Ich würde Genesys und vielleicht Fantasy Age auflisten. Wobei FA irgendwo in der Mitte zwischen D&D und Daggerheart liegt.
13th Age kenne ich zu wenig, um es zu beurteilen.
Für D&D ist es mir zu Storytelling und zu wenig taktisch.
Mit Pathfinder oder Savage Worlds würde ich es erst gar nicht vergleichen wollen.
Meine persönliche Einschätzung:
Genau genommen nimmt Daggerheart die narrativen Komponenten, die viele D&D Runden bisher eher durch Handwedeln gelöst haben, um dramatische auf Charakter-Schicksale fokussierte Kampagnen zu realisieren (nicht selten abgeguckt von Critical Role oder anderen actual plays, die sich wiederum an CR orientiert haben) und packt diese in Spielregeln. Dabei sind diese Regelmechaniken eben an Systemen wie pbta und ähnlichem Story / personal Drama orientierten Systemen angelehnt, ohne sie komplett zu kopieren.
Zusätzlich vernachlässigt DH aber eben die Konfliktorientiertheit, die D&D ausmacht, nicht, sondern kombiniert die Regeln geschickt.
Daggerheart ist in meinen Augen genau richtig für Spielrunden, die sich irgendwo bei dem wiederfinden, was Critical Role (und andere, an CR orientierte actual plays) vorspielt. Personal Drama und Konflikte, bei denen die Charaktere als Mover & Shaker glänzen (und ggf. auch auf (eben) spektakuläre Weise scheitern) können.
Für Runden, die D&D auf klassische Weise spielen (taktisch, Lösungs- und Konfliktorientiert) und bei denen Charaktere hypothetisch austauschbar sind, weil der Fokus eben nicht auf deren individuellen Schicksalen liegt (sondern auf der Lösung der Aufgaben), ist es weniger geeignet, weil es eben vorraussetzt, dass man einen wesentlichen Teil der Charaktererschaffung und -Kampagnenhintergrundes auf die gespielten Rollen und deren Hintergründe auslegt.
Oder anders ausgedrückt:
Spielst Du D&D5 oder Pathfinder so, wie Du früher D&D3.x gespielt hast und profitierst Du bei D&D5 nur von der Verschlankung des Systems, dann bleib dabei.
Spielst Du seit Jahren Call of Cthulhu und es geht Dir mehr ums “who did it, how and why” und vielleicht ums schaurige Gruseln, dann bleib dabei.
Spielst Du seit Jahren DSA, Midgard, Harnmaster oder GURPS mit dem Fokus auf low level Realismus und bist happy damit, dann bleib dabei.
Spielst Du D&D5 so, wie Du es bei Mercer & Co. gesehen hast (oder vielleicht ganz früher bei Dragonlance und den ‘Drizzt do Urden’ Romanen kennengelernt hast), dann nimm Daggerheart.
Aber generell würde ich inzwischen immer raten: Sieh Dich nur nach einem neuen System um, wenn Du wirklich unzufrieden bist.
Es kann gute Gründe für einen Systemwechsel geben und machmal ist auch einfach die “Luft” raus, aber:
Die ewig währende Jagd nach dem perfekten System oder dem nächst big thing macht nicht glücklicher, als ein System, mit dem man zurechtkommt und vertraut ist, weiter zu spielen.
Deswegen: Wechsel nur mit guten Gründen das System!