Autor Thema: Währungen in SF-Settings  (Gelesen 9638 mal)

Kurna und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Feuersänger

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Re: Währungen in SF-Settings
« Antwort #75 am: Gestern um 18:39 »
Geht jetzt ein bisschen weg vom Threadthema; vielleicht lohnt es sich das noch auszugliedern.

Zitat
Eine andere Zielgruppe wären Leute, die aus gesellschaftlichen oder politischen Gründen auf der Erde nicht so richtig glücklich werden

In eine ähnliche Richtung habe ich auch schon gedacht. Wobei jetzt Homophobie bei meinen Überlegungen keine Rolle gespielt hat. Eher so in der Art -- das ist aber noch aus einer älteren Iteration des Settings -- dass viele Erd-Blöcke ihren Bürgern eine gewisse Konformität abverlangen, quasi als sozialer Kontrakt "Du wirst voll versorgt, dafür nervst du nicht rum". Wer also aus diesem Konformitätszwang ausbrechen will, geht ins All. Soweit die Theorie.

In der Praxis aber wäre das geradezu satirisch albern. Gerade in einer Weltraumkolonie wird es absolut unabdingbar sein, sich in ein Kollektiv einzufügen. Ach so individualistische Freigeister dürften da große Probleme haben, wenn sie jahrelang unausweichlich auf relativ engem Raum* mit immer den gleichen anderen Menschen aufeinander hocken, wo jeder jederzeit Rücksicht nehmen und sich mit anderen abstimmen muss. Die einzige Ausnahme wären vielleicht Space Trucker oder Prospektoren, die in ihren Einmann-Schiffen wochenlang allein unterwegs sind.

Also kurz, in der Praxis wird man auf der Erde immer noch mehr Möglichkeiten haben, Individualismus auszuleben und die Sau rauszulassen, als bei irgendeinem Weltraumprojekt. Das taugt also nicht als Begründung, außer eben im Irrtum wenn sich jemand ganz gewaltig verkalkuliert hat.

Eine "billige" Erklärung wären da finanzielle Anreize -- auch wenn auf der Erde niemand mehr wirklich arm ist, sind hochbezahlte Jobs halt knapp. Da ist ein Kontrakt auf einer Raumstation ein potentieller Jackpot, zumal wenn man dort ähnlich wie heute auf einer Offshore-Bohrplattform innerhalb weniger Jahre soviel Knete machen kann wie anderswo im ganzen Leben.

Und dann gibt es sicherlich auch einfach viele Überzeugungstäter. Die das halt machen, weil sie's einfach geil finden, oder weil sie der Überzeugung sind dass sie das langfristig Richtige für die Menschheit tun.

*) Randbemerkung zu "engem Raum": wir reden jetzt hier nicht von WW2-Uboot-Maßstäben, wo sich zwei Männer eine Koje teilen und sich immer einer in den Mief des anderen legen muss. Ein moderner Clipper bietet der Crew Einzelkabinen à ca 16m² plus Gemeinschaftsräume. Auf einer Station sollten 40-50m² privater Wohnbereich pro Kopf locker möglich sein. Das nur eben zur Einordnung.
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Zitat von: ErikErikson
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Re: Währungen in SF-Settings
« Antwort #76 am: Gestern um 21:20 »
Es gäbe vielleicht auch die Kombination von beidem (Individualität und finanzielle Anreize). Zwar gäbe es theoretisch auf der Erde mehr Möglichkeiten für einen individuellen Lebensstil als im All, aber eventuell muss man sich das erst einmal leisten können. Dann geht man dafür ins All und wenn es dort nicht wie erhofft möglich ist, macht man zumindest genug Kohle (pun intended  :) ), um es sich anschließend auf der Erde leisten zu können.
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Re: Währungen in SF-Settings
« Antwort #77 am: Heute um 10:22 »
Geht jetzt ein bisschen weg vom Threadthema; vielleicht lohnt es sich das noch auszugliedern.

In eine ähnliche Richtung habe ich auch schon gedacht. Wobei jetzt Homophobie bei meinen Überlegungen keine Rolle gespielt hat. Eher so in der Art -- das ist aber noch aus einer älteren Iteration des Settings -- dass viele Erd-Blöcke ihren Bürgern eine gewisse Konformität abverlangen, quasi als sozialer Kontrakt "Du wirst voll versorgt, dafür nervst du nicht rum". Wer also aus diesem Konformitätszwang ausbrechen will, geht ins All. Soweit die Theorie.

In der Praxis aber wäre das geradezu satirisch albern. Gerade in einer Weltraumkolonie wird es absolut unabdingbar sein, sich in ein Kollektiv einzufügen. Ach so individualistische Freigeister dürften da große Probleme haben, wenn sie jahrelang unausweichlich auf relativ engem Raum* mit immer den gleichen anderen Menschen aufeinander hocken, wo jeder jederzeit Rücksicht nehmen und sich mit anderen abstimmen muss. Die einzige Ausnahme wären vielleicht Space Trucker oder Prospektoren, die in ihren Einmann-Schiffen wochenlang allein unterwegs sind.

Also kurz, in der Praxis wird man auf der Erde immer noch mehr Möglichkeiten haben, Individualismus auszuleben und die Sau rauszulassen, als bei irgendeinem Weltraumprojekt. Das taugt also nicht als Begründung, außer eben im Irrtum wenn sich jemand ganz gewaltig verkalkuliert hat.

Ich glaube, du ziehst das falschherum auf.

Auf der Erde hängt man zwar nicht so eng aufeinander wie auf einer Raumstation oder einem Schiff - aber so richtig Platz, dass jeder ungestört sein eigenes Ding machen kann, ohne andere damit zu beeinträchtigen, ist auch wieder nicht. Es kann zwar jeder sein separates Dorf haben, aber zum nächsten Dorf sind es selbst zu Fuß höchstens ein paar Stunden.

Im Weltraum sieht das ganz anders aus - da ist es viel einfacher, sich als homogene Gemeinschaft in einer Station zusammenzufinden und, zum Beispiel, als Gruppe religiöser Fanatiker den Kontakt mit dem gottlosen Rest der Menschheit extrem einzuschränken, damit die eigenen Kinder nicht auf den Gedanken kommen, man könne auch anders leben.

Eine bunt gemischte Gruppe Nonkonformisten zusammen auf eine Station zu sperren ist ein Rezept für eine Katastrophe, da gebe ich dir recht. Aber ihnen die Möglichkeit zu geben, sich jeweils nach Gruppen sortiert im Weltraum ihr eigenes Fleckchen Paradies aufzubauen, erscheint mir deutlich realistischer.

Und fürs Rollenspiel hat das den Vorteil, dass sich schön viele wunderbar exzentrische Gesellschaften (ein wenig im Sinne des "Planet of Hats", aber diesmal gerechtfertigt) bilden, die unsere tapferen Spielercharaktere auf ihren Reisen besuchen können.
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