Autor Thema: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?  (Gelesen 2842 mal)

Ordhan, gumby1344, Talasha und 4 Gäste betrachten dieses Thema.

Online Crimson King

  • Hat salzige Nüsse!
  • Titan
  • *********
  • Crimson King
  • Beiträge: 19.349
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Stormbringer
Elric ist schon sehr düster, genauso Corum oder Erekose. Von Moorocks Hauptwerken zum Ewigen Helden würde ich lediglich den Herzog von Köln als etwas optimistischer einstufen.
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und segnet Fried und Friedenszeiten.

J.W. von Goethe

Offline Lichtschwerttänzer

  • enigmatischer Lensträger
  • Titan
  • *********
  • Wo bin Ich, Wer ist Ich
  • Beiträge: 14.396
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Schwerttänzer
von Bek und John Daker
Es "endet" mit Hawkmoon, also auf lange Sicht mit Hoffnung
“Uh, hey Bob?”
“What Steve?”
“Do you feel like we’ve forgotten anything?”
Sigh. “No Steve. I have my sword and my bow, and my arrows and my cloak and this hobbit here. What could I have forgotten?”
“I don’t know, like, all of our stuff? Like the tent, the bedroll, my shovel, your pot, our cups, the food, our water, your dice, my basket, that net, our spare nails and arrowheads, Jim’s pick, my shovel, the tent-pegs…”
“Crap.”

Offline felixs

  • Legend
  • *******
  • Beiträge: 6.972
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: felixs
Da kannst du jeden Ork und alles Gelichter bedenkenlos erschlagen, denn die sind eh unrettbar verloren und wollen dir schließlich ans Leder. Insofern wurde Mittelerde zum dicken Fundament für Epic- und von mir aus auch High Fantasy. Die Dungeoncrawls von D&D, wo es um schnöde Bereicherung geht, haben aber viel eher mit dem Wilden Westen, amerikanischem Freiheitsgefühl und -Unternehmertum zu tun, als mit den Schicksalskämpfen der altnordischen Mythologie, wo es ja ebenfalls um Leben und Tod geht - Ragnarök. D&D steht trotz der Elfen, Zwerge und Halblinge den Pulps viel näher als erhabenen Werken.

Volle Zustimmung bezüglich der US-Gesellschaft als Hauptquelle für D&D.
Andererseits ist das mit den Orks ein wenig ungerecht - bzw. trifft auf die Orks schon zu; gleichzeitig hat Tolkien ansonsten aber eine starke Mitleidsethik vertreten. Alle außer den Orks sind eben sehr mitleidswürdig und sollen mit Milde behandelt werden uns neue Chancen bekommen, sogar Gollum, sogar die menschlichen Verbündeten von Mordor. Ich denke, die Perversionen und Widersprüche darin kommen eben aus der christlich-katholischen Inspiration.
Was ich meine: Die Orks sind der Ausnahmefall, stehen außerhalb der (grundsätzlich guten) Schöpfung.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Online AndreJarosch

  • Famous Hero
  • ******
  • Mythras/RuneQuest/BRP/W100-Fanatiker
  • Beiträge: 3.845
  • Username: AndreJarosch
von Bek und John Daker
Es "endet" mit Hawkmoon, also auf lange Sicht mit Hoffnung

Michael Moorcock hat viel was er geschrieben im Nachhinein als zur Eternal Champion Reihe gehörig erklärt.
Für mich sind es weiterhin die ersten 6 Elric Romane, die 6 Corum Romane, die 7 Hawkmoon Romane und die 3 Erekose Romane und mehr nicht.
Der Rest wurde im Nachheiein zum Eternal Champion erklärt (Michael Kane-Saga) oder sind für mich nur Fan-Fiction ("Rache der Rose" und "Festung der Perle"... nur weil die Romane vom ursprünglichen Autor der Saga geschrieben wurden heißt das nicht, dass sie nur nur bessere Fan-Fiction sind).

Offline KWÜTEG GRÄÜWÖLF

  • Burggräflicher Bierbote
  • Legend
  • *******
  • Stiff upper lip, and fear nothing!
  • Beiträge: 7.459
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Kwuteg Grauwolf
Michael Moorcock hat viel was er geschrieben im Nachhinein als zur Eternal Champion Reihe gehörig erklärt.
Für mich sind es weiterhin die ersten 6 Elric Romane, die 6 Corum Romane, die 7 Hawkmoon Romane und die 3 Erekose Romane und mehr nicht.
Der Rest wurde im Nachheiein zum Eternal Champion erklärt (Michael Kane-Saga) oder sind für mich nur Fan-Fiction ("Rache der Rose" und "Festung der Perle"... nur weil die Romane vom ursprünglichen Autor der Saga geschrieben wurden heißt das nicht, dass sie nur nur bessere Fan-Fiction sind).

Uff, ich bin erleichtert, dass es nicht nur mir so geht  :)
Theirs not to make reply,
Theirs not to reason why,
Theirs but to do and die:
Into the valley of Death
    Rode the six hundred.

Online nobody@home

  • Steht auf der Nerd-Liste
  • Titan
  • *********
  • Beiträge: 14.872
  • Username: nobody@home
Wobei ich mich frage: Kann man diese "fiesen Monstervölker", wenn sie den Orks bis aufs Haar gleichen, nicht auch als Orks in dem Sinne durchgehen lassen? Ich kann mich an mindestens zwei, drei Fanasy-Sagas erinnern, in denen es nicht aufgefallen wäre, wenn dort statt eines anderen Fantasienamens einfach "Orks" gestanden hätte. Kann es sein, dass die Autoren nicht einfach die Idee des Orks direkt von Tolkien übernommen hätten, aber aus rechtlichen oder Originalitätsgründen sich irgendeinen Namen aus den Fingern gesucht hätten? Ich meine, Wikipedia gab es da noch nicht, so dass man den Begriff "Ork" leicht für eine Erfindung Tolkiens hätte halten können.

Da stellt sich dann schnell die Frage, was einen Ork nun eigentlich zum Ork macht. Die WH40K-Grünlinge gleichen Namens beispielsweise haben beim genaueren Hinsehen mit denen aus Mittelerde eigentlich so gar nichts gemeinsam, und trotzdem sind sie populär genug, daß zumindest viele von uns sie einigermaßen unbesehen durchwinken würden...

Und nicht zu vergessen: im kleinen Hobbit hießen sie auch bei Tolkien noch schlicht "Goblins" -- was dann im englischsprachigen Raum auch wieder gleich seine mythologischen Wurzeln hat. ;) Daß Orks und Goblins (und Hobgoblins und und und...) überhaupt verschiedene Spezies sein sollen, ist meines Wissens dann wohl tatsächlich schlicht auf dem Mist von D&D gewachsen, wo die Macher auf der Suche nach immer neuem Monsterfutter ja tatsächlich buchstäblich jeden Spitznamen für ursprünglich mal ein und dieselbe Art von Kreatur gleich zu eigenständigen "neuen und originellen" Typen verwurstet haben.

Offline KWÜTEG GRÄÜWÖLF

  • Burggräflicher Bierbote
  • Legend
  • *******
  • Stiff upper lip, and fear nothing!
  • Beiträge: 7.459
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Kwuteg Grauwolf
Tolkien selber war übrigens mit der unbewussten Prämisse, dass Orks unrettbar böse sind, selber nicht besonders glücklich, weil das seinen moralischen und religiösen Grundsätzen nicht entsprach, und hat sich viel Gedanken über das Lösen dieses Dilemmas gemacht. Als er mit seiner märchenhaften Elbenwelt angefangen hat, hat er sie natürlich erstmals mit fynsteren Schurken ausstaffiert, weil das eben genreüblich ist, aber als detailversessener Perfektionist hatte er dann später Bauchweh damit.

Sein ewiges Herumfeilen und Durchdenken seiner Welt macht ihn mir sowieso schon grundsätzlich sehr sympathisch. Er hat sich nie mit "ist halt dramaturgisch bedingt, isso!" zufrieden gegeben.  ^-^
Theirs not to make reply,
Theirs not to reason why,
Theirs but to do and die:
Into the valley of Death
    Rode the six hundred.

Offline felixs

  • Legend
  • *******
  • Beiträge: 6.972
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: felixs
Und nicht zu vergessen: im kleinen Hobbit hießen sie auch bei Tolkien noch schlicht "Goblins"

Auch im Lord of the Rings ist teilweise noch von "Goblins" die Rede. Es ist ziemlich klar, dass das synonym mit "Ork" zu verstehen ist.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Online nobody@home

  • Steht auf der Nerd-Liste
  • Titan
  • *********
  • Beiträge: 14.872
  • Username: nobody@home
Tolkien selber war übrigens mit der unbewussten Prämisse, dass Orks unrettbar böse sind, selber nicht besonders glücklich, weil das seinen moralischen und religiösen Grundsätzen nicht entsprach, und hat sich viel Gedanken über das Lösen dieses Dilemmas gemacht. Als er mit seiner märchenhaften Elbenwelt angefangen hat, hat er sie natürlich erstmals mit fynsteren Schurken ausstaffiert, weil das eben genreüblich ist, aber als detailversessener Perfektionist hatte er dann später Bauchweh damit.

Sein ewiges Herumfeilen und Durchdenken seiner Welt macht ihn mir sowieso schon grundsätzlich sehr sympathisch. Er hat sich nie mit "ist halt dramaturgisch bedingt, isso!" zufrieden gegeben.  ^-^

Yep. Na ja, "dramaturgisch bedingt" war dann zwangsläufig in seinen Geschichten selbst schon so einiges, weil das nun mal in der Natur des Handwerks liegt -- aber als Feigenblatt für bloße Denkfaulheit taugt das eben auch nur anspruchslosen Schreibern. >;D

Offline Lichtschwerttänzer

  • enigmatischer Lensträger
  • Titan
  • *********
  • Wo bin Ich, Wer ist Ich
  • Beiträge: 14.396
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Schwerttänzer
Da kannst du jeden Ork und alles Gelichter bedenkenlos erschlagen, denn die sind eh unrettbar verloren und wollen dir schließlich ans Leder.
selbst Orcs should be treated with kndness, wenn möglich auch wenn es kaum gemacht wurde und niemand hat Denethor erschlagen oder Maedhros.

Für mich sind es weiterhin die ersten 6 Elric Romane, die 6 Corum Romane, die 7 Hawkmoon Romane und die 3 Erekose Romane und mehr nicht.
warum zählen die "SF" Sachen nicht?
“Uh, hey Bob?”
“What Steve?”
“Do you feel like we’ve forgotten anything?”
Sigh. “No Steve. I have my sword and my bow, and my arrows and my cloak and this hobbit here. What could I have forgotten?”
“I don’t know, like, all of our stuff? Like the tent, the bedroll, my shovel, your pot, our cups, the food, our water, your dice, my basket, that net, our spare nails and arrowheads, Jim’s pick, my shovel, the tent-pegs…”
“Crap.”

Offline ghoul

  • Legend
  • *******
  • Beiträge: 6.874
  • Username: ghoul
    • Ghoultunnel
Zu dem bisher gesagten:
  • In Chainmail ist vor allem HdR eingeflossen, das ist richtig. Aber auch etwas Dreiherz (Poul Anderson).
  • In OD&D, mehr noch in AD&D ist aber verdammt viel Sword& Sorcery, HPL und SciFi drin!
  • Erst AD&D2 scheint andere Einflüsse als HdR zu reduzieren (auch wenn ihre Elemente längst eigebacken sind). Vermutlich wegen Zeb Cook's Fokus auf der wandernden Abenteurergruppe?
Tactician: 96%
PESA hilft!
PESA diskutiert.
Desweiteren: Alle deine Probleme wurden bereits in AD&D 1e gelöst.

Online Swanosaurus

  • Adventurer
  • ****
  • Beiträge: 847
  • Username: Swanosaurus
    • Swanosaurus - mein Blog
Michael Moorcock hat viel was er geschrieben im Nachhinein als zur Eternal Champion Reihe gehörig erklärt.
Für mich sind es weiterhin die ersten 6 Elric Romane, die 6 Corum Romane, die 7 Hawkmoon Romane und die 3 Erekose Romane und mehr nicht.
Der Rest wurde im Nachheiein zum Eternal Champion erklärt (Michael Kane-Saga) oder sind für mich nur Fan-Fiction ("Rache der Rose" und "Festung der Perle"... nur weil die Romane vom ursprünglichen Autor der Saga geschrieben wurden heißt das nicht, dass sie nur nur bessere Fan-Fiction sind).

Hm, die ersten sechs Elric-Romane gibt es ja eigentlich in der Form gar nicht, die sind m.E. ein Artefakt, das für deutsche Leser*innen durch den entsprechenden Heyne-Sammelband entstanden sind. Eigentlich hat Moorcock ab 1962 immer wieder mal Elric-Geschichten und Romane verfasst, frühere Geschichten wurden zu Fix-Up-Romanen ... die erste Elric-Geschichte ist "The Dreaming City".

Den Roman "Elric von Melniboné" würde ich z.B. werkgeschichtlich eher mit "Fortress of the Pearl" und "Revenge of the Rose" in einen Topf werfen - okay, zwischen "EvM" und "FotP" liegen siebzehn Jahre, aber beide sind den klassischen Sword&Sorcery-Abenteuern nachgeschoben worden, und Moorcock hat in ihnen inhaltlich und stilistisch mehr zu experimentieren gewagt; Elric war bereits ein Erfolg, und Moorcock hatte wahrscheinlich das Gefühl, jetzt mit der Figur machen zu können, was er will, und sich nicht mehr so stark dem Magazinstil verpflichtet gefühlt.

Mir persönlich sind ja diese drei Romane der Zwischenphase die liebsten, auch wenn "Revenge of the Rose" zum Ende ein bisschen wirr wird. Ich finde, hier spricht Moorcock am klarsten mit seiner eigenen Stimme (Mit "Dreamthief's Daughter" wusste ich dagegen gar nichts anzufangen ...). Davon jetzt teile als Fan-Faction abzutun, finde ich ein bisschen hart, man muss sie ja nicht mögen, aber es sind Sachen, die Moorcock über seinen eigenen Helden geschrieben hat und die auch ganz eindeutig in die Kosmologie um den Ewigen Helden gehören.


Die beiden von-Bek-Romane gehören m.E. auch originär zur Kosmologie des ewigen Helden und sind nicht nachträglich angeflanscht.


Beim Jerry Cornelius weiß ich es nicht, die Romane habe ich bis heute nicht gelesen (will ich aber dringend mal nachholen), meine aber mal in einer Monografie über Moorcocks Werk gelesen zu haben, dass sie teilweise die Handlung der Elric-Kerngeschichten spiegeln. Und bei Elric taucht ja auch eine Variante der Figur (Jhary A-Conel oder so) auf, also scheint da schon eine Zugehörigkeit zum Zyklus um den ewigen Helden intendiert.

Andererseits wäre Moorcock wahrscheinlich eh der letzte, der da auf eine klare Eingrenzung Wert legen würde.
Ehemals Rumpel/Achamanian

Meine Veröffentlichungen:
Season of the Snail für Troika!: https://www.drivethrurpg.com/de/product/524068/season-of-the-snail
Lover's Gaze für Cloud Empress: https://www.drivethrurpg.com/de/product/515643/lover-s-gaze-for-cloud-empress
Hidden Depths für Ashen Stars: https://www.drivethrurpg.com/de/product/300541/hidden-depths

Online Crimson King

  • Hat salzige Nüsse!
  • Titan
  • *********
  • Crimson King
  • Beiträge: 19.349
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Stormbringer
Das driftet etwas vom Thema ab, aber Moorcock verwendet sehr gerne Namen mit den Initialen J.C. wie Jesus Christus. Das hat keine Aussage oder Bedeutung, das ist eher so ne Marotte. Dass Jerry Cornelius mit Jhary-a-Conel gleichzusetzen ist, einer Inkarnation des Companions des Ewigen Helden, wage ich zu bezweifeln. Genauso Jerry Cornell oder Jherek Carnelian. Klingt alles ähnlich, was ganz sicher beabsichtigt ist, aber einen Beleg dafür, dass es sich bei diesen Personen um die gleiche handelt, gibt es meines Wissens nicht.

Die Interpretation von Cornelius oder Oswald Bastable oder Una Persson oder sonstwem als Inkartnation des Ewigen Helden oder des Companions stammt meines Wissens auch nicht von Moorcock, sondern von anderen Personen, die sich mit Moorcocks Werk auseinandersetzen und krampfhaft versuchen, alles und jeden mit dem Ewigen Helden zu verknüpfen.

Davon abgesehen fand ich Die Festung der Perle und Die Rache der Rose auch großartig und überbordend voll mit kreativen Ideen. Davon hat Moorcock eh unfassbar viele. Sowas strukturiertes, planvolles wie Mittelerde könnte er dagegen niemals leisten. Vom literarischen Ansatz sind Moorcock und Tolkien wie Feuer und Wasser.
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und segnet Fried und Friedenszeiten.

J.W. von Goethe

Online Swanosaurus

  • Adventurer
  • ****
  • Beiträge: 847
  • Username: Swanosaurus
    • Swanosaurus - mein Blog

Davon abgesehen fand ich Die Festung der Perle und Die Rache der Rose auch großartig und überbordend voll mit kreativen Ideen. Davon hat Moorcock eh unfassbar viele. Sowas strukturiertes, planvolles wie Mittelerde könnte er dagegen niemals leisten. Vom literarischen Ansatz sind Moorcock und Tolkien wie Feuer und Wasser.

Ja - das Lustige daran finde ich ja, dass mir Moorcock eigentlich viel mehr wie ein Mythenschöpfer vorkommt, wenn man Mythen als die unordentlichen, eklektzistischen und gegenwartsbezogenen Geschichten begreifen, die sie die meiste Zeit über wohl eigentlich waren. Tolkien war dagegen eher der Architekt einer Kunst-Mythologie.
Ehemals Rumpel/Achamanian

Meine Veröffentlichungen:
Season of the Snail für Troika!: https://www.drivethrurpg.com/de/product/524068/season-of-the-snail
Lover's Gaze für Cloud Empress: https://www.drivethrurpg.com/de/product/515643/lover-s-gaze-for-cloud-empress
Hidden Depths für Ashen Stars: https://www.drivethrurpg.com/de/product/300541/hidden-depths

Offline tartex

  • Titan
  • *********
  • Freakrollfreak und Falschspieler
  • Beiträge: 14.961
  • Username: tartex
Davon abgesehen fand ich Die Festung der Perle und Die Rache der Rose auch großartig und überbordend voll mit kreativen Ideen. Davon hat Moorcock eh unfassbar viele. Sowas strukturiertes, planvolles wie Mittelerde könnte er dagegen niemals leisten. Vom literarischen Ansatz sind Moorcock und Tolkien wie Feuer und Wasser.

Ich bin ja eigentlich großer Moorcock-Fan, aber den letzten Erekosë-Band finde ich so schlecht, dass ich 2x mit einer Distanz von fast 30 Jahren zwischen den Lektüren, danach keine Lust mehr auf ihn hatte.

Moorcock gibt ja auch Tipps wie man einen Roman in 3 Tagen zusammenschluddert.

Seinen berühmte Polemik gegen Tolkien, muss hier ja wohl jeder kennen: Epic Pooh.
Die Zwillingsseen: Der Tanelorn Hexcrawl
Im Youtube-Kanal: Meine PnP-Let's-Plays
Kumpel von Raven c.s. McCracken

Online Swanosaurus

  • Adventurer
  • ****
  • Beiträge: 847
  • Username: Swanosaurus
    • Swanosaurus - mein Blog

Seinen berühmte Polemik gegen Tolkien, muss hier ja wohl jeder kennen: Epic Pooh.

Zu der habe ich übrigens gerade eine gute Replik gefunden:
https://www.curtisweyant.com/blog/epic-pooh-pooh/
Die geht in Bezug auf Tolkien auch noch mal kritisch auf das hier erwähnte "simple Gut-Böse-Schema" ein, und auf viele andere Aspekte, die für Charakterisierung von Tolkiens typisch sind.

"Epic Pooh" ist ja ein Text, der mich als Moorcock-Fan seit jeher ein bisschen unglücklich macht, weil ich auch immer fand, dass er platt argumentiert, kaum etwas am Text nachweist und viele entscheidende Elemente des HdR ignoriert. Moorcock bleibt da weit hinter seinen Intellektuellen Möglichkeiten zurück und polemisiert einfach nur gegen etwas, das ihm zufällig nicht gefällt. Dass sich dann andere hervorragende Autor*innen wie z.B. China Mieville darauf berufen, um sich von Tolkien abzugrenzen, anstatt einfach darauf zu vertrauen, dass ihr Werk für sich stehen kann, finde ich auch eine unschöne Spätfolge dieses Essays. Ich weiß nicht, ob Tolkien und Moorcock sich je getroffen haben, vielleicht hätten sie sich sogar verstanden - beide waren/sind sicher auf ihre Art Romantiker mit einem starken sozialen Empfinden.
Ehemals Rumpel/Achamanian

Meine Veröffentlichungen:
Season of the Snail für Troika!: https://www.drivethrurpg.com/de/product/524068/season-of-the-snail
Lover's Gaze für Cloud Empress: https://www.drivethrurpg.com/de/product/515643/lover-s-gaze-for-cloud-empress
Hidden Depths für Ashen Stars: https://www.drivethrurpg.com/de/product/300541/hidden-depths

Online Crimson King

  • Hat salzige Nüsse!
  • Titan
  • *********
  • Crimson King
  • Beiträge: 19.349
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Stormbringer
Epic Pooh ist womöglich das schlechteste, das Moorcock je geschrieben hat. Zumindest ist es das schlechteste, das ich bisher von ihm gelesen habe. Man sollte sich lieber an seine Romane halten. Von denen sind viele wirklich großartig.
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und segnet Fried und Friedenszeiten.

J.W. von Goethe

Offline felixs

  • Legend
  • *******
  • Beiträge: 6.972
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: felixs
Um nochmal auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Ich bin gar nicht sicher, ob das überhaupt so stimmt. Oder besser: Ich möchte das noch ein wenig mehr relativieren.

EDIT: Wurde auch so ähnlich hier schon geschrieben. Pardon für die Doppelung.

Tolkien ist sicher der am meisten rezipierte und (pop-)kulturell einflussreichste Fantasyautor. Die überwältigende Präsenz ist aber eher ein Resultat der Jackson-Verfilmungen. Ich bin noch damit aufgewachsen, dass Tolkien eher nischig war. Man kannte den, aber nicht viele haben ihn gelesen.
Auf der anderen Seite sind Howard, Moorcock, Pratchett eben auch genrebildend. Vielleicht gibt es gar nicht so sehr "Standard-Fantasy", sondern halt mehrere Spielarten innherhalb dieser (ohnehin schlecht definierten) Richtung.

Insbesondere Moorcock ist durchaus ziemlich einflussreich - es gibt viel von ihm beeinflusste Musik, viele Rollenspiele.

Pratchett sowieso.

Leiber ist, soweit ich das überblicke, etwas weniger einflussreich. Lief immer eher unter "Geheimtipp". Gibt aber auch Rollenspielsachen zu seinem Werk.

Bezüglich Rollenspielen sieht es bei Tolkien auch gar nicht so gut aus - Mittelerde wird vermutlich gar nicht so viel bespielt.

Bleibt die Frage nach dem Einfluss auf Rollenspiele, die sich nicht explizit dem Werk der jeweiligen Autoren widmen. Ein sicheres Zeichen für Tolkien-Einfluss sind vermutlich Hobbits/Halblinge. Andererseits sind viele Dinge in D&D beispielsweise eindeutig nicht Tolkien; Gesinnungen dürften das beste Beispiel sein. Auch der Monsterpark ist von Anfang an anders, Magie hat eine Ausprägung, die eher nicht von Tolkien inspiriert sein kann; Wiederbelebungen, Heiltränke mit Soforteffekt - alles eher nicht so richtig tolkienesk. Insgesamt ist D&D von Anfang an viel greller.
DSA hat wenig sichtbaren Tolkien-Einfluss. Midgard etwas mehr (inkl. Halblingen), aber auch nicht so viel.

Pardon, das ist alles etwas ungeordnet und ich bin mit den Gedanken auch nicht fertig. Vermutlich irre ich mich auch irgendwo.
« Letzte Änderung: Heute um 11:07 von felixs »
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Offline BobMorane

  • Hot Pink Motorblockschläger
  • Famous Hero
  • ******
  • Beiträge: 3.176
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: BobMorane
Ich bin da bei Ghoul.

Ich finde gar nicht das Tolkien SOOOO der Standard fürs RPG ist.

Wenn man sich mal die Literaturempfehlungen in (A)D&D anschaut findet man da in der 1 Edition sowohl Tolkien als auch Howard. Ich bin mir nicht 100% sicher aber ich glaube Moorckc und Leiber waren da auch schon bei.

Klar Elfen, Zwerge und halblinge sich sehr Tolkinesk, aber der Spielstil, der in den frühen Tagen propagiert wurde war eher eine Gruppe von Söldnern/Glücksrittern zieht in den Dungeon um reich zu werden. Ab und an gibt es dann noch einen Auftraggeber der was haben will. Das finde ich ist eher Sword & Sorcery.

Offline tartex

  • Titan
  • *********
  • Freakrollfreak und Falschspieler
  • Beiträge: 14.961
  • Username: tartex
Epic Pooh ist womöglich das schlechteste, das Moorcock je geschrieben hat. Zumindest ist es das schlechteste, das ich bisher von ihm gelesen habe. Man sollte sich lieber an seine Romane halten. Von denen sind viele wirklich großartig.

Ich bin ja generell für Dialektik. Und das bedeutet für mich, dass auch ein nicht haltbare Polemik den Austausch zu einem Thema weiterbringen kann. Eine Reaktion eine solche Polemik kann eindeutig zu Erkenntnisgewinn führen, auch wenn man die Polemik selbst total verabscheut.

Ich habe jetzt auch gar nichts wirklich gegen Epic Pooh zu sagen.

So als Teenager hatte ich schon auch was gegen das Weltbild im Herrn der Ringe, habe ihn aber nicht mehr gelesen seit ich 12 war. Habe es auch ein paar Mal noch versucht, aber bin nie über den Alten Wald hinausgekommen. Er hat definitiv ein paar meisterhafte Plottwists im Herrn der Ringe, aber ansonsten gehe ich lieber selbst wandern, wenn ich in der entsprechenden Stimmung bin.

Das ist einfach für mich zu weit weg, um noch eine eigene Meinung vertreten zu können.
« Letzte Änderung: Heute um 11:04 von tartex »
Die Zwillingsseen: Der Tanelorn Hexcrawl
Im Youtube-Kanal: Meine PnP-Let's-Plays
Kumpel von Raven c.s. McCracken

Offline korknadel

  • Mother of Hamsters
  • Helfer
  • Legend
  • ******
  • Beiträge: 5.669
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: korknadel
Ich finde gar nicht das Tolkien SOOOO der Standard fürs RPG ist.

Was Fantasy RPGs angeht, würde ich das auch behaupten. Ich bin ja mit Aventurien aufgewachsen und fand immer, dass das schon mal fast gar nichts mit dem HdR zu tun hatte (außer halt die EDO-Anleihe, die halt auch von D&D etc übernommen wurde). Mich hat abgesehen von MERS und TOR bisher eigentlich nut Trudvang ein wenig an HdR erinnert. Ansonsten sind die meisten Setting, über die ich im Rollenspiel gestolpert bin, doch herrlich eklektische Sammelsurien aller möglicher Zitate.

In der Literatur sieht bzw sah es freilich anders aus. Da hat Tolkien mit der Trilogie, in der eine Gruppe von Firguren, die zu Helden werden, die Welt rettet, tatsächlich einen Standard geschaffen, an dem sich das Genre lange abgearbeitet hat (und am Format ja immer noch weidlich abarbeitet). Howard, Leiber und Moorcock (und Vance!) konnten da mit ihren Formaten nicht mithalten. (Es mag auch eine Rolle spielen, dass man sich über mehrere Bände eines Romans auch eher mit Leuten identifizieren mag, die tapfer dafür kämpfen, dass sich am Ende nichts ändert und alles wieder so schön wird wie früher, als mit solchen, die in erster Linie für sich oder ihre Dämonen kämpfen.)
Hipster

Otherland Buchhandlung Rumspielstilziels und korknadels SF- und Fantasy-Buchladen in Berlin.

Offline felixs

  • Legend
  • *******
  • Beiträge: 6.972
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: felixs
Er hat definitiv ein paar meisterhafte Plottwists im Herrn der Ringe, aber ansonsten gehe ich lieber selbst wandern, wenn ich in der entsprechenden Stimmung bin.

Will Dich gar nicht überreden, das Buch gut finden zu müssen. Aber die (nicht nur bei Dir) oft gelesene Beschreibung als "Wanderbeschreibung" finde ich völlig unpassend. Das sind ein paar Seiten, an denen sich die Figuren von Handlungsort zu Handlungsort bewegen. Und unterwegs passieren interessante und für die Geschichte wichtige Dinge, dabei werden die Figuren weiterentwickelt und Verbindungen zwischen den Ereignissen und zwischen den Figuren und der Welt hergestellt. Man müsste schon Dinge wie die Flucht vor den Nazgûl, die Verfolgung der Spuren der verschleppten Hobbits (Peregrin und Meriadoc), oder die Episode mit den Grabunholden als "Wanderbeschreibung" verstehen.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Online nobody@home

  • Steht auf der Nerd-Liste
  • Titan
  • *********
  • Beiträge: 14.872
  • Username: nobody@home
Tolkien zählt, denke ich, insoweit zum "Standard", als er uns die Vorbilder für "klassische" Fantasy-Elfen und -Zwerge schlechthin geliefert hat. Als Völker aus Mythologie, Märchen, und Folklore sind beide natürlich noch mal ein ganzes Stück älter, aber was heutzutage oft genug ganz selbstverständlich in Settings mit oder ohne Orks herumläuft, klaut in dieser Hinsicht doch recht stark (und mal mit mehr Verständnis und mal mit weniger) erst mal speziell bei ihm oder dann halt seinen Nachahmern.

Inwieweit der ganze Rest seines Werks dann das Genre als solches geprägt hat, darüber kann man eher streiten.

Online Zed

  • Legend
  • *******
  • Sommerschwede
  • Beiträge: 5.166
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Zed
Ohne den Text des Threaderstellers im ersten Beitrag hätte mich der Titel des Threads etwas in die Irre geführt...

Die Frage ist natürlich theoretischer Natur und betrifft vor allem D&D, aber warum wurde Tolkiens EDO zum Fantasy Standard? Warum nicht die Humanozentrik von Fahrd, dem grauen Mausling, Conan und Elric? Warum Elfen, Zwerge und klischeehafte böse Orks statt verschiedener Menschenvölker und unnatürlichen Kreaturen? Und warum Feuerball Magie statt die viel interessanteren Alternativen aus Sword & Sorcery von Lovecraft, Robert E. Howard, Moorcock, Leiber und Clark Ashton Smith?  Angeblich war Gygax nämlich nicht so angetan von Der Herr der Ringe und wurde dazu überredet die Völker von Mittelerde als Klassen einzubauen.

Das liest sich jetzt vielleicht nach Trollpost oder Ragebait aber ich bin an euren Gedanken und Meinungen dazu interessiert. (Lieb sein in den Kommentaren!)

...denn ich würde die Annahme, dass Tolkien "Fantasy als akzeptiertes Genre" am stärksten geprägt hat, teilen (wenn man "Fantasy" nicht zu weit auslegt), ja, vielleicht wäre Fantasy im Mainstream ohne "Der Herr der Ringe" gar nicht angekommen, weil es schlicht in der Trivialliteratur-Ecke hängen geblieben wäre.

Aber ich möchte auch ghoul und BobMorane zustimmen, dass beim DnD-artigen Rollenspiel Tolkien nur ein Einfluss von vielen ist. Triviale Fantastik hat hier einen größeren Einfluss als anspruchsvolle Fantastik wie HdR.

Online Crimson King

  • Hat salzige Nüsse!
  • Titan
  • *********
  • Crimson King
  • Beiträge: 19.349
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Stormbringer
Was Fantasy RPGs angeht, würde ich das auch behaupten. Ich bin ja mit Aventurien aufgewachsen und fand immer, dass das schon mal fast gar nichts mit dem HdR zu tun hatte (außer halt die EDO-Anleihe, die halt auch von D&D etc übernommen wurde). Mich hat abgesehen von MERS und TOR bisher eigentlich nut Trudvang ein wenig an HdR erinnert. Ansonsten sind die meisten Setting, über die ich im Rollenspiel gestolpert bin, doch herrlich eklektische Sammelsurien aller möglicher Zitate.

In der Literatur sieht bzw sah es freilich anders aus. Da hat Tolkien mit der Trilogie, in der eine Gruppe von Firguren, die zu Helden werden, die Welt rettet, tatsächlich einen Standard geschaffen, an dem sich das Genre lange abgearbeitet hat (und am Format ja immer noch weidlich abarbeitet). Howard, Leiber und Moorcock (und Vance!) konnten da mit ihren Formaten nicht mithalten. (Es mag auch eine Rolle spielen, dass man sich über mehrere Bände eines Romans auch eher mit Leuten identifizieren mag, die tapfer dafür kämpfen, dass sich am Ende nichts ändert und alles wieder so schön wird wie früher, als mit solchen, die in erster Linie für sich oder ihre Dämonen kämpfen.)

Man muss halt auch sagen, dass dieser Sword&Sorcery-Kram schon sehr stark auf ein volljähriges männliches Publikum abzielt. Sex ist da deutlich präsenter und genauso rohe Gewalt zur Durchsetzung eigener Interessen seitens der Protagonisten. Elric würde ich jedenfalls keiner 12-Jährigen Person empfehlen. Beim Herrn der Ringe ist eher die Frage, ob man Bock hat, so dicke Bücher mit nicht zu einfacher Sprache und viel Tiefe statt viel Action zu lesen.
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und segnet Fried und Friedenszeiten.

J.W. von Goethe