach.
Ist hier irgendwo ein Nest von denen? Und ich dachte eigentlich sie sind so fuerchterlich unerfreut ueber die Anerkennung der Eskatoniker? Oder hängt es weniger mit den Eskatonikern und mehr mit Bruder Erland zusammen? Sehr merkwuerdig.
Vor der Kapelle wartete Sophia auf sie: "Mylady, verzeiht, aber es wird Zeit, ich nehme an Ihr wollt die Kleidung wechseln?"
"Das will ich in der Tat, aber die Zeit wird reichen, keine Sorge."
Elisabeth Hawkwood:
Als sich die Tuer zu ihrem Quartier mit einem leisen Zischen schloss bemerkte sie erfreut, dass Larsson bereits da und bereit war. Fröhlich grinste er sie an, wie ein kleiner Junger, auch wenn das die dunklen Ringe unter seinen Augen und die hinter dem Grinsen liegende Traurigkeit nicht ganz verbergen konnte.
Er hat seit seinem ersten Tag unter Rahmhorst gearbeitet und Waters war einer seiner besten Freunde. Vielleicht ganz gut, wenn er nun etwas Ablenkung hat... .
Respektvoll verbeugte er sich: "Mylady, Rugevo und Seiler sind auf ihren Posten. Es gab einiges hin und her bei den Decados, anscheinend hat dieser Hauptmann einen Zusammenbruch erlitten. Er erhilet eine Nachricht von einem Amaltheaner, kurz darauf war er in seinem Quartier und begann zu toben, bis der Graf schliesslich zu ihm ging. Aber mehr konnten wir nicht herausfinden. - Wie gewuenscht bin ich unbewaffnet."
- "Gut, ich werde in Kuerze fertig sein, wir wollen weder zu frueh, noch zu spät erscheinen. - Sophia?"
Sophia folgte ihr ins Ankleidezimmer und begann sofort routiniert ihre Haare zu lösen und eine neue, elegantere Frisur zu flechten, die sie mit einem einfachen silberfarbenen Stirnreifbefestigte. Dann wandte sie sich den Kleiderschränken zu: "Mylady, ich nehme an,Ihr wuenscht das Modell Eisprinzessin?" Ein feines Lächeln glitt ueber ihre Zuege.
- "Genau das, es ist doch ein nettes Thema fuer diese Nacht." Ein zynisches Lächeln glitt ueber das Gesicht der Baronin während sie auf das hellblaue Kleid blickte, das Sophia gerade auf dem Bett ausbreitete. Sie hatte es lange nicht angehabt, auch wenn es schon immer zu ihren liebsten Kleidern gehört hatte. Hellblaue Seide, der Rock war mit Eiskristallen aus kleinen Edelsteinen bestickt, der passende Umhang trug das Wappen in Silber, vollendet wurde es durch einen dunkelblauen Guertel mit silberner Schnalle. einfacher Schnitt, aber elegant und teuer, es betonte ihre perfekte Figur und liess ihr dunkles Haar besser zur Geltung kommen.
Während Sophia sie geschickt und schnell ankleidete wanderten ihre Gedanken zur Predigt zurueck. Wieviel erzähle ich Bruder Erland?
The_Kossack:
Der Graf deaktivierte diie Drahtklinge. Blieb stehen, verharrte in der Position. Dann hob er den Kopf: "Um einiger Münzen hat sie es gewagt, den Hawkwood Informationen zuzuspielen", erklärte er - im Nachhinein - den Tod der Dienerin. Die Kreatur hatte gefragt, warum sie die Strafe ereilte. "Ich schätze das nicht."
Er ließ sich in den Mantel helfen, der wie aus eigenem Willen belebt schien - die Fasern reagierten auf die leisesten Schwankungen seiner Stimmung, jede ein wenig anders. Der Mantel wirkte wie ein lebendiges Wesen. Der Graf hob die Kaputze über den Kopf. "Wenn die Hawkwood auch nur erfährt, was der geringste Hund unter euch zuletzt gegessen hat, werde ich alle hinrichten lassen", murmelte der Graf, sah, daß die Diener verstanden hatten.
Megan:
Quartier von Baron Enkidi Li Halan
Entgeistert starrte die Sternfahrerin den Diener an, dann befreite sie sich von seinem Griff.
"Was?" brachte sie immernoch fassungslos hervor und merkte, wie sie sich am Rande der Hysterie bewegte.
"Darius, bei allen Heiligen! Du hast einen orthodoxen Priester rufen lassen? Einen orthodoxen Priester? Einen Priester? Bist Du noch bei Verstand? Hat Dir ein Dämon das ins Ohr geflüstert? Hat Dich das Cadavus-Fieber befallen? Haben wir gottverdammtnochmal zuviel Zeit zwischen den Sternen verbracht?
Und was zur Hölle erhoffst Du Dir von einem verdammten orthodoxen Priester? Was? Sag es mir?"
Megan war laut geworden und der Diener hatte sie noch nie so aufgebracht gesehen. Sie war temperamentvoll, doch meistens ließ sie ihre Launen nicht gerade an ihm oder vor seiner Nase aus. Der Baron hätte das mißbilligt, soviel war ihm klar. Umso mehr erschrak er.
"Natürlich ein orthodoxer Priester - Commander - er wird dem Baron helfen können... vielleicht ein Exorzismus oder..." verteidigte er sich verzweifelt, doch sie fuhr ihm mit schneidender Stimme ins Wort.
"So, ein Exorzismus, ja? Schalt Dein elendes Hirn ein, Darius!"
Sie schlug den Kopf zurück und fuhr sich durch die Haare, dann über das Gesicht. Darius rang um Fassung und bekreuzigte sich rasch, angesichts der Flucheskapaden. Er war es nicht gewohnt, beleidigt zu werden.
"Commander! Ich muss darauf hinweisen, dass sich der Baron außerordentlich merkwürdig verhält. Er..."
Mit einem dumpfen Knall prallte ihre Hand gegen das Panoramafenster, wo sie, den gesamten Körper in Schräglage stützend verharrte. Dann wandte die Sternfahrerin den Kopf und aus ihren Augen war jede Liebenswürdigkeit gewichen.
"Darius, Du wirst jetzt zu dem Schott gehen und diesen verd.. - diesen Priester abwimmeln. Wie ist mir egal. Lass Deine Kreativität spielen aber schick ihn um Himmels willen fort. Für Deinen Herrn gibt es keinen Exorzismus..."
Ihr düsterer Blick fixierte ihn, als sie fast flüsterte.
"...höchstens den Scheiterhaufen...
Willst Du das, Darius? Willst Du Deinen Herrn brennen sehen?"
Der Diener wankte leicht. Er hatte etwas erwidern wollen, doch ihr letzter Satz brachte seinen Widerstand zum Einfall. Alle Farbe war aus seinem Gesicht gewichen. Dann nickte er knapp, wandte sich um und schritt mechanisch Richtung Eingangsschott.
Megan richtete sich gequält auf und trat an Enkidis Schleuse. Mit Daumen und Zeigefinger hielt sie zwei Knöpfe gedrückt, während die andere Hand einen Knopf in kurzen Abständen hintereinander betätigte.
Ein leises Piepen ertönte und das Schott glitt auf.
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