Autor Thema: Zeigt mir die hässlichsten Rollenspielcover aller Zeiten!  (Gelesen 28600 mal)

Ruinenbaumeister und 2 Gäste betrachten dieses Thema.

Online nobody@home

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Hier sind die Illustratoren genannt, einer davon ist Palladium/Rifts Erfinder Kevin Siembieda. Keine Ahnung, wer sich für das Cover verantwortlich zeichnete. Es sieht schon ziemlich schlimm aus  :ctlu:

https://en.wikipedia.org/wiki/City_of_Lei_Tabor

Also, laut der abgebildeten Signatur (zwischen dem Ork(?)schwertknauf und dem Runequest-Schriftzug) ist das wohl von Kevin persönlich -- und nebenbei scheinbar sechs Jahre älter als das Produkt selbst, das wohl erst 1980 herausgekommen sein soll.

Offline Andropinis

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Also, laut der abgebildeten Signatur (zwischen dem Ork(?)schwertknauf und dem Runequest-Schriftzug) ist das wohl von Kevin persönlich -- und nebenbei scheinbar sechs Jahre älter als das Produkt selbst, das wohl erst 1980 herausgekommen sein soll.

Tatsache - und man erkennt den Stil in anderen Bildern von ihm:

A reader lives a thousand lives before he dies. The man who never reads lives only one.

George R.R. Martin

Offline Skaeg

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Wieso, das transportiert doch die Prämisse sehr gut. Man spielt Vanilla Ice, aber mit mutierten Gibbon-Armen, zieht sich an wie eine Biene und besiegt hässliche Strolche, indem man Geschick im Parkour demonstriert.
Das ist aber eine gewagte Interpretation. Bleiben wir doch mal dicht am Bild:

Der Orc ist augenscheinlich gerade dabei, sich das Leben zu nehmen, indem er sich sein Schwert in die Brust rammt. Sein Gesichtsausdruck zeigt Überraschung, aber keine Angst, angesichts des heranstürmenden Mannes.

Letzterer ist sichtbar aufgebracht und eilt gehetzt herbei. Warum sollte das so sein, wenn sein Ziel der Tod des Orcs wäre, angesichts der Tatsache, dass dieser ohnehin drauf und dran ist, Suizid zu begehen? Antwort: Das ist nicht sein Ziel, sondern das Gegenteil ist es. Das "Nein, tu es nicht! Das ist es nicht wert!" kann man förmlich auf seinen Lippen lesen, so klar ist die Situation.

Der Blick auf die Details der Figuren und der an ihnen dargestellten Aspekte materieller Kultur eröffnet uns weitere Deutungsnuancen:

Der Orc trägt deutlich hervorgehobene wertvolle Armreife. Beutegut, mag man denken, doch das wäre ein analytischer Schnellschuss, der ins Leere geht - denn die Reife sind offensichtlich angepasst. Wir bewegen uns also ganz in den Regeln der ars interpretandi, wenn wir die Figur sozial in der herrschenden Klasse ihrer Gesellschaft verorten.
Hier noch ein Einschub: Bisher haben wir ganz selbstverständlich von "dem Orc" geredet, und dabei dem Leser schelmisch eine bestimmte Deutung untergeschoben. Natürlich kann es sich aber genau so gut um eine Orcin halten. Möglicherweise eine Schamanin oder eine Orcfrau aus der Oberschicht des Stammes, die - und dieses Bild des Gesamtkontext verdichtet sich zusehends - nach dessen vernichtender Niederlage gegen die menschlichen Stadtbewohner das Schwert eines Gefallenen ergriffen hat und im Begriff ist, das zu tun, was die Ehrenvorstellungen einer nomadischen Kriegerkultur in diesem Fall zwingend ist. Die Entschlossenheit und Selbstverständlichkeit, mit der das Schwert gegen sich selbst gerichtet wird, illustrieren noch verstärkend, was eigentlich dessen nicht bedarf: Diese Oberschicht ist eine kriegerische.

Demgegenüber ein offenbar in den Dienst der städtischen Wehr gepresster männlicher Mensch - klar erkennbar ist, wie ungelenk er die ihm nicht gewohnte Waffe hält. Weder Stiefel noch Mantel noch Rüstung trägt er - kurzfristig aus seiner gewohnten, zivilen urbanen Umgebung entfernt, so lautet das eindeutige Verdikt.
Es erübrigt sich fast, zu erwähnen, dass es sich um einen Gaukler handelt - die Gestaltung der Kleidung, die geradezu aufdringlich betonte Akrobatik, mit der er über einen Baumstamm hetzt, die exzentrische Frisur mit kaum zu übersehenden Referenzen an kontemporäre Äquivalente der Narrenfigur sind in dieser Hinsicht beredt. Ebenso selbstverständlich dürfen wir hier im Rückgriff auf anthropologische Konstanten von einem Angehörigen der städtischen Unterschicht, ja einem Außenseiter, ausgehen.

Der dieser meisterhaften Juxtaposition innewohnende intendierte Kontrast arbeitet auf mehreren Ebenen:

Fremder (Feind) - Vertrauter (Freund)
Nomadisch - Urban
Kriegerisch - Zivil
Herrschende Klasse - Soziale Außenseiter
Konventionelle Ehrvorstellungen - Mitfühlender Nonkonformismus

Die Nutzung der einfachsten Werkzeuge der Hermeneutik verwandelt das Bild also in ein Panorama: Das Drama eines Aufeinandertreffens der Zivilisationsformen, wobei herausfordernd und konsequent Klischees durchkreuzt werden, zeigt sich genau so wie eine auf einem soliden Verständnis der Geschichte gesellschaftlicher Klassen basierende Kritik an rigiden sozialen Normen, und nicht zuletzt ein anrührendes Exempel lebensbejahenden Mitgefühls, das Grenzen von imaginären "Rassen", Gesellschaftsformen, Lebensweisen, Klassen und Sozialisation zu überwinden vermag.

...

Oder Kevin Siembieda hat halt irgendwas, das er als 18-jähriger hingeschludert hat, aus der Schublade gekramt und JG in die Hand gedrückt. Kann auch sein.

P.S.: Womit man sich so die Zeit vertreibt, wenn Öffis ausfallen und man festsitzt.
P.P.S.: Ich habe mir jetzt erstmal einen Tee besorgt, und meine Interpretation der hinter dem Baum hervorlukenden Gnome(?) gekappt - ich habe sie aber nicht übersehen!
« Letzte Änderung: Heute um 09:03 von Skaeg »
The Lord does not stand with those who are b*tch-like!

Online Maarzan

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@Skeag: einfach genial..😁
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Offline Radulf St. Germain

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Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich es gut finde und es hat einige anatomische und/oder perspektivische Fehler. Aber mir gefällt, was der Illustrator hier versucht hat und es ist irgendwie auch ein Relikt seiner Zeit.

Offline Blechpirat

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@skaeg: Danke, der Lacher hat gut getan!

Offline Grey

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@Skeag: einfach genial..😁
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Ich werd' euch lehren, ehrbaren Kaufleuten die Zitrusfrucht zu gurgeln!
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Lust auf ein gutes Buch oder ein packendes Rollenspiel? Schaut mal rein! ;)