Es gibt ja haufenweise kleine Rollenspiele, die auf 20-80 Seiten ihr Ding machen. Das sind halt Indies, die du meistens nur als pdf oder pod bekommst. Troika!, einer meiner Lieblings-Indies (okay, das ist jetzt nicht bloß pod, sondern wirklich hochwertig produziert) liefert auf 100 Seiten A5 alles, incl. Bestiary. Und in der Art gibt es Haufenweise RPGs. Viele sind weird und ein bisschen artsy, das wird heute glaube ich als Barriere wahrgenommen, weil das RPG-assoziierte Genre Fantasy eben heutzutage im Gegensatz zu früher gerade NICHT mehr so attraktiv ist für Leute, die Abgefahrenes und Überraschendes wollen, sondern sich in breiten Teilen eher an Leute richtet, die eine behagliche Leseerfahrung wünschen, in denen Erwartungen ganz punktgenau bedient werden. Wenn dann ein Fantasy-RPG daherkommt und rüberbringt: "Ja, das ist alles etwas strange, macht draus, was ihr wollt!", dann sagen viele Fantasy-Leser*innen halt heute eher nicht "Ja, klar, ist halt Fantasy!", sondern "Moooment, aber was ist jetzt hier Kanon? Kann ich da auch Wikingerzwerge spielen? Das ist ein Druide, der muss doch wildshapen können, sonst ist das Unsinn!"
Die Macher*innen gehen dann wahrscheinlich oft davon aus, dass sie für den Erfolg alles irgendwie bedienen müssen - oder ausführlich erklären, warum sie etwas nicht bedienen und eine ausgestaltete Alternative samt Erklärung dafür liefern, warum die mindestens genauso cool ist. Einfach nur im Vagen lassen, wie das DSA1 mal durfte, das geht anscheinend für die "Großen" nicht mehr.
Und dann kommt halt noch die Erwartung dazu, dass ein Rollenspiel "fettes" Artwork haben muss, dass regelmäßig auf Dreiviertelseiten Vollfarbillus apokalyptisch herumflammen müssen. Das bläht ja auch ungeheuer.
Ich mag ja auch die kleinen Produkte. Auch und gerade, wenn sie neue und ungewöhnliche Welten präsentieren, die, wenn es nach mir geht, gerne unvollständig sein sollen.