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Autor Thema: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe  (Gelesen 15598 mal)

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Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #100 am: 27.04.2017 | 00:19 »
Session 45: Teil 2

Als elf weitere Stunden vergangen sind, ohne dass sich auch nur ein Ork hätte blicken lassen, bittet Tinulin die anderen, mit einem der Kessel Wasser aus dem im Abgrund fliessenden Bach zu schöpfen und alle verbliebenen Wasserschläuche aufzufüllen. Schliesslich hält Maira die Zeit für gekommen, um Arrohirs Koma zu verlängern, indem sie vorsichtig seine Schläfen berührt und dabei leise einige Silben murmelt. Als Tinulin einige Zeit später zu ihr kommt, sagt sie ihm, dass sie Arrohirs Hand durch eine Übertragung auf sich selbst zwar vollständig heilen könne, dass es aber eine sehr kräftezehrende Angelegenheit werde, im Anschluss die Heilung der Verletzung an ihrer eigenen Hand in Gang zu bringen. Tinulin ist ob dieser Aussicht besorgt und er stimmt ein elbisches Lied an, um die Gedanken der Gefährten etwas aufzuheitern. Schliesslich holen sie beim Brückenkopf einige der Holzbohlen, welche die Orks zu einer kurzen Behelfsbrücke zusammengeschustert hatten und entzünden ein kleines Feuerchen, an dem sie sich ausruhen.

Als Maira einige Stunden später wieder aufwacht, fühlt sie sich den Umständen entsprechend erfrischt und bespricht mit Tinulin den Ablauf für Arrohirs und ihre anschliessende Heilung, welche im schlimmsten Fall zehn Tage in Anspruch nehmen könnte. Für Maira steht fest, dass sie die Mine danach so schnell wie möglich verlassen müssen, nur alleine schon deshalb, weil sie kaum noch Nahrungsvorräte haben. Genau aus demselben Grund erachtet Tinulin es für sinnvoller, sobald wie möglich tiefer in die Mine vorzudringen. Im Freien wären sie einem Angriff der Orks weitgehend schutzlos ausgeliefert und der Weg bis zur nächsten Siedlung der Lossoth sei zu weit, um ihn ohne Nahrung und Zelte zurückzulegen. Da auch die übrigen Ordensmitglieder Tinulins Sichtweise unterstützen, konzentriert sich Maira vorerst ganz auf die Heilung ihres Bruders. Calendin hält immer noch am unteren Ende der Wendeltreppe Wache, während Tinulin die Herzen der anderen nochmals mit einem elbischen Lied erhellt. Voll konzentriert legt sich Maira neben Arrohir und berührt unter ständigem Gemurmel schliesslich sein abgetrenntes und unter einem dicken Verband nur lose verbundenes Handgelenk. Ein stechender Schmerz durchfährt die junge Heilerin, als ihr eigenes Handgelenk mit einem Mal einen tiefen Einschnitt aufweist, der Sehnen, Muskeln und Knochen zerteilt. Bemüht, trotz der Schmerzen ihre Konzentration aufrecht zu erhalten, setzt sie weitere Heilsprüche ein, welche den Schnitt verschliessen und die inneren Verletzungen allmählich zu heilen beginnen. Beruhigt und froh darüber, dass alles gut verlaufen ist, sinkt Maira schliesslich erschöpft in einen ruhigen Dämmerschlaf, während Arrohir allmählich aus seinem Koma erwacht und nach und nach zu sich kommt. Der junge Mann ist bestürzt, als er seine verwundete Schwester erkennt, aber auch froh, alle anderen wohlbehalten in seiner Nähe zu wissen. Er dankt Tinulin für den Gesang, der ihn aus den Tiefen seines traumlosen Schlafs zurückgeholt habe und wird sogleich von Bóin II. für seine heldenhafte Leistung bei der Erstürmung der Brücke gelobt. Der Zwerg ist mächtig stolz auf seine beiden Schüler. Nachdem Arrohir einen grosszügigen Schluck Lebertran zu sich genommen hat, begibt er sich zu Calendin und lässt sich vom Waldelb genau schildern, wie sich die Erstürmung der Brücke abgespielt hat. Tinulin untersucht unterdessen, auch unter Zuhilfenahme des Crospars, die auf der rechten Seite des Hauptganges gegenüber der Eisentüre zum Schiessschartenraum gelegenen Räume, welche ganz offensichtlich von zahlreichen Orks bewohnt worden waren. Doch auch hier entdeckt der Noldo keinen Hinweis auf die ursprünglichen Herren der Mine oder den Verbleib König Arveduis. Als Maira nach etwa zwei Stunden zum ersten Mal die Augen wieder aufschlägt, steht schon bald fest, dass sie noch weitere acht Stunden Ruhe benötigen wird, bevor sie auch nur daran denken kann, aufzustehen. Sie schätzt, dass bis zur vollen Genesung ihrer Verletzung vier Tage vergehen werden. Die Gefährten nutzen die folgenden Stunden dazu, sich optimal für den erneuten Aufbruch vorzubereiten. Als sich Maira gut zehn Stunden nach der Übernahme von Arrohirs Verletzung schwankend erhebt, führt sie Calendin vorsichtig die Wendeltreppe hinunter auf den Hauptgang und alle freuen sich, dass Maira wieder auf den Beinen ist. Bóin II. hat seine zwergische Kriegsmaske angelegt hat, welche ihm einen fürchterlichen Anblick verleiht, und trägt zusammen mit Khufur, der Mairas Rucksack samt Schlafrolle geschultert hat, eine der Schutzwände aus Holz vor sich her durch den Hauptgang. Hinter ihnen folgen Maira und Calendin, der mit Khufurs Grubenlaterne für genügend Licht sorgt, damit die Menschen nicht ins Stolpern geraten. Den Abschluss bilden Tinulin und Arrohir, die ebenfalls eine hölzerne Schutzwand als Rückendeckung mit sich tragen. Als sie dem Hauptgang bereits ein kleines Stück tiefer in den Berg gefolgt sind, erschallt plötzlich aus dem Schiessschartenraum hinter ihnen erneut ein orkisches Signalhorn. Das schrille Warnsignal wird schon nach kurzer Zeit von einem Ort in der Dunkelheit des Hauptganges vor ihnen von mehreren Hörnern beantwortet. Ohne dass sie auch nur einen einzigen Ork zu Gesicht bekommen hätten, erreichen die Gefährten kurz darauf die kleine Halle, von welcher nach allen vier Seiten je ein Gang wegführt.
Im Licht von Khufurs Grubenlaterne erkennen sie, dass der gegenüberliegende Ausgang durch einen hohen, offenen Torbogen führt, hinter welchem der Gang eine breite Treppe hinaufführt. Bóin II. und Khufur wollen dem rechten Gang folgen, auch wenn sie Maira nicht versprechen können, dass sich dort ein Ausgang befindet. Schon nach wenigen Schritten sehen sie eine Steintafel an der linken Wand des Ganges, in welche das zwergische Wort für "Minen" eingraviert wurde. Rasch sehen sie sich die anderen Wände an und finden beim linken Gang eine Tafel mit der zwergischen Aufschrift "Bergsicht", während der Gang geradeaus keine Beschriftung aufweist. Aufgrund der Beschriftung würde Maira den linken Gang bevorzugen, aber Tinulin glaubt, dass sie dort, falls es überhaupt einen Ausgang gäbe, nur in Schnee und Eis gefangen wären. Die Zwerge würden sich gerne erst in den Minen umsehen, da Maira es allerdings für sehr unwahrscheinlich hält, dass sich dort ein Ausgang befindet, steigen sie schliesslich gemeinsam die breite Treppe hinter dem Torbogen hinauf, wobei sie sehr vorsichtig vorgehen und nach Fallen Ausschau halten. Als die Gefährten den oberen Treppenabsatz erreichen, sehen sie vor sich einen weiteren, rund 15 Meter breiten Abgrund, über den sich eine gut sechs Meter breite Steinbrücke ohne seitliches Geländer spannt. Ein gutes Stück über dem gegenüberliegenden Brückenkopf erkennen sie ebenfalls einen Balkon, auf dem sich zahlreiche orkische Bogenschützen in Stellung gebracht haben. Auf der anderen Seite des Abgrunds mündet die Brücke direkt in einen Gang, welcher jedoch durch ein heruntergelassenes Fallgitter versperrt ist. Hinter dem Fallgitter warten bereits viele mit Schwertern und Schilden gerüstete Orks, welche den Gefährten übelste Schmähungen zurufen. Bóin II. fallen einige Vertiefungen im Steinboden am Beginn des oberen Treppenabsatzes auf und ein Blick nach oben enthüllt ihm, dass an dieser Stelle ebenfalls ein Fallgitter heruntergelassen werden kann. Schnell erkennt er, dass potentielle Eindringlinge durch die Fallgitter zwischen beiden Brückenabsätzen eingeschlossen werden könnten, weshalb er seine Freunde warnt und sie sich nicht weiter nach vorne wagen. Noch immer durch ihre hölzerne Schutzwand gedeckt, erörtern sie kurz die Lage und beschliessen, erst die Minen zu erkunden, da es bei dieser Art von Bewachung unmöglich scheint, die Brücke lebend zu überqueren. Unter dem höhnischen Gelächter und Spott der Orks ziehen sich die Gefährten zurück und wenden sich dem Minenkomplex zu. Bevor sie den rechten Gang betreten, zieht Tinulin den Kriegshelm seines Vorfahren Turulin an, welcher ihn schon in der Schlacht des Letzten Bündnisses getragen hatte. Auf der rechten Seite des Minenhauptganges entdecken die Gefährten mehrere Räume, welche ganz offensichtlich von zahlreichen Orks bewohnt und die in ziemlicher Eile verlassen worden waren. Immer wieder finden sich Ausrüstungsteile, Schilde und Waffen, welche das Emblem eines auf der Spitze stehenden Quadrats zeigt, das aufgrund einiger weiterer Striche entfernt an die stilisierte dreidimensionale Darstellung eines Quaders erinnert. Nach knapp 40 Metern biegt der Gang nach links, worauf nach wenigen Metern ein Seitengang nach rechts abgeht und eine lange Treppe hinunterführt. Geradeaus mündet der Gang indessen in eine grosse Halle, welche Tinulin und Bóin II. erkunden. Arrohir entzündet unterdessen eine Fackel, damit er und die anderen Gefährten nicht im Dunkeln warten müssen. Im Licht von Khufurs Grubenlaterne erkennen Tinulin und Bóin II., dass in der Halle ein riesiger und ausgeklügelter Minenlift mit verschiedensten Bedienhebeln installiert ist, der im hinteren Teil des Raumes senkrecht in die Tiefe führt. In den angrenzenden Räumen, welche ebenfalls enorme Ausmasse haben, entdecken die beiden neben noch leicht eisenerzhaltigem Abraum auch verschiedenste Gerätschaften für den Minenbau und Ersatzteile, welche alle zwergischer Machart sind. Aufgrund des Allgemeinzustands der Anlage ist sich Bóin II. sicher, dass der Betrieb des Lifts schon vor mehr als zehn Jahren eingestellt wurde. Daher scheint für ihn auch klar, dass es sich hier um eine von den Zwergen bewusst verlassene Mine handeln muss, was auch erklären würde, weshalb sie nun von Orks bewohnt wird, welche unter keinen Umständen gegen eine Zwergenbesatzung hätten siegreich sein können. Maira ist noch immer sehr geschwächt und plädiert für eine Rast, weshalb sie im Zwischengang vor der Abzweigung zur Minentreppe ihr Lager errichten. Während Calendin den Minenhauptgang zur Vorhalle im Auge behält, sind Bóin II. und Tinulin zu neugierig, um eine Pause einzulegen. Mit Khufurs Grubenlaterne steigen die beiden die lange, gewundene Treppe hinunter und verschwinden schon bald aus der Sicht ihrer Gefährten in der Dunkelheit.

// Metageblubber:

Es war die dritte Session, welche komplett in der Zwergenmine ablief, und ich war mit dem Vorankommen der Geschichte nicht wirklich zufrieden. Das lag allerdings hauptsächlich an mir und zeigte sich auf mehreren Ebenen. Einerseits konnte ich mich lange nicht entscheiden, wie die Orks nach der Erstürmung der Brücke vorgehen würden und so blieb ihre Reaktion über lange Zeit sehr vage. Die Spieler wussten mit den Informationen über die Schritte der Orks nicht viel anzufangen und so plätscherte die Sache lange Zeit einfach so ein bisschen vor sich hin. Hier hätte ich durch klarere Informationen den Spielfluss vielleicht ein bisschen beschleunigen können. Andererseits wurde wieder sehr viel Kleinklein-Spiel betrieben, jede Wand nochmals abgesucht, jeder tote Ork ein weiteres Mal umgedreht. Auch hier hätte ich viel stärker schneiden können, was mir aber in der Situation nicht wirklich gelungen ist. Ich hoffe, dies in der nächsten Session wieder besser handhaben zu können, zumal auch Bóins II. Spieler immer wieder mal angemerkt hat, dass wir irgendwie nicht recht vorwärts kommen. Ob es ihnen in dieser Session in der Gesamtbetrachtung allerdings wirklich negativ aufgefallen oder in Erinnerung geblieben ist, weiss ich nicht.

Schliesslich habe ich bei der zweiten Brücke den "Fehler" gemacht, die Orks in voller Verteidigungsstellung erscheinen zu lassen. Fehler deshalb, weil es eigentlich gar nicht meine Absicht gewesen war, auch die zweite Brücke zu so einem grossen Hindernis werden zu lassen. Die genauen Verteidigungsmöglichkeiten, abgesehen von der Brücke, hatte ich mir im Vorfeld noch nicht überlegt gehabt und schwankte während der Session, wie stark sie an dieser Stelle effektiv noch sein sollten. Dabei überlegte ich mir, woran die ursprünglichen Erbauer wohl gedacht hätten und ob das in Anbetracht der Bedeutung der Mine angemessen wäre. Ich entschied mich dafür, dass die Brücke zwar massiv ist, dass dafür aber Fallgitter bestehen und es auch wieder einen Balkon gibt, von welchem aus die Brücke unter Beschuss genommen werden kann.

Die Gefährten haben wieder neue Hinweise zum Urspung der Mine erhalten und vermuten, dass sie von Zwergen erbaut und schliesslich verlassen wurde. Sie glauben, dass es den Orks nur bei einer unbewohnten Mine gelingen konnte, die starken Verteidigungsmechanismen zu überwinden und die Mine zu anektieren.

Wie geht's weiter? Ah ich weiss, ganz einfach: never split the group - wir gehen dann schon mal voraus, ok?  ~;D
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Offline Chaos

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #101 am: 29.04.2017 | 20:25 »
Soso... "parasitäre Leser"?

Na, wir werden ja sehen, ob die Herrschaften von mir nochmal eine Runde Mitleid bekommen...  |:((
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Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #102 am: 2.05.2017 | 13:14 »
@Chaos: Hahahahaha ja Chaos, gib's ihnen  :D Undankbares Spielerpack ;D  ... siehst Du, da könntest Du eher noch mir ein bisschen Mitleid spenden, dass ich mit solchen Spielern geschlagen bin...  ~;D ~;D
Aber, lieber Chaos, Du darfst Dir wirklich ganz sicher sein, dass Du als kommentierender und dazu auch noch den Spielern Mitleid spendender Leser keineswegs und unter keinen Umständen unter die "parasitären Leser" gezählt werden kannst oder wirst  ;)
Ich werde den Spielern aber natürlich mitteilen, dass sie drauf und dran sind, ihren eisernen Mitleidspender zu verlieren, wenn sie sich nicht ordentlich anstrengen  ;D

Viele Grüsse,
torben

Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #103 am: 26.06.2017 | 22:37 »
Endlich bin ich dazu gekommen aufzuschreiben, was die Gruppe bei der weiteren Erkundung der Mine erlebt hat... und nein, sie sind noch immer nicht durch  >;D

Session 46: Teil 1
3.7.-4.7.2784 3Z
Zwergenmine nördlich von Arthedain

Während Tinulin und Bóin II. vorsichtig die sich elliptisch nach rechts windende Treppe zu den eigentlichen Minen hinabsteigen, besprechen sie das Problem der immer knapper werdenden Nahrungsvorräte der Gemeinschaft und diskutieren die Möglichkeiten, wie sie die zweite Brücke überqueren könnten.
[Bóin II. zum Thema Nahrung: "Also wenn ich ein Zwerg wäre... äh, also ich bin ein Zwerg..."]
Nach einiger Zeit führt auf der linken Seite ein Durchgang von der Treppe weg, bei welchem Tinulin und Bóin II. angestrengt lauschen, jedoch keinerlei Geräusche vernehmen können. Sie folgen der Treppe noch einige Umdrehungen weiter bis zu einem weiteren, links abgehenden Durchgang, bevor sie sich auf den Rückweg zu den anderen machen.
Oben an der Treppe zu den Minen haben Calendin und Khufur währenddessen den langen Gang im Auge behalten, der zur Verzweigungshalle führt, von welcher aus der Hauptgang zu den beiden Brücken führt. Nach einer Weile hörten sie plötzlich das Getrappel zahlreicher Füsse und ein kurzes, verhaltenes Hornsignal. Kurz darauf durchquerte eine Horde von 20 bis 30 grösseren und kleineren Orks die Halle von der zweiten Brücke herkommend rasch in Richtung der ersten Brücke, ohne sich dabei gross umzublicken. Danach wurde alles wieder still und Khufur nutzte die Zeit bis zur Rückkehr der anderen, um nochmals die Hallen mit dem Abraum, dem Minenliftsystem sowie dem Ersatzteillager zu durchstöbern, wobei er jedoch nichts Neues entdecken konnte. Als Tinulin und Bóin II. wieder zurück sind, tauschen sie sich rasch mit Calendin und Khufur aus und beschliessen, Arrohir und Maira, welche die ganze Zeit geschlafen hatten, noch ein bisschen ruhen zu lassen.

Nachdem der Durchmarsch der Orks durch die Verzweigungshalle gut 30 Minuten zurückliegt und die Menschen knapp eineinhalb Stunden geschlafen haben, werden sie geweckt und Tinulin schlägt vor, dass sie sich als Erstes nochmals die Situation bei der zweiten Brücke ansehen sollten. Mairas Geist und Körper sind noch immer sehr mit der Heilung der wieder angesetzten Hand beschäftigt, aber sie willigt ein, die anderen zu begleiten, worauf sie ihre Fackel löschen und in der Finsternis zur Verzweigungshalle schleichen. Kurz bevor sie die Halle erreichen, warten die Zwerge und Menschen in einer Seitennische, während die Elben weiterschleichen. Calendin wendet sich nach links und entdeckt in der Mitte des leeren Hauptgangs auf der Höhe der Wendeltreppe zum Verteidigungsbalkon der ersten Brücke eine kleine Feuerschale, welche den Gang in Richtung der ersten Brücke in ein flackerndes Licht taucht. Tinulin schleicht derweil vorsichtig durch den rechten Durchgang der Halle und die dahinterliegende Treppe hinauf. Als er über den oberen Treppenabsatz spähen kann, erkennt er dank einem aus der Tiefe des Abgrunds kommenden, sehr schwachen und pulsierenden Leuchten, dass die Fallgatter auf beiden Seiten der Brücke heraufgezogen sind. Weder auf der Brücke noch dem darüberliegenden Verteidigungsbalkon kann er Orks entdecken, weshalb er alsbald zu den anderen zurückschleicht. In der Nische besprechen sie das weitere Vorgehen und kommen dabei auf die Idee, die Fallgatter mit stählernen Stützen aus dem Ersatzteillager der Mine zu blockieren. Wenig später haben die Zwerge und Arrohir drei rund 80 Zentimeter lange, schwere Stahlträger aus dem Ersatzteillager herbeigeschafft, worauf Tinulin abermals die Treppe hinaufschleicht, um sich das diesseitige Fallgatter genauer anzuschauen. Oben angekommen, erkennt er, dass das Fallgatter auf dieser Seite der Brücke sehr hoch und schwer sein muss, da die Decke vom oberen Treppenabsatz aus im gleichen Winkel wie zuvor die Treppe weiter nach oben strebt. Dadurch kann man vom gegenüberliegenden Verteidigungsbalkon mühelos den ganzen Treppenaufgang einsehen, dessen Deckenhöhe beim Fallgatter kurz vor dem Brückenkopf gut 15 Meter beträgt. Im Schutz der Dunkelheit wirft der Noldo einen vorsichtigen Blick über den Rand des Abgrunds und sieht, dass dieser rund 50 Meter in die Tiefe reicht, bevor an seinem Grund ein gut 15 Meter tiefes, klares Gewässer ruht. Am Boden des Bachbetts befindet sich eine Öffnung mit einem Durchmesser von gut drei Metern, welche den Blick in eine darunterliegende Unterwasserkaverne freigibt, aus welcher das schwache, in unterschiedlichen Abständen pulsierende Licht zu kommen scheint, welches Tinulin entfernt an das Leuchten von Crospar erinnert. Am Boden der Kaverne, direkt in der Mitte des Loches, glaubt Tinulin die Umrisse eines eckigen Gegenstands zu sehen, doch es ist ihm bei diesen Lichtverhältnissen nicht möglich zu erkennen, worum es sich dabei handelt. Als er sich die Brücke genauer ansieht, bemerkt er, dass sie über und über mit kleinen Steinchen bestreut ist, von welchen er annimmt, dass sie geräuschvoll zerbröseln, falls man auf sie treten sollte. Um genau dies zu vermeiden, schleicht Tinulin mit grösster Vorsicht und auf allen Vieren über die Brücke, ohne dass sich ihm ein Gegner zeigt. Auf der anderen Seite angekommen, sieht sich der Noldo die Decke und die Wände des Ganges sehr genau an und kann weder Schiessscharten noch Fallen entdecken. Trotz der schlechten Lichtverhältnisse kann er in rund 18 Metern Entfernung links und rechts je eine Einbuchtung im Gang erkennen. Langsam und lautlos schleicht Tinulin näher heran, bis er, nur noch knapp vier Meter von den Einbuchtungen entfernt, plötzlich mehrere Orks erkennt. Die Schurken spähen aus der Deckung in seine Richtung, scheinen ihn aber aufgrund seines elbischen Mantels und seiner meisterhaften Schleichfähigkeit noch nicht bemerkt zu haben. Ebenso leise wie er gekommen war, zieht sich der Noldo wieder zurück zur Brücke und überquert sie ein weiteres Mal, ohne von den Orks entdeckt zu werden.
[Technisch gesprochen: Als Tinulin die Orks entdeckt hat, zeigt er bei beim Rückzug seine meisterhaften Schleichkünste: UM 99 + 86 + 186 Schleichen = 371. Selbst der eine Ork, der bei seinem Wahrnehmungswurf eine UM 96 hatte, kann ihn nicht entdecken.]
Nachdem Tinulin den anderen Bericht erstattet hat, entbrennt eine rege Diskussion über das weitere Vorgehen. Während Maira dafür plädiert, den von der Halle nach Westen wegführenden, mit den Zwergenrunen "Bergsicht" beschrifteten Gang zu inspizieren und dort nach einem Ausgang zu suchen, hat Tinulin bereits entschieden, dass er das Leuchten im Wasser genauer wird untersuchen müssen. Bóin II. schliesslich ist der Ansicht, dass es im östlich gelegenen Minenkomplex einen Ausgang geben müsse, da die Abraumhalle niemals gross genug sein könne, um darin das ganze wertlose Gestein der Mine zu lagern. Er vermutet zudem, dass es in der Tiefe auch einen Zugang zum Wasser gibt, welchen Tinulin für seine Erkundung des pulsierenden Leuchtens nutzen könnte. Tinulin hält einen Sturmangriff über die zweite Brücke für wenig aussichtsreich und glaubt, dass ein allfälliger Ausgang oben auf dem Berg nicht nur wegen der Kälte, sondern auch wegen den sie verfolgenden Orkhorden äusserst gefährlich wäre. Daher schliesst er sich Bóins II. Vorschlag zur Erkundung des Minenkomplexes an. Maira gibt zu Bedenken, dass ihre Essensvorräte nur noch aus Tran für einen Tag, acht nahrhaften Zwiebeln sowie zwei grauschimmeligen Orkbroten bestehen. Nachdem Bóin II. ihr nochmals versichert hat, dass es aufgrund der Beschaffenheit der Anlage im Minenkomplex einfach einen Ausgang aus dem Berg geben muss, ist sie mit Erkundung dieses Flügels einverstanden. Sie sagt Tinulin aber klar, dass sie nicht für das Leuchten nochmals in den Berg gehen und dort sterben wolle.

Im Lichtschein von Khufurs kleiner Grubenlaterne begeben sich die Gefährten erneut zur grossen Halle, in welcher sich das komplizierte Minenliftsystem befindet und untersuchen die verschiedenen Apparaturen. Khufur meint nach einer Weile herausgefunden zu haben, wie alles funktioniert, Bóin II. ist davon jedoch nicht überzeugt, zumal er feststellt, dass ganz offenbar mehrere Teile der Anlage abgebaut oder auf andere Weise entfernt wurden. An einer Wand entdecken sie einen Ofen, der jedoch zu klein scheint, um darin im grossen Stil Erze zu schmelzen. Mit einem Mal kommt Bóin II. die Idee, bei den grossen Umlenkrollen an der Decke könne eine Geheimtür nach oben führen. Sie finden aber keine Möglichkeit, die schweren und langen Metallketten heranzuholen, so dass sie daran hätten hinaufklettern können, weshalb sie diesen Ansatz wieder verwerfen. Als auch Khufurs erneute Untersuchung des Abraums nichts Neues zu Tage fördert, wenden sie sich schliesslich dem Abstieg in die Minen zu. Der elliptischen Treppe über mehrere Umdrehungen folgend, erreichen sie ca. 25 Meter unterhalb der Minenebene zu ihrer Linken den Eingang zur ersten Tiefe und Tinulin muss sich bücken, da die Gänge hier kaum zwei Meter hoch und zudem auch nur noch zwei Meter breit sind. Gemeinsam mit Bóin II. geht der Noldo voraus, bis sich nach rund 15 Metern zu ihrer Rechten eine Nische auftut, in deren Mitte sich ein Brunnen befindet. Hier legen die Gefährten eine Rast ein und nachdem Arrohir und Maira noch einen Schluck Wasser aus ihren Schläuchen getrunken haben, schlafen die beiden erschöpften Menschen rasch ein. Im Brunnen erkennt Tinulin in rund zwanzig Metern Tiefe Wasser, welches sie mit Hilfe ihrer Seile und eines Topfes schöpfen und im Grunde für trinkbar erachten. Sie füllen einige ihrer Wasserschläuche mit dem Wasser, auch wenn Tinulin der komische Beigeschmack nicht entgangen ist, der ihn vermuten lässt, der eine oder andere Ork könne sich in den Brunnen erleichtert haben. Während Calendin und Khufur eine Fackel entzünden und bei den schlafenden Menschen bleiben, dringen Tinulin und Bóin II. mit Khufurs Grubenlaterne weiter in die erste Tiefe vor und gelangen schon nach wenigen Metern in eine grössere Halle. Hier entdecken sie den nach oben und unten offenen Schacht des Minenlifts sowie mehrere Loren und Geleise, welche in mehreren Grabungsgängen verschwinden. Sie folgen dem ersten Gang, der zu ihrer Linken in südlicher Richtung von der Halle abzweigt, und erreichen nach einiger Zeit eine weitere kleine Halle, bei welcher die Schienen enden. Von dieser Halle führen in alle Richtungen mehrere nunmehr nur noch etwas über eineinhalb Meter hohe Schürfgänge fort, welche sich die beiden genauer ansehen. Bei einem Schürfgang, welcher nach Süden führt, verspüren sie einen schwachen Lufthauch und hören entferntes Wasserrauschen. Neugierig, und im Falle von Tinulin äusserst gebückt, folgen Bóin II. und der Noldo dem Gang, bis sie schliesslich zu einem kleinen Durchbruch gelangen, durch welchen sie in die Schwärze einer unterirdischen Schlucht blicken können. Nicht allzu tief unter sich erkennen sie einen Bach, welcher sich langsam seinen Weg durch den Fels bahnt. Zu ihrer Rechten können sie in einiger Höhe über sich die Umrisse der ersten Brücke ausmachen, welche die Orks offenbar wieder ausgefahren haben. Sie scheinen sich somit beim Bach zu befinden, welcher am Grund der Schlucht unter der ersten Brücke hindurchfliesst. Um diese Erkenntnis reicher begeben sich Tinulin und Bóin II. zurück und erkunden in den nächsten 4,5 Stunden auch noch alle übrigen Schürfgänge im Nordwesten der ersten Tiefe, wobei Tinulin aufgrund der niedrigen Deckenhöhe stets sehr gebückt gehen muss. Dabei finden sie noch einen zweiten Zugang zum Bach derselben Schlucht, ansonsten gelangen sie aber zu keinen neuen Erkenntnissen. Während ihrer Erkundung sagt Bóin II., sie sollten darauf achten, dass der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe nicht aufbricht, auch wenn das am Ende bedeuten könnte, dass sie Mairas Sturkopf nachgeben und im "Bergsicht"-Komplex der Mine nach einem Ausgang suchen und diesen gegebenenfalls nehmen müssen. Tinulin hält einen Ausstieg aus der Mine auf der Bergspitze für sehr gefährlich und möglichweise tödlich, zumal sie dabei auch immer mit orkischen Verfolgern rechnen müssen. Boin II. meint dazu schlicht, dass es in diesem Fall aber wenigstens nicht ihre, sondern Mairas Schuld sei. Ob dieser sehr engsichtigen Abtretung von Entscheidungsmacht und Verantwortung sowie der Zuweisung von Schuld für daraus resultierenden Schaden ist der Noldo etwas brüskiert. Er gibt dem Zwerg zur Antwort, er wolle Maira genau davor bewahren, am Ende die Schuld zugeschoben zu bekommen für einen Entscheid, den man durch die Umsicht und die Verantwortungspflicht der eigentlichen Anführer hätte vermeiden können. Als die beiden schliesslich wieder beim Rest der Gruppe eintreffen, hält nur Calendin Wache, während die Menschen und Khufur friedlich schlafen. Der Waldelb erklärt Bóin II., dass Khufur ihm auszurichten aufgetragen habe, dass er vorausschauend schlafe, damit er nach Bóins II. Rückkehr wieder genügend ausgeruht sei, um über seinen Meister wachen zu können. Bóin II. nimmt das wohlwollend zur Kenntnis und begibt sich wie auch Tinulin zur Ruhe, nachdem sie Calendin kurz über ihren Erkundungsgang informiert haben.

// Metageblubber:

Die Erkundung der Zwergenmine schreitet voran. In der Vorbreitung habe ich mir im Internet mehrere Pläne von Höhlen gesucht, welche sich für die Darstellung des Minenkomplexes eignen würden. In der Session haben sie mir dann aber alle nicht so wirklich zugesagt, weshalb ich schnell etwas freihand entworfen habe. Bóins II. Spieler brachte die berechtigte Frage auf, wo denn der ganze Abraum aus der Mine hingekommen sein könnte und dass die "kleine" Halde in der obersten Ebene sicher nicht alles sein könne. Bóin II. sei sich daher sicher, dass es tiefer in der Mine einen anderen Ausgang geben müsse, über welchen der ganze Bergwerksschutt abgeführt werden konnte. Ich habe diese Punkte beim Zeichnen und Beschreiben des Minenkomplexes gleich verarbeitet, indem es in der untersten Tiefe tatsächlich zwei Ausgänge gegeben hat, nur dass diese bereits schon fachmännisch versiegelt worden waren. Die "kleine" Abraumhalde sowie den kleinen Ofen in der obersten Ebene habe ich mir selbst so erklärt, dass dort etwas ganz Spezielles aus dem Gestein geholt wurde, das sehr selten und kostbar war.
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Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #104 am: 26.06.2017 | 22:46 »
Session 46: Teil 2

Noch bevor Arrohir und Maira am Morgen des 4. Juli 2784 3Z aufwachen, sind Tinulin und Bóin II. schon wieder auf den Beinen und untersuchen nun auch noch die Schürfgänge im nordöstlichen Teil der erste Tiefe. Trotz intensiver Suche können sie hier jedoch keinen Zugang zur zweiten Schlucht und dem Bach mit der Unterwasserkaverne finden und kehren nach rund vier Stunden zu den anderen zurück. Nach insgesamt gut zehn Stunden Schlaf werden Arrohir und Maira geweckt, die nun beide durstig und hungrig sind. Gemeinsam mit den anderen leeren sie die letzten noch mit reinem Wasser gefüllten Wasserschläuche, bevor Bóin II. alle Wasserbehältnisse bei einem der Zugänge zum ersten Bach wieder auffüllt. Nachdem Bóin II. eines der angeschimmelten orkischen Brote und alle anderen eine Portion Tran heruntergewürgt haben, brechen die Gefährten wieder auf und wandern der elliptischen Treppe folgend hinab zur zweiten Tiefe, welche sich genau unterhalb der ersten befindet. Auch hier gibt es einen Vorraum zur Minenlifthalle, in welchem an einer Wand Wasser aus vielen kleinen Ritzen in einem Trog zusammen- und durch einen Ausguss wieder abläuft. Mit einer Fackel zur Hand suchen Bóin II. und Tinulin auch hier die zahlreichen Schürfgänge während mehrerer Stunden nach Besonderheiten oder einem Ausgang ab, ohne jedoch einen Erfolg vermelden zu können. In dieser Tiefe finden sie noch nicht mal mehr einen Zugang zu den Höhlenbächen. Es geht bereits gegen Mittag, als sie erneut aufbrechen und der Treppe noch weiter in den Berg folgen. Den Eingang zur dritte Tiefe lassen sie links liegen, davon ausgehend, dass sie auch hier keinen Ausgang entdecken werden. Als sie sich der vierten und untersten Tiefe nähern, spüren die Gefährten, dass die Temperatur merklich ansteigt und die Luft immer feuchter wird. Vorbei an einem Vorraum gelangen sie in eine riesige Halle, deren hohe, von mehreren Säulen gestützte Decke sie erst im Schein einer neu entzündeten Fackel erkennen können. Die feuchtwarme Luft reizt Calendins und Mairas Lungen und ein zunehmend beissender Geruch bewirkt, dass den beiden schwummrig wird. Rasch beschliessen sie, dass sich Calendin, Arrohir und Maira zum Eingang der Tiefe zurückziehen und dort mit einer Fackel warten sollen. Tinulin und die Zwerge erkunden derweil die weitläufige Halle, in welcher sich neben dem grossen Grubenlift zahlreiche Kessel, Öfen und Abzüge befinden. Auch hier verlaufen viele Geleise über den Boden und verbinden die Halle mit weiteren Nebenräumen, in welchen sich zusätzliche Schmelzöfen oder auch eine tiefe Schlackegrube befinden. Zwei breite und hohe Gänge mit jeweils doppelter Schienenführung verlassen die Haupthalle geradewegs nach Norden und Bóin II. ist sich sicher, dass in dieser Richtung der Ausgang aus dem Berg zu finden sein wird. Zu ihrer Enttäuschung müssen sie jedoch nach mehreren hundert Metern feststellen, dass beide Gänge mit grobem Gestein fachmännisch verschlossen wurden. Bóin II. ist betrübt, denn damit hat sich seine Hoffnung zerschlagen, den Berg durch die Minen verlassen zu können. Zurück in der Haupthalle folgen sie einem von vier parallel verlaufenden Durchgängen zu einer weiteren Halle, deren Boden dicht mit einem moos- oder pilzartigen Geflecht überwuchert ist. Gut die Hälfte der Halle wird von einem dampfenden und blubbernden See eingenommen, von welchem der beissende Geruch auszugehen scheint. Zu ihrer Verwunderung stellen die Gefährten fest, dass das Moosgeflecht in ordentlichen Stücken gestutzt und abgetragen wurde, weshalb sie vermuten, die Orks könnten sich von diesen Pflanzen ernähren. Bóin II. schneidet sich ein handtellergrosses Stück Moos heraus und steckt es zur späteren Untersuchung ein. Betrübt kehren sie schliesslich zu Calendin, Arrohir und Maira zurück, die Bóin II. voller Hoffnung und Vorfreude auf den von ihm prophezeiten Ausgang anstrahlt. Umso tiefer ist ihre Enttäuschung, als ihr der erfahrene Kämpfer eröffnen muss, dass der in der untersten Tiefe sicher vorhandene Ausgang leider fachmännisch versiegelt wurde. Dann holt Bóin II. das Moosstück hervor und beisst vorsichtig eine kleine Ecke davon ab. Das Zeug schmeckt sehr bitter und der Zwerg glaubt nicht, dass es für einen Zwerg oder Elben geschweige denn einen Menschen geniessbar sein dürfte. Nach eingehender Betrachtung kann sich auch Maira nicht vorstellen, wie das Moos behandelt werden müsste, damit es seinen bitteren Geschmack verliert. Immerhin glaubt Bóin II., dass das schimmlig anmutende Brot der Orks aus diesem Moos geschaffen sein könnte, womit auch die Frage geklärt wäre, wie sich die Orks in dieser Mine ernähren konnten. Um wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben, begeben sich schliesslich Calendin und die Zwerge nochmals hinab und erkunden die dritte Tiefe, während Tinulin bei Maira und Arrohir bleibt. Wie sie bereits vermutet haben, findet sich aber auch hier kein Ausgang und so brechen sie gemeinsam auf zum "Bergsicht"-Komplex der Mine. Tinulin betont indessen gegenüber Maira, dass er sich in jedem Fall nochmals das Leuchten in der Unterwasserkaverne unterhalb der zweiten Brücke ansehen müsse. Bevor sie die Verzweigungshalle erreichen, welche den Minen- und den "Bergsicht"-Komplex sowie den zwischen den beiden Brücken verlaufenden Hauptgang verbindet, löschen die Gefährten all ihre Lichtquellen. Als sie leise durch die Halle in den gegenüberliegenden Gang schleichen, an dessen Wand eine Tafel mit der in zwerigschen Runen gehaltenen Aufschrift "Bergsicht" prangt, sehen sie, dass die Feuerschale im Hauptgang zu ihrer Linken nahe bei der ersten Brücke noch immer brennt. Schon nach gut zwölf Metern müssen sie feststellen, dass der Gang auf fast der gesamten Höhe blockiert ist. Als sie Khufurs kleine Grubenlaterne entzünden, sehen sie, dass Stein und Schutt, aber auch zahlreiche Holzbalken, Tische, Kisten, Kommoden und Stühle den Durchgang versperren. Überzogen ist die ganze Konstruktion, an welcher auch viele Holz- und Lederamulette hängen, die allesamt die stilisierte dreidimensionale Darstellung eines Quaders zeigen, von einem dichten Geflecht von silbern glänzenden Spinnenfäden. Im Licht ihrer Lampe erkennen sie denn auch mehrere handtellergrosse Spinnen, die vor dem ungewohnten Licht zurückweichen. Da sie keine andere Möglichkeit sehen, halten die Elben beim Durchgang zur Verzweigungshalle Wache, während die Zwerge vorsichtig die Barrikade abtragen, unsicher was die Orks an dieser Stelle ganz offensichtlich ausschliessen wollten. Die Räumung des Durchgangs verursacht zwar einigen Lärm, doch scheint dies die Orks nicht aus ihren Verstecken locken zu können. Als sie einen kleinen Durchstieg freigeräumt haben, klettert Calendin mit einer Fackel hinauf und wirft einen Blick in den dahinterliegenden Gang. Als er nichts Bedrohliches entdeckt, machen die Zwerge weiter, bis das Loch so gross ist, dass alle hindurch klettern können. Arrohir ist bei der Sache allerdings gar nicht wohl und er hat ein ungutes Gefühl, was diesen Teil der Mine betrifft. Auch Tinulin ist unsicher, weil er gerne erst noch das Leuchten untersucht hätte und zudem die Orks die Barrikade mit ihren Amuletten behängt haben. Schliesslich klettern aber Bóin II. Khufur und Maira als erste durch das Loch. Kurz darauf folgen ihnen die Elben und Arrohir, wobei Calendin sich beim Loch verbirgt und von dort aus die Verzweigungshalle im Auge behält. Hinter der Barrikade geht der Gang weiter geradeaus, bis er an einer Türe endet, welche ebenfalls mit Amuletten behängt ist. Nun hält Tinulin den Augenblick für gekommen, den Kampfhelm seinen Ahnen Turulin anzuziehen, welchen dieser in der Schlacht des Letzten Bündnisses getragen hatte. Mit gezogenen Schwertern öffnen sie die Türe und durchsuchen die leeren Räume, welche dahinter nach links und rechts vom Gang wegführen. Ihnen wird klar, dass die Orks die gesamte Einrichtung dieser ehemaligen Wohnräume zum Bau ihrer Barrikade benutzt haben. Schliesslich verbleibt eine Türe am Ende des Ganges, welcher durch einen kleinen Vorraum zu einer grösseren Halle mündet, deren Boden über und über mit dichten Spinnenweben überzogen ist. Arrohir hält seine Fackel an die klebrigen Fäden, welche augenblicklich auflodern und in kürzester Zeit beinahe rückstandsfrei verbrennen, wobei sie das Zischen und Quietschen zahllosen kleinerer und grösserer Spinnen vernehmen, welche vergeblich versuchen, den Flammen zu entgehen. Überall auf dem Boden erkennen sie nun die in Rüstungen steckenden Skelette mehrerer Menschen und Orks. Zu seiner Überraschung stellt Tinulin fest, dass beide Parteien auf ihren Schilden und Rüstungen das Feldzeichen des Hexenkönigs von Angmar tragen. Der Noldo hält es für möglich, dass die Menschen und Orks verrückt geworden sein könnten und sich im Kampf offenbar gegenseitig erschlagen haben. Um sicher zu gehen, verkündet er daher in Westron sowie den Elbensprachen Sindarin und Quenya: "Seid gegrüsst, Ihr legitimen uund gerechten Verteidiger dieses Ortes. Haltet ein, wir sind eine Delegation von Zwergen, Elben und Hohen Menschen und gekommen, um Euer Werk zu würdigen und fortzusetzen." Bóin II. fügt in Zwergensprache Khuzdul an: "Zwei Zwerge sind hierher gekommen, um diese Stadt von ihren illegalen Einwanderern zu befreien." Als sie keinerlei Reaktion auf ihre Ansprache erhalten, erkunden sie schliesslich vorsichtig die übrigen an die Halle angrenzenden Räumlichkeiten, ohne noch weitere Hinweise darauf zu erhalten, was hier wohl vor sich gegangen sein könnte. Schliesslich drängt Maira ihre Freunde, nun endlich die steile Wendeltreppe hochzusteigen, die am anderen Ende der Halle geradewegs nach oben führt. Unzählige Windungen führen sie immer und immer höher, bevor sie müde und erschöpft einen kleinen Raum mit einer massiv anmutenden Türe aus Stein erreichen. Ohne Kraftaufwand kann Arrohir die Türe öffnen, worauf Schneeflocken und ein kalter Wind durch den kleinen Raum fegen, vor dem sich ein breiter Balkon mit einer flachen Brüstung auftut. Als die Gefährten ins Freie treten, sehen sie, dass sie tatsächlich beinahe die oberste Spitze des Berges erklommen haben. Unterhalb des nach Norden ausgerichteten Balkons erstreckt sich ein langer und teilweise steiler Bergrücken, dessen Grat einen Bogen beschreibt, welcher erst in westlicher Richtung und dann nach Norden hin allmählich abfällt. Es ist bereits später Abend und gerade noch tauchen die letzten Sonnenstrahlen des Tages die Spitzen der Berge in ein tiefes, langsam verblassendes Rot. In der Luftlinie einen guten Tagesmarsch nach Norden hin entfernt, glauben die Elben, die Küste sowie die wenigen Lichter einer kleinen Siedlung zu sehen, von welcher die feinen Rauchfäden mehrerer Kochfeuer aufsteigen. Ob auf dieser Seite des Berges ein Abstieg in die Ebene möglich sein könnte, vermögen die Elben indessen aufgrund der immer schlechter werdenden Sicht nicht zu sagen. Tinulin sagt Maira jedoch, er müsse zuvor ohnehin nochmals zurück zur Brücke und versuchen, mehr über das geheimnisvolle Leuchten aus der Tiefe zu erfahren. Zitternd vor Kälte sieht Maira den Noldo an und sagt schliesslich, sie werde mit ihm nochmals in den Berg kommen, wenn er ihr dafür verspreche, morgen die Mine über den Berg zu verlassen, falls es einen Weg von hier herunter geben sollte. Arrohir pflichtet seiner Schwester zwar bei und sagt, er würde auch gerne gehen, doch er glaubt, es gebe noch mehr, was er hier über diese Mine und König Arvedui herausfinden könnte, zumal die Mine ja auch in Fornost Erain verzeichnet war. So machen sie sich schliesslich wieder an den Abstieg hinunter in die Mine, um im Gang hinter der Barrikade zu übernachten.

// Metageblubber:

Im Nachgang zu dieser Session, welche schon vor einer ganzen Weile gespielt wurde (ich bin einfach nie zum Aufschreiben gekommen), haben wir uns schon bald über einige Dinge ausgetauscht, welche uns während dem Spiel aufgefallen waren. Dabei zeigte sich, dass sich der Spieler von Tinulin mehr Verantwortungsbewusstsein und Führung von Bóin II. wünscht und auch erwartet. Eigentlich sollte es in dieser Umgebung der Zwerg sein, der die Gruppe anführt und alles daran setzt - vielleicht sogar etwas überstürzt und kopflos -, um die Orks aus dieser Zwergenmine zu vertreiben. Stattdessen habe er sich vornehm zurückgehalten, so dass Tinulin auch hier - eigentlich eher ein Stück weit entgegen seinem Naturell - alle waghalsigen Vorstösse andenken und ausführen musste, damit es überhaupt vorwärts geht. Schliesslich zeigte sich Bóins II mangelndes Bewusstsein für seine Verantwortung als gemeinsamer Anführer des Ordens (zusammen mit Tinulin) auch deutlich darin, dass er einen "Fehlentscheid" von Maira in Kauf nehmen würde, zumal man ihr im Falle eines Fehlschlags die Schuld zuschieben könnte. Im Rahmen der Nachbesprechung war mir noch nicht richtig bewusst gewesen, wie sehr Bóins II. Spieler sich an dieser Stelle einmal mehr vor der Übernahme von Verantwortung durch seine Charakter drückte. Beim Verfassen des Sessionberichts anhand meiner Spielnotizen ist mir dies nun aber nochmals sehr deutlich aufgefallen. Dass die von Bóins II. Spieler geführten Charakter - sei es Bóin II. selbst oder auch Calendin - sich oft davor scheuen, Verantwortung für Entscheide zu übernehmen, welche auch zu Fehlschlägen führen können, war schon mehrfach Thema, sowohl in dieser wie auch in früheren Kampagnen. Man muss an dieser Stelle aber gleich auch festhalten, dass sich diese Haltung von Bóins II. Spieler seither schon laufend verbessert hat und viele der eher kritischen Entscheidungen und/oder Aussagen oft auch der bereits fortgeschrittenen Stunde während der Session (Müdigkeit und Anspannung) geschuldet sind. Es wurde jedenfalls angesprochen, dass es einem gestandenen Zwerg wie Bóin II. hier in der Mine gut anstehen würde, Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht wäre es sogar passend, wenn er eher emotional aufbrausend agieren würde und vom kühl überlegenden Tinulin gebremst werden müsste. Das Ganze führte so weit, dass Tinulins Spieler sagte, er wisse zwar, was Bóin II. gesagt habe, er sehe Bóin II. aber nicht so resp. das passe nicht in sein Bild von einem wahrlich heldenhaften Zwerg, wie es Bóin II. eigentlich sein müsste. Es scheint ein bisschen, als sei Bóins II. zögerliches Verhalten vielleicht der Angst des Spielers vor dem Schaden, Spott oder Verlust seines Charakters geschuldet, falls er eine Fehlentscheidung treffen sollte. Natürlich ist es jedem Spieler überlassen, die Charakterzüge der von ihm gespielten Figur selbst zu bestimmen. Gleichwohl kann es zu Unstimmigkeiten und allenfalls gar zu "Entfremdungen" kommen, wenn ein Charakter mit seinem Verhalten mehrfach gegen Konventionen verstösst, welche sich in der Gruppe als wichtig für den Zusammenhalt etabliert haben. Es kann mit anderen Worten vielleicht sogar zu einem Auseinanderfallen des gemeinsamen Vorstellungsraumes führen, wenn ein Spieler die klar beschriebenen Handlungen des Charakters des anderen Spielers "nicht so gelten lässt/anders interprtiert/für sich selbst als 'nicht so geschehen' verbucht", um ihm mit seinem eigenen Charakter nicht längerfristig die Freundschaft künden zu müssen. Nun, das Ganze ist jedenfalls angesprochen worden und wird natürlich auch nicht so heiss gegessen, wie es hier vielleicht rüberkommt. Die nächsten Sessions werden zeigen, wohin sich die Charakter entwickeln.
« Letzte Änderung: 28.06.2017 | 09:42 von torben »

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #105 am: 10.07.2017 | 23:25 »
Auf ins Gefecht...  :)


Session 47: Teil 1
4.7.-5.7.2784 3Z
Zwergenmine nördlich von Arthedain

Es ist bereits später Abend, bis die Gefährten die hohe Wendeltreppe vom Gipfel des Berges bis zur Halle hinuntergestiegen sind. Gemeinsam kontrollieren sie nochmals alle Räume des Bergsicht-Komplexes, bevor Maira, deren Hand noch immer schmerzt, zusammen mit Arrohir auf der Innenseite der Barrikade ein Lager aufschlägt. Während Calendin beim Durchstieg auf der Barrikade Wache hält, untersuchen Tinulin, Bóin II. und Khufur nochmals alle 13 Skelette der angmarischen Krieger sowie der 16 Orks in der Halle und finden dabei einige Silber- und Bronzestücke. Unter dem Schild eines Mannes, der aufgrund seiner recht grossen und verzierten Rüstung der Anführer der Angmarer gewesen zu sein scheint, entdeckt Tinulin eine Ledertasche. Neben einem Amulett in Form einer Münze mit einem Loch in der Mitte fördert er daraus ein bröseliges Stück Pergament zu Tage. Angespannt liest der Noldo die in der Schwarzen Sprache verfassten Zeilen vor: "Verfolgt die verdächtigen Spuren und bringt, was immer ihr findet, zu mir. Grok und seine Leute stehen unter Deinem Kommando." Das Siegel auf dem Pergament ist abgebrochen und bereits so stark zerbröselt, dass Tinulin es beim besten Willen nicht mehr rekonstruieren kann. Unterdessen nimmt Bóin II. das Amulett zur Hand und sieht es sich genauer an. Ein schmales Band um das Loch ist in Gold gefasst, während der Rest aus einem schwarzen Metall gefertigt zu sein scheint. Goldene Runen in einer dem Zwerg unbekannten Sprache laufen, auf dem schwarzen Metall prangend, rings um das Loch. Als Bóin II. das Amulett hochhält und durch das Loch schaut, glaubt er, darin eine schwarze Gestalt mit einer schwarzen Krone auf dem Haupt zu erkennen, von der eine grosse Kälte auszugehen scheint. Er spürt, dass die Gestalt ihm eine wichtige Mitteilung zuflüstern will und langsam führt der Zwerge das Amulett immer näher an sein Auge. Von den Siegelbröseln aufschauend, bemerkt Tinulin, dass mit seinem zwergischen Freund etwas nicht stimmt, denn dieser blickt ganz gebannt auf das Loch im Amulett. Sorgsam versucht der Noldo, das Amulett abzudecken, indem er Bóins II. Hände umfassen will. Da ballt der Zwerg plötzlich die Fäuste und rammt Tinulin mit einem massiven Kopfstoss seinen Helm mit voller Wucht ins Gemächt, worauf sich der Noldo schmerzverzerrt und benommen zusammenkrümmt. Erst jetzt gelingt es Bóin II., sich von der anziehenden Kraft des Amuletts loszureissen und mit Schrecken erkennt er, was er angerichtet hat. Mit einem stechenden Schmerz wird ihm auch plötzlich bewusst, dass das Amulett in seiner Hand inzwischen eiskalt geworden ist und seine Finger bereits leichte Erfrierungen erlitten haben. Viel stärker als den Schmerz verspürt er aber eine plötzliche Abscheu vor diesem unheilbringenden Gegenstand, den er mit einem Mal gar nicht mehr in der Hand halten möchte und angewidert in eine Ecke wirft. Als er sich umschaut, bemerkt Bóin II., dass Khufur mit erhobenen Händen auf seinen Meister zugelaufen war, offenbar aber nicht mehr rechtzeitig eingreifen konnte. Wie aus einem Traum erwacht, entschuldigt sich Bóin II. bei Tinulin für seine Attacke und erklärt, er habe den Noldo für einen Ork gehalten, der ihm das Amulett, einen wunderbaren Schatz, habe stehlen wollen. Nachdem Tinulin sich ein bisschen erholt hat, vergibt er Bóin II. und sagt, er hätte nicht versuchen sollen, auf diese Weise einzugreifen. Noch immer vom Schmerz gezeichnet, hebt Tinulin das Amulett auf und wickelt es rasch in ein Tuch, ohne dabei durch das Loch zu blicken. Dann begibt er sich zu den schlafenden Menschen, um sich ebenfalls auszuruhen. Noch immer ganz fasziniert, lobt und tröstet Khufur seinen Meister Bóin II. für seine rasche, effiziente und erfolgreiche, wenn auch nicht wirklich notwendige, Reaktion auf Tinulins vermeintlichen Angriff.
[Technisch gesprochen: Wer durch das Loch des Amuletts blickt, muss einem Leitmagie-Zauber widerstehen. Bóin II. gelingt der Widerstandswurf gegen den Zauber nicht (Zwerge haben da ein gewisses Handycap), weshalb sich sein Geist langsam dem Herrn des Amuletts zu unterwerfen beginnt, während dieses immer kälter wird. Als Tinulin die Verbindung zwischen dem Amulett und Bóin II. zu unterbrechen versucht, misslingt dem Zwerg der Widerstandswurf ein weiteres Mal, weshalb er den Noldo als einen Ork wahrnimmt und ihn mit blossen Händen angreift. Wir haben für diese Art von Kämpfen die Kampffertigkeit "Schlägerei" eingeführt, in welcher Bóin II. als Kämpfer ziemlich bewandert ist. Sein Schlag ergibt 10 Treffer und einen kritischen Schaden C, welcher mit einer UM 92 recht hoch ausfällt. Er verpasst Tinulin einen Kopfstoss, der den Noldo 9 Runden lang benommen ohne Parademöglichkeit macht und ihm weitere 25 Treffer zufügt. Da Bóin II. wesentlich kleiner ist als Tinulin, haben wir den Kopf des Zwergs an einer anderen passenden Stelle einschlagen lassen...
Erst nach dem Angriff auf Tinulin und somit beim dritten Versuch gelingt Bóin II. der Widerstandswurf gegen den Zauber und er kann sich vom Anblick des Amuletts losreissen. Gleichzeitig bemerkt er, was er angerichtet hat.]

Während Calendin und Khufur Wache halten, gönnen sich alle anderen ein bisschen Ruhe und Tinulin besinnt sich schliesslich auf seine elbischen Selbstheilungskräfte, um die Schmerzen von Bóins II. versehentlichem Angriff zu lindern.
[Technisch gesprochen: Tinulin wirkt zum allerersten Mal in dieser Kampagne einen seiner Selbstheilungszauber.]

Als der Morgen des 5. Juli 2784 3Z anbricht, schämt sich Bóin II. noch immer für seinen Angriff auf Tinulin, aber der Hunger bringt ihn schon bald auf andere Gedanken. Während er das letzte Orkbrot hinunterwürgt, genehmigen sich die anderen je einen kleinen Schluck Tran, bevor Tinulin Arrohir und Maira über die Pergamentrolle und das verfluchte Amulett in Kenntnis setzt. Anschliessend schlägt der Noldo seinen Gefährten einen Sturmlauf über die zweite Brücke und einen Überraschungsangriff auf das jenseitige Fallgitter vor. Das verfluchte Amulett möchte er lieber nicht einsetzen, sondern es allenfalls in den Tiefen eines Höhlenbachs versenken, da er seine Wirkung auf die Orks nicht abschätzen kann. Damit der Angriff wirklich zur Überraschung wird, müssen sie weitestgehend auf den Einsatz von Licht verzichten. Bóin II. soll daher den Crosparstein aus Frenjas Kugel so in der Hand halten, dass sich Arrohir und Maira an seinem schwachen Schimmern orientieren können. Als alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, klettern die Gefährten äusserst leise durch das Loch in der Barrikade und schleichen vorbei an der Verzweigungshalle die Treppe zur zweiten Brücke hinauf. Die Brücke liegt im Dunkeln und die Elben und Zwerge nehmen als einziges Zeichen von Aktivität das schwach pulsierende Schimmern aus der Tiefe unter ihnen wahr. Nachdem Bóin II. den Crosparstein so in seiner Handfläche verborgen hat, dass sein schimmerndes Licht nur in Richtung der hinter ihm stehenden Menschen strahlt, gibt Tinulin Maira zum Zeichen des Starts plötzlich einen Klapps auf den Hintern und stürmt über die Brücke. Sogleich setzen sich auch Calendin, Khufur und Bóin II. in Bewegung, dem Arrohir und Maira folgen. Kaum dass der Noldo auch nur einen Fuss auf die Brücke gesetzt und dabei eines der zahllosen Steinchen mit einem krümelnden Geräusch unter sich zermahlen hat, erklingt auch schon ein orkisches Hornsignal, worauf sich auf beiden Seiten der Brücke die Fallgitter immer rascher herabzusenken beginnen. Während Tinulin, Calendin, Bóin II., Arrohir und Maira schnell genug sind, um sich rechtzeitig unter dem Fallgitter auf der anderen Seite der Brücke hindurchzuducken, droht der langsamere Khufur von dem Stahlkoloss zerquetscht zu werden. Calendin erkennt die brenzlige Situation und lässt sich gerade so weit zurückfallen, dass er den Zwerg am Bart zu fassen bekommt und ihn mit sich reissen kann. Mit einem verzweifelten Sprung schaffen es die beiden gerade noch rechtzeitig unter dem schweren Fallgitter hindurch, bevor es hinter ihnen laut krachend auf dem Boden aufschlägt. Ohne innezuhalten rennen die Gefährten weiter den gut sechs Meter breiten Gang entlang, wobei Tinulin, Bóin II., Arrohir und Khufur die Front bilden. Aus der Tinulin bereits bekannten Nische auf der rechten Seite vor ihnen werden zwei brennende Fackeln in den Gang geworfen und kurz darauf fliegen dem Noldo und Arrohir von weiter hinten im Hauptgang auch schon die ersten orkischen Pfeile entgegen. Die Nische entpuppt sich als kleiner, von mehreren Orks besetzter Wachraum, zu welchem Tinulin seine Gefährten lotst. Mit ihren Schilden geben Bóin II. und Tinulin Arrohir und Khufur Schutz vor den Pfeilen aus dem Hauptgang, während sich Bóins II. Schüler langsam in den kleinen Wachraum vorkämpfen. Ihre aussichtsreiche Taktik wird jedoch jäh auf die Probe gestellt, als plötzlich mehrere Orks die dem Wachraum gegenüber gelegene Wendeltreppe herunter kommen und die Elben mitten im Hauptgang in einen erbitterten Nahkampf verwickeln. Bóin II. versucht erfolgreich, alle Bogenschützen auf sich zu ziehen und wird prompt von einem Pfeil in den Bauch getroffen, während Khufur im Wachraum seinen Streikolben und Schild fallen lässt, um seine zweihändig geführte Streitaxt zum Einsatz zu bringen. Tinulin hatte gehofft, sie könnten in dem kleinen Wachraum Stellung beziehen, doch auf einmal setzt einer der Orks über eine Kurbel eine eiserne Schiebetüre in Bewegung, welche langsam den Eingang zum Wachraum verschliesst. Gerade noch rechtzeitig kann der Noldo Arrohir und Khufur warnen, welche sich rasch wieder auf den Hauptgang zurückziehen, wofür Khufur aber seinen Streitkolben und den Schild zurücklassen muss. Nun ist es Arrohir, der zum Ziel der Bogenschützen wird und, von einem Pfeil getroffen, eine blutende Beinwunde davonträgt. Tinulins Schwert Luinmacil erweist sich in diesem Kampf als fürchterlich effizient, als der Noldo auf den wenigen Metern zum Fuss der Wendeltreppe einen Ork nach dem anderen erschlägt. Die übrigen Gefährten folgen ihm, aber erneut muss Tinulin seinen Plan ändern, als er einen Ork vom oberen Ende der Wendeltreppe den Befehl bellen hört, seine Schergen sollen grosse Steine herunter werfen, wenn sich ihre Feinde auf der Treppe zeigen sollten. Anderer Möglichkeiten beraubt, stürmen die Gefährten daher weiter den Hauptgang entlang auf die orkischen Bogenschützen zu, welche nicht weit entfernt mitten auf einer breiten Verzweigung Stellung bezogen haben. Als sie ins zunehmende Dunkel der an dieser Stelle unbeleuchteten Gänge eintauchen, erkennt Calendin, der in diesem Kampf ganz auf sein Schwert Lachathol setzt, dass die Bogenschützen von mehreren bulligen Nahkämpfern flankiert und beschützt werden. Geistesgegenwärtig dirigieren Tinulin und Bóin II. die übrigen Gefährten an die Wand eines Seitenganges, wo sie sich den Nahkämpfern stellen, während die Bogenschützen sie weiter mit ihren Geschossen bedrängen. Einer der Pfeile trifft Khufur an der Nase und hinterlässt mit Glück nur eine blutende Narbe. Der rasche Wechsel vom flackernden Fackellicht in die fast vollständige Dunkelheit lässt Arrohir zwar praktisch blind zurück, im Licht eines kurz bläulich aufleuchtenden Blitzes gelingt es ihm aber dennoch, einem der Orks mit einem gekonnten Schwerthieb das Rückgrat zu brechen. Voller Zorn hatte Tinulin das blaue Schwert Luinmacil erhoben und mit dem von seinem Vater oft gesprochenen Kampfruf "Namie Luinmacilden!", was "Gerechtigkeit durch Luinmacil!" bedeutet, auf die Gegner niederfahren lassen, worauf der blau leuchtenden Klinge beim Aufprall ein heller Blitz entfuhr. Um Arrohir und Maira die Orientierung in der Dunkelheit zu erleichtern, drückt Bóin II. nach einer Attacke der hinter ihm stehenden Maira den schwach schimmernden Crosparstein in die Hand. Das kostbare Kleinod wird ihr aber sogleich von Khufur wieder abgenommen, welcher es sicher beschützt, während die Heilerin sich um die blutende Nase des Zwergs kümmert. Tinulin führt seine Klinge auch jetzt so tödlich, dass die sich verzweifelt wehrenden Ork schliesslich der Mut verlässt und sie entsetzt schreiend in Richtung der Brücke fliehen.
[Technisch gesprochen: Tinulin würfelt in dieser Phase, wie zuvor auch im Hauptgang vor der Wendeltreppe, zumeist gleich mehrere tödliche kritische Treffer pro Angriff.]

// Metageblubber:

Nachdem die letzte Session sehr erkundungslastig gewesen war, ging es dieses Mal wieder etwas turbulenter zu und her. Da ich den Spielern in der letzten Session die Halle am Fuss der langen Treppe zum Berggipfel etwas knapp beschrieben hatte, wollte ich ihnen noch ein bisschen mehr Hinweise darauf geben, was sich hier zugetragen haben könnte. Als sie die Skelette der Angmarer und Orks nochmals untersucht haben, habe ich daher den Fund des feindlichen Auftrags sowie des verfluchten Amuletts improvisiert. Bóins II. Spieler hat sich natürlich herrlich darüber aufgeregt, dass sein Zwerg andauernd nur gegen Leitmagiezauber widerstehen muss. Wäre es mal ein Mental- oder ein Essenzmagiezauber, hätte er aufgrund seiner Fertigkeitswerte wesentlich bessere Chancen. Aber so ein dunkler Gegenstand erhält seine Macht nunmal von seinem noch dunkleren Herrn...  >;D

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #106 am: 10.07.2017 | 23:29 »
Session 47: Teil 2

Von dieser Reaktion der Orks gleichermassen überrascht wie erfreut, ruft der Noldo den Orks in der gemeinsamen Sprache Westron hinterher, sie sollen gehen und nicht mehr wiederkommen, dann würden sie auch nicht verfolgt werden. Auf die Sicherheit der Gefährten bedacht, möchte Bóin II. sogleich einen besser geschützten Platz aufsuchen, doch Tinulin erkennt, dass einige ihrer Freunde bereits über die Massen erschöpft sind, weshalb er um eine kurze Rast an Ort und Stelle bittet. Während der Noldo Arrohir, Khufur und Maira je eine der nahrhaften Zwiebeln zu essen gibt, behandelt Bóin II. seine noch immer blutende Bauchwunde mit seinen heilenden Mineralien. Tinulin entzündet eine Kerze in Khufurs Grubenlampe, worauf Maira Arrohirs Beinverletzung behandelt. Erschöpft bedankt sich ihr Bruder für ihre Hilfe und meint in einem Anflug von hilflosem Humor, mit ihr habe Ivradil wirklich eine gute Partie gemacht. Sobald seine Blutung gestillt ist, erkundet Bóin II. die nunmehr verlassenen Gänge in der unmittelbaren Umgebung der Gefährten. Calendin erkennt, dass bereits schon kurz nach der Flucht der Orks die Fallgitter bei der Brücke wieder ein Stück hochgezogen worden waren und nun auch die Orks aus dem Wachraum und aus dem Raum oberhalb der Wendeltreppe über die Brücke fliehen. Noch einmal ruft ihnen Tinulin hinterher, dass sie fliehen und nicht mehr zurückkommen sollen, worauf er eine weitere blutende Wunde an Khufurs haariger Brust versorgt, bevor er sich schliesslich um seine eigenen Blessuren kümmert.

Als alle Verletzungen fürs Erste versorgt sind, geleitet Bóin II. zusammen mit Tinulin, der nun erneut den Kampfhelm seines Ahnen Turulin aufsetzt, die Gefährten über die Wendeltreppe hinauf zum Balkon über der zweiten Brücke. Diesen Ort erachtet der erfahrene Kämpfer als guten Platz für die nun notwendige, ausgiebigere Rast. Bevor sie sich zur Ruhe begeben, schaffen Tinulin und die Zwerge genügend Holz für ein gemütliches Feuer herbei und erkunden den verlassenen Wachraum. Sie entdecken zwei in der Zwergenschrift Khuzdul angeschriebene Drehmechanismen, mit welchen sich die beiden Fallgitter auf jeder Seite der zweiten Brücke heben und senken lassen, sowie die Kurbel, mit welcher die schwere Eisentür zum Wachraum geschlossen werden kann. Um keine böse Überraschung in Form zurückkehrender Orks erleben zu müssen, lassen sie beide Fallgitter herunter. Trotzdem hält Tinulin auch weiterhin auf dem Hauptgang Wache, nachdem er den Menschen und Khufur gesagt hat, dass sie nun zwei bis drei Stunden ruhen können. Als Maira Bedenken äussert, dass ihnen trotz dieses Sieges der Hungertod mangels genügend Nahrung drohen werde, durchsucht Bóin II. die gefallenen Orks und findet bei ihnen so viel krümeliges Orkbrot, dass man davon einen weiteren Tag überleben könnte. Freimütig bietet er an, auch weiterhin diese widerliche Kost zu sich zu nehmen, während sich die übrigen Gefährten die fünf noch verbliebenen nahrhaften Zwiebeln sowie den letzten Rest Tran teilen sollen. Dankbar sieht Maira Bóin II. in die müden Augen und stellt erst jetzt fest, wie sehr der erbitterte Kampf auch ihm zugesetzt hat. Mit ernster aber freundlicher Miene legt sie ihre Fingerspitzen an seine Schläfen und flösst ihm, leise geheime Silben murmelnd, allmählich wieder Kraft ein. Als ihr Werk vollbracht ist, dankt ihr Bóin II. und drückt sie liebevoll an sich. Während die Menschen und Khufur ruhen, öffnet Bóin II. das innere Fallgitter ein Stück, so dass Tinulin auf der Brücke liegend hinab schauen und das schwach pulsierende Leuchten aus der Unterwasserkaverne beobachten kann. Bóin II. und Calendin halten derweil bei der Verzweigung des Hauptgangs Wache, wo sich der letzte Teil der Schlacht zugetragen hatte.

Nur drei Stunden später brechen die Gefährten erneut auf und erkunden mit zwei Fackeln den von den Orks verlassenen innersten Komplex der Mine. Neben mehreren Orklagern und etwas Kleingeld finden sie auch eine Küche, wo in grossen Kisten das bitter schmeckende Mehl gelagert wird, welches die Orks zum Backen ihres krümeligen Brotes benutzt haben. Schliesslich gelangen sie über eine breite Treppe in eine riesige, von zahlreichen Säulen getragen Halle, welche den Anschein eines Thron- oder Bankettssaals macht. Als Erstes fällt den Gefährten ein grosser, gegenüber dem Eingang platzierter Thron auf, hinter dem sich eine Art Türrahmen in der Wand abzeichnet. Die Türe ist jedoch verschlossen und weder Klinke noch Schlüsselloch sind zu entdecken. Über dem Türrahmen prangt ein weiteres Mal die in dunkler Farbe gemalte, stilisierte dreidimensionale Darstellung eines Quaders. Bei einer genaueren Betrachtung des Thrones entdeckt Bóin II., dass sich die rechte Armlehne drehen lässt, wodurch sich die verschlossene Türe zu öffnen beginnt. Mit gezogener Axt schreitet der Zwerg durch die Öffnung und gelangt, gefolgt von den übrigen Ordensmitgliedern, zu den Gemächern, welche die Anführer der Orks offenbar für sich beansprucht haben. Hier finden sie zahlreiche Gold- und Silberstücke, Edelsteine und weiteren Schmuck wie auch mehrere Pelze. Der Schmuck könnte nach Tinulins Einschätzung durchaus von dunedainischen Goldschmieden hergestellt worden sein. Auch hier entdecken die Gefährten überall die ominösen, von groben Orkhänden gezeichneten Quader-Ornamente. Ein Durchgang führt sie zu einer weiteren kleinen Halle, welche links und rechts mit Säulen gesäumt ist. Auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes führt eine Treppe in die Dunkelheit hinab. Als Bóin II. sich die Verzierungen der Säulen in dieser Halle genauer ansieht, beschleicht ihn das Gefühl, als könnte ihm und Khufur schon im grossen Thronsaal etwas Wichtiges entgangen sein. Noch einmal gehen sie zurück und je länger sich die Zwerge in der Halle aufhalten, desto stärker fühlt sich ihr Sinn für zwergische Baukunst gestört. Als sie sich genauer umsehen, wird ihnen plötzlich bewusst, dass die Säulen der Halle nicht in symetrischer Anordnung stehen. Zudem deuten ihre Verzierungen wie auch jene auf den Säulen der kleinen Halle eher auf einen anderen als einen zwergischen Ursprung hin. Demgegenüber muten die Ornamente auf dem Thronsessel und dem Türrahmen dahinter zwergisch an. Bóin II. vermutet, die Säulenverzierungen könnten kleinzwergisch sein. Als sie jedoch den Crosparstein hervorholen und im Dunkeln schimmern lassen, können sie keine nennenswerte Reaktion bemerken.

Schliesslich steigen Tinulin, Bóin II., Calendin, Khufur, Arrohir und Maira die sich in einem grossen Bogen um sich selbst windende Treppe am Ende der kleinen Halle hinab und gelangen an ihrem Ende zu einem kleinen Raum. An der gegenüberliegenden Wand erkennen sie eine kleine, über und über mit Quader-Amuletten behängte Türe. Über der Türe, welche ganz mit den fremd wirkenden Säulen-Ornamenten überzogen ist, prangt in grossen, Unheil verheissenden Runen die in der zwergischen Sprache Khuzdul geschriebene, unmissverständliche Warnung: "Gefahr! Nicht betreten." Inzwischen glaubt auch Khufur, dass die Symbole auf den Säulen und der Türe kleinzwergischen Ursprungs sein könnten. Bóins II. Orientierungssinn lässt ihn vermuten, dass die kleine Kammer ungefähr auf Höhe des Wasserspiegels des zweiten Höhlenbachs liegt. Die Türe weist zudem nach Süden und damit in Richtung des Baches. Gespannt löschen die Gefährten die kleine Kerze in Khufurs Grubenlaterne, worauf der Zwerg abermals den Crosparstein in der Dunkelheit schimmern lässt. Doch auch in seinem Schein können die Gefährten keine weiteren Hinweise auf die Gefahr entdecken, welche hinter der Türe zu lauern scheint. Gleichwohl sind Tinulin und Arrohir ganz versessen darauf, die Türe zu öffnen und beginnen, sich zu rüsten. Als alle bereit sind, sagt Tinulin, er glaube, es sei Arrohirs Aufgabe, diese Türe zu öffnen, worauf der junge Mann die nicht verschlossene Türe vorsichtig aufstösst. Feierlich sagt Tinulin in der grauelbischen Sprache Sindarin: "Wir kommen in Frieden und bringen das Licht." Hinter der Türe erkennen die Gefährten einen nur gerade knapp 1,1 Meter hohen Gang, der auch nur etwa 80 Zentimeter breit, dafür aber gut zehn Meter lang ist. Am anderen Ende dieses Tunnels sehen sie ein abwechseln stärker und schwächer werdendes Schimmern, das Tinulin von der zweiten Brücke her sehr bekannt vorkommt. Zu seinem Entsetzen bemerkt Arrohir, dass der Boden des Tunnels komplett mit völlig zersplitterten Knochen übersäht ist.

// Metageblubber:

Bereits während der Session missfiel mir ein bisschen, wie die Spieler die Gefährten den Crosparstein einsetzen lassen. Dass sie diesen sehr seltenen Stein, den Khufur im Auftrag Hargrimms verwahrt, bei der Brückenerstürmung als Orientierungshilfe für die Menschen nutzten, war ja noch mit einer gewissen Not zu erklären. Als Bóins II. Spieler den Stein dann aber mitten im Kampf im dunklen Gang erneut zückte und ihn blindlinks hinter sich zu Maira werfen oder rollen wollte, nur damit Arrohir als Mensch keinen Malus wegen der Dunkelheit erhält, ging mir dieser Pragmatismus dann doch ein Stück zu weit. Auch diese Szene lässt sich aber zumindest ein Stück weit mit dem Stress in der Kampfsituation und der bereits fortgeschrittenen Stunde erklären, und so kamen wir am Ende zu einer für alle funktionierenden Lösung der Situation. Auch der Kampf selbst gab einigen Diskussionsstoff, was unter anderem darauf zurückzuführen war, dass ich den Spielern erst fortlaufend beschrieben habe, wie und wo sich ihre Gegner formieren. Wichtig war mir dabei vor allem, die Orks als komplett vorbereitete Hausmacht darzustellen, die jeden Geländevorteil für sich zu nutzen weiss. Vor allem Tinulins Spieler fand es daher eine sehr geniale und glaubwürdige Wendung, als die Orks, ob der Kampfkraft der Gefährten - allen voran Bóins II. schiere Unbezwingbarkeit - völlig verzweifelt, die Flucht ergriffen.
Die Erkundung der restlichen Räume der nun verlassenen Mine habe ich stark gerafft, damit wir endlich ein bisschen vorwärts kommen. Dass die Säulen im Thronsaal nicht symetrisch standen, war in erster Linie meiner improvisierten Zeichnung geschuldet, liess sich aber wunderbar mit den andersartigen (sprich nichtzwergischen), architektonischen Vorlieben ihrer Erbauer erklären. Nun stehen die Gefährten also am Eingang zu einem Tunnel... wohin?
Ich brauche wohl nicht besonders erwähnen, dass sich die Spieler gerade jetzt über jegliche Unterstützungsbekundungen freuen würden...  ;D
« Letzte Änderung: 7.09.2017 | 23:55 von torben »

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #107 am: 7.09.2017 | 23:26 »
Langsam wird's höchste Zeit, dass es hier mal wieder weitergeht. Wohlan denn, wird die Gruppe in der Mine ihr Ende finden oder doch etwas anderes? Lest am besten selbst...  :)

Session 48: Teil 1
5.7.-7.7.2784 3Z
Zwergenmine nördlich von Arthedain - Irpikki

Während draussen die Schatten der Gebirgsgipfel immer länger werden, beraten die Gefährten tief im Herzen des Berges vor dem schmalen Tunnel stehend das weitere Vorgehen. Auf die eindeutige, in zwergischer Sprache gehaltene Warnung der Lebensgefahr hinweisend, ist Maira strikte dagegen, dass der mit lauter Knochensplittern übersähte Gang betreten wird. Auf Bitten Tinulins und Bóins II. holt Khufur noch einmal den Crosparstein aus Frenjas Kugel hervor und hält ihn, nachdem sie alle anderen Lichtquellen gelöscht haben, in den engen Korridor, wobei er laut auf zwergisch "Hallo!" ruft. Nachdem das Leuchten des Crospars und auch der Ruf ohne Reaktion bleiben, bittet Boin II. um Mairas Kurzschwert. Er sagt, es sei zwar nicht sein Wunsch, aber sein Wille, sich Klarheit über den Raum am anderen Ende des Tunnels zu verschaffen. Das Schwert in der einen Hand und seinen grossen Schild mit der anderen vor sich herschiebend, wagt er sich, mit einem Seil um den Bauch gesichert und auf den Knien rutschend, vorsichtig in den Korridor. Khufur möchte seinem Meister nicht von der Seite weichen und folgt ihm, nur mit einem dunedainischen Dolch bewaffnet, den ihm Arrohir ausgeliehen hat. In der anderen Hand hält er den Crospar, welcher Bóin II. genügend Licht spendet, um zu erkennen, dass die zersplitterten Knochen orkischen Urspungs sind. Mittlerweile hat Arrohir, der Bóin II. mit dem Seil sichert, Khufurs Grubenlaterne wieder entzündet und sie Maira gegeben, während Tinulin die Treppe hinter ihnen im Auge behält und Calendin mit seinem Bogen bereitsteht. Bóin II. findet keine Nagespuren an den Knochen und da er auch Rüstungsteile sieht, kommt er zum Schluss, dass die fürchterlich verstümmelten Orks im Korridor gestorben und verrottet sind. Mit seinem Schild bahnt er sich einen Weg durch den höher werdenden Knochenberg, bis er schliesslich gut zwei Meter vor dem Ende des Ganges innehält. Unterwegs hat er neben ein paar sehr stark verrotteten Münzen auch einen halbierten Schädelknochen gesehen, von dem er glaubt, er habe Brandspuren aufgewiesen. Vor sich erkennt der erfahrene Kämpfer eine hohe, an der Decke über und über mit Kristallen besetzte Halle, in deren Mitte zwei etwa drei Meter grosse, schwarze Golemstatuen stehen, deren Augen wie Crosparsteine in der Dunkelheit funkeln. Die Wände der Halle, welche leicht oval ist und eine Länge von 24 Metern bei einer maximalen Breite von 21 Metern aufweist, sind von glattem Stein. In immer gleichen Abständen drehen die beiden Statuen abwechselnd eine Runde um ihr Gegenüber sowie einen grossen schwarzen Steinquader, der in der Mitte des Raumes gut 1,5 Meter aus dem Steinboden ragt und in dessen oberem Teil eine durchsichtige Kristallage eingeschlossen ist. An der rechten Wand glaubt Bóin II. schliesslich die Umrisse eines Drachen zu erblicken, dessen Schuppen von Zeit zu Zeit vom Augenlicht der Golems gestreift werden. Der Schwanz des Ungeheuers scheint am entfernten Rand der Halle in eine Vertiefung zu ragen. Leise und vorsichtig kriechen die Zwerge zurück und berichten ihren Gefährten von der Entdeckung. Bóin II. glaubt, bei dem Schuppentier könnte es sich um einen Wasserdrachen handeln und Tinulin mutmasst, der schwarze Steinquader mit dem Kristalleinschluss könnte eine von den Orks verehrte, böse Gottheit sein. Nachdem alle ihre Vermutungen zum Besten gegeben haben, sagt Calendin zu Mairas Erleichterung, dass mit der Erkenntnis über die Kristallhalle ihre Mission hier nun erledigt sei und sie gehen können. Bóin II. ist jedoch anderer Ansicht und sagt, er sei nur rasch zurück gekrochen, um einen Schlachtplan zu entwickeln. Der erfahrene Kämpfer will den Drachen unbedingt zur Strecke bringen und vermutet, dieser könnte durch einen am anderen Ende der Halle befindlichen, tiefergelegten Zugang zum Wasser herein gekommen sein. Zu Mairas wachsendem Entsetzen beginnen alle wilde Theorien zum Drachen und der Halle aufzustellen und Khufur läuft eine Träne übers Gesicht, als er an das Schicksal seiner Verwandten in Erebor denkt. Tinulin ist sichtlich erleichtert, dass er nicht der einzige ist, der unbedingt mehr über die Halle und ihren Inhalt erfahren möchte. Seine Hoffnung liegt darin, die Golems gegen den Drachen aufzubringen. Entschlossen legt Bóin II. seine zwergische Kriegsmaske an und auch die anderen rüsten sich zum Kampf. Maira kann gar nicht glauben, was hier vor sich geht und warnt ihre Gefährten nochmals ausdrücklich vor der Todesgefahr, in welche sie sich freimütig begeben wollen. Fast glaubt sie, ihre Freunde könnten bereits dem die Sinne verwirrenden Zauber des Drachens erlegen sein. Auch Calendin bleibt skeptisch, sagt beim Anblick Tinulins, der den Helm seines Ahnen Turulin trägt, aber schliesslich, dass der Noldo, die Zwerge und selbst Arrohir ihr ganzes Leben lang die Erstürmung der Halle planen würden, wenn sie sie jetzt nicht betreten. Da blickt Maira ihren Gefährten noch ein letztes Mal tief in die Augen und senkt dann geschlagen den Kopf. Wenig später robben die voll gerüsteten Gefährten knieend und auf allen Vieren durch den engen Korridor, Maira in ihrer Mitte. Kurz vor der Öffnung zur Halle hält Bóin II. an und späht nochmals in die Dunkelheit, welche in pulsierenden Abständen von den funkelnden Augen der Golems erhellt wird. Mit einem mulmigen Gefühl erkennt er, dass dort tatsächlich ein Drache von gut zwölf Metern Körperlänge ohne Schwanz rechts hinter und neben dem Steinquader an der Wand der Halle liegt. Aus dem Maul des Drachen, dessen Kopf merkwürdig eingedellt wirkt, hängt der abgerissene Arm eines Golems. Bóin II. wird sofort klar, dass sich neben den beiden intakten Statuen noch mindestens eine weitere in der Halle aufhalten muss. Ein vorsichtiger Blick verrät ihm, dass links und rechts neben dem Durchgang je ein weiterer Golem Stellung bezogen hat und dort regungslos verharrt. Auf sein Bitten erhält Bóin II. von Khufur den Crosparstein ausgehändigt und hält das leuchtende Kleinod im Gang in die Höhe. Weil weder diese Geste noch seine kleinzwergischen Worte "Freunde wir Frieden" eine Reaktion der Statuen bewirkt, bietet Khufur schliesslich an, als erster mit dem Crosparstein die Halle zu betreten. Bóin II. lehnt dies jedoch ab und streckt stattdessen selbst vorsichtig den Crospar in die Halle. Augenblicklich ändern die wandernden Golems ihr Verhalten, indem sie einander gegenüberstehend Aufstellung nehmen, den Steinquader zwischen ihnen. Todesmutig betritt der Zwerg darauf nur mit dem leuchtenden Stein in der Hand die Halle und erkennt, dass dem Golem zu seiner Linken der rechte Arm fehlt. Aufmerksam folgen ihm die Augen aller vier Golems, welche sich ansonsten jedoch ruhig verhalten. All seine Wahrnehmungen leise aussprechend, wagt sich Bóin II. vorsichtig näher an den Drachen heran und erkennt, dass ihm der Schädel mit einem wuchtigen Hieb einschlagen worden sein muss. Erneut werden Khufurs Augen feucht, als ihn diese Nachricht erreicht. Nur zu gut kann sich Bóin II. jetzt vorstellen, welch immense Kraft in diesen Statuen stecken muss. Auf der gegenüberliegenden Seite der Halle fällt der Steinboden leicht ab und führt tatsächlich zu einem Wasserbecken, dessen Boden sich in der Tiefe verliert. Als der Zwerg die beiden Golems weiter umrundet, entdeckt er an den Seiten des zwischen ihnen aufragenden Steinquaders je einen schwarzen Druckknopf. Vorsichtig nähert er sich dem Steinquader bis auf einen halben Meter und bleibt dabei unbehelligt. Der Stein scheint alles Licht zu schlucken, denn er sieht kaum eine Reflexion auf der schwarzen Oberfläche. Auch auf den anderen Seiten des Quaders findet Bóin II. an entsprechender Position je einen Druckknopf. Da zumindest im Moment keine unmittelbare Gefahr zu bestehen scheint und sie sich im engen Korridor sowieso keine Hilfe leisten können, kriechen Calendin, Arrohir und Maira in Absprache mit Tinulin wieder zurück in den Vorraum und warten dort. Um noch besser sehen zu können, zieht derweil Bóin II. seine Zwergenmaske ab, aber auch so kann er keine weiteren Hinweise entdecken. Schliesslich drückt er aufs gerate Wohl den ersten Knopf, welchen er entdeckt hatte. Ausser dass der Knopf wieder zurückspringt, geschieht nichts, weshalb Bóin II. vermutet, dass alle vier Knöpfe gleichzeitig gedrückt werden müssen. Da er dies jedoch nicht alleine vollbringen kann, bittet er Khufur, Hargrimms Crosparring hervorzuholen und damit zu ihm zu kommen.

Wenig später betritt Khufur mit einem ehrfürchtigen "Frieden" auf den Lippen und Hargrimms Crosparring in der ausgestreckten Hand die Halle. Je links und rechts von einem sie beobachtenden Golem flankiert, drücken die beiden Zwergen gleichzeitig die vier Knöpfe, worauf sie von zwei aus dem Steinboden fahrenden Podesten emporgehoben werden. Schliesslich sind sie so hoch, dass sie auf die quadratische Oberfläche des schwarzen Steins blicken können und sehen, dass sich in seiner Mitte eine leichte Vertiefung befindet. Bóin II. vermutet, dass sie einen Crosparstein in die Vertiefung legen müssen, was Khufur nach einigem Abwägen schliesslich gestattet. Kaum hat Bóin II. den Crosparstein aus Frenjas Kugel in die Vertiefung gelegt, senkt sich diese in den Quader ab, worauf das dabei entstandene Loch durch einen versteckten Mechanismus wieder verschlossen wird. Während der Crosparstein in die Kristalllage des Quaders gesenkt wird, senken sich auch die Podeste der Zwerge wieder, bis sie schliesslich wieder auf dem Boden stehen. Im selben Augenblick wird das Schimmern des Crosparsteins in der Kristalllage reflektiert und durch feine Lichtkanäle im Stein in alle Richtungen zu den Kristallen an der Decke der Halle geworfen, welche das Licht ihrerseits spiegeln und mehren bis der ganze Raum von einem sanft meandernden Leuchten erfüllt ist. Von diesem erhabenen Anblick kurz sprachlos geworden, verharren die Zwerge einen Moment, bevor sie sich wieder dem Steinquader zuwenden. Auf jeder Seite des Quaders sind um die Knöpfe herum, auf welchen nun wie bei einem Drehregler ein Anzeigestrich leuchtet, sechs leuchtende Symbole sichtbar geworden. Die sechs Symbole gleichen einem stehenden Stab, einem Golem, einer aufsteigenden Rampe, einem auf der Spitze stehenden Dreieck, der räumlichen Darstellung eines Quaders sowie einer Verschlussblende. Neben den Symbolen befinden sich weitere feine Zeichen, deren Bedeutungen die Zwerge ebenfalls nicht kennen. Ihnen ist aber nicht entgangen, dass das leuchtende Quadersymbol genau der Zeichnung auf den orkischen Amuletten entspricht. Khufur entdeckt auf der Axt Dunkelfluch zwar den feinen Schriftzeichen ähnlich sehende Symbole, da er sie aber nicht zu deuten weiss, drehen sie schliesslich einfach alle Regler auf das Golemsymbol und drücken dann gleichzeitig auf die Knöpfe. Mehrere Plättchen verschieben sich im Innern der Kristalllage auf so wunderbare Weise, dass das Crosparlicht nun auf die glatten Wände der Halle geworfen wird und dort eine komplizierte Abfolge lauter unverständlicher Symbole abbildet. Die um die ganze Halle laufenden Schriftzeichen bleiben rund eine Minute lang sichtbar, während die Knöpfe langsam wieder aus dem Steinquader herausfahren. Schliesslich verschieben sich die Plättchen wieder in ihre Ausgangslage, worauf das Licht wieder zur Kristalldecke geleitet wird. Von diesem Erfolg ermutigt, stellen die Zwerge als nächstes das Quadersymbol ein und drücken erneut die Knöpfe, worauf eine weitere Flut von Schriftzeichen die Wände erhellt. Nicht wissend, was sie mit ihren Versuchen eigentlich bewirken, stellen sie als nächstes das Rampensymbol ein, welches wieder eine lange Folge von Schriftzeichen an der Wand zur Folge hat. Als Bóin II. und Khufur bereits in Erwartung einer weiteren schriftlichen Abhandlung die Drehregler auf das auf dem Kopf stehende Dreiecksymbol einstellen und drücken, geschieht jedoch etwas völlig Überraschendes: der Crosparstein wird noch weiter in den Steinquader abgesenkt, worauf der Lichtschein in der Halle verblasst und der innere Sockel wenige Augenblicke später ohne den leuchtenden Stein wieder heraufkommt. Augenblicklich ist es bis auf den Crosparring in Khufurs Hand sowie die nun Bóin II. fixierenden, funkelnden Augen der Golems wieder sehr dunkel in der Halle. Panisch versuchen die Zwerge, eine andere Einstellung an den Drehreglern vorzunehmen, aber diese sind nicht mehr erleuchtet und scheinen nur noch als einfache Druckknöpfe zu funktionieren. Immerhin führt das gemeinsame Drücken aller Knöpfe zum erneuten Emporfahren des inneren Sockels sowie der Podeste, auf denen Bóin II. und Khufur stehen, doch scheint Bóins II. Crosparlosigkeit den Argwohn der Golems auf sich zu ziehen. Mit unerbittlicher Miene holen die beiden Statuen zu einem vernichtenden Schlag aus, dem Bóin II. nur dadurch entgeht, dass Khufur von seinem Podest aufspringt und rasch Hargrimms Ring in die Vertiefung auf dem Quader legt. Sofort senkt sich der innere Sockel gemeinsam mit den Podesten der Zwerge wieder ab und die Golems halten inne, ihre Achtungsstellung wieder einnehmend. Bóin II. ist froh, dass die Halle schon nach wenigen Augenblicken wieder ganz im wechselnden Glanz von Crospar erstrahlt und die Golems friedlich bleiben. Khufur hingegen ist mächtig aufgeregt, denn er möchte weder den ihm anvertrauten Crosparstein aus Frenjas Kugel noch Hargrimms Crosparring in dieser Mechanik zurücklassen. Gemeinsam stellen sie die mittlerweile wieder als Drehregler fungierenden Knöpfe auf das Symbol des stehenden Stabes und drücken sie, worauf sowohl ihre Podeste wieder emporfahren als auch, zu Khufurs Erleichterung, der Crosparring wieder an die Oberfläche befördert wird. Als Khufur das Schmuckstück wieder an sich nimmt, sieht sich Bóin II. den sich sogleich erneut ballenden Fäusten der Golems gegenüber. In der Not nehmen sich die Zwerge bei der Hand und halten den Crosparring gemeinsam in die Höhe, während sich die Podeste wieder absenken und schliesslich die Knöpfe erneut freigeben. Unter den strengen Augen der Golems drücken die Zwerge nochmals die Knöpfe und Bóin II. versucht kurz darauf, den Crosparring in die Vertiefung auf der Oberfseite des schwarzen Steins zu werfen. Der Ring springt jedoch ab und droht vom Sockel zu rollen, weshalb Bóin II. seine letzte Stunde bereits gekommen glaubt. Mit viel Geschick und noch mehr Glück gelingt es aber Khufur, den Ring gerade noch rechtzeitig in die Vertiefung zu bugsieren. Als das Crosparlichts die Halle kurz darauf wieder erleuchtet und die Zwerge erneut vor den Drehreglern stehen, sagt Khufur, er könne die ihm anvertrauten Erbstücke Hargrimms nicht hier zurücklassen. Bóin II. versteht das Anliegen seines Schülers zwar, nach längerer Diskussion über mögliche Schaltereinstellungen müssen sie sich aber eingestehen, dass sie keine Ahnung haben, ob und wie der Crosparstein dieser Mechanik wieder entlockt werden könnte. Bóin II. ist daher dafür, auch den Crosparring hier zu lassen, damit sie sich wenigstens unbehelligt zurückziehen können. Bevor Khufur genauer über diese Möglichkeit nachdenken will, möchte er erst den Drachen genauer inspizieren. Dem noch immer in der Sicherheit des Tunnels wartenden Tinulin fällt auf, dass die Golems sich auch dann nicht von der Stelle bewegen, als Khufur seinen Platz beim Steinquader verlässt und den Drachen aus der Nähe untersucht. Trotzdem dauert es eine ganze Weile, bis er es schliesslich selbst wagt, auch den Raum zu betreten. Khufur stellt unterdessen fest, dass dem Drachen im Kampf mehrere Rippen gebrochen wurden, er kann aber nirgends ein Stück Crospar oder sonst etwas entdecken, das ihnen in ihrer Situation von Nutzen sein könnte. Als Tinulin einen Blick in das klare, tiefe Wasser auf der anderen Seite der Halle wirft, glaubt er am Boden der Unterwasserkaverne die Kontur eines eckigen Gegenstands zu erkennen. Gerade will er sich zu einem Tauchgang bereit machen, da hört er von Bóin II., dass die Drehregler nach nunmehr etwa zehn Minuten plötzlich merkwürdig zu blinken begonnen haben. Rasch begibt sich Tinulin zurück in den Tunnel und beobachtet von dort das weitere Geschehen. Die Zwerge sind sich sicher, dass es sich bei dem Blinken auf den Drehreglern um eine Art Countdown handelt, weshalb sie diese sicherheitshalber auf das Symbol des stehenden Stabes einstellen und ein weiteres Mal drücken. Noch während die Podeste wieder aus dem Boden fahren, bewegt sich Bóin II. vom Steinquader fort und rennt unter den ihm folgenden Blicken der Golems in den Tunnel. Als sowohl Khufur wie auch Hargrimms Crosparring am höchsten Punkt angelangt sind, nimmt der Zwerg das leuchtende Schmuckstück wieder an sich und lässt sich wieder herunterfahren. Unglücklich sagt er nochmals laut, dass er die Halle nicht ohne den Crosparstein aus Frenjas Kugel verlassen wolle. Schliesslich muss er aber einsehen, dass er alleine nichts an dieser Situation ändern kann. Von den Statuen unbehelligt, begibt daher auch er sich in den Tunnel und gemeinsam kriechen die drei Gefährten zurück in den Vorraum, wo sie von Maira und den anderen ungeduldig erwartet werden.

Weiter geht's bei Teil 2

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #108 am: 7.09.2017 | 23:40 »
Session 48: Teil 2

Nicht ohne eine gewisse Euphorie in der Stimme verkündet Tinulin seinen Gefährten, dass er im Wasser eine Kiste gesehen zu haben glaubt, nach welcher er gerne tauchen würde. Dazu bedarf er allerdings Hargrimms Crosparrings, welchen Khufur ihm nach einigem Überlegen schliesslich anvertraut, ein letztes Mal, wie der Zwerg betont. Mit bedeutsamer Geste gibt Tinulin sein Schwert Luinmacil Bóin II. zur Verwahrung und zieht sich rasch bis auf die Unterwäsche aus. Ausser seinem Seil und seinem Dolch möchte er keinen weiteren Ballast mitnehmen. Maira ist von Tinulins Vorhaben alles andere als begeistert, doch der Noldo lässt sich nicht umstimmen und kriecht, nachdem er sich mit dem Versprechen zurückzukommen und einem Kuss auf ihre Stirn von der Heilerin verabschiedet hat, nochmals in den engen Tunnel. Bóin II. begleitet Tinulin bis zum anderen Ende und wartet dort, während der Elb mit Hargrimms schimmerndem Ring am Finger die grosse Halle betritt. Die Golems haben bereits wieder ihre wachenden Streifzüge aufgenommen, nehmen aber sogleich wieder ihre Stellung am Steinquader ein. Tinulin kümmert sich jedoch nicht weiter um die Statuen oder den Stein, sondern geht zügig zum Wasser und bereitet sich auf seinen Tauchgang vor. Nachdem der Noldo gut 15 Meter tief bis zum Boden der Kaverne getaucht ist, erkennt er ganz deutlich eine Kiste, unter welcher das Skelett eines Orks begraben ist. Gerade als er sich die Kiste im Schimmern des Crosparrings genauer ansehen möchte, leuchtet ihm jedoch ein rot phosphoreszierender Streifen auf der Flanke eines ziemlich grossen Fisches entgegen. Er scheint den Noldo für einen ungebetenen Eindringling zu halten und greift ihn mit seinem vor scharfen Zähnen starrenden Maul an. Geistesgegewärtig schwenkt Tinulin seinen Dolch und verpasst damit dem Fisch eine blutende Wunde, worauf sich sein Gegner vorerst in die unbeleuchtete Tiefe der Unterwasserhöhle zurückzieht. Rasch legt er das Seil um die Kiste und sichert es mit einem notdürftigen Knoten, bevor er wieder auftaucht. Kaum hat er seine Lungen wieder mit Luft gefüllt, taucht Tinulin erneut in die Tiefe und stellt bei der Kiste angekommen mit einigem Entsetzen fest, dass der von ihm verletzte Fisch inzwischen von drei weiteren Artgenossen bis auf die Knochen abgenagt wurde. Rot blitzen die Streifen an ihren Flanken in der Dunkelheit des Wassers auf, als die Raubfische zum Angriff auf Tinulin übergehen und ihm mit ihren messerscharfen Zähnen rasch eine Verletzung zufügen. Die Chance, zumindest einen der Gegner mit seinem Dolch zu verwunden, lässt der Noldo ungenutzt verstreichen, denn er verpatzt seinen Gegenangriff. Diese Räuber sind eine grosse Gefahr für den völlig ungepanzerten Tinulin, der deshalb schnell wieder zur Oberfläche hinauf taucht. Dabei kann er aber nicht verhindern, noch von einem der Fische in die Brust gebissen zu werden, so dass er eine klaffende und stark blutende Wunde davonträgt. Rasch rettet er sich ans Ufer und beginnt sogleich, die Kiste am Seil heraufzuziehen. Wenigstens in dieser Hinsicht ist ihm das Glück hold, denn sein provisorischer Knoten hält und fördert schon nach kurzer Zeit die schwere Kiste zu Tage. Sobald die Kiste an Land ist, ruft Tinulin Bóin II. zu, er möge ihm all seine Ausrüstung zum Eingang der Halle bringen, da er verwundet wurde. Wenig später kann der Noldo die Verletzung mit Hilfe eines blutungsstillenden Harzes fürs Erste versorgen. Anschliessend schafft er unter Aufbietung all seiner verbliebenen Kraft und mit Hilfe von Bóin II. die schwere, weil zu einem guten Teil mit Wasser gefüllte, Kiste durch die Kristallhalle und den engen Gang zu seinen Gefährten in den Vorraum. Maira ist entsetzt als sie Tinulins gleichermassen bleichen wie blutüberströmten Körper sieht. Nachdem sie ihn auf ihre Schlafrolle gelegt und das Blut mit etwas Wasser abgewaschen hat, legt sie ihm ihre heilenden Hände auf, wodurch er allmählich wieder zu Kräften kommt. Auf Bóins II. Geheiss stösst Khufur die Türe zur Kristallhalle zu, während Calendin weiterhin die nach oben in den Thronsaal führende Treppe beobachtet.
[An dieser Stelle fällt ein weiteres Mal das bei den Spielern im Rahmen einer früheren Kampgagne bereits zum geflügelten Wort gewordene "Er hält die Gegend in Schach", was eigentlich einfach "beobachten" heissen sollte und je nach Bedarf angepasst werden kann. Hier nun hält Calendin also die Treppe in Schach.]
Arrohir sieht sich unterdessen die gut verarbeitete, aus rostfreiem Metall bestehende Kiste genauer an. Bei einer Breite und Länge von rund 70 mal 60 Zentimetern ist sie rund 50 Zentimeter hoch und auf ihrem Deckel prangt ein silberner, fünfzackiger Stern, in dessen fünfeckiger Mitte ein vertikal verlaufender Schlitz von etwa 2,5 mal 0,75 Zentimetern Länge und Breite eingelassen ist. Die Kiste hat weder Haken noch Ösen oder Griffe und die Fugen des Deckels scheinen noch immer versiegelt, denn einzig durch den Schlitz im Sternsymbol fliesst nach und nach Wasser heraus, als sie die Kiste zu diesem Zweck zur Seite kippen. Nachdem schliesslich kein Wasser mehr durch den Schlitz rinnt, ist die Kiste noch immer gut 30 Kilogramm schwer und mangels irgendwelcher Griffe ziemlich unpraktisch zu tragen. Aufgrund des fünfzackigen Sterns, des Emblems des Königsreichs Arnor, sind sich alle sicher, dass sie die Truhe mit den Edikten König Arveduis gefunden haben. Erlöst, dass sie nun endlich diese Mine verlassen können, steigen sie in einem langen Marsch bis zum Turmzimmer auf der Bergspitze hinauf, welches sie erst spät in der Nacht und am Ende ihrer Kräfte erreichen. Unterwegs hatten sie in den Gemächern der Orkanführer noch einige Felle mitgenommen und sich auch kurz überlegt, nochmals bei ihrem ersten Lagerplatz beim Eingang zur Mine vorbeizusehen, diesen Gedanken dann aber wieder verworfen. Mit dem mühsamen Tragen der schweren Kiste haben sich die Zwerge und Arrohir abgewechselt, welche sich wie auch Maira gleich zur Ruhe legen, während Tinulin und Calendin auf dem natürlichen Balkon vor dem Turmzimmer noch die Route für den Abstieg besprechen. Die erste Schwierigkeit besteht in einer rund 20 Meter hohen, überhängenden und eisigen Felswand, welche die Gefährten hinabklettern müssen, um auf einen schmalen Sims zu gelangen. Diesem folgend, können sie quer zur Wand weitergehen und in einem grossen Bogen von West nach Nordost in immer tiefere Regionen absteigen, bevor sie schliesslich einen Grat überwinden müssen, um in die Ebene nahe der Siedlung an der Küste zu gelangen. Angesichts der Tatsache, dass sie nur noch über die Seile von Bóin II. und Tinulin verfügen, welche zusammen nicht mal mehr 40 Meter lang sind, wird den Elben bewusst, mit welchen Schwierigkeiten König Arvedui an dieser Stelle zu kämpfen gehabt haben dürfte. Sie vermuten, dass die Kiste mit den Edikten des Königs einfach zu schwer und unhandlich war, als dass die verzweifelten Männer sie noch weiter hätten mit sich schleppen können. Um die Kiste sicher zum Sims bringen zu können, wickelt Tinulin sie in die mitgebrachten Felle, welche er mit einem Ende von Bóins II. Seil fest verschnürt. Danach gönnen sich auch die Elben noch ein wenig Ruhe.

// Metageblubber:

Ein grosser Teil der Spielzeit wurde auf die Erkundung der Kristallhalle und rätselhaften Steinquaders in ihrer Mitte verwendet. Nach der Session vermutete der Spieler von Tinulin, sie hätten mit dem Steinquader eigentlich gar nichts anfangen sollen. Er schloss dies aus dem Umstand, dass ich bei der Beschreibung und vor allem beim Aufzeichnen der verschiedenen Symbole einen ziemlich unvorbereiteten Eindruck gemacht hätte. Daher glaubte er auch, das Einkassieren des Crosparsteins sei eher eine (willkürliche) Reaktion von mir auf den zuletzt eher exzessiven Crospareinsatz und ihre ebenfalls willkürlichen Versuche an der Mechanik gewesen, denn eine tatsächlich von der Vorrichtung vorgesehene Funktion.

Wie es wirklich war:

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Also ja, Einiges in der Kristallhalle war improvisiert, bis hin zu den Rotmaulfischen in der Kaverne, welche gemäss Kreaturenbuch an solchen Orten aber durchaus anzutreffen sind. Die Möglichkeit des Verlusts eines Crosparsteins an dieser Stelle war hingegen schon lange angedacht gewesen. Und ja, die Spieler hätten den Steinquader und die Golems komplett ignorieren und sich nur um die Kiste im Wasser kümmern können, aber ihre Neugier war wohl einfach grösser.

Ich füge hier eine zusammengesetzte Version der Kartenteile der Mine an, welche ich während den Sessions fortlaufend für die Spieler aufgezeichnet habe.

« Letzte Änderung: 8.09.2017 | 18:59 von torben »

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #109 am: 7.09.2017 | 23:45 »
Session 48: Teil 3

Schon früh am Morgen des 6. Juli 2784 3Z teilen sich die Gefährten ihre letzten nahrhaften Zwiebeln ein, während Bóin II. das letzte Orkbrot hinunterwürgt. In einer längeren Kletter- und Abseilaktion gelingt es den Gefährten trotz einiger brenzliger Momente, samt ihrer ganzen Ausrüstung und der Edikttruhe zum Sims hinabzusteigen. Dort angekommen, bilden sie eine Seilschaft und queren die steile, mit kniehohem Schnee und zahlreichen Eisfeldern überzogene Felswand, bis sie gut eine Stunde später die Schneegrenze erreichen. Ab hier müssen die Zwerge und Arrohir die schwere Edikttruhe wieder abwechselnd schultern, welche sie zuvor über den Schnee hatten ziehen können. Auf der Suche nach jagbarem Wild geht Calendin ein Stück voraus und entdeckt nach einer Weile etwas oberhalb ihrer Route ein stark verwittertes Schwert, welches aufrecht stehend zwischen einige grosse Steine gestossen wurde. Als die anderen zu ihm aufgeschlossen haben, teilt er ihnen seine Entdeckung mit und Tinulin vermutet, dass es sich um das Grab eines von Arveduis Begleitern handeln könnte. Calendin und Arrohir steigen das kurze Stück zum Schwert hinauf und sehen, dass es sich tatsächlich um die Markierung eines Grabhügels aus grossen, sorgfältig aufgeschichteten Steinen handelt. Die organischen Teile des Schwertgriffs sind vollständig verrottet, während die Klinge selbst zwar verwittert, aber noch immer rostfrei ist. Nach einigem Zögern legt Arrohir das Grab frei, in welchem sich die sterblichen Überreste eines Mannes befinden, der aufgrund seiner Grösse sowie seiner Rüstung ein dunedainischer Mann aus König Arveduis Gefolge gewesen sein könnte. Um Näheres über die Todesursache herauszufinden, kommt auch Maira hinzu, doch scheint der Anblick des übel zugerichteten Skeletts zu viel für ihren ohnehin schon belasteten Magen zu sein, denn sie muss sich erstmal gründlich übergeben.
[Maira patzt beim Versuch, mehr über die Todesumstände des Mannes herauszufinden, mit einer UM 03 - 96 - 88 + 94 Wahrnehmung = -87, und muss erstmal ausgiebig kotzen.]
Als sie sich wieder gefangen hat, stellt sie fest, dass die Hüfte des Mannes an fünf verschiedenen Stellen gebrochen ist und mehrere Rückenwirbel gequetscht sind. Hinzu kommt ein auch von Arrohir bereits bemerkter Splitterbruch des linken Oberschenkels. Aus all diesen Verletzungen schliesst Maira, dass der Mann beim Abstieg vom Balkon knapp unterhalb der Bergspitze abgerutscht und rund 20 Meter tief auf die Felsen gestürtzt sein dürfte. Vermutlich hatte er auch schwere innere Blutungen und wurde von seinen Kameraden bis zu diesem Punkt mitgeschleppt, wo er schliesslich seinen Verletzungen erlegen ist. Vom Zustand der Knochen her hält auch Maira es für wahrscheinlich, dass der Mann ein Begleiter von König Arvedui gewesen und damit nun seit über 800 Jahren an dieser Stelle ruhen dürfte. Vorsichtig decken sie das Grab wieder mit Steinen zu und nachdem Arrohir still einige Segenswünsche gesprochen hat, setzen die Gefährten ihren mühsamen Abstieg fort. Müde und ausgezehrt erreichen sie am Abend des nächsten Tages die Ebene nördlich des Gebirges. Vom Hunger angetrieben, halten sie weiter auf die Meeresküste zu, bis sie schliesslich nicht weit vom Strand entfernt einen kleinen Weiler aus sieben flachen, in einem grossen Kreis angeordneten Holzhütten erkennen.

// Metageblubber:

Nun haben die Charakter also endlich die alte Mine verlassen und sind König Arveduis Spuren gefolgt.

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Bei Fragen und Anregungen... aber das wisst Ihr ja  :D


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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #110 am: 12.10.2017 | 15:33 »
So, gut Ding hatte Weile, und drum geht's hier jetzt auch endlich wieder weiter. Es gilt, zu überleben  >;D

Session 49: Teil 1
7.7.-10.7.2784 3Z
Irpikki

Als sich die hungrigen und völlig erschöpften Gefährten gegen Sonnenuntergang dem kleinen Weiler nähern, erkennen sie ein grosses Gehege in der Mitte zwischen sieben kreisförmig ausgerichteten Holzhütten. Mehrere Bewohner des Weilers sind gerade damit beschäftigt, eine grosse Losrandir-Herde sicher für die Nacht unterzubringen. Beim Anblick der gut 100 rentierartigen Geschöpfe läuft Bóin II. und Khufur das Wasser im Mund zusammen, aber sie versuchen, sich ihren Hunger nicht anmerken zu lassen, als sie sich dem Geschehen nähern. Arrohir ergreift die Initiative und geht, die Hand zum Gruss erhoben, ein Stück voraus auf einen in einfache Fell- und Jutekleidung gehüllten Mann zu, der den Leuten aus dem Lossoth-Dorf Ukiukiwakki sehr ähnlich sieht.
[Spieler von Arrohir: "Wenn Arrohir jetzt furzt, halten sie ihn für einen Freund, bei all dem Tran, den er intus hat." Spieler von Bóin II.: "Nein, dann halten sie ihn für einen Wal und häuten ihn."]
Von den Gefährten hat alleine Calendin einige Kenntnisse in Labba, der Sprache, in welcher sich der Weilerbewohner ihnen als Pekka vorstellt. Vom Anblick der Gefährten überrascht und beeindruckt, begrüsst er sie freundlich als "Eisenmenschen" und führt sie als seine Gäste zu seiner Behausung. Es dauert nicht lange und die einfache, mit einem gemütlichen Feuer beheizte Hütte ist bis auf den letzten Platz mit Bewohnern aller Altersstufen gefüllt, welche die Gefährten neugierig und erfürchtig beäugen. Nachdem der fortan als Übersetzer fungierende Calendin alle Gefährten vorgestellt und erklärt hat, dass sie aus dem Gebirge und südlich davon gekommen seien, raunen sich gleich mehrere Zuhörer die Bezeichnung "Eisenmenschen" zu. Hierauf angesprochen, erwidert Pekka nur, er werde später ausführlich mit ihnen sprechen, jetzt sei aber erst einmal Zeit für ein gemeinsames Essen. Immerhin lässt er sich entlocken, dass die Eisenmenschen zur Zeit seiner Urahnen aus jenem Gebirge gekommen seien. Kurz darauf wird den Gefährten getrockneter Fisch gereicht, der auch Khufur sehr mundet, auch wenn der Zwerg in Gedanken noch immer mit einer saftig gebratenen Losrandirkeule liebäugelt. Noch während dem Essen nimmt Calendin das Gespräch mit Pekka wieder auf und erfährt, dass dieser bisher noch nie die grossen Eisenmenschen gesehen habe und erst recht noch nie so kleine wie Bóin II. und Khufur. Als Calendin fragt, ob sie einige Tage in Irpikki, wie Pekka den Weiler nennt, bleiben können, wenn sie dafür auch einen Beitrag leisten würden, sagt Pekka, dass sie Eisenmenschen seien und daher gerne bleiben könnten, zumal sie helfen werden. Es zeigt sich, dass Pekka der Anführer dieser Gruppe von Labban ist, wie sich die Lossoth, die Schneemenschen, selbst nennen. Nach dem Essen überreicht Tinulin Pekka zu Bóins II. Entsetzen je ein Gold-, Silber-, Kupfer und Zinnstück, 35 Bronzestücke, einen Smaragd im Wert von rund 10 Goldstücken sowie einen Rubin aus seinem eigenen Bestand. Dazu lässt er Calendin übersetzen, dass das Dorf ihre Rettung gewesen sei und er ihm zum Dank diese wertvollen und teils seltenen Metalle und Steine schenken wolle. Pekka bedankt sich für das Geschenk, wobei er sich darüber jedoch nicht annähernd so sehr freut, wie das bei einem zwergischen Empfänger der Fall gewesen wäre. Als der Abend schliesslich schon weit vorgerückt und Maira an der Seite ihres Bruders bereits mehrfach eingedöst ist, überlässt Pekka den Gefährten die behagliche Hütte und zieht sich mit den übrigen Lossoth zurück. Bevor die junge Heilerin ganz in Schlaf versinkt, dankt ihr Tinulin mit einem Kuss auf die Stirne nochmals und geht danach noch für gut zwei Stunden nach draussen. Auch Arrohir begibt sich noch nicht gleich zur Ruhe, sondern unterzieht sich erst noch einer kleinen Wäsche.

Nachdem die Gefährten am Morgen des 8. Juli 2784 3Z ein stärkendes Frühstück zu sich genommen haben, sehen sie sich ein wenig im Dorf Irpikki um und gehen den ganzen Tag über den Lossoth bei ihren verschiedenen Aufgaben zur Hand. Während einige der Schneemenschen mit Netzen, Speeren und Reusen auf Fischfang gehen, stellen andere Schneehasen und -hühnern nach. Andere wiederrum führen die Losrandirherde zu den Weidegründen nahe beim Dorf und halten dort Wache. Am Nachmittag schlachten einige Männer eines der Tiere, da für den Abend ein Festessen zu Ehren der weitgereisten Eisenmenschen vorgesehen ist. Bevor einige Stunden später alle 35 Dorfbewohner zusammen mit den Gefährten zum Essen gerufen werden, gönnt sich Arrohir noch eine kurze Wäsche im eisigen Meer. Die Weilergemeinschaft besteht aus sieben Familien, denen meist eine oder gar zwei Frauen vorstehen. Jede Familie, deren Mitglieder unterschiedlichsten Alters sind, hat einen eigenen Hund. Während Khufur schon bald schwelgerisch die letzten Fleischreste von einem Knochen saugt, übersetzt Calendin bereits wieder zwischen Pekka und Arrohir, auf den der Schneemensch besonders fokussiert scheint. Als Pekka den jungen Mann fragt, was die Gefährten nach Irpikki bringe, erzählt er ihm von ihrer Flucht vor den Orks und erwähnt dabei die Geschichte von König Arvedui, den er als den letzten König der Eisenmenschen bezeichnet. Er schliesst seinen Bericht mit der Vermutung, dass der König vor vielen hundert Jahren den gleichen Weg genommen haben könnte, wie die Gefährten vor wenigen Tagen. Calendin schliesst die Frage an, ob Pekka etwas über König Arvedui gehört habe, worauf der Schneemensch erwidert, er wisse nicht, was zur Zeit seiner Ahnen hier gewesen sei. Ganz sicher sei es aber ein gutes Zeichen, wenn die Eisenmenschen wieder aus dem Gebirge kommen. Mit einem wissenden Lächeln fügt er an, Juha, der Anführer des, wie er selbst sage, ältesten aller Labban-Clans, wisse sicher mehr über die alten Tage und Geschichten. Juha, fährt er fort, wohne in Jirvila, wobei er mit seinem Arm in nordwestlicher Richtung aufs Meer hinaus deutet. Als Arrohir die abgezeichnete Karte des Nordens aus dem Ratssaal von Fornost Erain überfliegt, glaubt er, Jirvila könnte auf der anderen Seite der Bucht liegen, falls es sich bei den vagen Andeutungen von Land nicht gar um eine Insel handeln sollte.
[Die Spieler scheinen in diesem Moment wirklich überrascht darüber, dass ihr Weg sie vielleicht noch viel weiter in den Norden führen könnte.]
Pekka versteht den Sinn und Zweck einer Karte nicht, weshalb er Arrohirs Vermutung weder bestätigen noch umstossen kann. Nachdem er nochmals wiederholt hat, dass sie hier in Irpikki seien, deutet er nach Westen, wo sich das Labban-Dorf Reikitakki befinde. Anschliessend erklärt er Arrohir und Calendin, dass die Lossoth, also die Schneemenschen, im Winter wandern würden, wenn die Losrandir ihre Schlitten über den Schnee und das Eis ziehen können. Dann sei für manche Clans auch die Zeit, in den Süden zu kommen, während andere das ganze Jahr über am selben Ort bleiben. Arrohir kann nicht glauben, dass die Lossoth zu Fuss über das eisige Meer gelangen können, doch Pekka beharrt darauf, dass das Wasser in rund 3 Monaten zugefroren sein werde und sie sich wieder auf die Reise machen können. Pekka hat vor, mit seinen Leuten das Eismeer zu überqueren und zu Juha nach Jirvila zu gehen. Arrohir würde Pekka gerne den Auftrag geben, bei Juha mehr über den Verbleib von König Arvedui herauszufinden, da er nicht glaubt, selbst nach Jirvila reisen zu können. Bevor er aber etwas dergleichen sagt, ziehen sich die Gefährten kurz zurück, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Tinulin denkt dabei laut über eine Trennung der Gruppe nach und bietet an, Pekka und seine Leute zu Juha zu begleiten, während die übrigen Gefährten nach Süden ziehen sollen, wo allerdings mit Orks gerechnet werden müsse. Bóin II. fehlt der nötige Treibstoff, um eine solche Entscheidung treffen zu können, weshalb er sich bei Pekka nach Bier oder Met erkundigt. Kurz darauf erhält der Zwerg eine Schale mit vergorener Losrandirmilch, die zwar einen gewöhnungsbedürftigen Eigengeschmack, dafür aber auch den dringend benötigten Alkoholpegel aufweist. Nachdem sich Bóin II. eine Schale dieses Getränks einverleibt hat, wagt auch Khufur einen immer tiefer werdenden Blick in das wieder aufgefüllte Behältnis. Unterdessen teilt Calendin Pekka mit, dass die Gefährten sich über ihren weiteren Weg noch nicht sicher seien, worauf ihm der Schneemensch mit überzeugter Miene antwortet, er werde Arrohir sicher zu Juha nach Jirvila führen.
Als das Fest zu Ende geht, wendet sich Arrohir noch den Hunden zu und kann die wild anmutenden Tiere sogar dazu bringen, sich von ihm streicheln zu lassen. Wieder in ihrer Hütte sagt Calendin, der Rückweg nach Süden werde sich zur Zeit sicher ziemlich schwierig gestalten. Es dürfte daher leichter sein, mit den Lossoth und ihren Losrandir im Winter nach Norden zu ziehen. Maira nimmt diesen Gedanken auf und ergänzt, dass sie auch einfach hier den Schnee abwarten und dann erst nach Süden ziehen könnten. Tinulin ist inzwischen zum Schluss gelangt, dass die Reise zu Juha eine Sache sein könnte, bei welcher sich Arrohir alleine beweisen könnte. Selbst möchte der Noldo vor allem bald Arveduis Kiste nach Imladris bringen, wobei er Arrohir sagt, es werde sich eine Lösung für seine Verpflichtung gegenüber dem Truchsess von Gondor finden. Den Entscheid über das weitere Vorgehen vertagen die Gefährten aber aufgrund der fortgeschrittenen Stunde und auch, weil sie erst noch einen genaueren Blick auf die Kiste werfen möchten.

Am Morgen des 9. Juli 2784 3Z begeben sich die Gefährten mit Arveduis Kiste etwas ausserhalb des Dorfes, um sie ungestört genauer untersuchen zu können. Tinulin bemerkt, dass das Fünfeck mit einem Durchmesser von rund 5 Zentimetern in der Mitte des silbernen Sterns unter Spannung steht und sich herunterdrücken lässt. Aufgrund der Präzision des Mechanismus glaubt der Noldo, die Kiste könnte eine zwergische Auftragsarbeit für den König der nördlichen Dunedain gewesen sein. Am Ende seiner Untersuchung kommt Tinulin zum Schluss, dass es sich bei dem Fünfeck um eine Art Schloss handeln könnte und dass ein bestimmter Schlüssel in den Schlitz in der Mitte des Fünfecks eingeführt werden müsse. Calendin vermutet, dass König Arvedui den Schlüssel zur Kiste behalten haben könnte. Sollte dies der Fall sein, müssten sie weiter seiner Spur folgen.
Pekka ist sehr erfreut, als die Gefährten ihm am Abend mitteilen, dass sie alle von ihm zu Juha geführt werden wollen. Sie erklären ihm aber auch, dass ihnen ebenso wichtig sei, von ihm auch wieder zurück in den Süden gebracht zu werden, wozu sich Pekka indessen nicht weiter äussert, sondern nur nochmals bekräftigt, dass er sie zu Juha bringen wolle, damit sie mit ihm reden können. Als der Schneemensch allerdings plötzlich erwähnt, Juha sei der "Herrscher Lindwürmer", werden die Gefährten schlagartig misstrauisch. Tinulin glaubt aus der zuvor eher verhaltenen Reaktion Pekkas herauszulesen, dass vielleicht seine Familie von diesem Herrn der Lindwürmer gefangen genommen worden sein könnte und er in Not sei. Bóin II. hingegen geht von einer Falle aus und bleibt auch misstrauisch, als Pekka auf Nachfrage versichert, dass Juha ein Mann wie er selbst sei und dass sie miteinander Handel treiben würden. Die Lindwürmer habe er selbst zwar noch nie gesehen, aber es sei unumstösslich, dass Juha der "Herrscher Lindwürmer" sei. Auch Khufur ist nicht wohl bei der Sache, er behält seine dunklen Ahnungen aber für sich. Der anfängliche Enthusiasmus der Gefährten bezüglich der Reise zu Juha erfährt noch einen weiteren Dämpfer, als Pekka ihnen mitteilt, dass sie wohl mehr als einen Monat auf dem Eis unterwegs sein werden.

Am nächsten Morgen zeigt Pekka den Gefährten die gesammelten Vorräte des Dorfes, welche nicht nur ausreichend sind, um die lange Reise über das Eismeer von Forochel anzutreten, sondern zudem auch noch einige Handelsgeschäfte erlauben werden. Erneut werden sie misstrauisch, als Pekka beiläufig immer wieder erwähnt, dass er ihnen helfe und sie im Gegenzug ihm helfen werden. Als Tinulin sich nach seiner Familie erkundigt, antwortet ihm Pekka, dass er weder Frau noch Kinder habe.

// Metageblubber:

Tja, Spieler und Namen von Nichtspielercharaktern... Eigentlich hätte der Anführer der Lossoth ja "Pekko" heissen sollen, da die Spieler das aber zu sehr an einen Spanier oder Mexikaner (Paco) erinnert hat, habe ich ihn nachträglich in "Pekka" umbenannt... Was macht man nicht alles, um der Vorstellungskraft der Spieler auf die Sprünge zu helfen.

Nachdem die Charakter nun mehrere Sessions lang in einer Zwergenmine gewesen waren und dabei klare Ziele hatten, begann diese Runde mit dem Zusammentreffen mit einer für sie komplett neuen Zivilisation. Im Vorfeld der Session hatte ich mir einige Gedanken zu den Forodwaith, den Stämmen des Nordens, gemacht und habe dabei einen Hintergrund entwickelt, der hoffentlich einige spannende Ereignisse hervorbringen wird. Für die Spieler war die Session insofern speziell, als der häufig das Wort führende Tinulin mangels Sprachkenntnissen in Labba nur wenig auf direktem Weg zu den Diskussionen mit den Lossoth beitragen konnte.

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Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #111 am: 12.10.2017 | 15:42 »
Session 49: Teil 2

Am Nachmittag kommt zur Überraschung der Gefährten von Nordosten her das Segel eines Langschiffs in Sicht, das geradewegs auf die Siedlung zuhält. Bereits aus grosser Entfernung kann Tinulin erkennen, dass der geschnitzte Kopf eines Fisches den geschwungenen Schiffsbug ziert. Die zunehmende Unruhe der Schneemenschen beim Anblick des dunkelblauen Segels lässt Bóin II. noch mehr von einer Falle ausgehen, in welche die Gefährten geradewegs hineinzutappen drohen. Tinulin beruhigt seinen zwergischen Freund und gibt ihm zu bedenken, dass Pekka ihnen bereits schon einmal das Leben gerettet habe und sie alleine schon deshalb tief in seiner Schuld stehen würden. Mit angestrengter Mine sagt Pekka den Gefährten, bei den Seemännern handle es sich um "Helutavi", wie die Schneemenschen die Schiffmenschen nennen, und der Kapitän dieses Schiffs sei vermutlich Swarn. Während das Schiff langsam näherkommt, treiben die Schneemenschen alle Losrandir in der Mitte des Weilers zusammen und Pekka bittet die Gefährten, sich in ihre Hütte zurückzuziehen und dort zu bleiben, bis die Fremden wieder fort sind. Das kommt jedoch für Tinulin und auch Bóin II. sowie alle anderen Gefährten überhaupt nicht in Frage, zumal sie die bis zur Angst reichende Anspannung der Schneemenschen spüren. Kurz bevor das Schiff den Strand erreicht, wird das Segel gerefft und der lange Bug von insgesamt 34 Rudern an Land gebracht. Während die Gefährten das Landungsmanöver beobachten, bittet Pekka sie inständig darum, sich zurückzuhalten und keinesfalls Swarn zu trauen. Nur wenige Augenblicke später springen zahlreiche bärtige Seemänner an Land, deren grimmige Minen sich rasch aufhellen und den Übermut von überlegenen Jugendlichen erkennen lassen, die ein paar Kinder zum Drangsalieren gefunden haben. Lachend und feixend marschieren die Matrosen ins Dorf, nur um kurz darauf mit allerei geschulterten Waren den Rückweg zum Schiff anzutreten. Unterdessen verlässt auch ein stämmiger Mann mit geflochtenem Bart das Schiff und kommt langsam und mit einem bissigen Lächeln auf den Lippen auf Pekka zu, der zusammen mit Arrohir zum Strand gegangen ist. Während der Schiffskapitän Pekka begrüsst, baut sich Arrohir ganz dicht neben dem Fremdling auf, der ihn kurz und intensiv beäugt, bevor er Pekka fragt, um wen es sich bei seinem Begleiter handle. Der bei den Hütten wartende Calendin übersetzt für Arrohir, was Pekka und Swarn sich zu sagen haben, wodurch der Kapitän auf den Waldelben aufmerksam wird und ihn einen Hasenfuss schilt, als dieser seiner Aufforderung herzukommen, keine Folge leistet. Tinulin, Bóin II., Khufur und Maira beobachten die Szene aus der Entfernung und Khufur findet die von allen Seiten an den Tag gelegte "Ditlomatie" sehr spannend. Während die Matrosen noch immer damit beschäftigt sind, Felle, getrocknetes Fleisch und andere Vorräte aus den Hütten aufs Schiff zu schaffen, begibt sich Swarn in Begleitung von Pekka und Arrohir zum Losrandirgehege, wo Tinulin und Maira warten. Der bärtige Seemann ist von Mairas Erscheinung sehr angetan, doch Arrohir gibt ihm schnell zu verstehen, dass sie zu ihm gehört. Swarn gibt sich sehr selbstbewusst und lässt Pekka etwas zu trinken herbeibringen, womit sie alle anstossen können. Die wenig später dargereichte vergorene Losrandirmilch trifft indessen nicht seinen Geschmack, weshalb er einen seiner Matrosen ein kleines Fass süffigen Mets bringt lässt. Als Swarn eigenhändig die Hörner von Pekka, Tinulin, Maira und Arrohir füllt, wächst in Tinulin die Hoffnung, dass die Situation nicht unbedingt in einem Kampf mit Swarn enden muss, auch wenn die Schneemenschen keinen glücklichen Eindruck auf ihn machen. Khufur ist sehr froh, ebenfalls ein Horn voll guten Mets abzubekommen, welches er redlich mit Bóin II. teilt. Auch Arrohir ist positiv überrascht, als die Zwerge kurz darauf zwei Seemännern den Zugang zu ihrer Hütte verweigern und dies nur zu einem verständnislosen Kopfschütteln der Matrosen führt, bevor sie unverrichteter Dinge wieder abziehen. Mit Calendins Hilfe als Übersetzer versucht Tinulin in der Folge, mit Swarn ein Geschäft über ein paar Fässchen Met anzuleiern, der Preis des Seefahrers ist dem Noldo aber zu hoch, worauf Swarn das Gespräch abbricht, um sich in der grössten Hütte von Pekka bewirten zu lassen. Die Gefährten nutzen die Zeit, um sich in ihre eigene Hütte zurückzuziehen und das weitere Vorgehen zu besprechen. Calendin hat von einem Schneemenschen erfahren, dass sie hier gerade einen typischen Besuch der Helutavi erleben. In aller Regel würden sie für die Waren, die sie begehren, nur schlecht oder gar nicht bezahlen, genauer möchte sich der Mann aber nicht äussern, sondern verweist den Waldelben an Pekka, der wenig später die Hütte der Gefährten betritt. Etwas zerknirscht teilt er ihnen mit, dass Swarn wünsche, mit den Gefährten zu speisen. Er mahnt sie nochmals zur Vorsicht und bittet sie inständig, Ruhe zu bewahren, da es ansonsten schlecht ausgehen könne. Tinulin versteht Pekkas Bedenken zwar, er hält Swarn in erster Linie aber für eine Spielernatur und glaubt, er sei nicht auf eine bewaffnete Auseinandersetzung aus. Calendin sieht das anders und ist davon überzeugt, dass es schon bald zum Kampf mit den Seemännern kommen werde. Um einem möglichen Diebstahl vorzubeugen, nehmen sie ihre gesamte Habe inklusive Arveduis Kiste mit zum Essen. Draussen haben es sich die Matrosen mit gebratenem Losrandirfleisch und ein paar der Lossoth-Frauen bei einem grossen Feuer gemütlich gemacht, das Licht und Wärme versprüht, während die Sonne sich langsam dem Horizont nähert.

Als Tinulin, Calendin, Bóin II., Arrohir, Khufur und Maira die grosse Hütte betreten, hat Swarn gerade den Säugling einer Lossoth-Frau auf dem Schoss. Als er die Gruppe bemerkt, drückt er das Kleinkind seiner daneben sitzenden Mutter in die Arme, stösst sie fort und heisst einige seiner Männer Platz machen, worauf sich die Gefährten an der langen Tafel niederlassen, wobei sich Bóin II. auf Arveduis Kiste setzt. Mit einladender Geste bittet Swarn Maira, an seiner Seite Platz zu nehmen, doch Arrohir kommt ihm zuvor und setzt sich auf den offerierten Hocker, dem Seemann mit selbstsicher Stimme erklärend, dass Maira seine Schwester sei. Swarn erwidert die Abfuhr mit einem Lächeln und sagt Pekka, es solle für jeden der Gefährten ein Horn mit Met und eine Schale mit Losrandirragout gefüllt werden. Während sich Swarns Männer in der Hütte und auch draussen mit den Frauen des Weilers vergnügen, tut der Anführer der Lossoth von Irpikki wie ihm geheissen, ohne sich Swarns herrischem Auftreten zu widersetzen. Im Lauf des Tischgesprächs, welches von Pekka und Calendin laufend übersetzt wird, erfährt Swarn, dass die Gefährten mit Pekkas Hilfe über das zugefrorene Eismeer zu Juha nach Jirvila gelangen wollen. Mit einem wissenden Lächeln wendet er sich an Pekka und fragt ihn lauthals, ob er den Gefährten von der Prophezeihung erzählt habe. Wie wenn er bei etwas ertappt worden wäre, bleibt der Lossadan stumm, worauf Swarn sagt, es gebe eine Prophezeihung der Lossoth, welche Pekka ihnen wohl vorenthalten habe. Gerade als er sie wiedergeben möchte, fährt Pekka dazwischen und sagt mit beinahe schuldbewusster Stimme:

"Eines Tages werden die grossen Eisenmenschen kommen und es werden die Lindwürmer von ihrem Ruheplatz zurückkehren,..."

Als Pekka nicht weiterredet, fährt Swarn mit dem zweiten Teil der Prophezeihung fort:

"...worauf die Lossoth mit Hilfe der Eisenmenschen das Joch der Helutavi abwerfen und als neue und rechtmässige Herren der grossen Bucht auftreten."

Kaum hat Swarn die letzten Silben ausgesprochen, rammt er mit grober Gewalt sein grosses Messer in die Tischplatte und schreit, dass dies nie geschehen werde. Ob dieser Inszenierung lacht Tinulin auf und Calendin reizt den Seefahrer mit der Frage, ob er sie nicht vielleicht selbst zu Juha bringen wolle, wenn er nichts von so einer Prophezeihung halte. Mit einem Mal ist der Zorn aus Swarns Gesicht verschwunden und mit einem breiten Lachen sagt er zu, die Gefährten übers Meer zu Juha zu bringen, wenn sie nicht übers Eis gehen wollen und sie sich getrauen, zu ihm an Bord zu kommen. Um nicht gleich antworten zu müssen, fragt Calendin, ob sie denn überhaupt die "Eisenmenschen" seien, von welchen in der Prophezeihung die Rede ist. Zur Antwort deutet Swarn auf Arrohirs, Tinulins, Bóins II. und Khufurs metallene Rüstungen, als ob damit bereits alles gesagt sei. Pekka fügt an, dass die Gefährten, wie auch die Eisenmenschen, aus dem Gebirge und dem Süden dahinter gekommen seien, weshalb auch für ihn feststeht, dass sie die in der Prophezeihung Genannten sind. Tinulin sagt, er habe zuerst geglaubt, mit "Eisenmenschen" könnten "Angmarer" gemeint sein, weil "Angmar" die Sindarin-Bezeichnung für "Eisenheim", das ehemalige Land des Hexenkönigs, sei. Da es in der Prophezeihung aber um die Hilfe bei der Befreiung eines Volkes gehe, hält der Noldo diese Deutung eher für unwahrscheinlich. Im weiteren Gesprächsverlauf erwähnt Calendin die Namen "Donnersee" und "Eisenzinne", um herauszufinden, ob Swarn oder Pekka etwas über die Kleinzwerge wissen könnten. Zu seiner Enttäuschung bekräftigen aber beide, dass das südlich gelegene Gebirge bei ihnen keinen Namen habe und das Meer nur die grosse Eisbucht genannt werde. Einen oder eine "Donnersee" kennt weder Swarn noch Pekka. Schliesslich greift Swarn seine Eingangsfrage, ob die Gefährten auf seinem Schiff zu Juha segeln werden, nochmals auf. Als die Gefährten ihm antworten, dass sie lieber mit Pekka übers Eis gehen wollen, wischt Swarn dieses Argument vom Tisch, indem er Pekka den Arm um die Schulter legt und mit herrischer Stimme sagt, Pekka werde sie natürlich auf dem Schiff begleiten. Tinulin bemerkt, dass sich der Lossadan zunehmend unwohl fühlt und sagt, es scheine, als wolle Pekka dies nicht, weshalb auch sie den Weg zu Fuss bevorzugen würden. Als auch Calendin einen schärferen Ton anschlägt, kommt es schliesslich zum Eklat. Auf ein Zeichen Swarns hin, halten zwei seiner Männer Pekka ihre Dolche an den Hals und führen ihn langsam aus der Hütte, gefolgt von Swarn und dem Rest seiner Leute. Pekka beschwichtigt die Gefährten und bittet sie, ruhig zu bleiben, weshalb Tinulin, Calendin, Bóin II., Arrohir und Khufur nicht gleich ihre Waffen sprechen lassen, sondern den Seemännern nach draussen folgen. Rasch befiehlt Swarn seinen Männern den Aufbruch, worauf sie sich mit Pekka als Geisel aufs Schiff zurückziehen und kurze Zeit später aufs Meer hinaus rudern. Halb in der Erwartung, halb in der Hoffnung, dass Pekka entweder noch freigelassen wird oder sich selbst über Bord retten kann, entledigt sich Tinulin seiner Rüstung und watet ein Stück weit in die eisige Brandung. Schon nach kurzer Zeit muss er aber erkennen, dass Pekka an den Mast des Schiffs gefesselt wird, worauf der Noldo wütend und enttäuscht zurück zum Strand kommt, während das Schiff langsam in nordöstlicher Richtung in die hereinbrechende Dunkelheit verschwindet.

Als die Gefährten zum Weiler zurückkehren, sehen sie, dass die Lossoth ihre Sachen aus der grossen Hütte geschafft und sich daneben aufgestellt haben. Ein alter Mann namens Irvi, der den Vorfall in der Hütte miterlebt hatte, sagt an Arrohir und Tinulin gewandt, sie sollen gehen, da sie nicht, wie in der Prophezeihung angekündigt, helfen würden. Um diesem Vorwurf etwas entgegensetzen zu können, bittet Tinulin die Weilerbewohner, ihm zuzuhören, worauf er mit Hilfe von Calendin als Übersetzer eine flammende Rede hält. Darin erklärt er seinen Zuhörern, dass die Gefährten ein helfender Orden seien und dass sie den Lossoth dabei behilflich sein werden, Pekka aus der Geiselhaft der Helutavi zu befreien. Zuerst sei es aber an den Lossoth, allen voran den Bewohnern von Irpikki, sich zu entscheiden, ob sie das Joch ihrer Unterdrückung abwerfen und sich für ihre Freiheit wehren wollen. Arrohir ist von der Rede Tinulins ganz ergriffen, doch Irvi gibt ihm niedergeschlagen zur Antwort, dass Pekka bereits tot oder ein Sklave sei. Ein Rettungsversuch habe keinen Sinn, da Heitabyn, die Heimstadt Swarns, viel zu mächtig sei. Jetzt sei nur ein einziges Schiff der Helutavi gekommen, aber nächstes Mal könnten es einige mehr sein. Sie hätten zudem gar nicht die Zeit, um nach Pekka zu suchen, da sie sich nun ganz auf die Beschaffung neuer Vorräte für die Reise zu Juha konzentrieren müssten. Immerhin gestattet der Alte den Ordensmitgliedern, die Nacht in der ihnen zugewiesenen Hütte zu verbringen. Während sich ausser Tinulin alle Gefährten mit gemischten Gefühlen in die Hütte zurückziehen, schichten die Lossoth am Strand Holz auf und entzünden wenig später ein grosses Feuer, um welches sie singend herumgehen und so Pekkas Verlust betrauern. Tinulin beobachtet die ungewohnte Zeremonie eine Weile, bevor auch er sich schliesslich zu den anderen in die Hütte begibt.

// Metageblubber:

Tinulins Spieler war überrascht, als ich die Sichtung eines Langschiffs, also eines Wikingerbootes, schilderte und meinte, da hätte ich wohl einfach so ein weiteres Volk geschaffen, von dem Tolkien nie etwas erzählt habe. Es stimmt natürlich, dass die Helutavi eine Eigenkreation sind. Tolkien schrieb, dass die Lossoth, welche auch die Schneemenschen von Forochel genannt werden, die (überlebenden) Nachkommen der Forodwaith seien, eines alten Volksstammes aus dem Norden Mittelerdes. Es scheint mir nachvollziehbar, dass sich das über eine grosse Fläche (welche selbst ebenfalls Forodwaith genannt wird) verstreute Volk in verschiedene Stämme aufgeteilt hat, welche sich über die Zeit unterschiedlich entwickelt haben. Von diesen hat Tolkien nur die Lossoth, seien sie nun die letzten Überlebenden oder nicht, in seine Erzählungen einfliessen lassen, was aber nicht heissen muss, dass es daneben nicht noch weitere Stämme mit anderer Entwicklung und Lebensart geben könnte.

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Bei meiner Vorbereitung habe ich einen Denkfehler gemacht, welcher dazu führte, dass das Gespräch der Gefährten mit Swarn (logischerweise) ziemlich schnell in eine ziemlich alternativlose Richtung kippte und schliesslich mit der Geisenahme Pekkas endete. Ich war erst ein bisschen überrascht, wie schnell das alles eskaliert ist, im Nachhinein betracht, ergab diese Entwicklung aufgrund meines Denkfehlers in der Vorbereitung aber absolut Sinn und war nicht einfach auf den (vermeintlichen) "Hauruck und Platz da, hier kommen wir"-Stil der Spieler zurückzuführen. Jedenfalls hatten die Spieler (entgegen meiner Hoffnung/Planung) so kaum die Möglichkeit, sich erstmal ein bisschen mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut zu machen... oder eben anders ausgedrückt: well, that escalated quickly.

Was es mit dieser Prophezeihung und dem "Herrscher Lindwürmer" auf sich hat, wird sich, wie auch die Folgen der ersten Konfrontation mit den Völkern des Nordens, wohl in den nächsten Sessions zeigen.

Arrohirs Spieler bettelte während und im Nachgang zur Session immer wieder mal darum, auch einen Hund haben zu dürfen. Was meint ihr, sollte Arrohir die Chance erhalten, sich als braves Herrchen hervortun zu können?  ;D
Und wenn ja, wer von Euch würde auf den Hund aufpassen und mit ihm Gassi gehen, wenn Arrohir in den Ferien weilt? Das alles will doch wohl überlegt sein.  ;D

Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #112 am: 20.10.2017 | 18:58 »
Mittlerweile sind wir tatsächlich schon bei 50 Sessions angelangt und den Spielern macht die Geschichte und das Spiel nach wie vor grossen Spass (Tinulins Spieler meint gar "mehr denn je").  :)
Hier könnt Ihr lesen, wie es ihnen nach dem Zusammentreffen mit Swarn ergangen ist.

Session 50: Teil 1
11.7.-16.7.2784 3Z
Irpikki - Heitabyn

Nachdem den Gefährten am Abend zuvor von den Lossoth gestattet worden war, noch eine letzte Nacht in einer ihrer Hütten zu verbringen, sind sie am Morgen des 11. Juli 2784 3Z schon früh wieder auf den Beinen und Tinulin versucht nochmals, mit den Alten ins Gespräch zu kommen. Eine alte und weise Frau namens Ula, welche die Stellung einer Dorf-Wuitan innezuhaben scheint, erklärt Tinulin, Arrohir, Calendin und Bóin II., was es mit den Völkern des Nordens auf sich hat, während Khufur und Maira in der Hütte Arveduis Kiste bewachen. Resigniert aber gefasst bekräftigt auch Ula, dass Pekka verloren sei. Heitabyn, der Ort, zu dem er wahrscheinlich gebracht werde, sei viel zu weit weg und zu stark, als dass Pekka innert nützlicher Frist wirkungsvoll geholfen werden könnte. Dies sei leider das Schicksal schon vieler Labban gewesen. In der Folge erklärt sie, dass die Forodwaith, also die Menschenvölker des Nordens, aus den Labban, den Helutavi und den Leikkitiri bestehen. Aus den Beschreibungen leitet Calendin ab, dass die Labban "die Guten" sind, die Schneemenschen, auf Sindarin "Lossoth" genannt. Sie leben im Schnee und reisen auf ihm, wozu sie Losrandir und Hunde einsetzen. Bei den Helutavi handelt es sich dagegen um "die Bösen", die Schiffmenschen, auf Sindarin "Ciroth" genannt. Sie leben an Land und fahren zur See, wenn kein Eis das Wasser versperrt. Im Winter bleiben sie in ihren Siedlungen an der Küste. Im Sommer kommen sie mit starken Waffen und spielen sich als Herren der Bucht auf, die sich alles nehmen können, wie es ihnen beliebt. Ihr "Jelf", was Calendin als "König" übersetzt, heisst Kjornir. Er kommt aus Jökalinda und ist der grösste Seefahrer. Schliesslich sind da noch die "Hilflosen", die Leikkitiri, die Fischmenschen, auf Sindarin "Heloth" genannt. Sie fristen ein zurückgezogenes Dasein an der Nordküste und reisen kaum. Sie sind nicht sehr zahlreich und leben vom Fisch. Die Helutavi nennen die Labban "Labbadal" und die Leikkitiri "Fiskedal", während sie sich selbst als "Havfrudal" bezeichnen.
Schliesslich sagt Ula, die Labban von Irpikki würden nun alle Kräfte auf das Anlegen neuer Vorräte konzentrieren, damit sie zu Juha nach Jirvila gehen können, sobald das Eismeer zugefroren ist. Als die Gefährten ihr erklären, dass sie gerne noch einige Tage in Irpikki bleiben und bei der Aufstockung der Vorräte helfen würden, sieht sie Arrohir eine ganze Weile forschend an. Schliesslich sagt sie, Arrohir sei ein Eisenmensch und wenn er und seine Gefährten mit den Labban von Irpikki zu Juha gehen wollen, dann dürfen sie hier bleiben und helfen. Froh über diesen Entscheid, gehen die Gefährten den Labban in den nächsten Tagen zur Hand.

Am 14. Juli 2784 3Z tauchen plötzlich zwei Segel am Horizont auf, von welchen eines Tinulin verdächtig bekannt vorkommt. Da ihnen nur etwa drei Stunden bis zum Eintreffen der Langschiffe verbleiben, besprechen sie mit Ula rasch, wie sie vorgehen sollen. Zu Calendins Unverständnis sagt die Wuitan, dass weder eine Flucht noch ein bewaffneter Widerstand zum Wohl der Labban sein werden. Der Stolz gebiete, nicht aus der Heimat zu fliehen, zumal die Helutavi in diesem Fall alles zerstören würden, was sie zurücklassen. Für eine bewaffnete Auseinandersetzung seien sie aber zu wenige und zudem zu schwach gerüstet. Schliesslich dürften es die Eisenmenschen sein, auf welche es die Helutavi abgesehen haben, weshalb die Labban sich schlicht so passiv wie möglich verhalten wollen. Tinulin versteht die Überlegungen der alten Frau und bittet sie darum, dass sie wenigstens alle Frauen und Kinder sowie sämtliche Vorräte in der grössten Hütte versammelt und alle wehrfähigen Männer mit ihren Waffen ringsherum Aufstellung nehmen lässt. Damit ist Ula einverstanden, wie auch mit dem Vorschlag, einen grossen Teil der Losrandirherde von zwei Jungen in die südlichen Hügel wegführen zu lassen, so dass nur noch wenige Tiere vor Ort verbleiben. Sie fügt indessen an, dass die Labban keinen Kampf gegen die Helutavi beginnen werden. Als einige Zeit später Swarns von 34 Rudern vorangetriebenes Schiff neben einem noch grösseren Langschiff mit 46 Rudern auf den sandigen Strand läuft, haben sich 15 Labban mit ihren Speeren und Jagdbögen um die grösste Hütte aufgestellt. Tinulin, Calendin und Arrohir vervollständigen mit Irvi und Ula die Reihe an der dem Strand zugewandten Rückseite der Hütte, während Khufur an der Seite und Bóin II. vor dem Eingang Stellung bezogen haben. Maira schliesslich steht hinter Bóin II. im Eingang der überfüllten Hütte. Kaum sind die Schiffe in gut 50 Metern Abstand zum Weiler auf dem Strand zum Stillstand gekommen, erscheint am Bug des mächtigeren Schiffes ein grosser, in eine verstärkte Lederrüstung gekleideter Mann mit Bart, der seinen Arm eng um Pekkas Schulter geschlungen hat. Tinulin überlegt, dass die Ortschaft Heitabyn nicht sonderlich weit entfernt sein könne, wenn es Swarn in der kurzen Zeit offensichtlich möglich gewesen war, bis dorthin zu fahren, um Verstärkung zu holen. Mit einem Satz springt der grosse Mann an Land, gefolgt von mehreren seiner Leute, welche auch Pekka hinunterreichen. Als er sich mit 15 Männern dem Weiler nähert, schliesst sich ihm auch Swarn an, der zusammen mit seinen Männern vom anderen Schiff gekommen ist. Gut zwanzig Meter vor der umstellten Hütte hält die Delegation an, worauf der grosse Mann mit lauter Stimme fragt, wer von den Anwesenden der "Eisenmensch Arrohir" sei. Auf diese Frage hin, treten Tinulin und Calendin zusammen mit Ula und Arrohir vor, wobei der junge Dunadan seinen rechten Arm zum friedvollen Gruss hebt. Während sie auf die Delegation der Helutavi zugehen, sehen sie, dass die insgesamt gut 80 Mann starken Besatzungen beider Schiffe mit Schwerten, Schilden und Bögen in einer langen Kampfreihe Aufstellung nehmen. Als sie nur noch wenige Meter voneinander entfernt stehenbleiben, mustert der grosse Seefahrer Arrohir aufmerksam und stellt sich dann als Thorol, Herr von Heitabyn, vor. Mit einem offenen Lächeln sagt er, Pekka habe ihm so Vieles über den Eisenmenschen Arrohir und seine Pläne erzählt, dass er ihn sich habe selbst ansehen wollen. Als Arrohir sich nach Pekkas Befinden erkundigt, sagt dieser, es gehe ihm gut. Während Calendin die Unterhaltung fortlaufend übersetzt, sagt Thorol, er habe von Pekka erfahren, dass Arrohir und seine Begleiter zu Juha nach Jirvila wollen. Vielleicht sei es einem Übersetzungsfehler, einem sonstigen Missverständnis oder aber einfach auch Swarns Ungestümheit geschuldet, dass es im Gespräch hierüber wenige Tage zuvor zu einigermassen unschönen Szenen gekommen sei. Um keinen schlechten Eindruck zu hinterlassen, habe Thorol sich daher selbst auf den Weg gemacht, um Arrohir einen Handel vorzuschlagen. Er sei gerne bereit, den Eisenmenschen Arrohir und seine Begleiter auf dem Seeweg zu Juha nach Jirvila zu bringen, wenn er im Gegenzug bereit sei, Juha gegenüber Thorols Gastfreundschaft und zuvorkommende Behandlung zu rühmen. Alles Weitere wolle er indessen mit Arrohir und Pekka als Übersetzer bei einem Spaziergang am Strand unter sechs Augen besprechen. Das freundliche Auftreten und offene Wesen Thorols reizen Arrohir ebenso wie der in Aussicht gestellte Handel, welcher vielleicht eine gütliche Lösung des Konflikts um Pekka und die Labban von Irpikki ermöglichen könnte. Nachdem er Tinulin und Calendin noch einen absichernden Blick zugeworfen hat, tritt der junge Mann vor und folgt Thorol und Pekka in nordöstlicher Richtung zum Strand. Als sie die Schiffe ein ganzes Stück hinter sich gelassen haben und sicher sind, dass der Wind keines ihrer Worte einem ungewollten Zuhörer zutragen wird, führt Thorol seinen Handelsvorschlag, übersetzt durch Pekka, weiter aus. Er ist bereit, den Eisenmenschen Arrohir mit seinen Begleitern und zusammen mit Pekka auf dem Seeweg zu Juha nach Jirvila zu bringen. Zudem werde er Swarn anweisen, den Labbadal ihre Vorräte zurückzugeben, damit sie ebenfalls nach Jirvila kommen können, sobald die grosse Eisbucht zugefroren ist. Im Gegenzug soll Arrohir vor Juha gut über Thorol sprechen und seine zuvorkommende Behandlung und Hilfe für die Eisenmenschen und die Labbadal bekräftigen. Zudem soll er sich bei Juha für Thorol einsetzen und dafür sorgen, dass er anstelle von Kjornir der neue Anführer, also der neue Jelf, der Havfrudal wird, auf dass diese gute Beziehungen mit den Labbadal pflegen können. Arrohir ist über das interessante und ausgewogen klingende Angebot erfreut und gibt zur Antwort, er würde gerne mit Thorol nach Jirvila segeln. Auch freue ihn, dass die Labban ihre Vorräte zurück erhalten sollen und gerne würde er Juha gegenüber Thorols Verhalten lobend erwähnen und ihn in allen guten Dingen untersützen. Er werde aber nichts tun oder unterstützen, was den Labban zum Nachteil gereichen könnte. Thorol scheint das eine gute Basis zu sein, doch möchte er zur Versicherung von Arrohirs Unterstützung, dass ihm dieser die Treue schwört, bis Thorol zum neuen Jelf der Havfrudal gekrönt werde. Arrohir versteht, dass Thorol mit seinem Wunsch, an Kjornirs Stelle zu treten, ein grosses Risiko eingeht und daher mehr möchte, als seine blosse mündliche Zusicherung der Unterstützung in dieser Sache. Dennoch erwidert der junge Mann, er habe bereits so viele verschiedene Herren, welchen er dienen müsse, dass er keine weiteren Schwüre mehr leisten werde. Thorol könne sich aber voll und ganz auf sein Wort verlassen, wenn er ihm verspreche, ihn in allen guten Dingen mit ganzer Kraft zu unterstützen. Thorol akzeptiert Arrohirs Antwort, lässt sich dafür von ihm aber nochmals ausdrücklich versichern, dass er ihn auch gegen Jelf Kjornir unterstützen werde. Als Pekka beim Übersetzen bemerkt, dass Thorol und Arrohir auf eine Einigung zusteuern, gibt er Arrohir zu verstehen, dass es ihm lieber wäre, ihn und die übrigen Eisenmenschen ohne die Beteiligung der Helutavi übers Eis zu Juha zu führen. Thorol scheint Pekkas Einwand verstanden zu haben und fragt den Schneemenschen, ob er tags zuvor nach dem Verlassen von Heitabyn auch ein Schiff gesehen habe, welches schon bald nach ihnen von der Ortschaft aus in nordöstlicher Richtung abgelegt habe. Als Pekka diese Frage bejaht, erklärt Thorol, dass dieses Schiff nach Jökalinda gefahren sei, wo Jelf Kjornir seinen Sitz habe. Es müsse davon ausgegangen werden, dass Kjornir demnächst über die Ankunft der Eisenmenschen und ihre geplante Reise zu Juha informiert wird oder bereits wurde, zumal diese Neuigkeiten nicht lange geheim geblieben sein dürften. Wenn Kjornir erfahre, dass Thorol mit Pekka nach Irpikki aufgebrochen ist, werde der Jelf sicher versuchen, Jirvila vor ihnen zu erreichen. Welches konkrete Ziel Jelf Kjornir dabei haben könnte, lässt der Seefahrer offen. Vielleicht werde Kjornir seine Schiffe auch nach Irpikki schicken, um herauszufinden, was hier vor sich geht. In jedem Fall sei aber Eile geboten und Pekka und die Eisenmenschen hätten nicht die Zeit, das Zufrieren des Eismeeres abzuwarten, um sich erst dann auf den langen Weg zu Juha zu machen. Diese Antwort gefällt Pekka zwar gar nicht, er muss aber einsehen, dass Thorols Vernutungen ihnen keine andere Wahl lassen, als mit den Helutavi übers Eismeer zu segeln. Als somit Einigkeit über die wesentlichen Punkte des Handels besteht, erklärt Arrohir, dass es leider nicht nur an ihm sei, diese Entscheidung zu treffen, sondern dass er erst auch noch seine Begleiter von der Vereinbarung überzeugen müsse. Er macht keinen Hehl daraus, dass es eine grosse Herausforderung wird, die Zwerge für eine Seereise zu gewinnen. Thorol versteht dies und sagt, während er auf die beiden Schiffe und die kampfbereiten Seemänner deutet, dass es nun an den Eisenmenschen sei zu entscheiden, wie es weitergehen solle. Da die Zeit dränge, werde er ihre Antwort in spätestens vier Stunden erwarten. Sollte er bis dahin keine Zusage Arrohirs und seiner Gefährten haben, werde er aufbrechen und unverzüglich persönlich Jelf Kjornir über die Ankunft der Eisenmenschen und ihren Plan, zu Juha nach Jirvila zu gehen, informieren müssen, mit welchen Folgen für sie und die Labban auch immer. Arrohir hat Verständnis für Thorols Vorgehen und fügt an, dass es ihm sicher besser gelinge könnte, seine Gefährten von Thorols redlichen Absichten zu überzeugen, wenn Pekka ihn zur Besprechung begleiten und bei ihnen bleiben dürfe. Ohne zu zögern ist Thorol damit einverstanden, worauf ihm Arrohir den Arm hinhält, welchen Thorol zum Zeichen des Einverständnisses umfasst. Anschliessend gehen sie gemeinsam zurück zu den anderen. Während dem Gespräch hatte Arrohir auf Calendins Hinweis hin Thorols Schwert genauer betrachtet und bemerkt, dass die Verzierungen des Knaufs kleinzwergisch aussehen. Auf seine Frage nach der Herkunft der Waffe, hatte ihm Thorol geantwortet, er habe sie von Hjolgar, dem Anführer der nördlich gelegenen Helutavi-Siedlung Naeseknus, als Geschenk erhalten. Während sich die Gefährten mit Pekka und der alten Ula zur Beratung in eine Hütte zurückziehen, wartet Thorol mit Swarn und seinen Männern bei den Schiffen.

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #113 am: 20.10.2017 | 19:02 »
Session 50: Teil 2

In kurzen Sätzen erklärt Arrohir den Gefährten Thorols Handelsvorschlag und gesteht dabei, dass der Seefahrer ihn beeindruckt habe. Für besonders erwähnenswert hält er, dass Thorol trotz seiner zahlen- und ausrüstungsmässigen Überlegenheit nicht ein Mal damit gedroht habe, den Weiler und die Gefährten anzugreifen. Dabei wäre es ihm so möglich, die gemäss der Prophezeihung von den Eisenmenschen ausgehende Gefahr für die Helutavi auf einen Schlag zu bannen. Vielmehr scheine Thorol daran gelegen, die Beziehungen zwischen den Helutavi und den Labban zu verbessern, wofür er allerdings auch die Stellung als Jelf der Helutavi benötige. Bóin II. gefällt das alles gar nicht und er möchte zunächst von Pekka wissen, was er während seiner Entführung tatsächlich erlebt hat. Pekka berichtet, dass das Schiff die ganze Nacht hindurch gesegelt sei und sie im Verlauf des nächsten Morgens Heitabyn erreicht hätten. Er sei die ganze Zeit gefesselt gewesen und in Heitabyn zu Thorol gebracht worden, der ihn nach Swarns Berichterstattung ausführlich zu den Eisenmenschen befragt habe. Schliesslich seien sie am nächsten Morgen mit zwei Schiffen erneut aufgebrochen und zurück nach Irpikki gesegelt. Er habe tatsächlich gesehen, dass eine Weile nach ihnen ein weiteres Langschiff von Heitabyn losgesegelt sei, dass es jedoch Kurs in Richtung Jökalinda genommen habe. Calendin stellt ein weiteres Mal die auch schon von Tinulin vorgebrachte Vermutung auf, die "Eisenmenschen" aus der Prophezeihung könnten tatsächlich nicht sie, resp. Männer aus Arthedain sein, sondern "Angmarer" und damit Anhänger des Hexenkönigs und folglich Feinde aus alten Tagen. Bóin II. sagt, er wisse nicht, weshalb er sich auf ein Schiff begeben solle. Er und die Gefährten seien schliesslich einfach nur halb verhungert aus dem Gebirge hierher gekommen. Pekka beendet den Satz des Zwergs, indem er sagt: "...und ich habe Euch geholfen und bitte nun um Eure Hilfe für mich und für die Labban." Bóin II. muss dem Schneemenschen in diesem Punkt zwar Recht geben, dennoch sträubt sich alles in ihm gegen die Seesreise, da er den Untergang des Schiffs befürchtet und sie zudem während der ganzen Zeit von Feinden umgeben wären. Tinulin versucht, Khufur den Seeweg mit dem Argument schmackhaft zu machen, dass die Helutavi vermutlich Kontakt zu Kleinzwergen haben und sie auf diesem Weg vielleicht Näheres über Hargrimms Herkunft herausfinden könnten. Bóin II. hingegen befürchtet, dass die Gefährten ein weiteres Mal zu Marionetten in einem politischen Machtspiel verkommen, welches sie nicht durchschauen können. Arrohir sagt, er habe immer wieder betont, dass er nicht glaube, ein "Eisenmensch" zu sein. Gleichwohl möchte er Juha treffen, einen Mann, der offensichtlich in der Lage sei, Könige zu machen. Zudem möchte er herausfinden, was es mit den Lindwürmern aus der Prophezeihung auf sich hat und ob Juha noch weitere Informationen über König Arvedui bekannt sind. Angesichts der offensichtlichen Skepsis der Zwerge schlägt Maira vor, Bóin II. und Khufur könnten bei den Labban von Irpikki bleiben und mit diesen übers Eis nachkommen. Grundsätzlich sei sie zwar gegen die Spaltung der Gruppe, die Zwerge seien aber ihre robustesten Mitglieder, weshalb sie in dieser Situation eine derartige Aufteilung für vertretbar halte. Tinulin wüsste die Zwerge dagegen lieber mit an Bord. Plötzlich überrascht Bóin II. die anderen, indem er sagt, er wolle Thorols Schwert als Preis dafür, dass er mit an Bord komme. Tinulin hält diese Forderung für keine gute Idee, doch der Zwerg entgegnet ihm, er glaube nicht, dass der Seefahrer rechtmässig zu einer kleinzwergischen Waffe gekommen sei. Nachdem sie noch eine ganze Weile weiter diskutiert haben, möchte Bóin II. mit Thorol sprechen und ihm seinen Vorschlag unterbreiten. Begleitet von Tinulin und Arrohir sowie Pekka als Dolmetscher, macht sich der Zwerg auf den Weg zu den Schiffen. Thorol kommt der kleinen Delegation zusammen mit Swarn ein Stück entgegen und sieht Arrohir erwartunsvoll an. Um einen Einstieg in die Verhandlung zu finden, erklärt der junge Mann dem Seefahrer, dass Zwerge gerne mit Waffen handeln würden. Bóin II. hat die Zeit genutzt, um sich durch genaue Betrachtung zu vergewissern, dass Thorols Schwert wirklich kleinzwergischen Ursprungs ist. Als der kräftige Mann Bóins II. interessierten Bllick bemerkt, sagt er mit freundlicher Stimme, wenn sie zu einer Einigung gelangen sollten und er das mit Arrohir ausgemachte Ziel erreicht habe, werde er gerne sein Schwert gegen Bóins II. Axt handeln. Der Zwerg ist ob dieser Option etwas brüskiert und antwortet, er wolle lieber nur Thorols Schwert, was diesen jedoch nur zu einem herzhaften Lachen veranlasst. Als Bóin II. realisiert, dass er mit seiner Forderung keinen Erfolg haben wird, fragt er Thorol, wie es möglich sei, dass aus seinem Hafen in Heitabyn einfach so Schiffe zum Jelf fahren könnten. Der Seefahrer weiss sofort, um welches Schiff es dem Zwerg geht und sagt, dass es sich um das Schiff von Boje gehandelt habe. Er sei ein Händler aus Jökalinda und ein Vertrauter von Jelf Kjornir, dem es natürlich jederzeit frei stehe, zurück zu seinem Heim zu segeln. Als danach für den Moment keine weiteren Fragen bestehen, trennen sich die beiden Delegationen wieder, wobei Thorol Arrohir darauf hinweist, dass sie nur noch anderthalb Stunden haben, um ihren Entscheid zu fällen, was dieser zur Bestätigung wiederholt. Zurück in der Hütte stellt sich Bóin II. auf den Standpunkt, Thorol könne nicht vertraut werden, weshalb er noch immer dagegen ist, das Schiff zu betreten. Arrohir sagt demgegenüber, dass er die Seereise unbedingt antreten wolle und auch Tinulin votiert dafür, wenn auch mit gewissen Zweifeln. Als auch Calendin sagt, er sei grundsätzlich neugierig darauf, mehr vom Norden zu sehen und wolle Tinulin begleiten, sagt Bóin II. schliesslich, er würde nur auf das Schiff gehen, um seine Gefährten nicht alleine ins Verderben rennen zu lassen. Da Maira sich der Stimme enthält aus Angst davor, bei den Lindwürmern könne es sich, wie die Zwerge meinen, tatsächlich um Drachen handeln, geht der Entscheid schliesslich mit drei gegen zwei Stimmen zu Gunsten der Seereise nach Jirvila aus und die Zwerge geben schweren Herzens nach. Nachdem sich die Gefährten einig sind, den Handel mit Thorol einzugehen, warnt Pekka sie nochmals eindringlich, dass den Helutavi niemals und unter keinen Umständen zu trauen sei.

Als alles besprochen ist, begeben sich die Gefährten zusammen mit Pekka wieder zu Thorol und Swarn, die ihnen ein Stück entgegenkommen. Als Arrohir das Einverständnis der Gefährten mit dem Handelsgeschäft erklärt, sagt Thorol, er wolle den Rahmen ihrer Abmachung nochmals mit Arrohir und Pekka als Dolmetscher genau abstecken, damit keine Missverständnisse aufkommen. Als sie aus der Hörweite der anderen sind, wiederholt Thorol nochmals sein Angebot der Überfahrt des Eisenmenschen Arrohir samt seinen Gefährten und dem freigelassenen Pekka zu Juha sowie die Rückgabe der Vorräte an die Labban von Irpikki. Im Gegenzug erwartet er, dass sich Arrohir bei Juha voll und ganz für Thorol einsetzt, damit dieser der neue Jelf der Helutavi wird. Zudem soll Arrohir Thorol im Kampf gegen Kjornir unterstützen. Schliesslich hat der Eisenmensch Arrohir alles zur Unterstützung Thorols zu tun bei der Etablierung guter Beziehungen des neuen Jelfs zu den Labbadal. Arrohir erklärt sich mit diesen Bedingungen einverstanden, er macht aber auch klar, dass er ganz sicher nicht helfen werde, ein neues Unterdrückungssystem aufzubauen, geschweige denn andere böse oder grausame Taten zu unterstützen. Er sichert des Weiteren zu, bei allem zu helfen, was das Herz für gut befindet. Nun ist es Thorol, der Arrohir den Arm hinstreckt, worauf ihn der junge Mann zum Einverständnis umfasst. Guter Dinge begeben sich die drei Männer zurück zu den anderen und Thorol gibt Swarn die Anweisung, sogleich mit der Rückgabe der Vorräte zu beginnen. Da es bereits früher Abend ist, schlägt Thorol vor, am nächsten Morgen gleich beim ersten Tageslicht in See zu stechen. Den Abend verbringen die Gefährten zusammen mit Pekka, Ula und den übrigen Labban im Weiler, während die Helutavi bei ihren Schiffen übernachten. Pekka sagt der alten Ula, sie solle mit den Labban von Irpikki nach Jirvila kommen, sobald das Eismeer zugefroren sei.

Am Morgen des 15. Juli 2784 3Z gehen die Gefährten mit all ihrer Ausrüstung, etwas Proviant und Arveduis Kiste kurz vor dem ersten Tageslicht an Bord von Thorols grossem Langschiff. Khufur richtet sich beim Mast mit einem abgedichteten, leeren Fässchen und einem Eimer für alle Fälle ein. Als auch Bóin II. diesen Ort des Schiffes ansteuert, rückt sein Schüler etwas zur Seite und bietet ihm zudem auch seinen Eimer an. Derweil offeriert Thorol Arrohir und Maira einen Platz im Heck beim Ruder, doch Tinulin sagt, die Gefährten und auch Pekka wollen vorerst lieber noch alle beisammen bleiben. Schon kurz nachdem die beiden Schiffe abgelegt haben, schlagen sie einen nordöstlichen Kurs an, was Tinulin beunruhigt, da Pekka ihm gesagt hatte, Jirvila befinde sich nordwestlich von Irpikki. Als rund zwei Stunden ohne Kurswechsel vergangen sind, spricht der Noldo Thorol auf den in seinen Augen falschen Kurs an und verlangt zu erfahren, was vor sich gehe. Thorol gibt ihm zur Antwort, dass dies der gewöhnliche Weg nach Jirvila sei. Ihr nächstes Ziel sei aber ohnehin Heitabyn, wo sie mehr Proviant aufnehmen müssen und Swarn mit seinem Schiff zurücklassen werden. Als Tinulin entgegnet, dass die Gefährten in diesem Fall weiterhin vorsichtig bleiben wollen, quittiert der Seefahrer dies mit einem Lachen. Den ganzen Tag über folgen die beiden Schiffe der Küste und Thorol nutzt die achterlichen Winde und das klare Wetter, um auch die Nacht hindurch zu segeln, wobei er sich so dicht am Land hält, dass die Brandung stets zu hören oder zu sehen ist. Zu Bóins II. und Khufurs Erleichterung bleibt das Meer die ganze Fahrt über ruhig, so dass sie sich keine Blösse zu geben brauchen.

Zur Mittagszeit des nächsten Tages laufen die Schiffe von Thorol und Swarn den in einer kleinen Bucht gelegenen Hafen von Heitabyn an. Nicht ganz unbeeindruckt stellen die Gefährten fest, dass in der Bucht noch zwölf weitere grössere und kleinere Schiffe vor Anker liegen.

// Metageblubber:

"Nekka? Thonal? Wie heissen die Typen? Naja, jedenfalls die."... So viel zu Spielern und den Namen von Nichtspielercharaktern. Kaum hatte ich nach der letzten Session "Pekko" den Spielern zuliebe in "Pekka" umgewandelt, konnten sie sich auch diesen Namen nicht mehr merken, geschweige denn jenen "Thorols", auch wenn der während der Diskussion eigentlich andauernd fiel.

Nachdem mir im Nachgang zur letzten Session mein Denkfehler aufgefallen war, welcher beinahe zu einer bewaffneten Auseinandersetzung mit Swarn geführt hätte, war ich erst ein bisschen überrascht und wusste nicht so recht, wie sich die Dinge nun weiterentwickeln könnten. Würde ich Teile meiner Vorbereitung umschreiben müssen, um gewisse angedachte Ereignisse beibehalten zu können, was ein Stück weit aber gleichzeitig zur Entwertung der Spielerentscheidung führen würde? Oder sollte ich die Ereignisse der letzten Session quasi als "Fail forward" des Spielleiters behandeln, also die durch den Fehler im Konzept herbeigeführte Richtungsänderung durch die Spieler beibehalten und schauen, was sich daraus an Konsequenzen ergibt? Nachdem ich eine Weile über die verschiedenen möglichen Entwicklungen nachgedacht hatte, bin ich zu einer Lösung gelangt, bei welcher die grundsätzlichen Konzepte beibehalten werden können, ohne dass die Entscheidung der Spieler entwertet wird. Quasi eine Win-Win-Situation, welche mir zudem weitere spannende Möglichkeiten eröffnet.

Zum Denkfehler:
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Und:
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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #114 am: 28.11.2017 | 17:10 »
Der letzte Sessionbericht vor einer zweimonatigen New Zealand-Pause  :)

Session 51: Teil 1
16.7.-23.7.2784 3Z
Heitabyn - Bucht nördlich von Jökalinda

Sobald die Schiffe im Hafen von Heitabyn fest vertäut sind, gehen die Zwerge an Land, froh, dem bodenlosen Nass lebend entkommen zu sein. Umso erschrockener sind Bóin II. und Khufur darüber, dass sich der feste Steinboden unter ihren Füssen scheinbar plötzlich verflüssigt hat und sich so schwankend anfühlt wie zuvor das Meer selbst. Khufur ist fest davon überzeugt, dass es sich hierbei um einen bösen Zauber des Meeres handeln muss. Gleichwohl wollen die Zwerge die Kiste, welche ihrer Ansicht nach König Arvedui gehört hat, niemand anderem überlassen und schleppen sie schwankend durch die Strassen.
[Bóin II. würfelt beim Widerstandswurf gegen die Folgen der Seekrankheit eine UM 06 (sein erster Wurf in der Session) und auch Khufurs Würfel versagen, so dass im Ergebnis beide das Gefühl haben, nun schwanke das Land statt des Meeres.]
Thorol führt die Gefährten und Pekka durch die kleine Siedlung zu einem von einer Steinmauer umsäumten und von mehreren bewaffneten Männern bewachten Anwesen. Unterwegs werden die Gefährten von den Einwohnern neugierig, aber auch sehr misstrauisch beobachtet und immer wieder fällt das Wort "Eisenmenschen". Bei einem Nebengebäude angekommen, geleitet sie Thorol in eine langezogene Halle, an welche ein Raum mit mehreren Betten anschliesst. Der Helutavi veranlasst, dass den Gefährten Fisch, Gemüse und Met gebracht wird und sagt dann, er werde sie am Abend wiedersehen, worauf er sie alleine lässt. Bóin II. und Khufur sind noch immer etwas wacklig auf den Beinen und selbst vom Met wird ihnen kurzzeitig übel. Immerhin müssen sie sich nicht übergeben und allmählich verbessert sich ihre Verfassung wieder soweit, dass sie zumindest die flüssige Nahrung doch noch geniessen können.
[Bóins II. zweiter Wurf in der Session ist eine UM 08... noch immer spürt er die Folgen der Seereise...]
Als Tinulin und Calendin die Halle verlassen und sich beim Anwesen und im Dorf umsehen möchten, stellen sich ihnen gleich am Ausgang vier grossgewachsene Wachen in den Weg und sagen, es sei ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Gefährten das Gebäude nicht verlassen. Tinulin passt diese Bevormundung gar nicht und er ist kurz geneigt, sich mit den Wachen anzulegen. Diese bleiben jedoch bestimmt und beteuern, keine Angst vor den Eisenmenschen zu haben, worauf sich der Noldo eines Besseren besinnt und zusammen mit den anderen auf Thorols Rückkehr wartet. Pekka wird nicht müde, die Gefährten nochmals eindringlich vor den Helutavi und ihrer Skrupellosigkeit zu warnen. Nachdem sie sich ein wenig gestärkt haben, verbringen Arrohir und Maira den Grossteil des Nachmittags schlafend.

Am Abend kommt Thorol zurück und bittet die Gefährten und Pekka, ihm zu einem Festmahl zu folgen, wobei er den vorwurfsvollen Bilck Tinulins lächelnd ignoriert. Als die Zwerge kurz überlegen, ob sie neben ihrer ganzen Habe auch Arveduis Kiste mitschleppen oder einfach hier mit ihr zurückbleiben sollen, erkundigt sich der Helutavi, was es mit diesem sperrigen Ding auf sich habe und sein Inhalt sei. Tinulin sagt ihm, dass sie nicht wissen, was sich in der Kiste befindet. Die Aussicht auf einen saftigen Wilschweinbraten gibt für die Zwerge schliesslich den Ausschlag, die anderen zum Fest zu begleiten. Noch immer sind viele Leute auf der Strasse und beäugen die Fremdlinge unverhohlen. Während Bóin II. und Khufur mit Arveduis Kiste hinter den anderen hergehen, wendet sich an der Spitze der kleinen Prozession Thorol leise in gebrochenem Westron direkt an Arrohir. Ohne dass ihn sonst jemand hören könnte, lässt er den jungen Dunadan wissen, dass Boje, der Mann, der kurz nach Thorols Aufbruch in Richtung Jökalinda gesegelt sei, nicht einfach "nur ein Händler" sei, sondern auch der Neffe von Jelf Kjornir. Kurz darauf erreichen sie eine grosse Halle am Rand eines offenen Platzes nahe beim Hafen. Im Inneren sitzen Thorols Männer an zwei langen Tischreihen, an deren oberen Ende leicht erhöht eine grosse Tafel den Kopf bildet. Thorol bittet Arrohir und Maira, zu seiner Linken und Rechten Platz zu nehmen, was Arrohir ihm jedoch höflich abschlägt. Schliesslich setzt sich Calendin als Übersetzer an Mairas Stelle neben Thorol und auch alle übrigen Gefährten und Pekka finden an der grossen Tafel Platz, während Swarn und andere hochrangige Helutavi missmutig an den tieferen Seitentischen sitzen. Schon bald ist die Stimmung in der Halle ausgelassen und laut und die Zwerge sind froh, sich ihre Mägen mit vorzüglichem Wildschweinbraten und Met vollschlagen zu können. Mit der Hilfe Calendins als Übersetzer erklärt Thorol Arrohir während des Essens, dass sie besprechen müsssen, was er Jelf Kjornir sagen soll, wenn sie nach Jökalinda kommen. Arrohir glaubt seinen Ohren nicht zu trauen und sagt, sie würden doch gar nicht nach Jökalinda, sondern zu Juha nach Jirvila segeln wollen. Thorol bestätigt dies, entgegnet aber, dass der Weg nach Jirvila sie direkt und unausweichlich an Jökalinda vorbeiführen werde. Um den Gefährten die Situation verdeutlichen zu können, breitet Thorol eine grobe Karte auf dem Tisch aus, auf welcher die Küste der südlichen Eisbucht bis knapp nördlich der Siedlung Jökalinda verzeichnet ist. Von Irpikki aus der Küstenlinie mit dem Finger ostwärts folgend, passiert Thorol die Bucht von Heitabyn und gelangt schliesslich zur Siedlung Jökalinda. Indem er einen weiten Bogen nach Westen über das leere Pergament zieht, erklärt der Helutavi, dass sich Jirvila am anderen Ende der Eisbucht von Forochel befinde. Arrohir ist einigermassen sprachlos und sagt schliesslich, dass diesfalls der Weg übers offene Meer von Irpikki nach Nordosten oder von Reikkitakki nach Norden um ein Vielfaches kürzer gewesen wäre. Thorol widerspricht ihm nicht, fügt aber an, dass dieser Weg auch um ein Vielfaches tödlicher gewesen wäre. Nicht nur sei das Wasser der Eisbucht genauso unberechenbar wie das Wetter, weshalb es äussert schwierig sei, ausserhalb der Sichtweite der Küste zu navigieren, auch sei das Meer voller heimtükischer und gefährlicher Kreaturen, welche ein Schiff wie seines mühelos in die Tiefe reissen könnten. Es habe nur einen Helutavi gegeben, der in der Lage gewesen sei, ausserhalb der Sichtweite der Küste zu segeln, und das sei Jelf Kjornir persönlich. Er sei ein mächtiger und erfahrener Kapitän, der mit der Gabe der Weitsicht gesegnet gewesen sei, welche seine Ahnen von der Havfru, der Meerfrau und Mutter der Schiffe, erhalten hätten. Dank seines weitsichtigen Auges habe er sich auch fernab der Küste zurecht finden und segeln können. Dann aber sei der Tag gekommen, an welchem ihn seine Frau verlassen und ihm sein Augenlicht genommen habe, wie es heisse. Da sei Kjornir blind vor Wut und Kummer geworden und seither fahre er nur noch sehr selten übers offene Meer. Thorol schliesst seine Ausführungen mit der Erkenntnis, dass es ihnen nicht möglich sei, Jökalinda ungesehen zu passieren, da sie zum einen nicht ausser Sichtweite daran vorbeisegeln könnten. Zum anderen bestehe das Risiko, von einem anderen Schiff in der Nähe entdeckt zu werden, was Fragen aufwerfen würde, da grundsätzlich kein Schiff die Hauptstadt passiere, ohne nicht wenigstens einen kurzen Zwischenhalt einzulegen.

Tinulin, Calendin und Arrohir sind sich einig, dass es keine gute Idee wäre, wenn sie in Jökalinda gesehen würden. Mit einem Blick auf die Karte schlägt Calendin vor, dass Thorol die Gefährten und Pekka südlich von Jökalinda absetzen und sie nördlich davon wieder an Bord nehmen könnte. Sie müssten dazu lediglich rund 100 Kilometer zu Fuss durch einen küstennahen Wald und das Hinterland der Siedlung zurücklegen, was ihnen in drei bis vier Tagen möglich sein sollte. Thorol zieht eine Augenbraue hoch und meint, der Wald sei ein gefährliches Terrain, aber Calendin gibt ihm zu verstehen, dass die Wälder seine Heimat seien, weshalb er sich keine Sorgen zu machen brauche. Nach einigem Zögern ist Thorol einverstanden, schlägt aber vor, dass die Gefährten diesfalls die schwere und sperrige Kiste an Bord seines Schiffes zurücklassen sollen, da sie sonst nur am raschen Reisen gehindert würden. Den Gefährten drängt sich der Gedanke auf, Thorol könnte glauben, dass sich eine mächtige Waffe der Eisenmenschen oder gar ein Drachenei in der Kiste befinden könnte. Aber noch bevor sie ihren Unmut über seinen Vorschlag äussern können, bemerken sie Swarn, der an die Tafel herantritt und Thorol mit ernster und fordernder Stimme zu einem Gespräch unter vier Augen auffordert. Thorol entschuldigt sich bei den Gefährten und zieht sich mit Swarn durch einen mit einem schweren Vorhang verhängten Durchgang in die an die Halle anschliessenden Räume zurück. Calendin würde das Gespräch der beiden Helutavi gerne belauschen, hält das Risiko der Entdeckung seiner Spitzelei trotz des allgemeinen Trubels in der Halle aber für zu gross, um Thorol und Swarn hinterher zu schleichen. Arrohir teilt den Elben und Maira seinen Argwohn gegenüber Swarn mit, den er als neidische und daher gefährliche Nummer Zwei in der Rangfolge um die Herrschaft über Heitabyn sieht. Er glaubt, der Händler könnte Thorol Probleme bereiten, wenn dieser auf Jelf Kjornir treffen sollte. Tinulin schlägt vor, Thorol mit diesen Vermutungen zu konfrontieren und ruft nach dem Herrn von Heitabyn. Dieser kommt kurz darauf zurück in die Halle, worauf ihn Tinulin offen vor Swarn warnt, indem er sagt, der Händler geniesse zwar offenbar eine hohe Stellung in Heitabyn, sei aber nicht in Thorols und ihre Umsturzpläne betreffend Jelf Kjornir eingeweiht. Dies könnte ihn zu Äusserungen oder Handlungen veranlassen, welche für Thorol und die Gefährten gefährlich werden könnten, weshalb Swarn entweder in ihre Pläne eingeweiht oder sehr gut überwacht werden müsse. Thorol nimmt Tinulins Einschätzung ohne grosse Gemütsregung zur Kenntnis und begibt sich danach wieder in den hinteren Gebäudebereich zu Swarn. Diesmal schleicht Calendin dem Herrn von Heitabyn hinterher und gelangt hinter dem Vorhang in einen Raum, in welchem sich niemand aufhält. Hinter einem weiteren mit einem Vorhang verhängten Durchgang hört er Swarns warnende Worte an Thorol:

"Herr, traut den Eisenmenschen und diesem Pekka nicht! Die Havfrudal haben immer mit Weitsicht für eine offene See und guten Handel gekämpft. Es sind die Labbadal, die das Eis, den Schnee und die Kälte lieben. Diese Dinge sind ihr Element und sie haben einst den Eisenmenschen geholfen, damit ihr König später ihnen helfe, die Welt in eine Wüste aus Eis und Schnee zu verwandeln und uns mit den Lindwürmern zu jagen. Sie zum Herrscher der Lindwürmer zu führen, wird unseren Untergang besiegeln."

Thorols Antwort auf diese Warnung ist ein kurzes: "Ich habe Dich gehört." Damit scheint das Gespräch beendet zu sein und Calendin schleicht zurück in die Halle, wohin auch Thorol und Swarn wenig später folgen, weshalb der Waldelb nicht die Zeit hat, seine Freunde über Swarns Warnung und Thorols Reaktion zu informieren. Den Gefährten einen missmutigen Blick zuwerfend, begibt sich der Händler an seinen Platz am Seitentisch zurück und genehmigt sich dort einen tiefen Zug aus seinem mit Met gefüllten Hornbecher. Nachdem auch Thorol einen Schluck Met zu sich genommen hat, wendet er sich wieder den Gefährten zu und sagt nochmals, dass er es für keine gute Idee halte, wenn sie ihre sperrige Kiste mit an Land nehmen wollen. Als Calendin erwidert, dass dies aber ihr Wunsch und Wille sei, wirft Thorol Swarn einen Seitenblick zu, der Tinulin nicht entgeht. Um den Herrn von Heitabyn nicht gänzlich von dieser Reisevariante abzubringen, sagt Tinulin, sie würden zwar die Kiste mit an Land nehmen wollen, Thorol könne dafür aber frei etwas Anderes als Pfand benennen, was bei ihm auf dem Schiff bleibe. Thorol überlegt kurz und entgegnet dann, dass er in diesem Fall Maira auf dem Schiff behalten wolle. Tinulin ist ob dieser in seinen Augen frechen Forderung empört und erwidert, dass Maira natürlich keinesfalls als Pfand in Frage komme, zumal er ohnehin nicht wisse, weshalb Thorol gerade sie auswählen sollte. Mit dem Lächeln eines Mannes, der weiss, dass er eine gute Forderung gestellt hat, antwortet Thorol, dass Maira nicht nur sehr liebreizend sei, sondern auch die Schwester des Eisenmenschen Arrohir, mit welchem er einen Handel geschlossen habe. Da sie ihm offenbar wichtig sei, sei sie ein ausgezeichnetes Pfand, auf welches er besonders gut acht geben werde. Tinulin muss diesem Argument eine gewisse Berechtigung zugestehen, möchte aber lieber sich selbst an Mairas Stelle als Pfand anbieten. Auch Arrohir, dem Thorol einen prüfenden Blick zuwirft, sagt, er wolle lieber selbst als Pfand auf dem Schiff bleiben. Da wirft Calendin ein, dass Sinn und Zweck ihres Vorgehens ja gerade sei, dass sich keiner der Gefährten an Bord befinde, wenn das Schiff Jökalinda anlaufe. Er fügt an, dass Thorol eigentlich gar keinen Bedarf für ein Pfand habe, da die Gefährten ja im Niemandsland südlich von Jökalinda ausgesetzt würden und so gar keine Gefahr darstellen könnten. Als Arrohir Thorols zweifelnden Blick sieht, fragt er ihn, ob er denn für die sichere Verwahrung und Rückerstattung der Kiste garantiere. Thorol sagt, das werde er. Sollten die Gefährten allerdings nicht innert der vereinbarten Zeit am vereinbarten Ort nördlich von Jökalinda eintreffen, um wieder an Bord genommen zu werden, so sei ihr Handel und alles, was damit zusammenhänge, beendet. Nicht zuletzt auch weil Thorol bei der Ausfürung ihres Planes ein grosses Risiko eingeht, erklärt sich Arrohir mit diesen Bedingungen einverstanden.

// Metageblubber:

"Arveduis Kiste"... Die Spieler gehen ja inzwischen fest davon aus, dass die Kiste, welche sie in der Zwergenmine gefunden haben, tatsächlich König Arvedui gehört hat. Woraus sie das ableiten? Unter anderem ganz einfach daraus, dass ich in den Sessionberichten in diesem Zusammenhang mehrmals von "Arveduis Kiste" geschrieben habe. Dies aber natürlich nur, um nicht jedes Mal schreiben zu müssen "die Kiste, von welcher die Gefährten annehmen, sie könnte König Arvedui gehört haben". Wessen Kiste das war und was sich darin befindet, das bleibt natürlich abzuwarten.

So geht's, wenn's mal wieder schnell gehen muss. Bereits in der letzten Session hatte ich den Spielern eine Karte von Heitabyn ausgeteilt und mich dadurch auch schon darauf festgelegt hatte, wie der Ort ausschaut. Bei der Vorbereitung für diese Session hatte ich das allerdings nicht mehr im Kopf und habe mich deshalb nach Plänen verschiedener Küstendörfer umgesehen. Schliesslich habe ich den Spielern eine Karte der Wikingersiedlung Haithabu als Heitabyn präsentiert, obwohl ich damit eigentlich Jökalinda hatte darstellen wollen. Erst als es in der Session zum Festmahl ging, tauchte von irgendwo die eigentliche Karte von Heitabyn auf, worauf wir die Örtlichkeiten dann kurzer Hand auf dieser Karte festlegten und damit weiterspielten.

Dass Thorol darauf insistiert hat, Arveduis Kiste an Bord des Schiffes zu behalten, hatte seinen Grund in erster Linie darin, dass er sie wirklich nur sperrig und unpraktisch fand. Es war Tinulins Spieler, der seine Hartnäckigkeit als Wunsch eines Pfands zu seiner Absicherung interpretierte. Diesen Ball habe ich natürlich gerne aufgenommen, zumal Tinulin anbot, Thorol könne frei heraus sagen und wählen, was er anstelle von Arveduis Kiste als Ersatzpfand haben wolle. Klar, dass der Herr von Heitabyn in dieser Situation Maira nannte, da sie das optimale Mittel ist, um Arrohir und den Rest der Gruppe unter Druck setzen zu können, zumal sich ihre Wahl auch bestens begründen liess. Ich wollte die Situation aber nicht eskalieren lassen und bin daher vom "Pfandanspruch" abgerückt... wäre ja auch noch spannend gewesen zu sehen, ob Tinulin z.B. sein Schwert Luinmacil als Pfand gegeben hätte. Natürlich wäre da der Einwand gekommen, er benötige die Waffe, um Arrohir und den Rest der Gruppe zu verteidigen. Dasselbe Argument, allerdings vielleicht noch mit etwas mehr Schaum vor dem Mund, wäre sicherlich angeführt worden, wenn Thorol Bóins II. Axt als Pfand gefordert hätte. Alleine nur schon die empörte Reaktion wäre es aber eigentlich wert gewesen, diese Vorschläge noch zu bringen. Jedenfalls steht zu erwarten, dass die "freie Wahl" Thorols am Ende doch ziemlich eingeschränkt gewesen wäre.
Im Nachgang zur Session hat mir Tinulins Spieler dann gesagt, er habe mit Tinulin ausdrücken wollen, dass Thorol "etwas Anderes" als Pfand nennen könne, womit nach seiner Ansicht aber eine Person grundsätzlich schon mal ausgeschlossen gewesen wäre. Auch die Waffen von Tinlin und Bóin II., wohl die Spezialwaffen aller Gefährten, wären sicher nicht als Pfand in Frage gekommen, aber da hätte man dann einfach drüber diskutieren müssen. Er fand Thorol Herangehensweise aber legitim und in Ordnung, zumal Thorol ja auch ein Handelsmann sei.

Weiter geht's bei Teil 2


Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #115 am: 28.11.2017 | 17:14 »
Session 51: Teil 2

Nachdem die Gefährten mit Thorol auf ihre Einigung angestossen haben, lenkt Calendin das Gespräch auf die Geschichte der Eisenmenschen. Thorol erzählt ihnen davon, dass die Labbadal den Eisenmenschen vor vielen Jahren geholfen hätten und erklärt auch kurz, was sich in den Folgejahren zugetragen haben soll. Calendin rekapituliert Thorols Geschichte und fasst zusammen, dass nach seinem Verständnis kurz nach der Hilfeleistung das Eis gekommen sei und die Havfrudal ans Land gebunden habe. Da nun das Meer wieder eisfrei sei, würden die Labbadal auf die Rückkehr der Eisenmenschen warten, damit das Eis wiederkomme und sie zusammen mit den Eisenmenschen und den Lindwürmern die Havfrudal vertreiben könnten. Tinulin ist zwar der Ansicht, dass Calendins geschichtlicher Ablauf unvollständig ist und nach der den Eisenmenschen gewährten Hilfe der Labbadal erst eine recht warme Zeit angebrochen sei, in welcher die Schifffahrt der Havfrudal erst so recht zur Blüte gekommen sei, er korrigiert den Waldelben aber nicht. Der Noldo selbst hält es für möglich, dass Morgam, der Erzfeind der Gefährten aus alten Tagen, etwas mit der Eisbildung in der Bucht von Forochel zu tun haben könnte, was indessen nicht zwingend in Zusammenhang mit der Hilfe für die Eisenmenschen stehen muss. Als Calendin am Ende seiner Zusammenfassung angelangt ist, wendet sich Thorol an Arrohir und sagt, er hoffe entgegen der Prophezeihung auf Freundschaft zwischen den Havfrudal und den Eisenmenschen, weshalb er Arrohir helfe. Calendin gehen noch immer Swarns warnende Worte durch den Kopf und er hegt die dunkle Vermutung, dass die Eisenmenschen keine Dunedain, sondern vielmehr Angmarer unter der Führung des Hexenkönigs gewesen sein könnten. Dies könnte nämlich die Kältephase nach der Hilfe durch die Labbadal erklären, zumal noch immer unklar ist, was es mit den Lindwürmern auf sich haben soll. In der Hoffnung sich Klarheit zu verschaffen, zieht sich der Waldelb daher nochmals mit Pekka in eine stille Ecke der Halle zurück und befragt dort den Schneemenschen zur Geschichte. Pekka wiederholt ein weiteres Mal die Prophezeihung:

"Eines Tages werden die grossen Eisenmenschen kommen und es werden die Lindwürmer von ihrem Ruheplatz zurückkehren, worauf die Lossoth mit Hilfe der Eisenmenschen das Joch der Ciroth abwerfen und als neue und rechtmässige Herren der grossen Bucht auftreten."

Zur Geschichte weiss Pekka nicht mehr zu sagen. Er betont aber erneut, er wolle den Eisenmenschen Arrohir und seine Gefährten zu Juha bringen, welcher als Anführer des ältesten Labban-Clans sicher mehr über die alten Geschichten wisse und zudem der "Herrscher Lindwürmer" sei.

Da Pekkas Erläuterungen Calendin noch immer zu keinem klareren Bild über die Verhältnisse zwischen den einzelnen Parteien verhelfen, schlägt er Arrohir vor, gemeinsam Swarn ganz direkt auf den Zahn zu fühlen. Der junge Mann ist damit einverstanden und gemeinsam treten sie vor den Händler, um ihn um ein Gespräch zu bitten. Missmutig erhebt sich Swarn und begibt sich zum Ausgang, den Gefährten andeutend, dass die gutbesuchte Halle nicht der richtige Ort für eine solche Unterredung sei. Arrohir und Calendin folgen Swarn durch die klare und kalte Luft vor der Halle zur Hafenkante, wo der Händler innehält und sie trotzig ansieht. Calendin fragt Swarn, was er von der Prophezeihung und Thorols Plan halte, die Eisenmenschen zu Juha nach Jirvila zu bringen. Der Händler erwidert, er habe keine Angst vor der Prophezeihung, auch wenn er nicht wisse, was auf sie zukommen werde. Vor allem wisse er aber nicht, was die Havfrudal dem König der Eisenmenschen angetan haben könnten, dass er nach solcher Rache an ihnen sinne. Es sei klar, dass die Lindwürmer das Mittel zur Vernichtung der Havfrudal seien, aber die Eisenmenschen sollten bloss nicht glauben, die Schiffmenschen würden sich kampflos vernichten lassen. Als Arrohir ihm antwortet, er hoffe auf eine friedliche Lösung des Konflikts, entgegnet ihm Swarn, dass sie in diesem Fall einfach gar nicht erst zu Juha gehen sollten, aber das sei nur seine eigene bescheidene Meinung. Arrohir wiederholt nochmals seine Hoffnung, worauf Swarn nur mit "Euer Wort in Havfrus Ohr", antwortet und sich zurück zur Festhalle aufmacht. Arrohir ruft ihm nach, ob er den "Donnersee" kenne, was Swarn ohne sich umzudrehen nur mit einem Kopfschütteln beantwortet. Kurz besprechen sich Calendin und Arrohir noch, bevor auch sie zum Fest zurückkehren.

Als Thorol die Gefährten und Pekka spät abends persönlich zu ihrer Unterkunft zurückbringt, haben seine Leute bereits drei Seile à je 10 Metern Länge sowie sechs Wasserschläuche mit je drei Litern Fassungsvermögen bereitgelegt. Der Herr von Heitabyn übergibt ihnen diese Dinge als Geschenk und Zeichen des gegenseitigen Vertrauens. Nachdem Thorol den Gefährten eine geruhsame Nacht gewünscht und sich verabschiedet hat, erzählt Calendin, was er vom Gespräch zwischen Thorol und Swarn mitbekommen hat. Gemeinsam besprechen sie die Erkenntnisse des Tages, wobei der Waldelb das Gefühl nicht los wird, die Gefährten seien ein weiteres Mal Marionetten in einer grossen Politintrige.

Am 17. Juli 2784 3Z begeben sich die Gefährten nach einem ausgiebigen Frühstück wieder an Bord von Thorols Langschiff und verstauen ihre mit reichlich Tuch umhüllte Kiste bei den anderen Gütern, damit sie nicht weiter auffällt. Als das Schiff bei immer schlechter werdendem Wetter aus dem Hafen gerudert wird, sehen die Gefährten Swarn, der mit noch immer missmutiger Miene am Steg steht. Diesmal nehmen Arrohir und Maira Thorols erneute Einladung an und erhalten einen Platz im Heck des Schiffs. Die See wird tagsüber zwar nur ein bisschen unruhiger als die Tage zuvor, doch das genügt bereits, um Bóins II. Magen rebellieren zu lassen, so dass Khufurs Eimer zu seinem ersten Einsatz kommt.
[Der nächste Wurf auf Bóins II. Seefestigkeit ist eine UM 06. Bóins II. erste drei Würfe in dieser Session sind somit UM 06, 08 und 06... wenn das kein vielversprechender Anfang ist.]
Gegen Abend geht es dem erfahrenen Zwergenkämpfer zwar wieder etwas besser, zu seinem Verdruss scheint Thorol die Nacht aber nicht an Land verbringen zu wollen, denn er geht mit seinem Schiff in einer kleinen Bucht vor Anker. Nachdem sie sich an Bord für die Nacht eingerichtet haben, fragt Thorol Calendin, ob sie zu Fuss schnell unterwegs seien, was der Waldelb zumindest für sich selbst und Tinulin bejaht. Etwas in Gedanken verloren erwidert Thorol, dass Geschwindigkeit wichtig sei, wenn es darum gehe, den Gefahren des Waldes zu entgehen. Den Eisenmenschen sollte dies aber sicher gelingen, schliesslich seien sie ja Eisenmenschen.

Den ganzen nächsten Tag über muss Thorols Mannschaft bei Regen rudern und entsprechend kommen sie bis zum Abend deutlich weniger weit, als sie ursprünglich gehofft hatten. Immerhin setzt der Herr von Heitabyn sein Schiff diesmal auf den sandigen Strand einer flachen Bucht und Arrohir trägt Maira und Bóin II. durch die kalte Brandung an Land. Nachdem sie, noch immer im Regen, ihre Zelte aufgestellt haben, ruft Thorol die Gefährten zu sich und deutet mit einigem Respekt auf die Bucht hinaus, wo mehrere riesenhafte, schwarz und weiss gezeichnete fischartige Kreaturen aus den Wogen emporspringen, die Mäuler voller langer und scharfer Zähne. Mit beinahe ehrfürchtiger Stimme erklärt Thorol, dass es solche Kreaturen seien, welche den Schiffen ausserhalb der Sichtweite der Küste auflauern, um sie in die Tiefe hinabzureissen, solche und noch weit schlimmere.

Nachdem der Sturm am nächsten Tag noch heftiger geworden ist und Thorol zur Beruhigung der Zwerge beschliesst, an Land auszuharren, grüsst der Morgen des 19. Juli 2784 3Z wieder mit besserem Wetter. Rasch werden die Segel gesetzt und schon einige Stunden später erreichen sie den Strand, an welchem Thorol die Gefährten absetzen soll. Sie befinden sich rund 45 Kilometer südlich von Jökalinda, etwa auf halber Höhe des Waldes, welcher sich an manchen Stellen bis an die Steilküste erstreckt. Für die vor ihnen liegenden gut 60 Kilometer Fussmarsch bis zu einer kleinen Bucht nördlich von Jökalinda veranschlagen die Gefährten und Pekka drei Tage zuzüglich eines Reservetages. Nachdem sie sich verabschiedet haben, laufen die Gefährten los und halten sich wenn immer möglich ausserhalb des Waldes, nicht zuletzt weil Thorols gedankenverlorene Worte zwei Tage zuvor Calendin haben hellhörig werden lassen. Gegen Abend befinden sie sich gleichwohl ein ganzes Stück tief in dem riesigen Forst, als der Waldelb an einem Bächlein die frischen und wahrhaft riesigen Spuren mehrerer Wölfe entdeckt. Aus Vorsicht beschliessen sie daher, die Nacht auf mehreren nahe beieinander stehenden Bäumen zu verbringen und schon wenig später richten sie sich in den oberen Ästen dreier grosser Tannen ein. Gut vier Meter über dem Boden teilen sich Bóin II., Calendin und Pekka, Khufur und Tinulin sowie Arrohir und Maira je eine aus vielen Zweigen zusammengebundene Schlaffläche. Bevor Arrohir einschläft, sagt er seiner Schwester, sie habe es gut mit einem Mann wie Ivradil, worauf Maira ihrem Bruder antwortet, dass er vielleicht einfach nur die richtige Frau finden müsse. Dies hält Arrohir jedoch für ein schwieriges Unterfangen.

Einige Zeit später bemerkt Tinulin plötzlich einen riesigen schwarzen Wolf, der sich langsam den Bäumen der Gefährten nähert. Kurz hält das Tier inne und heult dann laut auf, worauf die Elben noch weitere Wölfe kommen sehen und sogleich mit ihren Bögen unter Beschuss nehmen. Verwundet ziehen sich die Wölfe zurück, begleitet von Tinulins heroischen Worten: "Geht und lebt!" Nur zu schnell wird der Noldo allerdings der Tatsache gewahr, dass es wohl nicht die elbischen Pfeile waren, welche die Wölfe vertrieben haben, sondern etwas Anderes, das sich plötzlich mit lautem Getöse seinen Weg durch den Wald genau in Richtung der Gefährten bahnt. Die Stämme der Tannen erzittern unter trampelnden Füssen und bis auf Pekka beschliessen alle, so schnell wie möglich von ihren Schlafplätzen hinunter zu klettern. Kurze Zeit später erkennen die Elben und Zwerge in der Schwärze der Nacht die Gestalten mehrerer riesiger Trolle, deren kurzes schwarzes Haar den ganzen Körper bedeckt. Noch bevor sie aber in die Reichweite einer zwergischen Axt gelangen, durchschlägt ein von Calendins Bogen Culor verschossener Pfeil die Stirn eines der Trolle und streckt ihn nieder. Überrascht und zornig stürmen die Trolle heran, werden jedoch gleich nochmals von den Elben mit Pfeilen bedacht und auch Arrohir schiesst mit seinem Bogen aufs gerate Wohl in die Dunkelheit, wobei ihm die Grösse seiner Gegner treffermässig zu Gute kommt. Mit seinem zweiten Pfeil erledigt Calendin gleich auch seinen zweiten Troll, noch bevor die Gegner in den Nahkampf kommen konnten. Nach dem Pfeilbeschuss gelingt es schliesslich nur noch einem Troll, einen Gegenangriff gegen Arrohir zu führen. Dieser erweist sich indessen als fatal, denn mit den gebogenen, scharfen Klauen seiner grossen Pranken kommt er am Schild des jungen Mannes vorbei und trennt ihm mit einem äusserst wuchtigen Hieb die Schildhand ab. Tödlich verwundet sinkt Arrohir mit einem Schrei erst auf die Knie und geht dann in Schockstarre vollends zu Boden, halb unter seinem grossen Schild begraben.
[Der Angriff des Trolls ist verheerend und führt zu einem Maximalschaden von 50 Treffern sowie einem Krtischen Streichschaden E. Dieser ist eine UM 96, was zur Folge hat, dass Arrohir bereits zum zweiten Mal eine Hand abgetrennt wird, wobei es diesmal die Schildhand trifft. Diese schwere Verletzung führt nach zwölf Runden Schock zum Tod, sprich danach verlässt die Seele den Körper.]
Den Elben und Zwergen gelingt es, die Trolle ein bisschen zurückzudrängen, während Maira in der Dunkelheit verzweifelt nach Arrohirs Hand tastet, nachdem Khufur ihr kurz zugerufen hat, was ihrem Bruder zugestossen ist. Calendin ruft Pekka zu, er solle für Licht sorgen, als im nächsten Moment schon zwei weitere Trolle ein grosses Holzscheit sowie einen faustgrossen Felsbrocken in Richtung von Calendin und Bóin II. schleudern, ohne jedoch die beiden Kampfgenossen ernsthaft zu verwunden. Ohne auf Verluste zu achten, stürmt Tinulin mit gezogenem Schwert zu den Neuankömmlingen, während Khufur Maira bei der Suche nach Arrohirs Hand hilft. Pekka findet in der Eile zwar weder Feuerstein noch Stahl, immerhin kann er Khufur aber einen Wasserschlauch herunter werfen, nachdem dieser endlich Arrohirs von Tannennadeln verdreckte Hand gefunden hat. Tinulin lässt sein Schwert Luinmacil, dessen Klinge in gleissend blauem Licht erstrahlt, mit voller Wucht auf die Brust eines der Trolle niederfahren und erschlägt den Gegner mit diesem mächtigen Streich. Während der letzte Troll nach einem schweren Hieb von Bóins II. Axt zusammenbricht, hat Khufur Arrohirs Hand mit etwas Wasser abgespült und übergibt sie Maira. Ausser sich vor Wut und Verzweiflung verpasst Maira ihrem Bruder eine saftige Ohrfeige, bevor sie sich wieder fängt und die Verletzung auf sich selbst überträgt, wobei sie von Tinulin, der rasch zu ihr zurückgekehrt ist, sicher von hinten umarmt gehalten wird. Während sie unter grossen Schmerzen die notwendigen Heilzauber wirkt, um ihre abgetrennte Hand wieder mit ihrem Körper zu verbinden, entfacht Calendin ein kleines Feuer. Tinulin unterstützt Mairas Heileinsatz, indem er blutungsstoppendes Harfyharz um das verwundete Handgelenk verstreicht und der Heilerin anschliessend einen sauberen Verband anlegt. Erst im Schein des Feuers wird Pekka der Grösse und Anzahl der gefällten Trolle vollends gewahr. Der Schneemensch ist von der ungestümen Kampfkraft der Eisenmenschen gleichermassen beeindruckt wie von ihren unglaublichen Heilfähigkeiten. Während Khufur auf Bóins II. Bitte einem letzten nur bewusstlosen Troll den Garaus macht, bringt der erfahrene Kämpfer noch ein zweites Feuer in Gang, damit die Verwundeten nicht auskühlen. Nach rund einer Stunde kommt Maira kurz aus ihrer unterbewussten Heilung zu sich und fasst Arrohir erst an die kalte Stirn und dann an sein geheiltes Handgelenk. Leise Worte der Heilung sprechend, stärkt Maira die Lebenskraft ihres Bruders, bis sie schliesslich erschöpft wieder einschläft. Arrohir, Maira und Pekka schlafen die ganze restliche Nacht hindurch, während sich die Zwerge mit der Wache abwechseln. Noch immer erschallt im Wald das Heulen zahlreicher Wölfe, sie wagen sich aber nicht mehr an die Gefährten heran.

Erholt wacht Arrohir am Morgen des 21. Juli 2784 3Z auf und es scheint ihm, als wäre der Kampf vom Abend zuvor nur ein böser Traum gewesen. Als er aber seine Schwester neben sich liegen sieht, wird ihm alles wieder bewusst und er gibt ihr einen Kuss auf die Stirn. Als Maira wenig später die Augen aufschlägt, spürt sie, dass jemand hinter ihr sitzt. Einem Instikt folgend sagt sie "Ivradil", als sie aber gleich darauf Tinulin in die Augen blickt, korrigiert sie sich zu einem "Traumengel". Der Noldo hatte die junge Heilerin die ganze Nacht über gestützt und nicht aus den Augen gelassen hat.
Erst am später Nachmittag fühlt sich Maira wieder in der Lage, aufzustehen und den Marsch fortzusetzen. Bei der ersten Gelegenheit verlassen die Gefährten den Wald und halten entlang der Steilküste weiter auf Jökalinda zu. Als Maira schliesslich vor Erschöpfung rasten muss, schlagen sie am Waldrand ein Lager auf und verbringen eine bis auf das entfernte Heulen der Wölfe ungestörte Nacht.

Tags darauf stösst der vorausschleichende Tinulin beinahe mit einem Holzfäller aus Jökalinda zusammen, welcher ihn jedoch glücklicherweise nicht entdeckt. Nachdem sie den Wald verlassen haben, umgehen sie die grösste Siedlung der Helutavi in angemessenem Abstand, um nicht von den Wachen bei den Toren gesehen zu werden. Die Nacht verbringen die Gefährten mangels besserer Möglichkeiten in einer flachen Mulde.

Auch den ganzen 23. Juli 2784 3Z über marschieren die Gefährten weiter, bis sie am Abend endlich die Bucht erreichen, bei welcher sie von Thorol wieder an Bord seines Schiffes genommen werden sollen. Es ist der letzte Tag der vereinbarten Frist und Arrohir hat bereits gewisse Bedenken, aber Thorols Schiff liegt tatsächlich in der Bucht. Bald nachdem sie den steinigen Strand erreicht haben, werden sie von Thorol an Bord geholt. Erschöpft und am Ende ihrer Kräfte sagt Maira zu Arrohir, sie hoffe, dies sei jetzt das letzte Mal gewesen, ohne genauer zu sagen, was sie damit meint. Thorol ist erfreut, die Gefährten wiederzusehen und zeigt sich beeindruckt von der Leistung der Eisenmenschen.

// Metageblubber:

Zum Vorgehen der Gefährten bezüglich Jökalinda:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Jetzt steht wie gesagt eine zweimonatige Spielpause an, danach wird's aber hoffentlich mit grossem Elan weitergehen. Wenn Ihr Anregungen, Fragen, Mitleid für die Spieler (oder den Spielleiter) oder Sonstiges deponieren wollt, dann nur immer her damit  ;D

Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #116 am: 1.04.2018 | 12:37 »
Inaktivitätsmeldung? -> Von wegen!

Die Spielleiter-Würfel sind zurück!!!  :headbang:
Während der Spielleiter für zwei Monate in Neuseeland weilte, haben sich seine berühmt-berüchtigten Würfel auf ihre Aufgabe besonnen, den Spieler grösstmögliche Herzkaspereien beizubringen, indem sie endlich wieder so unwiderstehlich gute Ergebnisse liefern, wie in den alten Tagen. Und wir sind zurück mit einem neuen Sessionbericht, viel Spass!  :)

Session 52
23.7.-25.7.2784 3Z
Bucht nördlich von Jökalinda - Bucht südöstlich von Naeseknus

Sobald die Gefährten und Pekka wieder an Bord von Thorols Schiff sind, lässt der Helutavi das Schiff zum Auslaufen aus der Bucht klarmachen und den Anker lichten. Nachdem sie sich kurz vergewissert haben, dass ihre Kiste noch immer an Bord ist, suchen Arrohir und Maira zusammen mit Tinulin und Calendin im Heck bei Thorol Platz. Bóin II. und Khufur setzen sich derweil wieder dicht zum Mast des Schiffs, den Eimer für alle Notfälle bereit. Nach dem überstandenen Marsch scheint Pekka frohen Mutes, denn er sagt zu den Gefährten:

"Hätte doch nur mein Vater das noch erlebt. Er hat mir immer gesagt: 'In meiner Kindheit ist der Winterkönig gegangen und ich bin unter dem Joch der wiedergekehrten Helutavi gross geworden.' Nun aber ist die Zeit gekommen, da die Eisenmenschen zurückkommen und gemeinsam mit ihnen und den Lindwürmern werden die Labban das Joch der Helutavi abwerfen und als neue und rechtmässige Herren der Bucht auftreten."

Dank seines exzellenten Sinns für fremde Sprachen hat sich Tinulin seit dem ersten Zusammentreffen mit den Menschenvölkern des Nordens bereits einige Grundkenntnisse ihrer Sprache angeeignet. Als er über Pekkas Worte nachsinnt, kommen Calendin und er zum Schluss, dass etwas an der Übersetzung nicht ganz korrekt sein kann. Gemeinsam stellen die Elben fest, dass es wohl nicht Pekkas Vater, sondern Pekka selbst war, während dessen Kindheit der Winterkönig gegangen ist. Tinulin hat den starken Verdacht, dass es sich bei dieser Person um den Untoten Morgam, den Erzfeind der Gefährten aus alten Tagen, handeln könnte. Gemeinsam mit Bóin II. sowie Arrohirs und Mairas Vater Caedmon hatte Tinulin diesen Schatten im Jahr 2755 3Z versehentlich aus seinem Verlies in einem Turm im Norden Arthedains befreit, worauf er aus dieser Gegend verschwand. Sollte er wie sein früherer Herr, der Hexenkönig von Angmar, das Wetter in der Eisbucht von Forochel beherrscht haben, würde sein Verschwinden das wärmere Wetter der nachfolgenden Jahre erklären, welches den seefahrenden Helutavi zur aktuellen Vormachtsstellung verhalf.
Auf Calendins Nachfrage erzählt Thorol, dass er am Abend des 20. Juli 2784 3Z in den Hafen von Jökalinda eingelaufen sei. Beim Gespräch mit Kjornir habe er dem Jelf weis gemacht, dass er in Irrpikki keine Eisenmenschen angetroffen habe, da sie, wie ihm die Labbadal des Dorfes versichert hätten, schon wieder in Richtung Süden losgezogen seien. Ansonsten habe er Jelf Kjornir nur gesagt, dass er noch etwas Handel treiben und dann nach Norden zu Hjolgar von Naeseknus aufbrechen wolle. Thorol sagt, er habe zwar den Eindruck gehabt, Kjornir habe seine Lügen geglaubt, trotzdem habe den Jelf aber irgendetwas dermassen beunruhigt, dass er am Mittag des nächsten Tages mit seinem Schiff und 80 Mann Besatzung zu Juha nach Jirvila aufgebrochen sei. Im Laufe des Tages habe Thorol Gerüchte aufgeschnappt, gemäss welchen es einen Angriff auf Naeseknus gegeben habe, bei dem die Siedlung zerstört worden sei. Wer oder was hinter dem Angriff stecke, sei aber nicht klar geworden. Am nächsten Tag sei er schliesslich ebenfalls aufgebrochen, um die Gefährten an der vereinbarten Stelle wieder an Bord zu nehmen. Auf einer groben Übersichtskarte zeigt der Seefahrer den Gefährten den vor ihnen liegenden Weg nach Jirvila. Dabei können sie erkennen, dass es sich tatsächlich um eine riesige Bucht handelt, an deren westlichstem Zipfel ihr Ziel liegt. Da sie auch weiterhin der Küste entlang segeln, werden sie unweigerlich auch an Naeseknus, der nördlichsten Siedlung der Helutavi, vorbeikommen. Thorol möchte den Abstand zu dem vor ihnen segelnden Jelf Kjornir nicht noch grösser werden lassen und nutzt die günstigen Wetterbedingungen, um die ganze Nacht hindurch zu fahren. Tinulin und Calendin halten dabei an Bug und Heck des Schiffes Ausschau nach allfälligen Verfolgern.

Am nächsten Tag, es ist der 24. Juli 2784 3Z, entdecken Tinulin und Calendin ein ganzes Stück voraus an der Küste ein Leuchtfeuer. Thorol ist zwar der festen Überzeugung, die Elben müssten sich irren, da jener Küstenstreifen unbewohnt sei, aber als sie sich der fraglichen Stelle nähern, sieht auch er den Rauch und das Feuer am Ausgang einer kleinen Bucht. Bald darauf erkennen sie nahe am Ufer zwei kleine Fischerboote und die behelfsmässigen Hütten einer im Bau befindlichen Siedlung. Unter den Menschen, die sich beim Anblick von Thorols Schiff am Strand versammeln, entdeckt der Seefahrer Hjolgar von Naeseknus. Nachdem er das Schiff auf den Strand gesetzt hat, geht Thorol, gefolgt von den Gefährten und seiner Mannschaft, von Bord und begrüsst Hjolgar, der Thorol bereits erwartet zu haben scheint. Als der Herr von Heitabyn die Gefährten und Hjolgar miteinander bekannt macht, hält Khufur ihm, mangels Kenntnissen in der Sprache der Nordmenschen, seine Axt aus vermeintlichem Schwarzmetall hin, worauf Hjolgar glaubt, der Zwerg wolle Handel mit ihm treiben. Nachdem dieses kleine aber gewichtige Missverständnis wenig später geklärt ist, sagt Hjolgar, er sei dankbar für jede Hand, welche dabei helfe, den Aufbau der Siedlung voranzutreiben. Sogleich gibt Thorol seinen Männern den Auftrag, die Arbeiten mit Rat und Tat zu unterstützen, und während auch Khufur voller Tatendrang seine Axt an einigen Bäumen erprobt, erzählt Hjolgar den anderen, was sich in Naeseknus zugetragen hat:

"Vor einer ganzen Weile, ich weiss nicht mehr wie viele Tage seither vergangen sind, gab es einen Angriff auf Naeseknus. Bei Einbruch der Dunkelheit sind sie an Land gekommen, unzählige Krabben von riesiger Grösse mit eisigen Panzern, die sich über alles und jeden hergemacht haben, der ihnen in den Weg gekommen ist. Viele unserer Kämpfer haben wir verloren, denn hinzu gesellten sich Eisbären, von denen einige ganz schauerlich zugerichtet waren, als seien sie vom Tod auferstanden. Und auch unter den Riesenkrabben mit ihren eisigen Scheren gab es manche, die grosse Löcher in ihren Panzern aufwiesen, so dass man geglaubt hätte, sie müssten doch eigentlich tot am Meeresboden liegen. Gegen diese Gegner, die trotz ihrer schwarzen Augenhöhlen zu sehen schienen, waren die meisten unserer Waffen chancenlos und nur wenige, so wie meine, konnten das eisige Vordringen wirkungsvoll verzögern. Gleichwohl wurden wir von den Angreifern überrannt, die sich wie eine geeinte Armee aus Eis verhielten. Als ich gerade den Befehl zum Rückzug und zur Aufgabe von Naeseknus gab, erblickte ich sie schliesslich, die Augen, die dieses Chaos über uns gebracht haben mussten und es mit ihrem Willen kontrollierten. Zwischen zwei riesenhaften, ins Leben zurückgeholt anmutenden Eisbären drang der Blick dieser Augen zu mir durch und ich sah den puren Hass aus ihnen sprechen. Wir mussten unser Heil in der Flucht über Land suchen, da die Krabben aus dem Meer gekommen und auch über unsere Schiffe hergefallen waren. Schliesslich sind wir zu dieser Bucht gelangt, wo wir unser Lager für den Winter aufschlagen wollen. Wir kommen aber nur langsam voran, da wir zwar viele Frauen, Kinder und Alte, aber nur noch wenige kräftige junge Männer bei uns haben. Vor zwei Tagen kam Jelf Kjornir mit seinem Schiff hier vorbei und ich erzählte auch ihm, was vorgefallen war. Er blieb über Nacht und war uns mit seiner Mannschaft eine grosse Hilfe bei den gröbsten und wichtigsten Arbeiten. Als er gestern zur Mittagszeit wieder aufbrach, sagte er, ich solle ein Leuchtfeuer entfachen und nach Euch Auschau halten, da er von Euch wisse, dass ihr in den nächsten Tagen nach Naeseknus segeln wolltet. Er selbst wollte weiter nach Jirvila, um Hilfe zu organisieren."

Während Hjolgars Bericht nimmt Tinulin dessen Schwert in Augenschein und erkennt an den Verzierungen, dass es von kleinzwergischer Machart ist. Schliesslich fragt er Hjolgar, ob er sich die Waffe genauer ansehen dürfe und bietet ihm sogar an, solange seine eigene Klinge Luinmacil zu halten.
[Tinulin will sich Hjolgars Schwert genauer ansehen, "weil manche Waffen ja etwas zu erzählen haben." Spieler von Bóin II.: "Ja, es heisst ja auch die Waffe." Spieler von Tinulin mit hoher Frauenstimme: "'Nein, ich darf nichts sagen. Aber wenn Du's niemandem weitersagst, dann erzähl ich Dir was.' Und dann geht's los."]
Hjolgar scheint an Tinulins Schwert nicht interessiert zu sein, reicht dem Noldo aber freizügig seine eigene Klinge und sagt dazu, er habe sie von Harkes Volk als Geschenk erhalten. Die kleinen Zwerge seien von Zeit zu Zeit nach Naeseknus gekommen, um Handel zu treiben. Bisweilen seien Hjolgars Männer ihnen auch eine gutes Stück entgegen gegangen, denn sie würden weit entfernt im Gebirge leben. Bei der Betrachtung des Schwertes fällt Tinulin auf, dass es für einen Zwerg zu gross ist, um es einhändig zu führen, weshalb er es für sehr wahrscheinlich hält, dass die Waffe wirklich speziell für einen Menschen hergestellt wurde. Nachdem er mit grossem Interesse bemerkt hat, dass mehrere flache, schwarz schimmernde Steine in die Klinge eingearbeitet wurden, schweifen seine Gedanken unweigerlich zu den bedrohlichen Augen und den totengleichen Wesen ab, von denen Hjolgar berichtet hat. Bóin II. ist dagegen bei der Erwähnung von "Harkes Volk" und den "kleinen Zwergen" hellhörig geworden und raunt Khufur zu, dass sie nun endlich einen Hinweis auf Hargrimms Sippe gefunden haben. Der Zwerg möchte denn auch so schnell wie möglich nach Naeseknus aufbrechen, ungeachtet des Abkommens zwischen Thorol und Arrohir. Calendin fragt Tinulin, ob es nicht sein könne, dass König Arvedui auf dem Weg zu den Kleinzwergen war, sich vielleicht daran erinnernd, dass die Kleinzwerge von Cameth Brin einst die Dunedain unterstützt hatten. Bevor Tinulin darauf antworten kann, möchte Hjolgar wissen, wo die fremdländischen Gefährten eigentlich herkommen. Tinulin stellt sich und seine Begleiter vor und erwähnt zum Schluss, dass er keineswegs ein Eisenmensch sei, sondern ein Elb. Das scheint dem misstrauisch dreinblickenden Hjolgar zwar nichts zu sagen, aber glücklicherweise müssen die Gefährten dieses sensible Thema zumindest im Moment nicht weiter vertiefen, da er in diesem Moment von einem seiner Männer weggerufen wird. Wenig später besprechen die Gefährten zusammen mit Pekka und Thorol das weitere Vorgehen, wobei es in erster Linie darum geht, ob sie weiter nach Jirvila oder nach Naeseknus gehen sollen. Die beiden Nordmänner sind der Meinung, dass sie so schnell wie möglich Jelf Kjornir hinterher nach Jirvila fahren müssen, zumal für Pekka feststeht, dass Kjornirs "Hilfe organisieren" mit der Anwendung von Waffengewalt verbunden ist. Als sie über die Reiseroute des Jelfs nachdenken, sagt Thorol, dass Kjornir, selbst wenn er einen direkten Kurs übers Meer genommen haben sollte, sicher Halt in Nunavuk, einer Siedlung des Volkes der Fiskedal, machen werde. Zu Nunavuk, resp. zum dortigen Anführer Ahto, habe Jelf Kjornir Gerüchten zufolge nämlich eine ganz besondere Verbindung:

"Es heisst, Kjornir habe vor langer Zeit ein Auge auf ein ausgenommen hübsches Mädchen der Fiskedal namens Lirila geworfen, doch sei sie bereits mit Jooni, dem Sohn des damaligen Fiskedal-Anführers Onni verlobt gewesen. Onnis Bruder war Ahto, von dem gesagt wird, er habe mit Kjornir einen Pakt geschlossen, bei dem es unter anderem um das Ableben Onnis und die Machtübergabe an Ahto gegangen sein soll, zumindest bis der junge Jooni bei Kjornir und den Havfrudal gelernt hätte, was es braucht, um ein richtiger Anführer zu sein. Kjornir soll Jooni und seine Verlobte zu sich aufs Schiff genommen und den Jungen eines Nachts über Bord geworfen haben. Lirila soll er gesagt haben, die Havfru, die Meerfrau, hätte Gefallen an Jooni gefunden und ihn zu sich geholt. Später hat er Lirila zu seiner Frau gemacht und sie gewann mit der Zeit an Ansehen unter den Havfrudal von Jökalinda. Eines Tages ist sie jedoch verschwunden und es heisst, es soll für Kjornir gewesen sein, als habe man ihm das Augenlicht genommen, jedenfalls war er danach nie mehr so wie zuvor."

Nach genauer Beleuchtung der verschiedenen Möglichkeiten hält schliesslich auch Arrohir dafür, zuerst nach Jirvila zu gehen, nicht zuletzt wegen seines Pakts mit Thorol. Bóin II. ist zwar nach wie vor der Ansicht, das Ziel ihrer Reise liege im Norden bei den Kleinzwergen, denen sie noch immer Hargrimms Nachlass überbringen müssen, am Ende stimmt die Mehrheit aber dennoch für die Weiterfahrt am nächsten Morgen nach Jirvila. Als die Gefährten am Abend ganz unter sich sind, greift Calendin das Thema nochmals auf und sagt, er wisse nicht, was sie in Jirvila zu suchen hätten. Sie seien nicht die Eisenmenschen aus der Prophezeihung und Thorol sei anscheinend drauf und dran, mit seinen 34 Männern gegen Kjornirs rund 80 Mann starke Truppe anzutreten. Die Bedenken des Waldelben bewegen Arrohir und gemeinsam mit Calendin geht er nochmals zu Thorol, um die Angelegenheit ein weiteres Mal zu erörtern. Dabei warnt er den Seefahrer davor, dass die Gefährten vielleicht gar keine Eisenmenschen seien und sich die Prophezeihung daher vielleicht gar nicht erfülle. Noch lange diskutieren sie über die verschiedenen Möglichkeiten, am Ende bleibt es aber beim beschlossenen Gang nach Jirvila.

In der Nacht zum 25. Juli 2784 3Z zieht ein Sturm auf, doch hält dies Thorol nicht davon ab, trotzdem in aller Frühe wieder in See zu stechen und zumindest ein Stück der Küste entlang weiter zu segeln. Aufgrund des rauen Seegangs hat Khufur seinen Noteimer schon bald gut gefüllt und selbst Thorol wird es zu gefährlich, weshalb er zur Mittagszeit eine kleine Bucht mit einem Kiesstrand anläuft. Nachdem er das Schiff sicher ans Ufer gebracht hat, errichten seine Männer gut 50 Meter vom Strand entfernt ein kleines Lager.
Als die Sonne nur noch knapp über dem westlichen Horizont steht, kommen plötzlich unzählige Krabben mit riesigen, bleichen Panzern und langen, eisigen Beinen aus dem Meer gekrochen. Sofort schlagen Tinulin und Thorols Wachen, die beim Schiff Ausschau gehalten haben, Alarm, aber das hindert die hohläugigen Wesen nicht daran, über das Schiff herzufallen und den Strand mit ihren Leibern zu überspülen. Während Tinulin zum Lager läuft, kommt ihm bereits Thorol mit seinen aufgeschreckten Männern und Pekka entgegen, denen er zuruft, sie sollen das Schiff beschützen. Unterdessen wecken Calendin und Bóin II. die schlafenden Khufur und Arrohir sowie Maira und bereiten sich darauf vor, das Lager gemeinsam mit Tinulin und vier zurückgebliebenen Matrosen gegen die drohende Invasion zu verteidigen. Während Calendin die Krabben, deren Panzer teilweise zerfressene Löcher aufweisen, mit seinem Bogen unter Beschuss nimmt, sammeln sich die anderen rund um die Kiste, in welcher sie die Erlasse König Arveduis vermuten. Rasch werden die Gefährten von 20 bis 30 der untot amutenden Tiere umstellt und der Kampf beginnt. Die Matrosen Erik, Hauri, Knut und Tarik schlagen sich zunächst wacker, doch die Riesenkrabben erweisen sich nicht nur als äusserst zäh, sondern auch als besonders gefährlich. Als sich einer Krabbe nämlich die Möglich bietet, kneift sie Knut mit ihrer eisüberzogenen Schere ins Gesicht, worauf der Helutavi mit schwersten Erfrierungen an der Nase in ein Kälteschockkoma fällt. Es zeigt sich, dass die Waffen der Gefährten, abgesehen von Arrohirs Schwert Farongyrth, gegen diese Wesen deutlich weniger wirksam sind, als dies bei anderen Gegnern üblicherweise der Fall ist. Die Elben und Bóin II. können dennoch als erste einige der Krabben ausschalten, bevor auch Arrohir endlich einen der vielen Gegner eliminieren kann. Der mit seiner Axt aus vermeintlichem, resp. gefühltem, Schwarzmetall beidhändig kämpfende Khufur hat besonders viel Mühe mit den vielen nach ihm schnappenden Scheren und kommt vor lauter Paraden kaum dazu, selbst auch mal einen Streich gegen diese Wesen zu führen. Während sich Maira um eine schlimme Blutung Eriks kümmert, gelingt es den Gefährten, die Krabben allmählich zu dezimieren. Erst sehr spät bemerkt die Heilerin den zwischen den Verteidigern bewusstlos am Boden liegenden Knut und zieht ihn rasch ein Stück näher zu sich in den beschützten Kreis um Arveduis Kiste. Vorsichtig weckt sie ihn auf und behandelt seine schwere Verletzung. Als die Gefährten schliesslich das Lager von allen Gegnern gesäubert haben, ziehen sich die restlichen beim Schiff verbliebenen Krabben ins Meer zurück. Sie haben dem Schiff sowie Thorols Mannschaft ordentlich zugesetzt und der Seefahrer hat drei tote, vier ernsthaft verletzte und zahlreiche angeschlagene Matrosen zu beklagen. Nachdem Arrohir zwei der Toten aus dem Wasser geborgen und zum dritten am Strand Verstorbenen gebracht hat, helfen Khufur und er den Verwundeten ins Lager. Sobald die Schwerverletzten und auch der verwundete Pekka von Maira versorgt werden, macht sich Thorol mit den einsatzfähigen Männern an die notwendigen Schiffsreparaturen. Nachdem sich das Chaos allmählich gelegt hat, äussert Calendin Tinulin gegenüber die Vermutung, dieser Juha aus Jirvila könnte vielleicht etwas mit den Angriffen der Riesenkrabben zu tun haben. Tinulin ist sich diesbezüglich nicht sicher, merkt aber an, dass zumindest Pekka ziemlich rachsüchtig erscheine. Während der Noldo die Gegend beobachtet, fällt ihm mit einem Mal in gut einem Kilometer Entfernung vom Lager ein Hügel auf, dessen kahle Spitze sie zu beobachten scheint. Calendin ist ebenfalls der Meinung, dass sich dort ein Beobachter aufgehalten haben könnte, während Bóin II. eher der Ansicht ist, sie selbst könnten auf dem Hügel ihr Lager errichten. Tinulin möchte dagegen lieber so schnell wie möglich weitersegeln. Von Thorol erfährt er allerdings, dass die zum Glück nur leichten Reparaturen noch ein paar Stunden in Anspruch nehmen werden. Für viel massgeblicher hält der Seefahrer allerdings, dass der Sturm, der sie erst in diese Bucht gezwungen hatte, nachlassen muss, bevor an eine Weiterfahrt gedacht werden kann.

// Metageblubber:

Ich weiss gar nicht, wie oft die Würfel in dieser Session explodiert sind, sprich ein Wurfergebnis von 96 und höher angezeigt haben, aber die Spieler waren jedenfalls nahe an der Verzweiflung... und so soll's ja sein. Trotz allem waren die kritischen Treffer, mit einer Ausnahme, meist moderat, so dass sich die ganze Sache am Ende einigermassen ausgeglichen endete.

Zu den Riesenkrabben:
Bei der Beschreibung der vereisten Riesenkrabben und angefressenen Eisbären hatte der Spieler von Bóin II. sofort Assoziationen zu den Whitewalkern von "Game of Thrones", was im Grunde natürlich stimmt und ein Stück weit auch meine Inspiration gewesen ist. Als ich dann auch noch die schwarzen Einlegesteine in Hjolgars kleinzwergischem Schwert erwähnte, fiel sogleich das Stichwort "Dragonglass". Hier ist es allerdings insofern anders, als nicht die ganze Klinge aus dem schwarzen Gestein hergestellt, sondern lediglich in das Metall der Klinge eingebettet ist. Ob es sich dabei wirklich um etwas wie das "Dragonglass" aus "Game of Thrones" handelt oder um noch etwas anderes, können die Gefährten ja vielleicht bald schon herausfinden.

Echt jetzt? Die Sessionberichte liegen fast drei Monate brach und kein einziger Kommentar? Meine Spieler vermuten, dass Ihr alle irgendwie gestorben seid. Zeigt Ihnen, dass dem nicht so ist :), zumal Arrohir demnächst wahrscheinlich eine ganze Menge Mitleid gebrauchen könnte... :)

Offline Chaos

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #117 am: 6.04.2018 | 22:39 »
*schwerfällig aus der Gruft steig*

Sie sind wieder da! Juchuuuu!!!
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Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #118 am: 17.04.2018 | 19:21 »
Oh ja, lieber Chaos, wir sind wieder da.

Und dieses Mal ist's so richtig in die Vollen gegangen... aber lest selbst :)


Session 53: Teil 1
25.7.-31.7.2784 3Z
Bucht südöstlich von Naeseknus - Jirvila

Der Anblick des rund einen Kilometer vom Lager entfernten, kahlen Hügels läst Tinulin nicht los, und so begibt er sich noch am selben Abend mit Calendin und Bóin II. auf einen Erkundungsgang. Während die drei Gefährten vorsichtig zum Hügel schleichen, stapeln Thorol und seine Männer am Strand ein grosse Menge Holz aufeinander, um ihre im Kampf gefallenen Kameraden in einer Feuerbestattung zur letzten Ruhe zu geleiten. Arrohir schliesst sich dieser würdevollen Zeremonie an, während Khufur bei Maira bleibt, welche von den zahlreichen Heileinsätzen ziemlich geschafft ist. Oben auf dem kahlen Hügel angekommen, entdeckt Calendin die Prankenabdrücke zweier riesiger Bären. Der Waldelb ist sich sicher, dass diese Spuren ganz frisch sind, sonst hätte sie der regnerische Sturm schon längst fortgewaschen. Bis auf das gut einsehbare Lager und das Feuer am Strand können die Freunde aber keinerlei Anzeichen von Leben in der Umgebung ausmachen. Als sie bald darauf zurück im Lager Thorol Bericht erstatten und ihm die Grösse der Prankenabdrücke beschreiben, sagt der Helutavi, dass er noch nie derart grosse Bären gesehen habe. Diese Tiere gebe es hier allerdings in verschiedenen Grössen und Fellfarben, von braun über grau bis zu weiss. Zur Sicherheit stellen sie mehrere Wachen auf, bleiben aber bis zum nächsten Morgen unbehelligt.

Als der Morgen des 26. Juli 2784 3Z dämmert, hat sich der Sturm gelegt und Thorols Schiff verlässt die geschützte Bucht wieder. Da der Seefahrer einen Kurs ausserhalb der Sichtweite der Küste für zu gefährlich hält, zumal angesichts der Angriffe der Riesenkrabben, hält er mit seinem Schiff auf den Fjord von Naeseknus zu. Er beabsichtigt, die dem Fjord vorgelagerte, breite Bucht an einer Stelle zu überqueren, an welcher sie dank einer Landzunge schon nach rund 16 Kilometern, und nicht erst nach etwas mehr als 30 Kilometern, die Möglichkeit haben, notfalls an Land zu gehen. Kaum haben sie das offene Wasser der Bucht am Eingang zum Fjord von Naeseknus erreicht, entdecken Tinulin und Calendin auf der Steuerbordseite die hoch aufragenden, und in einem Fall völlig zerfetzten, Finnen zweier Schwertwale. Sogleich machen sich Thorol und seine Männer kampfbereit und auch Tinulin und Calendin nehmen im Bug stehend ihre Bögen zur Hand. Während der Noldo beruhigende Worte auf elbisch spricht, tauchen die Wale unter, worauf sich Bóin II. und Khufur mit einem Seil am Mast festknoten, beide auf das Schlimmste gefasst. Wenige Augenblicke später wird das Schiff von zwei heftigen, kurz aufeinander folgenden Rammstössen erschüttert und allen ist klar, dass die Wale das Schiff von unten her angegriffen haben. Wie wenn sich das Schicksal gegen das Schiff und seine Besatzung verschworen hätte, bricht plötzlich auch noch der Wind zusammen, worauf das Segel bloss noch schlaff herunterhängt. Sofort beordert Thorol seine Männer an die Ruder, um überhaupt eine Chance zu erhalten, diesen monströsen Gegnern zu entkommen. Wenige Augenblicke später tauchen die beiden Wale ungefähr 15 Meter links vom Schiff wieder auf und schiessen einen Blas aus Eiskristallen in die hierfür eigentlich viel zu warme Luft. Tinulin erkennt zudem, dass das Schwert des einen Wals wie von einer Eisschicht überzogen scheint. Nochmals wiederholt er seine beruhigenden Worte in Elbisch, bevor er mit dem Ausruf "Ulmo" einen Pfeil von der Sehne lassen will, in der Hoffnung, die Nennung des Herrn allen Wassers möge diese untoten Wesen aus seinem Element vertreiben. Glücklicherweise realisiert er dabei gerade noch rechtzeitig, dass er seinen Pfeil gar nicht richtig auf der Sehne eingenockt hatte. So kann er zwar nicht schiessen, verhindert aber immerhin einen folgenschweren Leerschuss seines Bogens.
[Technisch gesprochen: Der Spieler von Tinulin ist erschüttert darüber, dass sich untote Wesen überhaupt ins Wasser wagen, da diese eigentlich den Vala Ulmo, den Herrn aller Gewässer, fürchten. In der Hoffnung auf ein möglichst gutes Ergebnis, würfelt er daher mit dem Ausruf "Ulmo" und macht mit einer UM 02 einen Waffenpatzer. Dieser besagt, dass er den Pfeil nicht richtig eingenockt hat und daher in dieser Runde nicht schiessen kann.]
Der im Heck bei Maira stehende Arrohir schnappt sich derweil seinen Langbogen und feuert damit einen Pfeil auf den grösseren Wal mit der zerfetzten Finne ab, ohne ihn allerdings merklich zu verletzen.
[Der Spieler von Arrohir ist gerade dabei, ein Grundstück in den Bergen zu erwerben und hatte vor der langen Neuseeland-Spielpause die Idee, man könne dann dort spielen, während die Frauen von Bóins II. Spieler und des Spielleiters "in die Brombeeren" gehen, um uns danach mit dem leckeren Sammelgut zu beglücken. Nachdem dies den Damen zugetragen wurde - was Arrohirs Spieler natürlich skandalös fand -, brachte die Partnerin des Spielleiters den Spielern von Arrohir und Bóin II. je zwei pink-violett farbene W10 aus Neuseeland mit, deren Anblick wohl problemlos Augenkrebs verursachen könnten... dies mit dem Kommentar, sie sei "in den Brombeeren" gewesen. Prompt nimmt Arrohirs Spieler, der bei einer anderen Gruppe selbst als Spielleiter wirkt und die Brombeer-Würfel (kurz "die Brombeeren") dort mit grossem Erfolg eingesetzt hatte, diese Würfel zur Hand, um damit den untoten Frevel-Walen den Garaus zu machen. In Erinnerung an ihren gloriosen Einsatz bei der anderen Rollenspielgruppe kündigt er grossmundig einen Spitzenwurf an, setzt den pinkigeren Würfel als 10er-Stelle ein ("die Himbeere ist vorne") und liefert schliesslich doch nur eine simple 11 ab.]
Auch Calendins mit der Anrufung einer, vermutlich unbekannten, Göttin gleichzeitig abgeschossener Pfeil kann dem grösseren Wal nichts anhaben.
[Der Spieler von Calendin macht es Arrohirs Spieler gleich und setzt ebenfalls auf seine Brombeeren. Für ihn kommt als Ausruf beim Würfeln nur ein Name in Frage: 'Vanessa'. Der Angriffswurf wird eine dürftige 21 und der nachfolgende kritische Treffer eine schäbige 7.]
Kurz bevor die Wale wieder abtauchen, hat Tinulin seinen Pfeil endlich richtig eingenockt und schickt ihn dem grösseren Untier mit dem Ausruf "Osse" hinterher, ohne jedoch damit einen wirklich feststellbaren Schaden anzurichten.
[Tinulins Spieler gibt den Brombeeren noch eine Chance, aber die Ergebnisse sind mit 67 für den Angriffswurf und 74 für den kritischen Treffer gegen ein gewaltiges Wesen immer noch nicht das Gelbe vom Ei. Die Anrufung des Maias Osse, des Gefolgsmannes von Ulmo, der über die Küsten Mittelerdes wacht, hat also ebenfalls nicht viel gebracht.]
Noch immer rudern Thorols Männer nach Leibeskräften, als das Schiff kurze Zeit später von zwei erneuten, aus der Tiefe kommenden Rammstössen erschüttert wird. Die Wucht des zweiten Aufpralls ist so gewaltig, dass danach direkt neben dem Mast ein grosses Leck im Rumpf klafft, durch welches sogleich eisiges Meerwasser in rauen Mengen schiesst. Bóin II. und Khufur reagieren am schnellsten und schlagen mit ihren Äxten durch das Leck auf den grösseren Wal. Die zwergischen Axtblätter dringen tief in seinen Rücken ein und bringen dem Wal ernstzunehmende Wunden bei.
[Technisch gesprochen: Ich habe dem Schiff eine Rüstungsklasse, Defensivbonus sowie eine bestimmte Trefferzahl zugewiesen, die es aushält, bevor der Rumpf auseinanderbricht. Dank guter Angriffswürfe verursachen die Wale zweimal Maximalschaden, wobei der zusätzliche kritische Treffer des grösseren Wals dermassen hoch ist (etwas über einer UM 90), dass ich das im Sinne eines ernstzunehmenden Schadens an der Schiffshülle interpretiert habe, ähnlich einer grossen Blutung. Khufur greift mit seiner Streitaxt aus Edelstahl, was er jedoch für Schwarzmetall hält, an und erzielt einen Maximaltreffer. Der kritische Treffer wird als nach oben offener Wurf auf der Tabelle für gewaltige Wesen gewürfelt und liefert dank einem ersten Wurf über 96 ein Endergebnis von 154. Der in der Spalte für "normale" Waffen beschriebene Schaden ist zwar ernst, aber noch lange nicht tödlich. Bóin II. würfelt nach einem guten Angriff mit seiner Mithrilaxt beim kritischen Treffer eine gefürchtete UM 66, was gemäss der entsprechenden Spalte ebenfalls einen ordentlichen Schaden verursacht. Da sich die Angreifer jedoch zumindest in gewisser Hinsicht wie Untote verhalten, sind die Auswirkungen der Treffer insgesamt aber dennoch eher bescheiden.]
Umgehend stellt Thorol zwölf seiner Männer zum Schöpfen und Reparieren des Lecks ab, und auch der schon bald mit seiner Metallrüstung knietief im eisigen Salzwasser stehende Khufur beteiligt sich nach Kräften an den Schöpfarbeiten. Tinulin zieht derweil den Helm seines Ahnen Turulin an, dessen eingravierter Stern aus Ithildin zu leuchten beginnt. Eine gute halbe Minute später tauchen die Wale in rund 25 Metern Entfernung erneut auf, diesmal wieder auf der Steuerbordseite. Wieder feuern die Elben und Arrohir auf den grösseren Wal, der sich von ihren Pfeilen jedoch weiterhin unbeeindruckt zeigt und im nächsten Moment wieder unter der Wasseroberfläche verschwindet. In Vorbereitung auf einen erneuten Zusammenstoss suchen alle Besatzungsmitglieder nach einem sicheren Halt. Dennoch ist die kurz darauf folgende Erschütterung im Steuerbordbugbereich des Schiffs so gross, dass nicht nur die im Heck stehende Maira von den Beinen gerissen, sondern auch ein Ruderer namens Kaari auf der rechten Seite über das in die Höhe schnellende Dollbord ins Eiswasser geschleudert wird. Als der Mann kurz darauf wieder auftaucht, befindet er sich aufgrund der Geschwindigkeit des Schiffs bereits in der Nähe des Hecks, wo es ihm mit einiger Mühe gelingt, sich am Ruder eines Kameraden festzuhalten. Während die Ruderer hektisch damit beschäftigt sind, Kaari näher an Bord zu ziehen, erkennen die Elben und Arrohir den monströsen, schwarz-weiss gemusterten Leib des grösseren Wals, der aus der Tiefe heranschiesst, sein Maul dabei immer weiter öffnend. In einem verzweifelten Rettungsversuch feuern die drei Gefährten je noch einen Pfeil ins Wasser, in der Hoffnung, sie könnten den Wal damit noch rechtzeitig stoppen, bevor er Kaari erreicht. Dem Wal können aber auch diese Geschosse nichts anhaben und so durchbricht er schon im nächsten Augenblick die Wasseroberfläche, wobei er den panischen Kaari am Kopf erwischt und ihn mit sich in die Höhe reisst. Als sich die mit langen spitzen Zähnen bewehrten Kiefer um seinen Kopf schliessen, vernehmen alle an Bord das schreckliche Knacken, als Kaaris Schädel zermalmt wird. Noch ein letztes Mal schiessen die Elben und Arrohir auf das Untier, welches Tinulin für einen kurzen aber intensiven Moment aus seinen schwarzen Augenhöhlen heraus anfunkelt, bevor es mit Kaari im Maul, und ohne merklich Schaden genommen zu haben, wieder in der Tiefe versinkt. Was allen an Bord wie eine unerträglich in die Länge gezogene Zeitlupe erschienen ist, hat in Wirklichkeit nur wenige Sekunden gedauert, und erst jetzt merken Maira und Arrohir, dass sie beim Anblick von Kaaris zwischen den Walzähnen zerplatzendem Kopf vor Entsetzen aufgeschrien haben.
[Technisch gesprochen: Die Wale machen einen Rammen-Angriff gegen das Schiff und verursachen dabei grossen Schaden. Zur Simulation der Erschütterung müssen die Gefährten und Besatzungsmitglieder ein Akrobatikmanöver schaffen, ansonsten verlieren sie das Gleichgewicht und stürzen. Maira gelingt das Maöver nicht, während der Matrose Kaari gar deutlich patzt und in der Folge über Bord geht. Die in der Folge auf den nahenden Wal abgefeuerten Pfeile können diesen nicht von einem Bissangriff auf Kaari abhalten. Der Angriffswurf ist gut genug, um einen mit einer UM 98 folgenschweren kritischen Treffer B zu bewirken: Der tödliche Treffer bricht den Schädelknochen, was ich dahingehend interpretiert habe, dass der Matrose am Kopf aus dem Wasser in die Höhe gerissen wird und die sich schliessenden Zähne seinen Schädel knacken.]
Nachdem alle an Bord ob des schrecklichen Geschehens für einige Sekunden in eine Schockstarre verfallen sind, ruft Thorol sein Mannschaft mit einem scharfen Kommando wieder zur Arbeit. Sogleich legen die sich die Ruderer wieder mit aller Kraft in die Riemen, während die übrigen zusammen mit Khufur den sich weiter mit eiskaltem Wasser füllenden Rumpf ausschöpfen oder versuchen, das massive Leck abzudichten. Bóin II. fasst sich ein Herz und nimmt den freien Platz eines Ruderers ein, während sein Salzwasser schöpfender Schüler Khufur das für seine und Bóins II. Ausrüstung harte Schicksal verflucht. Zur allgemeinen Erleichterung behelligen die beiden Wale das Schiff nicht länger, und so erreichen die Schiffsinsassen schliesslich erschöpft die tief in die Bucht ragende Landzunge, bei welcher Thorol das Schiff auf einen Kiesstrand setzt. Mit vereinten Kräften ziehen sie das Schiff so weit an Land, dass sie die Reparatur des leckgeschlagenen Rumpfes auf dem Trockenen fortführen können. Nachdem Arrohir eine Schweigeminute für Kaari abgehalten hat, pflegt er sein Schwert mit einem ölhaltigen Lappen, während auch Khufur seine und Bóins II. metallene Ausrüstung notdürftig einölt.

Weiter geht's bei Teil 2

Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #119 am: 17.04.2018 | 19:22 »
Session 53: Teil 2

Am späten Nachmittag haben Thorols Männer die Reparatur des Lecks abgeschlossen und der Seefahrer drängt darauf, weiterzusegeln. Bis zum Abend gelingt es ihnen, die weite Bucht vor dem Fjord von Naeseknus ohne weitere Zwischenfälle zu überqueren, und sie gehen zeitig an Land, um ein gutes Nachtlager einzurichten. Khufur begibt sich zu einem nahegelegenen kleinen Wasserlauf, wo er als erstes die zwergischen Rüstungen und Waffen nochmals gründlich vom Salzbelag befreit und anschliessend sorgfältig ölt. Anschliessend wäscht er seine mit Salzwasser vollgelaufenen Stiefel sowie den Rest seiner Ausrüstung, bevor er sich schliesslich auch selbst noch kurz mit dem kühlen Süsswasser reinigt. Unterdessen entfachen Thorol und seine Männer zusammen mit Arrohir ein grosses Feuer am Strand, um damit Kaari zu gedenken. Später am Abend begibt sich der junge Dunadan mit Calendin als Übersetzer zu Thorol, um mit ihm über das weitere Vorgehen bei ihrem baldigen Eintreffen in Jirvila und das damit wohl ebenfalls verbundene Zusammentreffen mit Jelf Kjornir zu sprechen. Da er einer bewaffneten Auseinandersetzung mit dem Jelf kritisch gegenüber steht, möchte Arrohir dem Seefahrer einen Ersatzplan für den Fall schmackhaft machen, dass Kjornir seinen Führungsanspruch nicht freiwillig an Thorol abtreten sollte. Er sagt ihm daher, er könne ihm und seinen Männern vielleicht einen Siedlungsplatz weit weg von der Bucht im Süden vermitteln, wobei er offenbar an Rohan oder gar Gondor denkt. Sollte die Situation indessen allzu verzweifelt werden, bietet er Thorol zudem an, dass er ihn Jelf Kjornir als seinen Gefangenen, statt als seinen Handelspartner, präsentieren könne. Thorol erinnert Arrohir nochmals daran, dass er ihm versprochen habe, ihn bei der Machtergreifung voll und ganz zu unterstützen und sagt, es könnte für Arrohir sehr gefährlich werden, wenn er als Gefangener präsentiert würde, da ihn der Jelf diesfalls sehr wahrscheinlich für sich selbst haben und für seine eigenen Interessen einsetzen wolle.

Am Morgen des 27. Juli 2784 3Z segeln Thorol und die Gefährten weiter und gelangen nach einiger Zeit zur Mündung einer weiteren Bucht, die über 30 Kilometer breit ist und sich über viele Kilometer bis zum nördlichsten Punkt der gesamten Eisbucht von Forochel erstreckt. Als Thorol Arrohir danach befragt, ob sie eine direkte Überquerung der Bucht wagen n oder lieber ihrer Küste entlang ein Stück nach Norden folgen sollen, sagt Arrohir, es sei ja allein schon gut zu wissen, dass sie offenbar auf dem richtigen Weg seien, jetzt da ihnen "das Untote" folge. Calendin übersetzt hingegen einfach, dass sie der Küste folgen sollen. Als mehrere Stunden später der nördlichste Zipfel der Bucht in Sicht kommt, erkennen die Gefährten einen direkt ins Meer mündenden Geltscher, der von einer langgestreckten, schneebedeckten Gebirgskette im Hinterland herunterkommt. Viele kleinere und grössere Eisschollen treiben hier im Wasser und ein ständiges Knirschen von Eis liegt in der Luft. Bei diesem Anblick glaubt Tinulin, auf Pekkas Gesicht für einen kurzen Augenblick Anzeichen der Freude zu erkennen. Auf der Weiterfahrt der Küste entlang wird Arrohir und Maira übel, wobei sich die Heilerin schliesslich nicht mehr anders zu helfen weiss, als sich in Khufurs Noteimer zu übergeben, worauf sich der Zwerg fürsorglich um sie kümmert.

Die ganze Nacht hindurch segeln Thorol und die Gefährten weiter, bis sie am Morgen des 28. Juli 2784 3Z die kleine Bucht der Heloth-, resp. Leikkitiri-, Fiskedal- oder Fischmenschen-Siedlung Nunavuk erreichen. Mehrere Männer kommen aus den sehr einfachen Behausungen an den Strand und nachdem Thorol das Schiff auf den sandigen Strand gesetzt hat, tritt ihm Ahto, der Anführer von Nunavuk, ein Stück entgegen. Thorol begrüsst ihn und erfährt, dass Jelf Kjornir erst gestern von hier fortgesegelt sei, nachdem er sein schwer angeschlagenes Schiff während mehrerer Tage habe reparieren müssen. Beim Aufbruch in Richtung Jirvila habe seine Mannschaft noch 50 bis 60 Mann umfasst, nachdem er bei einem Sturm oder Angriff sehr aggressiver Meerestiere zahlreiche Matrosen auf offener See verloren habe. Arrohir schlägt Thorol vor, erst am kommenden Tag weiterzusegeln, damit sich Maira und die Zwerge zumindest ein bisschen von den Strapazen der Seereise erholen können. Der Seefahrer ist damit einverstanden und begibt sich mit seiner Mannschaft in die kleine Siedlung, wo er sich sehr zu Arrohirs Missfallen an allen Dingen der Fischmenschen, welche er benötigt, bedient, ohne sie zu fragen oder ihnen etwas im Austausch dafür zu geben. Von Arrohir auf dieses in seinen Augen nicht zu einem gerechten Anführer passende Verhalten angesprochen, erwidert Thorol trocken, noch sei er nicht der neue Jelf der Havfrudal, aber er bereite sich innerlich auf den dafür vermutlich notwendigen Kampf vor. Pekka kommentiert derweil Thorols Vorgehen mit unverhohlener Verachtung in der Stimme und sagt, dies sei ein typisches Beispiel für das unmögliche Verhalten der Helutavi, weshalb es höchste Zeit sei, dass die Lindwürmer kommen und die Labban die Führung übernehmen. Arrohir entgegnet dem Schneemenschen, dass die Lösung des Konflikts vielleicht auch darin liegen könnte, gar keinen Anführer mehr zu etablieren. Nach der langen Seereise ist Bóin II. das ganze Geschwätz zu viel und er besorgt sich bei den Fischmenschen einen grossen Krug vergorener Robbenmilch, um damit seinen Alkoholpegel endlich mal wieder etwas anheben zu können. Wie alle Nordmenschen scheint auch Ahto in Arrohir einen Eisenmenschen zu sehen, weshalb er grosses Interesse an dem jungen Dunadan zeigt. Im Gespräch verrät er Arrohir, dass Kjornir von Wesen aus Eis gesprochen habe, die im Wasser und an Land ihr Unwesen treiben würden. Diesen Kreaturen sei der Jelf auch auf dem offenen Meer begegnet und sie hätten viele seiner Männer zu sich in die Tiefe geholt, wenn er Kjornir richtig verstanden habe.

Den ganzen nächsten Tag und auch die folgende Nacht segeln die Gefährten weiter der Küste der Eisbucht von Forochel entlang, bis sie am Morgen des 30. Juli 2784 3Z schliesslich in die Nähe der Bucht gelangen, welche üblicherweise von den Schiffmenschen angelaufen wird, die zur Schneemenschen-Siedlung Jirvila unterwegs sind. Thorol fragt Arrohir, wo sie hier an Land gehen sollen, worauf ihm der junge Dunadan antwortet, er sei für ein Spiel mit offenen Karten, weshalb Thorol ruhig die Bucht ansteuern solle. Während Thorol sich um die Navigation kümmert, zeichnet Pekka für die Gefährten eine grobe Skizze der Ortschaft Jirvila, welche von der Küste aus in einem guten Tagesmarsch zu erreichen ist. Die Lossoth-Siedlung liegt tief in der Mitte eines nach Osten geöfftneten u-förmigen Hügels. Den nördlichen und südlichen Ausläufer des Hügels verbindet ein Graben, an den ein künstlicher Wall mit einem starken Tor anschliesst. Juhas Behausung befindet sich auf einem Felsvorsprung im hinteren Bereich der Siedlung und kann nur über einen steilen und schmalen Zugang erreicht werden. Während Pekka den Gefährten die Skizze erklärt, schlägt er ihnen vor, dass sie sich nur mit ihm und ohne Thorol und dessen Männer zu Juha durchzuschlagen sollten.
Wenig später erblicken sie am Strand der Bucht tatsächlich Jelf Kjornirs mächtiges Langschiff, und Thorol läuft mit seinem eigenen Schiff einen Strandabschnitt ganz in seiner Nähe an. Das Schiff des Jelfs wird von elf seiner Männer bewacht und als Thorol wenig später von Horgo, dem Anführer der Wache, angesprochen wird, sagt er ihm, er müsse dringend zu Kjornir und Juha. Noch schöpft Horgo keinen Verdacht und sagt Thorol, dass der Jelf am Tag zuvor von hier nach Jirvila aufgebrochen sei. Kurz entschlossen will Thorol fünf seiner Männer als Wache beim Schiff zurücklassen und sich zusammen den restlichen 25 Mitgliedern seiner Mannschaft, den Gefährten sowie Pekka auf den Weg machen. Während sich alle für den Aufbruch vorbereiten und Tinulin dem neugierigen Horgo auf dessen Frage nach seiner Herkunft sagt, er stamme aus dem Süden, legt dieser mistrauisch nach und will mit einem vielsagenden Blick auf die elbische Kettenrüstung wissen, ob er vielleicht ein Eisenmensch sei. Tinulin verneint dies zwar, doch Horgo wird zunehmend unruhig, und es ist wohl nur der deutlichen Unterzahl seiner Männer zu verdanken, dass er es schliesslich bei aggressiv formulierten Fragen belässt. Ausgerüstet mit Proviant für fünf Tage, brechen sie wenig später auf, wobei Bóin II. und Khufur ein weiteres Mal die Aufgabe zufällt, Arveduis Kiste zu schleppen. Als die Abenddämmerung einsetzt, kommt der Hügel von Jirvila in Sicht, und die Gefährten beschliessen mit Thorol und Pekka, an einer gut geschützten Stelle ihr Nachtlager aufzuschlagen.

Nach einer kurzen Besprechung sind sich die Gefährten einig, dass die Elben noch in dieser Nacht die Situation rund um Jirvila auskundschaften sollen. Bevor Tinulin und Calendin losgehen, mahnt der Waldelb seine zurückbleibenden Freunde nochmals zu steter Wachsamkeit. Knapp zwei Stunden später können die Elben den Wall beim Eingang zum Tal von Jirvila erkennen. Als sie näher heranschleichen, entdecken sie ein Stück vor dem Wall ein bewachtes Lager aus knapp 20 Zelten. Auch auf dem Wall und über dem massiven, zwei Meter hohen Tor, das in den Wall eingelassen ist, bemerken sie Wachen mit einfachen Speeren, die im regelmässigen Abstand von rund zehn Metern Aufstellung bezogen haben. Kurz besprechen Tinulin und Calendin die Lage und fragen sich dabei ein weiteres Mal, welcher Partei hier eigentlich vertraut werden kann. Schliesslich gehen sie rasch zurück, um Pekka noch vor der Morgendämmerung hierher zu führen. Als sie zu ihrem Lager kommen, machen sich die Elben bei den Wachen bemerkbar und wecken anschliessend Pekka. Sie schlagen dem Schneemenschen vor, noch vor Tagesanbruch zusammen mit ihm nach Jirvila und zu Juha zu gehen, dies allerdings ohne Arrohir. Noch bevor Pekka auf den Vorschlag eingehen kann, kommt Thorol hinzu, worauf ihm die Elben die Situation bei Jirvila beschreiben. Für den Seefahrer ist klar, dass das Lager vor dem Wall von Jelf Kjornirs Männern errichtet wurde. Als sie auf ihre Idee zu sprechen kommen, Pekka am Lager vorbei nach Jirvila zu bringen, ist Thorol grundsätzlich einverstanden, er möchte aber, dass Arrohir auf jeden Fall bei ihm im Lager bleibt. Pekka dagegen sagt, er werde keinesfalls ohne Arrohir nach Jirvila gehen. Thorol ist von dieser Forderung gar nicht begeistert und bringt dies auch nochmals zum Ausdruck, als der inzwischen ebenfalls geweckte Arrohir dazukommt. Schliesslich ist der Seefahrer zwar dennoch einverstanden, er droht Pekka aber unmissverständlich, dass es ihn seinen Kopf kosten werde, falls er ihn betrügen sollte. An den jungen Dunadan gewandt, sagt Thorol, er vertraue in dieser Sache ganz auf den Eisenmenschen Arrohir und das Versprechen, das dieser ihm gegeben habe. Nachdem sich Arrohir von seiner schlaftrunkenen Schwester verabschiedet hat, macht er sich zusammen mit Pekka und den Elben auf den Weg, derweil Bóin II. verspricht, hier die Stellung zu halten und auf Maira aufzupassen.

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Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #120 am: 17.04.2018 | 19:27 »
Session 53: Teil 3

Als die kleine Gemeinschaft rund zwei Stunden später kurz vor der Morgendämmerung des 31. Juli 2784 3Z in die Sichtweite des Walls gekommen ist, kehrt Tinulin alleine zum Lager zurück, während Calendin mit den beiden Menschen zum nördlichen Ende des Walls schleicht. Leise und vorsichtig macht Pekka eine Wache auf dem Wall auf sich aufmerksam und sagt, nachdem er den Mann glaubhaft seiner Herkunft versichert hat, er und seine beiden Begleiter müssten dringend nach Jirvila und mit Juha sprechen, ohne dass die Helutavi im Lager vor dem Wall etwas davon mitbekommen.
[Spieler von Arrohir: "Pekka ist ja dauernd am Nörgeln gegen die Helutavi. Ich stell mir das so ein bisschen wie einen Typen mit Tourette-Syndrom vor... 'Hallo Wache... ARSCHLOCH ARSCHLOCH Helutavi!!... Hallo Wache?!'"]
Wenig später lässt die Wache ein Seil herab, mit dessen Hilfe Pekka den steilen Graswall erklimmt. Als Arrohir ihm folgen will, rutscht er aus und kann froh sein, dass das scheppernde Geräusch beim Aufprall seiner Rüstung und des Schilds niemandem im Lager der Helutavi auffällt. Nachdem er seinen Schild und den Bogen bei Calendin gelassen hat, schafft es schliesslich auch der junge Dunadan auf den Wall. Als der Waldelb gleich darauf mit Arrohirs am Seil festgebundenen Sachen nachkommt, haben sich oben bereits zwei weitere Wachen eingefunden. Von ihnen erfahren sie, dass Jelf Kjornir tags zuvor mit sechs seiner Männer nach Jirvila eingelassen wurde, um mit Juha zu sprechen. Am Abend hätten aber alle Helutavi die Siedlung wieder verlassen. Während einer der Männer Calendin, Arrohir und Pekka zu Juhas Haus bringt, begeben sich die anderen wieder auf ihre Wachposten. Vorbei an einfachen Holzgebäuden werden sie einen schmalen Pfad zu Juhas grosser, auf einem Felsvorsprung im hinteren Teil des Tals erbauten Halle geführt. Dort angekommen, werden sie bald darauf von einem älteren Mann mit weissem Haar und Bart empfangen. Er sagt, er heisse Juha, worauf Pekka ihm seine Begleiter als den von ihm hergeführten Eisenmenschen Arrohir und seinen Freund Calendin vorstellt. Beim Wort "Eisenmensch" hebt sich Juhas rechte Augenbraue kurz, dann bittet er Arrohir und Calendin in verständlichem Westron, an der grossen Tafel in der Mitte des Raumes Platz zu nehmen, während Pekka zusammen mit der Wache nach etwas zu Essen suchen soll. Als Juha mit den beiden Gefährten in dem von einem Feuerchen und mehreren Binsenlichtern erhellten Raum alleine ist, sieht er Arrohir direkt in die Augen, wiederholt das Wort "Eisenmensch" und fragt anschliessend, ob Pekka ihnen von der Prophezeiung erzählt habe. Als sie dies bejahen, sagt der alte Mann, dass Pekka offenbar eine ganz bestimmte Hoffnung hege, doch habe es mit der Prophezeiung eine tiefere Bewandtnis, die heute nur den allerwenigsten Lossoth noch bekannt sein dürfte:

"Ich bin Juha und an der grossen Eisbucht von Forochel ist mein Clan der älteste Clan der Labban oder Lossoth, wie die Eisenmenschen uns einst nannten. Von Pekka habt Ihr sicher gehört, dass ich der Herrscher über die Lindwürmer sei. Und er wird Euch auch von der Prophezeiung berichtet haben, nach welcher eines Tages die grossen Eisenmenschen kommen und die Lindwürmer von ihrem Ruheplatz zurückkehren werden, worauf die Labban mit Hilfe der Eisenmenschen das Joch der Helutavi abwerfen und als neue und rechtmässige Herren der grossen Bucht auftreten. Bei dieser Prophezeiung handelt es sich um die heutige Deutung eines Versprechens, das älter ist als beinahe alles, was wir uns vorstellen können. In den unzähligen Jahren, welche die grosse Bucht schon erlebt hat, haben zwei Perioden von grosser Kälte geherrscht, während derer das Wasser auch im Sommer teilweise zugefroren ist. Bevor es vor rund 30 Jahren zum zweiten Mal deutlich wärmer geworden ist und die Helutavi mit ihren Schiffen die Macht über die Bucht erneut an sich gerissen haben, gab es eine Kälteperiode, die über 150 Jahre angedauert hat. Zu jener Zeit hatten die Helutavi keine Macht und es hiess, der Winterkönig habe sie mit seinem eisigen Atem vertrieben. Doch bereits vor dieser Kaltzeit war es lange wärmer gewesen und schon damals hatten sich die Helutavi über die Jahre von gutgesinnten Händlern zu garstigen Unterdrückern entwickelt, die sich als Herren der Bucht aufspielten. Die Prophezeiung, welche ihr von Pekka kennt, gab es schon zu jener Zeit, doch lauteten ihre Worte damals so:
'Eines Tages werden die grossen Eisenmenschen kommen und den Labban ein Geschenk machen, sobald die Schlangen zu ihnen zurückkehren.' Unter dem grossen Geschenk verstanden die Labban jener Zeit Hilfe gegen die herrschsüchtigen Helutavi.
Aber auch dies waren nicht die ursprünglichen Worte des Versprechens, das schon lange zuvor gegeben worden war. Denn bereits als die Helutavi bald nach Beginn dieser ersten Warmzeit noch als freundliche Händler zu uns gefahren kamen, hatte sich der Wortlaut der Prophzeihung schon gewandelt:
'Eines Tages kommen die Anhänger des Schlangenkönigs und werden die Labban reich beschenken im Austausch für den Schlangenring.'
Ihren Ursprung aber hatten die Worte am Ende des Winters, der nach Eurer Zeitrechnung das Jahr 1975 3Z einläutete, wie meinen Ahnen damals nahe des heutigen Irrpikki vom König der Eisenmenschen Arvedui gesagt wurde. Im Winter war er mit wenigen Männern aus dem Gebirge südlich der grossen Bucht zu uns ans Meer gekommen und sie wären alle verhungert und erfroren, wären meine Ahnen ihnen nicht zu Hilfe gekommen. Arvedui sagte, der Winterkönig, den er den Hexenkönig nannte, sei hinter ihm her, aber es gab nichts, was sie oder er in der eisigen Kälte hätten tun können, als den Frühling abzuwarten. Als sich der Frühling schliesslich näherte, so ist es in meinem Clan immer weitererzählt worden, ist in der Bucht das Segel eines schlanken Schiffs aufgetaucht. Meine Ahnen waren erstaunt und fürchteten sich, denn solange sie zurückdenken konnten, hatten sie noch nie zuvor ein solches Schiff auf dem Meer gesehen. Dennoch taten sie Arvedui, der glaubte, die Seeleute zu kennen, deren Gesichtszüge feiner und schöner waren, als alles was meine Ahnen je gesehen hatten, den Gefallen, und zogen ihn, seine Habe und diejenigen seiner Gefährten, die noch am Leben waren, auf ihren Schlitten übers Eis soweit sie es wagten. Auf diese Weise konnte sie ein vom Schiff geschicktes Boot erreichen und er war den Seeleuten willkommen. Meine Ahnen aber waren unruhig, denn sie witterten Gefahr im Wind und mein Vorfahre sagte zu Arvedui: 'Besteige dieses Seeungeheuer nicht! Wenn sie etwas haben, dann lass die Seeleute uns Lebensmittel und andere Dinge bringen, die wir brauchen, und Du kannst hierbleiben, bis der Winterkönig nach Hause geht. Denn im Sommer schwindet seine Macht; doch jetzt ist sein Atem tödlich, und sein kalter Arm ist lang.'
Arvedui aber schlug die Warnung in den Wind und ging an Bord. Zum Dank für seine Rettung gab Arvedui meinem Ahnen beim Abschied einen Ring, der die Form zweier Schlangen mit Smaragdaugen hat, von denen die eine eine Krone aus goldenen Blüten hochhält, welche von der anderen verschlungen wird, und sagte: 'Dies ist ein Ding von grösserem Wert, als Du Dir vorstellen kannst, allein um seines Alters willen. Barahirs Ring - so nannte er das Schmuckstück - hat keine Macht, abgesehen von der Wertschätzung, die ihm jene zollen, die mein Haus lieben. Er wird Dir nicht helfen, aber wenn Du je in Not bist, wird meine Sippe ihn auslösen gegen grosse Vorräte von allem, was Du begehrst.'
Dennoch war der Rat meiner Ahnen gut gewesen, denn das Schiff hatte noch nicht die offene See der Bucht erreicht, als ein Sturm mit blendendem Schnee von Norden her aufkam und es zurück gegen das Eis drückte, welches sich ringsherum auftürmte. Am nächsten Morgen war das Schiff verschwunden und nie wieder wurde Arvedui gesehen, aber meine Ahnen haben mehrere Holzplanken gefunden und daraus geschlossen, dass das Schiff in der Nacht vom Eis zerdrückt wurde und gesunken ist."


Arrohir und Calendin sind völlig erstaunt, nicht nur so detaillierte Informationen über König Arveduis Verbleib zu erhalten, sondern auch noch zu erfahren, dass Juhas Vorfahren von ihm den Ring Barahirs, ein Erbstück des nördlichen Königshauses, erhalten haben. Auf die Frage Calendins, was Juha benötige, antwortet der alte Mann, dass die grosse Bucht von Forochel und ihre Völker sich vor allem nach einer Sache sehnen würden, nach Frieden. Calendin ist derselben Ansicht, sagt aber, dass der grösste Feind der Lossoth nicht Jelf Kjornir und die Helutavi seien, sondern etwas anderes, Untotes, das aus dem Norden herankomme. Gegen diese Bedrohung seien offenbar vor allem die Waffen der Kleinzwerge sehr effizient, welche in ganz frühen Zeiten gute Kontakte zu Arveduis Volks gepflegt hätten. Juha erwidert allerdings, dieses waffen- und schmiedekundige Volk nicht zu kennen.
Schliesslich ergreift Arrohir das Wort und sagt, er stamme weit aus dem Süden und sei unter anderem im Auftrag des Stellvertreters des südlichen Königreichs der Eisenmenschen hergekommen, um mehr über den Verbleib von König Arvedui zu erfahren und die Erbstücke des nördlichen Königreichs zu bergen. Zudem sei seine Familie seit jeher eng mit dem nördlichen Königreich verbunden gewesen, dessen letzter Herrscher Arvedui gewesen sei, und einer seiner Ahnen habe einst gar Ondril, den Herold König Arveduis, von einem Fluch des Winterkönigs erlöst. Dabei habe sein Ahne Artemain die Rüstung und das Schwert Ondrils erhalten, verbunden mit dem - nach dem Untergang Arthedains jedoch inhaltsleeren und nur noch symbolischen - Amt des Herolds von Arthedain. Bei der Befreiung Ondrils habe Artemain allerdings einen fürchterlichen Fehler begangen, der Ondril noch viele weitere Jahre unsäglicher Qualen beschert habe. Jetzt, viele Jahre später, trage er, Arrohir, wenn auch nur noch für eine bestimmte Zeit, die Rüstung und das Schwert Farongyrth, welche einst dem Herold König Arveduis gehörten, und er und seine Begleiter hätten gerade erst kürzlich den Fehler Artemains berichtigen und Ondril endlich die letzte Ruhe schenken können. Er stehe daher dem untergegangenen nördlichen Königreich und Arvedui vermutlich so nahe, wie kaum ein anderer Mensch dieser Tage.
Nachdem Arrohir geendet hat, steht Juha auf und tritt nahe an den sich ebenfalls erhebenden jungen Dunadan heran, um ihn ganz genau zu betrachten. Nach einer Weile nickt der alte Mann und sagt, Arrohir scheine einen ganz persönlichen und tief verwurzelten Bezug zu Arvedui zu haben, was wichtig sei und ihm gefalle. Er fährt fort:

"Erst habe ich die Bedrohung, von welcher mir Jelf Kjornir gestern berichtete und zu deren Bekämpfung er mir ein Bündnis der Helutavi mit den Labban vorgeschlagen hat, für eine blosse Finte gehalten, um mir und den Labban zu schaden. Aufgrund von Calendins Bestätigung, dass die Bedrohung durch die Eiswesen tatsächlich real ist, wünsche ich mir, ja benötige ich geradezu, die Unterstützung und Hilfe der Eisenmenschen gegen diese eisige Bedrohung aus dem Norden. Ich wünsche mir daher ein Bündnis mit den Eisenmenschen, welches nach aussen hin sichtbar verankert sein soll, nicht, wie der Jelf es wollte, durch seine Heirat mit meiner Tochter Jaala, sondern durch ihre Heirat mit Euch, Arrohir."

Der Schock über Juhas Wunsch steht Arrohir ins Gesicht geschrieben und der junge Mann ist einen Moment lang völlig erstarrt und sprachlos, bevor er wie in Trance zusagt, das Versprechen König Arveduis einzulösen und die Heirat einzugehen. Auch Calendin scheint von Juhas Begehren kalt erwischt worden zu sein und benötigt einen kurzen Moment, bevor er Arrohir mit dem Vorschlag zur Seite springen kann, Juha solle seine Tochter lieber mit dem aufstrebenden Helutavi-Anführer Thorol verheiraten, mit dem sie hergekommen seien. Für Juha kommt ein solche Verbindung angesichts der Möglichkeit einer Heirat Jaalas mit Arrohir, und damit mit den Eisenmenschen, jedoch nicht in Frage. Er sagt zudem, Jelf Kjornir habe die Heirat mit Jaala als ein Zeichen gefordert, damit er auch bei den Labban den nötigen Rückhalt bekomme. Eine Verheiratung Jaalas mit Arrohir würde dagegen das Bündnis der Labban mit den Eisenmenschen auf eine ganze neue Stufe stellen und den Labban eine ungemeine Motivation bringen. Calendin ist sowieso verwundert, weshalb Kjornir nicht direkt zurück nach Jökalinda zu seinen viel besser ausgerüsteten Männern gefahren ist, sondern Juha aufgesucht hat, um Hilfe gegen die eisige Bedrohung zu organisieren. Der alte Mann gibt ihm zur Antwort, die Helutavi besässen zwar viel bessere Waffen und Rüstungen als die Labban, sie seien dafür aber deutlich weniger Leute an der Zahl. Nachdem das Gespräch so auf Thorol und Jelf Kjornir gekommen ist, möchte Juha von Arrohir wissen, wie seiner Meinung nach mit den Helutavi-Fürsten verfahren werden solle. Etwas tonlos sagt Arrohir, er habe Thorol als grundsätzlich netten, gemässigten und gutmütigen Mann kennengelernt, den die Labban bei seinen Bestrebungen, der neue Jelf der Helutavi zu werden, unterstützen sollten. Bis Thorol in seinem Amt gefestigt sei und er den Rückhalt aller Helutavi habe, könnten die Labban Kjornir gefangen setzen. Im Zweifel solle Juha darauf vertrauen, dass Thorol ein etwas besserer Verbündeter sei als Kjornir. Juha nimmt nicht nur Arrohirs Vorschlag zur Kenntnis, sondern bermerkt auch, dass der junge Dunadan noch immer ganz konsterniert ist, was er jedoch, zumindest nach aussen hin, nicht mit seinem Wunsch in Verbindung zu bringen scheint, sondern mit der frühen Morgenstunde. Schliesslich erhebt sich Juha erneut und reicht Arrohir seine Hand zum Zeichen ihrer Einigkeit über die Unterstützung der Labban durch die Eisenmenschen im Kampf gegen die eisige Bedrohung sowie für den Frieden im Norden und über die Verankerung dieses Bündnisses durch die Heirat Arrohirs mit Jaala. Nachdem Arrohir Juhas Hand zum Zeichen der Einigkeit ergriffen hat, sagt der alte Mann, sie sollten sich jetzt noch ein bisschen ausruhen und frisch machen, da ein langer und grosser Tag voller wichtiger Entscheidungen vor ihnen liege.
Als Calendin und Arrohir wenig später in einem Raum mit zwei gemütlichen Pritschen und einem grossen Wasserbecken alleine sind, sagt der Waldelb mit hörbarer Ehrfurcht in der Stimme, dass Barahirs Ring ein sehr altes Schmuckstück sei, welches einst Finrod Felagund, ein grosser König der Noldor, dem Menschen Barahir übergeben habe. Es sei von grösster Wichtigkeit, diesen Ring nach Imladris zu bringen. Von der für ihn völlig unerwarteten Wendung des Schicksal sichtlich niedergeschlagen, meint Arrohir, dass dies auf einen Konflikt mit dem Auftrag hinauslaufen könnte, den er von Tuchsess Beregond erhalten habe. Sie überlegen eine Weile, wie sie Juha beibringen könnten, dass Jaala mit Arrohir nicht glücklich werden könne. Weder kann sich der junge Dunadan vorstellen, hier im Norden selbst ein König zu sein, noch sieht er sich als Königsmacher von Thorol, weshalb er erst etwas ratlos ist. Während draussen der Morgen dämmert, planen Calendin und er schliesslich, Arrohir sowohl den Labban als auch den Helutavi als Eisenmensch der Prophezeiung vorzustellen. In einer Rede soll er den verfeindeten Völkern sagen, dass der Schritt zur Befreiung ein Bündnis gegen den einen wahren Feind sei, der aus dem Norden komme. Gegenüber den Helutavi solle er dabei nochmals auf den Schrecken hinweisen, der von den eisigen Kreaturen ausgehe, und auf ihre Herkunft, die durchaus auch dem falschen Handeln der Helutavi, genauer Kjornirs, entspringe. Des Weiteren solle er erwähnen, dass die Labban mit kleinzwergischen Waffen ausgerüstet werden könnten.

Nach einer gut zweistündigen Wanderung ist Tinulin unterdessen zum Lager zurückgekommen und sieht, dass sich Thorol und seine Leute zum Abmarsch bereit machen. Auch Bóin II., Khufur und Maira sind dabei, ihre Sachen zu packen.
[Spieler von Bóin II. in Anspielung auf die von Arrohir gleichzeitig abgegebene Zustimmung zur Heirat mit Jaala: "Ich habe grade eine Erschütterung der Macht gespürt." Tinulin: "Ah, Du auch?"]
Maira ist besorgt, denn sie kann ihren Bruder nirgends finden und hat offenbar vergessen, dass er sich in der Nacht von ihr verabschiedet hatte, als sie allerdings auch noch völlig verschlafen gewesen war. Bóin II. klärt sie darüber auf, dass Arrohir zusammen mit Calendin und Pekka nach Jirvila gegangen ist, um Juha zu treffen. Die Heilerin ist über diese Neuigkeit leicht entsetzt und hofft, dass ihnen nichts zugestossen ist. Wenig später brechen sie auf und nach rund zweieinhalb Stunden Marsch kommen gegen neun Uhr morgens der Wall von Jirvila und Jelf Kjornirs Lager in Sicht.

// Metageblubber:

BAM! Die Bombe ist geplatzt!  >;D
Es war eine der essentiellsten Sessions dieser Kampagne, indem ein Teil der Gefährten nun endlich sehr detaillierte Informationen über den Verbleib König Arveduis erhalten hat. Während der Session machten die Spieler auf mich den Eindruck, wirklich darüber überrascht zu sein, von Juha tatsächlich mehr über Arvedui erfahren zu können. Eine weitere für sie unerwartete und alleine schon wegen der Geschichtsträchtigkeit tolle Überraschung war die Nennung von Barahirs Ring. Waren die Spieler bis zu diesem Teil der Unterredung mit Juha vielleicht einfach nur erstaunt und freudig überrascht, kam mit Juhas Wunsch nach der Heirat von Arrohir mit seiner Tochter Jaala schliesslich eine weitere, für sie bis dahin völlig unerwartete Wendung. Und das alles kam Schlag auf Schlag.

Die Reaktion der Spieler auf Juhas Wunsch war einfach herrlich. Nach einer kurzen Schocksekunde mit totaler Stille prustete Calendins Spieler vor Lachen los und löste damit nach einer Weile auch bei mir die Anspannung, die sich während der ganzen Unterredung bei Juha in mir aufgebaut hatte. Die Bombe ist geplatzt, die Überraschung gelungen. Als Calendins Spieler sich wieder gefangen hatte, sagte er, er habe wirklich mit allem gerechnet, aber mit sowas nun wirklich nicht.
Arrohirs Spieler dagegen war von dieser unerwarteten Wende echt schockiert, da er Arrohirs Jungfräulichkeit und Ungebundenheit als die letzte Freiheit seines Charakter sah, die er nun auch noch zu verlieren droht. Ein echtes Dilemma eben, und diesmal eines, dem er nicht mit irgendwelchem Geschwurbel und unklaren oder interpretationsbedürftigen Abmachungen entgehen kann  ;D
Entsprechend wünschte er Calendins Spieler eine mindestens ebenso üble Überraschung an den Hals.  >;D ~;D

Juhas Erzählung über den Kontakt der Lossoth mit König Arvedui entspricht genau der Fassung in den Annalen der Könige, wobei ich eine oder andere Detail aus der Sicht der Schneemenschen wiedergegeben habe. Zum Beispiel dürften sie den Hexenkönig nach meinem Dafürhalten eher als "Winterkönig" bezeichnet haben.

So, und nun würde sich der Spieler von Arrohir wohl wirklich über eine Runde Mitleid freuen  ;D
« Letzte Änderung: 17.04.2018 | 23:37 von torben »

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #121 am: 18.04.2018 | 08:41 »
Ooooooooh... eine Runde Mitleid für Arrohir! (Aber nur für ihn - sein Spieler muss dieses Labban-Mädel ja nicht heiraten!)  >;D
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Was ich nicht finde, das findet auch kein Anderer!

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #122 am: 18.04.2018 | 11:31 »
Lieber Chaos, ich soll Dir von Arrohir, resp. von seinem Spieler ausrichten, Deine Empatie in Sachen Mitleidsspende werde mit Freuden verdankt und Du habest nun reichlich Bonus bei ihm  ;D

Also nur zu liebe Leserinnen und Leser, nehmt Euch ein Beispiel an Chaos und spendet meinen achso geplagten Spielern und ihren noch viel geplagteren Charaktern ein bisschen Mitleid  ;D ;D ~;D

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #123 am: 16.06.2018 | 17:04 »
Hier geht's auch endlich wieder weiter.
Mal sehen, ob Arrohir von Chaos' Mitleidsspende profitieren konnte :) ... bei seinem Spieler hat Chaos jedenfalls wieder einen ganz dicken Stein im Brett.

Session 54: Teil 1
31.7.-1.8.2784 3Z
Jirvila

Als Arrohir am Morgen des 31. Juli 2784 3Z aufwacht, glaubt er für einen kurzen Moment, lediglich einen bösen Traum gehabt zu haben, in welchem er eine ihm völlig fremde Frau, die er noch nie gesehen hat, heiraten soll, um so das Versprechen König Arveduis gegenüber den Lossoth und damit auch sein Andenken zu ehren. Dank Calendins Begrüssung zu seinem "Hochzeitstag", wird dem jungen Dunadan aber nur allzu rasch bewusst, dass es sich bei dieser Aussicht keineswegs um einen Traum, sondern um die harte Wirklichkeit handelt. Calendin sagt, er wisse gar nicht so recht, ob er sich für Arrohir freuen oder ihn bemitleiden solle. Arrohir erwidert, wenn es nur dem Frieden und dem Andenken König Arveduis diene, sei er zu diesem Schritt bereit, obgleich er sich noch viel zu jung fühle für diese Knechtschaft. Als Calendin ihn daran erinnert, dass er die Völker der Eisbucht von Forochel einen müsse, sagt Arrohir, dass er das nicht alleine vollbringen könne. Beinahe etwas ängstlich fragt er den Waldelben, ob er und die übrigen Calatirnor ihn unterstützen werden, auch wenn dieses Unterfangen wahrscheinlich Jahre dauern werde. Calendin beantwortet diese Frage nicht direkt, sondern lenkt die Gedanken Arrohirs zunächst auf die vordringlichen Aspekte ihrer Mission, indem sie nochmals besprechen, was sie über Kjornir und Thorol wissen. Arrohir vermutet, dass die Eiswesen eine Folge von Kjornirs Verbrechen in der Vergangenheit seien, als er den Verlobten seiner späteren Ehefrau über Bord seines Schiffes geworfen haben soll. Wenn man den Gerüchten Glauben schenken dürfe, sei Kjornirs Ehefrau verschwunden und seither könne der Jelf der Helutavi nicht mehr sehen. Vielleicht, so überlegt Arrohir, habe er die Eiswesen zuvor noch selbst unter Kontrolle gehabt.

Nachdem eine Magd Arrohir und Calendin ein paar getrocknete Fische gebracht hat, kommt Juha zu ihnen und sagt, er hoffe, sie hätten eine erholsame Nacht gehabt. Als er Arrohir mit einem Strahlen sagt, sie hätten einen grossen Tag vor sich, muss sich der junge Dunadan regelrecht zu einem Lächeln zwingen, das entsprechend gequält wirkt. Kurz drauf erklingt ein Hornsignal, worauf Juha erklärt, er habe Jelf Kjornir und alle seine Männer nach Jirvila bestellt, damit alle hören, was sie Wichtiges zu verkünden hätten. Calendin gibt zu bedenken, dass Thorol, der sich mittlerweile sicherlich schon ganz in der Nähe von Jirvila befinden dürfte, bei dieser Ankündigung ebenfalls anwesend sein sollte. Juha stimmt ihm zu, und schon wenig später verlassen die drei Männer gefolgt von mehreren Begleitern Juhas Haus und begeben sich zum Dorfplatz am Fuss des Hügels, wo sich bereits die gesamte Bevölkerung Jirvilas versammelt hat. Auf Bitten Juhas halten sich Arrohir und Calendin im Hintergrund und der Waldelb zieht sich zudem die Kapuze seines Umhangs tief ins Gesicht. Im nächsten Moment betritt ein grosser und breitschultriger Mann in einer Rüstung aus verstärktem Leder den Platz, gefolgt von zahlreichen gerüsteten und bewaffneten Anhängern. Sein Bart und sein wildes Haar lassen einen älteren Mann vermuten, seine hellen Augen strahlen jedoch eine ungebannte Jugendlichkeit aus. Arrohir und Calendin ist sofort klar, dass es sich bei diesem Mann um Jelf Kjornir handeln muss, und sie stellen fest, dass der Helutavi keineswegs blind ist. Es dauert nicht lange, da strömt schliesslich noch eine weitere Gruppe von Männern auf den mittlerweile gut gefüllten Platz. Angeführt werden sie von Thorol, neben dem Tinulin geht, der den Helm seines Ahnen Turulin trägt.
Im Morgengrauen war Thorol von seinem Lager mit seinen Männern, Tinulin, Bóin II., Khufur und Maira nach Jirvila aufgebrochen und gegen neun Uhr morgens in Sichtweite des Dorfes und Kjornirs Lager gelangt. Wenig später vernahmen sie ein Hornsignal und sahen, dass zahlreiche gerüstete und bewaffnete Männer vom Lager ins Dorf gingen. Für Thorol, Tinulin und Bóin II. war sofort klar, dass sie ebenfalls nach Jirvila gehen müssen, um zu sehen, was dort vor sich geht.
Tinulin hält nach Arrohir und Calendin Ausschau, kann sie in der Menschenmenge aber zunächst nicht entdecken. Derweil stellt sich Bóin II. bei einer Hauswand auf Arveduis Kiste, um besser sehen zu können, und Khufur bezieht vor seinem Meister Stellung. Calendin hingegen kann zwar Tinulin auf der anderen Seite des Platzes entdecken, auf einmal fällt ihm aber auf, dass er Pekka den ganzen Morgen noch gar nicht zu Gesicht bekommen hat. Als er einen von Juhas Begleitern nach Pekka fragt, sagt ihm der Mann, er habe ihn irgendwo in der Menge gesehen, er wisse aber nicht genau, wo er gerade sei. Als Juha mit einem hölzernen Stock in der Hand auf einen kleinen Felsen steigt, um besser gesehen und gehört zu werden, bemerken Tinulin und Thorol, dass Kjornir sie überrascht und verwundert anstarrt. Schon nach wenigen Augenblicken hat sich seine Miene aber schon wieder gefestigt, und der Jelf macht einen umso sichereren Eindruck.

Die drei Fraktionen aus Labban, Kjornirs Männern und Thorols Begleitern stehen jeweils mit einem kleinen Abstand zwischen einander am Rand des Dorfplatzes, dessen kreisförmige Mitte freigehalten wird. Auf dem Felsen nahe am Rand des Kreises vor den Labban stehend, beginnt Juha die grosse Zusammenkunft mit einer auf Labba gehaltenen Begrüssung aller, die den weiten Weg nach Jirvila auf sich genommen haben. Als er mit den Worten "Heute ist ein denkwürdiger Tag...", fortfährt, drängt Kjornir auf den Platz und fällt ihm ins Wort, indem er sagt:

"Ja geschätzter Juha, es ist in der Tat ein denkwürdiger Tag, und ich bin froh, dass mit Thorol von Heitabyn noch weitere angesehene Männer der Havfrudal nach Jirvila gekommen sind, um Zeugen der Einigung zu werden, zu welcher Juha und ich tags zuvor den Grundstein gelegt haben und die jetzt nur noch besiegelt werden muss. Juha von Jirvila, es war Dein Wunsch und Deine Bitte, mit mir und den Havfrudal ein Bündnis einzugehen, da Du Hilfe suchst im Kampf gegen eine schreckliche Bedrohung, die aus dem Eis im hohen Norden kommt. Ich habe mir Deine Anliegen gründlich überlegt und bin zum Schluss gekommen, dass ein solches Bündnis in dieser schweren Zeit richtig ist und ich bin bereit, Dir, Juha, und den Labbadal die Hand zu reichen und Euch Hilfe zu bringen. Und ich bin mit Deinem Angebot, dieses Bündnis durch meine Heirat mit Deiner Tochter Jaala zu besiegeln, ein Angebot, welches Du mir freimütig gemacht hast, einverstanden."

In diesem Moment stürmt Pekka auf den Platz und fällt Kjornir wütend ins Wort. Langsam auf Arrohir zugehend, ruft er, an Juha gewandt:

"Herr, ein solches Bündnis darf es niemals geben zwischen den Labban und den Helutavi, die unser Volk stets unterdrückt und ausgebeutet haben. Und seht, ein solches Bündnis zum Schutz gegen die Eiswesen aus dem Norden ist auch gar nicht mehr nötig."

Bei Arrohir angekommen, versucht er ihn auf den Platz zu führen, doch der junge Dunadan bleibt stehen und sucht den Blickkontakt mit Juha. Da heisst Pekka die Umstehenden beiseite zu gehen, damit alle Arrohir sehen können. Da gibt Arrohir nach und folgt Pekka zum Rand des Versammlungskreises. Calendin hält sich weiterhin im Hintergrund und so erhält Arrohir Pekkas auf Labba gehaltene Rede nicht weiter vom Waldelben übersetzt. Mit stolz geschwellter Brust führt Pekka Arrohir vor Juha, und Calendin begibt sich in die zweite Reihe, um von dort aus Arrohir durch Kurzübersetzungen mitzuteilen, dass Pekka sich aufspiele, als dieser mit seine Rede fortfährt:

"Denn seht, ich, Pekka von Irpikki, habe zahllose Gefahren auf mich genommen, um Euch, Herr Juha, und allen Labban vom anderen Ende der grossen Bucht die Eisenmenschen - hier seht ihr Arrohir - zu bringen, auf dass sich die Prophezeiung 'Eines Tages werden die grossen Eisenmenschen kommen und es werden die Lindwürmer von ihrem Ruheplatz zurückkehren, worauf die Lossoth mit Hilfe der Eisenmenschen das Joch der Helutavi abwerfen und als neue und rechtmässige Herren der grossen Bucht auftreten' endlich erfüllen kann. Um diese grosse Tat vollbringen zu können, habe ich sogar das Wagnis auf mich genommen, die Helutavi zu täuschen und sie dazu zu bringen, mich zusammen mit den Eisenmenschen auf ihrem Schiff mitzunehmen. Mir allein ist dieser ganz besondere Coup gelungen, und ich denke, es ist nicht zu hoch gegriffen, geschätzter Juha, wenn ich mir erlaube, zur Belohnung für meine grossen Mühen in Eurem und dem besten Interesse aller Labban, um die Hand Eurer liebreizenden Tochter Jaala anzuhalten."

Bei der Erwähnung der "Eisenmenschen" und der Vorführung Arrohirs ist ein grosses "Ah" und "Oh" durch die Menge gegangen, und auch Arrohir ist ob dieser erneuten Wendung sehr überrascht. Kjornir hingegen scheint sich sogar kurz erschreckt zu haben, dann aber wird er fuchsteufelswild und geht mit seinem Schild in der Hand auf Thorol los. Er heisst ihn einen Verräter und verlangt zu erfahren, was hier für ein krummes Spiel gespielt werde. Ganz offensichtlich habe Thorol ihn in Jökalinda belogen und hintergangen, indem er die Eisenmenschen, welche den Helutavi den Untergang herbeiwünschen, hierher gebracht habe. Sollte sich dies als wahr herausstellen, hätte Thorol mit schlimmen Konsequenzen zu rechnen. Als Thorol Tinulin und Arrohir einen Blick zuwirft, tritt der Noldo an seine Seite und sagt auf Westron zu Kjornir, dass dies nicht der Ort und die Zeit für sein Schauspiel seien, sondern dass es hier darum gehe, eine wichtige Entscheidung zu treffen. Weiter kommt er aber nicht, denn inzwischen hat sich Juha mit seinem Stock wieder Gehör verschafft, und sich an Arrohirs Seite stellend, geht er mit folgenden Worten auf Labba dazwischen:

"Es ist wahr, die Eisenmenschen sind zu mir, zu uns allen, nach Jirvila gekommen. Und nun höret: In dieser Nacht, deren Schatten sich jetzt langsam verziehen, habe ich ein Bündnis mit dem Eisenmenschen Arrohir geschlossen. Ein Bündnis, welches uns die Unterstützung und Hilfe der Eisenmenschen sichert im Kampf gegen eine eisige Bedrohung, die aus dem hohen Norden auf uns zukommt. Und zur Stärkung unserer Verbindung und Besiegelung dieses Bündnisses ist vereinbart, dass ich die Hand meiner Tochter Jaala in jene Arrohirs lege."

Mit einem gewissen Unglauben übersetzt Tinulin Juhas Worte für Maira, die ob dieser Aussicht für ihren Bruder dermassen entsetzt ist, dass der Noldo rasch anfügt, es könne auch sein, dass er sich verhört oder etwas falsch verstanden habe. Mit einem bitteren Lachen auf den Lippen sagt Kjornir auf Westron zu Maira, der grosse Kerl habe sich keineswegs verhört. Sich Juha zuwendend, fährt er wutentbrannt fort:

"Juha, Du mieser Fuchs, Du glaubst, Du hättest mich ausgetrickst! Aber dem ist nicht so! Denn jeder hier, jeder vom Volk der Labbadal und jeder vom Volk der Havfrudal, weiss, was schon seit jeher Geltung hatte, nämlich dass ein in der Dunkelheit geschlossenes Bündnis nichts gilt. Wir aber, Du Juha und ich, wir sind uns schon zuvor handelseinig gewesen und ich fordere daher zu Recht, dass Du das Bündnis mit mir schliesst."

Arrohir ist kurz überrascht, als er übersetzt bekommt, dass sein Bündnis mit Juha, und damit auch seine Heirat mit Jaala, wegen des nächtlichen Zeitpunkts noch gar keine Gültigkeit erlangt haben soll. Er findet es sowohl interessant als auch ermutigend, dass offenbar alle Volksstämme der Eisbucht der Sonne und dem Tageslicht zugewandt sind. Auf die Worte des Jelfs erwidert er aber, dass es nicht um Kjornir und seine egoistischen Wünsche gehe. Überraschenderweise gibt ihm Kjornir Recht, indem er sagt, es gehe in der Tat um etwas Anderes, nämlich um den gemeinsamen Kampf gegen den Feind aus dem Norden. Da muss ihm nun sogar Arrohir zustimmen. Juha stellt indessen klar, dass sich Jelf Kjornir zwar auf die Nichtigkeit des Bündnisses der Labban mit den Eisenmenschen berufen könne. Allerdings sei auch das Bündnis der Labban mit den Helutavi noch nicht geschlossen und besiegelt worden, weshalb er zum jetzigen Zeitpunkt noch immer frei in seiner Entscheidung sei und ein Bündnis mit den Eisenmenschen wünsche. Zu Pekka gewandt, sagt Juha, dass ihm für seine Anstrengungen zweifelsohne Dank gebühre. Eine Verheiratung Pekkas mit seiner Tochter Jaala als Belohnung komme indessen nicht in Frage, zumal sie Arrohir zur Sicherung des Bündnisses mit den Eisenmenschen versprochen sei. Arrohir sieht nun den Zeitpunkt für eine eigene Ansprache gekommen und er bittet Juha, seine Worte für alle zu übersetzen:

"Ich bin Arrohir von Zadan n'Bawâb in Gondor. Das ist ein Reich tief im Süden, und sein Volk sind die, welche Ihr 'Eisenmenschen' nennt. Ich bin aber auch ein Calatirno, ein Mitglied eines grossen Ordens, der aus Tinulin, Bóin II., Calendin, Khufur, Maira und mir besteht."

Während er das Schwert Farongyrth zieht und die Klinge gut sichtbar in die Höhe hält, fährt er fort:

"Ich bin auch im Auftrag Ondrils hier, des Herolds des letzten Königs von Arnor, des nördlichen Königreichs, Aran Arvedui. Jetzt wisst Ihr, wer ich bin und weshalb ich hier bin, und mir ist kürzlich klar geworden, dass ich wohl der letzte der Eisenmenschen bin.
Jelf Kjornir und Pekka haben oft das Wort 'ich' benutzt, dabei kann man die Probleme, die aus dem Norden auf uns zukommen, nicht als 'ich' lösen, auch nicht als einzelne Völker, sondern nur gemeinsam."


Als Pekka einwirft, dass Juha die Unterstützung der Helutavi nicht benötige, da mit den Eisenmenschen auch die Lindwürmer kommen und an ihrer Seite kämpfen würden, fällt ihm Arrohir ins Wort und sagt:

"Die Lindwürmer, von denen Pekka spricht, tragt Ihr alle in Euch. Und nur Ihr alle gemeinsam habt die Kraft, um Euch gegen den schwarzen Feind aus dem Norden zur Wehr zu setzen. Wenn es aber um Macht geht, versagen die Menschen. Die Zeit der Beschuldigungen muss zu Ende gehen. Kjornir hat mit seinem Verbrechen etwas ins Wasser gesetzt, aber er hat auch dafür gebüsst. Wir, die Eisenmenschen und Calatirnor, können den Völkern der Eisbucht mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn sie das wollen."

// Metageblubber:

Arrohirs Spieler klang im Vorfeld der Session immer etwas unglücklich und gequält von der Aussicht, dass sein Dunadan durch die aufgezwungene Heirat mit Jaala seiner letzten Freiheit, seiner jugendlichen Ungebundenheit und Jungfräulichkeit, beraubt werden sollte. Ich überlegte mir daher, ob es nicht eine Möglichkeit geben könnte, dieses Schicksal doch noch abzuwenden und fand zumindest eine grundsätzliche Lösung darin, dass "in der Dunkelheit geschlossene Bündnisse in der ganzen Eisbucht von Forochel nichts gelten". Das öffnete wieder Türen für andere Wege, auch wenn es schwer werden würde, den eingeschlagenen Kurs noch zu ändern. In der Vorbereitung der Session habe ich vor allem Zeit darauf verwendet, die verschiedenen Argumentationsstränge der jeweiligen Anführer zu durchleuchten und daraus eine möglichst spannende Darstellung der Versammlung zu schaffen. Dabei war allerdings klar, dass die Spieler und ihre Charakter zu gewissen Teilen "nur" Zuschauer, resp. Zuhörer sein würden, während sich die verschiedenen Nichtspielercharakter ein Wortgefecht nach dem anderen liefern. Diese "Show" galt es einerseits mit nützlichen Informationen über die jeweiligen Ambitionen zu füttern und andererseits möglichst kurz und trotzdem glaubwürdig zu halten, damit die Spieler bald wieder selbst in Erscheinung und Aktion treten können.

Lustig fand ich ja, wie Arrohirs Spieler in bester Merkel-Manier die hohle Phrase von der gemeinsamen Lösung präsentierte, so im Stil von: "Um die Probleme an der Eisbucht von Forochel in den Griff zu bekommen, müssen wir eine gemeinsame Lösung finden." :)

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Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #124 am: 16.06.2018 | 17:06 »
Session 54: Teil 2

Jelf Kjornir reagiert empört auf diese Rede und sagt wütend, er lasse es sich nicht bieten, hier beschuldigt und für eine fremde Bedrohung verantwortlich gemacht zu werden. Juha habe klar gemacht, dass er jetzt ein Bündnis mit Arrohir und Thorol anstrebe. Auch wenn er extra wegen Juhas ursprünglichen Bündniswunsches nach Jirvila gekommen sei, akzeptiere er Juhas Entscheid und werde sich daher verabschieden. Er wünsche der neuen Allianz viel Erfolg im Kampf gegen die todbringenden Eiswesen aus dem Norden und werde sich nach Jökalinda zurückziehen, um die Verteidigung der Siedlung vorzubereiten. Wenn sie etwas von ihm wollen würden, etwa dass er noch weitere Kräfte zur Unterstützung der neuen Allianz mobilisiere, wüssten sie ja, wo sie ihn finden können. Damit gibt er seinen Männern das Zeichen zum Aufbruch und wendet sich noch einmal an Thorol, dem er mit eisiger Stimme sagt, sie würden sich noch sprechen. Da tritt Tinulin erneut vor und hält Kjornir und seinen Männern eine lange Rede. Darin zeigt er dem Jelf auf, dass die Helutavi mit ihrem Verhalten gegenüber den übrigen Völkern der Eisbucht, und im Speziellen Kjornir mit seinem Verbrechen gegen den Verlobten seiner Ehefrau, den er über Bord seines Schiffes geworfen habe, viel Schuld auf sich geladen hätten. Dies sei der Nährboden für das schwarze Böse gewesen sei, welches nun aus dem Norden über sie komme. Er sagt jedoch auch, dass Kjornir mit dem Verlust seiner Ehefrau für seine Taten gebüsst habe und es nun an der Zeit sei, sich gemeinsam der Bedrohung zu stellen, die aus dem Norden komme. Seine Worte scheinen die Männer des Jelfs zu beeindrucken, denn als sich Kjornir zum Gehen wendet, bleiben 39 seiner 49 Männer auf dem Dorfplatz stehen, was er mit einer Mischung aus bitterer Enttäuschung und grosser Wut zur Kenntnis nimmt. Noch immer will Tinulin nicht aufgeben und läuft Kjornir und seinen zehn Gefolgsleuten hinterher. Nochmals versucht er, Kjornir für das Bündnis der Labban, Eisenmenschen und Helutavi zu gewinnen, auch wenn dies bedeuten würde, dass er seinen Führungsanspruch unter den Helutavi an Thorol abtreten müsste. Resigniert und mit einer steigenden eisigen Wut hört sich Kjornir die Worte des Noldos an und sagt schliesslich: "Es heisst 'ein König ohne Volk ist kein König'. Ihr habt mir mein Volk genommen und es diesem Thorol zugeschanzt. Ich aber bin König durch mein Blut. Und mein Blut könnt Ihr mir nicht nehmen." Damit wendet sich Kjornir ab und zieht mit seinen zehn Begleitern von dannen. Als Tinulin wenig später wieder bei Thorol und Bóin II. eintrifft und sie über Kjornirs Abgang informiert, sagt der Zwerg zu ihm, jemand müsse Kjornir hinterher gehen, sonst werde er bestimmt die Schiffe stehlen oder zerstören.

Auf dem Platz hat unterdessen Juha mit Arrohir und Pekka gesprochen und nochmals betont, wie wichtig es für den Bestand und die Dauerhaftigkeit des Bündnisses sei, dass es durch die Heirat Arrohirs mit seiner Tochter Jaala besiegelt werde. Würde sich Arrohir dagegen sträuben, würde dies bei den Helutavi den Eindruck erwecken, dass das Bündnis brüchig sei, und sie würden es für nicht würdig erachten, eingehalten zu werden. Während Arrohir sagt, dass ihm das durchaus bewusst und klar sei, drängt Pekka ein weiteres Mal darauf, dass den Helutavi so oder anders niemals zu trauen sei. Derweil tritt Tinulin an Thorol heran und sagt ihm, er solle die Sache mit Kjornir regeln, der gerade auf dem Weg zu den Schiffen sei, wo er noch weitere 11 Männer habe. Mit Blick auf die im Kreis diskutierenden Juha, Arrohir und Pekka erwidert Thorol, dass er nicht vorhabe, Jirvila zu verlassen, während hier gerade neue Bündnisse geschmiedet würden. Diese Antwort macht Tinulin wütend, und er sagt, er habe jetzt gerade sich bei Kjornir so sehr für Thorol und seine um- und weitsichtige Führung stark gemacht. Thorol entgegnet, er wolle zumindest eine Sicherheit, doch Tinulin sagt ihm, eine Sicherheit gebe es nicht und es sei nun an der Zeit, einander zu vertrauen. Da begibt sich Thorol zu Arrohir und fordert dessen Unterstützung bei der Regelung der Angelegenheit mit Kjornir. Dies macht nun auch Arrohir wütend und er sagt, dies sei nicht seine Aufgabe, sondern jene Thorols als neuer Anführer der Helutavi. Thorol gibt Arrohir zu verstehen, dass Kjornir keine friedliche Lösung akzeptieren werde, bei der er nicht Jelf bleibe, und dass er sich auch sicher nicht ergeben werde. Da Arrohir Thorol noch immer nicht begleiten will, sagt der Helutavi schliesslich gefasst aber mit einer unverhohlenen Enttäuschung, er werde die Sache in die Hand nehmen. Von Arrohir erwarte er, dass er inzwischen auf Kjornirs Überläufer aufpasse. Ohne ein weiteres Wort Arrohirs abzuwarten, gibt Thorol seinen eigenen Männern ein Zeichen, und gemeinsam nehmen sie die Verfolgung Kjornirs auf. Während Arrohir Thorol hinterher schaut und ihm dabei nichts Gutes schwant, kommt Calendin zu Tinulin und sie beschliessen, dass der Waldelb Thorol und seinen 25 Männern heimlich folgen soll. Kaum dass Calendin losgelaufen ist, kommen Bóin II., Khufur und Maira zu Tinulin und Arrohir auf den Platz. Die Heilerin ist entsetzt darüber, dass Arrohir wirklich beabsichtigen könnte, nur wegen eines Bündnisses zu heiraten. Arrohir hat jedoch nicht die Zeit, um sich in Ruhe mit seiner Schwester zu unterhalten, sondern geht zu Kjornirs übergelaufenen Männern und versucht, sie noch mehr für ihre gemeinsame Sache zu gewinnen. Zu diesem Zweck erkundigt er sich auch nach ihren Erlebnissen mit den untoten Eiswesen aus dem hohen Norden.

Auch wenn Juha die Zusammenkunft für beendet erklärt und die Labban sich zu zerstreuen beginnen, möchte er das Bündnis gleichwohl so bald wie möglich unter Dach und Fach bringen. Als Maira aber sagt, dass sie zuvor gerne noch mit Arrohir unter vier Augen sprechen wolle, ist er einverstanden und führt die Gefährten zu einem ruhigen Zimmer im Eingangsbereich seines Hauses, bevor er sich auf Anraten Arrohirs um die Unterbringung und Einbindung der übergelaufenen Helutavi kümmert. Sobald sie alleine sind, beginnt Maira auf Arrohir einzureden. Sie ist sehr aufgebracht und entsetzt darüber, dass ihr Bruder tatsächlich eine Heirat aus rein politischen Motiven in Erwägung zu ziehen scheint. Sie erinnert ihn eindringlich daran, was ihr aufgrund politischer Intrigen in Minas Tirith widerfahren war. Niedergeschlagen gibt ihr Arrohir zwar Recht, gleichzeitig sieht er aber auch keinen anderen Weg für sich, weshalb er Maira vorschlägt, dass sie das Gespräch mit Juha suchen könne. Verzweifelt Hilfe suchend, wendet sich Maira an Tinulin, aber der Noldo scheint Arrohirs Dilemma zu verstehen und schlägt ebenfalls vor, zuerst einmal mit Juha zu sprechen. Als Tinulin und Maira bald darauf mit dem alten Mann zusammentreffen, erzählt er ihnen, wie sein nächtliches Zusammentreffen mit Arrohir und Calendin abgelaufen ist. Dabei erläutert er auch noch einmal, was er Arrohir über König Arvedui erzählt und was es mit der Lindwurmprophezeiung in Wirklichkeit auf sich hat. Nochmals gibt er die Abschiedsworte König Arveduis an seinen Ahnen wieder, als er ihm den Schlangenring übergab:

"Dies ist ein Ding von grösserem Wert, als Du Dir vorstellen kannst, allein um seines Alters willen. Barahirs Ring - so nannte er das Schmuckstück - hat keine Macht, abgesehen von der Wertschätzung, die ihm jene zollen, die mein Haus lieben. Er wird Dir nicht helfen, aber wenn Du je in Not bist, wird meine Sippe ihn auslösen gegen grosse Vorräte von allem, was Du begehrst."

Juha fährt fort:

"Mein Wunsch ist der Frieden für alle Völker der Eisbucht und daher ein Bündnis der Labban mit den Eisenmenschen zur Unterstützung und Hilfe gegen die eisige Bedrohung aus dem Norden, welches nach aussen hin sichtbar verankert sein soll durch die Heirat meiner Tochter Jaala mit Arrohir, der sich heute selbst als 'letzter Eisenmensch' bezeichnet hat. Doch dies ist lediglich ein Wunsch, auf dessen Erfüllung ich natürlich nicht bestehen kann und von welcher auch die Rückgabe des Ringes, den Calendin ebenfalls als Barahirs Ring bezeichnet hat, an Arrohir nicht abhängt."

Bei Juhas Erwähnung von Barahirs Ring ist Tinulin immer gespannter geworden und schliesslich muss er den alten Mann fragen, ob er das Schmuckstück sehen dürfe. Juha kommt seinem Wunsch nach und holt den Ring, der die Form zweier Schlangen mit Smaragdaugen hat, von denen die eine eine Krone aus goldenen Blüten hochhält, welche von der anderen verschlungen wird, an einer Kette um seinen Hals hervor. Vorsichtig legt er den Ring in Tinulins Hand, der beim Anblick dieses Kleinods, das einst Finrod Felagund, einem grossen König der Noldor, und nach ihm noch vielen weiteren ehrwürdigen Recken der alten Tage, gehört hatte, vor Ehrfurcht ganz still wird.

Nachdem Tinulin Juha den Ring zurückgegeben hat und mit Maira zu den anderen Gefährten zurückgeht, ist der Noldo noch immer ganz verzaubert vom Anblick des Schmuckstücks. Er hat grosses Verständnis für Arrohirs Dilemma und sagt seiner Gefährtin, dass dieser Ring viele Opfer wert sei. Nicht ohne eine gute Prise Sarkasmus fragt ihn daraufhin Maira, ob in diesem Fall nicht er Jaala heiraten und den Ring zurückgewinnen wolle, worauf der Noldo jedoch nicht zu antworten wagt. Als sie wieder bei den anderen sind, erklärt Tinulin auch ihnen feierlich, dass sie tatsächlich auf Barahirs Ring gestossen seien und es somit um die Rückgewinnung eines ganz ausserordentlichen Gegenstands gehe. Arrohir bedrückt die Bestätigung Tinulins, denn er sieht kaum einen Ausweg aus dieser Situation, bei dem er um eine Hochzeit mit Jaala herumkommen könnte.

Als die Gefährten am Nachmittag nochmals mit Juha in der grossen Halle seines Hauses zusammentreffen und er Arrohirs bedrücktes Gesicht sieht, stellt der alte Mann nochmals seine Erwartungen an Arrohir und das Bündnis klar:

"Wenn die Eisenmenschen mit den Labban ein Bündnis eingehen wollen, dann muss dieses durch die Heirat Arrohirs mit Jaala besiegelt werden. Diese Hochzeit bildet einerseits die Grundlage für eine spätere Einbindung der Helutavi in das Bündnis, andererseits ist sie ein Garant für seinen Bestand und zeigt den Helutavi, dass das Bündnis würdig ist, eingehalten zu werden. Sollte sich Arrohir jedoch gegen die Heirat mit Jaala aussprechen, so hätte ein allfälliges Bündnis der Eisenmenschen mit den Labban einen Makel, und in diesem Fall würde ich die Helutavi nicht einbinden wollen, da sie es ohnehin für unwürdig halten würden, weil es die Eisenmenschen nicht mal mit einer Heirat besiegeln wollen. Kommt es aber zum Bündnis der Eisenmenschen mit den Labban, wird Arrohir nach der Hochzeit mit Jaala im Norden bleiben müssen, da nur seine Anwesenheit ein wirklicher Garant für den Bestand des Bündnisses ist. Ihr sollt wissen, dass ich die Rückgabe des Ringes nicht vom Zustandekommen dieses Bündnisses für den Frieden abhängig mache. Wisst aber auch, dass ich mir nichts Anderes von den Eisenmenschen Arveduis wünsche und ein Entscheid Arrohirs gegen die Heirat und damit gegen das Bündnis eine sehr schwere Enttäuschung für mein Volk und auch für mich persönlich wäre. In diesem Fall wären das Wort Arveduis, welches er meinem Vorfahren vor so vielen Jahren gab, und seine Ehre nichts wert, und demnach besässe auch der Ring keinerlei Wert, und es wäre daher gleich, ob ich ihn Arrohir einfach übergeben oder ihn ins Meer werfen würde. Almosen möchten weder ich noch die Labban von den Eisenmenschen, ihr dürftet aber auch nie wieder auf die Unterstützung der Labban hoffen."

Bei diesen klaren Worten holt Juha Barahirs Ring hervor und streckt ihn Arrohir hin, der zuerst noch gesagt hatte, er könne auch im Falle einer Heirat mit Jaala nicht im Norden bleiben, sondern müsse zurück in den Süden. Als Juha dem jungen Dunadan nun Barahirs Ring entgegenstreckt, blickt Arrohir mit einer Mischung aus Trotz und Ohnmacht bewusst an ihm vorbei, bevor er schliesslich, das Angebot ignorierend, die Halle verlässt. Nachdem etwas Ruhe eingekehrt ist, ergreift Tinulin das Wort und erklärt Juha, dass Arrohir in jedem Fall das Versprechen König Arveduis ehren wolle. Gleichzeitig sei er aber gleich mehreren anderen Herrschern zur Treue und zum Gehorsam verpflichtet, weshalb es ihn in ein grosses Dilemma stürze, wenn er den Rest seiner Tage an der Eisbucht von Forochel verbringen müsse. Nachdem der Noldo dem alten Mann Arrohirs Verpflichtungen gegenüber Truchsess Beregond von Gondor, Herrn Saruman von Isengart, König Fréaláf vom Rohan, Herrn Elrond von Imladris sowie nicht zuletzt Herold Ondril etwas nähergebracht hat, legt Juha für einen Moment seine Stirn in Falten und geht dann Arrohir nach. Als er den jungen Dunadan gefunden hat, legt er ihm eine Hand auf die Schulter und sagt, er verstehe sein Dilemma und wolle es nicht überstrapazieren. Es solle ihm daher genügen, wenn Jaala jederzeit bestimmen dürfe, wo sie leben wolle und wo ihre gemeinsamen Kinder leben werden. Auch dieses Angebot ist nur ein kleiner Lichtblick in den Augen Arrohirs, der befürchtet, dass seine zukünftigen Kinder immer bei ihrer Mutter an der Eisbucht bleiben und damit fern von ihm aufwachsen werden. Er ergreift diesen Strohhalm aber dennoch, wobei er allerdings darauf besteht, dass seine und Jaalas Kinder ab ihrer Volljährigkeit selber bestimmen dürfen, wo sie leben wollen. Juha zeigt sich mit diesem Kompromiss einverstanden, und zu seiner Freude sagt auch Arrohir das Bündnis und die Hochzeit mit Jaala zu.

Zurück bei den Gefährten verkündet Juha freudig, dass Arrohir und er eine Lösung gefunden hätten und sie nun, da das Bündnis und die Hochzeit zustandekommen würden, das weitere Vorgehen im Kampf gegen die eisige Bedrohung aus dem Norden und für den Frieden an der Eisbucht besprechen sollten. Der alte Mann sagt, Kjornir sei genau aus einem Grund nach Jirvila gekommen und nicht zu seinen eigenen Leuten nach Jökalinda gefahren. Die Labban seien zahlreicher als die Helutavi, und der Jelf habe nicht vorgehabt, sich bei seinen eigenen Leuten dadurch unbeliebt zu machen, dass er sie in die erste Schlachtreihe stellt. Für diese Aufgabe habe er vielmehr die Labban opfern wollen, wobei er damit auch gleich noch einen potentiellen Konkurrenten geschwächt hätte. Zu einer solchen Opferung der Labban dürfe es unter diesem Bündnis aber nicht kommen, zumal die Helutavi di Schuld an der ganzen Misere tragen würden. Tinulin stimmt Juha zwar im Grundsatz zu, rät ihm aber gleichwohl, seine eigenen Leute besser zu bewaffnen, zumindest eine Hausgarde von 10-20 fähigen Männern. Maira ist ein weiteres Mal entsetzt, als Bóin II. im weiteren Verlauf der Besprechung die Befürchtung äussert, der Kampf gegen den Feind aus dem Norden könne gut und gern fünf Jahre oder länger dauern. Die Heilerin hatte niemals damit gerechnet, so lange von ihrem Ehemann Ivradil getrennt zu werden. Ein weiteres Problem stellt sich bezüglich der Bewaffnung der Labban, welche kaum über Metall verfügen. Zwar hält Khufur grosse Stücke auf die Schmiedefertigkeit seines Meisters Bóin II., doch hilft diese ohne genügend Rohmaterial auch nicht weiter. Während sie auf der geistigen Suche nach möglichen Metallquellen auf die kleinzwergische Mine südlich von Irpikki zu sprechen kommen, bemerkt Tinulin, wie ihn das Pläneschmieden mehr und mehr zu elektrisieren und seinen Geist zu beleben beginnt. Arrohir hingegen versinkt allmählich in grüblerischen Gedanken und zieht schliesslich Maira beiseite, um ihr den Kompromiss mit Juha zu erklären und ihr zu sagen, dass es ihm leid tue, dass sie so lange von Ivradil getrennt werde. Maira versteht die Zerrissenheit ihres Bruders und sagt, es tue ihr leid. Wäre sie nicht mit ihm mitgegangen, wäre er auch nicht in diese Situation gekommen. Er erwidert, das stimme, aber nur, weil er diesem Fall einfach schon viel früher zu Tode gekommen wäre, und er hoffe, dass Maira schon bald zu Ivradil zurückkehren könne. Nachdem die wichtigsten Punkt besprochen sind, erkundigt sich Tinulin nach Juhas Frau, der zur seiner Erleichterung sagt, sie befinde sich bei seiner Tochter Jaala. Als der Noldo sagt, er sei froh, dass sie kein Opfer der Natur geworden sei, erwidert Juha mit bitterer Stimme, dass seine Frau dafür ein Opfer Kjornirs gewesen sei. Bis zum Abend sind weder Calendin noch Thorol oder Kjornir nach Jirvila zurückgekehrt, und die Gefährten ziehen sich mit gemischten Gefühlen zur Nacht in ihr Zimmer zurück.

// Metageblubber:

Die Session bestand hauptsächlich aus dem Ausspielen der Versammlung in Jirvila und der dort geführten Gespräche. Ich hatte mir bereits im Vorfeld einige Reaktionsmöglichkeiten für Kjornir aufgeschrieben und diese mit Wahrscheinlichkeiten versehen. Im Spiel konnte ich diese einfach auswürfeln und schauen, ob die Spieler, je nach Kjornirs Reaktion, ins Geschehen eingreifen. Nach Tinulins Rede entschied ich mich spontan, mittels eines Prozentwurfes abzuwägen, ob und wie viele von Kjornirs Männer die Seite wechseln könnten. Dass das Ergebnis so hoch ausfiel, überraschte zwar auch mich ein bisschen, es passte aber gut zum darauffolgenden Rückzug Kjornirs.

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