Autor Thema: Eigene Hölle bauen. Wie würde die aussehen?  (Gelesen 873 mal)

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Offline Maarzan

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Re: Eigene Hölle bauen. Wie würde die aussehen?
« Antwort #25 am: 29.12.2025 | 21:49 »
Ohne die zentrale moralische Autorität, die da strafen lassen will, sondern mit konkurrierenden und ressourcenabhängigen, nicht allmächtigen Entitäten muss man sich ja letztlich fragen, was die einzelnen Gruppierungen denn den Seelen im Jenseits tatsächlich zu bieten haben, um im Diesseits entsprechende Leitlinien schmackhaft zu machen.
Müssen Seelen essen und trinken oder was sind die auch dort nur begrenzt deckbaren Bedürfnisse.
Oder läuft es am Ende auf Unterhaltung vs. Langeweile hinaus?
Was dürfen gute Seelen denn dann am Ende in einem z.B. rechtschaffen-guten Himmel dann alles nicht? Sitzen die tatsächlich den lieben Tag lang und singen nichts als die vorgegebenen Hymnen an den Herrn?
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Offline nobody@home

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Re: Eigene Hölle bauen. Wie würde die aussehen?
« Antwort #26 am: 29.12.2025 | 22:56 »
Unsere SCs sind bei einem Oneshot nach einem Kampf 3 Baddies vs. 3 Goodies (alles Spieler) alle in einem Void verbannt worden. Eine ewig dunkle Hölle mit grausamen Monstern. Der PvP-Match ging übrigens 3:0 für die Baddies aus :D  >;D

Noch eine Überlegung für eine Hölle: Wie extrem muss die denn überhaupt sein? Würde eine Verbannung in z. B. eine Fantasywelt wie Dere (Aventurien), Tamriel (Elder Scrolls), Krynn usw. nicht auch schon Strafe genug sein?

Es gibt eine ganze Menge von Rollenspiel- und sonstigen fiktiven Welten, in denen ich als mein reales Selbst definitiv nicht würde landen wollen. ~;D Genau das, was sie unterhaltsam macht -- das Potential für Abenteuer möglichst überall -- macht die schließlich nicht gerade zu Orten, wo man als verwöhntes Kind aus der "ersten Welt" des 20./21. Jahrhunderts tatsächlich gerne den ganzen Rest seines Lebens verbringen will, und schon gar nicht in seinem verletzlichen Originalkörper...

Was mir allerdings in der Zwischenzeit auch noch durch den Kopf gegangen ist: wenn ich eine "Hölle" in mein Setting einbaue, dann muß ich fast schon automatisch auch in Kauf nehmen, daß die im Vergleich zu vielen anderen Orten einen ziemlich hohen Stellenwert hat. Denn wenn es sich dabei um einen ganz realen Ort handelt, wo potentiell jeder nach seinem Tod landen könnte, dann ist das natürlich für jeden Spielweltbewohner um einiges relevanter als Städte, Dörfer, und ganze ferne Königreiche, die er vielleicht eh nie zu Gesicht bekommt...und selbst wenn ich den Leben-nach-dem-Tod-Aspekt dezent ausblende und die Hölle "lediglich" als die große Brutstätte für Teufel, Dämonen und sonstiges Kroppzeuch definieren will, die möglichst jede Gelegenheit nutzen, um über die Sterblichen herzufallen, dann ist sie vermutlich immer noch ein ziemlich globales Problem! ...schön, ich könnte mir kleine und kleinste "Einzelhöllen" überlegen, die jede für sich deutlich weniger relevant sind (wenn die Sieben Sternenhöllen jenseits von Arkturus immer nur dann relevant werden, wenn ein extradoofer Beschwörer versucht, einen Dämon von da herabzuzaubern, was dann, wie belesenere Beschwörer längst wissen, immer zuerst mal dazu führt, daß der unkontrollierbare Dämon seinen Rufer genüßlich in kleine Stückchen reißt, dann werden viele SC im Laufe ihrer gesamten Karriere eben höchstens mal einem oder zwei Sprößlingen dieser bestimmten Abgründe über den Weg laufen), aber das wäre dann auch schon wieder nicht mehr so wirklich dasselbe.

Ach ja, und überhaupt: wenn das Leben nach dem Tod weitergeht und das auch noch in klar als einigermaßen beabenteuerbar definierten Lokalitäten tut -- heißt das nicht eigentlich auch, daß selbst tote Spielercharaktere noch spielbar bleiben müßten? Immerhin sind die ja in so einer Welt zumindest aus ihrer eigenen Sicht immer noch sehr wohl da... 8]

Offline Maarzan

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Re: Eigene Hölle bauen. Wie würde die aussehen?
« Antwort #27 am: 30.12.2025 | 08:00 »
So ein paar unsortierte Fragen zum Nachleben:
A) Wie viel freier Wille bleibt denn so einer Seele (auch wenn man z.B. Nachleben bespielen wollte)?
Wenn Engel fallen und Dämonen sich läutern können, dann muss da ja etwas gehen.
B) Gibt es bei nichtbösen Nachleben ähnliche Stati wie die lemure, z.B. Dienerengelchen?
C) Welchen Sinn machen Grabbeigaben in so einem Fantasyhimmel, wenn man keine Persönlichkeit und Fähigkeit solche Gegenstände einzusetzen mit rüber bringen würde?
D) Wie sieht es mit anderen Nachleben wie Walhalla aus? Da wäre so eine verstandsarme Minderkreatur wie ein Lemurenäquivalent wohl kaum ein passender Tischgenosse.
E) Wie sieht es in guten Himmeln eigentlich mit der Toleranz aus, bzw. wann wird man gekickt, wenn verschiedene kulturelle Interpretationen aufeinander treffen.
Beim Zugang kann man ja noch annehmen, dass irgendeine neutrale Institution die Zuordnung getroffen hat. Aber was wenn Engel A Engel B in die Fresse haut (oder nach oben meldet) , weil Engel B ständig schräg singt und damit die anderen verärgert? Wie sieht es mit kulturspezifischen moralischen Wertungen wie zum freiem Sex im Himmel aus?
F) Ist ein guter Himmel, der zumindest Leute mit "mildernden Umständen" nicht doch noch aufnimmt, immer noch gut? Wo wären die Grenzen? Wie viel / wie schnell  könnte man bereuen und Vergebung erlangen, wenn einem die Hölle keinen Spaß mehr macht?


Eigene Einschätzungen:
I) Wenn müßten für mich die einzelnen Nachleben irgendwie "symetrisch" sein, also zumindest ähnlichen Regeln unterliegen.
II) Ich würde für so ein Nachleben annehmen, dass sich Potential entsprechend "überlebt". Wenn ein Dretch daher den neu verstorbenen SirMalice Killalot fressen will, bekommt er ganz heftig was auf die Fresse. Mane wird, er nicht genug inträre Macht mitbringt, um sich dem Wandlungsvorgang zu widersetzen.
III) Es wird typischerweise mächtigere Wesen im Nachleben geben, aber die können auch nicht überall sein bzw. brauchen die Unterstützung von Fußvolk um ihre Interessen verfolgen zu können.
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Offline Ainor

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Re: Eigene Hölle bauen. Wie würde die aussehen?
« Antwort #28 am: 30.12.2025 | 09:34 »
Ohne die zentrale moralische Autorität, die da strafen lassen will, sondern mit konkurrierenden und ressourcenabhängigen, nicht allmächtigen Entitäten muss man sich ja letztlich fragen, was die einzelnen Gruppierungen denn den Seelen im Jenseits tatsächlich zu bieten haben, um im Diesseits entsprechende Leitlinien schmackhaft zu machen.

Traditionell ist es eher so dass man für das positive Leben nach dem Tod Anforderungen erfüllen muss (z.B. Valhalla) und dass die Hölle für diejenigen ist die die Anforderungen nicht erfüllen.

Müssen Seelen essen und trinken oder was sind die auch dort nur begrenzt deckbaren Bedürfnisse.

Glaube traditionell eher nicht.

Ach ja, und überhaupt: wenn das Leben nach dem Tod weitergeht und das auch noch in klar als einigermaßen beabenteuerbar definierten Lokalitäten tut -- heißt das nicht eigentlich auch, daß selbst tote Spielercharaktere noch spielbar bleiben müßten? Immerhin sind die ja in so einer Welt zumindest aus ihrer eigenen Sicht immer noch sehr wohl da... 8]

Da gabs mal was zu 3E Zeiten: https://www.drivethrurpg.com/en/product/169140/ghostwalk-3e

C) Welchen Sinn machen Grabbeigaben in so einem Fantasyhimmel, wenn man keine Persönlichkeit und Fähigkeit solche Gegenstände einzusetzen mit rüber bringen würde?

Grabbeigaben können auch einen ganz anderen Sinn haben. Aber in der Tradition dass mythologische Vorstellungen in der Fantasy real sind haben die Seelen ein Abbild ihrer Ausrüstung. Zumindest ist das bei Geistern meistens so.
Es wird zu viel darüber geredet wie gewürfelt werden soll, und zu wenig darüber wie oft.
Im Rollenspiel ist auch hinreichend fortschrittliche Technologie von Magie zu unterscheiden.
Meine 5E Birthright Kampagne: https://www.tanelorn.net/index.php/topic,122998.0.html

Offline Maarzan

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Re: Eigene Hölle bauen. Wie würde die aussehen?
« Antwort #29 am: 30.12.2025 | 11:01 »
Traditionell ist es eher so dass man für das positive Leben nach dem Tod Anforderungen erfüllen muss (z.B. Valhalla) und dass die Hölle für diejenigen ist die die Anforderungen nicht erfüllen.
...

Ich fragte ja nach dem positiven Leben im  Nachleben. In Valhalla ist das ewige Party und Spiele. (und auch wenn man im Nachleben nicht essen muss, ist gutes Essen offenbar ein vermarktbares Benefit. )

Wobei wenn die jeweiligen Götter Überfluß anzubieten haben, warum dann nicht auch bei den Bösen? Um absolute Herrschaft und Gehorsam zu erzwingen muss man die Untertanen ja nicht aushungern, wenn man da nicht selbst einen Vorteil von hat (weil Nahrung z.B. nicht beliebig viel vorhanden ist).
Wäre Sex,Drugs (inkl. Bier und Fastfood)  und Rockroll da nicht eher ein dämonenkonformes Leben, während Völlerei etc. bei den guten Sünden Sünden wären?
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Offline Gunthar

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Re: Eigene Hölle bauen. Wie würde die aussehen?
« Antwort #30 am: 30.12.2025 | 12:17 »
Im christlichen Himmel sitzt man auch zu Tische.

Dann gibt es auch noch die Vorhölle und das Fegefeuer. In Letzterem werden leicht sündige Seelen oder Seelen, die ihre Sünden bereut hatten, für den Himmel gereinigt und geläutert.
« Letzte Änderung: 31.12.2025 | 22:31 von Gunthar »
Spieler in D&D 5e: "8 + viel, trifft das?"

Stoßseufzer angesichts der ersten Kampfszene, nachdem sich die Sitzung bislang ziemlich zäh hingezogen hat: "Es geschehen doch noch Leichen und Wunden!"

Offline nobody@home

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Re: Eigene Hölle bauen. Wie würde die aussehen?
« Antwort #31 am: 31.12.2025 | 11:01 »
Da gabs mal was zu 3E Zeiten: https://www.drivethrurpg.com/en/product/169140/ghostwalk-3e

Sicher, zur D20-Hochzeit gab es vieles und ab und zu sogar was Gescheites. ;D

Aber an sich ist die Frage nach dem "Leben nach dem Tod" in einem Setting ja systemunabhängig -- und sobald man in auch nur irgendeiner Form (und sei es im Rahmen eines einzelnen Abenteuers "speziell zum Thema") ein definitives "Ja, das gibt's tatsächlich" zurückbekommt, macht das halt ein ganzes neues und für alle einigermaßen wichtiges Faß auf, mit dem wir uns im richtigen Leben normalerweise nicht beschäftigen (müssen) und bei dem wir reflexartig davon ausgehen, daß die Bewohner der Spielwelt das ebenso wie wir auch nicht allzu oft tun werden. Aber wie ist das "da drüben" nun eigentlich konkret so, kann man die Toten mal besuchen oder wenigstens mit ihnen "telefonieren", ist der Tod überhaupt etwas, wovor man noch Angst haben soll, oder vielleicht sogar eher erstrebenswert, weil das, was nach ihm kommt, eine Verbesserung darstellt...? Alles Themen, bei denen IRL selbst die großen Religionen aus einigermaßen naheliegenden Gründen eher verlegen handwedeln -- kein Wunder also, daß selbst die meisten "bloßen" Settingschreiber um konkrete Antworten lieber einen dezenten Bogen machen, und gerade im Rollenspielbereich, wo man natürlich erwarten sollte, daß einmal aufmerksam gemachte Spieler da mal nachbohren wollen (und auch dürfen sollten!), bin ich das ständige Herumgedruckse allmählich einfach etwas leid. :P