Echt jetzt? Hier wundern sich Leute, dass eine der ältesten, in-sich-geschlossenen und total konservativen Rollenspielcommunitys (nicht böse oder wertend gemeint) nicht total aufgeschlossen gegenüber der Idee war, dass man unter dem selben Namen ein komplett neues Rollenspiel mit komplett neuer Welt veröffentlicht? Mal ganz ehrlich: wer hat da erwartet, dass das klappen könnte? Das haben wir doch in diesem und anderen Threads schon tausend Mal rauf und runter diskutiert. Es geht doch nicht darum, dass jetzt irgendwelche Leute Bock auf Midgard 6 haben. Es geht darum, dass das einfach nix mit Midgard 5 und earlier zu tun hat.
Der Vergleich mit D&D (von 2E auf 3E oder von 3E auf 4E oder von 4E auf 5E) ist insofern nicht ganz zielführend, weil D&D in jeder Edition das gleiche USP hatte: Level, Monster klatschen und Dungeons. Ist ja nicht so, als hätte man in 3E auf einmal gesagt, es gibt jetzt keine Drachen mehr und anstatt in Dungeons spielt jetzt D&D auf den sieben Weltmeeren.
Und was ich auch nicht verstehe: warum sollte man als Spieler aka Käufer irgendetwas von Prinzip her positiv aufgeschlossen sein oder warum soll ich einem Verlag Erfolg wünschen? Ist doch nicht mein Unternehmen. Als Konsument wünscht man sich doch erstmal in erster Linie das, was man haben will. Und wenn einem der Verkäufer was andrehen will, was man gar nicht wollte, dann muss der schon gute Gründe finden, warum der Kunde es jetzt auf einmal doch haben will. Klar, manchmal muss ein Unternehmen neue Kundschaft erschließen (so ein Rebranding hat doch glaube ich vor kurzem z.B. Jaguar gemacht). Aber das ist immer superriskant und muss gut durchdacht sein. Bei Midgard verstehe ich es überhaupt nicht. Pegasus hatte doch überhaupt keinen Druck, die Lizenz zu kaufen. Nebenbei haben sie doch noch ein anderes Rollenspiel in Arbeit (Daggerheart), das meines Erachtens in genau die gleiche Kundengruppe zielt.
Und mal abgesehen von Midgard: welches neue Rollenspielsystem aus Deutschland hat sich denn bitteschön langfristig etablieren können? Also ich kenne außer DSA nur Midgard. Bei Splittermond gabs ja auch ne Zusammenarbeit zwischen Pegasus und Uhrwerk, die anscheinend nicht funktioniert hat. Und nun ist Splittermond ja auch gefühlt tot. Also warum bitte killt man das einzige erfolgreiche System neben DSA mit einem Reset? Klar, die Leute können ja weiterhin die alten Editionen zocken. Aber Geld wird man von den meisten von denen wohl nicht sehen).
Meine persönliche Meinung: in Deutschland könnte es schon eine Nische für ein regelleichtes Rollenspiel mit Fäntelalter-Setting geben. Aber mMn braucht es dafür irgendeine Vorlage, die massentauglich ist und wo nicht verschiedene Redakteure etwas zusammenbasteln, was sich nachher wie bei Splittermond einfach nicht organisch anfühlt.