Autor Thema: Zak Sabbath: The Impossibility of the Fastball Special In The Mind of GNS  (Gelesen 9651 mal)

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Online tartex

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Wer sich jenseits des tatsächlichen Rollenspiels zu schwindelnden theoretischen Höhen aufschwingen möchte, dem sei dies gegönnt. Nur wenn er sich an irgendeiner Stelle in diesem Zeitvertreib als der große Heilsbringer hinstellt, muss er auch was liefern.

Was am Model schwindelerregend sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Die Höhen sehe ich auch nicht. Das ist doch ein Set zum Gartenumjäten.

Der Heilsbringer-Faktor wird eigentlich auch nur von den Gegnern unterstellt. Klar, wird fast jeder mal polemisch, oder redet Schwachsinn. Aber die Gegner bedienen sich dann ja lustigerweise immer noch dieser Sprache, nachdem sich die Forge schon lange selbst aufgelöst hat.

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Ich stimme da auch zu, frage aber auch, warum sich in den 15 Jahren keine detailiertere Ausarbeitung durchgesetzt hat.

Irgendwie scheint das Modell also doch den Spagatt zwischen einfach verständlich und auf die konkreten Situationen anwendbar geschafft zu haben.

Das glaube ich nicht. Halte ich für einen logischen Fehlschluss. Ich glaube eher, dass die Entwicklung eines Theorierahmens in einem Forum schwieriger ist als einen Sack Flöhe zu hüten. Wenn also schon viele Leute gedanklich in die Forge investiert haben, dann führen die so ein Modell halt im Hinterkopf immer weiter und neue Ideen werden tendentiell unterdrückt.

Der Heilsbringer-Faktor wird eigentlich auch nur von den Gegnern unterstellt.
Naja, hier im Forum gabs schon diverse Jubelperser ;)

Offline Crimson King

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Ich stimme da auch zu, frage aber auch, warum sich in den 15 Jahren keine detailiertere Ausarbeitung durchgesetzt hat.

Irgendwie scheint das Modell also doch den Spagatt zwischen einfach verständlich und auf die konkreten Situationen anwendbar geschafft zu haben.

Oder die konkrete Ausarbeitung ist für die Praxis nicht relevant. Das Verständnis dafür, dass man ähnliche konkrete Vorstellungen davon haben muss, was man spielen will, dürfte auch dann vorhanden sein, wenn man für die Spielweise keinen schlauen Begriff benennen kann. Aber allein die vor kurzem hier im Forum geführte Diskussion über Combat as War vs. Combat as Sports, die beide unterschiedliche Ausprägungen von Gamism sind, zeigt, dass drei Ausprägungen nicht reichen. Wobei man den Forgies zugestehen muss, SIM mit ihrem Modell der fünf Unterrubriken Setting, System Situation, Character und Color, die in jeder Runde unterschiedlich gewichtet werden, ordentlich aufgeblasen zu haben. Leider ist der Kram nicht praxistauglich.
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Jau. Und ich finde übrigens, dass die Diskussion rund um CaS und CaW durchaus sinnvoll ist. Diese Unterscheidung halte ich für relevant, einfach und sehr treffend. Kommt das auch von der Forge? Dann würde ich denen dafür danken.

Online tartex

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Sieht so aus, als wäre ich hier jetzt der Jubelperser.  :P

Ich sehe das Modell jedenfalls nicht als fehlerlos oder gar richtig an, aber ich bin dankbar, dass jemand eine Sprache entwickelt hat, auf die sich alle für einige Zeit einigen konnten, weil sie leicht verständlich ist. Dabei ist dann egal, ob man der Sprache zustimmt oder nicht. Jede Theorie muss immer verfeinert werden, oder ermöglicht eine Antithese oder einen Paradigmenwechsel.

Und ich warte darauf, dass irgendwer mal diese Sprache weiterentwickelt. Bis jetzt kam da aber nicht viel.

Den Ansatz "Besser gar nicht erst zu sprechen anfangen, weil es nicht perfekt ist.", kann ich halt echt nicht nachvollziehen.
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Offline YY

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Rollenspiel passiert am Tisch, indem Leute miteinander eine gemeinsame Fiktion aushandeln. System sind die Mittel dieser Aushandlung.

Und das hat die Forge "erfunden"/entdeckt?
I call bullshit.

Da muss ich mich jenen anschließen, die sagen:
Der größte Erfolg der Forge war die Propagandaleistung, dass danach und vor Allem davor nichts Relevantes an Theorie passiert wäre.


Der anti-intellektuelle Impuls vieler Rollenspieler (Motto: "Ich lasse mir mein Hobby nicht von Geschwafel kaputtmachen.") ist dadurch meiner Ansicht nach abgefedert worden.

Witzig - ich nehme das eher umgekehrt wahr: Die Forge hat in meiner Wahrnehmung und meinem Umfeld diesen anti-intellektuellen Impuls erst geschaffen.

Bei aller Kritik finde aber schon bemerkenswert, dass die Forge überhaupt etwas einigermaßen Einheitliches hervorgebracht hat. Das ist keine kleine Leistung angesichts der in jeder Hinsicht heterogenen Beitragenden und davor ziehe ich den Hut.

In jeder Hinsicht heterogen waren die mindestens ab der (zeitlichen) Mitte nicht mehr.
Die Art des Diskurses und die Richtungsvorgaben durch die führenden Köpfe haben da ganz gewaltig gefiltert.


Ich stimme da auch zu, frage aber auch, warum sich in den 15 Jahren keine detailiertere Ausarbeitung durchgesetzt hat.

Gibts doch - aber eben für jede Baustelle einzeln und nicht auf einem großen Haufen als Versuch einer ganzheitlichen Theorie.

Was am Model schwindelerregend sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Die Höhen sehe ich auch nicht. Das ist doch ein Set zum Gartenumjäten.

Da gab es einiges an Themen und Betrachtungen, bei denen nur keiner mehr zugeben wollte, dass er keine Ahnung hat, wovon die anderen überhaupt reden. Das war genau das selbe Spiel wie in den finstersten Abgründen der Geisteswissenschaften.
Und das für ein "Ergebnis", das von Anfang an absehbar war und das man im Grunde jedem Rollenspieler an der Pommesbude während einer Kanne Cola hätte vermitteln können.

Aber die Gegner bedienen sich dann ja lustigerweise immer noch dieser Sprache, nachdem sich die Forge schon lange selbst aufgelöst hat.

Man kann natürlich auch den ganzen Begriffsfindungprozess zu reinen Abgrenzungszwecken noch mal durchlaufen und damit leben, dass das nicht jeder mitmacht.
Wenn der langfristige Nutzen halbwegs einheitliche, verständliche Begriffe sind, ist ja immerhin was gewonnen - auch wenn die Begriffe bei näherer Betrachtung doch nicht sonderlich einleuchtend oder abschließend sind. Vielleicht von Gamism abgesehen.

Den Ansatz "Besser gar nicht erst zu sprechen anfangen, weil es nicht perfekt ist.", kann ich halt echt nicht nachvollziehen.


Sagt doch auch keiner.
Umgekehrt ist eine Weltmeistermedaille für den einzigen Teilnehmer in einem selbst erfundenen Wettbewerb auch nicht so das Wahre.
"Kannst du dann bitte mal kurz beschreiben, wie man deiner Meinung bzw. der offiziellen Auslegung nach laut GE korrekt verdurstet?"
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Online tartex

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Das Verständnis dafür, dass man ähnliche konkrete Vorstellungen davon haben muss, was man spielen will, dürfte auch dann vorhanden sein, wenn man für die Spielweise keinen schlauen Begriff benennen kann.

Welche Begriffe sind denn so schlau? Nur weil ein Wort mit -ismus endet, braucht davor echt keine Angst haben. Wer ein Rollenspielregelwerk mit dem ganzen Jargon liest, der wird doch die paar Begriffe von der Forge nicht als zu überkandidelt wahrnehmen, oder?
« Letzte Änderung: 26.04.2018 | 16:30 von tartex »
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Und das für ein "Ergebnis", das von Anfang an absehbar war und das man im Grunde jedem Rollenspieler an der Pommesbude während einer Kanne Cola hätte vermitteln können.

Also mit hat das zwischen 1988 und 2003 halt keiner vermittelt. Und ein Jahrzehnt Dragon-Magazin-Leserbrief-Diskussionen und Fanzines lesen, hat die Murmel in dem Bereich auch nicht zum Rollen gebracht. Um gar nicht von den Gesprächen an meinen echten Spieltischen zu reden.

Wir sollten uns zumindest darauf einigen: die ganzen Durchblicker hier, die hätten die Forge nie gebraucht, aber simpleren Gemütern wie mir hat es doch recht viel gebracht. Also freut euch, dass ihr ohne Theoriegerüste gut zurecht kommt, aber akzeptiert, dass anderen die Entwicklung einer Begrifflichkeit hilft.
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@ tartex: Ich kann Deine Sicht nachvollziehen. Mir hat die Forge auch sehr dabei geholfen, ein besseres Verständnis zu entwickeln von den Vorgängen am Rollenspieltisch. Einige Ideen finde ich auch wirklich gut, etwa der Transfer des Konzepts des Social Contract auf Rollenspielrunden. Oder die Ausgestaltung der Stances. Die Forgies hatten schon echt ne Menge Inspiration. Was mich letztlich daran stört, sind drei gravierende Dinge.

Es ist erstens der Absolutheitsanspruch, den das Big Model für mich ausstrahlt und nicht im Ansatz einzuhalten imstande ist. Wenn hinreichend viele Leute im Paradigma der Forge gefangen sind, wird ein Paradigmenwechsel - auch in Kenntnis und Akzeptanz der Schwächen der Forge - extrem unwahrscheinlich.

Zweitens tendieren die Forge-Konzepte zu einer Neologismus-Diarrhö und kommen aus ner Ecke, die irrsinnig aufgeblasenen Nerdhumor mit Klugscheißerei kombiniert. Angst muss man davor nicht haben. Aber bei Zeugs wie "Lumpley Principle" oder "The impossible thing before breakfast" oder "Ephemera" renne ich bereits bei den Begrifflichkeiten schreiend weg. Ist vermutlich mein Problem, aber ich ertrage das nur ganz schlecht.

Hinzu kommt drittens die Unbeflissenheit im Umgang mit sozial- und verhaltenswissenschaftlicher Theoriebildung. Siehe alleine das Thema Railroading. Wer ist denn bitte so vernagelt und definiert das so wie die Forge, nur um sich parallel auch noch Participationism, Ilussionism, Trailblazing, Roads to Rome und weiß der Teufel noch was alles aus dem Hirn zu popeln. Wahnsinn. Und dabei sind wir noch nicht mal beim Big Model angelangt. Puh.

Parallel kann ich die Begeisterung der Leute verstehen. Ein eingeschworenes Trüppchen an Enthusiasten, die gemeinsam neue Türen öffnen. Schon cool, das. Und tolle Ideen hatten sie auch. Keine Frage.

Offline rillenmanni

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Hinzu kommt drittens die Unbeflissenheit im Umgang mit sozial- und verhaltenswissenschaftlicher Theoriebildung. Siehe alleine das Thema Railroading. Wer ist denn bitte so vernagelt und definiert das so wie die Forge, nur um sich parallel auch noch Participationism, Ilussionism, Trailblazing, Roads to Rome und weiß der Teufel noch was alles aus dem Hirn zu popeln. Wahnsinn. Und dabei sind wir noch nicht mal beim Big Model angelangt. Puh.
Krass. Öm, unterscheidest Du denn etwa nicht zwischen RR und Illusionismus etc? (Na, das kann ja dann nichts werden in Deinen Spielrunden. ~;D) Vielleicht verstehe ich den ganzen Absatz nicht.
Es gab hier oder in einem anderen Forum mal eine "Sandbox"-Diskussion, bei der es freilich sofort Definitionsunterschiede gab. Und einer der Teilnehmer zog sich gar ganz raus durch die Aussage "Sandbox ist das, was ich so definiere." Ich persönlich fühle mich aber deutlich wohler, wenn es irgendwo eine Definition gibt, mit der alle arbeiten.
Während die Opfer sich umkrempeln und der Professor nicht zu erreichen ist, reißt Rillen-Manni voller Wut eine Waffe an sich ...

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Wellentänzer

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Na doch. Aber es ist vollkommen widersinnig und kontraintuitiv, Railroading zu definieren als eine nicht durch den Gruppenvertrag gedeckte Einschränkung von Entscheidungsfreiheit der Spieler durch den Spielleiter. Mir ist in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften kein einziger Fall bekannt, wo jemand so vorgeht. Das sind nämlich voneinander sehr gut trennbare Phänomene:

1. Der SL schränkt die Entscheidungsfreiheit der Spieler ein.
2. Die Beteiligten beurteilen, ob diese Einschränkung durch den Gruppenvertrag gedeckt ist.
3. Die Beteiligten entwickeln eine Meinung dazu.

Wenn man all diese drei Dinge in einen gemeinsamen Topf wirft, erzeugt man doch kübelweise Konfusion. Dadurch kann man dann beispielsweise zu irgendwelchen Abenteuern nicht mehr sagen, dass dieses oder jenes DSA-Abenteuer viel Railroading enthält - weil ja unklar ist, ob die Einschränkung durch den Gruppenvertrag gedeckt ist und ob die Beteiligten sich dadurch getäuscht fühlen. Und so weiter. Das geht vollkommen an der Intuition vorbei und erzeugt vollkommen unnötiger Weise eine Menge Verwirrung.

Viel sinnvoller wäre es doch, wenn man es bei der Metapher des Railroading belassen würde. Der SL setzt die Spieler auf eine Schiene. Er schränkt die Entscheidungsfreiheit ein. Okay. Ist das gut? Ist das böse? Was sind die Konsequenzen daraus? Entlang welcher Linien verläuft Railroading? Das könnte man dann wunderbar prüfen. Üblich sind bei sowas dann mehrdimensionale Darstellungen des Phänomens. Eine Dimension wäre dann beispielsweise das Ausmaß der Einschränkungen (Dauer, Heftigkeit, Häufigkeit meinetwegen), eine andere Dimension wäre die Schwere der Verletzung des Gruppenvertrags. Schon könnte man sich viel besser und präziser über das Phänomen austauschen. Leider hat die Forge niemals in so einen Modus gefunden, sondern neue Phänomene mit immer neuen Neologismen integriert anstatt die Definitionen post hoc glattzuziehen.

Online 1of3

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Und das hat die Forge "erfunden"/entdeckt?
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qed

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Hinzu kommt drittens die Unbeflissenheit im Umgang mit sozial- und verhaltenswissenschaftlicher Theoriebildung.

Tja, es  waren halt doch keine Wissenschaftler, so weit ich weiß, sondern enthusiastische Hobbyisten. Mag sein, dass es dem Wissenschaftsbetrieb nicht genügen würde. Tatsächlich wurde das alles aber wohl eher für den Internet-Foren- und Stammtisch-Betrieb konstruiert.

Und ich finde es immer noch besser weithergeholte neue Begriffe einzuführen, als solche, die schon im Gebrauch sind, und von jedem anderes definiert werden, für die eigene Interpretation vereinnahmen zu wollen.
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Tja, es  waren halt doch keine Wissenschaftler, so weit ich weiß, sondern enthusiastische Hobbyisten. Mag sein, dass es dem Wissenschaftsbetrieb nicht genügen würde. Tatsächlich wurde das alles aber wohl eher für den Internet-Foren- und Stammtisch-Betrieb konstruiert.

Und ich finde es immer noch besser weithergeholte neue Begriffe einzuführen, als solche, die schon im Gebrauch sind, und von jedem anderes definiert werden, für die eigene Interpretation vereinnahmen zu wollen.

Jaja, wir liegen in der Wahrnehmung der Situation für mein Gefühl gar nicht so weit auseinander, in der Beurteilung der Einflüsse hingegen schon. Ich glaube, dass die Forge sich massiv negativ ausgewirkt hat auf die Art, wie über Rollenspiele gesprochen wird. Du siehst vor allem die positiven Aspekte, die es ohne jeden Zweifel ebenfalls gibt. Alles gut.

Offline Alexander Kalinowski

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Ich finde die Diskussion könnte etwas nüchterner sein. GNS/Big Model ist halt ein Pinonieransatz von Amateuren in einem recht jungen Nischenfeld. Ich habe da keine superhohen Ansprüche an die Qualität der produzierten Theorie. Für mich ist irgendwie auch die Psychologisierung von Edwards & Co. nebensächlich. Ich würde lieber die Gedanken hinter the Theorie besser durchdringen, damit man diese Pionierarbeit fortführen und ggf. verbessern kann.

Dabei teile ich viele Kritikpunkte, so zB die unnötige Terminologie (jenseits der Grundkonzepte) oder die schwachen bis fehlenden Begründungen für Annahmen. Letztlich müssen sich aber alle, die harsche Kritik an der GNS vorbringen, sich die Frage gefallen lassen wo denn ihr konstruktiver Beitrag zu dem Gebiet ist. So auch Zak Smith, übrigens.
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Ich finde die Diskussion könnte etwas nüchterner sein. GNS/Big Model ist halt ein Pinonieransatz von Amateuren in einem recht jungen Nischenfeld. Ich habe da keine superhohen Ansprüche an die Qualität der produzierten Theorie. Für mich ist irgendwie auch die Psychologisierung von Edwards & Co. nebensächlich. Ich würde lieber die Gedanken hinter the Theorie besser durchdringen, damit man diese Pionierarbeit fortführen und ggf. verbessern kann.

Dabei teile ich viele Kritikpunkte, so zB die unnötige Terminologie (jenseits der Grundkonzepte) oder die schwachen bis fehlenden Begründungen für Annahmen. Letztlich müssen sich aber alle, die harsche Kritik an der GNS vorbringen, sich die Frage gefallen lassen wo denn ihr konstruktiver Beitrag zu dem Gebiet ist. So auch Zak Smith, übrigens.

Da stimme ich zu. Allerdings würde ich diverse Leute hier aus dem Forum sowie aus diesem Thread - mich eingeschlossen - sehr bewusst aus der Kritik ausnehmen, weil über die Jahre doch recht viel beigetragen wurde. Zum oben genannten Railroadingthema findet sich alleine von mir beispielsweise hier (wie sich Einstellungen zu verschiedenen SL-Haltungen inklusive Railroading entwickeln), hier (eine Erklärung des Phänomens, dass Railroading paradoxer Weise sogar zusätzliche Spannung erzeugen kann) und hier (zum Verständnis der Bewertung unterschiedlicher Spielstile anderer Runden) was. Da wurde halt nicht so ein irrsinniges Tamtam drum gemacht, aber ich meine durchaus, dass man das als konstruktives Einbringen werten kann - und das gilt wie gesagt nicht nur für mich, sondern auch für viele andere Leute hier im Forum in ähnlicher Weise. Insofern wäre ich vorsichtig mit Verallgemeinerungen.
« Letzte Änderung: 26.04.2018 | 18:53 von Wellentänzer »

Offline Maarzan

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GNS? - Die grundlegende Arbeit hat hier GDS erledigt. Die Forge hat das lediglich verwurstet, um ihr Spielzeug des Narrativismus zu promoten und dafür den Grundstein der Begriffsverwirrungen gelegt, sowie mit der entsprechenden Rhetorik dabei den Stilkrieg in die Theorie getragen.
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Was mich halt immer verwundert ist, dass Leute behaupten, die Forge hätte eine Deutungshochheit gehabt oder gefordert.

Die ARS/OSR-Leute und vorher meinetwegen die "Story Gamer" (im 90iger-Jahre-White-Wolf-DSA-Dragonlance-Sinn) haben doch genauso ihre Standpunkte vertreten, und ihre Positionen beziehen können. Es gab und gibt keinerlei Sprechverbote. Wenn irgendwer halt mit Kampfbegriffen wie "Swine" um sich wirft, tut das der eigenen Glaubwürdigkeit nicht gut. Dann besser halbgare Theorien bauen und in einer Form darstellen, dass da jeder zweite Forenposter noch schnell den einen oder anderen Begriff rausziehen kann.

Was im Endeffekt wirklich für mich zählt, ist ob da tatsächliche Spiele rauskommen, die auf den Ideen aufbauen. Und für eine gewisse Zeit, gab es die aufregendsten Publikationen eben im Indie-Spiel-Bereich. Damit hat man sich Gehör verschafft. Danach kamen viele OSR-Sachen (wie Vornheim) und haben der Glaubwürdigkeit der eigenen Standpunkte auch sehr gut getan. (Auch wenn die "Swine"-Brüller sich in der allgemeinen Theoriediskussion weiterhin mit sowas ins Abseits gestellt haben.)

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« Letzte Änderung: 26.04.2018 | 20:14 von tartex »
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Wellentänzer

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Was mich halt immer verwundert ist, dass Leute behaupten, die Forge hätte eine Deutungshochheit gehabt oder gefordert.

Die ARS/OSR-Leute und vorher meinetwegen die "Story Gamer" (im 90iger-Jahre-White-Wolf-DSA-Dragonlance-Sinn) haben doch genauso ihre Standpunkte vertreten, und ihre Positionen beziehen können. Es gab und gibt keinerlei Sprechverbote. Wenn irgendwer halt mit Kampfbegriffen wie "Swine" um sich wirft, tut das der eigenen Glaubwürdigkeit nicht gut. Dann besser halbgare Theorien bauen und in einer Form darstellen, dass da jeder zweite Forenposter noch schnell den einen oder anderen Begriff rausziehen kann.

Was im Endeffekt wirklich für mich zählt, ist ob da tatsächliche Spiele rauskommen, die auf den Ideen aufbauen. Und für eine gewisse Zeit, gab es die aufregendsten Publikationen eben im Indie-Spiel-Bereich. Damit hat man sich Gehör verschafft. Danach kamen viele OSR-Sachen (wie Vornheim) und haben der Glaubwürdigkeit der eigenen Sache auch sehr gut getan. (Auch wenn die "Swine"-Brüller sich in der allgemeinen Theoriediskussion weiterhin mit sowas ins Abseits gestellt haben.)

Jau. Da stimme ich Dir zu. Wobei meine Wahrnehmung tatsächlich die ist, dass die Forge hier im Forum schon extrem präsent war und man über Jahre kaum was im Theoriebereich posten konnte ohne direkt in Forge-Diskussionen verwickelt zu werden. Aber das kann man auch vollkommen anders sehen. Logo.

Übrigens falle ich seit Jahren auf die OSR-Sachen herein. Immer lesen die sich so megageil und dann bin ich enttäuscht, wenn ich das Zeug lese. Seufz. Aber das ist mein Problem. Dass die Publikation von echtem Zeugs tatsächlich ne gute idee ist, finde ich auch. Nur suche ich aktuell jemanden, der mir die beiden für OSR-Fans bestimmt unfassbar spannenden Bücher zum "Hot Springs Island" abnimmt ;-)

Offline Crimson King

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Zu Beginn ja. Später sah das eben anders aus. Da hat man sich und das entwickelte Theoriegebilde ganz wichtig und ernst genommen. ARS/OSR oder Storytelling lässt sich im Übrigen problemlos innerhalb der Forge-Logik verorten. Das sind ja auch keine Theorien, sondern Spielstile.
« Letzte Änderung: 26.04.2018 | 20:22 von Crimson King »
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J.W. von Goethe

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Zu Beginn ja. Später sah das eben anders aus. Da hat man sich und das entwickelte Theoriegebilde ganz wichtig und ernst genommen.

War das wirklich so? Ich habe den Eindruck auch, kann mich aber tatsächlich an keinen konkreten Text oder Austausch erinnern, in dem das in meiner Wahrnehmung so gewesen wäre. Vielleicht täuschen wir beide uns da auch ein bisschen und fanden nur den Duktus so merkwürdig bzw. unsympathisch, dass wir den Forgern fälschlicher Weise direkt ein paar weitere Negativattribute angeklebt haben? Bei tartex ist das ja beispielsweise ganz anders angekommen und der ist zwar Ösi, aber ansonsten offensichtlich in Ordnung  ;)

Offline Crimson King

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War das wirklich so?

Also ein q.e.d werde ich da nicht liefern können. Ich jedenfalls habe sowohl beim Lesen der Texte den Eindruck, dass sich da jemand ganz viel Mühe macht, wirklich schlau zu klingen, als auch die Wahrnehmung, dass zumindest einige Personen aus der Forge-Ecke sehr von sich und ihrem Werk eingenommen waren. Mein Urteil beruht also auf subjektiven Eindrücken. Ggf. hätte ich das nicht so absolut formulieren sollen.
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ARS/OSR oder Storytelling lässt sich im Übrigen problemlos innerhalb der Forge-Logik verorten. Das sind ja auch keine Theorien, sondern Spielstile.

Das meine ich nicht. Ich meine die Communities der Fans dieser Spielstile, die eine eigene Sprache entwickelt haben und wohl auch sowas wie Theorien. Warum GNS sich am ehesten (im Tanelorn) verbreitet hat, liegt IMO daran, dass die eben am ehesten Ankmüpfungspunkte schaffen konnten.

Ich war z.B. immer im Tanelorn, weil mir die Art sich über Spiele zu unterhalten (das inkludiert GNS) eben mehr zugesagt hat, als der Stil bei den Blutschwerten, im DSA4-Forum oder bei Settembrini. Das GroFafo/Tanelorn hat halt Leute angezogen, mit denen ich mich eher auf einer Wellenlange empfand. Und da hat der Theorietalk sicher auch was damit zu tun gehabt.

Oder im Englischen: wer theforge nicht mochte, konnte ja auch zur RPGsite gehen oder sowas, und sich drüber aufregen, welche "entarteten Spiele der Zeitgeist produziert". Auch eine Form von Theorie.  >;D

« Letzte Änderung: 26.04.2018 | 20:35 von tartex »
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Das meine ich nicht. Ich meine die Communities der Fans dieser Spielstile, die eine eigene Sprache entwickelt haben und wohl auch sowas wie Theorien. Warum GNS sich am ehesten (im Tanelorn) verbreitet hat, liegt IMO daran, dass die eben am ehesten Ankmüpfungspunkte schaffen konnten.

Naja. GNS spricht halt mit ihrem Allgemeingültigkeitsanspruch potenziell jeden an. Auf der anderen Seite ist glaube ich nicht etwa GNS hier auf eine dafür offene Community gestoßen, sondern die Community hat sich hier gebildet, weil ein paar Hansel über GNS referiert haben, und Leute, die sich dafür interessiert haben, ab Erreichen einer kritischen Masse automatisch durch google hierher geführt wurden.
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