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[Burning Wheel] oliof arbeitet sich durch die Regeln …

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Der Wray:
Wenn ich den Erlebnisbericht so lese, möchte ich unbedingt sofort wieder Burning Wheel spielen. :) Ich habe dem Ganzen fast nichts hinzuzufügen. Am Anfang hätte ich noch alles kommentiert, aber ich merke langsam, dass Oliof schon von selbst auf den richtigen Trichter kommt, und das ist sicherlich nicht der alleinige Verdienst der Bücher. Weiter so, ich verstehe jetzt, warum Deine Meinung hier so respektiert wird. Und ich freue mich, dass sie doch durchaus positiv zu Burning Wheel auszufallen scheint. :)

Einziger Punkt: Warum irritieren dich die Wises so? Ich hatte ja schon vorher etwas dazu geschrieben, und es wundert mich etwas, da sie doch nicht Circles aushebeln sondern wunderbar ergänzen. Mit Circles erschafft man Personen, mit Wises so ziemlich alles erdenkbar andere - je nachdem, welche man eben benutzt. Und da es soviele gibt (darunter abgefahrene Sachen wie z.B. Creepy-Priest-Wise), und dieses quasi "free form" sind, kann man damit die Spielwelt auf interessante Weise formen, und zwar genau in den Bereichen, die den Spieler interessieren. Und mit Circles holt man dann noch ein paar NPCs hervor, und Plot entsteht. Viel kreative Macht den Spielern!

Zum Magic Burner: 2010 war wohl der zweite (oder dritte?) print run - ich denke nicht, dass außer ein paar Rechtschreibfehlern viel verändert wurde. Vielleicht wird ja irgendwo auf den Adventure Burner verwiesen. Keine Ahnung - aber gutes Buch.

Weiter so, ich lese fleißig mit. Vielen Dank für Deinen ausführlichen, ehrlichen und gut geschriebenen Bericht.

Cheers,
Wray

oliof:
Ich glaube, mit den Wises ist es so ähnlich wie mit Character Traits — wenn man das dicht verwobene Regelgeflecht sieht, dann scheinen sie angeflanschte, eigentlich überflüssige Dinger zu sein, die durch schlampige Arbeit entstandene Lücken verdecken wollen.

Bei Character Traits hab ich schon verstanden, das dem nicht so ist; bei Wises werde ich ja hoffentlich im Adventure Burner, Abschnitt Commentary aufgeklärt.

Und damit wir bald dahinkommen, mache ich mit dem Adventure Burner auch gleich weiter …

oliof:
Der Adventure Burner ist das neueste Buch in der Burning Wheel Reihe. Es verspricht für Neueinsteiger wie Veteranen nützlich und interessant zu sein und folgt der mittlerweile bekannten Struktur: Einleitung, vier Abschnitte, und dann ein ausführlicher Index.

Die ersten zwölf Seiten des Buches geben nochmal einen Überblick über die Philosophie des Spiels wieder — aufmerksame Leser werden einen Großteil dessen was hier steht in den Beiträgen von Der Wray wiederfinden, der schon darauf Bezug genommen hat (zum Beispiel als er schrieb, dass das Spiel zwar flexibel ist, aber zerbricht wenn man an den Kernmechaniken rührt), aber es gibt hier noch ein paar ausführlichere Details zu Fragen wie Warum ist Burning Wheel so gebaut, wie es gebaut ist?, Wie sieht die Spielstruktur aus? und Welche Rolle spielen Beliefs bezüglich der Gestaltung eines Abenteuers und wie ändern sie sich im Laufe einer Kampagne?


Damit es nicht allzu theoretisch bleibt, geht es mit drei Beispielabenteuern weiter. Das erste, The Sword ist die klassische 30min-Demo für Burning Wheel: Es geht gleich mit einer knackigen Situation los und eigentlich ist nach der Auflösung dieser Situation die Demo auch zu Ende. Allerdings kann man von hier aus auch weiterspielen ohne dass es wehtut.

Das zweite Abenteuer, Trouble in Hochen, erinnert mich ein bißchen an eine klassische Siedlung aus Dogs in the Vineyard. Die Charaktere kommen von aussen, um dem Dorf Hochen zu helfen, ein Problem zu lösen, und die Situation ist von den Dorfbewohnern alleine nicht zu lösen, weil persönliche Befindlichkeiten und Begehrlichkeiten dem im Wege stehen. Hier sind die Spieler gefragt, passende Beliefs für die vorgefertigten Charaktere aufzuschreiben, und das Abenteuer selbst ist im Kern sehr schlicht, aber ergebnisoffen. Es gibt zwei Fortsetzungsabenteuer (Dinner for One und Your Day in Court), die das Geschehen fortschreiben und in einen grösseren Zusammenhang setzen, wodurch das Abenteuer weniger den Charakter eines Beispiels und mehr den Charakter eines Einstiegs bietet. Es gibt ein paar Stellen wo dramatische Ereignisfolgen den Verlauf des Abenteuers steuern (X passiert, sobald Y …) — solche Dinge sind aber leicht zu heilen, wenn man das nicht mag; immerhin handelt es sich nicht um Nadelöhre, durch die man muss, weil sonst das Abenteuer nicht weitergehen kann.

Das dritte Abenteuer, Thelons Rift, ist ein Microdungeon das die Brücke zwischen klassischem Dungeoncrawling und Burning Wheel schlagen will. Hier wird auf Improvisation und Geschwindigkeit gesetzt, und teilweise scheinen mir die Bedienungsanweisungen (do not prepare, do not roleplay between dungeons) recht aufgesetzt. Ich würde vermuten, dass hier entweder auf den Unwillen des Lesers gesetzt wird, dummen Anweisungen zu folgen, oder dass es um eine erzieherische Maßnahme geht, deren Ziel sich mir nicht ganz erschliesst. Auf jeden Fall hatte ich hier ein paar "Och nöö"-Momente (die anderen Och nöö-Momente sind hauptsächlich durch die Namen einiger Charaktere hervorgerufen worden, die in bester Warhammer-Fantasy-Tradition gewählt wurden).

The Sword, Trouble in Hochen und andere Szenarien kann man im Burning Wheel Wiki herunterladen, Thelon's Rift aber nicht. Die Karte findet sich  allerdings auf dem Microdungeons Blog, würde aber Spielern kaum helfen, das Abenteuer zu bestehen …

Weiter gehts demnächst mit dem eigentlichen Adventure Burner, der Anleitung zum (Burning Wheel-)Abenteuerbau.

oliof:
Und da war ich natürlich reingefallen. Der Adventure Burner ist eher ein Setting- und Kampagnen-Burner als ein Abenteuer-Burner. Im Vergleich zu anderen Spielen die ähnliches benötigen, weil sie nicht mit einem festen Setting kommen (vornehmlich Universalis, Primetime Adventures und natürlich Solar System) ist der Prozess hier eher freiformig und offen — aber das wird auch so angekündigt, und so gibt es keine Überraschungen. Anfangen kann man das Spiel nur, wenn Setting, Situation und Charaktere zueinander passen, und das kriegt man durch Brainstorming und schrittweise Verfeinerung hin. Es wird noch darauf eingegangen, wie man passende Beliefs aufschreibt ("pick one goal oriented Belief" ist ein Beispiel das mich persönlich an Mouseguard erinnert hat), und wie man eine Kampagne beginnt (es braucht passende Action, eine unmittelbare Situation zu der die Gruppe Stellung nehmen muss und auf sie reagieren kann; Belchion hat in seinem Blog was dazu geschrieben das meiner Meinung nach auch greift, wenn man nicht sandboxed). Natürlich wird auch hier wieder mit Fragen gearbeitet, deren Beantwortung genau die Informationen liefern sollen, die man braucht um sein Setting mit einer passenden Situation und entsprechenden Charakteren auszustatten (auch wenn die Reihenfolge mehr oder weniger beliebig ist; man kann auch zu einer Situation das Setting und die Charaktere oder zu Charakteren die Situation und das Setting bauen — wieder siegt Pragmatismus über Prozedur).


Der nächste Abschnitt The Crucible beschreibt acht Kampagnenansätze, die dem gerade beschriebenen Prozess entlehnt sind. Jede Kampagne ist auf eine der Abstammungen aus dem Character Burner und dem Monster Burner zugeschnitten, und gibt dem Spielleiter Ideen für eine Situation und den Spielern Ansätze für passende Beliefs. Abgerundet wird das durch je vier Beispielcharaktere, denen nur noch die Beliefs und Instincts fehlen, und eigentlich kann man loslegen. In der Praxis wird sich jede Gruppe sicherlich noch ihre eigenen Gedanken machen, aber die kompakte Darstellung der Kampagnenansätze hat mir schon gefallen.


Die zweite Hälfte des Buches ist eine Sammlung von Kommentaren zu einzelnen Regelbereichen und Abschnitten. Die Einleitung ist ein bißchen widersprüchlich: Zunächst wird gesagt, dass man sich durch die Fülle an Informationen  durchbeißen soll (oder das Inhaltsverzeichnis benutzen),  und im nächsten Absatz heißt es "tu das nicht, lies nur was dich grade interessiert, sonst ist das viel zu viel!"

Also habe ich erstmal einen Blick aufs Inhaltsverzeichnis geworfen. Ja, das sind eine Menge kurzer Abschnitte zu einzelnen Regelbereichen. Ich werde mich aber im Sinne dieser Reihe durcharbeiten und dann versuchen, ein kurzes Fazit zu ziehen.

oliof:
Die ersten 60 Seiten des Kommentarblocks liessen sich eigentlich ganz locker runterlesen. Sie behandeln sehr praktische und pragmatische Themen, und beantworten die Fragen "Was spielt man denn nun mit Burning Wheel eigentlich?" und "wie soll das Spiel aussehen?" mit konkreten Beschreibungen der idealen Runde am Tisch, den unterschiedlichen Herangehensweisen an One Shots, Kurz-Kampagnen und lange Kampagnen, gehen nochmal auf Situation und Setting ein, stellen Strategien zur Erstellung und Leitung von Antagonisten und Schurken vor, greifen nochmal Beliefs und Instincts auf und gehen dann langsam auf die Artha-Regeln und die verschiedenen Abstimmungen nach einer oder mehreren Sitzungen ein.

Insgesamt liest sich dieser Teil bis hierhin wie das Kondensat aus knapp 8 Jahren Online-Forum: Bestimmte Fragen die sich der Autor beim Schreiben nicht gestellt hat werden gestellt und beantwortet, Hausregeln aus eigenem Hause erwähnt und einige Unklarheiten en passant geklärt. Noch viel mehr als Monster und Magic Burner, die hinter die Kulissen der Mechanik führen, bekommt man hier Einblicke in die tatsächliche Rollenspielphilosophie die Burning Wheel propagiert. Dem Autor gelingt das, ohne überheblich oder missionarisch zu wirken, was auch daran liegt, wie er die eigenen Spielerlebnisse zu Beispielen zusammenfasst. So haben wir mit diesem Spiel Spass, und deswegen gibt es diese Regeln, die in diesem Beispiel folgendes bewirkt haben — fast will ich sagen, man glaubt Luke Crane beim Leiten und Spielen zuschauen zu können.


Die nächsten 110 Seiten befassen sich mit einzelnen Regelkomplexen. Da muss ich mich noch durcharbeiten, aber für dieses Wochenende habe ich glaube ich schon genug Burning Wheel gelesen (ich gebe zu, ich habe den Abschnitt über Wises, der mit CirclesTask and Intent und Range and Cover zu den längsten im Commentary gehört, schon gelesen — will aber nicht vorgreifen).

Edit: Korrektur des Abschnittslängenvergleichs

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