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[SF: Redshift] Setting-Hintergrund

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Feuersänger:
Das ist ne drollige Idee, das mit der urbanen Landwirtschaft.

Im Übrigen darf man bei Ertragsprognosen auch nicht den Klimawandel außen vor lassen. Die Erde in 5- oder 700 Jahren wird ein paar Grad wärmer sein als heute -- die Entwicklung hat bereits angefangen und ist nicht mehr aufzuhalten, höchstens noch einzudämmen. Ich schätze mal, mit 5K mehr werden die Zeitgenossen schon leben müssen.  Da ist dann aber die Kacke am dampfen.

Pyromancer:

--- Zitat von: Turning Wheel am 14.07.2008 | 18:06 ---Die Holländer entwickeln gerade so etwas wie intensive urbane Agrarwirtschaft, auf deren Fläche z. B. 20 mal so viel Paprika angebaut werden kann wie auf normalen Feldern. Der Witz dabei ist, dass die Landwirtschaft in Städte integriert wird, ohne wirklich Platz weg zu nehmen. Es gibt Berechnungen, denen zufolge die Fläche der Hausdächer einer Stadt ausreicht, um alle zu versorgen. Das geht aber nur mit bestimmten Pflanzen. Obstbäume sind für so eine Ertragssteigerung nicht geeignet.

--- Ende Zitat ---

Das ist eines meiner Lieblingsprojekte: Die Rückverwaldung Europas und die Verlagerung der kompletten Landwirtschaft in die Städte.

Feuersänger:
* Man muss z.B. darüber nachdenken, wie es in >500 Jahren mit der Gentechnik weitergeht. Grundsätzlich müsste man wohl erwarten, dass bis dahin die ethischen Bedenken unserer Zeit nahezu vollständig erodiert sind, mit mindestens pränataler Diagnostik (und Abbruch bei Nichtgefallen), oder die Gene gar komplett nach Katalog maßgeschneidert werden. Also etwa so wie bei Zager&Evans.
ABER: man muss sich überlegen, wie sich das auf die Story auswirkt. Wenn man Gentechnik derart machtvoll macht, läuft man Gefahr, den Fokus des Settings komplett zu verschieben. Ich erinnere da an den Film Gattaca. Dass da eine Expedition zu einem anderen Planeten geplant war, lieferte lediglich einen mageren Hintergrund und wurde eigentlich gar nicht weiter behandelt; stattdessen hieß es immer nur valid-invalid-valid-invalid. Für einen Film mal okay, aber auf Dauer wäre es langweilig. Ich will kein Gattaca.

* Das biologische Maximum bei der Lebenserwartung scheint um die 120 Jahre zu liegen. Vielleicht wird dieses Alter von einem Großteil der Bevölkerung erreicht, zumindest in den reichen Ländern. Vielleicht aber auch nicht, bedingt durch Umweltverschmutzung, Sonneneinstrahlung und ähnlich negativen Effekten. Falls aber doch, stellt sich die Frage, wie lange ein Mensch dann arbeiten muss, und wie sein Lebensabend finanziert wird. Oder es hat ein völliger Paradigmenwechsel stattgefunden, und jeder Greis wird mit 70 eingeschläfert, um Platz zu machen für Nachwuchs.
[Ich hab da mal eine Kurzgeschichte gelesen, in der dank medizinischer Durchbrüche der Mensch biologisch unsterblich geworden war. Die Weltbevölkerungszahl jedoch war eingefroren -- eine Frau durfte ein Kind nur austragen, wenn sich dafür jemand anders schriftlich bereit erklärte, für den neuen Erdenbürger Platz zu machen - der wurde dann zum Geburtstermin eingeschläfert. Ansonsten wurde zwangsabgetrieben bzw das Neugeborene eingeschläfert. In der Geschichte selbst ging es dann um eine Mehrlingsgeburt. Go figure. Das war glaub ich von Vonnegut.]

* Auf jeden Fall kann man wohl davon ausgehen, dass die meisten Krankheiten und Gebrechen bis dahin heilbar sind. Ob das nun nur den reicheren Schichten zugänglich ist oder Allgemeingut, muss noch entschieden werden und wird auch erheblich zur Colour des Settings beitragen.

Feuersänger:
Interessanter Gegenansatz. Klingt auch brauchbar. Aber welch Irrwege die Ethik manchmal gehen kann, siehst du heute auch schon an der Apparatemedizin: da werden verknitterte Häufchen menschlichen Gemüses mittels diverser Maschinen so lange genug am "leben" gehalten, besser gesagt: vegetieren, bis es einfach absolut nicht mehr geht und der Körper endgültig die Grätsche macht. Und selbst dann wird oft noch der Defibrillator rangefahren. Anstatt dass man die Menschen in Würde gehen lässt, solange sie diese noch haben. Aber nein, da ist es dann mit dem hippokratischen Eid nicht vereinbar, nicht unter allen Umständen alles zur Erhaltung eines Lebens zu tun. Bullshit.

120 Jahre: einmal Empirie: die ältesten Menschen der Welt sind allesamt nicht _wesentlich_ älter geworden als 120 Jahre. 122 ist glaub ich der belegte Weltrekord, dann einmal 120, dann diverse 110er. (Quelle: Wikipedia)
Und noch ein Zitat aus dem Artikel "Anti-Aging":
Die durchschnittliche Lebenserwartung (LE) hat sich zwar in der letzten Zeit in den Ländern der ersten Welt deutlich erhöht, das maximal erreichbare Lebensalter scheint dagegen seit sehr langer Zeit konstant bei etwa 120 Jahre (bis 122 Jahre) zu liegen, ohne dass abzusehen ist, dass dieser Wert in Zukunft durch Anti-Aging-Maßnahmen beeinflussbar sein wird, da er offenbar genetisch determiniert ist.

Vielleicht wäre es irgendwann mal möglich, ebendiese genetische Determination zu modifizieren, aber mal ganz ehrlich: wer will denn das?

P.S.
Achja, wollt ich eigentlich oben schon erwähnt haben:
Es wird auch keine Cryogeschichten geben, von wegen "wir frieren dich ein und tauen dich dann in 100 Jahren mal wieder auf". Einfach weil es nicht geht. Die genauen Zusammenhänge mag ein Biologe erklären, aber es läuft iirc ungefähr daraus hinaus, dass man unter keinen Umständen lebende Zellen so schnell einfrieren kann, dass sich keine Kristalle bilden würden, und sobald dies passiert (Kristalle) ist es vorbei mit der Zelle. Und selbst wenn, gäbe es hinterher nochmal Probleme mit dem Auftauen.

Thot:

--- Zitat von: Feuersänger am 17.07.2008 | 05:15 ---Interessanter Gegenansatz. Klingt auch brauchbar. Aber welch Irrwege die Ethik manchmal gehen kann, siehst du heute auch schon an der Apparatemedizin: da werden verknitterte Häufchen menschlichen Gemüses mittels diverser Maschinen so lange genug am "leben" gehalten, besser gesagt: vegetieren, bis es einfach absolut nicht mehr geht und der Körper endgültig die Grätsche macht. Und selbst dann wird oft noch der Defibrillator rangefahren. Anstatt dass man die Menschen in Würde gehen lässt, solange sie diese noch haben. Aber nein, da ist es dann mit dem hippokratischen Eid nicht vereinbar, nicht unter allen Umständen alles zur Erhaltung eines Lebens zu tun. Bullshit.

--- Ende Zitat ---

Also, ich möchte doch an dieser Stelle  betonen, dass ich selbst als "verknittertes Häufchen Elend" Wert darauf lege, mit jeder noch so teuren und aufwändigen Methode am Leben gehalten zu werden. Sollte ich diese Meinung ändern, kann ich mich auch dann einfach umbringen, in dem ich das Atmen einstelle. (Und wenn mir das nicht gelingt, ist die Entschlossenheit wohl doch nicht so groß.)


--- Zitat ---120 Jahre: einmal Empirie: die ältesten Menschen der Welt sind allesamt nicht _wesentlich_ älter geworden als 120 Jahre. 122 ist glaub ich der belegte Weltrekord, dann einmal 120, dann diverse 110er. (Quelle: Wikipedia)

--- Ende Zitat ---

Ja, aber doch nur mit den bisherigen Mitteln. Der menschliche Alterungsprozess ist ein naturwissenschaftlicher, wenn auch noch nicht völlig verstandener Vorgang. Es besteht kein Anlass zu der Vermutung, dass völliges Verständnis dieses Prozesses nicht auch irgendwann zu völliger Kontrolle darüber führen wird. Und das heisst dann selbstverständlich: Ewige Jugend für alle (und wahrscheinlich finanziert das dann die Rentenkasse im Austausch gegen einen Verzicht auf erworbene Ansprüche).


--- Zitat ---Vielleicht wäre es irgendwann mal möglich, ebendiese genetische Determination zu modifizieren, aber mal ganz ehrlich: wer will denn das?

--- Ende Zitat ---

Mal ehrlich: Wer nicht?

Das Leben ist doch wunderbar. Was nicht wunderbar ist, sind Leid und Krankheit. Wenn man die aber eliminieren kann, ja, wieso sollte dann noch irgendwer sterben wollen?


--- Zitat ---P.S.
Achja, wollt ich eigentlich oben schon erwähnt haben:
Es wird auch keine Cryogeschichten geben, von wegen "wir frieren dich ein und tauen dich dann in 100 Jahren mal wieder auf". Einfach weil es nicht geht. Die genauen Zusammenhänge mag ein Biologe erklären, aber es läuft iirc ungefähr daraus hinaus, dass man unter keinen Umständen lebende Zellen so schnell einfrieren kann, dass sich keine Kristalle bilden würden, und sobald dies passiert (Kristalle) ist es vorbei mit der Zelle. Und selbst wenn, gäbe es hinterher nochmal Probleme mit dem Auftauen.

--- Ende Zitat ---

Hm. Fliegen ist auch nicht möglich, weil man dafür einen Motor bräuchte, der eine viel höhere Energiedichte hat als jeder bekannte Organismus. Sagte man im 19. Jahrhundert.


Generell würde ich mich bei einem SF-Setting hinsichtlich der Lebenserwartung nicht aus Gründen des "Realismus" festlegen. Eher schon, weil man die Spielwelt nicht zu weit von unserer Welt entfernen will.

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