Autor Thema: Was ist mein Science Fiction System?  (Gelesen 13309 mal)

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Offline Chiarina

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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #150 am: 1.05.2020 | 12:59 »
Rumpels Ideen über ein SF-Setting für QuestWorlds haben meine Gedanken neu ins Rollen gebracht. Insbesondere die soziale Frage hnsichtlich des Status der KI fand ich spannend.

Meine knapp bemessene Zeit erlaubt es mir im Moment, mich langsam durch den Stapel von Firefly Quellenbüchern zu ackern. Das Cortex System finde ich auch immer noch interessant. Einzelne Setting Ideen gefallen mir auch. Im Großen und Ganzen sinkt mein Interesse aber. Insbesondere die veröffentlichten Abenteuer halte ich für nicht allzu reizvoll (ich bin aber noch nicht bei "Ghosts in the Black" angekommen).

Mich reizt immer noch eine geduldige Gruppe, mit der sich in aller Ruhe Emily Care Boss´ "Sign in Stranger" ausprobieren lässt, ich scheine aber der einzige zu sein.

Ansonsten war ich irgendwann soweit, dass ich probehalber mal grundsätzlich die "Reise zu den Sternen" in Frage gestellt habe. Ich habe ein bisschen recherchiert und bin auf etwas gestoßen, das sich Mundane Science Fiction nennt. Aus dem Bereich habe ich kürzlich erstmal ein paar Romane bestellt. Es sind Zukunftsvisionen ohne interstellare Raumfahrt und sie handeln zwar irgendwie von Technologien und mächtigen Konzernen, noch wichtiger scheinen mir aber die damit verbundenen individuellen Schicksale der Menschen zu sein. Es geht darum, dass der Mensch bei der Gestaltung seiner Zukunft im Wesentlichen auf die Erde und sich selbst beschränkt ist.

Ein bisschen Cyberpunk klingt dabei an, aber unter Rollenspielern ist das Thema für mein Gefühl schon schwer deformiert. Eigentlich ist die Frage nach der Technik, die das Menschsein immer mehr in Frage stellt, ja ein Superthema. In den Erzählungen der Rollenspieler, deren Figuren sich in solchen Welten bewegen, höre ich allerdings selten Aspekte, die mich interessieren. Da gibt es ein paar neue Fertigkeiten, ein paar Boni auf Proben und wenn´s hoch kommt nochmal irgendwelche Humanitäts-Prüfwürfe. Das Ganze wird in irgendwelche "Runs" eingebaut, in denen das für mich eigentlich spannende Thema völlig untergeht. Mich interessiert eher das humane Dilemma. Wie nimmt dich dein Partner wahr, wenn du dir ein paar Extrasynapsen einbauen lassen hast? Suchst du nach einer Antwort auf die Frage: "Wer bin ich?" Hast du deinen Job verdient, oder hast du ihn nur deshalb, weil du genug Geld für deine Prothesen ausgeben konntest? Woher kommt das Geld, was ist mit der Chancengleichheit, was ist mit rückständigen Gebieten oder armen Mitgliedern der Gesellschaft, für die der Zugang zu diesen Prothesen erschwert ist? Sind diese Menschen neidisch? Versuchen sie, aus ihrer Not eine Tugend zu machen? Wie wird das Technologiegefälle von den Regierungen verkauft? Vielleicht gibt es quasi-religiöse Gemeinschaften, die ein möglichst natürliches Leben predigen und versuchen, sich Rückzugsorte zu schaffen. Glauben die Menschen in den Städten, was man ihnen erzählt?

Erinnert sich jemand an Bigelows "Strange Days"? Da wird eine Technik eingeführt, mit der man Emotionen aufnehmen kann. Andere Menschen können diese Emotionen abrufen und so selbst erleben. Nur ein kleiner Gedanke - der sofort pervertiert wird und zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen führt. Solche Dinge interessieren mich.

Im Zusammenhang mit "Mundane Science Fiction" bin ich auch wieder auf Tarkowskis Stalker-Verfilmung gestoßen. Dieses Alien-Mystery-Thema (ohne Aliens) in einem trostlosen Postapokalypse-Setting gepaart mit so einer spirituellen Sinnsuche macht mich eigentlich ziemlich an. Manchmal denke ich, dass ich so etwas in der Richtung spielen will. Vielleicht mit ein wenig David Lynch gewürzt.

Nun gibt es ja schon ein Rollenspiel zu Stalker, und das hat auch einen hochgelobten Setting-Teil (diese etwas seltsamen Regeln kann man ja weglassen). Ich habe ein paar Rezensionen gelesen, die begeistert davon berichten... aber wenn ich mir auf dieser Basis überlege, wie ein Rollenspielabenteuer in so einem Setting aussehen könnte, dann fallen mir immer nur Dinge ein, die mir langweiliger erscheinen, als das, was Tarkowski da verfilmt hat. Mich interessiert diese Ungewissheit - diese ständige Frage "Steckt mehr dahinter?", die niemals beantwortet werden kann und die Akteure doch in ihrem Handeln bestimmt. Diese Ungewissheit hält auch bei aller Trostlosigkeit die Möglichkeit auf irgendeine vage Hoffnung offen. Bekommt man das irgendwie ins Spiel?

Mit der Science Fiction und mir bleibt es schwierig. Vielleicht sollte ich mal eine Liste mit den Dingen machen, die ich "drin" haben will. Das wäre wohl der nächste Schritt. Zwischendurch lese ich noch ein paar Firefly Quellenbände und irgendwann dann auch Tiny Frontiers...

...aber im Moment scheint mir wesentlich wichtiger zu sein, was ich da überhaupt spielen will, als die Frage, mit welchem System ich das spielen will.
« Letzte Änderung: 2.05.2020 | 09:33 von Chiarina »
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Offline Chiarina

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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #151 am: 23.06.2020 | 16:45 »
So. Ich habe alles gelesen, was es zu Firefly gibt (bis auf eine obskure PDF-only Veröffentlichung, an die ich nicht mehr herankomme). Hat ´ne ganze Weile gedauert. Hier mein gegenwärtiger Leseeindruck:

Das System hat Facetten, die mir gefallen:
Ich mag diese relativ offen gehaltenen Assets, die ins Spiel kommen, wenn sie gebraucht werden und nicht sinnlos herumliegen, zu den Spielerfiguren leise "bitte, bitte" sagen und dann doch nicht verwendet werden.
Ich mag den wirklich extrem flotten Kampf. Wenn´s drauf an kommt, sagt der Spielleiter einen "High Stakes Conflict" an, dann entscheidet eine einzige Probe, wer als nächstes aus dem Kampf ausscheidet. Ganz mein Geschmack!
Ich mag es, dass es nicht der Spielleiter ist, der die Spieler in die Bredouille bringt, sondern, dass sie sich quasi selber reizen müssen, wenn sie nicht irgendwann ohne Plot Points dastehen wollen.

Aber!
Was für ein Gewürfel! Fünf verschiedene Sorten von Würfeln, oft werden ca. vier bis sechs Stück geworfen, die Zuordnung scheint mir zumindest manchmal fragwürdig zu sein. Nervig finde ich auch, dass der Spielleiter bei jeder noch so kleinen Probe gegenwürfelt - natürlich auch mit zwei, drei, oft auch noch mehr Würfeln. Das System ist asymmetrisch und spielerzentriert. Nichts dagegen. Aber warum legt der Spielleiter dann nicht einfach eine Schwierigkeit fest? Reicht doch!
Sobald Einsen fallen, geht der Tanz mit Vor- und Nachteilen los. Kann lustig sein, kann aber auch nerven.
Auch das Plot Point Geschachere scheint mir etwas viel des Guten zu sein. Um die vernünftig zu nutzen müssen doch eine ganze Menge Sonderfertigkeiten im Auge behalten werden. Vielleicht kann das sogar für die eigene Seite gelingen - wenn der Gegner genauso fit ist ergibt das aber wahrscheinlich erstmal ein ziemliches Pokerspielchen.
Dieses Probensystem ist in meinen Augen dafür designed, dass es häufig zu irgendwelchen spektakulären Ergebnissen kommt. Die müssen dann allerdings auch in Erzählung umgesetzt werden. Sympathischer ist mir eigentlich, wenn mich ein System inspiriert statt mir ständig in den Hintern zu treten.

Wie ist das Setting? Hm. Ich fand die Serie witzig und locker flockig. Je mehr Firefly Rollenspiel ich gelesen habe, desto mehr kamen mir die Browncoats wie Südstaatler vor. Und dann gibt es da überall diese Minenarbeiter, Priester und Schrottplatzwärter! Mit ist schon klar, dass das ´Vers im Prinzip die Prairie darstellt und diese Rim-Welten voller Rednecks sind... aber seufz... so´n kleiner Bruch der Klischees kann doch auch mal ganz nett sein, oder?

Wie sind die Abenteuer? Zum größten Teil nicht wirklich gut. Sie sind konstruiert und stecken voller kleiner Widersprüche. Die meisten lassen sich glattbügeln, aber einige sind auch etwas größere Patzer. Da findet ein Motorbootrennen auf dem Fluss statt, ein hartes Rennen, o.k.... aber so hart, dass die Zuschauer aus lauter Jux und Dollerei von ihrer Aussichtsplattform Granaten in die offenen Boote werfen? Und unter solchen Umständen stellen irgendwelche Bars dann auch noch Kneipenteams für das Rennen auf, die sich eine lustige Gaudi versprechen und mehr oder weniger volltrunken an den Start gehen? Ich muss ziemlich rütteln, bis ich so etwas plausibel zurechterzählt habe. Im Übrigen bestehen die Abenteuer zu etwa 70% aus ausgeschriebenen Proben mit Beispielergebnissen. Das ist hilfreich für den frischgebackenen Spielleiter, aber irgendwie verstärkt es meinen Eindruck, dass es bei Firefly weniger ums Erzählen, sondern mehr ums Würfeln an sich geht - man würfelt sich eben so durch.

"Ghosts of the Black", die große Firefly Kampagne von Robin D. Laws, lasse ich gelten. An einigen Stellen sehe ich zwar auch bei ihr die oben beschriebenen Probleme, die Handlung startet auch recht episodenhaft und steigert sich nur langsam, aber immerhin lohnt es sich: das fünfte und letzte Abenteuer, das eigentlich ein einziger großer Showdown ist, hat mich ziemlich beeindruckt.

Man kann sicherlich Spaß mit dem System haben. Es sind auch nicht alle Abenteuer Mist. Einige sind sogar relativ gut ("Wedding Planners" aus Echoes of War hat mir beispielsweise gefallen - trotz der Rinderbarone). Aber es ist auch nicht gerade das System, das ich unbedingt erleben muss.

Nächster Stop: Tiny Frontiers.
« Letzte Änderung: 23.06.2020 | 17:04 von Chiarina »
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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #152 am: 23.06.2020 | 17:13 »
Ich habe es auch eine Weile gespielt, finde das Gewürfel eigentlich OK (da die Würfe größere Zeiträume abdecken und man nicht für jeden Kleinscheiß würfeln muss).

Ich fand die Plot Point Ökonomie etwas verbuggt (zuviele Sachen wofür man PPs braucht vs. zu wenige Möglichkeiten sie zu bekommen), wenn man seine Assets reizt um die zu bekommen, man sie praktisch fast sofort wieder braucht um (wegen der größeren Würfelpools der Gegner) noch zu gewinnen oder halt seine Complications loszuwerden. Für Assets wurden die Plot Points in meinen Testspielen kaum ausgegeben. Ein weiteres Problem ist, dass man ziemlich viele Big Damn Hero Dice bekommt, aber zu wenige Plot Points hat um diese einzusetzen, so dass die nur nutzlos auf dem Charakterbogen rumhängen.

Meine Hausregel, um das zu fixen: Assets werden mit BDHD erschaffen (und haben dann den Wert des eingesetzten BDHD), nicht mit PPs.

An Abenteuern habe ich "What's yours is mine" (aus dem GRW) und "Wedding Planners" geleitet und die sind beide gut. Bei "Wedding Planners" habe ich allerdings einige Charaktere einem "gender flip" unterzogen, weil das Trope einer jungen Frau, die gegen ihren Willen mit einem geilen alten Sack verheiratet werden soll, einfach nicht sein muss (und meine Spieler*innen einen solchen Auftrag wahrscheinlich niemals angenommen hätten, egal welche Konsequenzen das Abenteuer dafür vorsieht).
« Letzte Änderung: 23.06.2020 | 17:29 von Alexandro »
“I really believe what we experienced the night before can be turned into a game for creating stories” -- Gary Gygax, 1972 (talking about a game of "Blackmoor", run by Dave Arneson)

Offline Chiarina

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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #153 am: 23.06.2020 | 17:21 »
Interessant. Danke für den Kommentar aus der Praxis.
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Offline Space Pirate Hondo

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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #154 am: 23.06.2020 | 20:24 »
Aber warum legt der Spielleiter dann nicht einfach eine Schwierigkeit fest? Reicht doch!

Vor zwei Monaten gab es ja für die Cortex Prime Kickstarter Backer eine fast fertige PDF des Werkes. Dort gibt es eine Optionalregel für feste Schwierigkeitsgrade...

Die Grundwerte sind 3, 7, 11, 15 und 19. Da wird auch noch ein gewürfelter Wert einer Complication draufgerechnet für den endgültigen Schwierigkeitsgrad.

Offline Chiarina

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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #155 am: 23.06.2020 | 21:03 »
O.K., ich schau´s mir mal an. Danke für den Hinweis.
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Offline Doc-Byte

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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #156 am: 23.06.2020 | 21:09 »
So. Ich habe alles gelesen, was es zu Firefly gibt (bis auf eine obskure PDF-only Veröffentlichung, an die ich nicht mehr herankomme). Hat ´ne ganze Weile gedauert. Hier mein gegenwärtiger Leseeindruck:

[...]

Hm, vielleicht wäre das Equinox Regel-Handbuch doch einen Blick für dich wert, wenn ich deinen Post so lese.  :think: Das Setting dürfte nicht deins sein, haben wir ja afair schon festgestellt, aber das Match-System kann man eigentlich mit kleinen Anpassungen für so ziemlich jedes SF-Setting nutzen, wenn man mehr auf Action, Cinematik und Erzählung steht. (Space Western hätte ich da zufällig im Angebot...) Wobei ich natürlich immer noch aus der Theorie heraus spreche und noch keine praktischen Testrunden spielen konnte.

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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #157 am: 23.06.2020 | 22:00 »
Ja, da steht bei Equinox etwas von "Brückenschlag zwischen Erzähl- und traditionellem Rollenspielen". Das ist grundsätzlich nicht verkehrt.

Dann schaue ich mir die Regelzusammenfassung an, die man gratis herunterladen kann, und es kommt mir doch ziemlich viel traditionelles Rollenspiel entgegengeflogen: Pasche und Patzer, Modifikatoren, Initiativreihenfolge, Kampfregeln mit Angriffsoptionen und Verteidigung, Ausrüstungsregeln... naja, mal sehen... vielleicht kann ich das erstmal irgendwo mitspielen.

(Zumindest in Sachen Science Fiction stehe ich übrigens gar nicht so unglaublich auf Action.)

Wie dem auch sei... als nächstes erstmal Tiny Frontiers. Das liegt auf meiner Festplatte schon herum.
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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #158 am: 24.06.2020 | 23:46 »
Ja, da steht bei Equinox etwas von "Brückenschlag zwischen Erzähl- und traditionellem Rollenspielen". Das ist grundsätzlich nicht verkehrt.

Dann schaue ich mir die Regelzusammenfassung an, die man gratis herunterladen kann, und es kommt mir doch ziemlich viel traditionelles Rollenspiel entgegengeflogen: Pasche und Patzer, Modifikatoren, Initiativreihenfolge, Kampfregeln mit Angriffsoptionen und Verteidigung, Ausrüstungsregeln... naja, mal sehen... vielleicht kann ich das erstmal irgendwo mitspielen.

Ja gut, die Regelzusammenfassung haut dir natürlich auch auf ca. 6 Seiten komprimiert fast die kompletten Regeln um die Ohren.  ;D


Evtl. hilft dir das mehr (Sorry, für das Format, hab gerade nur Zugriff auf das PDF.):

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #159 am: 25.06.2020 | 07:12 »
Gut, also:

Reduktion auf 6er-Würfel: ist mir sympathisch
Punktekauf bei der Charakterentwicklung: besser als auswürfeln, noch besser finde ich aber oft "einfach aussuchen"
Stufen: Nicht mein Ding - ich suche eher nach Systemen, in denen die Figurenentwicklung eine Rolle spielt, das Figuren verbessern aber nicht im Zentrum steht
Proben mit positiven und negativen (Neben-)Ergebnissen gleichzeitig: kann prima sein. Ich kenne das von der Schema-Roleplaying-Engine, die das sehr überzeugend hinbekommt - übrigens ganz ohne irgendwelche Sonderregeln für kritische Erfolge oder Patzer
Settinghintergrund, Ortsaspekte, Motivationen und Ziele der Figuren in Spielmechanismen verwandeln: eigentlich auch gut, aber hier muss man aufpassen, finde ich: wenn das zu sehr ausgebaut wird, wird´s schnell sperrig

Für sich gesehen sind das in meinen Augen zum großen Teil sinnvolle Entscheidungen. Es ist die Frage, ob es nicht schon etwas viel des Guten ist. Den Eindruck hatte ich ein wenig beim Blick in die Regelzusammenfassung.

Übrigens wird ja ein "filmischer und geschichtenbasierter Spielstil" proklamiert. Ich habe ehrlich gesagt immer mehr Probleme mit dem Adjektiv "filmisch". Wenn das bedeutet, dass Regeln komplexer werden, nur damit ständig irgendwelche spektakulären Dinge geschehen - dann brauche ich das nicht unbedingt. Filme können sehr unterschiedlich sein. Manchmal mag ich auch die langsamen und ruhigen.
« Letzte Änderung: 25.06.2020 | 13:00 von Chiarina »
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Offline Space Pirate Hondo

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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #160 am: 25.06.2020 | 09:18 »
Übrigens wird ja ein "filmischer und geschichtenbasierter Spielstil" proklamiert. Ich habe ehrlich gesagt immer mehr Probleme mit dem Adjektiv "filmisch". Wenn das bedeutet, dass Regeln komplexer werden, nur damit ständig irgendwelche spektakulären Dinge geschehen - dann brauche ich das nicht unbedingt. Filme können sehr unterschiedlich sein. Manchmal mag ich auch die langsamen und ruhigen.

Meinst du vielleicht eher Filme wie Interstellar oder Ad Astra? Diese Filme drehen sich eher um die Herausforderungen der Raumfahrt und deren Wirkung auf den Menschen, statt ein einfacher Space Shooter zu sein.

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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #161 am: 25.06.2020 | 13:28 »
Ich muss gestehen, dass ich beide Filme nicht gesehen habe. Eben habe ich aber mal die Wikipedia-Einträge zu ihnen gelesen und denke - ja - das geht so in etwa in die Richtung, die ich lohnend fände.

Bei "Ad Astra" ist sogar Tarkowskis "Solaris" als Einfluss erwähnt... der hat mich gleichzeitig gelangweilt und elektrisiert - eine irritierende Erfahrung, weshalb ich den Film irgendwann unbedingt mal wiedersehen will... bei Stalker hab´ ich´s schon getan. Beim ersten Mal bin ich eingeschlafen, beim zweiten Mal war ich doch sehr fasziniert... ich brauche überhaupt keinen Space, ein paar spannende, ungewöhnliche Ideen über Zukunft könnten reichen.

Stimmt schon - es ist letztlich mehr eine Frage nach dem Spielinhalt, weniger nach dem System. Ich merke immer mehr, dass ich den Strang falsch aufgezogen habe. Tut mir leid.
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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #162 am: 25.06.2020 | 16:38 »
Ich fand sogar das amerikanische Remake von "Solaris" mit George Clooney sogar besser als das Orginal.

Wenn du schon die Cortex Plus Firefly Variante kennst, könnte vielleicht sogar die Variante von Smallville genau solche Szenarien abbilden. Also das Ausloten von zwischenmenschlichen Beziehungen und das gemeinsame Bewältigen von Problemen auf einem langen Raumflug, der Monate oder sogar Jahre dauern könnte oder das Leben auf einer Raumstation wie in Solaris. Mit den richtigen Spielern könnte das als Few Shot genau das sein, was du hier bisher vergebens suchst.

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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #163 am: 25.06.2020 | 17:52 »
Ich muss jetzt doch mal genauer wissen, was Smallville eigentlich ist.
Das, was ich darüber gelesen habe, klingt nach einem Superheldenrollenspiel, das eben die zwischenmenschliche Ebene auch ein bisschen ins Visier nimmt.

Ich habe mich nicht näher darum gekümmert, weil ich Superheldenkram uninteressant finde. Er stört mich sogar in einem System. Die Serie kenne ich übrigens nicht.

Es ist aber richtig: Ich habe mit den Firefly-Sachen viel Cortex Plus gelesen und so verkehrt fand ich das auch wieder nicht. Ich fands vor allem auch nicht so irrsinnig settingspezifisch und durchaus einigermaßen hackable. Vielleicht kannst du kurz erzählen, was bei Smallville anders ist?

Interessant finde ich auf jeden Fall auch ein Blick in Cortex Prime. Wenn ich irgendwann ´mal weiß, was ich im Spiel erleben will, könnte man daraus eventuell die Regeln dafür ziehen. Ich habe ja einen Zugang zum SRD, bisher aber noch nicht hineingeschaut. Vielleicht gibt´s das Ding irgendwann ja auch mal für Nichtbacker... spätestens dann, werde ich es mir wohl nochmal vorknöpfen.

Wenn ich irgendwann ´mal weiß, was ich im Spiel erleben will... tja, ...kennt jemand Settings, die in so eine Kerbe schlagen? (...also beispielsweise für solche Dinge wie Interstellar, Ad Astra, Solaris, Stalker o. ä. Menschheitsdramen der Zukunft?)

Tiny Frontiers geht jedenfalls schneller. Ich bin auf Seite 20 (großer Druck) und habe schon die Basisregeln hinter mir.
« Letzte Änderung: 25.06.2020 | 17:57 von Chiarina »
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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #164 am: 25.06.2020 | 20:01 »
Ich muss jetzt doch mal genauer wissen, was Smallville eigentlich ist.
Das, was ich darüber gelesen habe, klingt nach einem Superheldenrollenspiel, das eben die zwischenmenschliche Ebene auch ein bisschen ins Visier nimmt.

Ich habe mich nicht näher darum gekümmert, weil ich Superheldenkram uninteressant finde. Er stört mich sogar in einem System. Die Serie kenne ich übrigens nicht.

Es ist aber richtig: Ich habe mit den Firefly-Sachen viel Cortex Plus gelesen und so verkehrt fand ich das auch wieder nicht. Ich fands vor allem auch nicht so irrsinnig settingspezifisch und durchaus einigermaßen hackable. Vielleicht kannst du kurz erzählen, was bei Smallville anders ist?

Interessant finde ich auf jeden Fall auch ein Blick in Cortex Prime. Wenn ich irgendwann ´mal weiß, was ich im Spiel erleben will, könnte man daraus eventuell die Regeln dafür ziehen. Ich habe ja einen Zugang zum SRD, bisher aber noch nicht hineingeschaut. Vielleicht gibt´s das Ding irgendwann ja auch mal für Nichtbacker... spätestens dann, werde ich es mir wohl nochmal vorknöpfen.

Nicht mit Marvel Heroic verwechseln, was auch aus der Cortex Plus Familie stammt.

Die Fernsehserie Smallville drehte sich ja um den jungen Clark Kent (Superman), der nach und nach seine Fähigkeiten entdeckt und sich dem Bösewicht der Woche rumschlagen muss, der durch die grünen Steine, die Superman schwächen, irgendwie selber Superkräfte bekommen hat. Jedoch folgt das große ABER....

Der eigentliche Kern der Serie sind die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Protagonisten, das im System auch gut umgesetzt wurde. Die Superkräfte sind nur Signature Assets, wie bei Firefly (das lässt sich problemlos refluffen). Jeder Charakter hat Values als Attribute (Duty, Glory, Justice, Power, Truth) und eine Reihe von vordefinierten Beziehungen (gute wie schlechte) zu anderen Charakteren. Bestimmte Values und Beziehungen werden in einer Szene auf die Probe gestellt und können sich dadurch auch ändern. Das ist näher am normalen FATE wie die anderen Varianten von Cortex Plus, aber halt nicht auf körperlichen Kampf, sondern auf das Soziale fokussiert. Session 0 ist sogar die gemeinschaftliche Erstellung einer R-Map.
« Letzte Änderung: 25.06.2020 | 20:19 von Kingpin000 »

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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #165 am: 25.06.2020 | 20:16 »
Nicht uninteressant. Man muss ja vielleicht nicht unbedingt gerade diese (reichlich amerikanisch klingenden) Values verwenden.
Lassen sich diese Optionen eigentlich auch im Cortex Prime SRD finden?
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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #166 am: 25.06.2020 | 20:18 »
Ja, du kannst dir im Baukastensystem aus allen Cortex Plus Varianten deine Lieblingsteile zusammen schustern.

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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #167 am: 25.06.2020 | 20:28 »
O.K., ich behalte das im Hinterkopf. Cortex Prime werde ich mir nochmal genau anschauen. Danke.

Jetzt muss es erstmal darum gehen, welche Inhalte ich eigentlich spielen will.
Kennt jemand eine Science Fiction Einführung, die ein bisschen mehr bietet, als der Wikipedia Eintrag, aber auch nicht gleich eine kiloschwere Enzyklopädie darstellt? So fluffige 40, 50 Seiten?
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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #168 am: 25.06.2020 | 21:45 »
Punktekauf bei der Charakterentwicklung: besser als auswürfeln, noch besser finde ich aber oft "einfach aussuchen"

Naja, es ist eine gewisse Mischung: Punkte / Würfel auf die Attribute verteilen; mit anderen Punkten (die mit den späteren Erfahrungspunkten deckungsgleich sind) die Fertigkeiten erwerben (gibt 'nur' 18 plus Spezialisierungssystem um auf die Grade 4 & 5 zu kommen) und eine Handvoll abgeleitet Werte bestimmen. Tags, Ausrüstung und Beziehungen werden dann praktisch tatsächlich 'einfach ausgesucht'. Für mein Setting hab ich dazu noch die "Booster" ergänzt, die man auswählen kann, aber nicht muss. - Dann ist der Charakter auf der Werte-Seite eigentlich auch schon fertig und besitzt auch gleich ein paar Ansatzpunkte für die Geschichte.

Stufen: Nicht mein Ding - ich suche eher nach Systemen, in denen die Figurenentwicklung eine Rolle spielt, das Figuren verbessern aber nicht im Zentrum steht

"Stufen" im klassischen Sinne gibt es bei equinox auch nicht, sondern "Ränge", die einen gewissen Einfluss haben. Die Charakterentwicklung findet aber über Erfahrugspunkte statt und ist tendenziell eher langfristig und in kleinen Schritten angelegt. (Das mit den "Stufen" hab ich bei meiner Version weitgehend zurückgefahren, weil es hat sehr equinox spezifisch ist.)

Proben mit positiven und negativen (Neben-)Ergebnissen gleichzeitig: kann prima sein. Ich kenne das von der Schema-Roleplaying-Engine, die das sehr überzeugend hinbekommt - übrigens ganz ohne irgendwelche Sonderregeln für kritische Erfolge oder Patzer

Im Match-System erzeugen Pasche die Nebenwirkungen. 1er-Würfe ergeben Patze, 2-6en positive Nebeneffekte, die beide recht allgemein / auf die Situation anpassbar gehalten sind. 2er Pasche haben keine Wirkung (es gibt aber hin und wieder Pasch-Modifikatoren für Proben), der Rest ist dann von 3 bis 5 aufsteigend schlecht / gut.

Settinghintergrund, Ortsaspekte, Motivationen und Ziele der Figuren in Spielmechanismen verwandeln: eigentlich auch gut, aber hier muss man aufpassen, finde ich: wenn das zu sehr ausgebaut wird, wird´s schnell sperrig

Läuft im Grunde alles über "Tags" ab, das sind Schlagwörter oder -sätze, die möglichst je nach Situation positiv oder negativ sein können. Darüber kann man dann Karmapunkte "verdienen". (Eine von mehreren Möglichkeiten), die wiederum für die Interaktion mit der Umgebung wichtig sein können. - Hier dürfte der größte Kackpunkt des Systems liegen, wenn man aus der "klassichen" Ecke kommt und mit Erzählspiel wenig Erfahrung hat. (So wie ich...)

Für sich gesehen sind das in meinen Augen zum großen Teil sinnvolle Entscheidungen. Es ist die Frage, ob es nicht schon etwas viel des Guten ist. Den Eindruck hatte ich ein wenig beim Blick in die Regelzusammenfassung.

Wie schon gesagt, (m)eine Überarbeitete Fassung habe ich als PDF online gestellt. Ich mach zwar gerade mein Layout neu und überarbeite dabei auch den Text, aber der Regelteil ist vollständig. (Und in meiner Fassung ohne den Fokus auf das Spielen von "Mystikern" mMn auch kompatiebler mit anderen Settings als equinox.) Da könntest du dir ggf. einen tieferen Einblick verschaffen.

Übrigens wird ja ein "filmischer und geschichtenbasierter Spielstil" proklamiert. Ich habe ehrlich gesagt immer mehr Probleme mit dem Adjektiv "filmisch". Wenn das bedeutet, dass Regeln komplexer werden, nur damit ständig irgendwelche spektakulären Dinge geschehen - dann brauche ich das nicht unbedingt. Filme können sehr unterschiedlich sein. Manchmal mag ich auch die langsamen und ruhigen.

Also, komplex sind die Regeln absolut nicht. Und auf eine ständige Abfolge von Actionszenen ist das System mMn auch wieder nicht ausgerichtet. - Für mich persönlich bedeutet "filmisch" in erster Linie auch, dass die Handlung Vorrang vor einem "realistischen" Spiel hat. Natürlich wird sowas in Actionszenen besonders deutlich, zieht sich mMn aber durch das komplette Spiel. Ich denke, wie genau man das "filmisch" jetzt mit dem Match-System umsetzt, kann man mit seiner Spielrunde gut selbst festlegen.

---

Wenn ich irgendwann ´mal weiß, was ich im Spiel erleben will... tja, ...kennt jemand Settings, die in so eine Kerbe schlagen? (...also beispielsweise für solche Dinge wie Interstellar, Ad Astra, Solaris, Stalker o. ä. Menschheitsdramen der Zukunft?)

Ist das nicht im Grunde ganz klassische Star Trek Thematik? Die neuste Inkarnation eines ST-RPGs kommt ja demnächst bei Uhrwerk auf Deutsch raus.

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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #169 am: 2.07.2020 | 16:29 »
So. Ich habe "Tiny Frontiers: Revised" gelesen.

Das System ist sehr simpel.
Ich schätze nach dem zweiten Abend kann es jeder, auch der unaufmerksamste Spieler.
Das ist gut.
Rumpel hat ja etwas über die Advantage/Disadvantage-Regel gemeckert.
Kann ich jetzt nachvollziehen.
Wäre für mich aber nicht unbedingt ein Ausschlusskriterium.

Allerdings ist das System sehr traditionell.
Die Figuren besitzen ein paar Traits. Das sind etwas breiter aufgestellte Quasi-Fertigkeiten. Wenn eine Figur etwas unternimmt, was sich im Feld eines ihrer Traits bewegt, bekommt der Spieler in der Regel einen Würfel mehr.
Das war auch schon das Spannendste. Ansonsten erstellt jeder für sich seine Figur, Spielleiter führt durch´s Abenteuer, Spieler führen ihre Figur, beide Seiten würfeln und zählen ein paar Hit Points ´runter... alles so ähnlich, wie es vor 35 Jahren auch schon war.
Ein bisschen langweilig, fand zumindest ich.

Zumindest wenn mich ein System etwas länger bei der Stange halten soll, hätte ich gern ein paar zusätzliche Anreize.
Für einen One-Shot nebenher finde ich Tiny Frontiers: Revised aber genau richtig.

Ich will noch über die Micro-Settings am Ende des Bandes ein Wort verlieren. Viele sind in meinen Augen wenig originelle Genre-MashUps:
Fernsehshow-Wettrennen im Weltall...
Pinkerton-Detektive im Weltall...
Heist-Stories im Weltall...
John Carter im Weltall...
Bären im Weltall...
Megakonzerne im Weltall...
Goldrausch im Weltall...
Western im Weltall...
...und der Gefängnisplanet fehlt auch nicht.
Mich interessiert das alles nicht. Einiges ist in meinen Augen extrem langweilig, anderes ist vielleicht vorstellbar, aber die Beschreibungen sind unoriginell, trocken, unkreativ und wenig fantasieanregend. In dieser Sprache kann man mir kein Setting schmackhaft machen.

(...und das zumindest ist eine interessante Feststellung, wie ich finde. Offensichtlich hängt es für mich auch relativ stark von den Formulierungen ab, ob ein Setting bei mir zündet oder nicht... war mir noch nicht so ganz bewusst).

Was bleibt?

Für einen (sehr grimmigen) OneShot könnte ich mir die Biowaffenforschungsstation mit Straftätern als Versuchskaninchen eventuell vorstellen... aber auch wirklich nur einen Abend lang.

Interessant fand ich allerdings "The Grand Archive" von Wendelyn/Wendy Reischl. Der Autor / die Autorin (?) skizziert auf sechs groß gedruckten Seiten ein Setting, das relativ fortgeschrittene Gentechnologie, eine im Niedergang begriffene Fremdrasse, Messianismus, die Belter von "The Expanse" und vor allem ein paar wirklich zentrale, intelligent ausgewählte offene Fragen zu einem interessanten Ganzen vereint. Das ist zumindest für mich ohne Frage der Teil des Werkes, der die Lektüre gelohnt hat. Vielleicht hätte ich sogar Lust darauf, das Setting zu spielen. Wahrscheinlich aber mit einem anderen System.

Mal sehen...
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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #170 am: 2.07.2020 | 16:47 »
Was, keine Schweine im Weltall? :o

Okay, dann ist mir klar, warum die Settings allesamt nichts taugen. ~;D

(Im Ernst, das klingt wirklich alles ein bißchen sehr nach "Im Weltraum nichts Neues". Bei Star Trek kann man sich wenigstens noch einigermaßen darauf verlassen, daß die meisten "eigenwilligen" Themen nur Schwerpunkt einer Folge sind und das Schiff bis zur nächsten dann schon längst irgendwo ganz woanders hingeflogen ist...)

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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #171 am: 9.07.2020 | 12:46 »
@Chiarinia

Ich mache noch mal einen zweiten Anlauf mit einem Vorschlag. Ich muss ehrlicherweise zugeben dass ich das Spiel noch nie in der Hand hatte, auch wenn ich die Absicht habe es mir noch in diesem Jahr zuzulegen. Ich hoffe Du legst mir das jetzt nicht als Versuch aus, Dich an meinerstatt den Probekauf machen zu lassen :) -  das ist jetzt wirklich nur als Anregung gemeint.

M-Space für BRP

Um auf die Punkte in Deinem Eingangspost einzugehen:
  • Sense of Wonder: Wird zumindest versprochen, die Cover helfen auf jeden Fall.
  • Transhumanismus: Ist eine Option (siehe Companion)
  • Einfaches Regelsystem: BRP. Finde ich schon recht eingängig.
  • Das menschliche Dilemma: Diese Idee mit den "Passions" scheint das teilweise zu thematisieren.

Ob die zugehörigen Settings wie Elevation oder Weaver wirklich etwas taugen ist jetzt natürlich sehr die Frage.
« Letzte Änderung: 9.07.2020 | 12:55 von Eiserne Maske »

Offline Chiarina

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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #172 am: 29.05.2021 | 23:59 »
...und ein neuer Anlauf auf der Suche nach Science Fiction Rollenspiel für mich. Der Auslöser dafür ist meine gegenwärtige Lektüre. Ich lese gerade "Mission Child" von Maureen F. McHugh, und je länger ich lese, desto mehr denke ich: "Ist das ein Traveller-Roman"? Nein, eher nicht. Dennoch habe ich den Eindruck, das Worldbuilding könnte sich ganz gut in das Traveller-Setting eingliedern lassen - und dadurch kam mir die Idee, man könnte auf diese Weise vielleicht mal eine ganz andere kleine Traveller-Kampagne spielen. Nach ein paar Fragen im Traveller Smalltalk und ein paar Hintergrund-Recherchen in der Traveller-Wiki glaube ich inzwischen, die "Long Night" nach dem Kollaps des zweiten Imperiums könnte vielleicht eine ganz gute Backgrounderklärung für die Geschehnisse sein. Ich erzähle mal ein bisschen von einem möglichen Spielhintergrund, abgeleitet aus dem Romangeschehen.

Da gibt es eine Welt mit einer rückständigen Zivilisation. Ein Großteil der Welt besteht aus Nomadenkulturen, vielleicht so etwas wie die Lappen. Es ist kalt, es gibt Rentiere, die Leute sind in Sippen organisiert, die sich teilweise gegenseitig bekämpfen, teilweise auch durch Heirat miteinander verknüpfen, die Leute trinken Schnaps, es gibt Schamanen (ob die jetzt wirklich etwas bewirken können oder nur kultureller Fluff sind, wer weiß das schon genau?).

Es gibt auf der Welt ein paar wenige Städte, in denen der Einfluss des Imperiums eindeutig spürbar ist. Hier findet sich eine fortschrittlichere Zivilisation, wahrscheinlich auch irgendwo ein Raumhafen. In diesen Städten gibt es keine Sippenbande mehr und das technologische Niveau ist wesentlich höher als bei den Nomaden. Die Nomaden nennen die Bewohner dieser Städte die "Offworlders". Abseits dieser Städte verhält sich das Imperium auf der Welt zurückhaltend. An einigen Stellen unterhält es ein paar Missionen, in denen so eine Art freiwillige Entwicklungshelfer mit den Angehörigen der primitiven Kulturen gemeinsam überlegen, wie diese im Angesicht des übermächtigen Imperiums ihre kulturelle Identität bewahren können.

Einige der Nomadensippen verzichten bewusst auf den technischen Fortschritt, den eine Assimilierung bringen könnte, und schotten sich ab, um weiter die alten Wege beschreiten zu können. Andere Sippen sind offener und daher technologisch etwas fortgeschrittener. Sie haben Schusswaffen und Motorschlitten, mit denen sie über ihre Eisflächen fahren. Eine dieser Sippen verhält sich derzeit sehr aggressiv, löscht die traditioneller geprägten Sippen aus und zieht einen ziemlich brutalen Eroberungsfeldzug durch. Das Imperium versucht ein Minimum an humanitärer Hilfe zu leisten, indem es die Bewohner der Welt dabei unterstützt ein paar Auffanglager für Flüchtlinge aufzubauen.

Die Idee besteht darin, eine kleine Kampagne mit Angehörigen einer der primitiven Nomadensippen zu spielen. Ihre Sippe ist im Krieg ausgelöscht worden und nun sind sie auf sich gestellt, suchen Unterstützung bei anderen Sippen, kämpfen um ihr Überleben, treffen auf andere Flüchtlinge, kämpfen sich durch ein Auffanglager und erreichen irgendwann "die große Stadt". Dort müssen sie sehen, wie sie in der modernen Zivilisation zurecht kommen... eine kleine Traveller Kampagne ganz ohne Raumschiffe.

Vielleicht hätte ich Lust auf so etwas.
« Letzte Änderung: 30.05.2021 | 00:09 von Chiarina »
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Offline Pyromancer

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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #173 am: 30.05.2021 | 11:47 »
Als Inspirationsquelle dazu kann ich dir das Traveller-Abenteuer "Nomads of the Ocean World"/"Nomaden des Weltmeeres" empfehlen. Das geht in eine etwas andere Richtung als das, was du beschreibst, aber die Grundidee ist ähnlich: Traveller auf einem Planeten mit eher untechnologischer Bevölkerung. Im Abenteuer gibt's auch imperiale Außenposten (hier: konzern-kontrolliert) und garniert ist das Ganze mit 80er-Öko-Aktivismus, weil der böse Imperiale Konzern die einheimischen "Wale" über die erlaubte Fangquote hinaus jagt und damit die Lebensgrundlage der Einheimischen bedroht.
Da gibt's auch ein Fraktionen-System und der Konflikt Tradition gegen Fortschritt wird hart thematisiert. Das Abenteuer geht zwar davon aus, dass die SCs abgestürzte Raumfahrer sind, die sich in der Einheimischen-Gesellschaft zurechtfinden müssen, aber umdrehen lässt sich das leicht.
Ihr findet mich im Traveller-Kanal: https://www.tanelorn.net/index.php/board,380.0.html

Offline Chiarina

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Re: Was ist mein Science Fiction System?
« Antwort #174 am: 30.05.2021 | 12:26 »
Aha. Interessant. Ich lese erst noch den Roman zuende, dann schaue ich mich mal nach diesem Abenteuer um. Danke.
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