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Spieldesign (Weibliche Charaktere, Umgang mit Minderheiten / Rassismus)
Tim Finnegan:
--- Zitat von: Nocturama am 13.07.2012 | 12:25 ---Ich fände eine Studie zu Männerbildern und deren Konstruktion in Computerspielen auch ziemlich spannend. Leider scheint da das Interesse nicht so groß zu sein - zugegeben, die Forschungstradition ist längst nicht so ausgeprägt wie im Feminismus, aber trotzdem.
--- Ende Zitat ---
Eine Studie über das Männerbild würde wohl Hand in Hand gehen müssen mit der Tabuisierung bestimmter Themen und Inhalte. Letztendlich sind es ja die ganzen unangenehmen Themen die abgeschoben werden und männliche Charaktere nie betreffen, dafür gut und gerne an Minderheiten oder weiblichen Charakteren präsentiert werden, wenn sie nicht anhand von Kindern gezeigt werden, außer es sind Klischee-Probleme die dann entweder im handumdrehen behoben werden oder keine einschränkende Rolle spielen dürfen. Das führt dann zur Frage: Wie viel Realität verträgt der Escapismus?
Teylen:
--- Zitat von: 8t88 am 14.07.2012 | 11:00 ---Eine Interessante Episode, zu einem Videospielcharakter, hinter dem vielleicht mehr steckt als man am Anfang sieht:
Gameoverthinker Analysiert: Bayonetta
--- Ende Zitat ---
Wow, bisher die beste Besprechung zu Bayonetta die ich sah.
Nocturama:
--- Zitat von: Coldwyn am 14.07.2012 | 11:05 ---Eine Studie über das Männerbild würde wohl Hand in Hand gehen müssen mit der Tabuisierung bestimmter Themen und Inhalte. Letztendlich sind es ja die ganzen unangenehmen Themen die abgeschoben werden und männliche Charaktere nie betreffen, dafür gut und gerne an Minderheiten oder weiblichen Charakteren präsentiert werden, wenn sie nicht anhand von Kindern gezeigt werden, außer es sind Klischee-Probleme die dann entweder im handumdrehen behoben werden oder keine einschränkende Rolle spielen dürfen.
--- Ende Zitat ---
Das verstehe ich jetzt nicht. Dass ich untersuche, wie ein bestimmtes Geschlecht in Literatur und Medien dargestellt wird, folgt keinesfalls, dass bestimmte Themen tabuisiert werden. Wenn ich untersuche, wie Männer in Computerspielen dargestellt werden und dabei herauskommt, dass sie unemotional und aggressiv dargestellt werden und von mir aus auch, dass es keine männlichen Charaktere mit "Rape as a Backstory" gibt (siehe die "neue" Lara Croft)... wo ist dann das Tabu?
Das Problem ist, dass bei einer rein auf weibliche Charaktere ausgelegter Genderforschung immer mitschwingt: Wie männliche Charaktere dargestellt werden, ist die "Norm", aber das ist sie eben nicht. Sie ist genauso konstruiert wie unser Bild von Weiblichkeit (wobei die Bilder natürlich inhaltlich abweichen, das ist klar). Und bei einem vorherrschend binären Geschlechterkonstrukt sollte man meiner Meinung nach beide Seiten betrachten, weil erst durch deren zusammenwirken bestimmte Mechaniken entstehen.
Oder, um es anders zu sagen: Der Feminismus hat eine lange Tradition, dass sich eine Frau fragt: "Was sagt mir die Gesellschaft, wie ich als Frau zu sein habe", aber es wird nur selten gefragt: "Was sagt mir die Gesellschaft, wie ich als Mann zu sein habe".
--- Zitat von: Coldwyn am 14.07.2012 | 11:05 ---Das führt dann zur Frage: Wie viel Realität verträgt der Escapismus?
--- Ende Zitat ---
Etwas zu untersuchen, dient erstmal dazu, es sich bewusst zu machen, wie zum Beispiel Geschlechterklischees. Die zu verwenden, ist meiner Meinung nach völlig in Ordnung, aber sie sollten bewusst verwendet werden und nicht "weil das halt so ist, immer so war und immer so sein wird". Im besten Fall ist sich auch der Rezipient bewusst, dass es ein Klischee ist und kann entsprechend damit umgehen.
Wie man an dem Thread sieht, könnte aber gerade im Videospielsektor eine etwas größere Bandbreite an Geschlechter- und anderen Rollen nichts schaden. In alle Richtungen. Aber dass man in der Industrie in mehr als eine Hinsicht konservativ ist wie nur was, das ist ja nichts Neues.
Tim Finnegan:
--- Zitat von: Nocturama am 14.07.2012 | 12:00 ---Oder, um es anders zu sagen: Der Feminismus hat eine lange Tradition, dass sich eine Frau fragt: "Was sagt mir die Gesellschaft, wie ich als Frau zu sein habe", aber es wird nur selten gefragt: "Was sagt mir die Gesellschaft, wie ich als Mann zu sein habe".
--- Ende Zitat ---
Ich denke, so funktioniert das aber nicht. Die zweite Frage muss invertiert gestellt werden um der Situation gerecht zu werden: "Was sagt mir die Gesellschaft, wie ich als Mann nicht zu sein habe". Daraus ergibt sich dann die Korrelation zur (geschätzt) gleichen Anzahl an weiblichen Figuren die sich außerhalb des Schemas bewegen wie männlichen Figuren die sich im Tabu-Raum bewegen.
Nocturama:
Den Teil mit den Tabus verstehe ich immer noch nicht.
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