Pen & Paper - Spielsysteme > D&D - Dungeons & Dragons
Gedanken zum Klassenbalancing
Rhylthar:
--- Zitat ---Vor allem aber widerspricht Spotlightverteilung dem Gedanken möglichst alle zur Lösung eines Problems beitragen zu lassen. Niemanden rumsitzen zu lassen, außerhalb des Scheinwerferlichts.
--- Ende Zitat ---
Ich mag diesen Gedanken eh nicht sonderlich.
Zumindest nicht, wenn dies zwingend bei jeder kleineren Aktion so sein soll. Extremes Gegenbeispiel ist ja Shadowrun (3.01D kenne ich nur), wenn der Rest der Gruppe beim Matrixrun des Deckers Pizza holen konnte. Aber wenn bei einer Scouting-Aktion die Blechdosen mal in der Taverne rumsitzen, während der Bard die Leute befragt und der Rogue sich durch die Gassen schleicht...vollkommen in Ordnung.
Natürlich ist man eingeschränkter, aber das ist man eh immer ein wenig. Habe ich z. B. einen Ranger dabei, wäre ein reines Stadtabenteuer evtl. nicht besonders toll für ihn. Deshalb habe ich immer eine von zwei Möglichkeiten im Vorfeld gewählt: Entweder ich habe als SL die Kampagne grob umschrieben, so dass die Spieler danach wählen konnten, oder die Spieler haben ihre Charaktere gebastelt und die Kampagne wurde auf sie ausgerichtet.
Arldwulf:
Ja, man muss dort sicher eine gute Balance finden, und gerade thematisches Spotlight wie du dies oben beschreibst wird es ja immer geben, ich meinte eher Spotlightverteilung explizit aus Balancinggründen.
Maarzan:
--- Zitat von: Rhylthar am 7.11.2015 | 09:16 ---Entweder ich habe als SL die Kampagne grob umschrieben, so dass die Spieler danach wählen konnten, oder die Spieler haben ihre Charaktere gebastelt und die Kampagne wurde auf sie ausgerichtet.
--- Ende Zitat ---
Yep, das Problem ist außer in schweren handwerklichen Versäumnissen (in der Regel: es gibt nur eine einzige Lösung die nicht völlig abstinkt) letztlich nicht Balancing sondern Transparenz - wozu auch die korrekte Darstellung im Fluff gehört bzw. die korrekte Modellierung des Fluffs, wenn der das tatsächlich Leitende sein sollte.
Wormys_Queue:
--- Zitat von: Arldwulf am 5.11.2015 | 21:31 ---Nun ist es aber ja so: Du musst dich nicht entscheiden. Du kannst die Komplexität haben und das Balancing.
--- Ende Zitat ---
Naja, kann ich halt nicht. Denn die ganze mir so lieben Subsysteme, die in AD&D und 3E den Komplexitätsgrad so stark erhöhen, sind ja aus Balancegründen aus der 4E rausgehalten worden. Und dabei kommt dann ein ähnlicher Effekt raus wie bei modernen MMORPGS. Bei WOW habe ich die verschiedenen Völker nur gespielt, um die verschiedenen Storylines zu erleben, die Klasse habe ich typischerweise ausgewürfelt, weil es keine "Rolle" spielte. Bei Star Wars Online hängt die Story an der Klassenwahl, aber auch dort ist es mir darüber hinaus völlig egal. Letztlich ist alles nur Knöpfchendrückerei (hängt auch am Schwierigkeitsgrad, der ist bei den meisten Spielen ja quasi nicht mehr existent).
In der 4E läuft das insoweit ein wenig anders, als ich mir ja im Vorfeld den Charakter überlege (Charakterkonzept), und mir danach erst überlege, wie ich den umsetzen will. Lasse ich den Schritt aber weg, bleibt die Wahl für mich extrem belanglos, weil die vorhandenen Unterschiede im Klassendesign für mich komplett belanglos sind.
Übrigens werden auch die Spieler von MMORPGS mir teilweise widersprechen, wenn ich das so sage, weil es für sie sehr wohl eine Rolle spielt, ob man einen Tank, nen Damage Dealer oder einen Healer spielen will. Das sind aber Kategorien, in denen ich mich zu denken weigere und die ich als extremst schädlich fürs Rollenspiel erachte.
Und das ist halt was anderes als beispielsweise in AD&D (um mal von der 3E wegzukommen, wo ich (über die Lebenszeit der Edition hinweg) teilweise völlig inkompatible Optionen für die selbe Sache erhalten habe, und selbst die Wahl treffen kann, was davon ich nutzen will. Ja, da ist teilweise komplett unbalanciert, aber dafür hat man ja den SL und die Mitspieler (und den eigenen Verstand). Ich seh gar nicht ein, warum ich mich um der Balance willen an dieser Stelle vom System einschränken lassen soll.
Was man der 3E natürlich vorwerfen muss ist die Balance innerhalb der Standardgruppe. Wenn Fighter, Rogue, Cleric und Wizard als Gruppe zusammen funktionieren sollen, wie es immer von den Designer angepriesen wird, dann geht das natürlich nur, wenn die auf jeder Stufe gleiche Spielanteile haben. Da sehe ich jetzt noch nicht mal so sehr die Balance als das große Problem (der Fighter und der Rogue funktionieren ja auch noch auf hohen Stufen), sondern eher die Optionsarmut speziell beim Fighter bzw. das Problem, dass die Optionsvielfalt es Magier und Kleriker erlauben, den anderen ihre Nische wegzunehmen. Und auch wenn ich verstehe, warum diese Möglichkeit existiert (es soll ja gewährleistet sein, dass die Aufgaben eines Nahkämpfers oder Schurken auch dann übernommen werden können, wenn niemand die Klassen spielt), ist hier die Verteilung zu ungleichmäßig.
Und dem Magierspieler zu sagen, dass er sich ja etwas am Riemen reissen kann, damit die anderen ihre Nische behalten, funktioniert scheinbar bei vielen Gruppen nicht. Oder zumindest bei denen nicht, von denen man dann in den Foren zu hören bekommt.
Arldwulf:
Sagen wir es so: Selbst in den Gruppen in jenen der Magierspieler sich zurück hält verliert man etwas. Ich merke das vor allem daran wie viel lieber ich Magier in der 4e Spiele als in 3.5
Es zerstört mir einfach einen Teil der Charakterbindung wenn ich Dinge welche ich als Spieler für die ideale Lösung halte als Charakter nicht tue, nur mit dem Metagedanken: Wenn ich das jetzt mache nehme ich bloß den anderen den Spaß. Einen intelligenten, stets einen guten Plan habenden Charakter zu spielen der gleichzeitig ständig sinnvolle Lösungsmöglichkeiten "übersieht" macht einfach viel weniger Spaß als ihn ohne derartige Einschränkung zu spielen. Und ich will gar nicht mächtiger als die anderen Charaktere sein...wenn ich dies wollte würde ich einfach zu allen sage: Gebt mir immer ein paar Level mehr!
Was die Komplexität angeht: Ich weiß nicht ob du das nicht etwas unterschätzt, die 4e hat ja immer noch sehr viele Subsysteme, die sich auch gegenseitig beeinflussen können, ich würde z.B. nicht sagen das mein Assassine oben weniger komplex ist als irgendein Char den ich in 3.5 gespielt hatte. Oder mein 4e Magier weniger komplex als mein 3.5 Magier. Es sind nur andere Subsysteme.
Aber da kommen wir vielleicht auch zu sehr ins Detail hinein, was ich eigentlich nur sagen wollte ist das Balancing Komplexität unterstützt, weil es viel einfacher ist etwas hinzuzufügen wenn die Basis stabil und das Konzept von vornherein eine gute Bewertungsgrundlage für Mechaniken bietet. Beides sind auch Voraussetzungen für gutes Balancing.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln