Autor Thema: Begriff "Abenteuer"  (Gelesen 7322 mal)

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Online 1of3

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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #25 am: 30.10.2010 | 08:58 »
Warum versucht ihr das nicht einfach mal über die Fiktion?

Das Ende eines Abenteuers wird durch deutliche Änderung von Ort, Zeit, Personal oder Konflikten markiert. Für gewöhnlich werden mehrere dieser Punkte auf einmal betroffen. Alte Elemente werden abgelegt und gänzlich neue per Exposition eingeführt.

Ein

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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #26 am: 30.10.2010 | 10:28 »
Das ist schön. Woher, 1of3?

Online 1of3

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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #27 am: 30.10.2010 | 11:23 »
Aus meiner Tastatur.

Offline nebelland

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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #28 am: 30.10.2010 | 14:23 »
Warum versucht ihr das nicht einfach mal über die Fiktion?

Das Ende eines Abenteuers wird durch deutliche Änderung von Ort, Zeit, Personal oder Konflikten markiert. Für gewöhnlich werden mehrere dieser Punkte auf einmal betroffen. Alte Elemente werden abgelegt und gänzlich neue per Exposition eingeführt.

Das finde ich ungenügend. Um mal mit Filmen zu sprechen: in "Twelve Monkeys" wird mehrmals in der Zeit gesprungen - Zeit und Ort ändern sich deutlich. Abenteuer zuende? Nein. In "Psycho" stirbt die Hauptdarstellerin nach der Hälfte des Filmes, dafür übernehmen Figuren, die man vorher noch nie gesehen hat - deutliche Änderung des Personals. Abenteuer zuende? Nein.

Allenfalls der "Konflikt" taugt als Marker, aber das habe ich oben schon ausgeführt. Konflikt gelöst - Abenteuer zuende. Wenn man, wie das hier im Thread implizit geschieht, Abenteuer vor allem dramaturgisch untersucht, ist das auch konform mit anderen Erzähltheorien.

Florian
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Offline Der Oger (Im Exil)

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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #29 am: 30.10.2010 | 22:01 »
Wie ist es mit dem ungewissen Schicksal? Das ist ja ein weiterer wichtiger Baustein des Begriffes Abenteuer.
Oger ist jetzt nicht mehr traurig. Oger darf jetzt seinen Blog in die Signatur aufnehmen: www.ogerhoehlen.blogspot.com


Welche Lösung bleibt da noch? - Ruft die Murderhobos!

Offline Zornhau

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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #30 am: 30.10.2010 | 23:49 »
Nebenbei: unterscheidet irgendjemand zwischen Kampagnen und Abenteuerserien?
Ja. Denn das sind zwei völlig UNTERSCHIEDLICHE Dinge.
´
Eine Kampagne ist die von einem BESTIMMTEN Spielleiter dargebotene Spielwelt. Diese ist spielleiterindividuell und somit selbst beim Spielen von vorgefertigten Spielwelten (Aventurien, Forgotten Realms, Glorantha, usw.) bei keinen zwei Spielleitern identisch.

Eine Abenteuerserie ist eine Folge von Abenteuern, die in DERSELBEN Kampagne eines bestimmten Spielleiters angesiedelt sein können, aber nicht müssen. So kann eine Abenteuerserie in Necropolis zwar in derselben Necropolis-Kampagne eines Spielleiters angesiedelt sein, jedes einzelne Abenteuer aber andere Charaktere und/oder andere Spieler aufweisen. Allein die zeitliche Folge des Durchspielens dieser Abenteuer macht es zu einer Serie.
Da allein die zeitliche Folge bei einer Abenteuerserie das entscheidende Merkmal ist, kann man auch Abenteuerserien in WECHSELNDEN Kampagnen, d.h. den Kampagnen unterschiedlicher Spielleiter, spielen.

Der Begriff "Kampagne" ist ausschließlich auf die Welt und die Verantwortung für die Weltdarbietung bezogen. Er hat keinerlei Berührungspunkte mit irgendetwas Dramaturgischem. Ob und in welcher Form eine Handlung in dieser Welt passiert, ob hier dramaturgische Planung, zufallsbestimmte Handlungen, oder was auch immer gespielt werden, ist für den Begriff "Kampagne" erst einmal völlig egal.

Eine Abenteuerserie KANN, muß aber nicht, einen durchgehenden Haupthandlungsbogen eventuell mit durchgeplanter Dramaturgie aufweisen. Genauso gut kann eine Abenteuerserie aber auch nur aus miteinander lose gekoppelten oder NICHT gekoppelten Einzel-Abenteuern bestehen, die einfach in zeitlicher Reihenfolge gespielt werden.

Beispiel: 08/15-Fantasy-Runde
Die einzelnen Abenteuer sind in derselben Kampagne genau eines Spielleiters angesiedelt, der Sorge trägt, daß die Welt in sich konsistent bleibt. Jedes Abenteuer wird mit ganz oder teilweise wechselnden Spielerbesetzungen und ganz oder teilweise wechselnden Charakteren bespielt (in der Praxis wurden bislang keine zwei Abenteuer in der identischen Spieler-/Charakter-Zusammensetzung gespielt). Die zeitliche Abfolge des Durchspielens der einzelnen Abenteuer ist von Belang. Die durchgespielten Abenteuer schaffen Fakten in der Spielwelt. Diese werden der Faktenbasis der Kampagne des Spielleiters hinzugefügt. Somit findet eine Gruppe B, die auf eine von Gruppe A bereits entdeckte und geplünderte Ruinenstadt trifft, diese Stadt eben schon geplündert vor, samt jeder Menge Spuren der Dinge, die damals bei Gruppe A geschehen sind.
In dieser 08/15-Fantasy-Runde gibt es KEINE die einzelnen Abenteuer übergreifende Dramaturgie, keinen Haupthandlungsbogen, entlang dessen sich die Einzelabenteuer reihen lassen.
Literarische Vorlagen sind hierfür am ehesten die Gemeinschaftsprojekte "Thieves World" und "Merovingen Nights", bei denen die einzelnen Kurzgeschichten neue Fakten schaffen, die später aufgegriffen werden, auch wenn die Protagonisten inzwischen völlig andere sind.

Ich finde es irreführend "Kampagne" als Synonym für eine zeitliche Abfolge von Abenteuern zu verwenden. Zumal nicht einmal klar ist, wann denn nun genau EIN Abenteuer wirklich ZUENDE ist, und wann das nächste beginnt. - Ob man hier Abenteuer mit technischen Begriffen wie "Modul" benennt oder mit dramaturgischen wie "Szene", "Akt", "Aufzug", usw. ist hier egal. Es gibt ohnehin keine harten und unumstößlichen Regeln oder Gesetzmäßigkeiten, wie lang (an Durchspielzeit) eine Szene, ein Akt, ein Modul, ein Szenario, usw. sein darf oder soll.

Die einzelnen "Abschnitte" von Schatten über Mokattam, einem sehr ausgedehnten Midgard-Abenteuer, könnte man als einzelne Abenteuer ansehen, oder als "Akte", die in sich wiederum Szenen aufweisen. Aber man kann diese EINE Haupthandlung auch als genau EIN (wenn auch umfangreiches) Abenteuer in mehreren Episoden, Teilen, Abschnitten auffassen.

Gerade die Einteilung eines umfangreichen Abenteuers in mehrere Teile ist noch am wenigsten "dramaturgisch vorbelastet". Durch ein Darbieten eines Abenteuers in mehreren Teilen macht man noch keinerlei Annahmen über eventuelle Spannungsbogenverläufe in einem bestimmten Teil und über alle Teile insgesamt. Man gibt nur an, daß man das Abenteuer einfach in mehreren Teilen separiert spielt.

Wer mit Begriffen aus der Dramaturgie kommt, der sollte eigentlich seine Aussagen NUR auf solche Abenteuer beschränken, die sich als cinematisch, dramaturgisch strukturiert, nach vorgeplanter Dramaturgie ablaufend spielen lassen. - Alle anderen Abenteuer-Formen kann man mit solch einem Jargon NIEMALS gerecht werden.


Abenteuer oder Szenario? - Der Begriff "Szenario" ist für meinen Sprachgebrauch der NEUTRALE Begriff, der ALLE Spielarten von Inhalten einer oder mehrerer Spielsitzungen umfaßt. - Der Begriff "Abenteuer" meint eine ganz SPEZIELLE, nämlich ein Abenteuer, also ein sich dem UNBEKANNTEN Stellen. Wo dieses entscheidende, den Unterschied ausmachende Element des Unbekannten fehlt, da kann es sich niemals um ein Abenteuer handeln, wohl aber um ein Szenario.

Offline Merlin Emrys

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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #31 am: 31.10.2010 | 00:11 »
Konflikt gelöst - Abenteuer zuende.
Auch das ist mE noch ungenügend, weil Konflikte im Rollenspiel beliebig tief verschachtelt sein können und, wenn es der Runde inkl. Spielleiter so beliebt, ineinander übergehen können. Wenn im Spielerkonzept eines Spielers auftaucht, daß er die Mörder seiner Eltern sucht, und der findige Spielleiter ihm in regelmäßigen Abständen "Bösewichte" präsentiert, die es gewesen sein könnten, aber nicht waren, dafür aber in anderen Konflikten ihre Rolle hatten und daher von der Gruppe "abgearbeitet" wurden - muß dann der eine Spieler anders zählen als die anderen? Oder wie ist es mit "Vorgeplänkel" oder "kleinen Einwürfen", die eingestreut werden, um späteres vorzubereiten oder einfach nur mal wieder an was anderes zu denken?

Ich würde sagen, die Abgrenzung liegt beim "Abenteuer" in der Gegenüberstellung zu etwas anderem. Ein Abenteuer kann einer Kampagne gegenübergestellt werden und meint dann einen kürzeren, irgendwie in sich geschlossenen Abschnitt, aber auch einem "Einkaufsbummel", dann meint er (hoffentlich...? :-o ) etwas im Vergleich Längeres, bei dem mehr abwechslungsreichere Handlung im Spiel ist. Oder er meint "das, was man in einer Spielsitzung gemacht hat" oder bezieht sich auf einen abgrenzbaren, "zu lösenden" Konflikt. Was davon zutrifft, ergibt der Zusammenhang, nicht das Wort an sich.

Online 1of3

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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #32 am: 31.10.2010 | 06:50 »
Das finde ich ungenügend. Um mal mit Filmen zu sprechen: in "Twelve Monkeys" wird mehrmals in der Zeit gesprungen - Zeit und Ort ändern sich deutlich. Abenteuer zuende? Nein. In "Psycho" stirbt die Hauptdarstellerin nach der Hälfte des Filmes, dafür übernehmen Figuren, die man vorher noch nie gesehen hat - deutliche Änderung des Personals. Abenteuer zuende? Nein.

Allenfalls der "Konflikt" taugt als Marker, aber das habe ich oben schon ausgeführt. Konflikt gelöst - Abenteuer zuende. Wenn man, wie das hier im Thread implizit geschieht, Abenteuer vor allem dramaturgisch untersucht, ist das auch konform mit anderen Erzähltheorien.

Das mit dem Konflikt geht aber ggf. auch schief.

Unsere D&D-Runde ist grade in einer verfallenen Elfenstadt umtriebig. Da sind noch einige andere Parteien am Werke etc. Es gibt aber keinen einheitlichen Konflikt, geschweige denn eine aristotelische Dramaturgie. Das verbindende Element ist der Ort. Das Abenteuer wird beendet sein, wenn wir sagen: "Wir haben keinen Bock auf diese Stadt mehr. Wir gehen weg."

Offline Mentor

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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #33 am: 31.10.2010 | 07:26 »
Ich finde, die Abenteuer = Session Frage ist etwas von der Sessionlänge abhängig. In jedem Fall mag ichs nicht, wenn in der Session die Zeit ausgeht, und irgendwo in der Mitte von einer Aktion wird unterbrochen. Bei Runden, die nur alle 2 oder 3 Wochen einen ganzen Samstag oder Sonntag spielen, mag ich es, wenn da etwas erreicht und abgeschlossen wird. Turm gefunden, Drache erschlagen, Prinzessin gerettet. Den ganzen Tag Rollenspielen, und Showdown/Finale ging sich nicht mehr aus oder der Epilog muss gekürzt werden oder wegfallen, finde ich unbefriedigend. Bei wöchentlichen Abend-Runden, wo weniger Zeit ist in jeder Session, finde ich das nicht so wichtig. Von einer Woche auf die nächste vergisst man auch weniger Details. Da kann ruhig das Abenteuer auf mehrere Teile aufgeteilt sein, nur mitten in einer Szene (Kampf, Verhandlung, Schleichaktion, usw) sollte nicht pausiert werden.
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Offline Dr.Boomslang

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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #34 am: 31.10.2010 | 08:17 »
Nach einiger Überlegung finde ich es offensichtlich dass es sowas wie ein Abenteuer mit einer deutlichen Zäsur im Spiel gar nicht geben muss. Ein Film ist zu Ende wenn er nicht weiter läuft, ein Buch ist nach der letzten Seite zu Ende, weil diese linear und beschränkt sind.
Ein Abenteuer im Rollenspiel wird aber nur als inhaltliche Einheit empfunden, weil es eben meist in Buchform vorliegt. Man spielt Abenteuer oder Module zwar nicht vom Anfang zum Ende linear durch, aber es geht doch letztlich auch darum was sich für Informationen zwischen den Buchdeckeln befinden. Sind diese Informationen "aufgebraucht", ist das Abenteuer abgeschlossen. Das geht natürlich dann meist mit einer inhaltlichen Zäsur einher.

Bei der Gestaltung und Strukturierung des eigenen Spiels, ohne fremde Vorlage, folgen die meisten SLs dann einfach dem Prinzip des Abenteuers, weil sie selbst gelernt haben in Abenteuern zu denken und zu planen. Wenn ich an den größten Teil meines früheren Spiels denke, dann finde ich da aber höchstens sowas wie Konflikte oder Spannungsbögen die entweder abgeschlossen werden, oder auch einfach auslaufen, und sich sogar überschneiden können. Das ist dann eine Art offenes oder Endlosspiel, was ja schon häufiger mit dem Erzählmuster von Soaps verglichen wurde, auch wenn die Inhalte durchaus andere sein können.
Ich habe zwar auch versucht Abenteuer zu machen, und es gab solche abgeschlossenen Einzelgeschichten, allerdings waren diese Abschlüsse nie wirklich absolut und man konnte nicht genau sagen dass Personen nicht wieder auftreten, Orte nicht wieder besucht werden, oder Konflikte nicht wieder aufflammen.

PS: Ich schließe mich also im Wesentlichen Dirk an: Ein Abenteuer ist das gleiche wie ein Modul. Eine geschlossene Beschreibung von Personen Handlungen, Orten. Das was man draus macht muss aber eben nicht diese Eigenschaften haben.
« Letzte Änderung: 31.10.2010 | 08:23 von Dr.Boomslang »

ErikErikson

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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #35 am: 31.10.2010 | 09:11 »
Nach einiger Überlegung finde ich es offensichtlich dass es sowas wie ein Abenteuer mit einer deutlichen Zäsur im Spiel gar nicht geben muss. Ein Film ist zu Ende wenn er nicht weiter läuft, ein Buch ist nach der letzten Seite zu Ende, weil diese linear und beschränkt sind.
Ein Abenteuer im Rollenspiel wird aber nur als inhaltliche Einheit empfunden, weil es eben meist in Buchform vorliegt. Man spielt Abenteuer oder Module zwar nicht vom Anfang zum Ende linear durch, aber es geht doch letztlich auch darum was sich für Informationen zwischen den Buchdeckeln befinden. Sind diese Informationen "aufgebraucht", ist das Abenteuer abgeschlossen. Das geht natürlich dann meist mit einer inhaltlichen Zäsur einher.

Bei der Gestaltung und Strukturierung des eigenen Spiels, ohne fremde Vorlage, folgen die meisten SLs dann einfach dem Prinzip des Abenteuers, weil sie selbst gelernt haben in Abenteuern zu denken und zu planen. Wenn ich an den größten Teil meines früheren Spiels denke, dann finde ich da aber höchstens sowas wie Konflikte oder Spannungsbögen die entweder abgeschlossen werden, oder auch einfach auslaufen, und sich sogar überschneiden können. Das ist dann eine Art offenes oder Endlosspiel, was ja schon häufiger mit dem Erzählmuster von Soaps verglichen wurde, auch wenn die Inhalte durchaus andere sein können.
Ich habe zwar auch versucht Abenteuer zu machen, und es gab solche abgeschlossenen Einzelgeschichten, allerdings waren diese Abschlüsse nie wirklich absolut und man konnte nicht genau sagen dass Personen nicht wieder auftreten, Orte nicht wieder besucht werden, oder Konflikte nicht wieder aufflammen.

PS: Ich schließe mich also im Wesentlichen Dirk an: Ein Abenteuer ist das gleiche wie ein Modul. Eine geschlossene Beschreibung von Personen Handlungen, Orten. Das was man draus macht muss aber eben nicht diese Eigenschaften haben.

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El God

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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #36 am: 31.10.2010 | 10:04 »
Das heißt, Dr. Boomslang, dass du dich eher von der Technik des Abenteuers (in Buchform bzw. als in sich geschlossener Einheit) wieder Richtung einer freieren Definition bewegst, die zwar alles umfasst inkl. dem was ich mit meiner Beschreibung meine, aber auch wiederum schwerer angrenzbar ist (in beide Richtungen: Kampagne wie Subquest/Szene etc.). Ist das wirklich ein Vorteil? Ich schätze beinahe, mit meiner Definition als Technik, die aber eben nicht jeder benutzt, kann man später mal besser arbeiten.

Offline Merlin Emrys

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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #37 am: 31.10.2010 | 12:21 »
Ich hatte allerdings bisher angenommen, daß Mentor nach dem "Ist" fragt, nicht nach einem "Soll", daß er also "retrospektiv" herangeht und nicht prospektiv auf möglichst hohen Nutzen zielt.
Ich versuche mich gerade schlau zu machen, was in der Rollenspielszene genau als "Abenteuer" aufgefasst wird.

Und das, was derzeit als Abenteuer aufgefaßt wird, ist offenkundig uneinheitlich.

El God

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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #38 am: 31.10.2010 | 18:41 »
Stimmt. Und wenn wir schon im Theoriebereich darüber sprechen, könnte man als Ziel ja setzen, dass hinterher ein Arbeitsbegriff herauskommt, der der theoretischen Erkenntnis dient. Wenn Mentor da allerdings Einwände hat und wirklich nur von jedem wissen will, was er denkt, dann gut. Dann habe ich meinen Senf bereits gelassen und gut.

Offline Mentor

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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #39 am: 31.10.2010 | 19:11 »
Wenn Mentor da allerdings Einwände hat
hat er nicht ;)

Merlin Emrys hat aber recht, die eigentliche Frage würde ich als beantwortet wissen, mit der Konsequenz, "Abenteuer" im Session-Kontext in meinen Werken nicht zu verwenden.

Das muss uns hier aber nicht abhalten, den Diskurs weiter zu führen!
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Offline Merlin Emrys

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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #40 am: 31.10.2010 | 23:07 »
Das muss uns hier aber nicht abhalten, den Diskurs weiter zu führen!
Wenn das sooo ist... ;-)

Und wenn wir schon im Theoriebereich darüber sprechen, könnte man als Ziel ja setzen, dass hinterher ein Arbeitsbegriff herauskommt, der der theoretischen Erkenntnis dient.
Hm, jein. Dann haben wir dasselbe Problem wie bei "Erzählspiel", "Immersion", "Simulation(ismus)" usw. usf., nämlich daß es einen umgangssprachlichen Begriff gibt, der immer und immer wieder mit dem "theoretischen" Begriff verwechselt werden wird. Und in jeder Diskussion wird wieder geklärt werden müssen (und letztlich niemals für alle geklärt werden können), daß es diese Doppelung in einen "gebräuchlichen" und einen "hier zu gebrauchenden" Begriff gibt. Und bei "Abenteuer" ist noch dazu die umgangssprachliche Bedeutung schon schwammig...
Deshalb würde ich die Finger davon lassen, "Abenteuer" überhaupt als Theoriebegriff heranzuziehen, weil die Erfahrung lehrt, daß der hehre Wille das gerade zwangsläufige Eintreten der zur Genüge bekannten Probleme nicht vermeiden hilft. Was man machen kann, ist, weniger gebräuchliche oder neu zusammengesetzte Begriffe mit - zumindest für das Theorieforum - eindeutigen Inhalten zu verknüpfen. Aber nicht Begriffe, die jeder glaubt (richtig) zu verstehen... es hat sich einfach nicht bewährt.

Was man in der Tat machen kann, ist, weniger "riskante", treffende Begriffe zu suchen und das, was alles "Abenteuer" meinen kann, darauf zu verteilen. Damit handelt man sich hoffentlich nicht die ewigen Schlachten über den "richtigen" Abenteuerbegriff ein, kann aber, wenn Verwechlungen drohen, "Abenteuer im Sinne von X" unterscheiden von "Abenteuer im Sinne von Y".

Edit:
(Zum Folgenden insgesamt: Ich hoffe, ich habe sinnerhaltend zitiert und nicht durch Kürzungen entstellt. Falls jemand sich falsch wiedergegeben fühlt, bitte ich um einen Hinweis, dann korrigiere ich das.)
Was zu verteilen wäre:
-> ein abgeschlossener Handlungsabschnitt (Mentor, Eingangsbeitrag)
-> in sich geschlossener Handlungsbogen respektive Geschichte (Antwort 1)
-> Handlungsabschnitt, bei dem ein definiertes Ende erreicht wurde (Antwort 4)
-> Handlungsabschnitt, in dem ein zentrales Thema oder Ziel vorherrscht (Antwort 5)
-> Synonym zu "Modul", wobei ein Modul eben nicht bloß eine eigenständige Publikation sein muss, sondern auch ein Teil einer Publikation sein kann (Antwort 7)
-> "Geplantes Abenteuer": Material, das von der Gruppe genutzt werden kann und eine Vorbereitung für die Zukunft darstellt (Antwort 8)
-> "Erlebtes Abenteuer": Ereignisse, die rückblickend als spannend, gefährlich, vielleicht sogar episch eingestuft werden (Antwort 8)
-> Abgeschlossener, vorgeplanter Situationsstrang, der Charaktere mit neuen Situationen konfrontiert (Antwort 13)
-> Zustand, Ergebnis und Qualitätsmerkmal von Rollenspiel, für das bestimmte Vorraussetzungen erforderlich sind (Antwort 16)
-> Zustand zwischen den Ruhephasen in einer Runde (Antwort 17)
-> an der Herausforderung, dem Aufbruch und damit der "Queste" fest[zu]machen (Antwort 21)
-> Antagonistenkonflikt: wo kein Gegenspieler, da kein Abenteuer und umgekehrt (Antwort 21)
-> abgeschlossene, eigenständige und zusammenhängende Verknüpfung von Szenen (Antwort 23)
-> Änderung eines oder mehrere Aspekte von Ort, Zeit, Personal oder Konflikten; Austausch alter Elemente gegen neue (Antwort 25)
-> sich dem Unbekannten stellen (Antwort 30)
-> inhaltliche Einheit, in Buchform (Antwort 34)

sowie als zeitliche Kriterien:
-> in etwa so lang wie eine Spiel-Session (z.B. Mentors Eingangsbeitrag und Antwort 11)
-> als Kurzabenteuer u.U. kürzer als ein Spielabend (Antwort 2)
->  über mehr als einen Spielabend (z.B. Antworten 3, 7)

Bereits gegebene Anregungen zur Abgrenzung (Vorsicht, unvollständig!):
-> Kampagnenspiel: ein übergeordnetes Ziel/Aufgabe, die erst später erledigt werden kann (Antwort 4)
-> Kampagne: u.U. über Jahre verfolgte Geschichte in einem Setting (Antwort 24)
-> Kampagne: die von einem Spielleiter dargebotene Spielwelt (Antwort 30)
-> Abenteuerserie als Folge von Abenteuern (Antwort 30)
-> Serie: am Stück gespielte Sessions als Teilabschnitte einer Kampagne (Antwort 24)
-> Abgrenzung zur Episode: aus der Alltagssituation der Charaktere herausführend (Antwort 13)
-> das völlig offene Szenario, dass zwar auch eine konkrete Lösung und ein sichtbares Ende beinhaltet, bei dem aber nichts vom Verlauf der Aktionen vorgeplant ist (Antwort 19)
-> das Abenteuer, dass sich während des Spielens ergibt und das man im Nachhinein betrachten kann (Antwort 19)
-> Nebenquests, die z.T. auch völlig vom Abenteuer wegführen können (Antwort 19)
-> "Szenario": Inhalte einer oder mehrerer Spielsitzungen (Antwort 30)

Meine erste Frage dazu wäre: Was von den "Abenteuerbegriffen" ist soweit identisch, daß es unter einen gemeinsamen Begriff gefaßt werden sollte / könnte?
Wieviele Begriffe braucht es also insgesamt, um das Themenfeld "Abenteuer" zu gliedern?
« Letzte Änderung: 31.10.2010 | 23:53 von Merlin Emrys »

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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #41 am: 1.11.2010 | 10:32 »
Nach einiger Überlegung finde ich es offensichtlich dass es sowas wie ein Abenteuer mit einer deutlichen Zäsur im Spiel gar nicht geben muss. Ein Film ist zu Ende wenn er nicht weiter läuft, ein Buch ist nach der letzten Seite zu Ende, weil diese linear und beschränkt sind.
Ein Abenteuer im Rollenspiel wird aber nur als inhaltliche Einheit empfunden, weil es eben meist in Buchform vorliegt. Man spielt Abenteuer oder Module zwar nicht vom Anfang zum Ende linear durch, aber es geht doch letztlich auch darum was sich für Informationen zwischen den Buchdeckeln befinden. Sind diese Informationen "aufgebraucht", ist das Abenteuer abgeschlossen. Das geht natürlich dann meist mit einer inhaltlichen Zäsur einher. (...)

Diese Idee des "Aufbrauchens" entspricht etwa dem, was ich sagen wollte. Insofern volle Zustimmung. Ich spreche deshalb auch meist weniger von "Abenteuern" an sich, sondern eher von "Abenteuer-Setups", eben als Menge der Dinge, die verbraucht wird.

(Siehe dazu auch, meine Überlegungen zum Begriff "Schauplatz".)

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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #42 am: 9.11.2010 | 08:40 »
... die eigentliche Frage würde ich als beantwortet wissen, mit der Konsequenz, "Abenteuer" im Session-Kontext in meinen Werken nicht zu verwenden. ...

Ich denke, es wäre legitim, dem "Abenteuer" eine neue, ev. zeitgemäßere Bedeutung zu geben, v.a. im Kontext deiner "abenteuerlichen" ROBiN-Kampagne (insofern würd' ich's einfach tun), aber wenn es dir darum geht, hier möglichst keine falschen Erwartungen zu wecken, dann würde ich mich deiner Meinung anschließen.

Ich habe Abenteuer immer als eine Art Typusbegriff verstanden:
- lange oder komplexe Story
- viele oder komplexe Örtlichkeiten
- Dramatis Personae, das mehr als nur 1 NSC (Endgegner) beinhaltet
- dramatischer Bogen, der über das Erreichen eines "Zwischenziels" hinausgeht.

Die Komplexität deiner ROBiN-Kampagne ergibt sich aus dem Setting, den Möglichkeiten und den übergreifenden Elementen, weniger aus den singulären Plots.

Wäre hier möglicherweise der Begriff "Szenario" eine Variante, oder ist der schon irgendwie besetzt?
Wie seht ihr alle hier diesen Begriff im Verhältnis zu Kampagne, Abenteuer, Szene, Etappe, Episode u. dgl.?
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Re: Begriff "Abenteuer"
« Antwort #43 am: 9.11.2010 | 11:49 »
Speziell im ROBiN Kontext werde ich einfach beim Begriff "Episode" bleiben, angelehnt an TV-Serien. Heute ist zum Glück Episode nicht mehr gleichgesetzt mit "Am Ende ist alles wieder gut.".

Drüber hinaus ist "Szenario" wohl auch der Begriff meiner Wahl. Das ist für mich weniger Verbindlich als "Abenteuer", sowohl was Länge als auch was Detailgrad der Ausarbeitung angeht.

Meine erste Frage dazu wäre: Was von den "Abenteuerbegriffen" ist soweit identisch, daß es unter einen gemeinsamen Begriff gefaßt werden sollte / könnte?
Wieviele Begriffe braucht es also insgesamt, um das Themenfeld "Abenteuer" zu gliedern?
So wie ich das da rauslese: "Abenteuer" ist zweierlei:
1) Metabegriff im RSP für eine Einheit/Menge, die gewisse (im Wesentlichen) abgeschlossene Elemente (Handlung, Personen, Orte, Geschehnisse, ...) umfasst.
2) Als Charakterbegriff vermischt es "das Unbekannte", das vor den Charakteren liegt, sowie dessen Entdeckung/Auflösung, also eine Art Erlebnis.

Sollte man daher nicht erst mal die Begriffe aus der Liste aufteilen in Meta-Abenteuer und Charakter-Abenteuer (bzw. für diese 2 Komponenten erst mal griffige Bezeichnungen finden?)

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