Autor Thema: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens  (Gelesen 721 mal)

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Online HEXer

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Ich lese grade mal wieder einige Spielleiter-Ratgeber und bin dabei an verschiedenen Stellen auf Techniken gestoßen, in denen die Spielleitung das Innenleben der Spielerfiguren beschreibt. Also das Wissen, die Erinnerungen, Assoziationen, Gedanken, Gefühle, zusätzliche Details aus dem Characterhintergrund etc.

Dabei ist mir aufgefallen, dass ich als SL das nur sehr wenig und sehr ungerne tue. Natürlich beschreibe ich Sinneseindrücke, und stelle Charakterwissen zur Verfügung. Aber eher „von außen“ und neutral. ich schrecke davor zurück, Interpretationen und innere Reaktionen der Charaktere zu bestimmen. Weiß gar nicht so genau, warum. Irgendwie finde ich das übergriffig und tendenziell ‚railroadig‘.

Wie seht ihr das und wie handhabt ihr das? Wie oft benutzt ihr Sätze wie…

„Du weißt, dass…“
„Du erinnerst dich an damals, als du…“
„Das Verbindest du mit…“
„Dabei denkst du an…“
„Dabei fühlst du dich…“
„Das macht dich traurig/wütend…“

wenn ihr spielleitet? Wie sehr übernehmt ihr die Rolle eines Regisseurs, der auch bei seinen Protagonisten Einfluss auf deren Innenleben geltend macht? Wie sehr übernehmt ihr in dieser Hinsicht einen „director‘s stance“?
« Letzte Änderung: 16.08.2019 | 07:13 von HEXer »
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Offline KhornedBeef

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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #1 am: 16.08.2019 | 07:09 »
Bin ein Freund von starker Souveränität über den Spielercharakter.
Gefühle nein, Wissen oder Erinnerung ja, aber am besten mit "Können" als Hilfsverb.
Ausnahme: gibt es einen Zwang in der Fiktion, dann kann das auch ein Zwang im Spiel sein (Gedankenkontrolle, Anblick nicht-eukkidischer Geometrie). Da ist man bei vielen Systemen aber auch schnell beim Würfeln.
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Offline schneeland

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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #2 am: 16.08.2019 | 07:10 »
Ich versuche das ebenfalls zu vermeiden, da ich das als übergriffig empfinde - das Innenleben des Charakters gehört m.E. klar dem Spieler.
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Offline Luxferre

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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #3 am: 16.08.2019 | 07:22 »
Selten.
Liegt daran, dass ich diese Art Übergriffigkeit an meinen Charakteren selbst nicht mag, also versuche ich es als SL auch anders.

Mein Anspruch ist, dass ich als SL ein von mir gewünschtes Gefühl provoziere, aber nicht von außen vorgebe. Ich erzähle natürlich manipulierend, benutze gewisse Reizworte. Aber nur, wenn mir etwas daran liegt, auch genau dieses Gefühl am Tisch zu haben. Man muss die Gefühle ja nicht plakativ vorgeben, da alles auf jede/n auch anders wirkt. Daher versuche ich eine saubere und bildhafte Beschreibung hinzubekommen:

Nicht:
"Eure Charaktere fühlen sich hundeelend in der Stadt. Der Gestank erdrückt euch. Die Not der Menschen lässt euch verzweifeln."

Eher:
"Als ihr in die Stadt kommt, ist die Not der Menschen dort geradezu greifbar für euch. Die Straßen sind dreckig, über allem liegt ein schwerer Dunst."


Nicht:
"Der Jarl der Nordmänner ist so einschüchternd, dass eure Knie schlottern und ihr kein Widerwort über die Lippen bekommt."

Eher:
"Ein imposanter Jarl sitzt lässig auf seinem noch imposanteren Holzthron. Die Leute respektieren seine Autorität offensichtlich. Er ist gewohnt zu herrschen, zu bestimmen ... und kennt sicherlich keine Widerworte."


Mir ist wichtig, die Situation greifbar, erlebbar zu beschreiben und den Spielern aber ihre Freiheiten zu lassen.
Sollen sie sich in der Stadt doch wohlfühlen, wenn ihre Charaktere so abgefuckte Bastarde sind. Oder dem Jarl frech ins Gesicht sagen, dass sie auf seine Autorität scheißen. Bitte ... dann es gibs harte Konsiguensen  >;D


Meine recht beliebigen Beispiele sind natürlich nicht der Weisheit letzter Schluss. Sollen aber grob meinen Anspruch an mich aufzeigen .. den ich selbst natürlich nicht immer erfülle. Normal.

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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #4 am: 16.08.2019 | 07:28 »
Was Luxferre schreibt. Allerdings bin ich da als SL ziemlich schlecht drin.
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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #5 am: 16.08.2019 | 07:32 »
Was ich des Öfteren nutze ist:

"Auf manch einen mag das so-und-so wirken ..."

Wenig übergriffig, aber plakativ. Und meine Spieler entscheiden sich sowieso immer gegen die Angst  8]

Online 6

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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #6 am: 16.08.2019 | 07:35 »
Habe ich auch schon benutzt. Allerdings geht es mir um die Beschreibungen selber. Da bin ich ne Null drin.
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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #7 am: 16.08.2019 | 07:41 »
Sehe ich weitgehend auch so.
An den Beispielen aus dem Eingangsbeitrag:

„Du weißt, dass…“
„Du erinnerst dich an damals, als du…“
„Das Verbindest du mit…“
„Dabei denkst du an…“

Die ersten zwei sind überhaupt kein Problem -- viel neutraler kann man es ja nicht machen.
Die nächsten zwei sind auch kein Problem für mich wenn der SL das so formuliert; ist ja recht neutral und es geht darum, Charakterwissen zur Verfügung zu stellen.

Zitat
„Dabei fühlst du dich…“
„Das macht dich traurig/wütend…“

Das geht natürlich nicht. Wie der Charakter sich fühlt und was ihn wütend oder traurig macht, liegt in der Deutungshoheit des Spielers.
Wenn so ein Sachverhalt mich/meinen SC traurig oder wütend machen soll, ist es die Aufgabe des SLs das so rüberzubringen dass sich diese Reaktion bei mir einstellt.
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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #8 am: 16.08.2019 | 07:42 »
Habe ich auch schon benutzt. Allerdings geht es mir um die Beschreibungen selber. Da bin ich ne Null drin.

Hätte ich bei Deiner Schreibe hierzuforum nicht erwartet ... glaube ich Dir auch irgendwie nicht  >;D

Bildliche Adjektive kennt man. Ich versuche mir ein inneres Gefühl vorzustellen und versuche dafür dann die passenden Worte (mz) zu finden. Beschreibungen von Orten, Dingen, Wesen kann man sich relativ gut aneignen, finde ich. Bzw. fällt mir persönlich recht leicht. Das Hervorrufen eines Bildes im Kopf und die damit verbundenen Emotionen.
Dafür habe ich ein Problem mit wissenschaftlich exakten, kurzen und prägnanten, sachlichen Dingen  ;D

Offline Orlock

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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #9 am: 16.08.2019 | 07:48 »
Ich benutze so etwas ziemlich regelmäßig.
Ich weiß einfach nicht, ob die Spieler auf andere Beschreibungen so reagieren würden wie ich das erhoffe/erwarte. Außerdem ist ja nicht immer jedem klar, wie ein Elfenzauberer in der bespielten Welt jetzt genau auf Situation X reagieren müsste . Da schließe ich mich als SL sogar ein. Aber ich habe zumindest eine Vorstellung davon. Und die versuche ich rüberzubringen.

Offline KhornedBeef

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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #10 am: 16.08.2019 | 07:56 »
Ich benutze so etwas ziemlich regelmäßig.
Ich weiß einfach nicht, ob die Spieler auf andere Beschreibungen so reagieren würden wie ich das erhoffe/erwarte. Außerdem ist ja nicht immer jedem klar, wie ein Elfenzauberer in der bespielten Welt jetzt genau auf Situation X reagieren müsste . Da schließe ich mich als SL sogar ein. Aber ich habe zumindest eine Vorstellung davon. Und die versuche ich rüberzubringen.
Die Frage ist, wo man die Grenze der Souveränität zieht. Ich nehme an, die beschreibst den Spielern nicht die Handlungen ihrer Figuren?
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Offline Orlock

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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #11 am: 16.08.2019 | 08:24 »
Nein, das natürlich nicht.
Einfache Beispiele wären wohl, dass ich gewissen Klerikern klar mache, dass für ihn Nekromantie gar nicht geht und keine Gnade angebracht ist, oder dass eine Sammlung abgeschlagener Hände auf den SC eine andere Wirkung hat als eine Beschreibung der Situation auf den Spieler, der außerdem auf Splatterfilme steht. So etwas halt.

Online hassran

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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #12 am: 16.08.2019 | 08:46 »
"Übergriffig" scheint mir in diesem Zusammenhang eine zu starke Formulierung...Sobald Adjektive ins Spiel kommen, ist eigentlich bereits die Welt des Regisseurs betreten. Selbst vermeintlich unschuldige Worte wie "groß" oder "klein" bedürfen eines Maßstabs, der von Personnage zu Personnage unterschiedlich sein kann und dem deshalb schwierig Rechnung zu tragen ist ohne nur noch Raummaße o.ä. zu nutzen (was seine eigenen Schwierigkeiten mit sich bringt).

Ich sehe das als Gratwanderung.

Grüße

Hasran
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Offline korknadel

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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #13 am: 16.08.2019 | 08:53 »
Ich versuche das ähnlich wie Luxferre zu machen. Mag das auch nicht, wenn mir vorgeschrieben, was mein Char fühlt und denkt. Ausnahmen sind, wenn ich als SL den Spielern dadurch Wissen vermitteln kann. Also zum einen tatsächlich Erinnerungen, wenn ich weiß, dass die Spieler da wahrscheinlich nicht alleine draufkommen werden, ich aber will, dass die Info "sitzt". Oder wenn ich den Spielern sage, dass etwas unheimlich, sich ihnen die Nackenhaare aufstellen oder so, dann ist das weniger, um ihnen vorzuschreiben, dass sie gefälligst Angst haben sollen, sondern damit sie wissen, dass jetzt gleich der Dämon persönlich um die Ecke kommt.
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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #14 am: 16.08.2019 | 08:57 »
Nur, wenn es angemessen erscheint und insbesondere vom Spieler angestoßen wurde. Das ist dann der Fall, wenn der Spieler explizit fragt (sehr selten) oder eine entsprechende Fertigkeit seines Charakters anspielt ("Ich habe einen Gefahrensinn, triggert der gerade..?").
Dann mache ich es aber gern, weil die Innensicht eine Sichtweise auf die Spielwelt erlebt, die einem sonst verschlossen bleibt.

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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #15 am: 16.08.2019 | 09:28 »
Kommt drauf an. Auf Anraten habe ich meinem Zauberschul-Spiel extra einen Wurf für "wenn du ruhig bleiben musst" gegeben. Offenbar soll die SL dann für die lieben kleinen ganz furchtbar bedrohliche Sachen schildern. Ob sie wirklich Angst haben, dafür würfelt man dann. Entsprechend ist bei Fate einen entsprechenden Aspekt zu compellen, ebenso angesagt.

Generell, würde ich wahrscheinlich weniger die im Eingangsbeitrag gewählten Formulierungen wählen. Ich würde eher sagen: "Der neue Mitschüler sieht heißt aus", als "Du findest den neuen Mitschüler heiß". Wobei das sicher auch noch OK. Was die Figur damit macht, ist dann die Frage.






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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #16 am: 16.08.2019 | 09:57 »
Bei reinen Beschreibungen geht mich das Gefühlsleben der SC nichts an. Schlimmstenfalls kriegen sie ein paar "intimere" Wahrnehmungen so in der Art von "dem einen oder anderen von euch mag ein Schauer über den Rücken laufen" -- aber das gehört dann, denke ich, noch zum SL-Business as usual.

Wenn tatsächlich ein Regelelement greift (muß nicht gleich was Übernatürliches sein; soziale Fertigkeiten, diverse Charakternachteile, oder die Panikregeln für Karnickel bei The Warren tun's ja auch), dann mag ich ein bißchen mehr nachhalten müssen, um sicherzugehen, daß das nicht einfach ignoriert wird. Aber auch das ist normalerweise kein Grund, dem Spieler den Charakter gleich komplett "wegzunehmen"; es heißt einfach nur, daß er die aktuellen Auswirkungen bitteschön auch bei dessen nächsten Entscheidungen und Handlungen berücksichtigen sollte, genauso, wie er's bei Faktoren außerhalb seines Charakters vermutlich die ganze Zeit eh auch schon tut. ("Diese natürliche 20 sagt, daß du dich tatsächlich erst mal eingeschüchtert fühlst, nachdem der grimmige Barbarenhäuptling dir praktisch ins Gesicht gesprungen ist und dich in seiner gutturalen Sprache anscheinend gründlich zusammengestaucht hat" ist schließlich irgendwo ein genauso guter Grund, jetzt erst mal keine kesse Lippe zu riskieren, wie "Die Brücke schwankt bedenklich und kann jeden Moment einstürzen -- einzelne Balken stürzen schon in die Tiefe!" für die meisten von uns ein Argument gegen gaaanz betont unbeeindrucktes und langsames Flanieren in Richtung Sicherheit wäre. ;))

Offline Antariuk

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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #17 am: 16.08.2019 | 10:19 »
Was die anderen hier bisher gesagt haben. Ich fühle mich als SL da auch sehr unwohl und habe schnell das Gefühl, übergriffig zu sein, und als Spieler kann ich es auch nicht leiden, wenn der SL mir sagt, was mein SC jetzt so fühlt - selbst wenn das aus konkreten Regelinhalten abgeleitet ist, die der SL sich jetzt nicht aus den Fingern gesaugt hat sondern mir lediglich das Ergebnis mitteilt. Die Art der Vermittlung halte ich da für ziemlich wichtig.

Spielern zu sagen, dass ihre SCs sich jetzt an etwas erinnern, finde ich unproblematisch. Nicht jede Erkenntnis kann im Spiel seitens der Spieler auf "natürliche" Weise gewonnen werden und was mit dem hingeworfenen Infohappen gemacht wird, bleibt dann ja offen. Wenn Spieler dann beschließen, Info X zu ignorieren und eigene Wege zu gehen, wirkt das nicht so seltsam wie eine Ansage à la "Du fühlst jetzt so-und-so", die komplett ins Leere läuft.
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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #18 am: 16.08.2019 | 10:32 »
So was biete ich höchstens an.
So, dass der Spieler jederzeit widersprechen kann.
Eigentlich ist das eher ein erfragen, wie der Spieler selbst sieht, wie es seiner Figur geht.

Häufig ist das verbunden mit einer Zusammenfassung vergangener Ereignisse.
(Letzte Sitzungen z. B. )
Sozusagen eine Einleitung in die Figur.

Bsp. "Du wachst auf, und stellst fest, dass du immer noch deine Klamotten anhast.
Mann was habt ihr gestern gefeiert.
Auch dein Schädel brummt ordentlich, oder vielleicht doch nicht?
Mach mal einen Wurf auf Konstitution! "

...Dann übernimmt der Spieler wieder.
« Letzte Änderung: 16.08.2019 | 11:15 von Issi »

Offline KhornedBeef

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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #19 am: 16.08.2019 | 10:35 »
Ich muss doch noch eine Ausnahme hinzufügen, offensichtlich: konkrete Spielmechaniken, auf die man sich vorher explizit einlässt.
Fate-Compels, Spielleiter-Kontrolle bei Wahnsinn in Delta Green / CoC. Usw.
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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #20 am: 16.08.2019 | 10:38 »
Wie sehr übernehmt ihr die Rolle eines Regisseurs, der auch bei seinen Protagonisten Einfluss auf deren Innenleben geltend macht? Wie sehr übernehmt ihr in dieser Hinsicht einen „director‘s stance“?

In den 20+x Jahren, die ich SL mache, hab ich glaube ich noch nie den director stance genutzt.
Für mich sind die Gefühle und Meinungen des SCs Sache der Spieler. Da misch ich mich nicht ein.
Ich kann die Umwelt manipulieren und kann versuchen über NSCs Einfluss auf die Gefühlswelt der Chatraktere zu nehmen, was mal besser, mal schlechter gelingt. Aber explizite Zauber und dergleichen mal ausgenommen ist das für mich Sache der Spieler.
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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #21 am: 16.08.2019 | 10:45 »
Und was ist bei Erinnerungen an Dinge aus der Vergangenheit der Charaktere? Erfindet ihr da etwas hinzu oder eher nicht? Ich tue das eigentlich eher nicht.

Ich komme unter anderen auf das Thema weil es in Johnn Fours RPT#552 „Storytelling Tip: Make Knowledge Checks Seamless And Engaging“ vorgeschlagen wird und ich das ungewöhnlich fand...

Ein Beispiel:

Zitat
“Andrius, growing up you and your friends made a fort in the woods near your village. You called it The Castle and you painted it with petals from a certain flower. You spot these same flowers alongside the road you’re now on.

You gathered all the yellow flowers you could find, then you crushed the petals and made a paste out of them.

You started painting with the paste, but then one boy fell out of the fort and hurt his leg pretty badly. He toughed it out, though, and kept painting – from the ground!

But then an odd thing happened. At the end of the day, the boy was climbing like a monkey again. Nobody thought much of it at the time, but it’s obvious now something made him heal pretty fast that day.”
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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #22 am: 16.08.2019 | 11:00 »
Puh, das wäre mir zu viel einseitiges, retroaktives Etablieren. Zumindest wenn es nicht in einem System gemacht wird, dass für solche Zwecke eigens Mechaniken offeriert. Weil nicht nur wird hier ein Schauplatz der Kindheit, sondern auch ein merkwürdiges Ereignis und der Beschluss, diesem damals nicht nachgegangen zu sein, auf den Tisch geknallt. Da wäre ich als Spieler mal sowas von raus.
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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #23 am: 16.08.2019 | 11:14 »
Und was ist bei Erinnerungen an Dinge aus der Vergangenheit der Charaktere? Erfindet ihr da etwas hinzu oder eher nicht? Ich tue das eigentlich eher nicht.

Ich habe zweimal einen Charakter geleitet und einmal einen gespielt, die mit kompletter Amnesie aufgewacht sind. Da hat das sehr viel Spaß gemacht und war quasi Teil der Abmachung.
Ansonsten würde ich zum Hintergrund nur sehr, sehr vorsichtig etwas dazuerfinden - und eigentlich nur in enger Absprache mit dem Spieler. Sonst wäre mir die Gefahr zu groß, dass ich zu sehr in das Bild eingreife, dass sich der Spieler von seinem SC gemacht hat.
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Re: director’s stance - SL Beschreibungen des SC-Innenlebens
« Antwort #24 am: 16.08.2019 | 11:21 »
Ich sehe einen gravierenden Unterschied darin, Dinge so zu beschreiben, dass sie gewisse Wirkungen vermitteln, es aber dem Spieler zu überlassen, zu entscheiden, wie er reagiert, oder auf der anderen Seite dem Spieler die Wirkung aufzuzwingen, solange dies nicht durch die verwendeten Spielregeln vorgegeben ist.

Persönliche Erinnerungen zu implantieren, ist ebenfalls ein Tabu für mich. Ich mache an der Stelle aber Angebote. Bei simplem, unpersönlichem Wissen sieht das anders aus. Wenn dadurch beispielsweise Flaschenhälse vermieden werden können, gebe ich Schlüsselinformationen auch ohne Probe oder Nachforschung raus.

Eine SL, die in Bezug auf persönliche Erinnerungen oder Implantation von Emotionen anders verfährt, hat auch nicht lange an mir, wenn sie keine gute Begründung liefert. Meine Figur gehört mir und nicht der SL.
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und segnet Fried und Friedenszeiten.

J.W. von Goethe