Autor Thema: Cyberpunk als Kind seiner Zeit  (Gelesen 4948 mal)

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Offline Feuersänger

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Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« am: 23.09.2009 | 23:13 »
Die aktuellen Diskussionen im Shadowrun-Board haben mich auf einen Gedanken gebracht. An allen Ecken und Enden wird konstatiert, dass SR ein Kind der 80er ist - bezüglich Kernthemen wie Umweltverschmutzung, mystische Indianer, Konzernherrschaft, japanische Hegemonie und so weiter, bis hin zu den verwendeten Waffen.
Heute erinnert sich doch schon kaum jemand an Sauren Regen, die Konzerne sind gehörig am abkacken und bedürfen Milliarden an staatlichen Hilfen, und Japan hat genug an seinen eigenen Problemen zu knabbern, um etwaige Großmachtambitionen erstmal hintan zu stellen. Ob in Amerika immer noch die Indianer gehyped werden, entzieht sich meiner Kenntnis.

Wie sähe Shadowrun, bzw. allgemein ein Cyberpunksetting (auch ohne Magie und EDO) aus, wenn man es jetzt völlig frisch von Null an schreiben würde, es aber ähnlich wie SR immer so 50-60 Jahre in der Zukunft spielen soll?
Sollte man absichtlich aktuelle Trends und Moden aufgreifen und extrapolieren, oder im Gegenteil versuchen, diese auszuklammern um ein möglichst "zeitloses" Setting zu erschaffen? Und wäre letzteres überhaupt möglich?

Feuer frei. =)
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Zitat von: ErikErikson
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Offline Joerg.D

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #1 am: 23.09.2009 | 23:22 »
Terrorismus und Religionskriege.

China und Indien als die kommenden Mächte.

 Mehr Staat und weniger Konzerne
Wer schweigt stimmt nicht immer zu.
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Offline SeelenJägerTee

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #2 am: 23.09.2009 | 23:22 »
Aktuelle Tendenzen aufnehmen.

Wenn in einem Setting aktuelle Probleme behandelt werden, erhöht das mMn die Identifikation mit dem Setting, bzw. es interessanter es zu spielen, weil es sich mit Problemen beschäftigt, die einen selbst beschäftigen.

Ein Setting, das versucht zeitlos zu sein, interessiert mMn nicht so stark, wie eines mit Zeitbezug.
Und im Nachhinein mag so ein Setting auch gerade wegen dem Zeitbezug interessieren, wenn Personen, die nicht mit dabei waren, das Zeitgefühl selbst zu erleben (obwohl ich mich frage in wie weit geht, man muss das Zeitgefühl wohl miterlebt haben um es ganz zu erfassen).


Konkret:
Was Jörg sagt aber mit
"Überwachungsstaat"
"Militär im inneren" "
"Unterdrückung der politischen Opposition mit wörtlich gesehen legalen, aber vom Geiste verfassungswidrigen Mitteln"
« Letzte Änderung: 23.09.2009 | 23:26 von SeelenJägerTee »

Offline kirilow

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #3 am: 23.09.2009 | 23:29 »
google
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MadMalik

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #4 am: 23.09.2009 | 23:59 »
Kommt auf's Land an. Also Gazprom gibt sich schon Mühe die dystopischen
Ängste einiger schreiberlinge umzusetzen. So mit Gesetze verabschieden
lassen, dass Sicherheitspersonal alles an Waffen tragen darf, was das
Innenministerium führen kann,.... weil wie soll man sonst die Öl/Gaspiplines
gescheit bewachen. Und wer dann alles seine politische Karriere dort
gestartet... oder danach dort einen Vorstands/Arbeitsplatz bekommen hat.  :d

Offline carthinius

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #5 am: 24.09.2009 | 00:01 »
google
Wenn das Dystopische, das Cyberpunk zu eigen ist, eine Rolle spielen soll, wäre ja interessant zu erfahren, ob Google einfach nur "global player" sein soll oder gar DIE Datensammelstelle schlechthin. Oder das Internet insgesamt, mit nur einigen unabhängigen Piratenservern, die behaupten, freie Informationen zu verwalten.

Ergänzung: Und wenn es schon aktuell um Energiepolitik geht, wären ein umgekipptes Klima und die Wichtigkeit der Rohstoffe auch zu betonen. Also z.B. Kriege um die Antarktis und den Meeresgrund als Abbaugebiete für Kohle, Öl und anderes wichtiges Zeug aus dem Schoß der darniedergehenden Erde.
« Letzte Änderung: 24.09.2009 | 00:04 von carthinius »
Feedback gesucht für GNOME HUNTERS - das Rollenspiel für ganze (und halbe) Gnome auf dem Weg ins Abenteuer!

Offline Feuersänger

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #6 am: 24.09.2009 | 00:13 »
Tz, und ich hab erstmal gar nicht geblickt, was kirilow mit seinem eloquenten Beitrag mitteilen wollte. =)
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Zitat von: ErikErikson
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Offline Der Oger (Im Exil)

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #7 am: 24.09.2009 | 00:17 »
Oger macht mal ein paar Vorschläge:

Kriege um Ressourcen wie Öl, Wasser, Erze, Edelmetalle.
Verstärkter militärischer Einsatz von "Sicherheits"firmen.
Klimawandel/ - katastrophen (Wirbelstürme, Dürre, Fluten, Ozonloch).
Quadratkilometergroße Solarparks in der Sahara, und Millionen von kleinen schnurrenden Elektroautos.
Konzerne, insbesondere die Medienkonglomerate, haben den Staat von "innen" übernommen  Eine Trennung von "Staat", Konzern, Partei und Amtsträger ist nicht mehr sauber durchzuführen.
Virtueller Eskapismus als genetische Extension der MMORPGS.
Nuklearterrorismus.
Brennende Vorstädte, wie jüngst in Frankreich. Auf die natürlich mit dem Kärcher - Prinzip geantwortet wird.
Und natürlich Google als führendes Unternehmen in der Auskunfts - und Sicherheitsbranche ;D
Reaktorkatastrophen bei den auf 80 Jahre verlängerten Laufzeiten der Kernkraftwerke.
Rußland als militärische, imperiale Bedrohung der westlichen Welt.
Abschaffung der Gewerkschaften.
Zusammenbruch des Wohlfahrtssystems.
Technische Errungenschaften, die heute schon in den Kinderschuhen stecken (Augen-implantate, Exoskelette mit leistungsfähigen Servomotoren, Schnittstellen Mensch - Computer, Drohnen).
Durch künstliche Befruchtung und Erbgutmanipulation erzeugte "Wunschkinder", die aufgrund von vermuteten oder realen körperlichen, gesundheitlichen und geistigen Vorteilen die Schlüsselpositionen in Politik und Wirtschaft einnehmen.
Bildung nur für die Kinder, deren Eltern es sich leisten können, ein Kind durch das Abitur oder die Uni zu bekommen. Für Kinder der meisten Arbeiter und Angestellten bleibt dieser Weg versperrt.
Eine Heerschar von Veteranen aus verlorenen Kriegen, wie in Afghanistan oder dem Horn von Afrika.
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Offline kirilow

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #8 am: 24.09.2009 | 00:19 »
@Feuersänger
Tja, alle Verschwörungstheorie lebt von Andeutungen. So auch Cyberpunk. Ein weiteres Puzzlestück

Zitat von: google
Google's mission is to organize the world's information and make it universally accessible and useful.
http://www.google.de/intl/us/corporate/facts.html

Na, wenn das nicht Cyberpunk ist.
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Offline kirilow

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #9 am: 24.09.2009 | 00:22 »
ach ja: Drohnen.
Im Anhang eine meiner Lieblingsgrafiken der letzten Jahre.

[gelöscht durch Administrator]
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Offline SeelenJägerTee

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #10 am: 24.09.2009 | 00:22 »
Zitat
Eine Heerschar von Veteranen aus verlorenen Kriegen, wie in Afghanistan oder dem Horn von Afrika.
Ach so und ich Idiot dachte immer, dass man auch bei gewonnenen Kriegen versehrte (auf der eigenen Seite) produziert.

Offline Feuersänger

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #11 am: 24.09.2009 | 00:34 »
Jawoll, das ist schon alles ganz ordentlich.
Es fällt ja z.B. auch auf, dass Shadowrun zumindest in seinen früheren Inkarnationen nicht so einen Sicherheitsfimmel hatte. Da kann man getrost sagen, hat die Realität die Fiktion längst überholt. In alten SR-Geschichten war es z.B. nicht das große Problem, Feuerwaffen an Bord eines Flugzeugs zu bringen. Heute kriegst du nichtmal nen Tetrapack Sunkist durch die Kontrollen. Wobei, das ist ja auch nur Sicherheitstheater.

Aber auch sonst. In SR wird die Überwachung noch eher klein geschrieben. Erst in neueren Publikationen - so meine Wahrnehmung - werden primärweltliche Ansätze verstärkt ins Setting übertragen.

Die lange Laufzeit von SR von inzwischen doch schon 20 Jahren trägt übrigens mMn dazu bei, dass das Setting immer überladener wird, und - wenn man alles mitnehmen würde, was angeboten wird - eigentlich schon unspielbar wäre.
Oder anders gesagt: für jeden Aspekt, den man verstärkt in ein Cyberpunk-Setting neu einbringen will - zum Beispiel totale Überwachung - sollte man einen anderen Aspekt zurückfahren und zunehmend ausblenden, zumal wenn dieser im aktuellen Zeitgeist keine so große Rolle mehr spielt.
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Offline GustavGuns

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #12 am: 24.09.2009 | 00:44 »
- Konzerne

+ Hedge Funds

Weniger Konzernfamilie, Konzernhymne, Extraterritorialität etc., mehr Zeitarbeit, kurzfristige Beschäftigung, schnelles Ankaufen und Abstoßen nach Bedarfslage, Ruin von Ländern über Währungsspekulation. Mehr Verstrickungen von Hochfinanz und Regierung, in beide Richtungen. Mehr Cyberterrorismus.

Da Cyberpunk neben dem transhumanistischen Aspekt, der in Shadowrun sowieso nicht besonders wichtig ist, immer schon eine zugespitzte Abbildung der sozialen, ökonomischen, politischen Tendenzen in die nahe Zukunft war, ist es meiner Meinung nach nicht besonders sinnvoll, da ein "zeitloses" Setting zu entwickeln. Ein Großteil der Technologie stellte ja schon immer eher ein konstantes "Hintergrundrauschen" in der Welt dar, das nur insofern interessant war, als es auch in das Alltagsleben integriert und ein Bestandteil der sozialen, ökonomischen, politischen Welt und ein Anlass zu ihrer Veränderung war.
Interessant wäre, es wie die WoD zu machen und das eigene Setting zu 50% umgeschrieben zu rebooten. Aber ich bin sicher, das würde nicht so gut laufen, die meisten Rollenspieler sind ziemlich konservativ  :)
« Letzte Änderung: 24.09.2009 | 00:56 von GustavGuns »
Peng! Du bist tot!

Offline Chobe

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #13 am: 24.09.2009 | 00:53 »
Sollte man absichtlich aktuelle Trends und Moden aufgreifen und extrapolieren, oder im Gegenteil versuchen, diese auszuklammern um ein möglichst "zeitloses" Setting zu erschaffen? Und wäre letzteres überhaupt möglich?
Interessante Frage..
Für mich ist Cyberpunk ein eher festes Genre, als eine "Zukunftvision" der heutigen Zeit. Ich glaube, recht wenige Leute teilen da meine Meinung, aber für mich ist eine Essenz des Cyberpunk, daß es eine Zukunftsvision aus Sicht der 80er ist. Ich meine, ein paar Dinge wird man automatisch etwas anpassen, z.B. der schon erwähnte Sicherheitsfanatismus. Aber rein TECHNISCH finde ich, die aktuellen Möglichkeiten ruinieren die herrliche "fortschrittlich, aber altbacken", "hochtechnisch, aber grobschlächtig"-Stimmung, die Cyberpunk ausmacht. In dieser Welt ist IMHO z.B. ein Handy mit dem man nur telefonieren kann, stimmiger, als ein heute allltägliches Foto-Video-Upload-Chat-Farbwechsel-Navi-Handy, daß ein Notebook beinahe überflüssig machen kann.

Ich hab es immer mit einer gewissen Art Zeitlosigkeit versucht. Teilweise technisch hinterher, teilweise voraus, eine gesunde Mischung macht's. Und manche Dinge muß man einfach abstrakt behandeln bzw. mit neuen Bezeichnungen. z.B. haben Terabyte und Megaherz da dann nichts verloren.

Offline Der Oger (Im Exil)

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #14 am: 24.09.2009 | 00:58 »
Ach so und ich Idiot dachte immer, dass man auch bei gewonnenen Kriegen versehrte (auf der eigenen Seite) produziert.

Teilweise OT:

Oger hatte da die Behandlung der Veteranen des Vietnam - Krieges in den Staaten oder  den Unabhängigkeitskrieg in Algerien im Hinterkopf. Verkrüppelte Rückkehrer eines verlorenen Krieges, ein lebendiges Denkmal des eigenen Versagens als Nation. Das wirkt bei den Amis und den Franzosen natürlich mehr als bei uns. Und Afghanistan droht, unser Vietnam zu werden, da machen wir uns besser nichts vor. Daran will man als guter deutscher Bürger natürlich nicht erinnert werden.

Die Zahl der Rückkehrer aus Aufghanistan, die seelisch oder körperlich beschädigt sind, wächst auch bei uns, und wenn man die "Dankbarkeit" des deutschen Staates hinsichtlich dieser dort auf die eine oder andere Weise verwundeten Soldaten - UNSERER SOLDATEN - kennt, dann finde ich das in RL schon ziemlich dystopisch. Du wirst bei PTS gefeuert, wenn die erste (!) Therapie nicht greift, als körperversehrter sowieso, und gefallene Soldaten erhalten u.U aufgrund von Geheimhaltungserwägungen nicht mal eine entsprechende offizielle Würdigung. Am frechesten finde ich, das man sich weigert, von einem Krieg zu sprechen.

Nur als kurze Ausführung, bei Bedarf gerne mehr in einem Speaker's Corner - Thread.
  
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Offline GustavGuns

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #15 am: 24.09.2009 | 01:04 »
Ohne zuviel Zynismus: Als Land ein Vietnam zu erleben, das benötigt eine Vision, einen Willen, eine Initiative, die das deutsche Volk niemals in Afghanistan investiert hat. Hilfstruppen machen kein Vietnam. Außer für die Soldaten vielleicht.
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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #16 am: 24.09.2009 | 09:32 »
Amüsanterweise habe ich alles, was hier genannt wird schon im Schrank stehen, nennt sich Bubblegum Crisis RPG und da die zugrunde liegende Serie mit dem Absturz Japans (und nicht mit dem Finanztraum der 80er in den USA) entstand, passt es so ziemlich wie die Faust aufs Auge ohne seine Herkunft zu verlieren.

Offline Medizinmann

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #17 am: 24.09.2009 | 09:41 »
Die aktuellen Diskussionen im Shadowrun-Board haben mich auf einen Gedanken gebracht. An allen Ecken und Enden wird konstatiert, dass SR ein Kind der 80er ist - bezüglich Kernthemen wie Umweltverschmutzung, mystische Indianer, Konzernherrschaft, japanische Hegemonie und so weiter, bis hin zu den verwendeten Waffen.
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Ähhmmm
SR4A ist "ein Kind von 2000"
mit seiner WiFi thematik und dem Überwachungsstaat,die ADL verwandelt sich langsam in einen Konzernstaatenbund,etc .
Es hat natürlich noch ein paar Punkte aus den älteren Editionen(NAN-Staaten,z.B.) aber diese Themen werden unwichtiger und machen neueren Themen Platz z.b die Kampagnen um die Geisterkartelle

mit einem Tanz aus den 2000ern
Medizinmann

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #18 am: 24.09.2009 | 09:47 »
Naja, mE spiegelt sich das aber kaum im eigentlichen Kernsetting von SR4 (den USA) wieder. Ich halte diese Überwachungsstaat-Hystrie auch für etwas typisch deutsches bzw. für Amerikaner ist der Gedanke eines Pflichtausweises (sprich SIN) schon Überwachungsstaat.

Offline Woodman

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #19 am: 24.09.2009 | 09:55 »
Zitat
Aber auch sonst. In SR wird die Überwachung noch eher klein geschrieben. Erst in neueren Publikationen - so meine Wahrnehmung - werden primärweltliche Ansätze verstärkt ins Setting übertragen.
Es wurde zwar nicht so sehr herrausgekehrt, aber aber schon für SR2 gab es ein Quellenbuch über Sicherheitstechnik und Firmen, die Inhalte klingen wie Schäubles feuchte Träume, die Technik wurde aber halt nur zur Überwachung von Werten aka Konzerneigentum genutzt, weil die das Geld und das personal hatten um sie auch einzusetzen.

Zitat
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Ich halte es selbst in der Realität für recht unwahrscheinlich das irgendjemand die diversen geführten Kriege "gewinnt", und in einem Dystopischen Setting gewinnt sicher Niemand, also kann es nur Veteranen aus verlorenen Kriegen geben. Einer Ausnahme wäre nur wenn ein Staat sich durch auch militärische Eroberung stark ausbreitet und seine Soldaten in der Propaganda glorifiziert, dafür wären dann sicher die ehemaligen Verteidiger irgendwo im Dreck zu finden.

Offline SeelenJägerTee

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #20 am: 24.09.2009 | 10:11 »
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Offline Feuersänger

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #21 am: 24.09.2009 | 10:15 »
Das mit SR4 ist ja mit das, was ich oben meinte: es werden neue Inhalte "nachgeladen" - zum Teil auch einfach der technische Anschluss an die Gegenwart wieder hergestellt, siehe Wireless - ohne dass deswegen alte Inhalte offiziell gekickt würden.

Ich meine zum Beispiel: ein neu geschriebenes CP Setting aus den 2000ern hätte vermutlich keine Indianerstaaten, auch wenn man u.U. die USA zerfallen lässt - vermutlich aufgrund des Red State / Blue State Schismas. Da wird bei SR aber nichts ret-conned. So bleibt immer mehr Logik-Ballast, z.B. die im Megasprawl-Thread angesprochenen unmöglichen Bevölkerungszahlen der NAN-Staaten.
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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #22 am: 24.09.2009 | 10:21 »
Naja, darum resettet man halt Fâerun in jeder D&D-Edition auch wenn das Geheule jedesmal groß ist.

Offline dunklerschatten

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #23 am: 24.09.2009 | 10:26 »
So mal ganz am Rande

Die Problematik der 80er Jahre ist doch bei weitem nicht "abgearbeitet" und daher sind doch die Themen von SR aktueller denn je zu vor !

Beispiele gefällig:

-die Esoterik-Branche wächst und gedeiht
-Google
-Monsanto
-Tschernobyl/Asse/wir verklappen unseren Giftmüll in Africa
-Wirtschaftskrise aka Motor des Neofeudalismus
-Freifunk
etc.
"Stellt Euch den Tatsachen, dann handelt danach!"
Quellcrist Falconer

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Re: Cyberpunk als Kind seiner Zeit
« Antwort #24 am: 24.09.2009 | 10:28 »
Die öffentliche Wahrnehmung ist aber zu anderen Punkten gerückt.