Hírngar
auf dem Gang vor seiner Kammer in Hallwind
Hírngar nimmt Aeryns Angebot an, richtet sich langsam auf, er ist schwach. Ausgelaugt. Der Schrecken des Traums, der lebendige Alptraum der Gestalt vor seinem Bett, der Weinkrampf - es hat ihn einfach grundlegend erschöpft. Der Holzfäller spürt, wie eine große Anspannung von ihm abgefallen ist, als er geweint hatte und sich der Nähe und Wärme seiner Freundin hingegeben hatte.
Endlich angekommen. Ich habe endlich meinen Platz gefunden. Das Gefühl erwärmt ihn immer noch, dankbar greift er zur Suppe und setzt die Schale an. In der Kälte des aufziehenden Winters ist sie schon etwas abgekühlt, aber dennoch etwas zu heiß. Nur ein wenig. Hírngar setzt sie an, trinkt in kleinen Schlucken und genießt das Brennen in seinem Körper, das Gefühl, etwas anderes spüren zu können, als Kälte.
"Ich weiß nicht..." fängt er an. Hat es etwas mit dem Lied zu tun? Steht uns das Ende der Welt bevor? Er ringt nach Worte. Wie fühle ich mich eigentlich? Emotionen stürmen auf Hírngar ein, Gefühle, die er immer zurückgedrängt hatte. Die Sehnsucht, Miri zu finden, um sie nach Hause zu bringen. Die Spuren von Unsicherheit in der Gesellschaft seiner Begleiter. Der Traum eines Lebens aus den Legenden. Das Suchen nach Worten. Der Schmerz in seinen Knochen. Die Müdigkeit. Ich bin so müde.
Er fängt erneut an.
"Ich bin so müde, Aeryn." Eine kurze Pause. "Und ich habe Angst - vor dem, was ich gesehen habe... Aber auch vor dem, was wir finden werden." Alles muss raus, wir sind unter uns. Sie haben es verdient. Ich kann ihnen trauen. Er flüstert, hat Angst, dass fremde Ohren das hören könnten.
"Ich... ich habe Angst um Miri. Ich fühle mich ihr verbunden. Also, nicht so wie ihr jetzt meinen könntet - sie hat mich geöffnet, mich einfach angesprochen, mir Geschichten erzählt... Ich..." Hírngar beginnt zu stammeln, wieder überfordert, seine Gefühle für Miri in Worte zu gießen. "Es ist ungerecht, dass sie diesem Idioten zur Braut gegeben wurde, sie hat so viel besseres verdient und sie war so traurig. Und zurecht. Und ihr Vater hat sie an eine Familie mit Namen verkauft im letzten Winkel des Landes und weint bittere Tränen, die seine Schuld sind und nun ist sie vielleicht tot und dieses dreckige Schwein eines Bräutigams lebt und die Götter der Erde und der Dunkelheit seien mein Zeuge, ich werde..." Hírngar merkt, dass er sich in Rage redet, nimmt den Met und trinkt einen Schluck. Besser so.