Autor Thema: [Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan  (Gelesen 56810 mal)

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Offline Sashael

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Re: Re: Filme und Serien - Smalltalk
« Antwort #450 am: 8.01.2019 | 19:20 »
@blödes Verhalten:
Das finde ich auch so ein komisches Argument. Wann handelt man denn "blöd"?
Wenn ich beim Gucken sofort sage "Wieso zur Hölle haben die keine Drohnen/Rover/Robolandefähren zu den Planeten geschickt? Das hätte Millionen an Dollar und Monate Zeit gespart." und später hinzufüge "... und Menschenleben." ;D

Ganz davon ab, dass ich allein die Idee, die Menschheit zu ihrer Rettung eventuell auf einen Planeten direkt neben einem schwarzen Loch zu schicken, beim allerersten Hören beknackt fand und als die dann auch noch mit der Zeitverzerrung anfingen nur noch gedacht habe "Okay, superinteressanter Planet. Aber da wollen die nicht wirklich hinfliegen, oder? Oder!?!?".
Das ergab halt von Anfang an Null Sinn und zum Schluß stellt sich raus: Huch! Ich hatte Recht! Das war ne vollkommen bescheuerte Idee!
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Offline Alexandro

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Re: Re: Filme und Serien - Smalltalk
« Antwort #451 am: 8.01.2019 | 19:35 »
Zitat
Wenn ich beim Gucken sofort sage "Wieso zur Hölle haben die keine Drohnen/Rover/Robolandefähren zu den Planeten geschickt? Das hätte Millionen an Dollar und Monate Zeit gespart." und später hinzufüge "... und Menschenleben."

Und hätte Menschenleben riskiert, wenn die Annahme unter der die Astronauten runter gegangen sind, gestimmt hätte.  Irgendwas ist halt immer. >;D
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Offline Sashael

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Re: Re: Filme und Serien - Smalltalk
« Antwort #452 am: 8.01.2019 | 19:38 »
Und hätte Menschenleben riskiert, wenn die Annahme unter der die Astronauten runter gegangen sind, gestimmt hätte. 
Ich gebe zu, dass ich dir da jetzt nicht so ganz folgen kann.

 :think:
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Offline Selganor [n/a]

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Re: Re: Filme und Serien - Smalltalk
« Antwort #453 am: 8.01.2019 | 20:08 »
Wenn die letzten 2 Seiten etwas seltsam anmuten achtet mal auf den Betreff, da kam noch ein ganzer Packen aus dem Smalltalk dazu (und der leider nicht ganz "themenrein")
« Letzte Änderung: 8.01.2019 | 20:13 von Selganor »
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Offline YY

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Re: Re: Filme und Serien - Smalltalk
« Antwort #454 am: 8.01.2019 | 22:28 »
Diese Anspruchshaltung wird ihm meines Erachtens angedichet um die eigene Unzufriedenheit darüber zu rationalisieren, dass der Film ja leider doch nicht "so intelligent war, wie man eigentlich erwartet hat".

Was gibt's denn zBSp im SciFi-Sektor an "aktuellen" Produktionen, die diesen Detailgrad annährend erfüllen?

Gravity und Der Marsianer waren in der Hinsicht allemal brauchbar.

Was Interstellar angeht (wir hatten es hier im Thread sicher schon mal davon), ist diese Anspruchshaltung vom zugehörigen Marketing aufgebaut worden.
Da hieß es im Vorfeld ständig, wie wissenschaftlich und toll recherchiert der doch wäre.

Natürlich kommt dann Kritik, wenn man stattdessen ein Märchen mit Weltraum-Anstrich bekommt - viel mehr als bei Gravity und Der Marsianer, die umgekehrt "nur" gesagt (und geliefert) haben: Es gibt einen wissenschaftlichen/physikalischen Hintergrund, aber hier und da haben wir uns natürlich zugunsten der Geschichte ein paar Freiheiten genommen.

@blödes Verhalten:
Das finde ich auch so ein komisches Argument. Wann handelt man denn "blöd"? Kein einziger Mensch handelt meiner Erfahrung nach 100% rein auf Basis seines Intellekts. So viele Dinge passieren nur aufgrund von Fehlentscheidungen Einzelner, getroffen auf Basis einer falschen Bewertung der Situation.

Der Anspruch ist ja auch nicht, 100% rational zu handeln oder stets die objektiv beste Entscheidung zu treffen.

Und natürlich ist das bei jedem Zuschauer unterschiedlich, aber es gibt einfach Entscheidungen, die im präsentierten Kontext völlig bescheuert sind. Die muss man entweder ausufernd begründen (indem z.B. der zugehörige Charakter passend präsentiert wird oder besondere Umstände hergestellt werden) oder sie müssen zentrales Plotelement werden - und selbst dann passen sie oft genug nur noch in bestimmte Filmsparten.
Einfach so hingeworfen und nur mit "Menschen machen halt mal Fehler" begründet funktioniert das schnell für viele Zuschauer nicht mehr. Und ja, das ist eine Stelle, an der die Messlatte für Fiktion höher liegt als für die Realität.
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Re: Re: Filme und Serien - Smalltalk
« Antwort #455 am: 8.01.2019 | 22:38 »
Ich gehe vor allen Dingen nicht wegen irgendwelcher wissenschaftlichen Thesen ins Kino. Ich habe von Astrophysik keinen Plan, und bei "Der Marsianer" haben mich die Ausführungen, wie und warum und weshalb welches Raumschiff wie lange wohin fliegt, gelangweilt. Ich gehe ins Kino, um eine spannende Geschichte zu sehen. Die hat mir Interstellar definitiv geboten. Mag ja sein, dass das alles Mumpitz ist, mir egal.

Die Kriterien dafür, was eine gute Geschichte ist, sind nunmal sehr individuell. Die Inkonsistenz in Sachen technische Möglichkeiten und die teilweise völlig abstrusen Entscheidungen, die die Leute in Interstellar treffen, haben mir die Geschichte zumindest verhagelt. Da kam erschwerend hinzu, dass ich das Ende bereits in den Anfangsszenen erahnt habe und dass der Aftermath wirklich extrem dick aufgetragen war.


@blödes Verhalten:
Das finde ich auch so ein komisches Argument. Wann handelt man denn "blöd"? Kein einziger Mensch handelt meiner Erfahrung nach 100% rein auf Basis seines Intellekts. So viele Dinge passieren nur aufgrund von Fehlentscheidungen Einzelner, getroffen auf Basis einer falschen Bewertung der Situation. Hinterher und von außen ist es dann immer einfach zu sagen "Wie blöd kann man bitte sein". Und Cooper war nun auch kein Spezialist theoritischer Physik sondern Ex-Pilot, Landwirt und Draufgänger. Das konnte ich mit einem Schulterzucken total akzeptieren.

Die Zuschauer dürften für den Job noch weniger geeignet sein, und trotzdem haben sich viele gefragt, wie blöd man denn bitte sein kann. Cooper war ja auch nicht allein.
« Letzte Änderung: 8.01.2019 | 22:43 von Crimson King »
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und segnet Fried und Friedenszeiten.

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Re: [Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan
« Antwort #456 am: 8.01.2019 | 22:48 »
Zum Marsianer:
Der war sich der Tatsache sehr bewusst, dass er mit den physikalischen Inhalten einen Haufen Zuschauer abhängt, wenn er nicht höllisch aufpasst.
Das war immer gerade so viel wie absolut nötig, um als Laie dem Plot folgen zu können. Höchstens hat man da mal einen Fachbegriff hingeworfen, über den sich die (Astro-)Physik-Nerds freuen durften. Dafür hat man andererseits z.B. mit Donald Glovers Charakter eigens einen extravaganten Spinner aufgebaut, damit der eine der wenigen längeren Erklärungen auch ja massentauglich abliefern kann.
 
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Re: [Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan
« Antwort #457 am: 8.01.2019 | 23:59 »
Prometheus war ja auch riesengroßer Scheiss.

Welcher von beiden Filmen, Interstellar oder Prometheus, jetzt der größere Riesenscheiss ist, ist wirklich schwer zu sagen. Beide wetteifern wirklich sehr hart um die Allergrößter-Riesenscheiss-Aller-Zeiten Krone, was "SF" Filme angeht. Beide sind vollgestopft mit Logiklöchern vom Ausmaß des Galaktischen Zentrums und absolut hirnamputiert-debilen Entscheidungen der Figuren.

Hyperbel: würde man mich mit vorgehaltener Waffe zwingen, einen der beiden Filme nochmal anzuschauen, würde ich sagen "Schieß".

Etwas weniger hyperbolisch: ich würde den kürzeren aussuchen, weil das Aneurysma dann schneller vorbei ist.

Den Marsianer hab ich noch in der Watchlist, bin aber noch nicht dazu gekommen.
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Re: [Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan
« Antwort #458 am: 9.01.2019 | 00:19 »
Der sollte dir gefallen - hat für seinen Plot ein paar halbwegs clevere erzählerische Kniffe, ist atmosphärisch gut gelungen und schafft es mMn auch, einem die paar Stellen gut zu verkaufen, wo er sich nicht ganz so ernst nimmt.

Ist natürlich nicht "Kerbel Space Program: The Movie", aber er holt aus seiner Prämisse gut was raus. 
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Re: Re: Filme und Serien - Smalltalk
« Antwort #459 am: 9.01.2019 | 01:36 »
Ich gebe zu, dass ich dir da jetzt nicht so ganz folgen kann.

Schritt 1: Sonde runterschicken.
Schritt 2: Sonde zurückkehren lassen*
Schritt 3: Daten der Sonde auswerten
Schritt 4: Die eigentliche Rettungsmission starten

Ich würde sagen die Chancen stehen gut, dass der zu rettende Astronaut bei Einleitung von Schritt 2, spätestens bei Schritt 4, nicht mehr am Leben ist. Und wenn man das weiß, dann macht man sowas nicht, sondern versucht eine Möglichkeit bei der man vorher weniger Informationen hat, aber dafür die Möglichkeit in einem engen Zeitfenster agieren zu können und für die Situation angemessene Entscheidungen zu treffen (wäre die Situation anders gewesen, wäre z.B. die Sonde runtergeflogen, hätte die Umgebung abgetastet (dabei ein "Foto" vom verblutenden Astronauten gemacht) und wäre wieder zum Schiff zurückgekehrt).

*Dass die Sonde in dieser Situation höchstwahrscheinlich gar nicht zurück kommt - und die Astronauten entweder weitere Sonden schicken oder trotzdem blind reingehen müssen - lasse ich mal außen vor, weil das die Protagonisten auch nicht gewusst haben.

@Marsianer: im Grunde eine recht banale Robinsonade (vergleichbar mit "Gravity" oder "Open Water"), mit reichlich "dramatischen Wendungen" (der Mars folgt in diesem Film nicht den Gesetzen der Physik, sondern hat ein Bewusstsein und einen persönlichen Hass auf Matt Damon) gelegentlich unterbrochen durch recht klotzige Expositionsmonologe (nach dem Prinzip "tell, don't show") - aber immer noch besser als das Buch.
« Letzte Änderung: 9.01.2019 | 01:42 von Alexandro »
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Offline Sashael

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Re: Re: Filme und Serien - Smalltalk
« Antwort #460 am: 9.01.2019 | 07:52 »
Schritt 1: Sonde runterschicken.
Schritt 2: Sonde zurückkehren lassen*
Schritt 3: Daten der Sonde auswerten
Schritt 4: Die eigentliche Rettungsmission starten
Ah. Ja. Nee.

Ich hab ja nicht geschrieben "Eine Sonde statt der Rettungscrew senden" sondern "Eine Sonde schicken".
So wie das aus sehr nachvollziehbaren Gründen heutzutage schon gemacht wird.

Und selbst wenn man damit argumentiert, dass die interstellare Distanz den Einsatz einer Sonde erschwert, weil keine vernünftige Kommunikation mit der Basis möglich ist, hätte die Crew, die dort als Erste hingeflogen ist, durch den Einsatz einer Sonde alle nötigen Daten bekommen, ohne Menschenleben zu riskieren und letztendlich zu verlieren. So war das einfach ne total dämliche und extrem(!) kostspielige Schnapsidee, bei der ich erwarte, dass eine Organisation, die interstellare Flüge hinbekommt, sie tatsächlich erst gar nicht in Betracht zieht.
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Re: [Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan
« Antwort #461 am: 9.01.2019 | 09:25 »
Also erstmal danke für die ganzen geduldigen Antworten auf meinen Rant,wurde das ja hier z.T. schon durchexzerziert. Ich glaube ich habe eine Idee, wo die Diskrepanz in der Wahrnehmung so ungefährt herkommt. So ganz zufrieden bin ich mit der Erkenntnis aber noch nicht, ich muss da nochmal drüber nachdenken.
Vielleicht hole ich mir auch nochmal The Science of Interstellar und versuche herauszufinden, warum Forenphysiker die physikalischen Hintergründe besser beurteilen können, als ein renomierter theoretischer Physiker

[Kleiner Brainstorming-Einschub: Ich vermute mal, der Film möchte diesbezüglich von etwas weiter weg betrachtet werden. Immerhin wird hier einem breiten Publikum der Begriff der Zeitdilatation zugemutet ;) Darüberhinaus gibt es eine Menge Zugeständnisse, die man hinsichtlich Plotentwicklung und Dramaturgie aufgrunde der Blockbusterprämisse schlucken muss. Das kann für einige eine Hürde bedeuteten, ist aber aus meiner Sicht losgelöst vom grundsätzlichen physikalischen Hintergrund und der daraus hervorgegangenen SciFi-Idee zu betrachten. Beides zu vermischen ist da eventuell nicht zielführend]

Der sollte dir gefallen - hat für seinen Plot ein paar halbwegs clevere erzählerische Kniffe, ist atmosphärisch gut gelungen und schafft es mMn auch, einem die paar Stellen gut zu verkaufen, wo er sich nicht ganz so ernst nimmt.

Ist natürlich nicht "Kerbel Space Program: The Movie", aber er holt aus seiner Prämisse gut was raus.

Also gemessen an Feuersängers Standards sollte es mich sehr wundern, wenn er über die ersten 10 Minuten herauskommt. Immerhin ist die ganze Grundprämisse des Films mit
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reinste Fiktion.  >;D
Darüber hinaus setzt er aber hohe Standards! Tendenziell würde ich aber tatsächlich eher zum Buch raten, welches in vielen Punkten detailierter ist und nicht soooo reißerisch rüberkommt. Die Dynamik der Ereignisse, die sich aus einer Verkettung von "Probenpatzern" ergeben und die Art, wie der Protagonist sich von Plotpunkt zu Plotpunkt rettet ähnelt der in Gravity, bleibt aber verdaulicher.

Wer Kerbel-Space-Programm haben will, dem kann ich nur nochmal  Europa Report empfehlen. Der zieht das Thema "Interplanetare Expedition" extrem konsequent, professionell... und eben auch streckenweise langweilig um. Als One-Trick-Pony fand ich den durchaus gelungen, aber außerhalb dieses Fadens kann ich den keinem empfehlen. Das war den Machern dann auch klar, weswegen er ja an der entscheidenen, dramaturgischen Stelle wieder in Fantasy abgleitet
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
.
Europa Report nimmt seine Prämisse also ernst und zahlt dafür m.E. mit Langeweile.

Man kommt wohl nicht umhin, die ein oder andere dramaturgische Kröte zu schlucken. Die Kunst ist nur, diese glaubhaft zu verpacken. Was wie glaubhaft ist hängt dann vom subjektiven Blick ab und wie sehr man sich auf die Prämisse einlassen kann oder will. Und gerade was Klischees in der Dramaturgie angeht hat vermutlich jeder so seine Grillen ;)
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Re: [Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan
« Antwort #462 am: 9.01.2019 | 09:48 »
Wie gesagt, was die technisch-physikalische Seite angeht, ist mein größter Aufreger dieses eine Ultra-Logikloch, dass sie die ganze Expedition zum Schwarzen Loch unternehmen, um einen Antrieb fertigzustellen, den sie _nachweislich bereits haben_, weil ohne ihn Landung auf und Start von diesem Schweren Planeten mit dem gezeigten Raumfahrzeug überhaupt nicht möglich wäre.

Die meisten anderen Aufreger sind hauptsächlich hirnrissigen Entscheidungen der Figuren sowie lächerlich vorhersehbaren Plot Twists geschuldet.
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Re: [Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan
« Antwort #463 am: 9.01.2019 | 10:12 »
@First Orko: Vielleicht als Randnotiz. Diese Problematik begrenzt sich nicht unbedingt nur auf wissenschaftliche Fakten. Vor kurzem hat Adam Neely (studierter Bassist aus New York) in einem YT-Video  erklärt, wieso ihm beim Film Whiplash die Zehennägel hochgerollt sind (er hat allerdings die eigentliche Machart gewürdigt. Trotzdem war das Filmerlebnis nichts für ihn gewesen). Der YouTuber Cynical Historian (er meint mit Cynical die Philosophie, Geschichtsdozent/-student) nimmt regelmäßig Filme "Based on a true Story" auseinander.
Ich denke dass da viel mit dem eigenen (gefühlten?) Wissenstand zu tun und in wie weit man diesen Wissenstand ausblenden kann.
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Re: [Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan
« Antwort #464 am: 9.01.2019 | 10:22 »
Ich denke dass da viel mit dem eigenen (gefühlten?) Wissenstand zu tun und in wie weit man diesen Wissenstand ausblenden kann.

Auf jeden Fall!

(Ich habe zBsp durch Mister Robot erst gemerkt, wie sehr ich mich schon an die grundsätzlich völlig an der Realität vorbeigehenden Darstellung von "Hacken" (das fängt ja schon mit dem Begriff an) in Filmen und Serien gewöhnt habe.
Gleichzeitig ist mir bewusst, dass die Dramaturgie in Mister Robot eben auch konsequenterweise durch typische IT-Problemstellungen bestimmt wird und damit schon viele Zuschauer aussperrt. Parallel ist aber wiederum die Darstellung von Elliots psychologischer Erkrankung bestenfalls auf dem Stand von "Küchenpsychologie"...)
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Re: [Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan
« Antwort #465 am: 9.01.2019 | 10:42 »
Naja, ich konnte Interstellar sehr gut genießen, weil ich den Film nicht als realistische Zukunftsvision betrachtet habe, sondern als symbolisches Gleichnis auf den Zustand des SF-Genres; und als solches finde ich ihn brillant.
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Re: [Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan
« Antwort #466 am: 9.01.2019 | 10:50 »
Vielleicht hole ich mir auch nochmal The Science of Interstellar und versuche herauszufinden, warum Forenphysiker die physikalischen Hintergründe besser beurteilen können, als ein renomierter theoretischer Physiker

Dazu hat Pyromancer hier doch schon mal was geschrieben.
Es ist ja ganz entschieden nicht so, dass man den kompletten Film in enger Zusammenarbeit mit Mr. Thorne geschrieben, sondern ihn vielmehr zwischendurch mal gefragt hat, ob das Gezeigte (AFAIK nur in Bezug auf die Schwarzen Löcher) völlig unmöglich ist und beim folgenden "Nein, nicht völlig unmöglich" ist man losgerannt und hat geschrien, dass der Film von einem führenden Physiker abgesegnet ist und höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügt.

Es geht nicht darum, dass irgendein dahergelaufener Forist mehr weiß oder kann als ein Kip Thorne, wenn der "losgelassen" wird. Es geht um den Grad seiner Mitarbeit und den Umgang damit; letzterer war nämlich eine schlichte Werbelüge und sonst nichts.

Ich denke dass da viel mit dem eigenen (gefühlten?) Wissenstand zu tun und in wie weit man diesen Wissenstand ausblenden kann.

Und auf der anderen Seite, wie weit einem die Autoren dabei entgegen kommen.
Oft genug sagt der Fachmann: Ja, für einen Film (wo das ggf. noch nicht mal Schwerpunkt ist) kann man das so machen, auch wenn es genau genommen so nicht stimmt.

Problematisch wird es da, wo die Autoren ganz offensichtlich kein bisschen Ahnung von der Sache haben und Plotelemente auf der falschen Darstellung aufbauen. Oder - ähnlich, aber nicht ganz das Selbe - wenn der Film von einer korrekten Darstellung auch plotseitig und dramaturgisch profitieren würde.
So was fuchst mich enorm.


Naja, ich konnte Interstellar sehr gut genießen, weil ich den Film nicht als realistische Zukunftsvision betrachtet habe, sondern als symbolisches Gleichnis auf den Zustand des SF-Genres; und als solches finde ich ihn brillant.

Hervorragende Darstellung eines rundum bedauernswerten Zustandes - toll und deprimierend zugleich ;D
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Re: [Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan
« Antwort #467 am: 9.01.2019 | 10:52 »
Naja, ich konnte Interstellar sehr gut genießen, weil ich den Film nicht als realistische Zukunftsvision betrachtet habe, sondern als symbolisches Gleichnis auf den Zustand des SF-Genres; und als solches finde ich ihn brillant.
Okay, das ist aber schon sehr Meta, oder? ;D
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Re: [Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan
« Antwort #468 am: 9.01.2019 | 10:56 »
Ich hab sogar Angriff der Killertomaten in voller Länge gesehen
Der ist ja auch großartig.
Fast noch besser finde ich ja *Rückkehr* der Killertomaten (u.a. mit dem jungen George Clooney), aber der war zumindest vor ein paar Jahren komischerweise deutlich schwerer aufzutreiben als Teil 1. Müsste ich mal wieder versuchen.
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Re: [Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan
« Antwort #469 am: 9.01.2019 | 10:59 »
Das Hauptproblem mit Interstellar ist, dass die Grundstory "die Erde ist unbewohnbar, darum reisen wir zu Planeten rund um ein schwarzes Loch den wir aber nicht kennen" vollkommen sinnlos ist. Im Detail sind dann immer noch genug andere Probleme da - aber selbst auf der ganz großen Ebene gibt es dort halt keine Glaubwürdigkeit.

Ein Film mit der Grundprämisse "Brandenburg ist zu kalt, also ziehen wir nach Antarktika"  ist würde man wohl auch irgendwie als unlogisch bezeichnen.
« Letzte Änderung: 9.01.2019 | 11:01 von Arldwulf »

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Re: [Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan
« Antwort #470 am: 9.01.2019 | 11:06 »
Es geht nicht darum, dass irgendein dahergelaufener Forist mehr weiß oder kann als ein Kip Thorne, wenn der "losgelassen" wird. Es geht um den Grad seiner Mitarbeit und den Umgang damit; letzterer war nämlich eine schlichte Werbelüge und sonst nichts.
Ist das wirklich so? Immerhin war er auch "Executive Producer" - was auch immer so einer macht und er (und ein paar andere namhafte Physiker) haben sich im Nachhinein ja auch geäußert:

https://en.wikipedia.org/wiki/Interstellar_(film)#Scientific_accuracy

Scheint also ein paar Leute mit Ahnung zu haben, die da durchaus mit leben können; hier im Thread lese ich viel Nerdrage der Marke "Ritter gegen Samurai", "Ritter gegen Bauernmob" und "Wie viel Wasser braucht man in Rüstung in der Wüste".

Alles übrigens Diskussionen, die hierzuforum bereits lang und breit und mit heiligem Ernst geführt wurden. Nicht dass einer der Diskutanden jemals - zum Beispiel -  in Rüstung in der Wüste war, aber das hindert nicht daran, wildeste Behauptungen aufzustellen. Da wurde viel mit "das sagt der gesunde Menschenverstand" oder "das ist doch logisch" als, ich nenn's jetzt einfach mal "Argumente" diskutiert.
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Re: [Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan
« Antwort #471 am: 9.01.2019 | 11:06 »
@Marsianer: im Grunde eine recht banale Robinsonade (vergleichbar mit "Gravity")
Der Marsianer hat wenigstens so etwas wie eine Geschichte, Gravity hat dahingehend einfach mal überhaupt nichts.  :snoring:

Europa Report kann ich allerdings auch nicht empfehlen.
Found Footage ist für mich ziemlicher Murks, die Figuren sind unsympathisch und ziemlich dämlich, er ist relativ fad und das Ende ist albern.
Immerhin ist er nicht total absurd, was die realistische Seite angeht. Allerdings bin ich auch kein Raumfahrtexperte.

PS: Wer David Bowie mag, sollte den Marsianer schauen.  ;D

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Re: [Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan
« Antwort #472 am: 9.01.2019 | 11:26 »
Scheint also ein paar Leute mit Ahnung zu haben, die da durchaus mit leben können

Da wäre die Frage, zu was die sich da konkret geäußert haben.
Ich habe das Begleitbuch nicht gelesen, aber ich gehe einfach mal davon aus, dass z.B. die Problematik mit dem Ranger-Lander da überhaupt nicht zur Sprache kommt; ebenso wenig wie die Grundprämisse(n).
Es geht ja auch nicht darum, dass das Schwarze Loch da grundfalsch präsentiert würde, sondern um die Widersprüche und Ungereimtheiten im erweiterten Umfeld. Da hat ein wissenschaftlicher/technischer Berater i.d.R. nichts mehr mit zu tun, das geht auf die Kappe der Autoren.


Was grundsätzlich die GMV-Diskussionen angeht: Common sense ain't common  ;)
Mit manchen lässt sich da schlicht nicht diskutieren, aber wenn man an Leute gerät, die sauber herleiten und die richtigen Vergleiche ziehen (können), dann geht da sehr wohl was.
Da muss man im Zweifelsfall schauen, wie die sich zu anderen Sachen äußern, die man besser bewerten kann als den Stein des Anstoßes.
 
"Kannst du dann bitte mal kurz beschreiben, wie man deiner Meinung bzw. der offiziellen Auslegung nach laut GE korrekt verdurstet?"
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Re: [Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan
« Antwort #473 am: 9.01.2019 | 12:11 »
wenn man an Leute gerät, die sauber herleiten und die richtigen Vergleiche ziehen (können), dann geht da sehr wohl was.
Problem ist, dass das jeder von sich selber denkt.
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Re: [Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan
« Antwort #474 am: 9.01.2019 | 12:33 »
Klar.
Daher muss man schauen, wen man was fragt. Oder zumindest, welche Antworten man ernst nimmt.

Wenn natürlich ein völlig Ahnungsloser ohne Medien- bzw. Bewertungskompetenz andere Ahnungslose fragt, kommt dabei nichts rum.
 
"Kannst du dann bitte mal kurz beschreiben, wie man deiner Meinung bzw. der offiziellen Auslegung nach laut GE korrekt verdurstet?"
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