Der Herr der Ringe hat was in den Leuten ausgelöst, das sie mit mehr vom fast selben wiederholen wollten. Interessant für micht ist, warum es so süchtig gemacht hat.
Ich wiederhole mich: Es ist die fantastische Welt, die man bereisen wollte, um dort eigene Abenteuer zu bereisen. Das tiefe Meer an Geschichte, auf dem man segelt. Die durchdachte und nachvollziehbare Kultur, an der man teilhaben wollte.
Dazu kommt noch ein epischer Konflikt, wie man ihn auch lösen möchte. Und eine Gemeinschaft von Helden, an deren Seite man sich gut vorstellen konnte. Das ist die perfekte Mischung.
Und Frodo mit dem Ring ist ja letztlich ab dem zweiten Band auch nur ein Handlungsstrang, der rollenspielmäßig gar nicht so viel zu bieten hat wie der Rest.
Ich sehe nicht, dass viele andere Autoren aus der Zeit das hinbekommen hätten. Ja, viele hatten weniger wortreiche Beschreibungen und mehr Action in der Handlung und mehr Fantasy in der Deko. Aber die Handlung eines Romans ist praktisch das Unwichtigste für ein Rollenspiel. Ist die Handlung erst mal bekannt, dann ist die Geschichte fürs Rollenspiel uninteressant. Wie öde wäre es, in einem Abenteuer einen Ring durch die Landschaft zu tragen und in einen Vulkan zu schmeißen... Das kennen wir schon, das braucht keiner noch mal.
Wenn du der Held einer Geschichte sein willst, dann brauchst du keinen Schauspieler, der dir alles vormacht. Du brauchst auch kein Script, dem du sklavisch zu folgen hast. Du brauchst eine inspirierende Bühne und du brauchst eine Menge Optionen, die angerissen, aber nicht auserzählt sind.
Für mich waren beim Herrn der Ringe extrem spannend auch die Karten. Vor allem die Teile, die fast leer waren. Und die Ränder, hinter denen es doch irgendwie weitergehen musste. Das plus der Epik und dem Gefühl, dass Tolkien so viel mehr bedacht hatte, als er überhaupt gezeigt hatte.
Und dafür muss man auch bedenken, dass der HdR und vielleicht auch der Hobbit in den 70er, 80er Jahre eine weite Verbreitung hatten. Das Simarillion, in dem so viele Geheimnisse gelüftet wurden, kannte daran gemessen, doch keine Sau.