Autor Thema: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?  (Gelesen 5984 mal)

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Offline Haukrinn

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Wobei der offensichtlichste Hinweis darauf, wo die D&D-Klasse ihre Inspiration her hat, doch direkt im Namen selbst liegt. Klöster gabs ja auch im historischen Mittelalter reichlich, aber deren Bewohner waren allgemein eher nicht so für ihre fliegenden Fäuste bekannt (sonst wäre die eine oder andere Plünderung auch anders ausgegangen!), und umgekehrt waren die "asiatischen" Kampfkünste im fernen Osten längst nicht bloß das Vorrecht einer besonders philosophisch-geistlichen Schicht, sondern wesentlich weiter verbreitet. Es mag durchaus neben dem Shaolintempel schlechthin noch ein paar andere gegeben haben, in denen die örtlichen Mönche im Namen der Erleuchtung spirituelles Arschtreten eingeübt haben (und ich halte das sogar für eher wahrscheinlich, hab's aber nicht recherchiert), aber die enge Verbindung zwischen "Klosterbruder" einer- und "waffenlosem Kampfkünstler" andererseits, die D&D da suggeriert, findet sich in der freien Wildbahn eben nur in ein paar recht speziellen Zusammenhängen.

Ja, und bei den alten D&D-Schinken ist das sogar noch viel einfacher, weil da ja jede Stufe in einer Klasse auch einen Titel hat.  :)
Und wenn man sich das beim Ur-Monk ansieht, dann ist ziemlich klar, dass der (1.) aus der fernöstlichen Ecke kommt und (2.) das mit der Kung Fu-Serie nur ein Teil der Wahrheit sein kann - das liest sich einmal wie 70er-Jahre-Hongkong-Kino runter...  ;D
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Was? In „Lasko - die Faust Gottes“ war alles nur erfunden?

Ich fürchte, dem war so. :'(

Etwas ernsthafter: natürlich wird's selbst in eher friedlichen historischen Klöstern auch mal kampferprobte Typen gegeben haben -- die kirchliche Laufbahn für nachrangige Adelssprößlinge ohne gute Erbaussichten war ja beispielsweise nicht unüblich, und für so manche Leute waren diese Orte auch einfach eine Zufluchtsstätte aus einem sonst verkorksten Leben --, und auch die Templer und Johanniter waren ihrerzeit ja eine Form von "geistlichem Orden", nur halt im Kampf lieber mit Schwert, Schild, und Kettenhemd. Aber die bildet natürlich seinerseits der "traditionelle" D&D-Mönch eher nicht ab. :)

Offline Kurna

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Nicht vergessen, so mancher Abt und Bischof hat seine eigenen Truppen(-teile) im Mittelalter auch in die Schlacht geführt. Die konnten durchaus auch soldatisch aktiv sein.
Aber klar, der Mönch bei D&D geht schon deutlich eher in die östliche Richtung.
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Das wäre ja dann der Kleriker (Bischof Odo + van Helsing).
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PESA diskutiert.
Desweiteren: Alle deine Probleme wurden bereits in AD&D 1e gelöst.

Offline Kurna

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Das wäre ja dann der Kleriker (Bischof Odo + van Helsing).
Ja genau. Das sehe ich auch so.
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Offline Fuchs

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Das einzige mir bekannte, prominente Beispiel für einen kämpfenden christlichen Mönch, welcher sich seit dem Spätmittelalter bis heute in der Literatur etabliert hat, ist Bruder Tuck.

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Don Camillo ist auch Kleriker. Und schlägt ne harte Kelle!
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Don Camillo ist auch Kleriker. Und schlägt ne harte Kelle!

Don Camillo hat mein Bild davon, wie ein "richtiger" Kleriker sich wohl verhalten würde, definitiv mitgeprägt. Der Mann hat ein persönliches Verhältnis zu seinem Chef, von dem viele D&D-Zauberpriester eigentlich nur träumen können, und das, obwohl sie von ihren deutlich mehr "bloße" weltlich-magische Macht verliehen kriegen! ;D

Offline Lichtschwerttänzer

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Was? In „Lasko - die Faust Gottes“ war alles nur erfunden?
I.66 dort sind Mönche, keine Ordensritter, mit Schwert und Schild Kampfübungen durch führend  abgebildet.
Bei den japanischen war u.a, auch mkn die Naginata sehr beliebt
“Uh, hey Bob?”
“What Steve?”
“Do you feel like we’ve forgotten anything?”
Sigh. “No Steve. I have my sword and my bow, and my arrows and my cloak and this hobbit here. What could I have forgotten?”
“I don’t know, like, all of our stuff? Like the tent, the bedroll, my shovel, your pot, our cups, the food, our water, your dice, my basket, that net, our spare nails and arrowheads, Jim’s pick, my shovel, the tent-pegs…”
“Crap.”

Offline Fuchs

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Don Camillo hat mein Bild davon, wie ein "richtiger" Kleriker sich wohl verhalten würde, definitiv mitgeprägt. Der Mann hat ein persönliches Verhältnis zu seinem Chef, von dem viele D&D-Zauberpriester eigentlich nur träumen können, und das, obwohl sie von ihren deutlich mehr "bloße" weltlich-magische Macht verliehen kriegen! ;D

Dazu noch die Bereitschaft bei entsprechend großer Bedrohung für die Menschen auch zu drastischeren Mitteln zu greifen  und mit vermeintlichen „Feinden“ der Religion zusammenzuarbeiten um die Situation der Menschen zu verbessern. (Kampf als Partisane an der Seite der Kommunisten)

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Dazu noch die Bereitschaft bei entsprechend großer Bedrohung für die Menschen auch zu drastischeren Mitteln zu greifen  und mit vermeintlichen „Feinden“ der Religion zusammenzuarbeiten um die Situation der Menschen zu verbessern. (Kampf als Partisane an der Seite der Kommunisten)

Yep. Herz am rechten Fleck und alles, was dazugehört. Natürlich paßt das wiederum nicht unbedingt zu jedem Fantasypriester gleichermaßen, aber die anderen Sorten sind dann halt die, mit denen man sich normalerweise kabbelt -- und in einer polytheistischen Welt, wie man sie ja standardmäßig meist vorfindet, sollte religiöse Toleranz mMn ohnehin eher ausgeprägter sein. Denn der in dieser Hinsicht ausschlaggebende Unterschied zwischen Poly- und Monotheismus ist doch, daß der Polytheist überzeugt ist, daß die Welt alle diese Götter (oder wenigstens die meisten 8]) zum Funktionieren tatsächlich braucht...

Offline General Kong

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Kein Apollo-Priester im antiken Griechenland käme auf die Idee, dass es Zeus nicht gäbe, er eine "falsche" Gottheit wäre oder Apollo "höher" wäre als der Göttervater.

Er agiert heno-theistisch (Apollo ist seine bevorzugete Gottheit) oder ist einfach der bestellte oder z.T. ausgeloste Priester, der Apollos Verehrung bestellen muss zum Nutzen der Gemeinschaft - deren einer Teil darin besteht, dass Apollo nicht sauer wird, weil man ihm nicht opfert und verehrt.

Das ist keine Toleranz im moderne Sinne, denn der Apollo-Priester hält ja nicht aus (tolerare), dass andere auch andere Götter verehren, er versieht eher einen besonderen Dienst. Der Zeus-Priester einen anderen.

Er würde wohl auch nicht bestreiten, das Isis, Osiris und Baal mächtige und reale Götter sind - in Ägypten und Karthago/ Phönizien. Und sogar vielleicht nur eine besondere Verehrungsform seiner Götter dort. Aber in Griechenland hat Baal halt nichts zu betellen.
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Kein Apollo-Priester im antiken Griechenland käme auf die Idee, dass es Zeus nicht gäbe, er eine "falsche" Gottheit wäre oder Apollo "höher" wäre als der Göttervater.

Er agiert heno-theistisch (Apollo ist seine bevorzugete Gottheit) oder ist einfach der bestellte oder z.T. ausgeloste Priester, der Apollos Verehrung bestellen muss zum Nutzen der Gemeinschaft - deren einer Teil darin besteht, dass Apollo nicht sauer wird, weil man ihm nicht opfert und verehrt.

Das ist keine Toleranz im moderne Sinne, denn der Apollo-Priester hält ja nicht aus (tolerare), dass andere auch andere Götter verehren, er versieht eher einen besonderen Dienst. Der Zeus-Priester einen anderen.

Er würde wohl auch nicht bestreiten, das Isis, Osiris und Baal mächtige und reale Götter sind - in Ägypten und Karthago/ Phönizien. Und sogar vielleicht nur eine besondere Verehrungsform seiner Götter dort. Aber in Griechenland hat Baal halt nichts zu betellen.

In etwa darauf will ich hinaus, ja. Es ist auch leicht vorstellbar, daß sich ein hinreichend kleiner Ort, wenn überhaupt, nur einen Priester oder gar einen oft leerstehenden, aber von der Gemeinde trotzdem sauber gehaltenen und regelmäßig besuchten Schrein für alle zumindest für die Einwohner wichtigen Götter leisten kann -- wichtig ist für diese Leute ja die Verehrung und angestrebte Kommunikation mit denen an sich, nicht der Exklusivitätsanspruch dieser oder jener Spezialistenpriesterschaft.