Autor Thema: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?  (Gelesen 328 mal)

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Offline Zed

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Es soll in diesem Thread um "moderne Regelmechaniken" gehen und welche es gibt, nicht um moderne und old-school Spielphilosophien.

Als Aufschlag zu der Frage im Threadtitel könnte die Perplexity-Zusammenfassung eines Threads auf Enworld mit dem Titel "What Do You Think Of As "Modern TTRPG Mechanics"?" hilfreich sein:

Zitat
Der Thread diskutiert, was Spielende heute als „moderne“ TTRPG-Mechaniken verstehen, ohne eine starre zeitliche Grenze zu ziehen. Stattdessen wird „modern“ überwiegend qualitativ gefasst, meist im Gegensatz zu älteren, stärker simulationistischen Designs.

Ausgangsfrage
Der Threadstarter fragt, welche Mechaniken als „modern“ gelten, ob es dafür einen historischen Schnitt oder eher qualitative Kriterien gibt.

Weitere Leitfragen sind, ob es „ihrer Zeit voraus“ liegende oder „regressive“ Spiele gibt und ob moderne Mechaniken persönlich wichtig sind.

Häufig genannte Merkmale „moderner“ Mechaniken
Mehr Abstraktion statt detaillierter physikalischer Simulation; als Beispiele werden Ressourcenwürfel (The Black Hack) und Advantage/Disadvantage in D&D 5E genannt.

Stärker narrativ ausgerichtete Systeme: Ereignis‑ statt Aufgabenauflösung, fail forward, mehrere Erfolgsstufen, Playbooks, „clocks“, Metacurrencies/Bennies.

Abgrenzung zu „alt“ bzw. simulationistisch
Ältere Systeme werden als versuchende Simulation physikalischer Realität beschrieben, während moderne Systeme eher Story, Spielfluss oder Spaß priorisieren („Not Simulationist“).

„Modern“ wird häufig mit narrativistischen oder gamistischen Tendenzen verknüpft, während „old school“ eher hart-regelbasierte, simulationistische Ansätze meint.

Historische Einordnung und Beispiele
Einige verorten „modern“ grob ab dem 21. Jahrhundert oder in der Post‑Forge‑Ära („system matters“), betonen aber, dass es heute sowohl moderne als auch „alte“ Designs gibt.

Classic Traveller (Skill-System) und Pendragon werden als Beispiele für Mechaniken genannt, die ihrer Zeit voraus gewesen seien.

Persönliche Bewertungen im Thread
Für manche ist „modern“ eher ein neutraler Designstil; sie schätzen sowohl traditionelle Systeme (z.B. PF2) als auch stark narrative Spiele (z.B. Tales from the Loop).

Andere lehnen viele moderne/narrative oder stark gamistische Mechaniken ab und bevorzugen nur ausgewählte Elemente wie abgestufte Erfolge, während sie Metacurrencies und starke Spielerautonomie kritisch sehen.

Online Skaeg

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #1 am: Gestern um 18:49 »
Ich sehe bei dem von mir nicht unbedingt (zumindest nicht ausschließlich) positiv-wertend wahrgenommenen Archetypen eines modernen Spiels folgende Kern-Regelelemente, die es von dem eines traditionellen Spiels trennen:

1. Charaktere werden mithilfe von Punkteverteilungsystemen gebaut; sie werden nicht ausgewürfelt.

2. Es gibt einen einheitlichen Proben/Würfelmechanismus, der alle Subsysteme durchdringt; es gibt nicht verschiedene Probenarten oder gar verschiedene Würfeltypen für unterschiedliche Subsysteme.

3. Spieler können auf der Metaebene in die Spielerzählung eingreifen; sie sind nicht allein auf das Handeln ihrer Figur innerhalb der Spielwelt beschränkt.

4. Regeln z.B. für Fähigkeiten, Kämpfe, Zauber etc. sind für die Anwendung von Spielercharakteren, die eine idealtypische Abenteuererfahrung im Spiel durchleben, gemacht; sie sind ganz klar nicht Ausdruck der Funktionsweise der Spielwelt.

5. Belohnungs- und Aufstiegsmechanismen werden auf der extradiegetischen Ebene (d.h. zwischen Spielern und SL) ausgemacht; sie sind nicht mechanischer Ausdruck von konkreten intradiegetischen (d.h. innerhalb der Spielwelt) Erfahrungen der Spielfiguren.

Wie gesagt, ist das als Archetyp gedacht, was bedeutet: Kein "modernes Spiel" wird eine reine Form all dieser Regelparadigma zu 100% umsetzen. Aber je mehr es davon erfüllt, desto mehr qualifiziert es sich als modernes Spiel.

Es sollte aber klar sein, dass z.B. Runequest oder Classic Traveller nach dieser, meiner persönlichen, Definition keine "modernen" Spiele sind. Nichtsdestoweniger kann es natürlich auch schon vor der eigentlichen Übergangsepoche zu "modernen" Spielen, die ich in den 90ern sehe, Spiele gegeben haben, die einige oder viele dieser Elemente vorweggenommen haben. (GURPS und Mechwarrior wären zwei, die mir einfielen.)
« Letzte Änderung: Gestern um 18:53 von Skaeg »
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Offline Maarzan

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #2 am: Gestern um 20:04 »
Ich denke modern ist einfach Werbesprech für was auch immer ein Verlag oder Autor macht, wo er dann  seiner Meinung nach von früheren Systemen positiv abweicht.
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Offline 1of3

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #3 am: Gestern um 20:24 »
Bedeutet für mich bestenfalls Marketing.

Offline nobody@home

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #4 am: Gestern um 20:44 »
Bedeutet für mich bestenfalls Marketing.

Marketing oder alternativ auch Abkanzelung im Sinne von "neumodischer Unfug", je nach vertretener Position.

Denn: das Rollenspielhobby an sich ist mittlerweise auch schon in seinen frühen Fünfzigern, und so viele "revolutionär neue" Mechaniken, die es nicht schon in den ersten (konservativ geschätzt) zehn bis fünfzehn Jahren davon -- also spätestens Mitte bis Ende der achtziger Jahre -- erfunden hätte, gibt es zumindest meiner natürlich ihrerseits einigermaßen subjektiv eingefärbten Erinnerung nach eigentlich gar nicht. Was danach kam, waren hauptsächlich gelegentliche kleine Weiterentwicklungen und Kombinationsversuche von eigentlich bereits Bekanntem.

Offline Maarzan

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #5 am: Gestern um 20:49 »
...
Denn: das Rollenspielhobby an sich ist mittlerweise auch schon in seinen frühen Fünfzigern, und so viele "revolutionär neue" Mechaniken, die es nicht schon in den ersten (konservativ geschätzt) zehn bis fünfzehn Jahren davon -- also spätestens Mitte bis Ende der achtziger Jahre -- erfunden hätte, gibt es zumindest meiner natürlich ihrerseits einigermaßen subjektiv eingefärbten Erinnerung nach eigentlich gar nicht. Was danach kam, waren hauptsächlich gelegentliche kleine Weiterentwicklungen und Kombinationsversuche von eigentlich bereits Bekanntem.

Der typische Lebenszyklus von nahezu allem:
Innovation - Evolution - Degeneration.
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Offline Zed

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #6 am: Gestern um 21:06 »
@Skaeg
Coole, treffende Liste, danke!

Zu starke DnD-Prägung oder zuwenig Spielpraxis? Ich habe auf der Dreieich immerhin 4 Stunden Nimble2e probiert, Daggerheart intensiver angeschaut, sonst aber keine moderne Systeme gespielt, und ich befürchte, ich mag allzusehr abstrahierende Regeln nicht...

Offline Zouan81

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #7 am: Gestern um 21:26 »
Was modern ist, ist schwer zu beschreiben.

Modern mag zwar sein, dass man heute auf Fertigkeiten nahezu verzichtet, aber ob das wirklich ein positiver Aspekt einen RPG-Systems ist, wage ich fast schon zu bezweifeln.

Es ist einfacher, das Gegenteil davon zu beschreiben:

NICHT modern ist/sind...

1) Regelmechaniken, die sich ZU sehr in Details verheddern oder wo jeder Mist ausgewüfelt werden muss (hat mich bspw. bei Harnmaster schon abgeschreckt, dass die Trefferzonen extra ausgewürfelt werden mussten).

2) Mechaniken, die zu sehr überladen sind und den Spielfluß verlangsamen (DSA lässt grüßen).

3) Charaktererschaffungen bei denen ausgewürfelt werden MUSS, anstatt es lediglich als eine Generierungsoption von mindestens 2 oder 3 anzubieten.

4) Regeln, die zu stark auf das Kämpfen ausgerichtet sind, anstatt erzählerische Aspekte stärker hervorzuheben.

5) Systeme, die mit großen Zahlen arbeiten.

6) Systeme, die sich eher für Computer-RPGs anstelle von PnP eignen.


Die Reihe lässt sich sicher noch fortsetzen, aber mehr fällt mir im Moment nicht ein.


Modern scheint irgendwo auch so ein Marketingbegriff zu sein.

Eigentlich ist "Modern" ja auch ein Subgenre im RPG, genauso wie "Fantasy" oder "Horror".








Gespielte Regelsysteme:

D&D, DSA, RdW, Saga, Earthdawn

Online Mr. Ohnesorge

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #8 am: Gestern um 21:29 »

5. Belohnungs- und Aufstiegsmechanismen werden auf der extradiegetischen Ebene (d.h. zwischen Spielern und SL) ausgemacht; sie sind nicht mechanischer Ausdruck von konkreten intradiegetischen (d.h. innerhalb der Spielwelt) Erfahrungen der Spielfiguren.


Hast du dafür ein Beispiel?
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Offline Zed

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #9 am: Gestern um 21:34 »
Letztlich wäre das wohl auch die Aufstiegsmethode, die meine Gruppe und ich seit Jahrzehnten aus Überzeugung nutzen: Der bedingungslose Aufstieg alle X Spieltage (bei uns: alle 7 Spieltage).

Da wäre ich mal auf der Seite "modern".  :)

Offline unicum

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #10 am: Gestern um 21:42 »
Hi Zed,...

prinzipiell würde ich schon sagen das dein Kasten das schon irgendwie trifft, alleine sehe ich "modern" da eher wie andere auch so als Marketing; oder vieleicht sogar als Kampfbegriff.

Aber, das letze "Neue" regelwerk von einem großen Verlag das ich mir angeschaut habe das hatte eben nichts wirklich spektakulär neues für mich und ja eigentlich verbinde ich "Modern" ohne irgendwelchen Begriff dahinte mit eben etwas "neuem"- Beispielswiese moderne Autos sind eben keine Verbrenner - wobei auch da es so ist das es zur Ahnfangszeit des Automobiles auch durchaus shcon Elektrowägen gegeben hat waren aber halt chancenlos. Deswegen ist die Methaper für mich hier schon passend. Moderne Rollenspiele sind wie Elektroautos - gabs eventuell schonmal.

Bezüglich "Kampfbegriff" finde ich solche Bezeichner eben genau so - als Kampfbegriff, weil mit Modern schwingt, also zumindest bei mir, immer mit dass die anderen unmodern sind, was eine negative bewertung ist. So sehe ich es eben. Zugestanden es kahm dann auch das OldSchool RPG irgendwann das den "Spieß" umdrehte aber eben auch nicht unbedingt wirklich "Alter Krahm" ist.

Sicher, die alten Rollenspiele von vor 40 Jahren haben alle so spieltechnisch und vieleicht auch welttechnisch ihre Krähenfüße drin und sind mal besser oder schlechter gealtert.n Ich hab zwar in reichweite von meinem PC die rote D&D Box stehen mit der für mich alles losging, Spielen würde ich es aber trozdem nicht mehr wollen. Aber sowas wie D&D3.5? warum nicht? Runequest von AH steht bei mir immer noch gut da und auch einige andere Alte Systeme.

Auf der anderen Seite hatte ich mir schon recht früh sowas wie "Amber Diceless RPG" gegönnt das schon einige Mechaniken hatte die ich als extrem Inovativ erachtete. Spielleiterloses Rollenspiel hatte ich zwar noch nicht von einem großen Verlag gesehen aber schon vor 2000 gespielt. Player Empowerment - ist für mich auch etwas das ich aus den Jahren von vor 2000 kenne.

Das letzte mal wo ich mir wirklich bei einem RPG sagte "Wow wie inovativ" (im Sinne von Neu, nicht unbedingt im Sinne von 'Das ist es das will ich haben' war Dread mit dem Jengaturm (viel mehr als den Namen und den JengaTurm kenn ich von dem Spiel garnicht, ich mein die hätten statt Jenga auch den Bausack nehmen können, ich denke auch das es nicht bei jedem die immersion fördert wenn man einen Stein aus dem Turm ziehen muss aber egal es war Neu und inovativ für mich.)

Also wieder zurück zu dem lezten Sytem das ich mir durchgelesen habe: Ich fand nichts neues und inovatives, als "modern" kann man es trozdem wohl bezeichnen.

Ist vieleicht die Frage erlaubt wie man sich wohl das Postmoderne RPG vorstellen kann? Ich denke KI klopft da schon an die Tür und die einen sagen "JA!" und die anderen hohlen das Weihwasser raus: der kreis schliesst sich KI ist zwar (noch?) kein Kampfbegriff aber eine potentieller Keil für eine Spaltung.

Und Spaltungen hab ich derzeit in der realen Welt schon viel zu viel.
« Letzte Änderung: Gestern um 22:55 von unicum »

Offline nobody@home

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #11 am: Gestern um 22:31 »
5. Belohnungs- und Aufstiegsmechanismen werden auf der extradiegetischen Ebene (d.h. zwischen Spielern und SL) ausgemacht; sie sind nicht mechanischer Ausdruck von konkreten intradiegetischen (d.h. innerhalb der Spielwelt) Erfahrungen der Spielfiguren.

Schon Ur-D&D hatte also mindestens ein modernes Element -- denn daß die Stufenaufstiege da tatsächlich irgendwas mit den konkreten Spielwelterfahrungen der SC zu tun gehabt haben sollen, kann mir keiner erzählen. ;)

Offline Eleazar

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #12 am: Heute um 01:49 »
Für mich vor allem, dass man sich nicht einarbeiten und keine Mühe geben muss. Alles muss sich gleich und sofort auf den ersten Blick erschließen.
Möglichst keine Zahlen oder Listen, sondern Worte. Weniger klare Regeln, mehr Handwedeln oder Aushandeln.
Mehr Bilder und weniger Text.

Online Skaeg

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #13 am: Heute um 08:07 »
Schon Ur-D&D hatte also mindestens ein modernes Element -- denn daß die Stufenaufstiege da tatsächlich irgendwas mit den konkreten Spielwelterfahrungen der SC zu tun gehabt haben sollen, kann mir keiner erzählen.
wtf? Gold für XP ist doch das klassische Beispiel: Fortschritt misst sich an materiellen Gütern, die die Charaktere in der Spielwelt einsammeln.

Dass das realistisch ist, hat keiner behauptet. Diesen Einschub sinngemäß auch für die anderen Punkte beachten.
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Online Skaeg

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #14 am: Heute um 08:10 »
Hast du dafür ein Beispiel?
Für moderne Mechanismen i.d.S.? XP-Vergabe für Spielerbeteiligung; Milestones; XP nach Fortschritt in der Story bzw. im Abenteuer etc.
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