„Nicht jetzt!“ Der Colonel hatte wohl innegehalten, denn er dachte Arthur als 3WE Mitglied würde ihm zur Seite stehen, wenn er der Verwaltungsangestellten ihren Rang, ihre Aufgaben und ganz besonders ihre Einstellung zum New Albion Protectorat erklärte.
Der Befehlston des Colonels ist schneidend und Lynna schaut dich entschuldigend an. Sie würde wahrscheinlich viel lieber mit dir über die Zukunft der NAPRO philosophieren als mit dem Colonel streiten, aber das hier ist eine Frage von Rang und Gehorsam.
Mit einer entschuldigenden Geste zieht sich Arthur etwas zurück und lässt den Blick noch einmal über die Streithähne streifen.
Eine Friedensmission, wer es glaubte! Immerhin war keines der Militärs an der Mission beteiligt, nur eine Rumpftruppe aus 40 UNISC Blauhelmen bestehend aus Soldaten des 3WE, den UA und der UPP. Aber ein Blick zurück in die Korridore ließen Arthur nachdenklich werden. Wie leicht wäre es Soldaten unter die 10.000 Kolonisten zu schleusen oder, Sabotagetruppen oder Spione. Aber nein, er kannte sein Auswahlverfahren, die Sicherheitsscreenings, die Backgroundchecks. Das Verfahren wurde von der UNISC geführt, schwer für die Staaten daran vorbeizukommen. Aber die Konzerne, We-Yu? Eine kleine Privatarmee unter den Kolonisten. Denkbar, möglich, aber wahrscheinlich? Arthur wusste es nicht, offiziell waren es nur diese 40 Blauhelme mit der Bewaffnung die auch ein Infanteriezug der Colonial Marines ihr Eigen nennen würde, kein schweres Gerät. Sie erwarteten Hilfsbedürftige keine Rebellion und es war eine humanitäre Mission!
Das es nicht leichter werden würde war jetzt klar. Die 3WE und We-Yu wollten zurück, was ihnen einst gehört hat. We-Yu als Gründer der Kolonien, jedenfalls großer Teile davon, großzügig unter den Schutz des 3WE gestellt. Aber die Mission sah vor, dass die Kolonien unter der Leitung des UNISC neu aufgebaut werden sollten. Keine Anbindung an einen Konzern, keine Anbindung an ein Staatenkonglomerat, ehemaliger Reichtum hin oder her. Die UA waren nur hier, weil ihr ewiger Feind die UPP die Mission mit ins Leben gerufen hatte und wenn eins klar war, dass die UPP kein Interesse daran hatte aus Menschenliebe und Güte die Kolonien zu retten. Ja, sie waren Vertreter der kleinen Arbeiter, aber ein Politbüro brauchte „kleine“ Arbeiter. Viele davon und vielleicht war das die Chance sich neue Hoheitsgebiete zu erschließen.
Das jetzt ein offener Krieg zwischen der UA und der UPP ausgebrochen war und die UPP die Souveränität der DMZ missachtet hatte, war ein gefundenes Fressen für die UA. Es diente dazu ihr Misstrauen und das Vorbehalten gegen die Mission als Ganzes und im Besonderen gegen die UPP auszuleben. Was wohl passieren würde, wenn die ersten Stücke vom Kuchen verteilt wurden?
Arthur musste der Besatzung irgendwas sagen. Dudgeon, UPP, Monroe 3WE, wie sie zur NAPRO stand wusste er nicht, Quintana UA, Koblenz UPP und Amir und ihre Jungs 3WE mit unklaren Loyalitäten zum 3WE oder zur NAPRO, Tsukuda 3WE und Jones UA. Wie die Nachricht ankommen würde konnte sich Arthur denken. Aber nichts zu sagen würde die Mannschaft nur noch mehr dazu anstacheln auf eigene Faust Informationen herauszubekommen. Das es Spannungen geben würde war klar. UA, UPP, 3WE und NAPRO alles auf der USCSS Solovetsky Island vereint in mehr oder weniger wichtigen Positionen.
Das Schiff aus der Politik heraushalten würde schwer werden, nicht wegen der Besatzung aber weil der oberste Befehlshaber der 3WE etwas zu sagen hatte. Was würde es bedeuten, wenn er Loyalität einforderte, oder wenn die Stimmung kippte und die NAPRO Anhänger ihn loswerden wollten. Wie würden er und sein Bruder sich entscheiden. Alles Dinge die Arthur Kopfschmerzen bereiteten, aber jetzt nicht zu lösen waren.
In einem passenden Moment in dem er glaubte die streitenden sich selbst überlassen zu können nahm er Kholwa Abantu beiseite und der schien erleichtert zu sein, mal für einen Augenblick nicht die Feuerwehr spielen zu müssen die diesen Brandherden Einhalt gebot bevor ein Flächenbrand daraus wurde.
Fragend sah Abantu den Captain der Solovetsky Island an.
„Ja…?“