Autor Thema: Alte Kampagne nach 20 Jahren Rollenspielpause fortführen  (Gelesen 24159 mal)

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Offline Zed

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Re: Alte Kampagne nach 20 Jahren Rollenspielpause fortführen
« Antwort #175 am: 7.08.2026 | 15:59 »
Ja, Namo, es ist richtig, dass Du mir die Unterschiede unserer beiden Kampagnen noch einmal in Erinnerung rufst. Eigentlich - so hatte ich jetzt auch noch einmal nachgelesen - hatte ich das ja auf der ersten Seite dieses Threads Anfang 2025 schon mal verstanden. Aber dann - wohl wegen anderer Ähnlichkeiten - wieder vergessen.

Ja, Du fährst stärker auf ein Ziel hin als ich. In dem Fall liegt es auf der Hand, mehr vorzudenken, vorzuplanen als ich es tue. In diesem Licht wirken alle Deine Vorbereitungen pragmatisch, zielgerichtet, nützlich und völlig angemessen.

Kampagnenanker - ganz genau, die gibt es bei mir. Sie können sich war auch verändern, verlagern oder sogar verschwinden, aber diese paar "Fix"punkte geben mir die Sicherheit, die ich/wir zum frei Surfen/Improvisieren brauchen. Guter Begriff.

Ich bin in unserer Kampagne wirklich freier: Ob sie noch 10 Spieltage dauert oder 50, das weiß ich nicht. Ich weiß nicht, wie sie ausgeht. Ich weiß noch nicht, wie es danach weitergeht. Der letzte Kampagnenanker, den ich noch im Kopf habe (alle anderen haben wir ausgespielt), ist "für alle Fälle" eine Situation nach einem TPK in den kommenden Endschlachten. Um ehrlich zu sein, ist dieser Anker in meinem Kopf doch schon in ihrem Einstieg eine Szene, die sich dann aber öffnet zu "wasweißich".  :)

Offline Namo

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Re: Alte Kampagne nach 20 Jahren Rollenspielpause fortführen
« Antwort #176 am: Gestern um 11:59 »
Es ist mal wieder Zeit für ein paar Gedanken in Hinblick auf so einen Abenteuerverlauf und seine Nachwirkungen.

Inzwischen liegt unser 30. Abend und der Beginn unseres 14. Abenteuers zurück. Für sich schon ein Meilenstein für unser Projekt, dass inzwischen zu einem Teil unseres Lebens geworden ist. Gerade letzteres ist eine schöne Erkenntnis des letzten Abends. Da haben wir quasi bis Jahresende schon 5 Folgespieltermine fix gemacht. Zuerst dachte ich zwar "Mist, was hast du da angerichtet? Das bedeutet 5 Abende vorbereiten! Stresst mich eventuell etwas!" Dann kam aber eher der gegenteilige Gedanke: Krass, da hat sich jetzt jeder bis inklusive Dezember trotz dem ganzen Familien/Arbeitszirkus den er hat 5 Tage für unsere Runde geblockt. Das ist schon irgendwie echt toll und zeigt auch wieviel Bock da jeder scheinbar noch immer drauf hat. Ich dachte ja eigentlich, dass das mit der Zeit bei dem ein oder anderen ausschleichen wird. Wenn ich aber das Murren am Tisch höre, wenn da mal 6 Wochen zwischen zwei Spielterminen liegen und eilig geschaut wird, ob man nicht doch einen anderen Termin finden kann, ist das eigentlich ein Kompliment an die Runde.

Und das, obwohl wir am letzten Abend mal wieder die üblichen Abenteuerbeginn "Probleme" hatten. Irgendwie ist der Start nicht in die Pötte gekommen und es gab wieder viel Exposition und Orientierung. Wie haben fast 5 Stunden gespielt und gefühlt ist nicht viel passiert. Wobei ich das überhaupt nicht schlimm fand. Ich mag eigentlich sehr gerne viele Kleinklein Szenen einzufügen um die Welt lebendig zu halten. Da noch ein kurzes Abschlussgespräch mit einem NSC nach dem Ende des letzten Abenteuers, da ein Gespräch mit einem NSC am Ort des neuen Abenteuers etc. Wenn ich schon aus Zeitgründen Reisen nicht groß ausspiele und daher auch keinerlei unnötigen Zufallsbegegnungen vorkommen um nicht noch mehr Zeit zu verschwenden, sind es ja gerade solche Szenen und Begegnungen, die die Welt aus meiner Sicht dennoch leben lassen. Und hier habe ich das Gefühl, dass den Spielern das manchmal zu langweilig ist, wenn es nicht direkt etwas mit den Charakteren oder Abenteuerziel zu tun hat.

Konkret hatten wir im letzten wie auch im aktuellen Abenteuer die Situation, dass die Gruppe herausfinden musste wo Charakter oder Ort XY ist. Hierzu gab es mehrere Rollenspielangebote. Gerade in einem Dorf, dass Ausgangspunkt für das nächste Abenteuer ist. Die Gruppe wusste nur, dass in dieser Region ein NSC im Verborgenen gefangen ist, den sie suchen mussten. Hierzu muss zunächst ja eigentlich etwas Recherche betrieben werden. Während da Wirte, örtliche Müller oder Fischer perfekte Ansprechpartner für wären, scheint den Spielern am liebsten zu sein, dass sie einfach gesagt bekommen wo sie als nächstes hin müssen. Also nicht groß Fluffrollenspiel mit einem örtlichen NSC. Sondern lieber: "Wir wollen nach B, wisst ihr wo das ist!" Vielleicht sogar noch in einer Montagenform, nach dem Motte: Wir gehen zum örtlichen Wirtshaus, stellen unsere Pferde unter so lange wir weg sind, lassen uns sagen, welcher Fischer uns ein Boot für die Fahrt überlassen kann und bezahlen diesen dann und sind jetzt auf dem Boot!" Kann sein, dass mir das nur so vorkommt. Aber das beschäftigt mich schon ein wenig muss ich zugeben.

Wobei es gar nicht mal so ist, dass sie nicht gerne Rollenspielen. Aber das auch eher zielgerichtet. Also da muss es um ihre Charaktere gehen oder direkt ein Dialog mit einem storyrelevanten NSC. Vielleicht muss ich das mal noch weiter beobachten und dann auch mal ansprechen. Ich habe für mich eben das Gefühl, wenn ich solche Szenen weglassen, fühlt es sich Computerrollenspielig an. "Gehe von A nach B, rede dort mit C, erfahre von D usw!" Natürlich ist es da im Kern immer irgendwie. Aber dennoch gehört das für mich als Atmosphäre dazu. Wobei wir uns da alle einig sind, dass wir auf Tavernenspiel oder eine ewige Einkaufssession ausspielen keine Lust haben. Das kostet nun wirklich zu viel Zeit und bringt niemanden einen Spielspaßmehrgewinn.

Allerdings was dann trotz 5 Stunden dadurch auch das Thema, dass wir wirklich überhaupt nicht in das Abenteuer rein gekommen sind bzw. wir mindestens 2 Stunden von dem von mir geplanten Endpunkt des Abends entfernt waren und somit nicht unbedingt einen tollen Schlusspunkt hatten. Außerdem wirft das nun auch meine zeitliche Planung für das Abenteuer bzw. die Abenteuerbeats durcheinander. Ich hatte grob eigentlich für 3 Abende geplant und 2 gut passende Schlusspunkte im Kopf. Nun sind diese eventuell total verschoben und ungünstig. Das stört mich enorm. Also den Makel werde ich wohl nie wegbekommen: Ein gutes Gefühl für die zu erwartende Spielzeit zu haben. Selbst wenn der Abend eigentlich relativ straight ist und wenig derailing Möglichkeiten bestehen.

Wobei wir in etwa der Mitte auch einen wirklich schönen Kampf hatten. Sie waren auf einem rauen, großen, See mit einem Schiffersboot unterwegs und wurden von einem Kraken angegriffen. Einmal der Atmosphäre wegen ("Der See will nicht seine Geheimnisse offenbaren und schickt seine Diener um euch zu vertreiben") und auch zum auflockern, da bis dahin kein Kampf oder nennenswerte Fertigkeitsprobe war. Und hier haben die Würfel die Szene überhaupt erst wieder interessant gemacht. Während Runde 1 eigentlich wirkte, als hätte ich mir den Kampf sparen können - die Spieler haben die Tentakel des armen Viehs dermaßen verdroschen-, wurde es plötzlich total verrückt und auch gefährlich. Das Vieh zog sich zunächst zurück um seine Benommenheit und damit Kampfunfähigkeit auszukurieren. Dann griff es voller Wut nochmal an. Und da ging es dann rund. Durch diverse kritische Würfelergebnisse sah es innerhalb von 2 Runden plötzlich so aus, dass der Magier seinen Stab verloren hatte und dieser am Bug des Schiffes lag, das Langschwert des Waldläufers in einem Tentakelarm feststeckte und noch schlimmer, der Waldläufer am Waffenarm gepackt wurde, seine Hand verstaucht war und das Wesen ihn über sein Maul hob mit dem er aus dem Wasser kam. In den folgenden Runden würde er ihn versuchen mit sehr starken Angriffswürfen zu fressen. Da zugleich noch der Fischer geschützt werden musste, konnte der Paladin sich auch nicht um alle gleichzeitig kümmern. Das Szenario war durch die Kampfläche des Bootes und des tiefen Sees plötzlich zu einer besonderen Herausforderung geworden. Am Ende haben sie es mit Müh und Not geschafft zu überleben, aber das Schwert des Waldläufers ging für immer verloren. Das hat mich als SL ziemlich gestört, ich hasse es Spielern irgendwelche Gegenstände weg zu nehmen. Allerdings war der Verlust doch nicht so groß wie sich später heraus stellte. Insgesamt fand ich die Szene dann auch als kleinen Höhepunkt des Abends, der uns allen noch mal vor Augen gehalten hat, das wir eben doch noch nicht an einem Punkt sind, an dem es kaum noch gefährliche Kämpfe gibt.

Witzigerweise habe ich kurz darauf noch einen zweiten Kampf eingebaut, der der Gruppe einfach zeigen sollte, wie stark sie inzwischen sind und daraus vielleicht auch Spaß machen sollte. Und der ist dann wegen der Würfel viel mehr wie erwartet in ihre Richtung gelaufen. So hat sich ein running gag verselbständigt und weiter bestätigt. In meiner Welt existieren humanoide Wassermonster die Flussschrecken genannt werden. Und da die bisherigen Begegnungen bisher durch aberwitzig gute Würfe immer sehr eindeutig zu Gunsten der Charaktere verliefen, nennen sie sich seither Flussschreckenschrecken. Jetzt griffen ein paar dieser Gestalten das Boot an. Einer wurde instant in Runde 1 vom Magier auf abscheulichste Art getötet (er hatte kritisch Treffer aus der Hölle gewürfelt), ein weiterer in der selben Runde genauso vom Waldläufer, der ja noch immer die verstauchte Hand und Abzüge auf seine Trefferwürfe hatte. Das hatte ihn aber nicht davon abgehalten sein Schwert mit der linken Hand durch die Rippen des Wesen geradewegs in dessen Schädel zu rammen und es auch instant zu killen. Ähnlich stark war der Angriff des Paladins, so dass die übrigen Wesen ihre Reaktionswürfe verloren und wieder flüchteten. Die Würfelergebnisse und ihre Geschichten sind ja aktuell ohnehin mein Thema.  ~;D

So liebes Tagebuch, jetzt habe ich mich wieder mal meiner Gedanken entlasten können, um sie später in Ruhe verarbeiten zu können. Erstaunlich wie sehr mich doch noch immer alles rund um die Runde und das Rollenspiel beschäftigt.