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Gedanken zum Klassenbalancing
Maarzan:
--- Zitat von: Wormys_Queue am 8.11.2015 | 10:35 ---Ja, wobei man andererseits nicht so viele Diskussionen mit den RAW-Fanatikern hat, die noch den größten Blödsinn damit rechtfertigen, dass der Regelwortlaut das nicht untersagt. Wobei ich das ehrlich gesagt nur aus Forendiskussionen kenne.
Im Prinzip spiel ich aber gerne regelreiche Systeme auf regelarme Weise. Ich hab mit Interesse eine Paralleldiskussion verfolgt, wo jemand danach fragte, ob er seine Fate-geprägte Spielweise auch mit SR5 umsetzen könne. Die meisten Antworten gingen in Richtung eines kategorischen Neins mit der Begründung, dass SR 5 so ein Regelmonster sei. Meine Antwort wäre eher gewesen: Klar kannst du. Wenn du nämlich die Regeln aus dem System nimmst, die dir gefallen und den Rest weghandwedelst.
...
Letztlich gehe ich aber prinzipiell mit Gary Gygax konform: The secret we should never let the gamemasters know is that they don't need any rules.
--- Ende Zitat ---
Ich kann nachempfinden wie du darauf kommst, weil wir so ähnlich schon selbst gespielt haben, aber es basiert auf einer Selbsttäuschung bzw. unvollstädniger Darstellung und ist aber so allgemein geschrieben falsch.
Das hat deshalb funktioniert, weil wir alle schon früher gemeinsam nach Regeln gespielt haben, weitestgehend denselben Geschmack hatten bzw. die notwendigen Kompromisse und Problemzonen schon ausgelotet hatten und daher schon intern stark auf einen Stil eingenordet waren, so dass es auf die exakte Detaillösung nicht mehr ankam, weil auch das Improvisierte kraft jahrelanger Erfahrung und kompatibler Spielstile nicht aus dem vertrauten Rahmen fiel und des weiteren klar war, dass die Regeln als Sicherheitsnetz erhalten geblieben sind.
Das ist aber etwas völlig anderes als sich mit Fremden neu an einen Tisch zu setzen oder ein Spiel zu designen, welches später einmal einen Zustand wie beschrieben ermöglichen soll.
Wenn jemand auf die Regeln pocht, ist das sein gutes Recht. Abgesehen von dem Fall, wo jemand die Interpretation seeehr biegsam bemüht, ist das die Basis auf die man sich vorher schließlich geeinigt hat. Sollte da etwas wichtiges übersehen worden sein und die Regel tatsächlich der Mehrheit der Leute nun generell nicht passen, dann muss man da wohl nachverhandeln. Passiert das öfter, hat man wohl das falsche System gewählt.
Und egal wer das so gesagt hat es ist meiner Ansicht nach Aufforderung zu Ar$chlochverhalten.
Wormys_Queue:
--- Zitat von: Maarzan am 8.11.2015 | 12:20 ---Das ist aber etwas völlig anderes als sich mit Fremden neu an einen Tisch zu setzen oder ein Spiel zu designen, welches später einmal einen Zustand wie beschrieben ermöglichen soll.
Wenn jemand auf die Regeln pocht, ist das sein gutes Recht. Abgesehen von dem Fall, wo jemand die Interpretation seeehr biegsam bemüht, ist das die Basis auf die man sich vorher schließlich geeinigt hat. Sollte da etwas wichtiges übersehen worden sein und die Regel tatsächlich der Mehrheit der Leute nun generell nicht passen, dann muss man da wohl nachverhandeln. Passiert das öfter, hat man wohl das falsche System gewählt.
--- Ende Zitat ---
Ja gut, ich gehe natürlich davon aus, dass das vor Spielbeginn miteinander ausverhandelt wird, wie eng oder frei man ein Regelwerk beachtet. Ich gehe halt davon aus, dass das Spiel in der heimischen Runde mit Gleichgesinnten/Freunden den Normalfall darstellt, und da muss man halt keine Rücksicht auf außerhalb der Gruppe geäußerte Meinungen nehmen.
Wenn ich jetzt Rhylthar in die Gruppe kriege, hat der dasselbe Mitspracherecht wie alle anderen auch (inkl. Spielleiter). Da muss man dann eben sehen, wie man einen für alle tragbaren Kompromiss hinbekommt (im Zweifelsfall wärs für mich sicher einfacher, mich an seinen Geschmack anzupassen, weil mein Herz nicht so stark dran hängt). Wenn ein solcher Kompromiss nicht zustande kommt, dann muss man aber auch in der Lage zu sein zu sagen: Ok, dann hats keinen Sinn, dann schauen wir lieber einen Film.
Persönlich interpretiere ich Gygax eher dahingehend, dass man sich eigentlich darüber im Klaren sein muss, dass jedes Regelwerk nur ein Vorschlag ist, nicht DAS GESETZ. und wenn eine Regel im Weg ist, dann halt weg mit ihr. Jedenfalls kann ich mir bei Gygax nicht vorstellen, dass der damit der SL-Willkür das Wort reden wollte.
--- Zitat von: YY am 8.11.2015 | 11:32 ---Wenn ich mit der genannten Zielsetzung eines regelleichten, dramfokussierten Spiels das SR5-GRW durchlese, denke ich mir doch bei 80% der Lesezeit: WTF, wer braucht denn diesen ganzen Regelschrott?
--- Ende Zitat ---
Ich kenn zugegebenermaßen die fünfte nicht. Hört sich allerdings für mich arg nach den Gedanken an, die mich öfter beim Durchlesen von DSA-Regelwerken bewegen. Was mich aber nicht daran hindert, mit Freude DSA zu spielen. da schaut man dann vorher, welche Regeln den Spielern wichtig sind und welche nicht, und der Rest wird dann großzügig ignoriert. Finde ich einfacher, als Aventurien in irgendein System zu importieren, dass im Prinzip gar nicht dafür vorgesehen ist, nur weil mir das System besser gefällt. (Deswegen machen ja auch so Sachen wie Ctulhu d20 oder Vampires d20 für mich so gar keinen Sinn).
Arldwulf:
Irgendwie versteh ich deinen Grundgedanken nicht. Du sagst (zumindest klingt es für mich so) man kann in einem nicht ausbalanciertem System etwas leichter hinzufügen weil man sich um Balance nicht kümmert - und gleichzeitig das dies in einem ausbalanciertem System nicht ginge weil es die Balance kaputt macht.
Wenn sie dich nicht kümmert warum sollte dann stören ob sie kaputtgeht? Zumal es doch nunmal auch so ist: Die meisten Balancingprobleme bei Hausregeln sind unabsichtlich. Sie geschehen umso eher, je unverständlicher und unausgereifter das Grundsystem ist.
YY:
--- Zitat von: Wormys_Queue am 8.11.2015 | 12:40 ---Finde ich einfacher, als Aventurien in irgendein System zu importieren, dass im Prinzip gar nicht dafür vorgesehen ist, nur weil mir das System besser gefällt.
--- Ende Zitat ---
Was heißt denn dafür vorgesehen?
MMn jedenfalls nicht "automatisch am Besten geeignet"*.
Aus meiner Warte sind die "mitgelieferten" Systeme nur Vorschläge und je nachdem, was ich a) mit dem Setting machen will und mir b) rein spielmechanisch von einem Regelwerk erwarte, bin ich mit anderen Systemen deutlich besser bedient.
Dass ein Regelwerk eng mit seinem Setting verzahnt ist und man deswegen große Mühe hat, eine gute Alternative zu finden, ist sehr selten.
Bei den klassischen Systemen gibt es das mMn so gut wie gar nicht.
*Vergleicht man mal DSA1 und DSA4, dann müsste ja auch eines der beiden Systeme für das prinzipiell gleich gebliebene Setting massiv ungeeignet sein... ;)
Thandbar:
--- Zitat von: Wormys_Queue am 8.11.2015 | 11:22 ---Ja klar, aber warum sollte mich das kümmern? Ich betreibe meine Spielrunde doch nicht, damit irgendwelche Puristen in irgendwelchen Foren ihr Qualitätsurteil darüber abgeben können, sondern damit ganz konkrete Spieler an einem ganz konkreten Spieltisch ihren Spass haben. Und da muss ich bis dato erst noch auf einen Spieler stoßen, der mir mit diesem Argument ankommt.
--- Ende Zitat ---
Nun, im vorliegenden Fall willst Du ja einem Forumsteilnehmer einen Ratschlag geben. Insofern geht es ja gar nicht um konkrete Spieler am konkreten Spieltisch, mit denen Du, wenn es nötig sein sollte, jetzt gleich verhandeln kannst, sondern darum, eine gute Antwort zu geben. Und damit die Frage, die dieser Antwort vorausgeht, überhaupt einen Sinn haben soll, musst Du imho erst einmal unterstellen, dass die Nennung eines speziellen Systems - wie in diesem Fall SR5 - eben ganz ernst gemeint ist und nicht ersetzbar ist durch: "Kann ich alles im Handwedelstil bespielen, wenn ich handwedle?"
Denn darauf ist die Antwort ganz klarerweise ja. Nur hätte allein dieser Frage wegen wohl kaum jemand einen Forumsbeitrag erstellt.
Ganz allgemein hat Handwedelei den Nachteil, dass sie in der Praxis eben nicht herausläuft auf: "Alle verhandeln gleichberechtigt über die Regeln, welche und wann sie zur Anwendung kommen", sondern "Der Spielleiter lässt sich vom Regelbuch inspirieren und entscheidet stillschweigend, wann welche Regel aufgerufen wird". Handwedelei führt deshalb nach meiner Erfahrung zu verschiedenen Dingen, die mich allesamt nicht glücklich machen. Zum Beispiel zu schiefen Charakteren (Ich stecke meine Ressourcen in soziale Fähigkeiten, diese will der SL aber immer nur ausspielen und nie auswürfeln) oder zu Spielern, die die Regeln ihres Systems selbst nach Jahren des Spielens nicht lernen, weil sie es nicht müssen und wenn sie es täten, doch nur herausfänden, dass es ihnen nichts bringt, weil der SL doch allein sagt, was jetzt passiert.
Natürlich hat der Handwedelstil auch Vorteile, aber ich glaube, dass es genug Rollenspieler gibt, die davon auch die Nase voll haben. Oder die finden, dass man - wenn man sich schon zur Handwedelei bekennt - auch entsprechende Systeme nutzen sollte wie zB Fate, wo das auch ehrlich kommuniziert wird.
Du scheinst stillschweigend davon auszugehen, dass Handwedelei mit dem Regelbuch als Inspirationsquelle doch letztlich der für alle zu erstrebende Spielstil sein sollte. Das halte ich für eine sehr fragwürdige Grundannahme, die ja auch dadurch nicht besser wird, wenn Du jedem, der Dir in einem Forum diesbezüglich widersprichst, vorsorglich als Puristen brandmarkst.
Denn eigentlich bist Du ja der Purist, wenn Du keinen anderen Spielstil gelten lassen möchtest.
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