Autor Thema: [Brainstorming]Fragebogen für SCs  (Gelesen 94 mal)

Philipp.Baas, Tele (+ 1 Versteckte) und 4 Gäste betrachten dieses Thema.

Online Edgar Allan Poe

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[Brainstorming]Fragebogen für SCs
« am: Heute um 09:09 »
Hallöle,

Nachdem ich die erste Staffel Vox Machina gesehen habe, ist mir bewusst geworden, dass ich schwer Bock darauf hätte, Spielrunden zu leiten, die weniger Abenteuer(serien) ala "Monster of the Week mit großem Metaplot" bespielen, sondern die Story deutlich persönlicher zu machen. Zur Vereinfachung nenne ich es ab jetzt "persönliche Quest" ;)

Nun machen das hier im Tanelorn ja durchaus schon einige Leute - teilweise schon seit Jahren. Ich weiß nicht, ob das natürlich gewachsen ist bei diesen Gruppen oder ob sie darauf hingearbeitet haben - aber in meinen Spielgruppen war der persönliche Aspekt meistens eher "Beiwerk". Wenn es überhaupt mal dazu kam, dass es persönliche Quests gab, dann wurde das entweder in 1 on 1s abgehandelt oder aber die Gruppe ist einfach "mitgegangen" und hat das ganze wie jede andere Quest behandelt. Eine graue Masse, die einfach ihre Quests abarbeitet. Das finde ich schade.

Die Erfahrung zeigt zudem, dass es nicht ausreicht die Spieler zu bitten sich eine kleine Hintergrundgeschichte auszudenken (auch nicht, wenn es nur ein paar Stichpunkte sind). Das, was ich bisher am ehesten als Erfolg verbuche, ist die Tatsache, dass die Gruppe ich untereinander kurz vor dem Spiel überlegt hat, wie sie sich kennengelernt hat. Das war ein netter Start. Aber bei weitem nicht ausreichend für das, was ich mir vorstelle.

Ich möchte etwas mehr Futter und ich möchte meine Gruppe gerne etwas in diese Richtung "trainieren" - wenn sie es möchte. Ich habe deshalb überlegt, wie man das ganze am besten anpackt. Und ich glaube, ein kleiner Fragebogen ... vielleicht 3 bis 5 Fragen, mehr sollten es nicht sein ... die sowohl Hintergrundgeschichte als auch Verknüpfungen der Charaktere untereinander abfragt und mir als Spielleiter so ermöglicht aus "Monster of the Week mit Metaplot" ein "Monster of the Week mit Persönlicher Quest" zu machen. Drama am Tisch garantiert das zwar auch nicht - aber es hilft sicher nicht nur mir als Spielleiter die Tür dafür aufzustoßen.

Nun wäre meine Frage: Wie genau sollte man das angehen? Einen großen Pool an möglichen Fragen, aus denen die Spieler wählen können? So nach dem Motto "Hier sind 50 Fragen, schnapp dir 4 Stück und beantworte sie" ... habt ihr andere Ideen?
Den Akkusativ zu nutzen ist sexy.

Offline Fuchs

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Re: [Brainstorming]Fragebogen für SCs
« Antwort #1 am: Heute um 10:46 »
Kennst du die Charaktererstellung in Beyond the Wall? Dabei erstellen die Spieler*innen über die Charakterbücher nicht nur ihre SC sondern auch ihre Umwelt, ihre Beziehungen zu dieser und die Beziehungen untereinander. Vergleichbare Systeme gibt es ja schon einige um das auch in anderen Systemen einzusetzen. Bei BtW funktioniert das aber sehr organisch.

Offline Luxferre

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Re: [Brainstorming]Fragebogen für SCs
« Antwort #2 am: Heute um 10:49 »
Ich habe gute Erfahrungen damit gesammelt, dass die Spieler zu den einzelnen Phasen der Vergangenheit ihrer SC etwas Kurzes schreiben:

Kindheit
Jugend
Ausbildung
Erwachsenenleben bis zum Start
Bonus: Gruppenkennenlernen

Einen richtigen Fragebogen braucht es da mMn nicht.
Als SL hat man ggfs ein paar Anknüpfungspunkte - oder auch nicht. Einige Spielende mögen es auch nicht, wenn ihr Hintergrund eine Rolle spielt oder schlimmstenfalls noch gegen sie verwendet wird.
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Offline Bombshell

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Re: [Brainstorming]Fragebogen für SCs
« Antwort #3 am: Heute um 11:02 »
Bei Daggerheart sind auf den Charakterbögen Fragen zum Hintergrund und zur Charakterverknüpfung vorgesehen. Diese Fragen sind für die verschiedenen Klassen unterschiedlich. Du kannst dir die Charakterbögen herunterladen und ansehen.
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Re: [Brainstorming]Fragebogen für SCs
« Antwort #4 am: Heute um 11:27 »
Ich denke, das Thema "Hintergrundgeschichte" ist da ein Stück weit eine falsche Fährte. Wenn ich das Spiel "persönlicher" gestalten will, dann geht's doch oft genug weniger darum, wo die Charaktere herkommen und was sie früher mal gemacht haben, als vielmehr darum, was sie jetzt motiviert -- und das kann sich genausogut auf "Vor drei Jahren ist etwas passiert, das mich auf die Abenteurerlaufbahn geschickt hat" beziehen wie auf "Bis vor drei Sekunden hatte ich noch gar keinen Grund, hier mitzumischen, aber jetzt hat sich das schlagartig geändert!".

Da stellen sich mir also eher Fragen a la "Was will ich eigentlich?" (wobei sich ruhig sowohl Spieler als auch Charakter angesprochen fühlen dürfen), "Was hindert mich daran?", "Wieso bin ich mit genau diesen Nasen zusammen und was halte ich von ihnen so?", "Wer, wenn überhaupt, ist aktuell mein größter Feind oder Rivale?" und dergleichen.

(Natürlich wäre ich kein bekennender Fate-Fan, wenn ich bei so einer Gelegenheit nicht auch die diesbezüglichen Kapitel "Spielgestaltung" und "Die Charaktererschaffung" von Fate Core aus der SRD-Mottenkiste holen würde. ;) Die bieten zwar keinen konkreten ausführlichen Fragenkatalog zum einfach nur noch Abkupfern und Verteilen, aber es stecken doch ganz allgemein einige Ideen drin, die so manchen Rollenspielern und Spielleitungen so noch nicht untergekommen sein mögen oder die vielleicht zumindest mal wieder eine Auffrischung vertragen.)

Online ArneBab

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Re: [Brainstorming]Fragebogen für SCs
« Antwort #5 am: Heute um 11:31 »
Ich stelle üblicherweise die Fragen:

- Warum bist du hier?
- Warum bleibst du in der Gruppe?
- Was macht dich sympathisch?¹

Mit Vorschlägen, die Ziele liefern (um die Vorstellung auf Aktivität zu lenken): https://hg.sr.ht/~arnebab/ews/browse/Hauptdokument/ews30/tabelle-fragen.org?rev=tip

¹ "was macht dich sympathisch" dient dazu, es leichter zu machen, auch in Konfliktsituationen zusammenzubleiben.

Nützlich ist auch noch, für jeden SC zumindest einen anderen SC zu haben, den er/sie schon kennt (⇒ minimales Beziehungsnetz).

Was auch hilft sind Familie und Freunde.
1w6 – Ein-Würfel-System — konkret und direkt, einfach saubere Regeln.
Zettel-RPG — Ein Kurzregelwerk auf Post-Its — für Runden mit Kindern.
Flyerbücher — Steampunk trifft Fantasy — auf einem Handzettel.
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Online Philipp.Baas

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Re: [Brainstorming]Fragebogen für SCs
« Antwort #6 am: Heute um 12:54 »
Kennst du die Charaktererstellung in Beyond the Wall? Dabei erstellen die Spieler*innen über die Charakterbücher nicht nur ihre SC sondern auch ihre Umwelt, ihre Beziehungen zu dieser und die Beziehungen untereinander. Vergleichbare Systeme gibt es ja schon einige um das auch in anderen Systemen einzusetzen. Bei BtW funktioniert das aber sehr organisch.

Ich weiß, das beantwortet deine Frage nicht TE, aber ich halte einen Fragebogen für nicht zielführend.

Das, was Fuchs beschreibt, ist ja das Konzept bei MYZ Spielen. Du baust keinen Charakter, sondern du baust eine Gruppe und deren Umwelt.

Alrik, Bertram, Tassilo und Fred sind die Charaktere.

Alrik und Tassilo sind schon immer Freunde und Alrik himmelt Tassilo an, was dieser gerne ausnutzt. Fred mag Alrik, aber Tassilo nicht und sieht deren Verhältnis als schwierig an. Bertram, der Freds Liebhaber ist, mag das Vertrauensverhältnis zwischen Alrik und Fred nicht. Tassilo und Bertram konkurieren ständig.

Die vier Spieler entscheiden, dass sie aus einer Großstadt kommen und alle unterschiedlichen sozialen Schichten entstammen. Die Stadt wurde vor zwei Jahren von Untoten überfallen und die vier konnten fliehen. Jetzt halten sie sich in der benachbarten Grafschaft auf und machen immer wieder Ausflüge in das neue Reich der Untoten. Einerseits um ihre verlorenen Verwandten zu finden, andererseits um mit Funden ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

- Tassilo war Adelig ist insgeheim froh, dass seine Familie tot ist. Er gibt die Sorge nur vor, da seine Eltern ihn zu einem Leben verdammt hatten, das er nicht führen wollte. Er schämt sich für dieses Gefühl.
- Alrik sucht seine Eltern, die einfache Schmiede waren. Allerdings befürchtet er, dass sein Vater eine Mitschuld an der Invasion der Toten trägt, denn er hat ein altes magisches Schwert von einem zwielichtigen Kunden (der Mann mit der Wachshaut) bekommen, und als Alrik und sein Vater zusammen das Schwert bearbeiteten, brach es und sie hatten eine Vision, wie ihre Stadt unterging, was dann auch passierte.
- Fred, Sohn eines Magus, sucht seine Schwester und er würde alles, sogar seine Freunde, opfern, um sie zu finden. Er strebt nach Zaubern, die entweder alles Rückgängig machen oder seine Schwester wiedererwecken.
- Bertram war ein Waise und ist froh jetzt seine Freunde und die Liebe gefunden zu haben. Er verdingte sich als Taschendieb und will, dass alles beim Alten bleibt. Etwas Sorgen bereitet ihm, dass er kurz vor der Katastrophe einem Mann mit seltsamer Haut eine Kladde gestohlen hat. Seitdem hört er im Halbschlaf immer Stimmen, die von Tod und Verderben, aber auch Macht berichten.

Jeder hat eine Person in der Grafschaft erstellt, die er mag und eine, die er nicht mag.

- Tassilos Tante (mag) lässt die vier bei sich wohnen, aber ihr Mann (mag nicht) will, dass Tassilo im Stadtrat eine Funktion übernimmt, um den Einfluss der Familie zu stärken.
- Alrik hat sich in eine Kellnerin (mag) verliebt, die aber auch als Dirne arbeitet und ihr Zuhälter, ein mächtiger Mann der Unterwelt (mag nicht), sieht das nicht gerne.
- Fred verbringt seine Freizeit bei einem Antiquitätenhändler (mag), der auch die Fundstücke der Gruppe kauft. Der Vorsteher der Magiergilde (mag nicht) will, dass Fred aufhört immer wieder ins Land der Untoten zu gehen und soll nicht mit diesen Taugenichtsen rumhängen. Das gehört sich für einen Magier nicht.
- Bertram hat einen Saufkumpanen (mag) der Barde ist und die beiden sind zusammen wie Sprengstoff und stellen nur Unsinn an. Deswegen hat Bertram Schulden bei einem Kredithai (mag nicht), der aber statt Geld gerne GEfallen einfordert.



Sowas entwickelt man zusammen (dauert 30 Minuten) und daran kannst du ewig spielen...
« Letzte Änderung: Heute um 12:56 von Philipp.Baas »

Online Edgar Allan Poe

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Re: [Brainstorming]Fragebogen für SCs
« Antwort #7 am: Heute um 12:59 »
Hm, da bin ich tatsächlich anderer Ansicht. Diese gemeinsame Umfeld kann mitunter Teil des Hintergrundes sein - aber er deckt imho nicht alles ab, was möglich wäre. Es ist quasi das Gurke/Cornichon-Problem. Jede Cornichon ist ne Gurke. Aber nicht jede Gurke ist eine Cornichon.

Sprich: Ja, so etwas kann hilfreich sein. Nein, es deckt nicht alles ab, was ich mir vorstelle. Vielleicht, weil es insgesamt auch zu klein ist. Jetzt kann man natürlich sagen, man bläst das Ganze deutlich auf. Aber dann muss man so viel aufschreiben und überlegen, dass ich einen Fragenkatalog für deutlich zielführender halte.
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