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Autor Thema: Spielleiten ohne Vorbereitung bzw. Vorbereitung vor Ort?  (Gelesen 766 mal)

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Offline sofeenhaft

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Liebe Community,

ich leite nun seit bisschen mehr als 10 Jahren fast durchgehend etwa im Wochen bis 2-Wochen-Rhythmus. Von angepassten Kaufabenteuern, über dreisten TV-Serien-Klau, viel eigenes Zeugs (nicht immer das Beste) durch die unterschiedlichsten Systeme (vll. jahreweise ein bissl ADHS dabei) meistens aber Chroniken oder Kampagnen oder wie auch immer die zwischen 10 bis max. 30 Spielabende gingen. Tendenziell werden die Kampagnen aber mit den Jahren immer länger (bei gleichbleibender Dauer der Spielsitzungen, ca. 6 Stunden im Mittel).

Nun war ich nie der große Fan von Vorbereitung, hatte aber natürlich Namenslisten oder auch mal div. Random Tables gespeichert (leite mit Laptop am Spieltisch), mir Notizen gemacht (anfangs Evernote über Scrivener über über über bis hin zu OneNote aktuell). Letztlich schau ich da aber nie wirklich rein. Meistens blas ich alles an Vorbereitung nach 5 Minuten in den Wind bzw. bin ganz froh darüber. Zwischendurch habe ich dann so Experimente mit der Gruppe gestartet beispielweise das alle am Ende des Spielabends offene Fragen (die sie auch wirklich interessieren) benennen und ich darauf meine Vorbereitung wieder weiterspinne (meistens dann aber eh nur gedanklich). Das klappt eigentlich ganz gut. Ich weiß dann eben die ganze Woche schon welche Fragen ich zu beantworten habe und das auf eine hoffentlich spannende Weise.

Das ist mir manchmal aber zu wenig und ich hätte gerne am Anfang eines Spielabends auch irgendwie sowas wie "Kreativinputs". Zum Teil habe ich das so gemacht, dass ich offene Fragen die ich einfach nicht gut beantworten konnte / wollte zu Anfangs in die RUnde zurückgespielt habe und den Spieler die Narration überlassen habe und der Spieler das dann in der Offtime seines Chars sozusagen retrospektiv aufgelöst hat. Reihum hat uns das auch ganz gut in die Stimmung für den Abend versetzt.

Jetzt weiß ich aber, dass da draußen einen Haufen erfahrener Spieler, Spielleiter, RP-Theoretiker usw. sind - vll. verratet ihr mir ja Eure Vorgehensweisen?
Wie leitet ihr mit wenig bis keiner Vorbereitung, bei durchaus hohem Playerempowerment?
Meine Spieler sind im Prinzip für alles "offen" - die sind flexibel - da muss ich quasi kaum Rücksicht nehmen - außer, dass wir alle ganz gerne zwischen den Spielabenden nicht unbedingt "fürs Spiel" was tun :-) (mittlerweile)

Danke schonmal, bin gespannt

Offline rillenmanni

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Re: Spielleiten ohne Vorbereitung bzw. Vorbereitung vor Ort?
« Antwort #1 am: 9.10.2018 | 13:52 »
Das ist auf jeden Fall schon einmal ziemlich souverän von Dir umgesetzt, möchte ich mal anerkennend sagen. :d
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Offline Wanderer

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Re: Spielleiten ohne Vorbereitung bzw. Vorbereitung vor Ort?
« Antwort #2 am: 9.10.2018 | 14:28 »
Hallo sofeenhaft,

Dein Eröffnungsbeitrag könnte fast von mir sein, ich mache das bzw. leite im Prinzip wie Du.
Genau wie bei Dir funktioniert das bei uns eigentlich ganz gut.

Im Detail mache ein ein paar Kleinigkeiten anders.
Was ich immer habe, und was ich vor dem Beginn einer/der Kampagne gemacht habe, ist den Kernplot mit den allernötigsten storyrelevanten Ereignissen und NSCs aufzuschreiben.
Das sind dann so in etwa 5-10 Din-A4-Seiten, in denen Hintergrundstory, ein paar Zwischenpunkte, kurze Beschreibungen der Haupt-NSC, deren Motivationen und das ungefähre Ziel bzw. Richtung der Geschichte aufgeführt sind.

Vor den Spieleabenden mache ich das ansonsten wie Du, werfe zusätzliche Vorbereitung oft über Bord und improvisiere anhand der Spielerentscheidungen im Zusammenspiel mit dem Kernplot.

Inputs und Austausch mit den Spielern mache ich ähnlich wie Du.
Wir resümieren zu Beginn einer neuen Spielsitzung was zuletzt geschah, und betonen nochmal lose oder angefangene Ereignisstränge vom letzten Mal.
Manchmal greife ich als SL bewusst dann auch noch mal offene Fragen der Spieler auf, um sie wieder in's Gedächtnis zu rufen.

Das funktioniert soweit eigentlich gut.

Aaaaaaber... so wirklich rundum zufrieden bin ich damit auch nicht.
Vielleicht nicht aus denselben Gründen wie bei Dir, aber vielleicht taugt Dir das Folgende trotzdem als Input:

Ich habe nach langer irgendwie unterschwelliger Unzufriedenheit langsam eine Idee bekommen, was mich als SL unzufrieden macht.
Wenn ich eigene Regelsysteme schreibe oder fertige Systeme lese, dann habe ich eine klare Vorliebe für komplexe (aber im Kern unkomplizierte) simulationistische Systeme.
Ich habe aber mehr und mehr die Ahnung, dass mir als SL bei meinem stark improvisierten Stil zu leiten eigentlich eher weniger komplexe und weniger simulationistische Systeme liegen könnten. Und dass sich dies dann "runder" anfühlen würde.
Probiert habe ich es bisher noch nicht, möchte das aber demnächst mal bewusst mit ein paar One-Shots testen.

Kurzum: Ich habe die (bisher nicht überprüfte) Vermutung, dass ich zu meinem Leitstil eigentlich ein besser geeignetes System bräuchte, und das meine unterschwellige Unzufriedenheit daher rührt.

Wanderer

Offline Hotzenplot

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Re: Spielleiten ohne Vorbereitung bzw. Vorbereitung vor Ort?
« Antwort #3 am: 9.10.2018 | 14:44 »
Ich finde es gut, dass du persönliche Vorgehensweisen abfragst, denn die eine perfekte Lösung gibt es bekanntlich nicht.  :d

Meine Vorbereitung sieht ungefähr so aus (egal, ob es gekaufte und veränderte oder selbst erdachte Kampagnen sind):

Von der Grundidee bis zur Rahmenbildung (pro Kampagnenabschnitt)
Ich habe eine aus der Vorlage sowie mit den Spielern aufgrund derer SC entwickelte Idee und baue diese zu einer Kampagne aus oder ich baue die Vorlage entsprechend um. In dieser Phase fällt zeitmäßig die meiste Arbeit an. Hier lese ich Material, lege mir Stichwortlisten an, baue NSC, Szenen und Schauplätze aus und so weiter. Mengenmäßig macht das ungefähr 50% der gesamten Arbeit aus. Da ich zurzeit mit DSA offizielle Kampagnen leite, macht das Lesen des Materials relativ viel aus. Das kann man anhand dieses Posts ganz gut sehen (unter "Lektüre", das dürften allein an die 1000 Seiten gewesen sein).

Spieltagsvorbereitung
Die einzelnen Spieltagsvorbereitungen sind dann nicht mehr so aufwändig. Aus dem letzten Spieltag haben sich Konsequenzen ergeben, die narrativ oder simulationistisch umgesetzt werden. Hört sich jetzt schrecklich hochtrabend an, aber im Grunde heißt das ja nur, dass die Tochter von Baron von Pümpel tierisch sauer ist, dass die SC ihren Vater gemeuchelt haben und entsprechende Rachepläne ausheckt.
Die grob gezeichneten NSC, Szenen und Schauplätze werden für die Spieltage gegebenenfalls noch mal verfeinert.

Je nach dem, wie die Spieltage laufen, habe ich oft wenig bis gar nichts an Vorbereitung mehr zu tun.

Während eines Spieltages improvisiere ich relativ viel. Ich habe z. b. meine Alternativhandlung zum vorletzten Kampagnenabschnitt eigentlich komplett improvisiert und die SpielerInnen einfach machen lassen (wir spielen mit für DSA untypischem Player Empowerment). Mein eigenes Erzählrecht benutze ich meistens dafür, um den Hintergrundplot der Kampagne relevant zu halten. Klappt ganz gut.
« Letzte Änderung: 9.10.2018 | 14:47 von Hotzenplot »
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Mein größenwahnsinniges Projekt - Eine DSA-Großkampagne mit einem Haufen alter Abenteuer bis zur Borbaradkampagne:
http://www.tanelorn.net/index.php?topic=91369.msg1896523#msg1896523

Ich habe die G7 in 10 Stunden geleitet! Ich habe Zeugen dafür!

Offline Sphinx

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Re: Spielleiten ohne Vorbereitung bzw. Vorbereitung vor Ort?
« Antwort #4 am: 9.10.2018 | 17:19 »
Ich nutzte die aktuelle Methode von SlyFlourish http://slyflourish.com/returnofthelazydm/
Heißt ich überlege etwas was kommt beim nächsten Spieltag und mache mir dann Notizen nach seiner Vorgabe:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Fertig sieht das für mich dann etwa so aus. Ich fülle nur aus was gerade für mich wichtig ist:

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Im Endeffekt ist es nur ein Leitfaden für mich. Denn das Schreiben dieser kleinen Stichpunkte bringt mich dazu über das kommende Spiel nachzudenken. Und es gibt Sachen die ich einfach nicht gut Improvisieren kann am Tisch wie eben die Geheimnisse oder Gegner. Der Vorteil ist ja man ist erheblich freier, steckt man 2 Stunden in die Vorbereitung einer Scene fällt es einfach schwer sie fallen zu lassen weil die Spieler einen anderen Weg als gedacht einschlagen. Also versucht man es noch irgendwie hinzubiegen. Mit dem wenig vorbereiten...tja kein Problem sucht euch einen Weg der euch gefällt.

Ganz ohne sich wenigstens ein paar Gedanken gemacht zu haben wir man ohnehin wohl nie sein, selbst wenn es nur auf dem Weg zum Spielabend ist und überlegt. Der eine kommt halt mit mehr oder weniger aus. Generell würde ich aber schon sagen das Improvisieren können etwas ist was man lernen kann, wie oft ist der Anfang schwer und es wird immer leichter je öfter man es macht. Hab extra mal einen Kurs fürs Improv Theater besucht und da merkt man wie wenig man braucht um schnell eine Story aus dem nichts zu entwickeln.
« Letzte Änderung: 9.10.2018 | 17:28 von Sphinx »

Offline Shao-Mo

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Re: Spielleiten ohne Vorbereitung bzw. Vorbereitung vor Ort?
« Antwort #5 am: 9.10.2018 | 23:01 »
Also ich finde ganz ohne Vorbereitung zu meistern schon ganz cool und bewundere den, der es kann. Ist aber nicht meines.

Der Hauptplot muss schon vorher stehen, inkl. Beweggründe der Hauptfiguren und was passiert bevor die Spieler dazu kommen und was würde passieren ohne sie. Ansonsten kann ich die Nacht vorher nicht ruhig schlafen.  :-[

Ansonsten spiele ich gerne mit den Sorgen und Ängsten der Spieler, um Kreative Ideen zu erhalten (ist fies, aber so bekommt jeder Spieler seinen Teil ab und ich muss weniger vorbereiten).
Du kennst deine Spieler persönlich? Du weißt welchen Charaktertypen sie spielen? Nutz es aus. Einige Spieler können nicht anders IT oder OT (z.B. Beschützerinstinkt).
Daraus folgend findet der Spieler sich selbst in den Plot eingebunden.

Allerdings, je mehr Spieler desto schwieriger wird es... und wenn man alles gleichzeitig verwendet, wird es richtig abgedreht.


Etwas aktuelles
Ich habe fürs letzte Mal in den GruppenChat gefragt, was sie gerne hätten. Die Spieler haben es eher als lustige Frage / nicht ernsthafte Frage gesehen.
Ich habe dann gemeint "Die Wahl wurde getroffen" - analog zu Ghostbuster 1 - wenn ihr das kennt.

Was wurde so geschrieben (ein Auszug):
  • "Super Spannend und actionreich, mit vielen Kämpfen"
  • "Das klingt irgendwie nach Gemetzel ... Angst"
  • "Oh ja Gemetzel, in Blut waten"
  • "Droiden an die Macht!"
  • "Blaue Rodianer sind eh die Besten"

.. Sie haben genau das bekommen: Viel Kämpfe, Gemetzel, Angst, Droiden, Blaue Rodianer. Ich habe es am Spielabend dann nach und nach abgehakt.
Funktioniert beim nächsten Mal vielleicht nicht nochmal... aber hey. Who knows.
AND WHAT HAVE WE GOT ON THIS THING, A *CUISINART*?

Offline sofeenhaft

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Re: Spielleiten ohne Vorbereitung bzw. Vorbereitung vor Ort?
« Antwort #6 am: 10.10.2018 | 15:21 »
Danke für die zahlreichen Rückmeldungen. Vielleicht war - ganz ohne Vorbereitung, ein bisschen überzogen. So einen groben Meta- oder Masterplot habe ich wohl und vielfach habe ich auch eine relativ gute Idee wie die Welt usw. funktioniert, was möglich ist und was nicht. Der Rest ist aber dann schon schwer vorzubereiten, weil ich zwar viele Ideen habe - oft eben "auf dem Weg zur Spielsitzung", wenn ich im Auto sitze oder im Büro mal ein bisschen abschweife, manchmal notiere ich sie mir sogar, meistens aber nicht, vieles geht sicher leider auch verloren.

Meistens generiert die Gruppe am Ende eines Spielabends 5-15 "offene Fragen", 2-3 "Highlights" (Szenen oder Momente die ihnen besonders gefallen haben), das führen die Spieler in einem Discord-Channel mit div. #Textkanälen: "infos, rules, chronic, offene-fragen, highlights, monster-manual (hier posten sie oft irgendwelche Wikilinks die sie cool finden), playlist (hier posten sie Songs die sie gerne für ihren Char hätten oder auf NSCs passen)" und dann hat halt noch jeder Char seinen eigenen Textkanal wo er Charbilder, Themesongs reintut oder mal Fragen beantwortetet die ich zum "Reinkommen" hin und wieder stelle - das kann jetzt von "Was ist Deine Lieblingsfarbe und warum?" bis zu "Was war Deine größte Enttäuschung?" alles sein.

Für NSCs haben wir "Magic-Karten" (also im Stile des TCGs) wo Name, ein Charbild, eine kurze Beschreibung und eine "Wie ist der Char zu spielen ..." in Stichworten auf der Rückseite steht, wenn den mal wer übernimmt. Powers und so Zeug haben sie auch auf Magic-Karten - das übernimmt alles zum Glück auch ein Spieler - was echt praktisch ist.

Achja hin und wieder wenn ich im Flow anstehe und das Gefühl habe das Pacing schläft mir ein oder es ist alles zu berechenbar, arbeite ich dann mit so komplett Immersions-Brüchen :) und bitte jeden auf einen Zettel zu schreiben was nun gleich sehr unerwartetes passieren wird, das gibt mir dann meistens gleich irgendwie ein paar Inputs und ich mixe wild durch das am Ende doch irgendwie was tatsächlich Unerwartetes rauskommt ... größtes Problem bleibt aber: die Vorbereitung vor der jeweiligen Spielsitzung, so eine Art "Zielformulierung" - ich dachte da an irgendeine Form von haptischen Sticky-Note-System mit unterschiedlichen Post-It Farben - keine Ahnung was ich eigentlich genau suche ... aber da war jdf. schon inspirativ einiges Fantastisches bei Euren Rückmeldungen dabei- Danke dafür!!

Habt Ihr Klassiker des "Vorbereitens"? Also ich meine Dinge wie Random Namenlisten die man ja quasi gleich für 10 Abende vorbereiten kann bis alle Namen benutzt wurden? Gibts da noch sowas in die Richtung was ihr im Ärmel habt?

Danke wie immer,
lG

Offline Boba Fett (away)

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Re: Spielleiten ohne Vorbereitung bzw. Vorbereitung vor Ort?
« Antwort #7 am: 10.10.2018 | 15:55 »
Wie leitet ihr mit wenig bis keiner Vorbereitung, bei durchaus hohem Playerempowerment?

Ganz ohne Vorbereitung geht es nicht.
Es geht aber mit möglichst wenig individueller Vorbereitung.

Was meine ich damit?
Individuelle Vorbereitung bedeutet für mich die Vorbereitung, die man unmittelbar vor der Spielsitzung macht, um "das Abenteuer" vorzubereiten.
Die kann man reduzieren, vielleicht sogar fast eliminieren.
Inzwischen sieht die bei mir so aus: Überlege Dir einen Adventure Hook und denk dir ein paar beteiligte Personen, deren Motivationen und ein paar nette Orte / Events auf.

Leiche im Hafenbecken, Pastor, Bordellbesitzerin, Feuerwehrhauptmann, Musikfestival, Schiffswerft - hab ich mir gerade aus dem Finger gesaugt...
Und, schon eine Idee für ein Abenteuer?

So, welche Vorbereitung braucht es denn?
Ganz einfach: Kenne das Setting (möglichst gut)!

Improvisation ist einfach, wenn man sich auskennt und weiß, was sich plausibel und was sich unplausibel anhört.
Die Leiche im Hafenbecken - wenn die sich im Fischereihafen von Bremerhaven befindet, dann ist so ein bärbeißiger Norddeutscher Fischer mit plattdeutschem Slang im Ostfriesennerz (gelbe Regenjacke) plausibel.
Wenn die Leiche im Hafen von Madrid rumdümpelt, dann macht zum einen der norddeutsche Fischer dort eine sehr suspekte Figur. Insbesondere, weil Madrid mitten in Spanien liegt und wohl gar keinen Hafen hat...

Will sagen: Je besser Du den zu bespielenden Ort kennst, desto einfacher hast Du es, etwas zu improvisieren, was sich für die Spieler echt anfühlt.
Und da lohnt sich "Vorbereitung" - die ich eher "Einarbeitung" nennen würde. Dementsprechend lese ich inzwischen das Settingbeschreibung, die Stadtbeschreibung oder dergleichen immer mal wieder, um noch mal getriggert zu werden. Und für ungewöhnliche Orte nutze ich dann auch Namenslisten, oder Listen von typischen Örtlichkeiten einer Stadt mit kurzem Stichworten...
Je mehr ich mit der Örtlichkeit vertraut bin, desto weniger brauche ich das.
Das gilt im übrigen auch für die Spieler. Je mehr die mit der Welt vertraut sind, desto mehr Spaß haben die daran, wenn sie etwas wahrnehmen, dass sich nach "für die Region plausibel" anfühlt.
Und desto plausibler können die ihr Player-Empowerment gestalten.

Und, wo Du es oben erwähntest: System-ADS (also rumhoppen von einem Spielsystem zum nächsten) ist da natürlich der echte Dämpfer. Und genau deswegen sind die DSA Spieler so im Vorteil. Wenn da einer "Havena" sagt, wissen alle, was los ist.
« Letzte Änderung: 10.10.2018 | 16:02 von Boba Fett »
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Offline KhornedBeef

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Re: Spielleiten ohne Vorbereitung bzw. Vorbereitung vor Ort?
« Antwort #8 am: 10.10.2018 | 16:21 »
Ersetze "DSA" durch "lange gespieltes Setting" , nach meiner Erfahrung. Ist aber natürlich wichtig zum improvisieren.

Unterm Strich würde ich auch sagen, kommt drauf an, was ich mir von der Handlung erwarte, genanntes Stichwort: Geheimnisse , und Konsistenz. Wenn morgen egal ist, was gestern passiert war, ist das ja auch einfacher, als wenn ich zunehmend mehr bekannte NPCs verwalten muss. Völlig improvisieren könnte ich wohl nur Sachen, die mich nicht interessieren.
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Offline Arldwulf

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Re: Spielleiten ohne Vorbereitung bzw. Vorbereitung vor Ort?
« Antwort #9 am: 10.10.2018 | 16:24 »
Spontan leiten mache ich eigentlich noch relativ häufig.

Aus meiner Sicht ist dabei vor allem wichtig so viel Hilfe wie man kriegen kann vom System anzunehmen. Die Regelwerke sind Werkzeuge, und je eher du diese beherrscht und mit dir mitnimmst umso spontaner lässt sich auch etwas neues damit erschaffen.

Sehr wichtig ist dafür auch, das das Regelwerk gut ausbalanciert ist - und die Spieler ruhig ein wenig rütteln und wackeln und sich über den Rand lehnen dürfen per Player Empowerment ohne dadurch gleich den Turm auf dem sie stehen umzuschmeißen.

Dies ist auch wichtig, weil du durch gutes Balancing viel leichter einschätzen kannst wie schwer oder leicht etwas sein soll und ob eine kreative Idee von irgendwem (gerade wenn diese etwas in die Welt hineinbringen soll an das du noch gar nicht vorher gedacht hast) passend ist.

Also grob gesagt: Ein gutes Regelwerk zu nutzen macht spontanes Leiten viel leichter.

Der größte Feind der Imprivisation ist die Angst etwas kaputt zu machen. Weil die durchaus berechtigt ist. Gute Regelwerke helfen dabei zu improvisieren und sich etwas aus dem Stand heraus auszudenken ohne dabei in diese Gefahr reinzulaufen.


Offline Boba Fett (away)

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Re: Spielleiten ohne Vorbereitung bzw. Vorbereitung vor Ort?
« Antwort #10 am: 10.10.2018 | 16:31 »
genanntes Stichwort: Geheimnisse , und Konsistenz. Wenn morgen egal ist, was gestern passiert war, ist das ja auch einfacher, als wenn ich zunehmend mehr bekannte NPCs verwalten muss. Völlig improvisieren könnte ich wohl nur Sachen, die mich nicht interessieren.

Naja, da sehe ich eigentlich keine großen Schwierigkeiten, denn das notiert man sich stichwort-artig während des Spiels, bringt es nach dem Spiel vielleicht noch mal ins Reine.
Und mit ein bisschen Gedächtnis und diesen Notizen hat man doch meistens die notwendige Konsistenz in der Handlung...
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Offline Crimson King

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Re: Spielleiten ohne Vorbereitung bzw. Vorbereitung vor Ort?
« Antwort #11 am: 10.10.2018 | 17:42 »
Ich bereite üblicherweise Ausgangssituationen vor, auf denen ich dann improvisiere. Ausgangssituationen beziehen sich auf NSCs, deren Motivationen und deren Beziehungen sowohl untereinander als auch gegenüber den Spielercharakteren, sowie relevante Orte. Das bespielte Setting sollte einem dabei generell im ausreichenen Maße bekannt sein. Auch die Spielercharaktere sind vorab bekannt, so dass ich deren Backgrounds organisch in den Hintergrund einweben kann.

Auf Basis einer solchen Vorbereitung kann ich üblicherweise sehr lange improvisieren. Erspielte Ereignisse, während des Spiels hinzuimprovisierte Orte und Personen erhalten zwischen den Spielsitzungen nach Bedarf ein bisschen Dokumentation, so dass die Ausgangssituation beständig verändert und erweitert wird.

Ich habe auch schon praktisch ohne konkrete Vorbereitung geleitet und mir von den Spielern zu Spielbeginn Inspirationen für improvisierte NSCs und Orte geben lassen. Dazu habe ich üblicherweise einfach zwei Fragen gestellt, wovon Frage 1 darauf abzielte, warum die Spielercharaktere an einem bestimmten Ort sind, und Frage 2, warum sie in Konflikt zu einem bestimmten NSC stehen. Das definiert zum einen aus, dass die Gruppe nicht zusammen geführt werden muss, da sich zum einen alle am gleichen Ort befinden und zum anderen alle eine gemeinsame Motivation haben. Dieses Vorgehen verwende ich allerdings ausschließlich für One Shots ohne Vorbereitungszeit. Für Kampagnenspiel will ich definitiv eine Grundlage mit mehr Substanz haben.
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Offline Sphinx

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Re: Spielleiten ohne Vorbereitung bzw. Vorbereitung vor Ort?
« Antwort #12 am: 11.10.2018 | 09:12 »
Naja, da sehe ich eigentlich keine großen Schwierigkeiten, denn das notiert man sich stichwort-artig während des Spiels, bringt es nach dem Spiel vielleicht noch mal ins Reine.
Und mit ein bisschen Gedächtnis und diesen Notizen hat man doch meistens die notwendige Konsistenz in der Handlung...

Genau das. Wobei ich immer noch keine Weg für mich gefunden hab diese Notizen zu verwalten. Hab schon Programme wie Realmworks und Co. versucht...irgendwie ist alles noch nicht so richtig was ich möchte.
Aber was ich noch hinzufügen möchte ist, das vieles den Spielern auch egal ist...sprich wieder vergessen wird. Ein NPC den man selbst super cool fand wurde evtl. von den Spielern schon am nächsten Spieltag vergessen. Zu viele Sachen für die Ewigkeit zu Archivieren braucht es meiner persönlichen Erfahrung nach also nicht.

Offline Derjayger

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Re: Spielleiten ohne Vorbereitung bzw. Vorbereitung vor Ort?
« Antwort #13 am: 13.10.2018 | 20:27 »
Genau das. Wobei ich immer noch keine Weg für mich gefunden hab diese Notizen zu verwalten. Hab schon Programme wie Realmworks und Co. versucht...irgendwie ist alles noch nicht so richtig was ich möchte.

Geht mir gerade genauso.
Kannst du genauer beschreiben, was du von so einem Proggi erwartest? Z.B. die Kategorien die es bieten soll, um deine Notizen zu sortieren.
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Offline Sphinx

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Re: Spielleiten ohne Vorbereitung bzw. Vorbereitung vor Ort?
« Antwort #14 am: 13.10.2018 | 21:14 »
Geht mir gerade genauso.
Kannst du genauer beschreiben, was du von so einem Proggi erwartest? Z.B. die Kategorien die es bieten soll, um deine Notizen zu sortieren.
Wenn ich das nur wüsste könnte ich es gezielter suchen :)
Aktuell versuche ich es mit Visual Understanding Environment zu Sortieren. Im Prinzip eine Art Mindmap/Baumstrukur nur das man Externe Dateien verknüpfen kann. Jetzt versuche ich dort NPCs anzulegen und wenn es mehr gibt bekommt der eine link zu ner Textdatei mit mehr Infos. So hab ich dann wenigstens Grafisch direkt die Beziehungen der Objekte zueinander.

Offline KhornedBeef

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Re: Spielleiten ohne Vorbereitung bzw. Vorbereitung vor Ort?
« Antwort #15 am: 13.10.2018 | 21:45 »
Wenn ich das nur wüsste könnte ich es gezielter suchen :)
Aktuell versuche ich es mit Visual Understanding Environment zu Sortieren. Im Prinzip eine Art Mindmap/Baumstrukur nur das man Externe Dateien verknüpfen kann. Jetzt versuche ich dort NPCs anzulegen und wenn es mehr gibt bekommt der eine link zu ner Textdatei mit mehr Infos. So hab ich dann wenigstens Grafisch direkt die Beziehungen der Objekte zueinander.
Oh cool, das VUE hatte ich auch mal gefunden. Ist Graphisch etwas eingeschränkt (frei wählbare Symbole zum Taggen wären nett), aber macht ne Menge gut. Und du kannst es automatisch als Bildschirmpräsentation ausgeben lassen :)
BTW das hatte ich in nem anderen Thread (Irgendwas mit "Kampagnenverwaltung" glaube ich ) auch schon mal gepostet, darüber müsste man den wiederfinden. Ist sicher informativ, da kam alles mögliche raus.
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Offline Maarzan

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Re: Spielleiten ohne Vorbereitung bzw. Vorbereitung vor Ort?
« Antwort #16 am: 13.10.2018 | 21:49 »
Als das mit der möglichen Vorbereitungszeit enger wurde, hatte ich eine kleine Anzahl Gegenden, die ich jedes Mal verwendet habe und daher kannte. Und wenn man die Finger von epischen Weltuntergangsszenarien weglässt, dann kann man die auch wiederverwenden, bzw. es kommen nur relativ kleine Änderungen bei raus, welche dann auch für die nächste Runde zeigt, da lebt etwas.
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Offline sofeenhaft

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Re: Spielleiten ohne Vorbereitung bzw. Vorbereitung vor Ort?
« Antwort #17 am: 14.10.2018 | 14:35 »
Wenn ich das nur wüsste könnte ich es gezielter suchen :)
Aktuell versuche ich es mit Visual Understanding Environment zu Sortieren. Im Prinzip eine Art Mindmap/Baumstrukur nur das man Externe Dateien verknüpfen kann. Jetzt versuche ich dort NPCs anzulegen und wenn es mehr gibt bekommt der eine link zu ner Textdatei mit mehr Infos. So hab ich dann wenigstens Grafisch direkt die Beziehungen der Objekte zueinander.

Ja das habe ich irgendwie auch schon alles durch :-) das und Vieles, vieles mehr: The Keep, Realmworks, Evernote, Scrivener, div. Onlineportale wie Obsidianportal usw.
ich komme irgendwie immer wieder zu Microsoft OneNote zurück - scheint mir am meisten zu liegen,
einzig die Form des Sortierens (also welche Tabs sinnvoll sind von der Ordnung her) habe ich noch nicht so ganz zufriedenstellend ...

Letztlich ist es eh ein bisschen wie mit Spickzettel schreiben, ... es ist wichtig etwas zu notieren, aber nachschauen muss man eh nie wirklich habe ich so das Gefühl.