Ich habe diese Woche die Druckversion der deutschen Fassung von
Neon City Overdrive vom Pro Indie Verlag erhalten und möchte hier einen Ersteindruck teilen.
Ich werde dabei vor allem Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum englischen Original (erhältlich als PoD bei DriveThruRPG) betrachten; auf den Inhalt, also insbesondere System und Setting (letzteres ist ohnehin nur rudimentär vorhanden), gehe ich nicht ein.
Format und äußere ErscheinungDas Buch ist ingesamt 80 Seiten dick (was in etwas dem Original entspricht), quadratisch(!) und hat ein farbiges Softcover sowie schwarz-weißen Inhalt. Die Form ist zwar sicher ein Alleinstellungsmerkmal, macht die Handhabung am Spieltisch aus meiner Sicht aber etwas umständlicher. Zum reinen Schmökern ist es aufgrund der geringen Größe (ca. 21 x 21 cm) aber völlig in Ordnung und ermöglicht auch ein zweispaltiges Layout (s. u.).
Layout, Schriftbild und IllustrationenIch empfinde das zweispaltige Layout der deutschen Fassung als angenehmer zu lesen, zumindest bei der Druckversion und am PC-Monitor, aber für ein Tablet oder Smartphone ist das einspaltige Original günstiger. Zudem ist die Textgliederung in der deutschen Version durch die besser abgesetzten Überschriftenblöcke übersichtlicher; dafür ist das Inhaltsverzeichnis (im Unterschied zum Original) zu rudimentär und erschwert in Kombination mit einem fehlenden Index (gibt es im Original auch nicht) das Nachschlagen. Ich finde die Seitenzählung übrigens ungewöhnlich, da das Cover mitgezählt wird - zudem liegt das Inhaltverzeichnis durchgehend eine Seite daneben.
Die Schriftart der Überschriften finde ich ziemlich unglücklich, beim Haupttext ist das zum Glück aber kein Thema. Hier ist ein Beispiel für eine Überschrift:

Die Illustrationen sind Schwarz-weiß-Zeichnungen und eher im "Comicstil" gehalten als die realistischeren Farbbilder des Originals. Sie sind aber vom Stil her einheitlich und auch nicht ganz so gewöhnungsbedürftig wie in "The Sprawl" - einen Bezug zum Text gibt es wie im Original generell nicht. Hier mal ein Beispielbild:
Übersetzungsqualität und RechtschreibungIch finde die Übersetzung gut gelungen und ziemlich nah am englischen Original; die gewählten Begriffe (z. B. Metroplex für Sprawl) sind größtenteils treffend gewählt. Mir sind nur zwei Dinge negativ aufgefallen: Ich hätte statt "Antrieb" die Bezeichnung "Motivation" bevorzugt (aber das ist eher Geschmacksache), und neben dem deutschen "Merkmal" wird mitunter der originale englische Begriff "Tag" verwendet, was eventuell etwas verwirrend sein könnte.
Mir sind nur sehr wenige Rechtschreib- oder Zeichensetzungsfehler aufgefallen.
Abschließende BewertungAus meiner Sicht kann man bedenkenlos zur deutschen Version von NCO greifen: Die Übersetzungsqualität ist gut, Inhalt und Gliederung entsprechen dem Original und die deutsche Fassung setzt nur in Aufmachung und Illustrationen eigene Akzente, die dann vor allem Geschmacksache sind. Als Nachschlagewerk fällt sie m. E. durch das etwas unhandliche Format und das unzureichende Inhaltsverzeichnis gegenüber der englischen Version ab; dazu tragen auch ein fehlender Index und manchmal etwas unglückliche Gliederungsentscheidungen (z. B. wird erst mitten im Regelabschnitt in einer kleinen Textbox erwähnt, dass die Spielleitung nicht würfelt - dies hätte in meinen Augen besser direkt am Anfang bei den Spielgrundlagen erfolgen sollen) bei, die aber auch so im Original zu finden sind und damit nicht zwingend der Übersetzung angelastet werden können. Insgesamt halte ich das deutsche NCO für eine der besseren Übersetzungen am Rollenspielmarkt; meine Lieferung enthielt zudem noch einen Flyer mit einem eigenständigen, deutschen Settinghintergrund, was ich eine nette Dreingabe finde.
P.S. Falls es einen besseren Ort für diesen Ersteindruck gibt, gerne dahin verschieben!