Und gleich ein Beitrag mit Gedanken hinterher geschoben. Da ich gestern zum ersten Mal seit längerer Zeit einen Samstag hatte, an dem ich nicht arbeiten gegangen bin, habe ich mich gestern um den letzten Abend des laufenden Abenteuers gekümmert. Wir spielen kommenden Freitag den Teil davor. Auf den freue ich mich auch schon sehr, da das so etwas wie der "Weichenteil" wird. Er wird hoffentlich ein paar weitere Storyhooks für die Zukunft einführen. Aber dann spielen wir in 2 Wochen den vermutlich letzten Teil des laufenden Abenteuers. Und der hat aus vielen Gründen eine enorme Bedeutung für mich.
Ich hatte es hier und da sicher schon mal erwähnt. In meiner Gedankenwelt markiert dieser Abschluss so etwas wie die gefühlte Mitte der Kampagne. Genau die Mitte ist es sicherlich nicht. Aber wenn alles für die Spieler läuft, beendet der Waldläufer seine Lebensquest und bringt seinen Bruder lebend nach Hause zu ihrer Mutter. Zu diesem Zeitpunkt hat er viel erleiden und opfern müssen. Und dann wird der Fokus auch stärker auf die Geschehnisse in Calanor und die Bekämpfung der Arakniden gerichtet sein. Was war - also die alte Kampagne - wird erstmal länger nahezu komplett in den Hintergrund treten. Nachdem ich im laufenden Abenteuer diesbezüglich nochmal extrem aufgefahren haben werde.
Tja und dann kommt der Moment, den ich schon ewig im Kopf trage, vor dem ich mich aber auch immer ein wenig gefürchtet habe, da er dann definitiv wird. Die Offenbarung, dass der Waldläufer der Sohn des verstobenen Königs ist. Viele Fragen werden hier geklärt und neue vielleicht aufgeworfen werden. Ich hatte mir viele Szenarien überlegt was denn damals genau geschehen sein könnte um das mit der Vorgeschichte des Charakters zu verbinden. So richtig rund wurde es nie bisher. Immer wieder habe ich mir Notizen zu Ideen gemacht, die ich gestern nur ausgewertet und zusammengefügt hatte. Tatsächlich hat sich das schon ein wenig wie das Schreiben eines Buches angefühlt. Aber die Szene ist mir extrem wichtig und sie entfaltet dann hoffentlich auch die entsprechenden Wirkung. Ich muss zugeben, dass ich die letzten Monate auch immer mal ins Wanken gekommen bin, ob ich das wirklich durchziehen möchte. Es ist ja ein wenig klicheehaft. Die Geschichte des verlorenen Sohn des Königs, der zurück kehrt um die vakante Krone des Landes zu nehmen. Aber ich beobachte immer wieder, dass der Spieler offensichtlich Aragorn als Vorbild hat. Sein alter Charakter ging damals auch in die Richtung. Also gebe ich ihm doch genau diese Geschichte. Und genau für den Paladinspieler die Erhebung in den Paladinorden ein besonderes und einschneidendes Erlebnis war, so denke ich wird dieser Moment für den Waldläufer werden. Und noch passender ist natürlich, dass der Gegenspieler der Krone in Yron Varantir schon eingeführt und sowieso ein Erzfeind des Waldläufers ist.
Und als ich so herunterschrieb, was die Mutter erzählen würde und was am Ende damals geschehen ist und wie es dazu kam, dass er zu seiner Pflegefamilie kam, musste ich an einer Stelle schlucken. Das war verrückt, ich war von einem Moment der Schilderung plötzlich selbst total angefasst und emotionalisiert. Es hilft sicherlich, dass ich aktuell wieder den Herrn der Ringe lese. Ich merke deutlich, wie die Art des Erzählens und die Sprache Eingang in die Überlegungen findet. Ein gefallener und durch langsame Vergiftung in den Wahnsinn getriebener König - der einst ein aufrechter Mann war. Er sieht und erkennt seinen neugeborenen Sohn, was ihm einen kurzen Moment der Klarheit alter Größe und Macht der Könige Numenors schenkt. Und er lässt ihn zum Wohl des Reiches und seiner selbst gehen für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Auf jeden Fall wird das ganze musikalisch von Manowars the crown and the ring untermalt werden um dem ganzen die entsprechende Größe zu geben.
Und dann bin ich an einem Punkt an dem sich so eigentlich erst einmal war. Vielleicht aber in der Größenordnung in der laufenden Kampagne noch nie. Ich habe keine Ahnung wie es weiter gehen wird. Es liegt komplett in der Hand der Spieler. Zu diesem Zeitpunkt haben sie mehrere Handlungsoptionen, die unterschiedlicher aber nicht sein könnten. Wollen sie ins politische Abenteuer gehen, ins Dungeonabenteuer etc. Und vor allem, wofür wird der Waldläuferspieler sich entscheiden? Er muss das Erbe nicht annehmen. Er kann auch einfach Waldläufer bleiben. Alles mit erheblichen Auswirkungen und Möglichkeiten. Und dann möchte ich die Kampagne aber dennoch eigentlich auf einen gewissen Zeitrahmen zusammengezurrt lassen.
Ich habe nach diesem Abend dann knapp zwei Monate Zeit etwas vorzubereiten. Momentan ist ja arbeitsmäßig landunter bei mir. Insofern bin ich um die Situation recht froh. Tatsächlich ist es aber auch komisch, so gar keine Ahnung zu haben bzw. Gedanken darüber machen zu können. Ich bin selbst sehr gespannt wie es weiter geht. Zum anderen fühlt es sich dadurch aber auch wie ein kleiner Restart der Kampagne an. Ich habe daher auch noch immer die Überlegung eine Midcampagne session zero zu machen. In der möchte ich einfach mal resumee ziehen und die Spieler fragen, worauf sie besonders Lust haben, was ihnen am meisten Spaß macht etc. Wobei ich durch die oben beschriebene Nachricht des einen Spielers mich frage, ob das überhaupt noch notwendig ist. Ich mag auch nicht alles zerreden.
Und die immer gewichtig werdende Frage ist dennoch: Was geschieht am Ende? Also wie und ob geht es danach weiter. Und hier schließt sich ein wenig der Kreis zu meinem ersten Beitrag in diesem Faden. Als ich mit der Kampagne anfing, war sie als nichts anderes gedacht wieder ins Rollenspiel hinein zu finden. Für uns alle. Vor allem stand vor 2 Jahren die alte Kampagne wieder aufleben zu lassen. Viele Verknüpfungen dafür habe ich in den letzten 2 Jahren geschaffen. Fast schon zu viele. Die Idee war, die Spieler am Ende ingame in irgendeiner Form vor die Wahl zu stellen: Die alten oder die neuen Charaktere weiterführen. Das sollte sich schwer und tragisch anfühlen. Der Düsternis der Kampagne angemessen. Doch was ich nicht auf dem Schirm hatte - ich glaube wir alle nicht - es hätte wahrscheinlich keine Fortführung der alten Kampagne benötigt. Jeder von uns ist dermaßen in die aktuelle Kampagne, Charaktere und NSC, Handlung und das Land investiert, dass die Kampagne nicht schlechter wäre, gäbe es keine Verknüpfung zur alten Kampagne. Was wiederum manches leichter machen würde. Diese Gedanken kommen jetzt auch immer öfters. Dieses starke Atmosphäre wie wir sie hier aktuell erleben, werde ich auf keinen Fall mit einer follow up Kampagne die die alten Helden und Konflikte aufleben lässt so erschaffen können. Das meiste ist organisch gewachsen und wenn ich schon etwaige NSCs und Handlungen für die alte Kampagne einwebe (so z.B. ganz stark im aktuellen Abenteuer), befürchte ich, wird es dennoch nicht die Intensität haben, die wir aktuell erleben. Auch darauf bin ich per heute gespannt und frage mich, was ich denke wenn ich in 2 Jahren diesen Beitrag hier wieder lese.