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Spieldesign (Weibliche Charaktere, Umgang mit Minderheiten / Rassismus)
Crimson King:
Der Tabu-Raum ist der Raum an Verhaltensweisen, die nicht mit dem männlichen Rollenbild vereinbar sind. Ich glaube, Coldwyn hat in seinem ersten Post zum Thema ein paar Worte weggelassen und damit die Bedeutung verfälscht. Ich kann mich da aber irren.
--- Zitat von: Coldwyn am 14.07.2012 | 11:05 ---Eine Studie über das Männerbild würde wohl Hand in Hand gehen müssen mit der Tabuisierung bestimmter Themen und Inhalte.
--- Ende Zitat ---
war das Originalzitat. Ich vermute, dass es diese Bedeutung haben sollte: Eine Studie über das Männerbild würde wohl Hand in Hand gehen müssen mit der Analyse der existierenden Tabuisierung bestimmter Themen und Inhalte innerhalb des etablierten männlichen Rollenbildes.
Tim Finnegan:
Ja, ich habe mich da wohl etwas schwammig ausgedrückt.
Aber nein, Crimson King, das meine ich nicht ganz. Meines Empfindens nach ist , zumindest in unserem Kulturkreis, das männliche Rollenbild als solches mittlerweile so stark aufgebrochen als dass es nicht mehr wirklich existent ist. Das merkt man(n) gerne wenn man mit jemanden aus einem Kulturkreis zu tun hat bei denen das Rollenbild noch intakt ist.
Ich finde, die Darstellung von Männern hat sich wirklich stark verbreitert und auch an vielen Stellen normalere/realistische Züge angenommen, eben mit der Ausnahme von Tabuthemen wie offene homosexuele Aktivität, Hilflosigkeit, aktive Erotik, sexualisierte Darstellung, aktives sexuelles Gewaltopfer oder asiatischer Abstammung sein und noch ein paar mehr.
Crimson King:
Das sehe ich nur sehr bedingt so.
Generell gibt es in der gebildeten Mittelschicht eine große Prozentzahl an Menschen beiderlei Geschlechts, für die beide althergebrachten Rollenverständnisse weitgehend aufgebrochen sind. Wir reden hier vom typischen linksliberalen grünwählenden Bildungsbürgertum, für das Toleranz, die freie Entfaltung der Persönlichkeit und Gleichberechtigung essenzielle Elemente ihres Wertebildes sind. Da kümmern sich beide ums Kind, die Frauen sind hin und wieder älter als ihre Ehemänner und verdienen mehr etc. Diese Leute sind im Allgmeinen in der Lage, in in der Popkultur dargestellten Rollenbilder kritisch zu hinterfragen und als die konstruierten Klischees zu identifizieren, die sie sind. Je weiter du dich von diesem Anteil der Bevölkerung entfernst, und das weitgehend unabhängig von der Richtung, umso stärker werden die althergebrachten Rollenmuster gelebt.
Für die alteingesessene Oberschicht sollen die Dinge sowieso so sein, wie sie schon immer waren, weil man dem Status Quo ja seine gehobene Stellung verdankt. Aufsteiger passen sich zu großen Teilen an, weil das konservative Weltbild der Oberschicht einerseits Legitimationsbasis für die eigenen Privilegien und andererseits Identifikationsgrundlage ist.
Wenn das Bildungsniveau und die Schulung des Intellekts und der Fähigkeit bzw. des Interesses, Dinge zu hinterfragen, geringer sind, sind Menschen in besonders großem Maße Produkte ihrer Umwelt. Die überall in den Medien präsentierten althergebrachten Rollenbilder verankern sich hier im Unterbewussten jedes Individuums und verwachsen zum kollektiven Unterbewussten. Man weiß einfach, wie Männer bzw. Frauen zu sein haben, man bekommt es ja täglich vorgeführt, vom Kino, Fernsehen, Musikvideos bzw. Texten, Trivialliteratur und zu guter Letzt von der eigenen Familie, den Nachbarn, den Freunden.
Dass das männliche Rollenbild genauso dekonstruiert wurde, wie das weibliche, ist richtig. Diese Informationen sind allerdings bei großen Teilen der Bevölkerung noch nicht angekommen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel und davon gibt es glücklicherweise auch genügend.
Maarzan:
Auch diese Aufklärung reicht oft nur so weit, wie sie aus dem sicheren Elfenbeinturm diskutiert wird.
Wenn man dann plötzlich selbst betroffen ist, sieht dass dann oft wieder ganz anders aus.
Und ein großes Problem ist, dass auf zu breiter Basis die Realität eben dieses neue weitgehend aus politischer Wunschsicht zusammengeschriebene beschriebene Ideal nicht lebt.
Wer sich die Diskussionen zu Beziehungsthemen oder in Singleforen durchliest wird schnell sehen, dass in der statistischen Überzahl "modernes" Verhalten zu Nachteilen führt, wenn man nicht eines der ebenso und aus eigener Überzeugung modern tickenden Gegenstücke gefunden hat.
Tim Finnegan:
@Crimson King:
Auch wenn ich deine Einschätzung nicht ganz für richtig hallte (ich hatte und habe mit der sogen. Oberschicht zu tun und kann zwar starke Unterschiede finden, nur nicht die von dir genannten), so geht das doch an dem von mir angeschnittenen Thema vorbei, nämlich: das männliche Bild ist im Wandel bzw bald nicht-existent. Vgl. mal Männliche Hauptrollem im Wandel 80er zu 90ern, zum Beispiel.
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