Autor Thema: Darf ich alles Spielen unabhängig davon ob ich es verkörpern kann?  (Gelesen 2025 mal)

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Offline Luxferre

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Ja klar  :d  aber so ist es auch gut!
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Online Haukrinn

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Okay, und inwiefern unterscheidet sich das davon, dass man in einem anderen Spielstil bitte keinen Sozialcharakter spielen soll, wenn man nicht sozial ist? Wo zieht ihr da die Grenze?

Für mich stellt es sich exakt gleich da. Das uneingeschränkte "Ja" von Ghoul kann jedenfalls nicht gelten. Da ist also auch ein dickes "Aber" dabei.

Das OSR-Beispiel hinkt, weil das keine Frage des Charakters sondern des Spielstils ist. Dein Spiely wäre dann für jede Rolle im OSR falsch. Und beim Sozialcharakter ist das IMHO was anderes. Wenn da eh gewürfelt wird, ist's egal, weil der Bereich verregelt wird. Wenn's ausgespielt wird, dann ist das Gruppenkontrakt. Und damit wie ich oben schon schrieb nicht Teil der Eingangsfrage.

Es läuft eigentlich immer darauf hinaus, dass die Frage ist, ob ich mit dem was ich darstelle das Spiel spiele, was am Tisch gespielt wird. Und das ist für mich in aller Regel keine Frage der Verkörperung.
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Offline unicum

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Das finde ich eben sehr interessant.
Generell kommt mir der Tenor vor, dass bei defizitiären Darstellungsfähigkeiten mehr Nachsicht geübt wird, als auf Taktischer / Regelseitiger Ebene.
Eventuell weil letzteres gerne mal zum Tod auch des eigenen Charakters führen kann?  :think:

Danke, es war aber auch sehr konstruiert von mir denn tatsächlich ist es mir so noch nie passiert und ich mach den Kram ja schon eine Weile,... Also Spieler mit taktischer inkompetenz hab ich schon welche, aber die haben nie versucht den Generalfeldmarschall zu spielen.

Vieleicht noch soviel dazu:
Habe ich schonmal Spielern ein Charakterkonzept verboten weil ich dachte das sie es nicht verkörpern können?


Aus anderen Gründen,...? hm vieleicht indirekt schon wenn ich eben wie oben sage das wir auf Mittelerde spielen und nicht in einem Mittelerde/SW crossover. Es ist aber auch nur selten mal jemand auf mich zugekommen (also ich glaub zweimal seit ~1982 oder so) und wollte etwas so abstruses spielen das ich nein gesagt habe. (Meistens aber wegen Munchkinerism)

Als ich auf dem lezten Con etwas exotisches (im rahmen der möglichkeiten der Spielwelt) gespielt habe, fragte ich auch vorher die ganze Runde wie es ausschaut und es war kein problem. Ob ich das richtig "verkörpert" habe? Keine Ahnung, aber wir haben uns alle für den nächsten Con verabredet es weiterzuspielen.

Es gibt Dinge bezüglich "verkörpern" die mich etwas nerfen: unnötig aufgeblasene Stereotypen

Online Kurna

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Wenn ich gar nicht in der Lage bin etwas zu ver"körpern" (  ~;D  ), dann sollte man das aus reflektiertem Selbstbewusstsein auch sein lassen.
[...]
(Hervorhebungen von mir)
Warum sollte man das lassen, nur weil du es nicht kannst?  ~;D

Ansonsten bin ich auch eher in der Fraktion alles geht. Die einzige Vorgabe, die wir haben, ist, dass die Gruppe als solche funktionieren können soll. D.h., wenn ich DSA leite, möchte ich nicht unbedingt einen Praiospriester und einen Schwarzmagier zusammen in der Gruppe haben. Aber einzeln würden beide gehen. Da muss die Gruppe dann halt einen Kompromiss finden.

Ist aber auch alles kein Problem mehr, weil ich schon lange nicht mehr mit Hinz und Kunzine spiele, sondern in festen Gruppen, die sich seit Jahrzehnten kennen.
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Offline Tudor the Traveller

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Deine Meinung unbenommen, ich finde mich da nur immer so semi wieder. Klar soll es Spaß machen, aber wenn es "nur" Spaß macht, dann ist mir das angesichts der Zeit die ich investiere, fast zu wenig.
Wenn ich etwas gern mache, dann mache ich es auch mit einem Schuss* Ehrgeiz, Akribe und Anspruch, durchaus auch mit Wettbewerbsgedanken und Arbeit- das bringt dann nicht nur Spaß, sondern mehr Spaß und zusätzlich auch Zufriedenheit.
(Wohlemerkt: ich spreche von einem Schuss, nicht von absoluten Fokus darauf; es geht durchaus auch locker zu in unseren Runden)

Jetzt hast du mein Interesse geweckt: woran wird der Ehrgeiz denn fest gemacht? Das Fußball Beispiel hinkt hier, weil man ja ein Team gegen ein anderes setzt. Im RPG gibt es diese Form von Wettkampf normal nicht. Und wenn man Individualsport heranziehen, fehlt dem RPG auch ein äußerer Maßstab (z.B. ein Rekord). Mir erschließt sich nicht, wie man da etwas "schaffen" kann, weil die SL ja die Messlatte in der Hand hat und ich gar nicht sehen kann, a) wie hoch sie sie gerade hält und b) ob sie sie nicht dauernd nach Gusto ändert.

Bleibt halt lediglich das subjektive Gefühl, etwas Tolles geschafft zu haben (aka Spaß). Oder was übersehe ich?

Was mir allenfalls einfällt ist Vorab-Kenntnis der Herausforderung, weil man z.B. die Spielwerte von Monstern, Fallen etc. kennt. Oha, ein roter Drache, jo der ist Challenge Rating 174, das wird happig...
« Letzte Änderung: Heute um 12:16 von Tudor the Traveller »
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Offline Feuersänger

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Habe ich im Rollenspiel Anspruch darauf, alles spielen zu dürfen, was das Regelwerk hergibt?
Oder bin ich darauf limitiert was ich Darstellen kann?

Okay, das ist eigentlich eine ganz gute Grundsatzfrage, die auch die CHA- und INT-Problematiken mit einschließt.

Und wenn ich so darüber nachdenke, gelange ich eigentlich zu dem Schluss: Nein, hast du nicht.
Du hast btw nichtmal Anspruch darauf, alles zu spielen _was_ du darstellen kannst.

Der Grund dafür ist, dass Rollenspiel ein Gruppenspiel sein sollte und keine Konglomeration aus 5 Einzeldarbietungen.
Oder wie iirc 1of3 es mal (vor x Jahren) subsummiert hat: "Nein, es ist nicht dein Charakter".

Einerseits sind natürlich viele Systeme seit D&D 0E darauf ausgelegt, dass die SC unterschiedliche Schwerpunkte und Fähigkeiten haben und diese sich ergänzen sollen, damit die Party ein abgerundetes Ganzes bildet.
Und andererseits beinhaltet das eben auch die Forderung: Geh deinen Mitspielern nicht auf den Sack!

Und dieses Auf-den-Sack-gehen kann halt über verschiedene Vektoren passieren. Sei es der unerträgliche Kender, der ständig mit Fleiss jede Falle auslöst oder der Barbar der jeden Gegner alarmiert oder provoziert. Oder der unterträgliche Lone Wolf, der nicht zur Kooperation bereit ist und einfach nur sein Ding durchziehen will (oder am besten nichtmal das, weil der SC eigentlich überhaupt nicht da sein will, und somit der Spieler vom SL verlangt ihn ständig ins Abenteuer zu zwingen).

Ooooder eben auch, der vermeintlich charismatische Paladin oder Barde, der aber vom Spieler komplett hölzern rübergebracht wird, oder der auf dem Papier superintelligente Magier der saudumme Dinge tut, oder oder. Da hat die Gruppe mE definitiv ein Mitspracherecht, ob sie das hinnehmen will (weil man eben unbedingt ein Face braucht, und wenn es noch so schlecht gespielt wird).

Der Vergleich mit HEMA zieht da auch nicht, da wir ja schließlich die Kämpfe nicht mit Schwert in der Hand ausfechten sondern mit Würfel und Bleistift. Da ist es eigentlich fast invers: es KANN unglaublich ermüdend sein, mit gewissen IRL Kampfsportlern zu spielen, wenn diese dann ständig ihr echtes oder eingebildetes Praxiswissen einbringen und damit an den Regeln vorbei diskutieren wollen. Da könnte man fast sagen: wer HEMA macht, hat Kämpfer-Verbot.  >;D
Der :T:-Sprachführer: Rollenspieler-Jargon

Zitat von: ErikErikson
Thor lootet nicht.

"I blame WotC for brainwashing us into thinking that +2 damage per attack is acceptable for a fighter, while wizards can get away with stopping time and gating in solars."

Kleine Rechtschreibhilfe: Galerie, Standard, tolerant, "seit bei Zeit", tot/Tod, Stegreif, Rückgrat, die Nutella

Online First Orko

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Man kann das als Lernerfahung angehen und seine skills erstmal in kleiner, vertrauter Runde testen. Selbstbewusstsein aufbauen, reden und etwas Sicherheit finden.
Man kann etwas spielen, was gegen die eigene Natur ist, also den rücksichtsvollen und unterstützenden Heiler, anstelle das x-te Mal den natürlichen Anführer zu mimen nur weil man das auch im RL kann.
Oder auch moralische Grenzen antesten und den Schurken spielen, wo man im RL niemals diese Grenze überschreiten würde. Diebstahl, Intrige oder Auftragsmord.
Rollenspiel bietet das Spielfeld dafür.
[/quote]

Gut gesagt. Idealerweise ist es ein Kreislauf: Aussuchen - Ausprobieren - An Grenzen stoßen - Spielweise anpassen - An Grenzen stoßen..  und so weiter. Mit etwas Selbstreflexion (und in vertrauter Runde sich auch mal fremden Beurteilungen stellen) kommt man dann irgendwann in einen Wohlfühlbereich, wo man mal ein stückweit sich mit einem Fuß herausbewegen mag, aber weiß dass es außerhalb dessen nur stressig und frustig wird, für einen selbst, die Gruppe oder Beides.

Damit das klappt, müssen ein paar Randbedingungen passen. Je weniger davon da sind, desto schwieriger wird es. Zunächst: Selbstreflexion und die Fähigkeit und Motivation, das eigene Spiel kritisch zu hinterfragen. Aber auch: Die Möglichkeit, Fehler zu machen - Ja, auch den Face zu spielen wenn man im sozialen Bereich in RL ziemlich suckt.
Aber auch: die Stärke damit umzugehen wenn man von außen das Signal bekommt, DASS das gerade ein Fehler war. Zum Beispiel den Conan zu geben für jemand, die im Grunde ihres Herzens Pazifistin ist. Oder so.

Ich habe durch den Willen und die Möglichkeit, Charakterkonzepte abseits meines Wohlfühlbereichs zu spielen, durchaus soziale Skills erlernt, die ich im realen Leben anwenden konnte - und das wirkt dann auch ins Spiel zurück.

Ich will aber auch so spielen und ich möchte andererseits aber auch, dass die Charaktere im Spiel auch stimmig wirken - das muss nicht heißen, dass die Femme Fatale die SL in einer Szene durch echten Charme um den Finger wickelt... aber es sollte in der Erzählung etwas stattfinden, was mir eine Idee davon gibt, warum die Aktion "Ich wickle den Boss der Gang um den Finger um ihm eine Information einzuflüstern" gelungen ist. Da ist ein Widerspruch und ich glaube, das ist so ein Teil des Kerns dieser Diskussion. Einerseits wollen wir alle viele manche  - die Einen mehr, die Anderen weniger - am Ende doch eine sich gut anfühlende Erzählung und ein Teil dieser Erzählung kann sein, dass die nicht existierenden Figuren unserer Köpfe irgendwie durch ihre Aktionen geglänzt haben.. nicht nur durchs Ergebnis, sondern auch durch die Aktionen selbst.

Ich meine, es gibt eine Menge Hacks mit denen man das erreichen kann - ohne das man explizit etwas verbieten muss. Aber man sollte sich den Möglichkeiten bewusst sein und sie nutzen, wenn sie nötig werden.
Das Folgende sollen ein paar Werkzeuge sein, die in unterschiedlichen Situationen wo das das Ausspielen per direkter Darstellung an Grenzen stößt. Ich gehe von einer Runde aus, die einen gewissen Wert auf Darstellung legt und größtenteils in erster Person spielt.

Erzählen statt ausspielen
Gerade wer Probleme hat, in heiklen Situationen in direkter Rede die richtigen Worte zu finden, kann trotzdem jederzeit auf die dritte Person ausweichen. Statt "Ich verstehe, du tust hier nur deine Pflicht und wir haben keine Einladung, also sollten wir abdampfen. Anstrengender Job, die ganze Zeit stehen - auch wenn du ja ziemlich standfest aussiehst *zwinkerwzinker* Nach so einem anstrendenden Tag sollte man sich unbedingt massieren lassen.. und rate mal, wer das SEHR gut kann..?"

... ging es auch so:

"X deutet an, dass so ein Job ja sehr anstrengend ist und umschmeichelt die Wache mit der Aussicht auf ein Date wenn sie uns reinlässt"

Die Not zur Tugend machen
Der glänzende Anführer wird gar nicht so entschlussfreudig gespielt, weil der Spiely immer auf Nummer sicher gehen will? Vielleicht gibt es einen Grund, dass er zaudert.. vielleicht hat er einen Fehler gemacht in der Vergangenheit und seitdem bestimmte Entscheidungen schwer? Manchmal kann man den Teil, den man nicht gut darstellen kann auch zu einer gezielten Schwäche der Figur machen, ohne das Charakterkonzept komplett zu brechen.

Frag die Anderen
Blackout in einer Szene? Man sagt die Aktion, würfelt, die SL sagt "Beschreib mal!" und dir fällt...NIX ein? Egal, es spielen ja Andere mit. Vielleicht hat ja jemand eine Idee?
Auch wenn es dann das gefürchtete METASPIEL wird - manchmal reicht nur ein Impuls und dann kommt doch noch eine eigene Idee. Im schlimmsten Fall redet man 1 Minute kurz und erzählt eine coole Aktion, an die man sich erinnert wo sonst nur "gewürfelt - gelingt" passiert wäre.

Kopiere
Vielleicht gibt es ja vergleichbare Szenen in Büchern, Filmen, Serien? Wenn nicht zu häufig eingesetzt kann man sich daran orientieren und ein Zitat abwandeln, eine Kampaktion aus einem coolen Actionfilm nacherzählen.. entweder man erkennt die Anspielung oder kein anderer hat die Szene so in Erinnerung. Auch hier: besser als nix.

Vielleicht gibts ja noch ein paar andere konstruktive Ideen, damit wir mal von "Das braucht kein Mensch!" und so komischen Strohmännern á la "Sollen wir alle zur Schauspielschule oder was?" wegkommen...
It's repetitive.
And redundant.

Dir ist schon klar, dass es in diesem Forum darum geht mit anderen Leuten, die nix besseres mit ihrem Leben zu tun haben, um einen Tisch zu sitzen und sich vorzustellen, dass wir Elfen wären.