Autor Thema: Tarinyon erstellt ganz viele Charaktere (D&D und Blackmoor)  (Gelesen 548 mal)

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Offline tarinyon

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Es sind Ferien, die Kinder sind daheim, schlafen spät und generell ist wenig Zeit für Zock und intensives Brainstorming. Daher habe ich eine Beschäftigungstherapie begonnen, wo ich mechanisch Schritt-für-Schritt Sachen abarbeiten kann.

Die Idee: ich gehe chronologisch durch mein gesamtes Rollenspielregal und erstelle für jedes meiner Systeme einen Charakter.

Dabei gelten folgende Regeln: 1) Ich arbeite nur mit physischen Büchern (PDFs zählen nicht), 2) wenn es eine randomisierte Charaktererschaffung gibt, wird diese gegenüber Point-Buy präferiert, 3) ich versuche möglichst abzuwechseln, sofern es die Werte hergeben (also z.B. nicht immer nur Krieger oder immer nur Magier), 4) Es wird nur mit dem Grundregelwerk gearbeitet.

Es geht nicht darum, die Systeme auf Herz und Nieren zu testen. Es geht vielmehr darum, einen Einblick in die Charaktererschaffung zu geben und die vielen Systeme, die ich sonst nur als SL erlebt habe, auch mal von der Spielerseite her zu sehen. Die Charaktererschaffung ist ja oft das einzige, was die Spieler von den Regeln überhaupt lesen. Wenn das abschreckt, dann wird es mit dem System meistens nix.

Hier die geplante Reihenfolge (soll später als verlinkbares Inhaltsverzeichnis dienen). Ich orientiere mich dabei an dem Veröffentlichungsdatum der jeweiligen Version, die ich vorliegen habe, nicht an der Originalversion. Kann sein, dass da ein paar Jahreszahlen durcheinander geraten sind, aber ist ja egal, weil eh alles getestet werden soll.

1) Dungeons & Dragons Bonus Content: Blackmoor / First Fantasy Campaign
2) RuneQuest 2E
3) Chivalry & Sorcery 2E
4) DSA 1
5) DSA 2
6) Rules Cyclopedia (englisch)
7) HârnMaster 1E (deutsch)
8 ) Ars Magica 2E (deutsch)
9) RuneQuest 3E (deutsch)
10) Earthdawn 1E (deutsch)
11) GURPS 3E (deutsch)
12) Advanced Dungeons & Dragons 2E (deutsch)
13) ERPS
14) DSA 3
15) Shadowrun 3 (deutsch)
16) Ars Magica 4 (deutsch)
17) Midgard 4
18) D&D 3.0 (englisch)
19) Star Wars d20
20) Call of Cthulhu d20
21) SpyCraft 1E
22) Legends of the Five Rings 2E
23) D&D 3.5 (englisch)
24) Conan d20 (englisch)
25) Star Wars d20 revised
26) HERO 5E
27) Shadowrun 4A20 (deutsch)
27) Pathfinder 1E (englisch)
28) Earthdawn 3E
26) Fantasy Craft
27) RuneQuest 6E (deutsch)
28) Hackmaster 5E
29) DCC (englisch)
30) Chivalry & Sorcery 5E
31) The Fantasy Trip
« Letzte Änderung: Gestern um 21:22 von tarinyon »

Offline KWÜTEG GRÄÜWÖLF

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Re: Tarinyon erstellt ganz viele Charaktere
« Antwort #1 am: Gestern um 13:52 »
Geiles Projekt, ich wäre zu faul für sowas.  :d
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Offline KhornedBeef

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Re: Tarinyon erstellt ganz viele Charaktere
« Antwort #2 am: Gestern um 14:53 »
Warum brauchst du Beschäftigung, wenn du weniger Zeit hast...  ;D
Aber schönes Projekt. Vielleicht mache ich das mit einer Auswahl auch mal.
Gibt es ein gemeinsames Muster, was für Figuren es werden? Gerade, weil die Systeme ja Überschneidungen haben, machst du dann eben den dritten Fighter in 3.5/PF/Fantasy Craft , oder wie planst du das?
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Offline klatschi

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Re: Tarinyon erstellt ganz viele Charaktere
« Antwort #3 am: Gestern um 15:09 »
Geil, schau ich mir gerne an hier!!

Offline tarinyon

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Re: Tarinyon erstellt ganz viele Charaktere
« Antwort #4 am: Gestern um 15:12 »
Es wird das erstellt, was dir Würfel vorgeben. Für die point buy Systeme überlege ich mir noch was.

Offline Namo

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Re: Tarinyon erstellt ganz viele Charaktere
« Antwort #5 am: Gestern um 15:23 »
Also ich bin auch recht verdattert weshalb man so etwas zeitaufwändiges macht. ~;D Aber ich finde das auch ein tolles Projekt und bin gespannt. Ich werde es regelmäßig verfolgen.

Offline tarinyon

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Re: Tarinyon erstellt ganz viele Charaktere
« Antwort #6 am: Gestern um 19:04 »
Tja, da zeig ich doch einfach mal gleich am besten, wie schnell es gehen kann...

1. DUNGEONS & DRAGONS
Wenn wir mit möglichst vielen Systemen erproben wollen, wie gut oder schlecht da die Charaktererschaffung funktioniert, dann müssen wir ja wohl oder übel mit dem ersten Rollenspiel beginnen. Ich habe hier ganz bewusst Dungeons & Dragons geschrieben und nicht OD&D, D&D0E oder LBB oder whatever. Weil am Anfang gab es eben nur diese eine Box mit den drei kleinen Heftchen. Und mehr braucht man auch nicht. Klar, irgendwelche Scammer erzählen einem im Internet, dass es dieses oder jenes kewle System gibt, was angeblich OD&D et al retroklont (und meist ist es gelogen). Aber das kann man alles vergessen. Stattdessen kauft man sich einfach bei DriveThruRPG für ca. 8 bis 9 € die 3 PDFs und druckt sich diese mit Broschürenfunktion eines handelsüblichen Druckers aus. Nimmt sich nen Langarmhefter und heftet sich daraus drei Regelwerke. Wir nehmen davon das Book I "Men & Magic" zur Hand. Des Weiteren nehmen wir drei handelsübliche Würfel (also die mit den sechs Seiten), ein Blatt Papier und einen Bleistift. Denn für Dungeons & Dragons gab es damals keine Charakterbögen. Braucht man auch nicht.

BESTIMMUNG DER EIGENSCHAFTEN (ABILITIES)
RAW ist es eigentlich so, dass der Referee diese Würfe durchführt (siehe Book I, 10). Der Einfachheit halber mache ich das jetzt selbst. Wir würfeln der Reihe nach 3x für jede der sechs Eigenschaften:

Strength: 17
Intelligence: 12
Wisdom: 13
Constitution: 11
Dexterity: 8
Charisma: 14

Gar nicht schlecht!

Nun haben wir die Wahl zwischen drei Klassen (Fihting-Man, Magic-User, Cleric) und mehreren Rassen (Humans, Dwarves, Elves, Hobbits/Halflings & laut Book I, 8 "virtually anything", also z.B. auch nen Drachen! - wir bleiben aber konservativ).
Da Strength die Leiteigenschaft (prime requisite) für Fighting-Men ist und man bei einem Wert von 15 oder mehr 10% Erfahrungsbonus bekommt, wählen wir einen Fighting-Man. Die Haupteigenschaften wirken sich neben dem EP-Bonus (bzw. Malus) nur wenig aus und sind im Großen und Ganzen unveränderlich.

Für uns wichtig: DEX beeinflusst, wie gut man mit Fernwaffen schießt. Da bekommen wir einen Malus von -1.  Unsere CON von 11 bedeutet, dass wir eine 80 %-Chance haben, Versteinerung, Paralyse und dergleichen zu überstehen. Unser CHA von 14 sagt wiederum, dass wir 5 Gefolgsleute führen dürfen, die auf ihren Loyalitätswert +1 addieren (zusätzlich darf man beliebig viele Men-at-Arms anheuern, aber die sind halt opportunistisch und können einem in den Rücken fallen).

Theoretisch hätte es auch keinen Nachteil, eine andere Klasse als Fighting-Man zu wählen, weil ich ja in INT einen durchschnittlichen  Wert ohne Malus und in WIS einen guten Wert mit 5%-Bonus auf XP habe. Allerdings passt das hohe CHA am besten zu einem Fighting-Man, der ja im letzten Level (auf Stufe 9) zum Lord aufsteigt und dann seine eigene Baronie managen will (mit entsprechenden Einkünften.

Bleibt noch die Wahl der Rasse: Fighting-Man kann theoretisch jede Rasse sein. Hobbits sind nicht sooo toll, weil sie nur bis Level 4 aufsteigen dürfen. Zwerge dürfen immerhin bis Level 6 gehen. Sowohl Zwerge als auch Hobbits haben aber eine Resistenz gegen Magie. Und Zwerge können noch ein paar Sprachen, dürfen als einzige den +3 Warhammer führen und endtecken in Dungeons und anderen unterirdischen Gewölben automatisch Konstruktionen und Abzweigungen, die von den natürlichen Gegebenheiten abweichen. Bleiben noch die Elfen: die dürfen bis Level 4 aufsteigen, zusätzlich dürfen sie auch bis Level 8 als Magic-User aufsteigen. Dabei darf man jedes Level entscheiden, ob man jetzt als Magic-User oder als Fighting-Man auflevelt.

Auch Menschen können jederzeit die Klasse wechseln, aber nur, wenn sie einen Wert von 16 in der prime requisite der Klasse haben, in die sie wechseln wollen.

Ich wähle daher einen menschlichen Fighting-Man.

DIE WEITEREN WERTE

Zum Schluss würfeln wir noch seine „hits“ (Trefferpunkte) aus. Der Fighting-Man ist auf Stufe 1 „Veteran“ und bekommt 1HD+1. Ich würfele eine 2 und habe daher 3. Was ich mir nicht notieren brauche: die Kampfkraft des Charakters (in der Tabelle Fighting Capacity). Die bestimmt sich nämlich über meine „Stufe“. Ein Veteran kämpft wie ein „Man+1“. Neulinge mögen darüber rätseln, aber es handelt sich dabei um einen Querverweis auf CHAINMAIL. Ein D&D-Charakter hat nämlich drei Möglichkeiten, einen Kampf zu bestreiten:

1) Das CHAINMAIL-System (geeignet für Kämpfe mit vielen Kombattanten). Dort kämpft mein Veteran mit der Stärke eines Mannes, bekommt aber auf seinen W6-Wurf (das CHAINMAIL-System ist ein klassisches Wargaming-System, wo Troop Typtes miteinander verglichen werden, ähnlich wie Warhammer bis Ende der 90er). Auf Level 2 würde er wie 2 Men kämpfen, auf Level 3 wie 3 Men und auf Level 4 kämpft er wie ein „Hero“ (oder wie 4 Men).

2) Das Man-to-Man-System (auch aus CHAINMAIL). Das nutzt man, wenn zwei Humanoide in Rüstungen und mit Waffen gegeneinander kämpfen. Die Kampfkraft eines Charakters ist hier default egal. Es zählt v.a., wer welche Waffe führt (z.B. kann ein Dolchkämpfer gegenüber einem Lanzenkämpfer mehrmals zuschlagen usw). und wer welche Rüstung trägt. Aus einer Kreuztabelle liest man den Wert ab und würfelt 2W6 (ggf. modifiziert durch Magie etc.)

3) Das Fantasy Combat System bzw. sein Nachfolger – das „alternative Combat System“: hierbei handelte es sich ursprünglich um eine Kreuztabelle, wo man ablesen kann, wie Charaktere die mindestens auf Hero-Level sind gegenüber großen Monstern (z.B. Oger, Balrog etc) abschneiden. Dabei würfelt man mit 2W6 auf einen bestimmten Wert und wenn man höher kommt, tötet man den Gegner. Das war halt zu tödlich für D&D und daraus entstand dann das berühmte W20 vs. AC. Mit ThAC0 und Konsorten hat das nix zu tun. Es ist eine Tabelle, in der man Level des Angreifers mit der AC des Gegners kreuzt.

Es bleibt also bei den wenigen Werten, die ich auf dem Bogen angeben muss. Dazu notiere ich noch die Sprachen, die mein Charakter spricht: nämlich Common, meine „divisional Language“ (ich wähle Law) und noch zwei weitere Sprachen wegen INT 12 (mangels ausgearbeiteten Settings nehme ich Elvish und Dwarvish).

Außerdem bestimme ich noch einen Verwandten, der im Fall des Todes meines Charakters seine Ausrüstung und sein Vermögen erbt (natürlich sind dabei 10 % Erbschaftssteuer zu bezahlen, siehe dazu Book I, 13).

AUSRÜSTUNG
Ich würfele 3W6x10, wie viel Gold ich zur Verfügung habe (Ergebnis: 120 Goldmünzen).

Davon kaufe ich mir: ein Schwert (10), eine Lanze (4), einen Schild (10), ein 10‘ Seil (1), einen Rucksack (5), eine Kettenrüstung (30), ein Pferd (40), 6 Fackeln (1), einen Wasserschlauch (1) und Rationen für 1 Woche (5) --> das tödlichste bei Dungeons & Dragons ist nicht der Dungeon, sondern das Überleben in der Wildnis, das mit dem Outdoor Survival-Brettspiel von Avalon Hill simuliert wird.

Nota bene: beim originalen Dungeons & Dragons (ohne Suppelements) machen alle Waffen den gleichen Schaden (1W6). Die Wahl der Waffe hängt eher von der Klasse ab (Kleriker dürfen keine spitzen Waffen, inkl. Pfeile verwenden) und ob man den Man-to-Man-Table benutzt.

Damit ist unser Charakter fertig. Ich gebe ihm den Namen Raul, der Veteran. Er muss nun nur noch 2.000 XP sammeln durch das Bezwingen von Monstern und Gegnern und/oder durch das Sammeln von Schätzen, dann steigt er zum „Swordsman“ auf.
« Letzte Änderung: Gestern um 21:11 von tarinyon »

Offline Grashoffer

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Re: Tarinyon erstellt ganz viele Charaktere
« Antwort #7 am: Gestern um 20:08 »
Ambitioniertes Projekt. Die erste Charaktererschaffung wird sehr lesenswert beschrieben. Für jemanden wie mich, der erst 1991 zum Spiel kam und nicht viel Zeug gespielt hat, das vorher erschienen ist, sind Deine Ausführung zu D&D auch rollenspielhistorisch recht interessant.

 :d

Offline flaschengeist

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Re: Tarinyon erstellt ganz viele Charaktere
« Antwort #8 am: Gestern um 20:49 »
Schönes Projekt, ich finde durch Charaktererstellung lässt sich so einiges über Systeme lernen :d.
Wer Bock auf noch mehr davon hat, kann auch einen Blick in diesen älteren Beitrag werfen.
Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann (frei nach Antoine de Saint-Exupéry). Ein Satz, der auch für Rollenspielentwickler hilfreich ist :).
Hier findet ihr mein mittel-crunchiges Rollenspiel-Baby, das nach dieser Philosophie entstanden ist, zum kostenfreien Download: https://duodecem.de/download

Offline tarinyon

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Re: Tarinyon erstellt ganz viele Charaktere
« Antwort #9 am: Gestern um 20:55 »
Und weiter geht's, weil es sich anbietet.

Ich habe ja geschrieben, D&D sei das erste Rollenspiel, aber das stimmt so natürlich nicht. Wie die meisten wohl wissen, geht D&D ja ganz wesentlich auf die Twin-Cities-Gamer um Dave Arneson zurück. Der hat basierend auf seinen Erfahrungen mit den sog. "Braunsteins" (ursprünglich erfunden von Dave Weasley - man denke hier an eine Art Mischung von Planspiel und Rollenspiel ohne Stifte und Würfel) ein "medival Braunstein" entwickelt, das zu der berühmten First Fantasy Campaign (gemeint ist Blackmoor) wurde. Leider gibt es dazu außer dem von der Jugdes Guild publizierten "First Fantasy Campaign"-Publikation von 1977 so gut wie keine schriftlichen Quellen (Arneson hat die Regeln ständig verändert, vieles war wohl nicht aufgeschrieben). Und das fertige D&D von 1974 ist von Gary Gygax stark verändert worden.

Aber, und das führt uns zurück zum Sinn dieses Threads: es gibt mittlerweile einige wenige Charakterbögen (sog. "character matrix") und dazu eine handvoll Notizen von Spielern der Blackmoor-Campaign. Charakterbögen sind also auch Artefakte, mit denen man verloren gegangene Regelwerke rekonstruieren kann. Mehr dazu findet ihr u.a. hier: https://www.secretsofblackmoor.com/blog/a-short-commentary-on-the-evolution-of-character-stats und auf dem fantastischen Blog von Daniel Boggs.

Ich präsentiere hier das Ergebnis meiner eigenen Recherchen und Analysen auf Basis der vorhandenen Quellen. Wenn ich im Folgenden konkrete Würfelzahlen angebe, dann basiert das auf statistischen Analysen der Verteilung der Werte in den Charaktermatrizen.

Im Gegensatz zu D&D wurden in der Blackmoor-Campaign die Eigenschaften nicht mit 3W6, sondern mit 2W6 bestimmt. Darüber hinaus gab es nicht nur sechs Eigenschaften, sondern einige mehr. Auch die Namen der Eigenschaften haben sich von 1970 bis 74 stark verändert. Auch noch in den zwei Entwürfen, die von D&D existieren (darunter das mysteriöse "Beyond this Point be Dragons" aka Dalluhn Manuscript, das sich als eigenständige Publikation auf Basis einer Mitschrift eines temporären Blackmoor-Spielers entpuppt hat und dadurch teilweise Einblick gibt in den Entwicklungsprozess von D&D) hießen die Eigenschaften teilweise anders bzw. fehlten manche Eigenschaften, die wir heute mit D&D assoziieren.

Hier zur Übersicht die Entwicklung der Eigenschaften:

BtPbD / Dalluhn Manuscript (ca. 1973): Intelligence, Cunning, Strength, Health, Appearance, Ego
Mornard Fragments / Guidon Draft (1973): Intelligence, Cunning, Strength, Health, Appearance,
Men & Magic (1974): Strength, Intelligence, Wisdom, Constitution, Dexterity, Charisma

Zum Vergleich hier die Eigenschaften der Blackmoor-Campaign:

Brains
Looks
Credibility/Loyalty
Sex
Health
Strength
Courage

Dazu kommen je nach Charakter noch weitere Eigenschaften:

Horsemanship/Riding
Seamanship/Sailing
Woodsmanship/Woodcraft
Flying
Leadership
Cunning
Misc

Einige der Eigenschaften kann man klar identfizieren und zuordnen bzw. ihre Bedeutung im Spiel erahnen (Brains = Intelligence, Strength, Courage, Health, Looks). Bei anderen Loyalty und Leadership kann man davon ausgehen, dass sie in etwa die selbe Bedeutung haben in D&D (d.h. Loyalty ist ein Score, der eher für NSC relevant ist. SC testen damit vielleicht, ob sie einen Befehl gegen ihren Willen befolgen. Leadership ist dann einfach der Skill, der zum Führen von Gefolgsleuten nötig ist).

Die weiteren Sekundäreigenschaften wie Woodcraft, Seamanship, Riding und Flying zeigen, dass sich die Blackmoor-Campaign schon in Richtung von späteren Systemen wie Empires of the Petal Throne und Runequest entwickelt hat. Sobald die SCs Blackmoor verlassen hatten, um sich in der Wilderness zu bewegen, kamen diese Eigenschaftenz um Einsatz.

Bleiben noch zwei ungeklärte Eigenschaften: Misc wird aufgrund von Interviewaussagen mit Luck in Verbindung gebracht. Sex dagegen steht nicht, wie manche Internetrechercheure annehmen, für Verführen oder so etwas, sondern tatsächlich für die Zeugungskraft eines Charakters (m und w sind hier gemeint). Erstmals taucht der Wert bei Arneson im Rahmen eines Art Wargames zum spanischen Erbfolgekrieg auf. In der Blackmoor-Campaign ging es ja sehr stark um das, was man heute Domänen-Spiel nennt. Da muss ein Charakter auch in der Lage sein, Nachkommen zu zeugen.

Um einen Charakter zu erstellen würfelt man einfach der Reihe nach 2W6 für jeden Wert. Neben diesen Eigenschaftswerten hatten die meisten Charaktere außerdem Weapon skills, die anscheinend auf CHAINMAIL basieren. Dazu wurde offenbar der Man-to-Man-Table zu einem Katalog von Waffenfähigkeiten umfunktioniert. Hier würfeln wir auch wieder in order für jede Waffe mit 2W6. Das führt zu der Situation, das jeder Charakter einen Wert für so exotische Waffen wie Bombarden (Mörser) hat. Im Kampf würfelten die Spieler wahrscheinlich gegen die Zahl und mussten gleich oder darunter werfen (natürlich mit 2W6 - W20 oder andere fancy Würfel gab es ja nicht).

Rassen und Klassen gab es nicht. Stattdessen startete jede Figur wohl als Sterblicher (flunky) oder als Veteran. Da die Kampagne in einem Braunstein wurzelte, wo man Charaktere zugeteilt bekam, hatten die Spieler oft gar nicht ihre Charakterbögen daheim - am Anfang hatte die Arneson sogar während des Spiels bei sich. Was er den Spielern auch nicht mitteilte, war die Anzahl ihrer hits to kill (htk). Diese waren stattdessen auf einer Karteikarte notiert, die Arneson nicht rausgab. Die htk wurden wahrscheinlich mit folgender Formel ausgewürfelt und veränderten sich im Lauf des Spiels nicht: htk=(W6)*W6. Da Dave Arneson in einem Interview aber davon gesprochen hat, dass die htk zwischen 0 und 100 lagen, kann es sein, dass die htk mit dem Aufstieg zum Hero/Wizard/Superhero verändert wurden. HD in der heutigen Form gab es nicht. Der moderne HD-Begriff ist eine Vereinfachung des CHAINMAIL-Prinzips, das ein Hero im Kampf kämpft wie 4 Men und daher 4 Würfel wirft, um diese zu treffen. Jeder dieser Würfe, der ein Treffer war, erzielte einen Hit (und damit einen Kill, weil ein einzelner Mann nur einen Hit aushält). Gleichzeitig mussten die Gegner in einer Runde mindestens vier Kills/Hits erzielen, um den Hero zu töten. Die Hits wurden dabei nicht über mehrere Runden getrackt. Das htk-Konzept von Arneson war sozusagen ein fix für die Tödlichkeit von CHAINMAIL. Gary Gygax hat das nicht gecheckt und es zum heutigen HD verballhornt.

Manche Gelegenheitsspieler spielten auch Bösewichte oder wichtige NSCs wie Baron Fant oder den Balrog unter Castle Blackmoor.

Aufleveln und XP im heutigen Sinn gab es nicht. Stattdessen wurden von den Spielern (oder von Arneson) auf separaten Zetteln die Punkte getöteter Gegner (übernommen von CHAINMAIL) und die gewonnenen Schätze notiert. Zum Hero (also jemand, der wie 4 Männer kämpfen kann) wurde man, indem man einen magischen Gegenstand aufhob. Wie genau man zum Superhero wurde, ist nicht ganz klar. Außerdem war anscheinend jeder Charakter in der Lage, Zauber zu lernen. D.h., Zauberer waren keine Glass-Cannons, sondern konnten auch kämpfen.

Fehlen noch zwei Werte, die auf dem Charakterbogen notiert wurden. Ein Wert, der in einem Quadrat neben dem Namen notiert ist auf den Charaktermatrizen ist sehr sicher der Rüstungswert (übernommen von CHAINMAIL, aufsteigend von 1 bis 8 ). Der andere Wert im Kreis ist unklar. Wahrscheinlich handelte es sich um eine Art Rettungswurf, vielleicht gegen Magie.

So! Das war es jetzt aber mit der Rollenspielarchäologie. Evtl. würfele ich noch einen Blackmoor-Charakter aus und lade das PDF im Anschluss an diesen Beitrag hoch.
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Offline klatschi

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Danke für diesen Schwung Rollenspiel-Archäologie.
Ich finde es auf der einen Seite spannend, wie viel Arbeit die Leute in die Recherche und Rekonstruktion von Arnesons Kampagne stecken und andererseits weiß noch nicht, wie sehr mich dieses Rabbit Hole interessieren könnte. Es lockt mich, das gebe ich zu, aber ich glaube, ich nutze die Zeit lieber für mehr Zock...

Offline Gunthar

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Wow, spannend, dass es vor D&D quasi schon was RPG-Ähnliches gab.
Spieler in D&D 5e: "8 + viel, trifft das?"

Stoßseufzer angesichts der ersten Kampfszene, nachdem sich die Sitzung bislang ziemlich zäh hingezogen hat: "Es geschehen doch noch Leichen und Wunden!"