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[SF: Redshift] Setting-Hintergrund

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Feuersänger:
Weil ich heut mal wieder nicht schlafen kann, noch ein Beitrag.


--- Zitat von: Waldviech am 14.02.2008 | 01:33 ---Das war zwar auch schonmal da, aber wie wäre es, wenn die Erde garnicht das Zentrum des neuen interstellaren Reiches ist ? Ein Faktor, der bei früheren interstellaren Kolonien sicherlich eine Rolle spielen könnte ist der, daß die Kolonien aufgrund der enormen Entfernungen sehr schnell komplett autark sein müssen.
--- Ende Zitat ---

Ist eventuell eine Option. Allerdings werden die extrasolaren Kolonien sicher von vornherein als Autonome Gebiete geplant, da die Siedler ja mehr oder weniger auf sich allein gestellt sind. Ob das dann aber reicht, um innerhalb von maximal 200 Jahren (länger kann die interstellare Kolonisierung noch nicht gehen) einen komplett jungfräulichen Planeten auf einen Stand zu bringen, dass er die Erde abhängt, da bin ich mir nicht so sicher.


--- Zitat von: Eulenspiegel am 14.02.2008 | 01:37 ---Ansonsten noch andere Vorschläge, wie man an Schiffe kommen kann:
1) Man desertiert vom Militär.
2) Es gab einen großen Krieg und es ist vergleichsweise billig, die Wracks wieder auf Vordermann zu bringen.
3) Man ist auf einer relativ jungen Kolonie großgeworden, die gerade damit anfängt, ihre eigenen Raumschiffe zu produzieren.

--- Ende Zitat ---

Das mit der Desertion halte ich für weniger wahrscheinlich, außer es gibt zwei Faktionen, die sich nicht grün sind, sodass man sich von der einen zur anderen absetzen kann. (Und hier ein Reiseruf: Herr Obergefreiter Schulze, unterwegs nach Mallorca in einem grünen Fahrzeug Typ Leopard, Kennzeichen Y-....)
Die anderen beiden Ideen sind besser. Falls es da so einen großen Krieg gegeben hat; das wird sich erst noch zeigen müssen. Friedliche Alternative zu 2: wenn das Militär neue Schiffstypen einführt, werden die alten Schiffe demilitarisiert und auf den Gebrauchtmarkt geworfen.
(3) ist auch nicht schlecht; so ein "Kind der Kolonie", dem eines der ersten selbstgebauten Schiffe überantwortet wird, natürlich primär um als Teil der kolonialen Handelsmarine zu operieren. Variante: es ist kein neues Schiff, sondern man übernimmt es gebraucht von einem älteren "Pionier", der sich jetzt so langsam zur Ruhe setzen und seinen Lebensabend (40-50 Jahre...) in der Neuen Welt genießen will.


--- Zitat ---Das geht recht schnell: Du musst halt bloß ein Kolonieschiff bauen und das pendelt immer zwischen den Welten.
--- Ende Zitat ---

Naja, eines langt da nicht. Wobei mit verbesserter Technik auch größere Schiffe gebaut werden können als zu Beginn der Exploration. Rechenbeispiel: 10 Tage von der Erde bis zum Sprungpunkt, Sprung geht fix, dann wieder etwa 10 Tage bis zum Zielplaneten. Das ganze wieder Retour, nochmal 20 Tage. Dann ein paar Tage Pause zur Wartung. Auf die Weise kann ein Schiff pro Jahr vielleicht acht Roundtrips machen. Bei einer Kapazität von 1.600 pro Flug sind das nichtmal 13.000 pro Schiff und Jahr. Man bräuchte also satte 80.000 Schiffe, um eine Million pro Jahr umzusiedeln.
Die 1600 ergeben sich wie gesagt für ein Passagiermodul von (Innenmaße) 100 Meter Länge und 10 Meter Kantenlänge bei jeweils 2x1x1m großen "Schlafsärgen" (mit Gängen dazwischen).

Brainstormung, möglicher Vorgang: die Passagiere werden zur Ver- und Entsorgung an Tropf und Katheter angeschlossen und dann sediert (z.B. intravenöse Verabreichung des Schlafmittels). Dies geschieht, um durch die lange auf engstem Raum verbrachte Zeit verursachte Zwischenfälle zu vermeiden. Entweder 24/7 oder für einen Großteil des Tages. Ein paarmal am Tag sieht ein Medic nach dem Rechten. Am Tag vor dem Sprung lässt man das Schlafmittel abklingen, da der Sprung bei Bewusstsein durchgeführt werden muss - wie gesagt, es ist ein Höllenritt. Danach nochmal dasselbe in grün.


--- Zitat von: Turning Wheel am 14.02.2008 | 03:59 ---Ich dachte das ganze soll 1000 Jahre in der Zukunft statt finden.
--- Ende Zitat ---

Da hast du mich mißverstanden, der ursprüngliche Plan war, es 1000 Jahre in der Zukunft eines von mir zuvor entwickelten Fantasy/Mittelaltersettings spielen zu lassen. Der Techlevel dieses Settings war so etwa mit unserem 14. Jh vergleichbar. Aber jetzt habe ich mich ja mehr oder weniger auf die Erde eingeschossen, weil das mit dem MA-Setting wohl in erster Linie für mich spannend gewesen wäre, und sonst keinem was gesagt hätte.


--- Zitat ---Jemand der eine Straftat begeht darf gar nicht dafür bestraft werden, denn er ist ein perfektes von der Gesellschaft erzeugtes Individuum mit freiem Willen.<snip>
--- Ende Zitat ---

Also, das ist Star Trek. Ich glaube, im Pilot zu Voyager wurde so eine Fed-JVA gezeigt. Im Trek-Jargon hieß das glaub ich Re-orientation Center, also Umerziehungslager. Sah mehr so nach Club Med aus. Im offiziellen ST ist der Mensch des 24. Jh ja soooo edel, hilfreich und gut, dass es den Machern schon Zahnschmerzen bereitet, dass es überhaupt noch Kriminelle irgendeiner Art geben könnte (warum auch, man kann sich ja auch so sämtliche Bedürfnisse sofort erfüllen). Die noch unangenehmere Konsequenz, dass es sich bei den Insassen eigentlich nur noch um politische Häftlinge handeln kann, schmeckt den Trekkies ja noch weniger.

Na jedenfalls, das mag ich für mein Setting nicht annehmen. Es liegt in der Natur des Menschen, dass er eine egoistische, hinterfotzige Mistsau ist, das war die letzten 10000 Jahre so und wird sich auch in den nächsten 1000 Jahren nicht wesentlich ändern.


--- Zitat ---Sie arbeiten nie. Arbeit oder technische Entwicklung wird von den Maschinen getan.
Sie versuchen so wenig wie möglich zu konsumieren.
Sie versuchen so viel wie möglich geistige Errungenschaft in Form von moderner Kunst und Philosophie in die Gesellschaft einzubringen. Sie sind gut und in jeder Hinsicht gesellschaftlich perfekt integriert.
--- Ende Zitat ---

Das ist auch wieder Trek. Wobei der Konsumfaktor egal ist, weil ja alles aus dem Replikator kommt.

Alternativ erinnert es mich vage an "Futuretrack Five" von Robert Westall, wo die Oberklasse - wieder mit Ausnahme des Konsumfaktors - "Ests" genannt wird (von Establishment), mit so tollen Berufen wie Rennsegler oder Kunstflieger. Die Arbeit wird von sogenannten Techs erledigt, die eine strenge Hierarchie untereinander haben. Und weil die Techs ihr Handwerk verstehen, gibt es nicht viel Arbeit, und die gesamte restliche Stadtbevölkerung sind "Unnems" (Unemployed), werden in den Großstädten eingezäunt und durch Trinkwasserzusätze anfällig für Krankheiten und außerdem steril gemacht. Wer aufmuckt, wird von Paramils einkassiert und auf der Lobo-Farm, nunja, lobotomiert. Von all dem völlig unbehelligt lebt die Landbevölkerung, die eine Art Streichelzoo für die Ests darstellt. Gesteuert wird das Ganze übrigens von einer AI. Spielt allerdings nur "20 Minutes into the Future".


--- Zitat ---Ich dachte daran, eine derartig langweilige Gesellschaft zu erschaffen, dass sie von normal denkenden Leuten unserer heutigen Wertvorstellung auf jeden Fall gerne verlassen werden würde. Das setzt die Spieler mit ihren gesunden Vorstellungen heutiger Zeit quasi in eine Außenseiterrolle der Zukunft. Das Denken ihrer Chraktere ist mehr oder weniger identisch mit dem ihren, aber in der Zukunft werden sie dafür ausgegrenzt.
--- Ende Zitat ---

Da ist eventuell was dran, also an der Idee. Die Frage ist nur, wie man den Mainstream dann definiert. Ein Star Trek Abklatsch sollte es eigentlich nicht werden. Nicht zuletzt, weil ich selber durchdrehen würde, wenn ich im ST-Universum unter all den Gutmenschen leben müsste, die irgendwie alles Individuen sind, aber alle die gleiche Einstellung haben; samt und sonders Jazz des 20. Jahrhunderts hören und dazu Werke von Shakespeare über menschliches Verlangen lesen, die sie in ihrer wunschlos-glücklich-Welt überhaupt nicht mehr verstehen können.  :puke:
Eine Option wäre natürlich, das Ganze bewusst als ST-Parodie aufzuziehen, aber das ist eigentlich nicht mein Wunsch (wäre mehr so Stoff für nen Webcomic). Da hätte ich Angst, dass da zu schnell die Luft raus ist.

Trotzdem, die Spacer (und z.T. Kolonisten) als ein eigener Schlag, der sich dem Konformitätszwang einer Gesellschaft nicht anpassen kann, und deshalb von dieser abgekoppelt existiert _das_ ist durchaus ein brauchbarer Tropus. Wer von uns hat nicht mit Siegmund/Bernard Marx gelitten, und sich ausgemalt wie er die Schöne Neue Welt aufmischen würde? ^^


--- Zitat ---Zum Thema Bevölkerungswachstum: es gibt inzwischen ettliche Studien, die der Meinung sind, dass sich die weltweite Bevölkerung bei 12 bis 15 Milliarden einpendeln und damit ein recht stabiles Niveau erreicht haben wird.
--- Ende Zitat ---

Danke, das ist eine hilfreiche Zahl, damit kann man rechnen. ^^

Waldviech:

--- Zitat ---Ob das dann aber reicht, um innerhalb von maximal 200 Jahren (länger kann die interstellare Kolonisierung noch nicht gehen) einen komplett jungfräulichen Planeten auf einen Stand zu bringen, dass er die Erde abhängt, da bin ich mir nicht so sicher.
--- Ende Zitat ---
Schwer zu sagen, da es von irrsinnig vielen Faktoren abhängen würde (wie sieht der Planet aus, wie viele Siedler siedeln dorthin aus, wie sind die politischen Umstände, etc.pp.)

Noch ein ganz anderer Gedanke als Einwurf: Du möchtest ein alienfreies Setting, das so stark wie möglich in die Ecke Hard-SF geht. Braucht es dafür FTL-Antriebe ? In den meisten Space-Opera-Welten geht dank FTL meistens völlig unter, wie absolut gigantisch riesig unser eigenes Sonnensystem schon ist. Da gibt es ja nicht nur die inneren Planeten, sondern auch noch Planetoiden wie Pluto oder Sedna, dutzende Monde von Gasriesen und Asteroiden in rauhen Mengen. Dazu dann noch einige klassische O´Neil-Habitate.....das bietet massig Platz !
Große Kolonien mit Millionen von Bewohnern auf Himmelskörpern wie Titan oder Ganymed sind zwar auch reichlich utopisch, aber zumindest ist dafür keine "Zauberei" nötig wie bei FTL-Antrieben. Fiele FTL weg, würde es deinem bisherigen Entwurf nicht schaden. Eher im Gegenteil, es wird "bodenständiger". Bei Firefly, Spacetruckers, Jovian Chronicles, Moon44, Transhuman Space u.v.a. funktioniert das Prinzip "Alles in einem Sonnensystem" ja auch hervorragend.
Ob die SC nun als Freelancer zwischen Aldebaran und Beteigeuze heiße Ware verschieben, oder zwischen Titan und Ganymed, macht vom Stil her keinen Unterschied, wenn die Kolonien praktisch gleich aussehen. Selbst die andgedachten primitiven außerirdischen Ökosysteme wären innerhalb des Sonnensystems machbar ohne sich allzu weit von den heutigen wissenschaftlichen Kenntnissen weg zu bewegen. Wer sagt, daß es auf Mars und Venus nicht wirklich primitive Flechten gibt, aus denen skrupellose Wissenschaftler exotische Drogen herstellen ? Oder das sich unter dem Eis des Jupitermondes Europa nicht tatsächlich ein lichtloser Ozean mit seltsamen Alientieren verbirgt (von denen einige nach dem Muster "Alien" und "Leviathan" abgelegene Habitate heimsuchen könnten) ? Selbst Alienruinen wären denkbar, wenn man das alte Marspyramiden-Klischee bemüht. 
Du vermisst für den von dir geplanten Hard-SF-Stil nichts und hast das leidige (weil "quasi-magische") FTL ausgeknipst.

Edit:
Wenn man dann noch die hypothetischen Terraformingprojekte betreffs Mars und Venus als durchführbar postuliert (ja, über Sinn und Unsinn von Terraforming lässt sich trefflich diskutieren, aber es ist immer noch näher an der Realität als FTL) und annimmt, daß besagte Projekte mit Erfolg durchgeführt wurden, dann gäbe es neben der Erde noch zwei weitere Planeten auf denen man ohne Atemgerät herumrennen kann. Auch aus einem einzigen Sonnensystem kann man ein ein wunderbar großes und phantastisches Weltraumsetting bauen :)

Feuersänger:
Hm nä, das trifft nicht meinen Geschmack.
Kolonisation der Venus kannst du angesichts der dortigen Atmosphäre komplett streichen. Mars ließe sich vielleicht was draus machen, aber der Planet hat eine sehr geringe Schwerkraft, was das dauerhafte Leben schwierig gestaltet. Außerdem kann sich dort keine Sauerstoffatmosphäre halten, man würde also unter Kuppeln leben und sich vor Meteoriten fürchten.
Jupitermonde sind viel zu weit von der Sonne weg. Da wäre es ja arschkalt.
Ne, nach solaren Kolonien werden sich keine Auswanderer drängen. Viel zu ungemütlich. Da wären die Lebensbedingungen auch nicht besser als auf der Erde, nur anders schlecht.

Da braucht man schon einen Planeten mit _ungefähr_ Erdschwerkraft (sagen wir 0,8-1,2G), und idealerweise bereits Sauerstoffatmosphäre (keine Ahnung, wie lange es dauern würde, eine andere Atmosphäre entsprechend umzuwandeln). Halt evtl. etwas Terraforming. Man muss die Siedler schon mit einer Freiluftwelt ködern. Ergo --> FTL

So, jetzt bin ich erstmal ein paar Tage offline, das soll euch aber nicht daran hindern, weitere Ideen zu posten. Ich werd mir in der Zeit auch Gedanken machen. Bis dann!

Waldviech:

--- Zitat ---FTL ist immer so ein Space-Opera-Ding, das weg führt vom Realen.
--- Ende Zitat ---
Wenn ich genau das haben will, ist das ja auch kein Nachteil - nur hier scheint die Prämisse ja zu sein, möglichst "realistische" Technologien zu verwenden.

--- Zitat ---Kolonisation der Venus kannst du angesichts der dortigen Atmosphäre komplett streichen.
--- Ende Zitat ---
Deswegen sage ich ja "Über Sinn und Unsinn von Terraforming lässt sich trefflich streiten" ;). Die terraformierte Venus ist reichlich unwahrscheinlich - FTL dagegen reichlich unmöglich. Aber beim Grundgedanken, Menschen massenweise im Weltraum anzusiedeln, bleibt der Realismus IMMER irgendwo auf der Strecke, denn es spricht realistisch gesehen einfach zu viel gegen riesige Weltraumkolonien, zumindest in einem derart kurzen Zeitraum. Nun ist die Frage: Wo mache ich Abstriche, damit das Ganze funktioniert und wie viele Abstriche mache ich (in diesem Falle: so wenige wie möglich) ? Pfeiffe ich beim FTL oder beim Terraforming auf den Realismus ? Und das ist ne´ reine Stilentscheidung........(Ich war da stilistisch nun eher auf der Schiene Venus-Wars/Jovian-Chronicles....eben weil diese Settings angenehm bodenständig sind und trotz fehlender quasimagischer Techno-Gizmos die notwendige Faszination mit sich bringen)

Feuersänger:
Weil ich grad noch da bin, also nochmal zum mitschreiben was den Zeitansatz angeht -- so ganz grob:

ab ca. 2100: beginnende Kolonisation des Sonnensystems (mit mäßigem Erfolg). Erste Fusionskraftwerke auf der Erde. Raumschiffe mit Nuklearantrieb (von NTR bis NSWR)
ab ca. 22X0: Entdeckung der interstellaren Tunnel. Erste große Raumschiffe mit Fusionsantrieb ermöglichen Jumprive. Exploration umliegender Systeme. Gründung erster Kolonien außerhalb des Sonnensystems.
ab 23X0: Fortführung der Kolonisation. Miniaturisierung der Fusionstechnologie.
24X0: Settingeinstieg. (also vierhundertxzig Jahre in der Zukunft von uns an gerechnet).

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