Autor Thema: Schwierigkeitsgrad von Kämpfen und was Spieler wirklich möchten  (Gelesen 569 mal)

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Online Vinter

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Der Herausforderungsgrad der Kämpfe in meinen Runden ist zweitrangig. Vielmehr soll die Herausforderung innerhalb der Welt Sinn ergeben und nicht die Welt angepasst am Charakterlevel. Ich finde nichts nerviger als Kämpfe, die einzig und allein auf Spielbalance ausgelegt sind. Da reißt es mich aus der Immersion, wenn die durchschnittliche Stadtwache plötzlich Elitekämpfer der Stufe 9 sind. 
Allerdings haben die Handlungen der Charaktere Konsequenzen. Konsequenzen, die dann in tödlichen Herausforderungen enden können.
« Letzte Änderung: Heute um 17:10 von Vinter »

Online Zed

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Ähnliche Fragen habe ich mir letztes Jahr ja auch gestellt. Ich war betrübt, wie schnell mein Bossgegner umgemacht wurde. Die Spieler fanden es toll und nicht antiklimatisch.

Meine Gruppe hatte zuletzt eine ähnliche Erfahrung: Die Zielperson wurde in ihrer befestigten Heimstadt mit allen Mitteln über zwei Spieltage hinweg ausgekundschaftet (DnD 3.5; jetzt 20. Stufe) - dabei geschah ein unverhergesehenes, schönes Intermezzo mit einem ihrer Schergen, der dabei umgedreht wurde - und dann haben sie die Zielperson innerhalb einer Runde erledigt: Als er schlief, haben sie sich hinteleportiert und zugeschlagen. Vier magiebegabte Charaktere der 19.-20. Stufe: Das Ziel konnte nicht einmal "Piep" sagen.

Meine Gruppe war aufgrund des schnellen, guten Kampfausgangs erleichtert und zufrieden, nein: glücklich. Im Kampf davor waren  s i e  es, die überrascht worden waren, und da war der Ausgang auch knapper. Sie waren jetzt also zumindest sehr zufrieden, vielleicht empfanden sie ihre Sieg auch als eine Art "poetische Gerechtigkeit".

Es ist dabei hervorzuheben, dass wir ja nur selten spielen, vielleicht 5 Mal im Jahr. Bei solchen Selten-Spiel-Runden greifen andere psychologische Mechanismen als bei Runden, die einmal in der Woche spielen.

Letztere langweilen sich vielleicht schneller, sie trauen sich mehr zu und wollen mehr Abwechslung, sie fühlen sich wohl auch sicherer in der Beherrschung ihrer Zaubergrad-IX-Potentiale.

Ich glaube, meine Gruppe ist vor jedem Kampf gleich nervös, und sie nehmen sich gerne viel Spielzeit, um sich "jedes Mal neu" in das Offensivpotential ihrer SCs reinzufuchsen, weil sie relativ gesehen höchstens alle 6 Monate einen Kampf erleben (denn unsere Kämpfe ziehen sich selten über zwei Spieltage hinweg).

Online Alter Weißer Pottwal

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Immerhin hast du anscheinend Spieler, die sich selbst gegenüber ehrlich sind, was ihre Vorlieben angeht. Ich habe welche, die erst auf Nachfrage beteuern, dass sie die Kämpfe knackig schwer haben wollen, und wenn man ihnen dann diese liefert wird geweint.

Das meinte ich damit  ;)
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Online Namo

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Hier wäre es sicher spannend noch ein paar mehr Spielermeinungen zu hören. Irgendwie rätseln hier viele Spielleiter herum. >;D

Offline Megavolt

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TLDR: Warum überhaupt Kämpfe ausspielen wenn es wenig Risiko gibt und das Ergebnis klar ist?

In Systemen wie DSA gibt es keinen Grund, überhaupt einen Kampf auszuspielen.*

Das Rollenspielhobby verliert im Großen und Ganzen nichts Nennenswertes, wenn man die Kämpfe komplett streicht.

Wenn man gegen jede Einsicht partout kämpfen will, dann ist die Idealform von Kämpfen dann erreicht, wenn man sie wirklich verlieren kann, wenn sie relevant sind und wenn sie ultra schnell abgewickelt sind, denn diese drei Komponenten machen sie interessant.

Dies sehe ich in meiner Spielerfahrung ziemlich ideal realisiert bei DCC. Auch Savage Worlds ist ein guter Kandidat, auch wenn das System mittlerweile zugemüllt ist und einige alte Tugenden leider nicht mehr pflegt.

*und sorry, steinigt mich halt, aber auch bei DnD ist es doch im Prinzip das Gleiche in Grün. Vielleicht spielt ihr ein anderes DnD als ich, aber ich stecke gerade tief in Chult und die Kämpferei ist aus mehreren Blickwinkeln doch einfach nur unnütz vertane Zeit.
« Letzte Änderung: Heute um 18:32 von Megavolt »

Online Namo

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Das Rollenspielhobby verliert im Großen und Ganzen nichts Nennenswertes, wenn man die Kämpfe komplett streicht.

Außer vermutlich 90 Prozent seiner Spielerschaft.

Online nobody@home

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Der Herausforderungsgrad der Kämpfe in meinen Runden ist zweitrangig. Vielmehr soll die Herausforderung innerhalb der Welt Sinn ergeben und nicht die Welt angepasst am Charakterlevel. Ich finde nichts nerviger als Kämpfe, die einzig und allein auf Spielbalance ausgelegt sind. Da reißt es mich aus der Immersion, wenn die durchschnittliche Stadtwache plötzlich Elitekämpfer der Stufe 9 sind. 
Allerdings haben die Handlungen der Charaktere Konsequenzen. Konsequenzen, die dann in tödlichen Herausforderungen enden können.

Sehe ich ähnlich. Ich würde vielleicht die "tödlichen Herausforderungen" weniger betonen, aber einfach bloß die stärkste kleine Kampftruppe im Reich zu sein und das auch beweisen zu können (wenn und wo es tatsächlich mal dazu kommt), löst noch längst nicht alle Probleme der SC und kann ihr im Gegenteil sogar ganz neue bescheren, ohne daß die Spielwelt dazu großartig "mitleveln" muß.

Offline Megavolt

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Außer vermutlich 90 Prozent seiner Spielerschaft.

Also wenn ich Rollenspiel betreibe, um mich an den Kämpfen zu ergötzen, warum spiele ich dann ausgerechnet Rollenspiel?
Taktische Spielchen kann ich auch anderswo haben, aber ausgefeilter, schneller, schöner, aufwandsärmer, dynamischer, zugänglicher, ohne Moglerei, mit besserem Feedback und weniger clunky.

Brettspiele, Tabletops und Computerspiele sind da die offensichtlichen Kandidaten.

Ich denke übrigens nicht, dass man 90% der Spieler verlieren würde, aber vermutlich die Hälfte. :)
« Letzte Änderung: Heute um 18:41 von Megavolt »

Online Namo

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Na weil ich bei tabletop und co eben keine Rollenspiekomponente hätte. Und gerade der Einstieg ins Hobby als heranwachsender Testosteronjugendlicher dürfte für viele auch am Spass an den Kämpfen und den "coolen" Aktionen darin geprägt sein. Beu meinem Steuerberaterjoggingkollegen hat das Kämpfen nach wie vor einen massiv hohen Stwllenwert.

Aber ich denke es ist mühsig darüber zu diskutieren, ich verstehe ja wie du gerne immer mal drastische/überzeichnete Aussagen  in den Forenraum wirfst um mal wieder Schwung in die Hütte zu bringen.

Online nobody@home

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Generell gehören für mich zum Rollenspiel in einem "Abenteuer"genre (also mindestens 95% aller Fälle) Kämpfe schon irgendwie dazu, geben darf's die also schon.

Daß aus jedem Kampf gefälligst eine nervenstrapazierende Demonstration brillianten taktischen Könnens auf beiden Seiten zu werden hat, folgt allein daraus aber noch lange nicht. ;)

Online Zed

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Das Rollenspielhobby verliert im Großen und Ganzen nichts Nennenswertes, wenn man die Kämpfe komplett streicht.

@Megavolt: Das wäre vielleicht eine Umfrage wert?

Angeregt durch viele Gespräche hier hatte ich meine Gruppe letztens gefragt, in welchem Verhältnis wir Kämpfe, Diplomatie und Strategie/"Rätsel" spielen, und ob sie sich das Verhältnis anders wünschen. Interessant war, dass von meinen 4 Menschen in der Gruppe alle das gespielte Verhältnis anders wahrnahmen (Ich persönlich denke, es liegt bei 4 (Kampf inkl. Kampfplanung) zu 3 (Diplomatie) zu 2 (Strategie und "Rätsel") Teilen) - und sie sagten im Schnitt, dass sie sich auf jeden Fall "50% Kampf inkl. Kampfplanung" wünschen.

(Aber auch hier spielt vielleicht wieder rein, dass wir recht selten spielen, ca. 5 Mal im Jahr.)

Offline Megavolt

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Aber ich denke es ist mühsig darüber zu diskutieren, ich verstehe ja wie du gerne immer mal drastische/überzeichnete Aussagen  in den Forenraum wirfst um mal wieder Schwung in die Hütte zu bringen.

Ich würde mich tatsächlich mal freuen, wenn mal irgendwas auch argumentativ angegangen würde hier im Forum. Ich kann meine Position durchaus verteidigen, begründen, entfalten und illustrieren. Ich sehe meine Perspektive keineswegs als überzeichnet an, sondern sie erwächst aus einer umfangreichen und vielschichtigen Praxiserfahrung.


Offline Luxferre

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Ich brauche keine Kämpfe in Rollenspielabenteuern.
Genausowenig, wie Chili im Thaifood.
Oder mehr als 100/200/300 PS im Auto.
Brauche auch keine Haustiere in meinem Haushalt.
Genausowenig, wie Internetdiskussionen.
Oder Lakritze.

Aber ich will das alles.

Übrigens tragen Kämpfe, zumindest bei uns, sehr zum Rollenspiel bei. Muss man in diesem erlauchten Kreise eigentlich gar nicht erklären ...
So ne Ilias oder Odyssee ohne Kämpfe ... oder diese alten Sinbad-Filme (50er bis 70er) so völlig ohne Action.
Ja klar. Möglich. Aber spannend?
ina killatēšu bašma kabis šumšu Tišpak
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"Consider the seed of your generation. You were not born to live like animals, but to pursue virtue and possess knowledge"