Der Kampf beginnt, die Spieler versuchen sich jeden Vorteil zu erquatschen, auch unmögliche.
Das ist völlig normal. In den allermeisten Fällen ist der Beginn eines Kampfes im Rollenspiel vergleichbar mit dem Beobachtereffekt in der Quantenphysik. Ein chaotischer, nicht genau definierter Zustand, wird durch die direkte Betrachtung konkretisiert. Wer steht wo, wo steht was, etc. Wo das meistens gerade eben noch völlig amorph war, wird es nun relevant.
Selbstverständlich möchte jeder einen Kampf mit einer möglichst optimalen Ausgangssituation beginnen.
Unmut tritt dabei vor allem dann auf, wenn die Spieler nicht das Gefühl haben, dass die Spielleitung objektiv handelt. Wenn also auch das Vertrauen in die Benevolenz der Spielleitung bereits erschüttert oder ganz verloren ist. Die Spielleitung wird dann zu einer antagonistischen Figur. Das ist bereits ein Problem für sich.
Komplizierter wird es dann, wenn die Regeln das befeuern. Bzw. die Unklarheit der Regelbasis. Solide und transparente Regeln können ein objektivere Sicht auf die Situation erwirken. Erzwingen nicht, aber deutlich begünstigen. Ungerechtigkeit wird ja sogar dann von Menschen empfunden, wenn sie faktisch unmöglich ist. Leute schmeißen auch mal fluchend einen Game Controller in die Ecke, wenn ein Computergegner sie besiegt hat, obwohl der sich mangels echter Intelligenz ja zu 100% an gescriptete Regeln hält. Lassen wir da mal Spiele außen vor die nachweislich betrügen…
Was den Stress für viele Spieler unnötig steigert, ist das Kampf im Rollenspiel von vielen als binäres Phänomen wahrgenommen wird. Das Resultat ist Triumph, oder Auslöschung. Spieler, die glauben das ein Kampf nicht ausschließlich mit dem Tod ihrer Figuren enden muss, sind deutlich lockerer. Natürlich nur, wenn das auch ausreichend häufig stimmt.
Ich empfehle folgende "Tricks", um diese Konflikte zu entzerren und potentiell aufzulösen:
1. Lass als SL auch die NSC um Vorteile ringen. Das findet sozusagen nur in deinem Kopf statt, aber lass sie dabei auch ruhig mal scheitern und sie einen Kampf in ungünstigeren Positionen beginnen, als sie optimal haben könnten. Fehlbarkeit der NSC, sowie objektive Missgunst des Schicksals lehrt deine Spieler, sehr hintergründig und subtil, dass du als SL nicht auf einer der beiden Seiten stehst.
2. Lass immer einen der Spieler für einen NSC würfeln. Wenn ein Mitspieler den perfekten Treffer gewürfelt hat, bist du nicht schuld. Und wenn das ständig rotiert, ist auch keiner der Mitspieler schuld. Die Würfel werden objektiv unparteiisch. Und würfle, wenn du doch selbst würfelst, alle wichtigen Dinge niemals hinter einem Schirm.
3. Frag ruhig mal einen der Spieler "Was würdest du jetzt tun, wenn du NSC XY wärst? Wen würdest du angreifen? Und warum?" Das entzerrt die Antagonistenrolle etwas. Die Spieler lernen zu verstehen, dass auch die NSC Akteure sind, die das Ziel haben zu gewinnen.
4. Bringe den Spielern bei, dass es andere mögliche Ausgänge eines Kampfes gibt, als die Auslöschung einer Seite.